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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 


DER 


LXVTII.  BAND  1918. 


Mit  19  Tafeln. 


^ 


Wien,  1919. 

Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt. 


1q  Kommission  bei  R.  Lechner  (Wilh.  Müller),  Universitätsbuchhandlung 

I.  Graben  31. 


Die  Alltoren  allein  sind  für  den  Inhalt  ihrer  Mittoiliingcu  verantwortlich. 


Inhalt. 


Seite 
Feibonalstancl  der  Geologischen  Reichsanstalt  (1.  Oktober  1919) V 

Korrespondent  der    Geologischen  Reichsanstalt  1919 VIII 


1.  und  2.  Heft. 

Dr.  W.  Petrasclieck :  Geologische  Studien  am  Ostrande  des  polnischen  und 
de«  Krakauer  Steinkohlenrevieres.  (Mitteilung  der  wissenschaftlichen 
Studienkommission  beim  k.  u.  k.  Militär- General-Gouvernement  für  das 
östcrr.-ungar.  Okkupationsgebiet  in  Polen.  Mit  einer  Tafel  (Nr.  I)  und 
fünf  Textfiguren 1 

Frauz    Angel:     Die  Quarzkeratophyre    der    ßlasseneckserie     (Obersteirische 

Grauwackenzone.)   Mit  einer  Tabelle  (Tafel  Nr.  II)  und  22  Textfiguren       29 

Dr.  Josef  Woldfich:     Das    Prokopital    südlich    von    Prag.     Mit   vier  Tafeln 

(Nr.  III  [IJ-VI  [IV])  und  einer  Textabbildung 63 

J.  V.  Zelizko:    Eine  kleine  Löwenart  aus  dem  südböhmischen  Diluvium  von 

Wolin.  Mit  einer  Tafel  (Nr.  VII)  und  einer  Textabbildung 113 

J.  V.  Zelizko:  Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böhmischen  Ober- 
kreide. Mit  zwei  Tafeln  (Nr.  VIII  und  IX) 119 

Fritz  V.  Keriier:     Die   Ueberschiebung  am    Blaser,   westlich    vom    mittleren 

Silltale.   Mit  sechs  Textfiguren 123 

Otto  Ampferer:    Zur   Erinnerung  an  Alb  recht  Spitz.     Mit  einem  Bildnis 

(Tafel  Nr,  X) 161 

Albrecht  Spitz:  Studien  über  die  fazielle  und  tektonische  Stellung  des  Tarn- 
taler und  Tribulaun-Mesozoikums.  Mit  einer  stratigraphischen  Tabelle 
(Tafel  Nr.  XI)  und  7  Zeichnungen 171 

Wilhelm  Hammer:  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  Mit  10  Textfiguren 

und  drei  Profiltafeln  (Nr.  XII  -XIV) 205 

Josef  Stiny,  Ing.  und  Dr.  phil. :  Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloid- 
chemie, Geologie  und  Technik      259 


IV 

3.  und  4.  Heft.  seitc 

Dr.  E.  Spengler:  Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  Hallstätter  Salzberges 
im  Salzkammergut.  Eine  geologiscne  Monographie.  Mit  einer  geologischen 
Karte  im  Maßstabe  1:25.000  (Tafel  Nr.  XIV«  |l]),  einer  Profiltafel  (Tafel 
Nr.  XV  [II],  einer  Lichtdrucktafel  (Tafel  Nr.  XVI  [IIl],  einer  Tafel  mit 
zwei  morphologischen  Kärtchen  ^ Tafel  Nr.  XVII  [IV])  und  einer  paläon- 
^  tologischen  Tafel  (Tafel  Nr.  XVIII  [V]) 285 

Prof.  Dr.  C.  Diener:  Nachträge  zur  Dibranchiatenfauna  der  Hallstätter  Kalke. 

(Mit  einer  Tafel,  Nr.  XIX) 483 


Verzeichnis  der  Tafeln. 

Tafel  I: 
zu:   Dr.  W.  Petrascheck:   Geologische  Studien   am  Ostrande  des  polnischen 

und  des  Krakauer  Steinkohlenrevieres        1 

Tafel  11: 
au:    Franz  Ang'el:  Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie 29 

Tafel  III  [I]-VI  [IV] : 
zu:    Dr.  J.  Woldrlch:  Das  Prokopital  südlich  von  Prag 63 

Tafel  VII : 
zu:    J.  V.  Zelizko:    Eine   kleine  Löwenart  aus  dem  südböhmischen  Diluvium 

von  Wolin 113 

Tafel  VIII  und  IX : 
zu:    J.  V.  Zeliz^O:    Nachtrag    zur   Kenntnis    der   Gervillien    der    böhmischen 

Oberkreide UÜ 

Tafel  X: 
zu:  Otto  Anipforer:  Zur  Erinnerung  an  Albrech t  Sjiitz 161 

Tafel  XI: 

zu:  All)recht  Spitz:   Studien  über  die   faziclle  und  tektonische  Stellung  des 

Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums 171 

Tafel  XU- XIV: 
zu:  Wilhelm  Hammer:  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol) 2ü5 

Tafel  XIV a  [1]-XVITI  [V]: 
zu:  Dr.  E.  Spengler:   Die  Gebirgsgruppe   des  Plassen   und   Hallstätter  Salz- 
berges im  Salzkammergut 285 

Tafel  XIX: 
zu:  Prof.  Dr.  €.  Diener:    Nachträge  zur  Dibranchiatenfauna  der  Hallstätter 

Kalke 483 


Personalstand 

der 

Geologischen  Reichsanstalt. 

(1.  Oktober  1919.) 


Unbesetzt. 


Unbesetzt. 


Direktor 


Vizedirektor: 


Cliefgeologen : 

Geyer  Georg,  Besitzer  des  Ritterkreuzes  des  Franz  Josef-Ordens, 
Regierungsrat,  korr.  Mitglied  der  Akademie  der  Wissenschaften, 
IIL  Hörnesgasse  Nr.  9.  Derzeit  mit  der  Leitung  der  Anstalt 
betraut. 

D reger  Julius,  Phil.  Dr.,  Bergrat,  Mitglied  der  Kommission  für  die 
Abhaltung  der  ersten  Staatsprüfung  für  das  landwirtschaftliche, 
forstwirtschaftliche  und  kulturtechnische  Studium  an  der  Hoch- 
schule für  Bodenkultur  etc.,  Ehrenbürger  der  Stadt  Leipnik  und 
der  Gemeinde  Mosel,  III.  Uugargasse  Nr.  71. 

K  erner-Marilaun  Fritz,  Med.  U.  Dr.,  Bergrat,  korr.  Mitglied  der 
Akademie  der  Wissenschaften,  Mitglied  der  Kommission  für  die 
Abhaltung  der  ersten  Staatsprüfung  an  der  Hochschule  für  Boden- 
kultur, III.  Keilgässe  Nr.  15. 

Hammer  Wilhelm,  Phil.  Dr.,  XIII.  Waidhausenstraße  Nr.  16. 

Waagen  Lukas,  Phil.  Dr.,  Besitzer  des  Goldenen  Verdienstkreuzes 
mit  der  Krone,  III.  Sophienbrückengasse  Nr.  10. 

Ampfer  er  Otto,  Phil.  Dr.,  II.  Schüttelstraße  Nr.  77. 

Vorstand  des  chemischen  Laboratoriums: 

Eichleiter  Friedrich,  Ing.,  Besitzer  des  Kriegskreuzes  IL  Kl.  für 
Zivilverdienste,  III.  Kollergasse  Nr.  18. 


VI 

Geologen: 

Ohnesorge  Theodor,  Phil.  Dr.,  III.  Hörnesgasse  Nr.  24. 
Beck  Heinrich,  Phil.  Dr.,  III.  Erdbergstraße  Nr.  35. 
Vetters  Hermann,  Phil.   Dr.,  Privatdozent    an   der    montanistischen 
Hochschule  in  Leoben,  IH.  Tongasse  Nr.  3. 


Bibliothekar : 

Maluschka  Alfons,  Phil.   Dr. 


Adjunkten : 

Hackl  Oskar,  Techn.  Dr.,  IV.  Schelleingasse  8. 
Götzinger  Gustav,  Phil.  Dr.,  Preßbaum  bei  Wien. 


Assistenten : 

Sander  Bruno,   Phil.  Dr.,   Privatdozent  an  der  Universität  in  Wien. 
Spengler  Erich,  Phil.  Dr.,  Privatdozent  an  der  Universität  in  Wien, 
III.  Marxergasse  39. 

Praktikanten : 

Unbesetzt. 

Für  die  Kartensaimnlung : 

Zeichner: 
L  a  u  f  Oskar,  I.  Johannesgasse  8. 
II  üb  er  Franz,  V.  Anzengrubergasse  8. 
Stromer  Richard,  XV.  Keithoferplatz  5. 


Für  die  Kanzlei  und  Rechnungsführung: 

Gaina  Johann,  Rechnungsrat  im  Unterrichtsamte,  Besitzer  des  Kriegs- 
kreuzes III.  Kl.  für  Zivilverdienste,  III.  Barichgasse  32. 


Kanzleioffiziantin : 

Girardi  Margarete,  III.  Geologengasse  Nr.  1. 


VII 

Diener: 

Amtsdiener: 

W  al  In  er  Matthias,  Besitzer  der  ihm  zweimal  verliehenen  kleinen 

Silbernen  Tapferkeitsmedaille,  III.  Rasumofskygasse  Nr.  25. 
Kreyöa  Alois,  III.  Erdbergstraße  33. 
Präparator:  Koen ig  Josef,  III.  Rasumofskygasse  23. 
Laborant:  Felix  Johann,  III.  Rasumofskygasse  25. 
Aushilfskraft:  Ulbing  Johann,  Amtsdiener  i.  R.,  III.  Rasumofsky- 
gasse Nr.  23. 


VIII 


Korrespondent 

der 

Geologischen  Reichsanstalt  1919. 


Dr.  Franz  Tschernich 
Gymnasialprofessor  i.  R.  in  Seekirchen  bei  Salzburg. 

(20.  Mai  1919.)     " 


AusffCffebeii  Ende  Juni  1910. 


JAHRBUCH 


DKU 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


i; 


JAHRGANG  1918    LXVIIL  BAND. 

1.  und  2.  Heft. 


14 


^ 


Wien,   1919. 
Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt. 


In  Korainisaion  bei  R.  Lechner  (Wilhelm  Muller),  üniversitätsbuchhandlung 

I.  Graben  Sl. 


Geologische  Studien  am  Ostrande  des  polni- 
schen und  des  Krakauer  Steinkohlenrevieres. 

(Mitteilung  der  wissenschaftlichen  Studienkommission  beim  k.  u.  k. 
Militär  General-Gouvernement  für  das   öster-ung.  Okkupationsgebiet 

in  Polen  ^). 

Von  Dr.  W.  Petrascheck  (Wien). 

Mit  einer  Tafel  (Nr.  1)  und  fünf  Textfiguren. 

Während  in  Galizien  das  Steinkohlenrevier  eine  sichtbare  Be- 
grenzung in  dem  Kohlenkalke  bei  Krzeszowice  findet,  ist  in  Polen 
eine  solche  Grenze  nicht  gegeben,  Wohl  ist  auch  hier  Devonkalk 
bekannt  in  Gestalt  kleiner  Aufbrüche,  die  bei  Klucze,  Zawiercie  und 
bei  Siewercz  inmitten  mesozoischer  Schichten  zutage  treten.  Diese 
Orte  liegen  aber  so  weit  abseits  vom  Kohlenrevier,  daß  die  Frage 
nach  seiner  Grenze  einen  weiten  Spielraum  offen  Läßt,  wenn  man 
nicht,  wie  es  in  den  letzten  Jahren  allgemein  angenommen  wurde, 
die  in  den  Eisenbahneinschnitten  l)ei  Golonog  zutage  ausstreichen- 
den Schichten  als  Kulm,  mithin  als  Liegendes  gelten  läßt.  Die  Karbon- 
sandsteine der  erwähnten  Eisenbahneinschnitte  werden  wegen  der  wich- 
tigen Fauna,  die  sie  enthalten,  in  der  Literatur  oft  angeführt.  Römer  2) 
hat  über  sie  zuerst  berichtet.  Er  rechnete  sie  zu  den  Ostrauer 
Schichten,  wenngleich  er  sich,  wie  seine  Nachfolger,  darüber  klar  war, 
daß  diese  Sandsteine  ein  tiefes  Niveau  der  Ostrauer  Schichten  reprä- 
sentieren. Vor  einigen  Jahren  wurden  die  Fossilien  durch  Gramer^) 
einer  neuen  Bearbeitung  unterzogen,  deren  Ergebnis  war,  daß  die 
Fauna  zum  Unterkarbon  zu  rechnen  sei.  Infolgedessen  wird  auf  den 
neueren  Revierkarten  der  Beckenrand  westlich  von  diesen  Eisenbahn- 
einschnitten gezogen  und  werden  die  fossilführenden  Schichten  bereits 
zum  Kulm  gerechnet. 

Gleiche  Verschiebungen  haben  in  den  letzten  Jahren  die  Auf- 
fassungen  über    den  Rand  des  Oberkarbons   im  Krakauer  Revier   er- 


^)  Die  dieser  Veröffentlichung  zugrunde  liegenden  Untersuchungen  wurden, 
soweit  Polen  in  Betracht  kommt,  im  Auftrage  der  wissenschaftlichen  Studien- 
kommission beim  k.  u.  k.  Militär-General-Gouvernement  für  das  öst.-  ung.  Okku- 
pationsgebiet in  Polen,  soweit  Galizien  in  Betracht  kommt,  im  Dienste  der  k.  k. 
geol.  Reichsanstalt  unternommen. 

^)  Zeitschrift  der  deutschen  geol.  Gesellschaft  1866,  pag.  663. 

^)  Jahrb.  d.  kön.  preuß.  geol.  Landesanstalt  für  1910,  II. 
.lahrhiich  rt.  k.  k.  peo\.  Reichsanatalt.  i9i8.  fi8   Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (W.  Petrascheck.;         1 


2  Dr.   W.  Petrascheck.  [2  | 

fahren.  Au  den  Kohlenkalk  des  Cernatales  grenzen  überaus  fossilarme 
Schiefertone,  die  am  Miekiniabache  gut  aufgeschlossen  sind.  Zarv'cny 
rechnete  sie  ebenso  wieTietze  zum  produktiven  Karbon.  Ganz  mit 
Recht  betrachtet  Zar  §c  ny  kleine  Karbonaufschlüsse,  die  in  dem  Walde 
bei  Gluchowki  sowie  im  Tale  von  Zalas  sichtbar  werden,  als  zu  den 
gleichen  Schichten  wie  jene  von  Miekinia  gehörend. 

Von  diesen  Aufschlüssen  bei  Zalas  ist  die  Umdeutung  aus- 
gegangen. Michael  veröffentlichte  1905  eine  Notiz,  daß  in  Zalas 
Kulm  erbohrt  worden  sei.  Er  ließ  später  eine  genauere  Mitteilung 
nachfolgen  ^),  in  der  er  aus  den  Zalaser  Bohrungen  Grauwacken  mit 
Spiriferen,  die  dem  ISp.  pinguis  und  Sp.  sfriatn.^  nahestehen,  bekannt 
machte,  welche  Fossilien  Michael  auch  in  der  genannten  Ortschaft 
auffand.  Freilich  durften  diese  Fossilfunde  noch  nicht  als  beweisend 
für  Kulm  betrachtet  werden,  immerhin  aber  sprachen  sie  dafür,  daß 
mindestens  die  ältesten  Teüe  des  produktiven  Karbons  vorlagen. 
Beweiskräftiger  waren  Funde,  die  W  i  snio  wsky ''^)  am  Miekiniabache 
glückten,  denn  unter  ihnen  befand  sich  die  Uhodea  moravica  St.,  die 
vor  allem  aus  dem  sudetischen  Kulm  bekannt  ist.  Vor  etlichen  Jahren 
hatte  Professor  Wisniowsky  die  Güte,  mir  seine  Belegstücke  ein- 
zusenden, um  mich  in -die  Lage  zu  bringen,  sie  mit  den  Stur'schen 
Originalen  zu  vergleichen.  Ich  konnte  die  Richtigkeit  der  Bestimmung 
nur  bestätigen.  Immerhin  ist  im  Auge  zu  behalten,  daß  die  Spezies 
wahrscheinlich  auch  in  den  unteren  Ostrauer  Schichten  enthalten  ist. 

Nach  allen  diesen  Untersuchungen  galt  es  als  ausgemacht,  daß 
östlich  von  den  Flözen  der  Floragrube  bei  Dij-browa  und  im  Liegenden 
der  ebenfalls  zu  den  Ostrauer  Schichten  gerechneten  Tenczyneker 
Kohlenflöze  Unterkarbon  in  Gestalt  von  Kulmschichten  paläontologisch 
erwiesen  war.  Dabei  wurde  stillschweigend  über  die  Tatsache  hinweg- 
gegangen, daß  sich  dieser  angebliche  Kulm  petrographisch  recht  er- 
heblich vom  Kulm  der  Sudeten,  wie  überhaupt  vom  deutschen  Kulm 
unterschied. 

Neue  Gesichtspunkte  zur  Beurteilung  dieser  Angelegenheit  er- 
gaben sich  aus  der  durch  v.  K 1  e  b  e  1  s  b  e  r  g  erfolgten  Bearbeitung 
der  Fauna  der  Ostrauer  Schichten  3).  Von  Klebeisberg  wies  nach, 
daß  auch  diese  Fauna  unterkarbonisch  ist.  Damit  aber  ist  den  paläonto- 
logischen Beweisen  Cramers  und  Michaels  der  Boden  entzogen. 
Ihres  Fossilinhaltes  wegen  brauchen  die  Schichten  von  Golonog, 
Miekinia  und  Zalas  noch  nicht  als  Kulm  gedeutet  zu  werden.  Wenn 
demnach  Schichten  mit  unterkarboner  Fauna  in  Mährisch -Ostrau 
Steinkohlenflöze  enthalten,  so  ist  die  gleiche  Möglichkeit  auch  für 
die  Schichten  von  Goionog  etc.  geboten. 

Dank  dem  Entgegenkommen  der  Betriebsleitung  der  k.  u.  k. 
Heeresbahn  N  konnte  ich  unter  Zuhilfenahme  kleiner  Schürfungen  die 
Fossilführung  der  Golonoger  Eisenbahneinschnitte  genauer  studieren. 
Die  Schichten  enthalten,  wie  das  im  produktiven  Karbon  immer  der 
Fall  ist,  ihre  Fauna  nur  in  einzelnen  Bänken.  Die  Angabe  Michaels, 


*)  Jahrl).  d.  kün.  preuß.  gool.  Landesanstalt  für  1907,  pay.   193. 
"■*)  Anzeiger  der  Akad.  d.  Wissensch.,  Krakau.  Dezember  1910. 
3j  .lahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  Bd.  62  (1912). 


31 


iTeol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier, 


daß  in  den  Ostrauer  Schichten  die  marine  Fauna  diffus  verteilt  sei, 
ist,  wie  anderen  Ortes  gezeigt  werden  soll,  eine  mißverständliclie. 
Es  sind  zwischen  Golonog  und  Strzemieszyce  drei  Eisenbahneinschnitte 
vorhanden.  Der  tiefste  liegt  bei  dem  Muschelkalksteinbruche  an  dem 
Hügel  nördlich  Strzemieszyce.  Unter  diluvialen  Sauden  erschließt  er 
vorherrschend  graue  Schiefertoiie  mit  sparsamen  Einlagerungen  plattiger 


Fig.  1. 


Profil  des  Fundpunktes  1  bei  Golonog. 

1  schiefriger  Sandstein.    —    2  feinkörniger   Sandstein.    —    3  dto.  Streptorynchus- 
bank.  —  4  Schiefer.  —  5  Gastropodenbank.  —  6  schiefriger  Sandstein  mit  großen 

kalkigen  Konkretionen, 

Maßstab:  1:10. 


Sandsteine.  Letztere  bilden  etwa  20  cm  dicke  Bänke  und  weisen  auf 
der  Oberfläche  Wellenfurchen  auf.  Fossilien  vermochte  ich  nicht  zu 
finden.  Die  marine  Fauna  liegt  in  den  Sandsteinen,  dort,  wo  beim 
SO-Ende  des  Dorfes  Gotonog  die  beiden  Eisenbahnstrecken  ganz  nahe 
aneinander  kommen.  In  dem  östlicheren  der  beiden  Einschnitte  sind  im 
Sandsteine  seines  Südendes  Clionetes  Hrardensis,  Phillipsin  etc.  häufig. 
Sonst  aber  erweist  sich  dieser  Einschnitt  als  fossilleer.  Im  westlichen 
Einschnitt  findet  man  in  seinem  mittlerem  Teil  reichlich  Fossilien.  Die 
reichste  Ausbeute  lieferte  ein  Aufschluß,  der  obiges  Profil  zeigte  (Fig.  1). 

1* 


4  Dr.  W.  Petrascheck  [4] 

Die  großen  kalkigen  Konkretionen  erwiesen  sich  als  fossilarm  bis 
fossilfrei.  Hingegen  ist  die  Gastropodenbank  über  und  über  von 
Fossilien  bedeckt.  BeUerophon  Urii,  u.  a.  Bellerophonten  bilden  das 
Haui)tkontingent.  Daneben  finden  sich  reichlich  Reste  von  Entalis,  aber 
nur  wenig  Bivalven  und  Brachiopoden.  Diese  herrschen  in  der  Chonetes- 
Schicht,  in  der  außer  diesem  weitaus  vorherrschenden  Brachiopoden 
Aviculopeden^  Carhonicola  und  auch  Trilobiten  häufig  sind.  Die  Gastro- 
poden haben  durchwegs  ihre  Kalkschalen  erhalten.  Bei  den  Brachio- 
poden ist  sie  weiß  und  kalziniert.  Die  Fauna  wird  unten  unter  der 
Bezeichnung  Lokalität  1  aufgezählt.  Eine  Brachiopodenschicht  ist  auch 
auf  der  gegenüberliegenden  Seite  des  Bahneinschnittes  aufgedeckt 
worden  (Lokalität  2).  Die  Sandsteine  sind  hier  entkalkt  und  die  Fos- 
silien nur  als  Steinkerne  erhalten.  Vereinzelte  Fossilien  kann  man 
am  Südende  des  östlicheren  der  beiden  Bahneinschnitte  sammeln. 

Es  sind  sonach  mehrere  Fossilbänke,  die  in  geringen  Abständen 
übereinander  liegen,  vorhanden.  Sie  sind  ebenso  wie  beispielsweise  jene 
zwischen)  dem  Karl-  und  Ottokarflöz  in  Mährisch  -  Ostrau  als  eine 
marine  Zone  aufzufassen. 

Fauna  von  Lokalität  l^): 

Chonetes  Hrardensis  Phill.  hh. 

Streptorhynchus  crenistria  Phill. 

Orthetes  spec, 

Bhynchonella  pleurodon  Phill. 

Crenipeden  tenuidendatus  Gramer  h. 

Avicidoped.en  Golonogensis  Gramer  * 

Pterinopeden  papyracens  Sow. 

Feden  spec-. 

Cijpricardella  spec.  | 

ISed(/ivicJna  ovata  Hind.  s. 

Carhonicola  ovalis  Mort. 

„  spec. 

iSolenomya  costellata  Mc.  Goy  s. 
Bellerophon  äff.  suhlaevis  Potiez 

„  anthracophüus  Frech 

„  Vrii  Flemm.  hh. 

Pti/chomphalus  striatus  Sow. 
Euomphalus  catillus  Martin  h. 
Entalis  spec.  h. 
Orthöceras  undatimi  Mc.  Goy 
Griffifhidps  acuminatus  Rom. 

Fauna  von  Lokalität  2: 

Grinoidenstielglieder 
Chonetes  Hrardensis  Phill.  hh. 
Produdus  striafus  Fisch,  s. 
Schizodus  axiniformis  Phill.  ss. 


'_)  h.  =^  häufig,   hh.  =  wehr  häufig,   h.  =  selten,   sa.  =  sehr  selten. 


151              Geol.  Studien  im  polnischen  und   Krakiiuor  Steinkohlenrevier.  5 

Aviciilopecten  fallax  Mc.  Coy 
Pterinopecten  ?  papyraceiia  Sow. 
Carbonicola  spec. 
Anth racoin ya  spec. 
Griffithides  (icimiinatus  Rom. 

Ob  sich  die  marinen  Horizonte  der  Ostrauer  Schichten  faunistisch 

unterscheiden  lassen,  ist  wenigstens  für  das  oberschlesische  Stein- 
kohlenbecken   ein    noch    unbearbeitetes   Problem.    Die    Unterschiede 

unserer  beiden  Lokalitäten  sind  jedenfalls  nur  fazieller  Natur. 

Die  nachfolgende  Zusammenstellung  der  Fauna  von  Golonog  ist 
nach  der  Literatur,  insbesondere  nach  den  Angaben  Cramers  ergänzt^). 

Kohlen-  Ostrauer      Produkt, 

kalk  Kulm  Schichten  Karbon 

Palaeacis  antiqua  Mc.  Coy X  —  —  — 

Chonetes  Hrardensis  Phil! —  X  X  X 

Produdus  striatus  Fisch X  —  —  — 

„          cf.  semireticidaius  Martin  ...      X  X  X  X^) 

Rhynclionella  pkurodon  Phill X  X  X     '     X 

Orthetes  spec —  —  — 

Streptorhijnchus  crenistria    Phill X  X  X  X ") 

Crenipecten  tenuidendatus  Gramer   ....      —  —  —  — 

Äviculopecten  Golonogensis  Gramer    ...      —  —  —  — 

„             concentricostriatus  Mc.  Goy      X  —  —  — 

„            sulcatus  Gramer —  —  —  — 

fallax  Mc.  Goy X  —  —  — 

Pecten  spec —  —  —  — 

Pterinopecten  papyraceus  Sow —  X  X  X 

Schizodus  axiniformis  Phill X  —  —  — 

Cypricardella  spec —  —  —  — 

Sedgwickia  ovata  Hind .  .       X  —  —  X  ^) 

Carbonicola  ovalis  Mort —  —  —  X 

■       n            ^Vec —  —  —  — 

Solenomya  costellata  Mc.  Goy X  —  —  — 

Bellerophon  äff.  sublaevis  Potiez  .....       X  —  —  — 

„            Urii  Flemm X  —  X  X 

„           anthracophilus  Frech    ....      —  —  X  X 

Ptychomphalus  striatus  Sow X  —  —  — 

Euomphalm  catillus  Martin     X  —  X  X 

Macrocheilus  carinatus  Gramer     '■ —  —  —  — 

Pleurotomaria  spec —  —  —  — 

Naticopsis  spec —  —  —  — 

Entcdis  spec —  —  —  — 

Nautilus  cf.  subsulcatus  Phill —  —  —  X 

Goniatites? —  —  —  — 

OrtJioceras  undatum  Mc.  Coy X  —  X  X 

Griffithides  actiminatus  Rom —  —  X  X 

„           mucronatus  Mc.  Goy —  —  X  X 

Cladodus  cf.  striatus  Ag —  —  —  — 

^)  X  vorhanden;  —  nicht  vorhanden.  —  '^)  Pendleside  ser. 


8  Dr.  W.  Petiascheck.  [yl 

Jarosz  hat  genaue  Studien  über  den  Kohlenkalk  von  Cerna 
angestellt.  Sie  kommt  zu  dem  Resultate,  daß  zwei  dem  Gestein  und 
dem  Fossilinhalt  nach  unterscheidbare  Zonen  vorhanden  sind,  von 
denen  die  obere  der  Visestufe  entspricht.  Diese  Feststellung  präzisiert 
zugleich  das  Alter  der  karbonischen  Schiefertone,  weil,  wie  Parkinson  ^) 
gezeigt  hat,  alles,  was  stratigraphisch  höher  als  der  Visekalk  liegt, 
nicht  mehr  Kulm  genannt  werden  darf,  ein  Grundsatz,  den  auch 
H  ü  f  f  n  e  r  s  Untersuchungen  nicht  zu  erschüttern  vermocht  haben. 
Somit  ergibt  sich  auch  aus  d  e  m  V  e  r  h  ä  1 1  n  i  s  z  u  m  K  o  h  1  e  n- 
kalk,  daß  die  Golonoger  Sandsteine  und  die  Schichten 
von  Miekinia  und  Zalas  nicht  Kulm,  sondern  Ober- 
karbon  sind. 

In  welcher  Weise  die  Kohlenkalkfazies  des  Osten  der  Kulmfazies 
des  Westen  Platz  macht,  ist  noch  ungeklärt,  da  zwischen  beiden  ein 
Gebiet  durch  jüngere  Formationen  verhüllt  ist.  Man  kann  nur  aus  den 
permischen  Konglomeraten  ersehen,  daß  bei  Golonog  Kohlenkalk  noch 
den  Rand  des  Kohlenbeckens  bilden  muß.  Auf  oberschlesischem  Boden 
ist  dies  aber  nur  noch  bei  Bibiella  (n.  Beuthen  unweit  der  polnischen 
Grenze)  der  Fall.  Der  Fazieswechsel  muß  sich  sonach  am  N- Rande 
und  wahrscheinlich  in  Oberschlesien  vollziehen.  Gegen  S  ist  der  Kohlen- 
kalk zur  Zeit  noch  bis  an  die  Weichsel  durch  die  Bohrung  Zamborek 
verfolgt  worden. 

lieber  die  Frage,  ob  zwischen  dem  Kohlenkalk  des  Cernatales 
und  dem  Oberkarbon  Konkordanz  oder  Diskordanz  besteht,  ist  zwar 
in  der  älteren  Literatur  verschiedentlich  diskutiert  worden,  die  maß- 
gebenden Tagesaufschlüsse  wurden  aber  bislang  nicht  erschöpfend 
berücksichtigt.  Wiederholte  Exkursionen  lehrten  mich,  daß  der  Kohlen- 
kalk westlich  Paczaltowice  eine  gegen  S  offene  Synklinale  bildet.  Im 
Czernkatale  fallen,  gegen  SO  gerichtet,  weiße  Oolithe  unter  den 
bituminösen  Kalk  ein.  Im  Eliaszowkatale  geht  das  Einfallen  dieser 
Schichtfolge  nach  SW.  Dem  Czerukabache  entlang  streicht  ein  Bruch, 
an  dem  die  Karbonschiefertone  abgesunken  und  geschleppt  sind.  In 
dieser  Schleppungszone  liegt  u.  a.  die  rote  Wand,  welche  auch 
Jarosz  erwähnt. 

Vermutlich  biegt  der  Bruch  bei  der  Mündung  der  Eliaszöwka 
gegen  SSO  um.  Es  ist  aber  hier  nicht  mehr  sichtbar.  Möglich  wäre 
auch,  daß  hier  ein  jüngerer  rechtsseitiger  Querbruch  vorliegt,  der 
den  Czernkabachverwurf  verwirft.  Rechtsseitige  Staffelbrüche  gleicher 
Orientierung  sind  im  Dabrowaer  Reviere  in  größerer  Zahl  vorhanden. 

Im  unteren  Teil  des  Miekiniabaches  stehen  karbonische  Schiefer- 
tone an.  Ihre  Lagerung  ist  auf  längere  Strecken  gut  zu  beobachten. 
Im  allgemeinen  fallen  sie  mit  15 — 20°  nach  W.  Gegen  oben  werden 
sie  etwas  sandiger.  Am  Porphyr  von  Miekinia  sind  sie  dünnschiefrig, 
durch  Eruptivkontakt  gehärtet  und  dunkler,  was  verschiedene  Autoren 
schon  hervorgehoben  haben.  Eine  ihrem  Charakter  «ach  genauer  nicht 
zu  ermittelnde  Störung  durchsetzt  die  Schiefertone  im  unteren  Teile 
des  Miekiniatales.  An  ihr  streichen  die  Schichten  N  10"  W  und  fallen 
sehr   steil   gegen  W    ein.    Auch   im   oberen    Teile    des   Miekiniatales 


^)  Zeitflchr.  der  deutschen  geol.  Gesellschaft  1903,  pag.  374. 


[91  Geol.  Studien  im  polniachen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  0 

kommen  unter  der  Trias  gerötete  Karbonschichten  zutage.  Die  mit 
Sandsteinbänicen  wechsellagernden  Schiefertone  streichen  hier  N  60'' 
W  und  fallen  60^  SW.  Etwas  Häcksel  bedeckt  die  Schichtflächen  des 
massigen  bis  schichtigen,  feinkörnigen  Sandsteins.  Bei  der  Kapelle  ist, 
in  grauen  Letten  eingelagert,  die  schon  einmal  erwähnte,  10  cm  starke 
Bank  von  Kohlenkalkschotter  aufgeschlossen. 

Es  ist  zweifellos  eine  mächtige  und  monotone  Schichtfolge,  die 
der  Miekiniabach  im  Oberkarbon  aufschließt.  Nichts  deutet  in  ihr 
den  Synklinalen  Bau  an,  den  der  Kohlenkalk  nördlich  davon  erkennen 
läßt.  Da  aber  nicht  anzunehmen  ist,  daß  südlich  des  Bruches  der 
Faltenbau  des  Kohlenkalkes  verschwindet,  wird  man  zur  Annahme 
einer  Diskordanz  zwischen  Kohlen  kalk  und  Ober- 
kar b  o  n  g  e  f  ü  h  r  t. 

Auch  eine  solche  Diskordanz  ist  schon  von  den  älteren  Autoren 
angenommen  worden.  Dabei  stützte  man  sich  auf  jene  Vorkommnisse 
von  Kohlenkalk,  die  Zarecny  zwischen  Filipowice  und  Nowa  Gura 
entdeckt  hat  und  die  anscheinend  schon  in  das  Verbreitungsgebiet 
des  Oberkarbons  fallen,  so  daß  sie  als  Kohlenkalkklippen  im  Ober- 
karbon aufgefaßt  wurden.  Tatsache  ist,  daß  das  Verhältnis  dieses 
angeblichen  Kohlenkalkes  zum  Oberkarbon  wegen  Ueberdeckuug  durch 
jüngere  Schichten  nicht  zu  ermitteln  ist.  Sollte  ein  solches  Kalkriff, 
wie  es  in  der  Literatur  heißt,  vorliegen,  so  müßte  es  eine  gewaltig 
hohe  Erhebung  sein,  denn  wenn  am  Czernkabache  der  Beckenrand 
des  Oberkarbons  liegt,  dann  ist  für  die  oberkarbonische  Hülle  jener 
Kohlenkalkklippe  eine  nach  einigen  hundert  Metern  messende  Mächtig- 
keit vorauszusetzen.  Diese  Erklärung  würde  mithin  zu  recht  unnatür- 
lichen Formen  führen  und  so  ist  es  wolil  wahrscheinlicher,  daß  das 
am  Miekiniabache  noch  nach  W  gerichtete  Einfallen  weiter  gegen  W 
unter  der  Triasdecke  einer  östlichen  Neigung  Platz  macht,  so  daß 
der  Kohlenkalk  der  Gora  Kamienica  nur  einen  Antiklinalaufbruch  im 
Karbon  darstellen  würde,  in  welchem  Falle  er  allerdings  nichts  für 
die  Frage  der  Konkordanz  oder  Diskordanz  beweisen  könnte.  Mäßig 
gegen  0  geneigte  Schichtung  ist  im  Kohlenkalk  der  Gora  Kamienica 
in  der  Tat  angedeutet. 

Sicher  aber  ist,  daß  nicht  alles,  was  Zarecny  als  Kohlenkalk 
bezeichnet,  solcher  ist,  so  daß  Tietzes  Bedenken  in  der  Tat  gewisse 
Berechtigung  hatten.  So  liegt  bei  der  Quelle  am  Ursprünge  des 
Miekiniatales  (westlich  Nowa  Gura)  der  weiße,  feinkristalline  Kalk, 
den  Zarecny  als  Kohlenkalk  bezeichnet,  dem  Myslachowicer  Kon- 
glomerat auf.  Es  ist  also  ein  permischer  Kalk,  der  richtiger  als 
Karniowicer  Kalk  zu  bezeichnen  wäre.  Fraglich  ist  auch  ein  Teil  des 
Kohlenkalkes  südwestlich  Kote  446  auf  der  Gora  Kamienica.  Es  ist 
ein  Schaumkalk  und  wäre  zu  untersuchen,  ob  er  nicht  richtiger  zur 
Trias  zu  rechnen  ist.  Als  erwiesen  darf  nur  jene  große  Felsklippe 
gelten,  die  am  0-Rande  des  Tales  zwischen  Filipowice  und  der  Gora 
Kamienica  liegt.  Tektonisch  ist  sie  schwer  verständlich,  denn  auch 
dieser  Kalk  erhebt  sich  scheinbar  über  permischen  Schichten.  Im 
Anstehenden  konnte  ich  nur  unbestimmbare  Fossilien  finden.  Hingegen 
fand  Zar§cny  im  Blockwerke  am  Fuße  des  Felsens  die  Fauna  des 
Kohlenkalkes.  Schon  zur  Erklärung  des  Verhältnisses  zum  umgebenden 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  i.  u,  2.  Hft.  (W.  Petrascheck.)       2 


10  Dr.  W.  Petrascheck.  [10] 

Perm  und  Muschelkalk  muß  man  Brüche  annehmen.  Aber  auch  das 
Verhältnis  zum  Oberkarbon  könnte  durch  Annahme  eines  quer  auf 
den  Beckenrand  verlaufenden  Bruches  erklärt  werden,  da  allein  mit 
der  Annahme,  daß  es  sich  um  einen  Antiklinalaufbruch  handelt,  die 
Tektonik  noch  nicht  ganz  verständlich  ist. 

FlözauSbisse  sind  im  Miekiniatale  nirgends  zu  bemerken.  Die 
mächtige,  vorwiegend  aus  Schieferton  bestehende  Serie  scheint  also 
'flözleer  zu  sein.  Die  ersten  Flözspuren  trifft  man  im  Dorfe  Filipowice. 
Grubenmassen  sind  darauf  schon  lange  verliehen.  Westlich  von  dem 
Kreuz  über  dem  F  des  Namens  Filipowice  in  der  Spezialkarte,  liegt 
am  Hange,  an  der  Straßenböschung  ein  Ausbiß  von  Kohlenschiefer. 
Einige  hundert  Meter  südlicher  stehen  am  Bache  graue  Letten  mit 
Kohlenspuren  an.  Daß  nur  Letten  als  Begleiter  der  Flözspuren  auf- 
tritt, läßt  ebenso  wie  die  geringe  Kohlenmächtigkeit  auf  Ostrauer 
Schichten  schließen.  Einer  gefälligen  Auskunft  der  Galizischen  Montan- 
werke, der  Besitzerin  der  dortigen  Grubenmasse  zufolge,  sollen  die 
Flöze  ca.  80  und  90  cm  mächtig  sein  und  beiläufig  nach  hora  10 
streichen.  Das  Einfallen  wird  von  Barton  ec  als  gegen  S  gerichtet 
angegeben.  P  u  s  c  h  i)  dagegen  berichtet  von  einem  nach  2  h  streichen- 
den und  unter  10^  0  fallenden  Flöze.  Es  kann  hier  nicht  gleichmäßige 
Lagerung  herrschen. 

Bisher  galten  die  Tenczyneker  Flöze  als  zu  den  Ostrauer 
Schichten  gehörend  und  das  mit  gutem  Grunde,  denn  es  wurde  von 
Frech  Posidonia  Becheri  und  von  Tietze  und  Szaj  noch a  Lmf/w/a 
squamiformis  aus  denselben  angeführt.  Erst  Rydzewski^)  rechnet 
auf  Grund  der  Flora  die  Tenczyneker  Flöze  zu  den  Schatzlarer 
Schichten.  Bisher  gelang  es  der  Anschauung  Rydzewskis  nicht,  zu 
allgemeiner  Anerkennung  zu  gelangen.  Dies  ist  begreiflich,  denn  das 
Auftreten  mariner  Arten  spricht  mit  voller  Sicherheit  zugunsten 
der  älteren  Anschauung.  Auch  hat  es  Rydzewski  unterlassen,  der  Auf- 
klärung dieses  "Widerspruches  näher  zu  treten.  Schließlich  vermag 
ich  selbst  den  Beweismitteln  Rydzewskis  keine  volle  Gültigkeit 
beizumessen,  denn  es  ist  altes  Musealmaterial,  worauf  sich  der  Autor 
bezieht.  Die  Gefahr,  daß  Fundortsverwechslungen  unterlaufen  sein 
könnten,  ist  nicht  von  der  Hand  zu  weisen.  Diese  Möglichkeit  ist 
um  so  naheliegender,  als  die  Tenczyneker  Flözablagerung  sich,  was 
Pflanzenreste  anbelangt,  als  ungewöhnlich  fossilarm  erweist.  Trotzdem 
ich  die  Schichten  in  etwa  10  Jahren  immer  wieder  sorgfältig  nach 
ihrer  Flora  absuchte,  gelang  es  mir  doch  nicht,  etwas  anderes  als 
Stigmarien  zu  finden.  Nach  meinen  Erfahrungen  würde  darin  sogar 
ein  Anzeichen  dafür  vorliegen,  daß  hier  tatsächlich  Ostrauer  Schichten 
vorliegen,  denn  wo  immer  im  oberschlesischen  Steinkohlenbassin  ich 
die  Schichten  nach  ihrer  Flora  durchsuchte,  stets  fand  ich  die  Ostrauer 
Schichten  für  außerordentlich  viel  pflanzenärmer  als  die  Schatzlarer 
Schichten,  so  daß  die  Pflanzenarmut  tatsächlich  als  gutes  Kennzeichen 
der  Ostrauer  Schichten  betrachtet  werden  darf,  das  sonderbarerweise 
bisher  als  solches  gar  nicht  gewürdigt  wurde. 


^)  Geogr.  Beschreibung  von  Polen,  pag.  169. 

^}  Anzeiger  der  Akad.  d.  Wissensch.,  Krakau.  Juli  1913,  pag.  554. 


[11]  Geol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  \\ 

Wie  steht  es  uuii  mit  der  marinen  Fauna  von  Tenczynek?  Mir 
gelang  es  nie,  etwas  anderes  als  Anthrakosiiden  zu  finden.  Geht  man 
aber  den  Angaben,  die  sich  über  das  Vorkommen  von  Limjula  myfi- 
loides  in  der  Literatur  weiterschleppen,  nach,  so  findet  man,  daß  sie 
von  Tietze^)  aufgestellt  wurden,  der  diese  Schalen  massenhaft  auf 
einem  Brandschiefer  einer  kleinen  Halde  im  Orte  Teneczynek  fand. 
Damit  aber  ist  klargestellt,  daß  eine  Verwechslung  vorliegt,  denn  aus 
der  ganzen  Schilderung  des  Autors  geht  hervor,  daß  der  Najadites 
Brandschiefer,  der  in  dem  Hromekschen  Schachte  manche  Schicht- 
flächen ganz  bedeckt,  gemeint  ist.  Es  ist  Najadites  ohsea,  die  für 
LingiiJa  niytiloides  gehalten  wurde,  ein  bei  schlechter  Erhaltung  immerhin 
möglicher  Irrtum.  Was  nun  Frechs  Posidonia  Becheri  vom  Christina- 
stollen anbelangt,  so  ist  abgesehen  von  anderen  Zweifeln  bemerkens- 
wert, daß  diese  Fossilangabe  in  der  späteren  Literatur  von  Frech 
nicht  mehr  wiederholt  wurde.  Schließlich  ist  aber  zu  erwähnen,  daß 
die  Fundortangabe  Christinastollen  allein  für  das  Alter  der  Tenczy- 
neker  Flöze  nicht  eindeutig  genug  ist,  da  der  Christinastollen,  wie 
gleich  besprochen  werden  soll,  tatsächlich  auch  Ostrauer  Schichten 
durchfährt. 

Das  Vorkommen  mariner  Fauna  in  Begleitung  der 
Tenczyneker  Flöze  ist  demnach  nicht  erwiesen  und 
nach  meiner  Erfahrung  sogar  zu  bezweifeln. 

Die  Carbonicola  aquilina,  die  Axel  Schmidt  aus  meinen  Auf- 
sammlungen bestimmt  hat  2),  und  von  der  ich  seitdem  mehr  und 
besseres  Material  fand,  spricht  ebenso  wie  die  von  Wisniowsky 
angegebene  Anthracomya  cf.  pulchra  eher  für  Ostrauer  Schichten,  da 
sie  aus  diesen  wiederholt  zitiert  werden.  Najadites  ohsea  scheint  in 
den  Sattelflözschichten  vorzukommen  (Eugeniens  Glück-Grube). 

Es  können  sonach  auch  aus  der  Fauna  bestimmte 
Schlüsse  auf  das  Alter  der  Tenczyneker  Flöze  nicht 
gezogen  werden,  so  daß  für  die  Ermittlung  nur  noch  der  Schichten- 
verband und  der  Gesteinscharakter  herangezogen  werden  können. 

In  lithologischer  Hinsicht  muß  betont  werden,  daß  die  Neben- 
gesteine der  Tenczyneker  Flöze  ganz  den  Charakter  der  Schatzlarer 
Schichten  tragen.  Es  fehlen  nicht  nur  die  Leitgesteine  der  Ostrauer 
Schichten,  auch  das  Mengenverhältnis  von  Sandstein  zu  Schieferton 
spricht  für  Schatzlarer  Schichten,  denn  ähnlich  mächtige  und  kompakte, 
gleichförmige  Sandsteinmittel,  wie  sie  in  der  Nachbarschaft  des  Andreas- 
flöz auftreten,  sind  wohl  gewissen  Abteilungen  der  Schatzlarer,  nicht 
aber  den  flözführenden  Ostrauer  Schichten  eigentümlich.  Speziell  aber 
für  die  Ostrauer  Schichten  an  der  0-Seite  des  Kohlenbassins  gilt  es 
als  Regel,  daß  Schiefertone  weitaus  überwiegen. 

Als  besonderes  Charakteristikum  ist  aber  das  Vorkommen 
von  Kohlenge  rollen  über  dem  Andreasflöz  zu  nennen.  Sie  liegen 
im  Sandstein  in  der  First  des  Flözes  und  sind  in  einer  streichenden 
Länge  von  ca.  1000  m  an  vielen  Stellen  zu  beobachten.  Deutlich 
runde   Steinkohlengerölle    von    etwa   Haselnuß-   bis   Faustgröße    sind 


1)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1892. 

2)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1909.  pag.  744. 


2* 


12  Dr.  W.  Petrascheck.  [12] 

vorhanden.  Seitdem  ich  auf  dem  Andreasschachte  in  Brzeszcze  solche 
Gerolle  beobachtet  hatte,  habe  ich  deren  Verbreitung  stets  Aufmerk- 
samkeit gewidmet  und  gefunden,  daß  sie  immer  nur  in  Schatz- 
larer  Schichten  vorkommen.  Hier  sind  sie  in  verschiedenen  Ab- 
teilungen zu  bemerken.  Am  häufigsten  und  geradezu  regelmäßig  sind 
solche  Steinkohlengerölle  und  eingeschwemmte  Brocken,  über  dem 
hängendsten  Sattelflöz  anzutretten. 

Dieses  Auftreten  von  KohlengeröUen,  auf  das  an  anderem  Orte 
weiter  eingegangen  werden  soll,  hängt  mit  prinzipiellen  Unterschieden 
in  der  Entwicklung  der  Ostrauer  und  Schatzlarer  Schichten  zu- 
sammen, die  in  der  geringen  Gleichförmigkeit  der  Ablagerung  ihre 
Ursache  haben. 

Mit  Rücksicht  auf  die  naheliegende  Frage  nach  der  Provenienz 
jener  Kohlengerölle  über  dem  Andreasflöz  möge  erwähnt  werden,  daß 
Auswaschungen  in  diesem  Flöz  bisher  noch  nicht  angetrolTen  wurden. 
Herr  kaiserl.  Rat  Ing.  Eichleiter  hatte  die  Güte,  die  Kohlen  mit 
nachstehendem  Resultat  einer  analytischen  Untersuchung  zu  unter- 
ziehen 1) : 

An^rMs.  ßpröll         Sammelprobe  Einzelnes 

Anaieas-  ueiOU         ^^,g  mehreren      Geröll  älterer 

nöz  einzeln  Gerollen  Aufsammlung 

Wasser     142%  9'85  13-85  8-60 

Asche 3-17o  11-65  5*80  15-70 

Verkokungsrückstand  .  .  .     51-97o  Öl  05  55-50  6465 

Daraus  berechnet  sich  der  fixe  Kohlenstoff"  für  Andreaskohle 
mit  590/0  und  für  die  Gerolle  mit  62-9%  (einzeln),  61 -90/0  (Sammel- 
probe), bzw.  640  (älteres  Muster). 

Trotzdem  das  Andreasflöz  das  Liegendste  der  dortigen  Ablagerung 
ist,  ist,  wie  der  geringere  Gasgehalt  bestätigt,  doch  anzunehmen,  daß 
die  Kohlengerölle  von  einem  älteren  Flöz  herstammen. 

Für  diese  Möglichkeit  spricht  auch  noch  die  Lagerung  der 
Schichten  im  Christinastollen.  Das  Karbon  desselben  zerfällt 
in  zwei  Gruppen.  Die  hängendere  besteht  aus  mildem,  mittelkörnigem, 
massigem  Sandstein  und  Arkosesandstein,  dem  nur  ganz  dünne  tonige 
Schichten  sparsam  eingeschaltet  sind.  Im  untersten  Teile  enthält  er 
reichlich  Treibhölzer,  vorwiegend  Sigillarienstämme  oder  auch  ganz 
dünne  Kohlenstreifchen.  Die  Schichten  zeigen  ein  Einfallen  von  12°, 
das  auch  auf  10°  fallen  kann.  Es  ist  die  flözführende  Zone.  Die 
liegende  Gruppe  ist  flözleer  und  besteht  ganz  vorherrschend  aus 
grauem  Schieferton,  dem  nur  1—2  m  starke,  meist  harte,  graue  Sand- 
steinbänke eingeschaltet  sind.  Diese  flözleeren  Schichten  sind  recht 
regelmäßig  unter  25"  geneigt.  Der  Gesteinswechsel  fällt  zusammen 
mit  dem  Wechsel  des  Fallwinkels  und  liegt  bei  Stollenmeter  1003 
vom  Mundloch. 


')  Die  Proben  wurden  von  mir  in  der  Grube  frisch  entnommen.  Nur  die 
dritte  Geröllanalyse  ist  au  einem  Muster  gemacht,  das  ich  ein  halbes  Jahr  lang 
im  Zimmer  liegen  hatte.  Von  der  Andreaskohle  nahm  ich  eine  Durchschnittsprobe 
von  einem  Abbauort  im  gleichen  Grubenfelde. 


ri31  Geol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  13 

Die  Stöße  des  Stollens  gaben  mir  keine  Auskunft  darüber,  ob 
nur  eine  Verbiegung  der  Schichten  oder  eine  Diskordanz  vorliegt. 
Vollkommene  Klarheit  darüber  kann  erst  eine  fernere  Zukunft  bringen, 
wenn  der  Schichtwechsel  vom  Schachte  durchteuft  wird.  Ich  glaube 
aber,  daß  dieses  Zusammenfallen  von  Schicht-  und  Neigungswechsel  auf 
eine  Diskordanz  zurückzuführen  ist,  daß  hier  die  flöz  führen  den 
SchatzlarerSchichten  diskordant  auf  den  im  Stollen 
flözleeren  Schiefer  tonen  der  Ostrauer  Schichten  liegen. 
Liegt  aber  eine  Diskordanz  vor,  so  ist  es  leichter  verständlich,  daß 
die  Kohlengerölle  über  dem  Andreasflöz  von  einem  im  Stollen  nicht 
durchfahrenen  Flöz  der  Ostrauer  Schichten  herrühren. 

Einen  paläontologischen  Beweis  dafür,  daß  die  untere,  ganz  vor- 
wiegend tonige  Schichtengruppe  zu  den  Ostrauer  Schichten  gehört, 
zu  erbringen,  gelang  mir  nicht.  Der  Gesteinscharakter  spricht  aber 
entschieden  dafür.  Die  dünnen  grauen  Sandsteinbänke  zwischen  Stollen- 
meter 200  und  250  bestehen  zum  Teil  aus  Häckselsandstein.  Alle 
Sandsteine  sind  feinkörnig,  grau,  zum  Teil  hart  und  kalkig.  Da  Michael 
in  den  kalkigen  Sandsteinen  von  Zalas  Repräsentanten  des  Kulm  ver- 
mutet, sei  darauf  verwiesen,  daß  auch  die  oberen  Ostrauer  Schichten 
von  Ostrau  Kalksandsteine  führen  und  daß  dolomitische  Sandsteine 
und  Mergelsandsteine  in  Schatzlarer  Schichten  von  Schlesien  und 
Galizien  wiederholt  erbohrt  worden  sind. 

Das  Profil  des  Christinastollens  ist  schon  durch  Bartonec^) 
bekannt  geworden.  Aus  demselben  ist  ersichtlich,  daß  das  Karbon  im 
vordersten  Teile  des  Stollens,  am  Rande  des  Grabens  von  Krzeszowice, 
eine  sattelförmige  Umbiegung  zeigt.  Im  Kern  dieses  Sattels  soll  nach 
den  bestimmten  Angaben  Barton  ec's  Kohlenkalk  durchfahren  worden 
sein.  Der  Kohlenkalk  soll  nach  Barton ec  eine  Klippe  im  Karbon- 
schiefer bilden,  die  ebenfalls  die  Diskordanz  zwischen  Kohlenkalk 
und  Ostrauer  Schichten  andeutet.  An  und  für  sich  wäre  das  Auftreten 
des  Kohlenkalkes  hier  durchaus  nicht  unwahrscheinlich.  Sicher  ist  den 
so  bestimmten  Angaben  eines  als  aufmerksamen  Beobachter  bewährten 
Montanisten  unleugbare  Bedeutung  beizumessen.  Immerhin  kann  ich 
nicht  unerwähnt  lassen,  daß  es  mir  trotz  sorgfältigsten  Absuchens  des 
betreffenden  Stollenabschnittes,  das  freilich  durch  die  Zimmerung  etwas 
erschwert  war,  nicht  gelingen  wollte,  den  Kohlenkalk  aufzufinden.  Ich 
glaube  sogar,  daß  ich  nicht  der  einzige  bin,  dem  das  nicht  gelungen 
ist.  Wohl  aber  sah  ich  zwischen  dem  200.  und  250.  Stollenmeter  in 
dem  dunkelgrauen  Schieferton  eine  etwa  Y2  ^^  starke  Bank  von 
weißgrauem  Kalkmergel.  Er  bildet  aber  nur  eine  Einlagerung 
in  den  Ostrauer  Schichten. 

Auch  in  den  Bohrungen  von  Ploki  und  Myslachowice  wurden  je 
zwei  lichtbräunlichgraue  Steinmergelbänke  von  einigen  Dezimeter 
Stärke  innerhalb  der  fossilführenden  Ostrauer  Schichten  durchfahren. 
Sie  liegen  220—250  m  unter  dem  tiefsten  Flöz.  Es  bleibt  noch  zu 
untersuchen,  ob  sich  diese  charakteristischen  Steinmergelbänke  als 
Leitschichten  verwenden  lassen. 


*;  Oesterr.  Zeitschr.  für  Berg-  u.  Hüttenwesen   1901,  pag.  321. 


14  Dr.  W.  Petrascheck.  [14"] 

Liegen  die  flözfiihrenden  Schichten  des  Christinastollens  dis- 
kordant  auf  Ostrauer  Schichten,  so  ist  von  vornherein  wahrscheinlich, 
daß  sie  den  Schatzlarer  Schichten,  und  zwar  womöglich  einem  ziemlich 
jungen  Teil  derselben  angehören,  denn  zwischen  der  Sattelflözregion 
und  den  Ostrauer  Schichten  gibt  es  wenigstens  in  Oesterr.-Schlesien, 
Oberschlesien  und  Polen  keine  Diskordanz,  wie  unten  dargelegt 
werden  soll.  * 

Ueber  die  im  Hangenden  der  Tenczyneker  Flöze  folgenden 
Karbonschichten  gibt  ein  Bohrloch  Auskunft,  das  im  Tiergarten  vor 
einer  Reihe  von  Jahren  abgestoßen  wurde  und  von  dem  ich 
während  des  Betriebes  die  Proben  bis  zur  Tiefe  von  276  m  unter- 
suchen konnte.  Leider  liegen  von  dem  tieferen  Teile  des  Bohrloches 
weder  Proben  noch  Aufschreibungen  vor.  Die  Bohrresultate  sind  in 
Fig.  2  mit  jenen  der  Stollenauffahrung  kombiniert.  Bemerkenswert  ist 
dabei,  daß  die  über  dem  Adamflöz  folgenden  Schichten  habituell  den 
Lazisker  Schichten  ähneln.  Entschieden  zu  den  Lazisker  Schichten 
gehören  die  Flöze,  welche  der  Westböhmische  Bergbau-Aktienverein 
in  Rudno  unweit  der  Ruine  Tenczyn  erbohrt  hat.  Die  dort  durch- 
örterten,  lockeren  Konglomerate  sind  ganz  jene,  wie  sie  in  Begleitung 
der  Flöze  von  Jaworzno  und  Siersza  als  Einlagerungen  in  den  weichen, 
massigen  Sandsteinen  vorkommen.  Daß  die  Jaworznoer  Flözgruppe  im 
Krzeszowicer  Graben  entwickelt  ist,  bewiesen  übrigens  die  Bohrungen 
Mloszowa  und  Dulowa.  Das  am  letztgenannten  Orte  in  623  m  Tiefe 
erbohrte  Flöz  war  wegen  seines  eigenartigen  Mittels  direkt  mit  dem 
Sierszaer  Arthurflöz  zu  identifizieren.  Die  beiden  anderen,  zwischen 
Tenczynek  und  Rudno  abgestoßenen  Bohrungen  haben  die  Tenczyneker 
Flözgruppe  bis  einschließlich  Andreasflöz,  das  hier  so  wie  im  Tiergarten- 
bohrloch in  zwei  Flöze  gespalten  ist,  durchsunken.  Es  ist  nicht  möglich, 
die  Schichten  der  ersten  (Rudnoer)  Bohrung  mit  jenen  der  beiden  anderen 
unmittelbar  zu  kombinieren,  da  es  an  einer  gemeinsamen  Schicht, 
die  von  der  ersten  zu  den  anderen  Bohrungen  hinüberleiten  könnte, 
fehlt.  Es  ist  sogar  möglich,  daß  zwischen  diesen  beiden  Bohrlöchern 
eine  Verwerfung  vorhanden  ist.  Aber  selbst  wenn  dies  der  Fall  sein 
sollte,  sprechen  doch  alle  Umstände  dafür,  daß  auch  die 
Tenczyneker  Flöze  entweder  noch  zu  den  Lazisker 
Schichten  gehören   oder  wenig  tiefer   als  diese  liegen. 

Wie  das  Profil  Fig.  2  veranschaulicht,  lassen  sich  die  Flöze  der 
Bohrung  Zalas  I  mit  den  Christinaschachtflözen  kombinieren.  Scharf 
setzen  unter  den  massigen  Sandsteinen,  die  das  in  zwei  Bänke  ge- 
spaltene Andreasflöz  begleiten,  tonige  Schichten  ein,  die  überdies  dicht 
unter  dem  Sandstein  Verfärbungen  erkennen  lassen.  Das  in  den  teil- 
weise sandigen  Schiefertonen  erbohrte  Flöz  gehört  schon  zu  den 
Ostrauer  Schichten,  ebenso  wie  die  beiden  Flöze  der  Bohrung  Zalas  IIL 
Mir  wurde  seinerzeit  berichtet,  daß  die  letzteren  eine  kokbare  Kohle 
führen,  was  mich  veranlaßt  hat,  in  der  für  die  „Goal  resources  of 
the  World"  verfaßten  Karte  des  Ostrau — Karwin — Krakauer  Revieres, 
am  östlichen  Beckenrande  einen  schmalen  Streifen  von  kokbarer  Kohle 
einzuzeichnen.  Ein  Laboratoriumsversuch  mit  dem  seit  Jahren  in 
meiner  Verwahrung  liegenden  Kohlenmustern  ergab  die  Unstichhäl- 
tigkeit  dieser  Angabe. 


15| 


(leol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier. 


15 


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16  Dr.   W.  Petrascheck.  [ißl 

Leider  ist  die  Bohrung  I  ganz  als  Meißelbohrung  durchgeführt 
worden,  so  daß  die  Diskordanz  nicht  auch  aus  den  Proben  abzu- 
nehmen ist. 

Auch  lassen  die  neuen  Aufschlüsse,  die  in  der  Gegend  von 
Trzebinia  bei  Ploki,  Myslachowice  und  Siersza  bewerk- 
stelligt wurden,  erkennen,  daß  die  Lazisker  Schichten  hier 
gleichfalls  auf  Ostrauer  Schichten  liegen,  denn  während 
120  771  unter  dem  tiefsten  Flöz  der  Sierszaer  Gruben,  dem  Arthurflöz, 
noch  ein  weiteres  zu  den  Lazisker  Schichten  gehörendes,  mächtiges 
Flöz  erbohrt  worden  ist,  haben  die  Bohrungen  Ptoki  und  Myslacho- 
wice, die  zum  Teil  gleiche  Abschnitte  der  Ostrauer  Schichten  durchbohrt 
haben,  die  Lazisker  Schichten  nicht  mehr  angetroffen.  Die  Profil- 
konstruktion (Fig.  3)  läßt  erkennen,  daß  zwischen  diesen  Aufschlüssen 
gar  kein  Raum  mehr  für  die  Orzescher-,  Rudaer-  und  Sattelflöz- 
schichten vorhanden  ist.  Eine  neue  Bohrung  der  galizischen  Montan- 
werke, deren  Diskussion  im  Detail  jetzt  ebenfalls  noch  nicht  möglich 
ist,  bestätigt  die  gleiche  Auffassung. 

Uebrigens  ist  in  Galizien  und  Oberschlesien  unter  dem  Louise- 
tiöz,  das  sicli  hierdurch  als  vortreffliches  und  tatsächlich  weitverbreitetes 
Leitflöz  zu  erkennen  gibt,  ein  scharfer  Schichtwechsel  zu  erkennen. 
Ueber  dem  vielfachen  Wechsel  von  Schiefertonen,  Sandsteinen  und 
sandigen  Schiefern  setzt  eine  Zone  mit  mächtigen,  massigen  Bänken 
milden,  oft  grobkörnigen  oder  geröllführenden  Sandsteins  ein.  Schwache 
Einlagerungen  hellgrauer  Schiefertone  finden  sich  in  der  Regel  nur 
als  Begleiter  der  Steinkohlenflöze.  Die  in  diesen  Lazisker  Schichten 
lagernden  Flöze  sind  auch  an  weit  voneinander  entfernten  Aufschlüssen 
unschwer  zu  identifizieren,  insbesondere  ist  das  Przemsza-  (Leopold-) 
und  Louiseflöz  im  östlichen  Oberschlesien  weit  bekannt.  Li  Galizien 
werden  diese  Flöze  vom  Andreasschacht  in  Brzeszcze  gebaut.  Un- 
mittelbar unter  dieser  Sandsteinzone  herrscht  bei  weitem  nicht  mehr 
die  gleiche  Klarheit  über  die  Flözfolge. 

In  welcher  Weise  sich  das  randliche  Uebergreifen  der  jüngsten 
Schichten  des  Steinkohlenbeckens  vollzieht,  ist  bis  jetzt  noch  nicht 
erkannt  worden.  Es  aber  näher  zu  ermitteln,  wird  eine  praktisch 
wichtige  Aufgabe  sein,  weil  im  Gebiete  dieser  Transgression  die  in 
der  Tiefe  zu  erhoffende  Flözfolge    eine  empfindliche  Lücke  aufweist. 

Geht  man  von  Siersza  nach  N,  so  trifft  man  bei  Czarne  bagno 
alte  Bergbauarbeiten,  die  auf  den  Abbau  zweier  Flöze  schließen  lassen. 
Gabler  hat  einige  Angaben  über  die  dortigen  Aufschlüsse  veröffent- 
licht (pag.  93).  Aus  ihnen  und  aus  den  auf  den  Halden  noch  vorfindlichen 
Gesteinen  kann  man  schließen,  daß  es  sicher  Schatzlarer  Schichten 
sind,  die  hier  seinerzeit  im  Liegenden  der  Sierszaer  Flöze  ausgebeutet 
wurden.    Gabler   rechnet  diese  Flöze   zu   den  Orzescher  Schichten. 

Sicher  sind  in  der  Gegend  von  Szczakowa,  Orzescher-  und  auch 
Rudaer  Schichten  vorhanden  und  durch  einige  ältere  Bohrlöcher  auf- 
geschlossen worden.  Da  aber  die  Deutung  dieser  Bohrungen  für  die 
Geologie  des  Beckenrandes  ohne  Belang  ist,  wird  hier  nicht  näher 
darauf  eingegangen. 

In  Polen  beschränken  sich  östlich  von  Kazimirz  die  Aufschlüsse 
im    Randgebiete    des  Kohlenbeckens    zur  Hauptsache    auf  Bohrlöcher. 


[17] 


Geol.  Stadien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier. 


17 


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Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (W.  Petrascheck.)       3 


18  W.  Petrascheck.  [18] 

Nur  zwei  kleine  Gruben,  sogenannte  Aufdecken,  sind  südlich  von 
Slawkov  in  den  letzten  Jahren  betrieben  worden.  Die  östliche  derselben, 
die  Wiaragrube,  hat  drei  Flöze  aufgeschlossen,  von  denen  allerdings 
nur  das  hängendste,  das  Arthurflöz,  gebaut  wird.  Die  Schichtfolge  ist 
durch  Fig.  4  veranschaulicht.  Die  Kohle  ist  eine  Streifenkohle,  ver- 
wittert leicht  und  ist  reich  an  Pyriteinlagerungen.  Der  sandige 
Schiefer  unter  den  Flözen  bildet  sehr  deutliche  Wurzelböden.  Glatter, 
gut  spaltbarer  Schiefer,  der  auf  dem  Annaflöz  aufliegt,  erwies  sich 
als  fossilleer.  Früher  scheinen  aber  in  dieser  Gegend  Fossilfunde 
gemacht  worden  zu  sein,  da  von  Slawkov  ohne  nähere  Fundorts- 
bezeichnung marine  Fauna  angegeben  wird  ^).  Vermutlich  stammt  die- 
selbe von  einer  dieser  Aufdecken,  da  es  andere  Schürfungen  in  dieser 
Gegend  nicht  gibt.  Die  Angabe  harmoniert  auch  gut  mit  dem  Cha- 
rakter der  Flöze,  welcher  entschieden  für  deren  Zugehörigkeit  zu 
den  Ostrauer  Schichten  spricht.  Es  ist  vi-ahrscheinlich,  daß  hier  Flöze 
aus  der  Gruppe  der  Floraflöze  anstehen.  Angeblich  sollen  durch 
diverse  Bohrungen  und  Sonden  im  ganzen  7  Flöze  nachgewiesen 
worden  sein.  Die  westlich  der  Wiaragrube  liegende  Grube  Josef  baut 
ein  Flöz  mit  16  m  Kohle.  Zirka  10  m  höher  liegt  ein  unreines  Flöz 
(65  cm  Kohle,  12  cm  Schieferton,  2  cm  Kohle,  65  cm  schwarzer 
Schiefer,  20  cm  Kohle,  10  cm  Schiefer  und  40  cm  Kohle).  Das 
Zwischenmittel  besteht  aus  hellgrauem  Schieferton,  mit  dünnen,  san- 
digen Bänken  und  Einlagerungen  von  grünlichgrauem,  feinkörnigem 
Sandstein.  Acht  Meter  unter  dem  Hauptflöz  folgte,  nur  durch  Letten 
getrennt,  ein  1  m  starkes  Unterflöz,  das  zurzeit  nicht  gebaut  wird. 
Etwa  200  m  von  seinem  Ausstrich  gegen  NO  entfernt,  beißen  liegen- 
dere Flöze  aus,  die  sich  im  Ausstrich  gegen  OSO  verfolgen  lassen 
und  Flöze  der  Wiaragrube  sind.  Die  Flöze  fallen  unter  15  bis  20  Grad 
gegen  Südwest  ein. 

Auch  Czarnocki  vermutet,  daß  diese  Flöze  die  Floraflöze  sind, 
unter  welchem  Namen  die  liegendsten  zur  Zeit  bekannten  Flöze  des 
D^browaer  Reviers  zusammengefaßt  werden. 

Was  sonst  noch  über  Aufschlüsse  in  dieser  Gegend  erfahren 
wurde,  ist  in  der  beigegebenen  Kartenskizze  (Tafel  Nr.  I)  zusammen- 
getragen worden.  Die  drei  Kohleufunde,  die  etwas  oberhalb  der  Ein- 
mündung der  Schtolla  in  die  weiße  Przemsza  erzielt  wurden,  gehören 
zweifellos  alle  dem  gleichen  Flöze  an  und  beziehen  sich  auf  eines  der 
Flöze  der  Wiara-Grube.  Beträchtlich  weiter  im  Liegenden  stehen  die 
Bohrungen  Antoni,  Bruno  und  Konrad.  Aus  den  im  übrigen  recht 
monotonen  Bohrjournalen  entnehme  ich  folgendes: 

Bohrung  Antoni: 

Bis     42  m  Diluvium 

„       72   „   Kalkkonglomerat.  Das  ist  Myzlachowicer  Konglomerat. 
„     113   „   rote,  gelbe  und  violette  Letten. 
„     174-7  m  brauner  und  grauer  Schieferton  und  etwas  Sandstein. 
-     175-05:35  cm  Kohle.  Grauer  Schieferton. 


>)  Lobe,  Verhiindl.  d.  k.  k.  geol.  H.-A.  1878,  pag.  380. 


[19] 


Geol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier. 


19 


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20  W.  Petrascheck.  [20"] 

Bohrung   Bruno: 
Bis     11  m  Diluvium. 
„       18   „   Myslachowicer  Konglomerat. 
„     126   „    brauner  Sandstein  und  roter  Ton. 
„     170   „    brauner,  zum  Teil  grobkörniger  Sandstein  und  etwas 
roter  Sandstein  in  180-2  m :  50  cm  Kohle. 

■  Bohrung  Konrad: 
Bis     34  m  Diluvium. 
„       36  „   Konglomerat. 

„     250   „   grauer    Schieferton    und    Sandstein    bei    225*9   m  : 
40  cm  Kohle. 

Dies  sind  bisher  die  liegendsten  Flözfunde  am 
'Ostrande  des  Kohlenbeckens  in  Polen.  Da  die  Funde  im 
Streichen  liegen,  wäre  es  wohl  möglich,  daß  alle  drei  Bohrungen 
dasselbe  Flöz  angetroffen  haben,  was  allerdings  erstaunlich  regel- 
mäßige Lagerung  voraussetzen  würde. 

Die  Bohrungen  östlich  von  Bor  Biskupi  haben  entweder  nur  je 
einen  Kohlenschmitz  von  5  cm  Stärke  oder  überhaupt  keine  Kohle 
mehr  angetroffen. 

Es  ist  auf  Grund  dieser  Daten,  deren  Zuverlässigkeit  nicht  über 
alle  Zweifel  erhaben  ist,  noch  nicht  möglich,  zu  entscheiden,  wie  diese 
Bohrresultate  zu  deuten  sind.  Es  wäre  denkbar,  daß  gegen  Ost  alle 
Flöze  auskeilen,  es  wäre  auch  denkbar,  daß  das  nordwest-südöstliche 
Streichen  bei  Bor  Biskupi  eine  sigmoidale  Schwenkung  gegen  Süd 
macht,  es  wäre  schließlich  auch  denkbar,  daß  bei  Bor  Biskupi  ein 
den  großen  Brüchen  des  Dij-browaer  Revieres  analoger  großer  Nord- 
Süd -Bruch  vorhanden  ist,  mit  Hebung  auf  der  Ostseite,  der  die 
Flöze  weit  gegen  Süd  verschiebt,  so  daß  das  Flöz  der  Bohrungen 
Bruno,  Konrad,  Antoni  dem  tiefsten  Flöz  der  Bohrungen  Myslachowice 
und  Ploki  entspricht.  Wenn  nun  auch  eine  solche  Annahme  durchaus 
im  Bereich  der  Möglichkeit  liegt,  so  kann  sie  doch  einstweilen  nicht 
weiter  geprüft  werden.  Das  (vgl.  die  Kartenskizze)  zwischen  Siersza 
und  Myslachowice  NW — SO-Streichen  der  Flöze  wird  in  Siersza  durch 
beträchtliche  Querstörungen  unterbrochen,  die  Aehnlichkeit  mit  solchen 
im  D^browaer  Reviere  aufweisen.  Wenn  man  aber  auch  die  Gruben- 
aufschlüsse durch  die  gegen  West  anschließenden  alten  Bohrungen 
ergänzt,  so  reichen  sie  doch  nicht  weit  genug  nach  West,  um  die 
Annahme  eines  solchen  großen  Bruches  zu  kontrollieren.  Ueberdies 
muß  es  wegen  der  Diskordanz  unter  den  Laszisker  Schichten  als  mög- 
lich betrachtet  werden,  daß  in  den  Sierszaer  Flözen  ein  solcher  Bruch 
nicht  mehr  konstatierbar  ist,  wenn  er  bloß  ältere  Schichten  betroffen  hat. 

Im  Hangenden  der  erwähnten  Flöze  der  Slawkover  Gruben  fehlt 
es  auf  polnischem  Boden  an  Aufschlüssen.  Zwar  soll  sich  in  unmittel- 
barer Nähe  der  Wiara-Grube  an  der  Przemsza  ein  älteres  Bohrloch 
befinden,    das  in  92  m  6*6  m  Kohle  gefunden  haben    soll,    ein  Fund, 


[211  Ixeol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauor  Stoinkolilenrevier.  21 

der  nur  als  Redenflöz  zu  deuten  wäre,  aber  es  scheint  doch  befremd- 
lich, daß  von  diesem  liochwichtigen  Funde  nichts  weiter  bekannt  ist 
und  daß  diese  angebliche  Ermittelung  nicht  bekannter  geworden 
ist.  Schließlich  muß  auch  noch  bemerkt  werden,  daß  das  angebliche 
Bohrresultat  schleclit  mit  den  Erfahrungen  des  engeren  Dabrowaer 
Revieres  harmoniert.  Da  das  Mittel  zwischen  den  Floraflözen  und 
dem  Redenflöz  300  m  beträgt,  ist  der  Abstand  des  angeblichen  6-Meter- 
Flözes  von  den  Wiaraflözen  viel  zu  gering.  Der  angebliche  Kohlen- 
fund darf  mithin  als  sehr  unglaubwürdig  betrachtet  werden.  Es  bleibt 
sonach  als  nächster  Aufschluß  im  Hangenden  nur  das  obenerwähnte 
Kohlenvorkommen  von  Czarne  Baguo,  das  Michael  zu  den  Ostrauer 
Schichten,  Gabler  aber  zu  den  Orzescher  Schichten  rechnet.  Kon- 
struktiv ergibt  sich  zwischen  diesen  Flözen  und  den  Wiaraflözen  ein 
Mittel  von  etwa  500  ?«,  was  bei  normalem  Schichtenverbande  und 
normalen  Mächtigkeiten  etwas  wenig  ist  um  Gablers  Deutung  zu 
stützen.  Unter  Berücksichtigung  der  für  die  Orzescher  Schichten  er- 
wiesenen Schichtenverjüngung  darf  aber  die  Zuteilung  der  Czarne 
Bagnoflöze  immerhin  noch  als  möglich  bezeichnet  werden. 

Die  südlich  von  Slawkow  erbohrten  Flöze  veranschaulicht  in 
schematischer  Darstellung  ein  mir  übergebenes  bergmännisches  Profil, 
das  in  vorstehender  Figur  4  reproduziert  wird.. 

Westlich  von  der  Wiara-Grube  gibt  das  Garcarka-Bohrloch  einen 
sehr  vollständigen  Aufschluß  in  den  Ostrauer  Schichten.  Die  Bohr- 
resultate werden  von  Czarnocki  angeführt  und  zutreffend  gedeutet, 
weshalb  sich  ein  näheres  Eingehen  auf  dieselben  erübrigt.  Es  möge 
nur  erwähnt  werden,  daß  die  ersten  Flöze  des  Bohrloches  als  Saturn- 
flöze, die  nächste  Gruppe  als  Floraflöze  anzusprechen  sind.  Beim 
Bahnhofe  Szczakowa  steht  3300  m  im  Hangenden  dieses  Bohrloches 
die  Bohrung  Szczakowa,  deren  Profil  im  Anhang  augeführt  ist.  Die 
Bohrproben  waren  mir  von  dem  verstorbenen  Direktor  Kowarzik 
in  liebenswürdigster  Weise  zur  Verfügung  gestellt  worden.  In  den 
oberen  Teufen  hatte  das  Bohrloch  Neuropterisschiefer  angetroffen, 
welche  für  Rudaer  Schichten  sprechen.  Zweifellos  ist,  daß  die  Bohrung 
noch  über  dem  Redenflöz  eingestellt  wurde.  Die  Lage  der  Schichten 
im  Bohrloch  ist  horizontal.  Auf  rein  konstruktiver  Basis  müßte  man 
sonach  den  Ausstrich  des  Redenflözes  zwischen  dem  Bohrloch  und 
der  polnischen  Grenze  vermuten. 

Ob  das  Redenflöz  am  östlichen  Deckenrande  östlich  vom  Bohr- 
loche Szczakowa  noch  vorhanden  ist,  läßt  sich  einstweilen  nicht  sagen. 
Sind  die  Flöze  von  Czarne  Baguo  wirklich  solche  der  Orzescher 
Schichten,  dann  könnte  man  bis  in  diese  Gegend  auch  noch  das 
Redenflöz  vermuten.  Sein  Ausstrich  müßte  sich  in  unmittelbarer  Nähe 
der  polnischen  Grenze  befinden.  Ich  habe  aber  von  den  Czarne  Bagno- 
flözen  den  Eindruck  mitgenommen,  daß  sie  doch  noch  jünger  sein 
dürften  und  daß  die  Transgression  der  hängendsten  Karbonschichten 
unseres  Beckens  weiter  westlich  einsetzt  und  hiermit  die  Sattelflöze 
zum  Abschneiden  bringt. 

Um  von  den  Flözen  der  Ostrauer  Schichten,  hier  also  speziell 
von  den  Flözen  der  Floragruppe  des  Dq.browaer  Revieres  auf  die  mut- 
maßliche Lage  des  Ptedenflözes  schließen  zu  können,  ist  Klarheit  über 


W.  Petr«scheck. 


[22] 


die  Frage  nötig,  ob  die  Sattelriözschichteu  konkordant  oder  diskordant 
die  Ostrauer  Schichten  überhigern.  Von  kardinaler  Bedeutung  ist  aber 
diese  Frage,  vrenn  man  versuchen  will,  die  Flöze  der  Ostrauer 
Schichten  am  Ostrande  und  Westrande  des  Beckens  zu  parallelisieren. 
Auf  die  ältere  Geschichte  dieser  Frage  einzugehen,  kann  ver- 
zichtet werden,  da  überwundene  Anschauungen  früher  in  die  Dis- 
kussion hinein  spielten.  Ueberall,  wo  man  die  Satteltlöze  durchteufte 
und  darunter  die  Ostrauer  Schichten  aufschloß,  fand  man  vollständig 
gleichförmige  Lagerung  der  Schichten,  so  daß  es  vielleicht  übertifissig 
erscheinen  könnte,  hier  eine  oöene  Frage  zu  suchen.  Es  wäre  aber 
doch  ganz  gut  möglich,  dai3  der  Unterschied  in  der  Neigung  der 
Schichten  ein  so  geringer  ist.  daß  er  sich  zwar  in  jedem  einzelnen  Auf- 
schluß der  Wahrnehmung  entzieht.  Trotzdem  aber  kann  die  Differenz 
hinreichend  sein,  um  auf  den  in  Betracht  kommenden  großen  Distanzen 
mächtige  Schichten-  und  Flözgruppen  zum  Abschneiden  zu  bringen. 
Der  Umstand.  dal5  sich  an  der  Basis  der  Satteltiözschichten  ein 
scharfer  Fazieswechsel  vollzieht,  daß  insbesondere  auch  die  marinen 
Einlagerungen  verschwinden,  begründet  die  Vermutung,  daß  eine  neue 
tektouische  Phase  beginnt.  Mit  Sicherheit  hat  Gabler  in  der  Sattel- 
flözregion und  in  den  Schatzlarer  Schichten  beträchtliche  Schichten- 
verjüugungen  von  West  gegen  Ost  nachgewiesen.  Ein  gleicher  Nach- 
weis fehlt  für  die  Ostrauer  Schichten.  Wenn  diese  nach  meinen 
Ermittlungen  in  C)strau  etwa  3300?/*  und  nach  Gabler  am  Ostrande 
des  Kohlenbassins  nur  ^^"»4  w  mächtig  sind,  so  könnte  dies  ebensogut 
wie  durch  Verjüngung  durch  eine  leichte  Diskordanz  erklärt  werden. 
Während  ich  auf  das  Bestehen  dieses  Problems  nur  hinwies,  ging 
Älichael  weiter,  indem  er  die  Existenz  einer  derartigen  Diskordanz 
behauptetet.  In  der  Gegend  nördlich  von  Beuthen  sollen  die  Sattel- 
tlöze wie  aus  den  Aufschlüssen  von  Deutsch- Piekar  und  den  Bohrungen 
der  Taruowitzer  Gegend  hervorgeht,  auf  die  liegenden  tiözleeren 
Teile  der  Ostrauer  Schichten  übergreifen.  Wenn  das  richtig  ist, 
müßte  hier  allerdings  eine  schon  beträchtliche  Diskordanz  vorliegen. 
Tatsächlich  beweisen  aber  die  angeführten  Bohrungen  nichts  in  der 
behaupteten  Richtung,  weil  die  tiözleeren  Bohrungen  viel  zu  wenig 
lief  sind,  um  hinreichende  Auskunft  über  die  jeweils  anstehende 
Schichtengruppe  in  den  Ostrauer  Schichten  zu  geben.  Für  die  Schiefer- 
tone von  Deutsch-Piekar  und  Koslowagora  gilt  aber  das  gleiche,  was 
eingangs  über  die  Schichten  von  Golonog  gesagt  wurde.  Dahingegen 
geht  aus  ptianzenpaläontologischen  Untersuchungen  mit  voller 
Sicherheit  hervor,  daß  die  Sat  t  el  f  1  özs  c  hich  t  en  kon- 
kordant auf  den  oberen  Ostrauer  Schichten  liegen. 
Gothan-)  wies  nämlich  nach,  daß  der  oberste  Teil  der  Osti'auer 
Schichten  durch  Sphenopferis  Boh(ianoint:i  charakterisiert  ist,  welche 
Spezies  nur  in  einer  unter  dem  liegendsten  Satteltlöz  folgenden 
ca.  100  m  mächtigen  Zone  vorkommt.  Gothan  gelang  dieser  Nach- 
weis  von  Rvbnik   sowie   von  Hindenburg   bis  Grodziec.    wodurch   die 


*)  Die  Geologie  des  oberschles.  Steinkohlenbezirkes,  pag.  173. 
')  Die  oberschles    Steinkohlenflora.  Abb.  d.  kffl.  preuß.  geol.  Landesanstalt. 
V.  Teil.  Heft  25  (1918),  pag.  211. 


[23]  öeol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  23 

Konkordanz  erwiesen  ist.  Daß  sie  auch  für  Polen  noch  besteht,  geht 
aus  dem  Funde  von  der  Groß-Grodziec-Grube  und  wahrscheinlich  auch 
aus  jenem   Rydzewskys   von  der  Saturn-Grube  bei  Bedzin  hervor. 

Hierdurch  ist  zugleich  eine  sichere  Basis  für  den  Vergleich  der 
Flöze  in  den  Ostrauer  Schichten  am  Ost-  und  Westrande  des  Kohlen- 
beckens gewonnen.  Selbst  unter  Annahme  einer  Schichtenverjüngung 
folgt  aus  der  Lage  zum  Redenflöz,  daß  die  Flora- Flöze  den 
oberen  Ostrauer  Schichten  angehören  müssen.  Als  solche 
wurden  sie  bisher  allerdings  auch  schon  immer  angesprochen,  eine 
Annahme,  die,  wie  das  Vorhergehende  zeigt,  freilich  noch  nicht 
gesichert  war.  Weder  die  Flöze  der  Saturngruppe,  das  sind  die 
unmittelbar  unter  dem  Redenflöz  liegenden  Flöze  der  polnischen 
Ostrauer  Schichten,  noch  die  ein  wenig  tiefer  liegenden  Flora-Flöze 
zeigen  die  Eigenschaft  des  Backens  der  Kohle.  Bemerkenswerterweise 
fehlt  auch  in  Mähr.-Ostrau  diese  Eigenschaft  den  hängendsten  Flözen 
der  Ostrauer  Schichten.  Sie  stellt  sich  erst  in  der  unteren  Abteilung 
der  oberen  Ostrauer  Schichten,  in  der  Johann-Gruppe  ein  und  auch 
hierin  nur  in  der  Ostrauer  Mulde,  nicht  auch  in  der  Peterswalder 
Mulde.  Die  Kokbarkeit  nimmt  in  den  Ostrauer  Schichten  gegen  unten 
zu  und  ^rst  die  alleruntersten  Flöze  zeigen  sie  wieder  in  verrin- 
gertem Grade,  weil  sie  in  Magerkohlen  übergehen.  Dies  wird  bei 
der  Beurteilung  der  Backfähigkeit  der  polnischen  Kohlen  zu  be- 
rücksichtigen sein. 

Die  Ostrauer  Schichten  zeigen  bei  Mähr.-Ostrau  eine  charak- 
teristische Gliederung  durch  die  Verteilung  der  Flöze  in  Gruppen 
sowie  durch  das  regelmäßige  Auftreten  kennzeichnender  Leitschichten. 
In  zwei  älteren  Abhandlungen  sind  diese  Verhältnisse  studiert  und 
dargelegt  worden  ^).  Es  konnte  auch  gezeigt  werden,  daß  sich  im 
Rybniker  Reviere  Oberschlesiens  die  Leitflöze  und  Hauptgruppen  der 
oberen  Ostrauer  Schichten  von  Ostrau  deutlich  wieder  erkennen  lassen. 
Direktor  Kirschniok  in  Hindenburg  baute  hierauf  weiter  und  wies 
nach,  daß  dort  auch  der  obere  Teil  der  unteren  Ostrauer  Schichten 
in  ähnlicher  Ausbildung  wiederzufinden  ist.  Hier  endet  einstweilen 
die  Flözidentifizierung  mit  Ostrau.  Weiter  gegen  Ost  sind  größere 
Profile  der  Ostrauer  Schichten  nur  aus  Bohrlöchern  bekannt  geworden, 
die  weit  voneinander  entfernt  und  in  geologischer  Hinsicht  ungleich 
genau  untersucht,  nur  schwer  untereinander  in  Beziehung  zu  setzen 
sind.  Infolgedessen  ist  es  heute  auch  noch  schwer  möglich,  die  Stellung 
der  im  polnischen  Becken  besonders  wichtigen  Flöze  der  Flora- Grube 
im  Ostrauer  System  zu  ermitteln.  Einstweilen  führten  mich  die  an- 
gestellten Vergleiche  zur  Annahme,  daß  die  Flora-Grube  von 
Dabrowa  wahrscheinlich  in  der  Johann-Gruppe  von 
Mähr. -Ostrau,  keinesfalls  aber  tiefer  baut.  Dies  berechtigt 
aber  zur  weiteren  Annahme,  daß  unter  den  Flora-Flözen  noch  andere 
Flöze,  insbesondere  auch  Flöze  mit  kokbarer  Kohle  gefunden  werden 
können.  Allerdings  lassen  die  Ostrauer  Profile  zunächst  einige  hundert 
Meter  flözarmer  bis  flözleerer  Schichten  erwarten.  In  Polen  sind  zwei 
Bohrungen    ca.  300  m  tief   unter   die  Flora -Flöze   hinuntergegangen. 


•)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1910  und  1013. 


24  W.  Petrascheck.  [24] 

die  Tiefbohrung  der  Grube  Czeladz  und  die  schon  erwähnte  Garcarka- 
Bohrung.  Beide  fanden  nur  sehr  wenig  Kohle.  In  der  Garcarka-Bohrung 
sind  sogar  die  letzten  210  m  ganz  flözleer.  In  Czeladz  wurden 
dagegen  backende  Kohlen  angetroffen. 

In  der  Nachbarschaft  der  Flora-Grube  fehlt  es  an  zuverlässigen 
Liegendaufschlüssen.  Etliche  alte  Bohrungen,  je  250  m  tief,  die  bis 
an  die  Warschau- Wiener  Bahn  reichen,  fanden  angeblich  keine  Kohle. 
Es  ist  nun  ganz  wohl  möglich,  daß  die  auch  von  Ostrau  bekannten 
flözarmen,  bzw.  -leeren  Mittel  mit  Unrecht  von  weiteren  Nachfor- 
schungen abgehalten  haben. 

Die  paläontologischen  Studien  in  den  Golonoger 
Eisen  bah  neinschnitten  und  die  vergleichenden  Flöz- 
studien führen  übereinstimmend  zur  Annahme,  daß 
östlich  von  den  F 1  o r  a. - F 1  ö  z  e  n  noch  ältere  Flöze  er- 
wartet werden  dürfen.  In  diesen  tiefsten  Flözen  ist, 
wie  schon  die  T  i e f  b o h r u n g  Czeladz  anzeigt,  möglicher- 
weise auf  backende  Kohle  zu  rechnen.  Die  Wahrscheinlich- 
keit backende  Kohle  zu  bekommen,  würde  viel  größer  sein,  wenn 
nicht  im  ganzen  Steinkohlenbecken  die  Gesetzmäßigkeit  wahrnehmbar 
wäre,  daß  die  Kokbarkeit  der  Flöze  sich  von  West  gegen  Ost  ver- 
ringert. Auf  die  Ursachen  dieser  längst  bekannten  Tatsache  soll  an 
anderem  Orte  näher  eingegangen  werden.  Hier  genüge  der  Hinweis, 
daß  dies  mit  der  Gebirgsbildung  zusammenhängt.  Darum  würde  ich 
es  auch  für  ratsam  halten,  wenn  Nachforschungen  nach  backender 
Kohle,  die  für  Polen  wirtschaftlich  sehr  bedeutungsvoll  wären, 
zunächst  auf  dem  Sattel  bei  Danduvka  nördlich  Nirka  vorgenommen 
werden  würden. 

Auf  eine  Erscheinung  muß  aber  nocii  verwiesen  werden,  die, 
wenn  sie  sich  bestätigen  sollte,  die  Hoffnung  auf  einen  Zuwachs  an 
Kohlenflözen  am  östlichen  Beckenrande  etwas  einschränken  kann. 
Es  ist  auffällig,  daß  die  Bohrungen  weniger  und  schwächere  Flöze 
antrafen,  je  weiter  sie  gegen  Ost  liegen.  Zugleich  nimmt  der  Schiefer- 
ton in  den  Profilen  auf  Kosten  des  Sandsteins  zu  und  auch  die 
marinen  Einlagerungen  werden  stärker  und  zahlreicher.  Man  bekommt 
den  Eindruck  zunehmender  Vertaubung  der  Formation,  je  mehr  man 
sich  dem,  im  Ost  zu  vermutenden,  offenen  Meere  nähert.  Es  scheint 
die  terrestre-litorale  Fazies  des  karbonischen  Wattenmeeres  in  die 
litoral-marine  überzugehen.  Dieser  Uebergang  scheint  sich  gegen  Ost 
fortschreitend  vom  Liegenden  zum  Hangenden  zu  vollziehen. 

Michael  sprach  schon  einmal  von  einer  Vertaubung  des 
Karbons  in  Galizien.  Seine  Wahrnehmungen  bezogen  sich  aber  vor- 
nehmlich auf  die  Schatzlarer  Schichten.  Sollte  sich  in  diesen  wirklich 
eine  Vertaubung  nachweisen  lassen,  so  müßte  sie  in  ihren  Ursachen 
verschieden  von  der  Verarmung  der  Ostrauer  Schichten  sein. 

Besteht  aber  in  den  Ostrauer  Schichten  eine  derartige  Ver- 
taubung, so  würde  für  die  Praxis  ein  Ostrand  des  Kohlenbeckens 
dort  gefunden  werden,  wo  die  östlichsten  Flöze  liegen.  Geologisch 
bleibt  sein  Ostrand  aber  dort,  wo  der  Kand  der  Ostrauer  Schichten 
liegt.  Bekannt  ist  dieser  nur  bei  Krzeszowice,  wo  er  durch  die  Auf- 
schlüsse des  Kolilenkalkes  gegeben  ist.  Im  Krakauer  Reviere  wurden 


|25|  Geol.  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  25 

verschiedentlich  Versuche  gemacht,  das  Becken  weiter  gegen  Ost  zu 
verfolgen.  Gr  zybo  wsky  ^),  Michael  2)  und  Verfasser  ^)  haben  über 
diese  Versuche  berichtet.  In  Mniköw  und  in  Brzoskwinia  wurden  die 
Ostrauer  Schichten  flözleer  angebohrt.  Die  östlichsten  Kohlenfunde 
liegen  in  Raczna  soe.  Liszki.  Sie  wurden  in  Schatzlarer  Schichten 
gemacht.  Der  südlich  hiervon  bei  Samborek  erbohrte  Kohlenkalk  kann 
nur  eine  Antiklinale  darstellen,  ebenso  wie  eine  solche  bei  Zalas 
vorliegt.  Es  dürften  diese  die,  hier  allerdings  flözarmen,  bzw.  flöz- 
leeren Fortsetzungen  des  durch  seinen  Kohlenreichtum  berühmten 
Hauptsattels  in  Oberschlesien  sein.  (S.  umstehende  Textfigur  5.) 

Weiter  im  Osten  liegen  vorkarbonische  Gebirgsarten.  In  Kur- 
dwanow  bei  Krakau  wurde  unter  dem  Perm  angeblich  Devon  erbohrt 
und  in  Rzeszotary  südlich  Wieliczka  traf  man  bekanntlich  unter  dem 
Krakauer  Jura  Gneis  an.  Bartonec*)  sprach  die  Vermutung  aus, 
dai3  es  nicht  jurassische  Felsenkalke,  sondern  Kohlenkalk  gewesen 
sei,  was  unter  dem  Alttertiär  in  Rzeszotary  erbohrt  wurde.  Er  stützt 
sich  darauf,  daß  auch  der  Kohlenkalk  Feuersteine  enthält.  Unter 
den  weißen,  Feuersteine  führenden  Kalken  folgte  aber  eine  Echino- 
dermenbreccie,  hierauf  kalkiger,  grauer  Sandstein,  dann  etwas  roter 
Ton  und  Konglomerat,  das  auf  Perm  hindeutet  und  hierauf  erst  der 
Gneis.  Für  jeden  mit  dem  Krakauer  Gebiete  vertrauten  Geologen 
ist  es  wegen  dieser  Schichtfolge  klar,  daß  der  weiße  Kalk  nur  Jura, 
nicht  Kohlenkalk  sein  kann.  In  der  Tat  sind  die  Proben  auch  von 
keinem  Geologen  anders  gedeutet  worden^)  und  würde  ich  es  über- 
haupt nicht  für  nötig  finden,  auf  diesen  Zweifel  zu  sprechen  zu 
kommen,  wenn  Michael^)  nicht  Veranlassung  genommen  hätte, 
jenem  Zweifel  weitere  Verbreitung  zu  geben.  Ich  kann  demgegen- 
über nur  betonen,  daß  die  unter  dem  Kalk  erbohrte  Schichtfolge 
Kohlenkalk  mit  Sicherheit  ausschließt,  da  es  unter  diesem  im  Gebiete 
namentlich  keine  ähnlichen  Saudsteine  und  keine  roten  Tone  gibt. 
Zum  Ueberfluß  sei  noch  bemerkt,  daß  während  des  Bohrens  in  dem 
weißen  Kalke  ein  Splitter  gefunden  wurde,  auf  dem  der  Rest  eines  mit 
einer  Liina  oder  einem  Spondijhis  zu  vergleichenden  Zweischalers 
erkennbar  war.  Es  spricht  dies  ebenfalls  für  das  jurassische  Alter 
des  betreftenden  Kalkes. 

Die  Lage  des  östlichen  Beckenrandes  im  Krakauer 
Reviere  ist  also  durch  die  Schürfarbeiten  der  letzten  Jahre  nur  um 
einen  kleineu  Schritt  geklärt  worden.  Man  kann  sagen,  daß  dieser 
Rand  sich  von  den  bekannten  Aufschlüssen  bei  Czerna 
nördlich  Krzeszowice  in  südöstlicher  Richtung  er- 
streckt.   Das  ist  die  gleiche  Richtung,  die  er  in  Polen  hat.    Aller- 


*)  Montanistische  Rundschau  1912. 

-)  Die  Entwicklung  der  Steinkohlenformation  im  westgalizischem  Weichsel- 
gebiet. Jahrb.  d.  preuß.  geol.  Landesanstalt  für  1912. 

*)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1909. 

*)  Oest.  Zeitschr.  f.  Berg-  u.  Hüttenwesen  1912,  pag.  7. 

*)~Vgl.   M.  Kraus  (Oest.  Zeitschr.  f.  Berg-  u.  Hüttenwesen  1910,  pag.  31) 
und  Grzybowsky  (Montanistische  Rundschau  1912),  pag.  920. 

*)  Geologie  des  oberschles.  Steinkohlenbezirkes,  pag.  29. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reich.sanstalt.  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (»V.  Petrascheck.)       4, 


26 


W.  Pctiasclieck 


[26] 


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[271  Geo].  Studien  im  polnischen  und  Krakauer  Steinkohlenrevier.  27 

dings  ist  auch  dort  seine  genauere  Lage  noch  unbekannt.  Außer  den  devo- 
nischen Aufschlüssen  von  Siewierz,  Zawiercie  und  Klucze  liefern  nur  die 
permischen  Konglomerate  schwache  Anhaltspunkte.  Das  Myslachowicer 
Konglomerat  steht  bei  Dembowa  Gora  südlich  Slawköw,  bei  Strze- 
mieszyce  Male  und  zwischen  Golouog  und  Losien,  wie  die  Römer'sche 
Karte  schon  ganz  richtig  angibt,  an.  Das  deutet  nun  freilich  noch 
nicht  auf  unmittelbare  Nähe  des  Beckenrandes,  denn  das  Konglomerat 
ist  ein  Schuttkegel,  der  ziemlich  weit  ausgestreut  sein  kann.  In  Mlo- 
szowa  ist  das  Konglomerat  mindestens  5"5  km  vom  Kohlenkalk  entfernt, 
denn  so  weit  reichen  noch  sichtbar  Ostrauer  Schichten  und  doch  sind 
dort  die  Kalkgerölle  im  Konglomerat  gröber  als  an  allen  polnischen 
Fundpunkten.  Wenn  die  Größe  der  Gerolle  einen  Maßstab  gibt,  so  sind 
die  Slawkower  Aufschlüsse  dem  Kalke  in  Polen  noch  am  nächsten. 

Sonach  führen  auch  die  Beobachtungen  im  Perm 
zur  Annahme,  daß  die  produktive  Kohlenformation  sich 
weiter  gegen  Ost,  als  gewöhnlich  angenommen  wird, 
erstreckt,  bzw.  daß  sie  die  Linie  Zabkowice — Slawkow — 
Niesulowice  erreicht,  vielleicht  teilweise  auch  über- 
schreitet. 

Es  ist  nun  noch  die  Vermutung  ausgesprochen  worden,  daß  der 
Kohlenkalk  von  Kreszowice  mit  seinem  devonischen  Kerne  eine  Anti- 
klinale bilde,  östlich  deren  sich  produktives  Karbon  wieder  anlegen 
könne.  In  der  Literatur  hat  Grzybowsky^)  zuerst  dieser  Vermutung 
Ausdruck  gegeben  und  Tetiaeff^)  benützte  diese  Idee  gleichfalls 
als  Grundlage  für  seine  Synthese. 

Genauere  Betrachtung  zeigt,  daß  das  Kohlenkalkgebiet 
sich  keineswegs  nur  als  einfache  Antiklinale  darstellt.  Es 
wurde  schon  erwähnt,  daß  der  Kohlenkalk  bei  Czerna,  also  westlich 
vom  Devonaufbruch,  eine  gegen  Süd  offene  Synklinale  bildet.  Auch 
nördlich  davon,  zwischen  Paczaltowice  und  Raclawiec  bildet  er  eine 
Mulde.  Im  Tale  von  Szklary  dagegen  zeigen  seine  Schichten  mehr 
südliches  als  südöstliches  Einfallen.  Die  Neigung  ist  im  allgemeinen 
mäßig  und  erreicht  nur  am  Ostrande  von  Paczaltowice  den  Betrag 
von  30  und  35"^. 

Das  Kohlenkalkgebiet  erweist  sich  sonach  als  eine 
in  sich  gefaltete  Gebirgsmasse,  deren  Tektonik  sich 
nicht  mehr  an  das  generelle  NW -- SO -Streichen  des 
angrenzenden  flözführenden  Karbons  hält.  Die  Neigung 
der  Schichten  ist  mäßiger  als  im  mährisch-schlesischen  Kulm.  Die 
Falten  sind  zugleich  kleiner. 

Die  Tektonik  des  Kohlenkalkes  ermöglicht  hiermit  keine  Stellung- 
nahme zur  Synthese  Grzybowski-Tetiaeff.  Dahingegen  hat 
diese  eine  neue  und  sehr  gewichtige  Begründung  durch  einen  Fund 
J.  Czarnockis  erhalten,  dem  es  gelang,  an  der  Westseite  des  Kieker 
Gebirges  Viseen  nachzuweisen.  Es  gewinnt  dadurch  an  Wahrscheinlich- 
keit, daß  auch  produktives  Karbon  in  der  Synklinale  von  Wloszowa  ent- 
wickelt ist.    Allerdings  dürfte  es  in  sehr  großer  Tiefe  liegen. 


V  Montanistische  Rundschau  1912 

-)  Ann.  soc.  geol.  de  Belgique  1912  (XXXTX). 


28  W.  Petrascheck.  [28] 

Anhang. 


Bohrregister  der  Bohrruiig  Sczakowa. 

(Westlich  na  von  „na  bialem".) 

Meter 

—    36 

Sand. 

—    41 

Letten  und  Sand. 

—    92 

Sandstein. 

—  106 

Schieferton  (Neuropteris). 

-121 

Sandstein. 

—  131 

Schieferton. 

—  186 

Sandstein. 

—  138-5 

Schieferton. 

—  139-15  Kohle  65  cm. 

—  143 

Schieferton. 

-  183 

Sandstein. 

—  183-6C 

)  K  0  h  1  e   65  cm. 

-  185-5 

Kohlenschiefer. 

-  194  0 

Sandstein. 

—  194-4 

Kohle  40  cm. 

-236 

Schiefer  mit  Sphärosiderit. 

—  244 

Sandstein  mit  Kohlenschmitz. 

-  250 

Ton. 

—  253 

Sandstein. 

—  270 

Sandstein. 

-271-7 

Schieferton. 

—  272-0 

Kohle  30  cm. 

—  273-5 

Kohlenschiefer. 

—  284 

Sandstein. 

—  290 

Schieferton. 

—  308-5 

Sandstein    mit    drei    Schmitzen    von 

15-40  cm. 

—  314 

Schieferton. 

—  316 

Sandstein. 

-325 

Schieferton. 

—  327 

Sandstein  und  20  cm  Kohle. 

—  330 

Sandstein. 

—  354-2 

Sandstein  und  Schieferton. 

—  354-6 

Kohle  40  cm. 

—  437 

Sandiger  Schiefer  und  Sandstein,  viel 

Sphcärosiderit. 

—  437-4 

Kohle  40  cm. 

-  465 

Schieferton  und  Mergel. 

-  481 

Sandstein. 

—  501 

Schieferton. 

Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie. 

(Obersteirische  Grauwacl<enzone.) 

Von  Franz  Angel. 

Mit  einer  Tabelle,  Tafel  Nr.  II,  und  22  Textfiguren. 


Literatur. 

1  He  ritsch,  Beiträgezur  Geologie  derGrauwackenzone  etc.  (Naturw 
Verein  für  Steiermark  1911,  Bd.  48.) 

2  Heritsch,  Geologisches  aus  der  Gegend  des  Eisenerzer  Reichen- 
steins. (Naturw.  Verein  für  Steiermark  1910,  Bd.  47.) 

3  Ampfer  er,  Vorläufiger  Bericht  über  neue  Untersuchungen  der 
exotischen  Gerolle  etc.  (Sitzungsberichte  der  Akademie,  Wien.  Math.- 
Naturw.  Klasse,  Abt.  I,  125.  Bd.,  3.  u.  4.  Heft.) 

4  Ampfer  er  u.  Ohnesorge,  Ueber  exotische  Gerolle  in  der  Gosau 
etc.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.,  Wien  1909,  Bd.  59,  Heft  2.) 

5  Sander,  Beiträge  aus  den  Zentralalpen  zur  Deutung  der  Ge 
st  eins  gefüge.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1914,  Bd.  64,  Heft  4.) 

6  Sander,  Ueber  Zusammenhänge  zwischen  Teilbewegung  und 
Gefüge  in  Gesteinen.  (Min.-petr.  Mitteilungen,  XXX.  Bd.,  IV.  u.  VI.  Heft, 
Wien  1911.) 

7  Beck e,  Chemische  Analysen  von  kristall.inen  Gesteinen  aus 
der  Zentralkette  der  Ostalpen  (Denkschriften,  Wiener  Akademie, 
math. -naturw.  Klasse,  Bd.  75,  1913.) 

8  Rosenbusch,  Elemente  der  Gesteinslehre.  9.  Aufl.  1909. 

9  Rosenbusch,  Mikroskopische  Physiographie  II./2.  1908. 
10  Osann,  Chemische  Petrographie  IL,  1905. 


Einleitung. 

Die  Gesteine  der  „Blasseneckserie"  sind  seit  etwa  1880  wieder- 
holt Gegenstand  geologischen  Interesses  gewesen.  Es  handelt  sich  um 
zum  Teil  schiefrige  (daher  Blasseneckgneis  genannte)  und  verschieden- 
artig umgewandelte  Gesteine  der  Umgebung  von  Eisenerz. 

Der  Darstellung  Heritsch  (Lit.  1,  S.  94  ff.)  entnehme  ich, 
daß  die  große  Bedeutung  dieser  Gesteinsserie  in  geologischem  Sinne 
darin  zu  suchen  ist,  daß  sie,  worauf  auch  Redlich  hingewiesen  hat, 
in  Deckenform  auftretend,  von  Tirol  über  Kitzbüchel  und  Eisenerz  bis 
zum  Semmering  anzutreffen  ist,  also  eine  große  Ausbreitung  zeigt. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (Fr.  Angel.) 


30  Franz  Angel.  r21 

Durch  Arbeiten  Ohnesorges^),  Redlichst)  und  H e r i t s  c h' 
wurde  es  allnicählich  sicher,  daß  in  den  erwähnten  Gesteinsserien,  näm- 
lich den  obersteirischen  Blasseneckgesteinen,  den  Serizitgrauwacken 
der  Kitzbüchler  Alpen  und  in  den  entsprechenden  Horizonten  von 
Payerbach  -  Reichenau,  mehr  oder  minder  metamorphosierte  Eruptiv- 
gesteine einen  beträchtlichen  Anteil  haben. 

Ich  folge  den  Ausführungen  Her it seh'  weiter  (Lit.  1,  S.  95), 
erwähnend,  daß  nach  dem  genannten  Autor  ein  Teil  der  als  Quarz- 
porphyre oder  'Keratophyre  angesprochenen  Gesteine  der  Blasseneck- 
serie  unter  dem  Zug  der  erzführenden  Kalke  vom  Zeiritzkampel 
zum  Spielkogel  liegt,  ein  zweiter  Teil  aber  über  diesen  Kalken.  Aus 
den  Darlegungen  He  ritsch'  ergibt  sich,  daß  eine  Reihe  von  Decken- 
ergüssen stattfanden,  welche  durch  Ablagerung  von  Sedimenten  von- 
einander getrennt  sind.  Ferners,  daß  diese  Quarzporphyrdecken  vom 
erzführenden  Silurdevonkalk  überschoben  wurden. 

Die  ebenerwähnten  Daten  sind  so  ziemlich  wörtlich  wieder- 
gegeben. Dies  glaubte  ich  tun  zu  müssen,  da  ich  mich  gerade  darauf 
zu  beziehen  gedenke. 

Der  Anlaß,  dem  ich  es  verdanke,  die  in  dieser  Schrift  nieder- 
gelegten Studien  ausführen  zu  können,  war  der,  daß  Heritsch  vom 
chemischen  Standpunkt  aus  Klarheit  über  die  Stellung  der  von  ihm 
als  Quarzkeratophyre,  Porphyroide  usw.  bezeichneten  Gesteine  wünschte. 
Infolge  der  verschiedenartigen  Metamorphosen  der  Vorkommnisse  war 
jedoch  eine  Entscheidung  über  die  Zugehörigkeit  des  einen  oder 
anderen  Typus  nicht  anders  möglich,  als  durch  eine  zusammenhän- 
gende und  zusammenfassende  Bearbeitung  des  Materials  nach  allen 
Richtungen. 

Dieser  Aufgabe  habe  ich  mich  nun  längere  Zeit^j  gewidmet. 
Weit  davon  entfernt,  alles,  was  ich  aufzuklären  wünschte,  tatsächlich 
ausarbeiten  zu  können,  ist  die  Arbeit  immerhin  soweit  gediehen,  daß 
auf  ihrem  Grund  weitergearbeitet  werden  kann,  und  eine  Anzahl 
neuer  Gesichtspunkte  -aufgefunden  wurden. 

Mein  lieber  Freund  Heritsch  hat  mir  sein  Material  und  seine 
Schliffe  mit  Originalaugaben  anvertraut  und  mir  durch  bereitwilligste 
Auskünfte  und  Winke  die  Arbeit  sehr  erleichtert.  Wo  ich  ihn  im 
folgenden  nicht  zitiere,  ist  der  Anlaß  hauptsächlich  der,  daß  ich  noch- 
einmal  das  ganze  Material  selbst  durcharbeitete,  und  meine  Angaben 
daher  sich  nicht  auf  Gelesenes,  wenn  auch  von  Heritsch  oder 
anderen  Autoren  Beobachtetes,  beziehen.  Ich  muß,  um  der  Darstellung 
willen  jedoch  alle  Erscheinungen,  welche  für  die  Gesteinseinreihung 
in  Betracht  kommen,  noch  einmal  zusammentragen.  Daß  sich  [dabei 
meine  Beobachtungen  mit  jenen  von  Heritsch,  insbesondere  manch- 
mal teilweise  decken,  oder  oft  im  wesentlichen  decken,  ist  mir  natür- 


')  Th.  Ohnesorge,  lieber  Silur  und  Devon  in  den  Kitzbüchler  Alpen. 
Verhandl.  d.  k.  k.  geoL  R.-A.  1905,  S.  373. 

")  K.  A.  Redlich,  Die  Eisensteinbergbaue  der  Umgebung  von  Payerbach- 
Reichenau.  (Berg.-  u.  hüttenpi.  .Tahrb.  d.  k.  k.  montan.  Hochschulen  zu  Leoben 
und  Pfibram  1907.)  —  Derselbe,  Ueber  die  wahre  Natur  des  Blasseneckgneises 
Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1908,  S.  340. 

')  Die  Analysen  stammen  vom  Jahre  1914  -  1915  und  1916. 


[3  I  Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie.  31 

lieh  bekannt.  Ich  habe  ja  seine  Arbeiten  über  den  Gegenstand  ^)  Zeile 
für  Zeile  studiert.  In  gewissen  Kapiteln  käme  ich  daher  aus  dem 
Zitieren  gar  nicht  heraus  und  glaube  es  mit  Berufung  auf  diese  Aus- 
führungen füglich  unterlassen  zu  dürfen. 

Ich  bin  ferners  an  meine  Aufgabe  nicht  mit  der  vorgefaßten 
Meinung  herangetreten,  daß  sich  unter  den  mir  vorgelegten  Gesteinen 
lauter  Eruptivgesteine,  beziehungsweise  deren  umgewandelte  Abkömm- 
linge befinden  müßten.  Bei  einigen  von  ihnen  hegte  ich  anfänglich 
starke  Zweifel  daran. 

Daher  meine  ich,  nichts  Ueberflüssiges,  weil  schon  von  anderen 
Beobachtetes,  verzeichnet  zu  haben. 

An  dieser  Stelle  möchte  ich  auch  meinem  verehrten  Lehrer, 
Herrn  Professor  Schar iz er,  als  Vorstand  des  miueralogisch-petrogra- 
phischen  Instituts  der  Universität,  meinen  Dank  bezeigen.  Sein  Ent- 
gegenkommen ermöglichte  mir  die  Ausführung  der  Analysen  und  die 
Benützung  der  fachlichen  Bücherei.  Herrn  Professor  R  e  d  1  i  c  h  danke 
ich  auch  noch  für  die  Ueberlassung  von  Vergleichsmaterial. 

Graz,  29.  Juni  1918. 

Dr.  Franz  Angel. 


I.  Uebersicht  der  Fundorte,  Handstücke  und  Dünnschliffe 
des  bearbeiteten  Materiales. 

Zur  Vermeidung  von  Irrtümern,  und  um  das  Studium  der  Frage 
zu  erleichtern,  stelle  ich  an  die  Spitze  der  Abhandlung  das  folgende 
Verzeichnis.  Von  den  jedem  Vorkommen  folgenden  Nummern  be- 
zieht sich  immer  die  erste  auf  das  Handstück,  die  zweite  auf  den 
Schliff.  Es  handelt  sich  um  Originalnummern  Heritsch'.  Meist 
liegen  übrigens  von  einem  Fundorte  mehrere,  nicht  unterscheidbare 
Handstücktrümmer  vor.  Es  ist  dann  die  Handstücknummer  für  die 
zusammengehörigen  Trümmer  zu  nehmen.  Voraus  schicke  ich  stets 
das  Schlagwort,  unter  welchem  das  Handstück  in  dieser  Abhandlung 
jeweils  erwähnt  wird. 

Johnsbach,  94,  234.  Pleschgraben  über  dem  Scheidegger. 
Johnsbach— Scheid  egger,  — ,  254.  Ebenso.  (Porphyroid.) 
Johnsbach,  — ,77.  Vor  dem  Punkte  961.  (Geschieferter  Porphyroid.) 
Große  Scharte— Lins,  32,  283.  Der  Linsgipfel  2008  befindet  sich 
von  Vordernberg  aus  über  den  Reichenstein  2148  noch  ein  Stück 
nach  Westen    gelegen.   (Spezialkarte  Zone    11,   Kol.  XII.   Leoben 
und  Brück.)     Zwischen   der   Großen   Scharte   und  Lins   liegt  der 
Fundort. 

Präbic hl  — Polster,  28,  282.  Unmittelbar  über  Präbichl,  Fuß  des 
Polster.  (Spezialkarte  Zone  15,  Kol.  XII.) 

')  Lit.   1  und  2. 


32  Franz  Angel.  .  •  fll 

Spielkogel  (P.  1754),  15,  102.  Der  Spielkogel  ist  auf  der  Karte  in 
dem  Stück  südlich  des  Sparafeld,  westlich  von  Johnsbach  zu  finden. 
Von  der  Treff'neralpe  (Pfarrmauer  S)  führt  ein  Pfad  zum  Spiel- 
kogel weiter.  Der  Fundort  liegt  in  der  Nähe  des  Punktes  1754 
in  einer  Höhe  von  etwa  1650  ?w.  (Spezialkarte  Zone  15,  Kol.  XI.) 

Spielkogel  (P.  1754),  8,  71—72.  Gefunden  unmittelbar  unter  Punkt 
1754  beim  Spielkogel.  Sonst  wie  oben. 

Hinkareckkamm,  66,  22.'».  Im  Punkt  1905  dieses  Kammes.  Hin- 
kareck im  SW  vom  Zeiritzkampel,  1938  m,  westlich  der  Zeiritz- 
alpe.  (Spezialkarte  Zone  16,  Kol.  XL) 

Spielkogel  (P.  1650),  56,  117.  Unter  Punkt  1754  in  beiläufig  1650  m. 
Wie  oben. 

Glasbremse,  26,281.  Fuß  des  Polster,  von  Glasbremse  gegen  die 
Standelalpe,  1300  m  Höhe.  (Spezialkarte  ^one  15,  Kol.  XII.) 

Zeiritzkampel,  Süd,  60,217,  Das  Material  stammt  von  der  Süd- 
seite des  Zeiritzkampels,  auf  dem  Weg  zur  Zeiritzalpe.  (Spezial- 
karte Zone  16,  Kol.  XI.)  2125  m- Gipfel  im  Norden  von  Kallwang, 
Liesingtal. 

Stolzerhütte,  6,  495.  Weg  Stolzerhütte — Brümalpe,  beim  ersten 
Kalkzug.  Brümalpe  am  Südhang  des  oben  angegebenen  Spiel- 
kogels- 

Erzlager  Eisenerz  A,  56,  57,  158,  159.  Liegendes  der  Erzlager, 
oberhalb  der  Röstöfen  von  Eisenerz.  (Spezialkarte  Zone  15,  Kol.  12.) 

Haberltörl(P.  1905),  23,  87.  Unter  Punkt  1903,  westlich  vom  Haberl- 
törl.  Zwischen  Blasseneck  und  Leobnerberg  (P.  2035).  Blasseneck 
nördlich  Fürth  im  Paltental.  (Spezialkarte  Zone  16,  Kol.  XI.) 

Hinkar eckgipfel,  68,  225.  Siehe  früher  bei  Hinkareckkamm. 

Zeiritzkampel,  70,  227.  Knapp  unter  dem  Sattel  zwischen  Punkt 
1757  und  Zeiritzkanii)el.  Siehe  früher. 

Reichhals,  — ,  288,  21.  Sattel  zwischen  Reichenstein  und  Lins. 
Siehe  weiter  oben. 

Kuhkaaralpe,  83,  129.  Albitporphyroid  He  ritsch'.  Johnsbach  S 
durch  den  Grubgraben  bis  zum  Talschluß.  (Spezialkarte  Zone  15, 
Kol.  XI.) 

Grünangertörl,  111,  139.  Zwischen  Zeiritzalpe  und  Grünangertörl. 
Nördlich  der  Zeiritzalpe.  (Spezialkarte  Zone  16,  Kol.  XI.) 

Zeiritzalpe,  73,228.  Von  der  Zeiritzalpe  zum  Törl.  Siehe  früher. 

Präbi Chi— Berghaus,  — ,276,  Weg  vom  Präbichl  zum  Berghaus. 

Rötzgraben,  Vordernberg,  — ,  280.  Im  Rötzgraben  bei  Vordern- 
berg,  SO, 

Leobner  Gipfel,  B,  160.  Leobner  Berg,  2035  m,  östlich  vom 
Blasseneck.  Siehe  früher.  (Spezialkarte  Zone  1<),  Kol.  XL) 

Gruber  hübe,  112,  132.  Unter  der  Gruberhube,  aus  der  nach  SW 
fallenden  Scliieferpartie.  (Porphyroid.)  Spezialkarte  Zone  1 5,  Kol.  XII.) 

Scharte  —  Lins,  31,  277,  „Porphyr"  zwischen  Großer  Scharte  und 
Lins.  Diese  Oertlichkeit  wurde  schon  früher  erwähnt. 

Zeiritzalpe,  — ,  101.  Serizitporphyroid  bei  der  Zeiritzalpe,  Siehe 
früher. 


r51  Die  Quarzkeratophyl-e  der  Blasseneckgerie.  33 

Kaiserau,  58,  113.  über  der  Kaiseraii  (Linie  Flitzenalpe — Bärn- 
dorf  im  Paltentale,  Spezialkarte  Zone  15,  Kol.  XI),  aufgeschlossen 
im  Bachbette  vor  der  Wegteilung. 

Kaiserau,  2,  68,  ebenso  und  6,   70  ebenso  26,  <SÜ  ebenso. 

Flitzengraben,  82,  266.  Von  dem  Wagenbänkgraben  nach  rück- 
wärts. Der  Flitzengraben  geht  in  südlicher  Richtung  von  den  Süd- 
hängen des  Reichensteins  von  Admont  aus. 

Kalblinggatterl,  60,  216.  Abstieg  vom  Kalblinggatterl  in  die 
Flitzenalpe.  Das  Kalblinggatterl  führt  von  der  Flitzenalpe  in  die 
Kaiserau. 

Flitzenalpe,  8,171.  Graben  über  der  Flitzenalpe,  unter  der  Wild- 
scharte. Ebenso  ö8,   198  (^Flitzenalpe  — Wildscharte). 

Treff neralpe,  17,  178.  Ueber  dem  erzführenden  Kalk,  N  von  den 
Hütten.  (Südlich  der  Flitzenalpe.) 

Kühkaaralpe,  82,  131.  Metamorpher  Quarzporphyr.  Südlich  Johns- 
bach,'Talschluß  des  Grubgrabens. 

Zeiritzkampel  S,  57,  214.  Südseite  des  Berges,  Weg  zur  Zeiritz- 
alpe.  Siehe  früher. 

Flitzenbach,  78,  118.  Siehe  Oertlichkeit  des  Flitzengrabens. 
Ebenso  12,  173. 

Kaiserau,  32,  97.  Vor  der  Wegteilung  ober  der  Kaiserau.  Siehe 
früher. 

Leobner,  — ,  96.  Zwischen  Punkt  2018  und  Leobner  Gipfel.  Siehe 
früher. 


II.  Die  Gesteinsgemengteile. 
1.  Quarz. 

Dieses  Mineral  tritt  uns  in  verschiedenen  Formen  entgegen : 
Als  Einsprengung,  Strahlquarz,  in  Form  unregelmäßiger  Trümmer 
und  als  Grundmassequarz,  endlich  in  Form  von  Stengeln  und  Tropfen 
in  perthitischen  Feldspäten.  Sie  sollen  in  den  nachfolgenden  Zeilen 
beschrieben  und  ihre  Beziehungen  zueinander  dargetan  werden.  Ver- 
gleiche dazu  Heritsch  (Lit.  1,  S.  93  ff.)  und  die  dort  angezogene 
Literatur. 

Quarzeinsprenglinge.  Unzweifelhaft  echte  Porphyrquarze 
sind  in  den  Schliffen  Nr.  59  (Körnige  Grauwacke  von  Eisenerz, 
anstehend  unter  dem  Sauberger),  ferner  282  (Präbichl)  und  159 
(Liegendes  der  Erzlager,  Eisenerz,  zu  beobachten.  (Siehe  Fig.  1  —  5.) 
Sie  sind  oft  weitgehend  korrodiert,  Grundmassearme  greifen  tief  in 
sie  hinein,  die  Kanten  und  Ecken  der  Kristalle  zeigen  Rundungen. 
Mehrfach  sind  die  Bildungen  saurer  Höfe  an  Stellen  tieferer  Aus- 
buchtung durch  Korrosion  bei  Anwendung  polarisierten  Lichtes  deutlich 
zu  sehen.  Fig.  5  gibt  diese  Verhältnisse  schematisch  wieder.  Die 
mit  I  bezeichneten  Felder  bestehen  fast  ausschließlich  aus  winzigen 
Quarzkörnchen   mit  sehr  wenig  Serizit  dazwischen.     II  stellt  die  den 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Beichsanstalt,  1918.  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (Fr.  Angel.)  5 


36  Franz  Anpjel.  [g] 

kurzprismatisehen  Stücken  aufgebaut.  Gleichlaufend  mit  der  Längs- 
achse der  Stengel  sind  chloritische  Flasern  eingelagert.  Keine  An- 
zeichen deuten  darauf  hin,  daß  sie  mit  den  umgewandelten,  grünen 
Biotiteu  des  Gesteins  in  Zusammenhang  stehen.  (Vgl.  Heritsch, 
Lit.  1,  S.  106,  untere  Hälfte.) 

Die  Spannungserscheinungen,  Einschlüsse  und  manchmal  auf- 
tretende teilweise  runde  Umgrenzung  der  Quarzkristalle  mit  Quarz- 
strahlen weisen  darauf  hin,  daß  wir  die  Strahlquarze  als  Kerntrümmer 
ehemaliger  echter  Einsprenglingsquarze  auffassen  dürfen.  Quarzstengel 
und  Chlorit  machen  den  Eindruck  der  Gleichalterigkeit.  Wäre  beispiels- 
weise der  Chlorit  das  jüngere  der  beiden  Mineralien,  so  brauchte 
er  nicht  so  regelmäßig  gleichlaufend  mit  den  Quarzstengeln  lagern, 
sondern    seine   Schüppchen   könnten   wirr   in   die   Fugen   des   Quarz- 


FiK.  9  und  10. 


40 


gewebes  eingestreut  sein.  Damit  ergibt  sich,  daß  beide  Gebilde  sekun- 
där sind.  Der  enge  Verband  mit  den  Zacken  und  Buchten  der  großen 
Kerne  dieser  Aggregate  macht  es  wahrscheinlich,  daß  die  Strahlung 
der  Ausdruck  von  Ausheilungsbestrebungen  der  randlich  zertrümmerten 
Quarze  sind. 

Die  Strjhlquarzkerne  zeigen  starke  optische  Spannungserschei- 
nungen. (Böhm'sche  Streifung.) 

Trümmerquarze.  Als  Trümmerquarze  mögen  jene  Quarz- 
körner bezeichnet  werden,  welche  gleichwie  die  Strahlquarzkerne, 
scharfeckige  Grenzen  besitzen.  Sie  sind  meist  umgeben  von  einem 
ein-  bis  mehrreihigen  Kranz  eckiger  Trümmer,  die  lückenlos  anein- 
andergedrängt  sind. 

Als  Bruchquarze  mögen  Körneraggregate  bezeichnet  werden, 
die  im  gewöhnlichen  Licht  einheitlich  erscheinen,  im  polarisierten 
Licht  jedoch  ihre  Zusammensetzung  aus  Körnern  verschiedener  Größe 


[91 


Die  Quarzkeratophyre  der  Hlasseneckserie. 


37 


und  eckiger  Umgrenzung  erkennen  lassen.  Die  in  Rede  stehenden 
Bildungen  sind  häufig  in  folgenden  Schliffen  zu  sehen :  Nr.  283,  280, 
223,  217,  228,  101  und   117  usw. 

Die  Quarze  durchlaufen  in  diesen  Schliffen  alle  Stadien  vom 
Porphyrquarz  bis  zur  Quarzaugenentwicklung.  Fig.  11  ist  ein  Quarz- 
korn, wie  er  in  Nr.  280  häufig  zu  sehen  ist.  Die  Gestalt  ist  gestreckt, 
die  Gesamtumgrenzung  rund  wie  bei  einem  korrodierten  Einspreng- 
ung. Der  Rand  ist  jedoch  in  nach  innen  zu  eckig  begrenzte  Trümmer 
aufgelöst,  welche  nicht  auseinandergerissen  wurden.  Die  Sprünge, 
welche  Einsprenglingsquarze  sonst  oft  in  Quarzporphyren  oder  auch 
Daziten  zeigen,  sind  in  ihrer  Anordnung  von  den  hier  beschriebenen 
so  verschieden,  daß  eine  Verwechslung  nicht  möglich  ist. 


Fig:.  11-  15. 


Fig.  12  zeigt  eine  weitergehende  randliche  Auflösung  in  Trümmer. 
Der  Rand  des  Hauptkernes  ist  bereits  deutlich  gezähnt.  Der  Umriß 
des  ganzen  Körneraggregates  hebt  sich  von  der  Grundmasse  nicht 
rund  ab,  so  daß  nicht  von  vornherein  in  diesem  Falle  auf  Entstehung 
aus  einem  Einsprengung  geschlossen  werden  kann.  Der  Nachweis, 
daß  es  sich  auch  bei  solchen  Quarzen  um  Einsprengunge  handelt, 
wird  damit  erbracht,  daß  in  denselben  Schliffen  auch  Quarze  wie  in 
Fig.  12  vorkommen,  welche  teilweise  runde  Grenzen  besitzen,  die 
durch  Korrosion  verursacht  sind,  und  daß  in  den  fraglichen  Trümmern 
Flüssigkeits-  und  Glaseinschlüsse  vorkommen  (Schliff  Nr.  117),  in  der- 
selben Weise,  wie  unzweifelhafte  Porphyrquarze  dies  zeigen.  Außer- 
dem weisen  zahlreiche  sonst  unversehrte  Porphyrquarze  einen  stellen- 
weise ausgezackten  Rand  auf,  der  demnach  einen  Uebergang  vermittelt. 

Sehr  stark  ausgezackt  sind  QuarzO;  wie  in  Figur  13  und  15, 
welche   oft   die   Böhm'sche   Streifung    II    cd  erkennen   lassen.    Diese 


38 


FranK  Angrel. 


[10.1 


gibt  sich  durch  braune,  etwas  verwaschene  Streifen  kund,  die  die 
Erscheinung  schon  im  gewöhnlichen  Licht  verraten. 

Schließlich  sind  Anhäufungen  von  Quarztrümmern  zu  beobachten 
(Fig.  14  und  16),  die  sich  von  der  Grundmasse  deutlich  abheben  und 
kleine  Linsen  oder  Knollen  (Augen)  bilden. 

Fig.  16  zeigt  noch  sehr  deutlich  die  Zusammengehörigkeit  der 
einzelnen  Trümmer  zu  einem  großen  Einsprengung,  die  teilweise 
runden  Umrisse  beweisen  die  Abkunft,!  eingepreßte  Grundmasse  hat 
die  Trümmer  auseinandergezwängt,    Glimmerschüppchen  (Serizit)  um- 

Fig.  16—20. 


hüllen  das  Körnergebilde.  Dieses  Gebilde  stellt  den  Uebergang  von 
Fig.  7  und  8  zu  den  Figuren  14  und  15  dar.  Bei  Bewegungen  durch 
Schub  müssen  sich  die  in  Fig.  8  noch  großen  Trümmer  eines  Kristalls 
aneinander  reiben  und  daher  eine  innere  Trümmerzone  schaffen,  die 
aus  kleinen  Bröckelchen  besteht. 

Grundmassequarz  wird  gewöhnlich  von  kleinen,  rundlichen 
oder  eckigen  Körnchen  gebildet,  die  oft  durch  Serizitschüppchen, 
kleine  Feldspäte  oder  auch  chloritische  Schüppchen  voneinander- 
getrennt  werden. 

In  Perthiten  (Schliff  Nr.  ^81,  Glaslbremse  —  Standlalpe)  treten 
Stengel  und  Tropfen  von  Quarz  auf.  Diese  Perthite  enthalten  oft 
Partien  von  Plagioklas.  Beziehungen  zur  Myrmeckitbild.ung  in  gepreßton 


ni]  Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie.  30 

Graniten  dürften  sich,  sobald  erst  reichlicher  Material  zur  Verfügung 
steht,  wohl  auffinden  lassen.  (Fig.  20.) 

Schließlich  sei  noch  erwähnt,  daß  in  einzelnen  Gesteinstypen 
(Schliff  Nr.  21,  96,  214  und  77)  Quarztrümmer  von  jener  Größe, 
eckiger  oder  gerundeter  Form,  wie  sie  den  Abkömmlingen  von 
größeren  Quarzen  zukommt,  so  gleichmäßig  in  der  Grundmasse  ver- 
teilt erscheinen,  daß  das  Gefüge  etwa  an  einen  Quarzit  oder  an  einen 
Sandstein  mit  auffallend  viel  tonigem  Bindemittel  erinnert.  Unter  der 
Voraussetzung  starker  Durchbewegung,  die  auch  sonst  solchen  Ge- 
steinen ihren  Stempel  aufgedrückt  hat,  ist  diese  Erscheinungsweise 
jedoch  ganz  gut  erklärbar,  so  daß  auch  bezüglich  der  Abkunft  solcher 
Splitter  und  Körner  von  Porphyrquarzen  kein  Zweifel  zu  obwalten 
braucht. 

2.  Feldspäte. 

Orthoklas.  Die  tafelförmigen  Kristalle  sind  meist  randlich 
stark  zertrümmert,  die  Spaltung  gut  sichtbar.  Manche  wenig  verän- 
derte Orthoklase  zeigen  einen  Schalenbau,  welcher  sich  im  polari- 
sierten Lichte  durch  schwache,  konzentrische  Tönungsunterschiede 
der  Außenschichten  gegenüber  dem  Kern,  der  übrigens  im  Vergleich 
zur  erstgenannten  sehr  mächtig  ist,  kundigt.  Die  Außenschicht  hatte 
in  einigen  Fällen  Quarzstengeleinschlüsse,  bzw.  Quarztropfen  aufzu- 
weisen. (Schliffe  Nr.  217,  132  und  276  usw.) 

Die  Randzone  dürfte  größere  Mengen  von  Na2,0  enthalten.  Das 
Ergebnis  der  chemischen  Analysen  stünde  damit  nicht  in  Widerspruch. 
Der  Erhaltungszustand  ist  ein  sehr  verschiedener.  Manche  Orthoklase 
sind  wenig  verändert  (Nr.  132),  oder  aber  kaolinisiert,  serizitisiert 
und  auch  beides  zusammen.  Da  kaolinisierte  Feldspäte  in  Gesteinen 
auftreten,  welche  wenig  zerbrochene  Einsprengunge  aufweisen,  wo- 
gegen serizitisierte  häufig  in  solchen  vorkommen,  wo  das  Gegenteil 
der  Fall  ist,  darf  geschlossen  werden,  daß  die  Serizitisierung  später 
eingetreten  ist,  wie  die  Kaolinisierung,  und  eine  Begleiterscheinung 
jener  mechanischen  Vorgänge  war,  welche  die  Zertrümmerungserschei- 
nungen hervorriefen,  die  im  Vorangehenden  besprochen  worden  sind. 
Die  Form  bietet  nichts  Bemerkenswertes. 

Plagioklas.  Die  Bestimmung  wurde  nach  Beck  es  Methode 
durchgeführt.  Es  seien  an  einigen  Beispielen  die  Ergebnisse  der 
optischen  Bestimmung  und  der  Analysen  vergleichend  mitgeteilt. 

Vorkommen : 

Glaslbremse Schliff  Nr.  281.  Oligoklas.  Analyse  2.  Äb^Än^. 

Fuß  des  Polster.  .  .  Schliff  Nr.  282.  Oligoklas.  Analyse  3.  Ab.^Ani. 

Scharte — Lins  ....  Schliff  Nr.  283.  Oligoklas.  Analyse  4.  Ähi.^Än^. 

Spielkogel Schliff  Nr.  117.  Oligoklas.  Analyse  5.  Äk,An^. 

Haberltörl Schliff  Nr.    87.  Albit .  .  .  Analyse  6.  ÄblAn^, 

Erzlager,   Eisenerz  .  Schliff  Nr.  159.  Oligoklas.  Analyse  7.  Ab^.^An^. 

Spielkogel  h  1754    .  Schliff  Nr.  102.  Andesin  .  Analyse  8.  Ab^-^An^. 

Stolzerhütte Schliff  Nr.  495.  Albit    .  .  Analyse  9.  Ab^^An^. 


40  Fi-anz  Angel.  [12] 

Zieht  man  in  Betracht,  daß  die  Plagioklase  häufig  schaligen 
Bau  besitzen,  und  daß  die  Grundmasse  jedenfalls  die  saureren  Glieder 
der  Mischungsreihe  enthält,  so  ergibt  sich  zwischen  den  Pausch- 
analysen und  den  optischen  Beobachtungen  eine  befriedigende  Ueber- 
einstimmung. 

Die  Messungen  ergaben  auch  in  anderen  als  den  vorgelegten 
Fällen  dieselben  Resultate.  Feldspatmischungen  im  Bereich  des  An- 
desins  sind  selten,  Oligoklas  häufig,   Albit  ebenso. 

Die  Plagioklase  sind  stets  reich  polisynthetisch  verzwillingt 
(Albitgesetz).  Sie  weisen  sehr  oft  enge,  selten  breite  Zwillingslamel- 
lierung  auf.  Begrenzungsfiächen  J_  auf  die  Zwillingsebene  zeigen 
starke  Abbröckelung.  Abgesehen  vom  schaligen  Bau  sind  im  Innern 
der  Kristalle  Einschlüsse  von  Grundmasse  zu  beobachten.  (Siehe  die 
vorstehenden  Figuren  17,  18  und  19,  entnommen  den  Schliffen  Nr.  283, 
56,  159  und  217.)  In  den  Plagioklasen  der  Gesteine  vom  Zeiritz- 
kampel  ist  die  Schaligkeit  besonders  deutlich  zu  sehen. 

Im  allgemeinen  machen  die  Plagioklase  dieselben  Veränderungen 
mit,  wie  die  Orthoklase.  Sie  werden  kaolinisiert  oder  auch  seriziti- 
siert.  Die  Zertrümmerungserscheinungen  sind  ebenfalls  an  beiden 
Feldspaten  dieselben.  Ausheilungen  konnte  ich  nicht  beobachten.  Zer- 
bröckelungen treten  analog  wie  beim  Quarz  auf.  In  den  Stadien  des 
Gesteins,  in  welchen  der  Quarz  Trümmer-,  bzw.  Bruchquarz  geworden 
ist  und  zur  Aügenbildung  Anlaß  wird,  sind  die  Feldspäte  in  kleinste 
Bröckelchen  zerrieben  und  bilden  zuweilen  so  wie  Quarz  linsen- 
förmige, von  Glimmer  oder  Chlorit  umhüllte  Körper.  Auch  in  bezug 
auf  die  Feldspatkörneraggregate  sind  alle  Uebergänge  zu  beobachten. 
Schließlich  erkennt  man  in  langgestreckten  Körneranhäufungen,  welche 
sich  von  der  Grundmasse  durch  geringeren  Zersetzungsgrad  abheben, 
und  zwischen  oft  nahezu  gleichlaufenden  chloritischen  Flaschen  liegen, 
die  zertrümmerten  Porphyrfeldspäte  wieder.  Eine  Bestimmung  ihres 
Charakters  ist  dann  nicht  mehr  möglich.  Oft  gehen  die  letzten  An- 
zeichen, daß  es  sich  um  zermalmte  Einsprengunge  handelt,  verloren, 
und  der  Gesteinsdünnschlitf  bietet  alsdann  das  Bild  eines  Schiefers, 
der  aus  einer  mit  Chloritmineralien  durchwirkten  und  stark  seriziti- 
sierten  Grundmasse  und  eingestreuten  Quarzkörnchen  besteht  i). 

Vollkommen  serizierte  Feldspäte  bestehen  aus  einem  Gemenge 
von  26%  Quarz  und  747o  Glimmer  (optische  Analyse).  Das  entspricht 
in  Gewichtsprozenten  23 — 25%  Quarz  und  77—75%  Serizit.  Bei  der 
Umwandlung  findet  eine  Raumersparnis  von  6—16%  statt. 

3.  Glimmer. 

Am  Gesteinsaufbau  beteiligen  sich  drei  Glimmermineralien. 
Davon  sind  zwei,  ein  brauner  und  ein  grüner  Glimmer,  primär,  der 
dritte,  Serizit,  sekundär. 

Brauner  Glimmer  ist  selten,  man  findet  ihn  im  hellgrauen, 
massigen  Gestein  von  Johnsbach  (Nr.  94,  23-1).    Heritsch    erwähnt 


')  Auf  diesen  Endpunkt  der  Metasomatose  solcher  Gesteine  macht  Kosen- 
busch  (Lit.  9,  rf.  8i4  ft.)    aufmerksam.    (Metamorphose    der   Quarzporphyre  etc.) 


[131  Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie.  41 

ihn  aus  einem  Gestein  vom  Sulzbachgrabeu.    Seinen  optischen  Eigen- 
schaften nach  ist  er  vom  Biotit  nicht  merklich  verschieden. 

In  den  übrigen  Vorkommnissen  besitzt  jedoch  das  Glimmer- 
mineral grüne  Farbe,  und  in  den  Beschreibungen  wird  dies  als  ein 
Zeichen  der  Chloritisierung  gedeutet,  und  fernerhin  angenommen, 
daß  der  in  vielen  Vertretern  auftretende  Chlorit,  auch  dann  wenn 
kein  räumlicher  Zusammenhang  mit  Glimmer  mehr  nachweisbar  ist, 
von  ihm  abzuleiten  ist. 

Die  Gründe,  welche  Veranlassung  bieten,  der  eben  besprochenen 
Anschauung  in  betreff  der  grünen  Glimmer  obersteirischer  Erguß- 
gesteine nicht  beizupflichten,  sind  folgende  : 

Der  grüne  Glimmer  zeigt  einen  sehr  starken  Pleochroismus  (bei 
Erhaltung  typischer  Glimmerspaltbarkeit)  von  hellgelb  mit  schwach 
grünlichem  Stich  nach  tiefdunkelgrün.  Er  ist  oft  randlich  korrodiert, 
wobei  feine  randliche  schleierartige  Erzanhäufung  stattfindet  (Erz- 
schleier), und  besitzt  Einschlüsse  mit  braunen,  pleochroitischen  Höfen. 
Außer  in  der  Farbe  unterscheidet  er  sich  in  keiner  Weise  vom 
braunen  Glimmer.  (Gerade  Auslöschung,  keine  Aggregatpolarisation  usw.) 

Er  kommt  als  Einschluß  in  korrodiertön,  sonst  unveränderten 
Quarzeinsprenglingen  vor. 

Dort,  wo  diese  Eigenschaften  sich  (infolge  metasomatischer 
Prozesse  verändern,  führt  die  stufenweise  Verfolgung  der  Erschei- 
nungen zum  Bauerit,  nicht  zum  Chlorit. 

Der  grüne  Glimmer  kommt  zwar  in  einem  Höchstausmaß  bis  zu 
etwa  8%  vor,  der  Chlorit  ist  in  solchen  Vorkommnissen  jedoch  in 
einer  Menge  von  30%  vorhanden.  Nur  unter  ganz  besonderen  Um- 
ständen vermöchte  man  daher  den  Chlorit  vom  Glimmer  herleiten 
können. 

Die  Pauschanalysen  führen  alle  auf  einen  dunklen  Gemengteil, 
der  für  einen  Biotit  zu  wenig  MgO,  zuviel  FeO  -\-  Fe^O^  und  Al<^0^ 
enthält.  Der  Erzgehalt  ist  nirgends  in  den  glimmerhältigen  Gesteinen 
von  solcher  Bedeutung,  daß  er  das  früher  angedeutete  Verhältnis  so 
zu  ändern  vermöchte,  daß  man  dennoch  auf  Biotit  schließen  könnte. 
Vom  chemischen  Standpunkte  aus  müßte  man  der  Ansicht  zuneigen, 
daß  verwandtschaftliche  Beziehungen  zum  Lepidomelan  herrschten. 

Nun  erwähnt  Rosenbusch  (Lit.  9,  S.  845)  einen  grünen, 
bleichenden  Glimmer  aus  den  Lenneporphyren,  welche  zu  den  Quarz- 
keratophyren  zu  stellen  sind.  Bei  Rosen  busch  (Lit.  8,  S,  74)  finde 
ich  auch  die  Analyse  eines  dunkelgrünen  Lepidomelans,  der  zwar 
vielleicht  etwas  verändert  ist,  und  diese  Analyse  müßte  ungefähr  auch 
ein  Abbild  der  chemischen  Verhältnisse  der  hier  beobachteten 
Glimmer  sein.  Auch  daß  die  Lepidomelane  viel  leichter  zersetzlich 
sind,  wie  die  Biotite  (wovon  ich  mich  durch  Studium  von  Lepido- 
melanen  Südnorwegens  überzeugt  habe),  fällt  hier  ins  Gewicht,  weil 
in  den  Schliffen  alle  Stadien  der  Baueritisierung  durchzufolgen  sind, 
und  die  Erscheinung  mit  der  Kaolinisierung  zumindest  Schritt  hält, 
wenn  nicht  gar  beträchtlich  voraneilt. 

Unter  solchen  Umständen  gewinnt  der  Beweis,  daß  anstatt  der 
Chloritisierung  der  Glimmer  Baueritisierung  eintritt,  für  die  Beur- 
teilung dieser  Mineralien  geradezu  ausschlaggebende  Bedeutung,  des- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd,  l.  u.  2.  Hft.  (Fr.  Angel.)  6 


42  Franz  Angel  [14] 

halb  soll  an  dieser  Stelle  ausführlich  davon  die  Rede  sein.  Für  das 
Studium  der  Erscheinung  ist  es  gut,  wenn  man  zuucächst  jene  Typen 
betrachtet,  in  welchen  nur  ganz  wenig  Chlorit  neben  Glimmer  vor- 
kommt oder  gar  keiner,  und  dann  die  reichlich  chloritführenden  Vor- 
kommnisse. 

1.  Reihe.  (Mit  unbeträchtlicher  Chloritführung.) 

Im  Schliö  Nr.  277  zeigt  sich  der  Glimmer  so,  wie  er  eingangs 
dieses  Kapitels  charakterisiert  worden  ist.  Ferner  im  Zustand  ver- 
mehrter Erzabscheidung  und  Schwächung  des  Pleochroismus.  Die 
Polarisationsfarben  werden  ganz  mattgrau,  die  Äuslöschung  und  die 
Spaltung  bleiben  jedoch  unverändert.  In  anderen  Schliffen  beobachtet 
man  zunehmendes  Bleichen.  Doch  sind  anderweitige  optische  Eigen- 
schaften, welche  die  Annahme  rechtfertigen  würden,  es  läge  eine 
Umwandlung  in  Chlorit  vor,  nicht  wahrzunehmen.  Die  nächste  Ent- 
wicklungsstufe zeigt  das  Vergrößern  der  Spaltrisse,  in  welchen  unauf- 
lösbare, trüb  bis  undurchsichtig  scheinende  Massen  sich  ansiedeln. 
Zweifellos  handelt  es  sich  um  Erze,  jedoch  nicht  um  primären  Mag- 
netit. Diese  Erzlamellen  erhalten  sich  lange  ungestört.  Anstatt  der 
vormaligen  Glimmerlamellen  ist  zwischen  ihnen  ein  fast  unpleochroi- 
tisches,  mißfarbiges  Aggregat  kleiner  Körnchen  oder  Schüppchen  vor- 
handen, welches  auch  nicht  mehr  einheitlich  auslöscht.  In  den  dynamo- 
metamorphen  Gliedern  führt  die  Umwandlung  dazu,  daß  die  Erz- 
lamellen auseinandergerissen  werden  und  einen  Schleier  bilden.  Solche 
Erzschleier  enthalten  in  ihrem  Bezirk  wohl  die  vorerwähnten  körnchen- 
und  schuppenartigen  Restprodukte  des  Glimmerzerfalls,  aber  keinen 
Chlorit.  Aus  diesen  Feststellungen  geht  hervor,  daß  es  sich  tatsäch- 
lich um  den  Prozeß  der  Baueritisierung  ^)  handelt.  Von  Chlorit  kennt 
man  ähnliches  Verhalten  nicht.  Demnach  wäre  der  unversehrte 
(makroskopisch  sehr  dunkelgrüne)  Glimmer  mit  dem  starken  Pleo- 
chroismus primär  und  wird  nicht  chloritisiert. 

2.  Reihe.  (Mit  viel  Chlorit.) 

Auf  den  hohen  Chloritgehalt  dieser  Typen  und  das  Mißver- 
hältnis zum  Glimmer  wurde  bereits  hingewiesen.  Es  bleiben  nur  noch 
die  besonderen  Umstände  zu  erwähnen,  weshalb  auch  in  dieser  Reihe 
keine  genetischen  Beziehungen  zum  Glimmer  bestehen. 

Im  den  Schliffen  Nr.  129,  217,  495  und  158  zeigt  sich  genau 
dieselbe  Entwicklung  am  Glimmer,  wie  sie  von  den  chloritfreien  oder 
-armen  Formen  beschrieben  wurde.  In  den  massigen,  nicht  besonders 
mechanisch  beanspruchten  Vorkommen  durchwirkt  der  Chlorit  in  Form 
kleiner  Schüppchen  und  Fetzchen  die  ganze  Gesteinsmasse.  Man 
merkt  nirgends,  daß  an  den  Stellen,  wo  noch  Glimmer  in  irgend- 
einem Zustand  wahrzunehmen  ist,  oder  des  Erzschleiers  wegen  ver- 
mutet werden    darf,    eine    Umwandlung   in  Chlorit   stattgefunden  hat. 


*)  F.  Rinne,  liaueiitisierung,  ein  kriatallographischer  Abbau  verschieden- 
farbiger Glimmer.  Kg].  Küchs,  Akademie  der  Wissen.schaften.  Math.-phys.  Klasse. 
LXJII.  Md.,    1911. 


ri5l  Die  Quarzkeiatophyre  der  Blasseneckserie.  43 

In  den  dynamomeUmorphen  Beispielen  sieht  man  freilich  oft  in  den 
Erzschleierbezirken  oder  in  unmittelbarer  Nähe  mehr  oder  weniger 
abgebauter  Glimmer  Chloritfetzchen,  allein  in  solchen  Fällen  ist  Chlorit 
auch  in  den  Trümmerzonen  von  Einsprenglingsfeldspaten  und  -Quarzen 
auzutreifen,  in  welcher  er  offenbar  eingewandert  ist.  Aus  den  mit- 
geteilten Tatsachen  ist  zu  folgern,  daß  der  Chlorit  sich  auf  keine 
Weise,  auch  nicht  in  den  chloritreichen  Typen  aus  Glimmer  her- 
leiten läßt. 

Insgesamt  läßt  sich  demnach  an  der  Hand  der  glücklicherweise 
beobachtbaren  Uebergänge  feststellen,  daß  der  in  Frage  kommende 
Glimmer  überall  dort,  wo  er  sich  verändert  zeigt,  baueritisiert,  aber 
nicht  chloritisiert  wird. 

Serizit.  Es  gibt  in  der  ganzen  Serie  kein  serizitfreies  Glied. 
Die  Menge  desselben  ist  allerdings  schwankend.  In  jenen  Gliedern, 
welche  zermalmte  Einsprengunge  aufweisen,  ohne  daß  das  Gestein 
sonst  Schieferung  zeigt,  ist  die  Serizitisierung  oft  so  stark,  daß  von 
der  Feldspatsubstanz  nur  mehr  spärliche  Reste  übrig  sind,  die  über- 
dies teilweise  kaolinisiert  sind.  Die  Grundmasse  enthält  in  solchen 
Fällen  stellenweise  neben  Quarz  nur  Serizit.  In  wenig  Schieferung 
zeigenden  Formen  besitzt  er  unverbogene  schmalleistige  Schnitte, 
wenn  man  ihn  in  den  Einsprengungen  beobachtet,  und  bildet  ein  un- 
regelmäßiges Maschenwerk.  In  geschieferten  Vorkommnissen  ist  er 
jedoch  auch  mitgebogen  und  orientiert,  auch  aufgefasert. 

Muskowit.  In  den  vererzten,  turmalinführenden,  aphanitischen 
Vertretern  der  Serie,  sonst  nicht  zu  beobachten.  Er  tritt  in  Form 
kleiner  idiomorpher  Individuen  spärlich  neben  Serizit  auf  und  über- 
ragt die  Serizitindividuen  immerhin  so  bedeutend,  daß  er  sofort 
auffällt. 

4.  Chlorit. 

Der  große  Anteil,  welcher  dem  Chlorit  beim  Aufbau  einer  ganzen 
Reihe  von  Vorkommnissen  zufällt,  wurde  bereits  früher  betont.  30% 
sind  häufig,  in  einzelnen  Fällen  geht  der  Chloritgehalt  noch  höher 
hinauf. 

Dem  chemischen  Charakter  nach  muß  auch  dieses  Mineral  bei 
hohem  Eisengehalt  einen  recht  geringen  Magnesiaanteil  besitzen. 
Gewisse  Aphrosideritanalysen  mögen  Anklänge  an  die  hier  herr- 
schenden Verhältnisse  liefern.  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  daß  gerade 
dazu  Beziehungen  bestimmter  Art  gesehen  werden  wollen,  es  han- 
delt sich  lediglich  um  einen  Vergleich. 

Dort,  wo  der  Chlorit  annähernd  gleichmäßig  verteilt,  ohne  Orien- 
tierung auftritt,  bildet  er  Schuppen  von  rundlicher  oder  lappiger, 
nicht  regelmäßiger  Begrenzung  mit  Aggregatpolarisatiou.  Die  Polari- 
sationsfarben sind  nieder,  graublau  oder  graubraun.  Die  Individuen 
sind  sämtlich  kleiner  wie  die  Glimmerindividuen.  In  schiefrigen 
Formen  ist  der  Chlorit  in  Fetzchen  zerrissen,  welche  sich  in  Form 
langer  Gewinde  in  die  Schieferungsflächen  einstellen.  Die  Schüppchen 
weisen  dann  Buchten    und  Kerben    auf,    von  gleicher  Form,  wie  man 


44  Franz  Angel.  [16] 

sie   als   Begrenzung   erhält,   wenn    man    ein   solches  Mineralplättchen 
zerreißt. 

Der  Pleochroismus  ist  bedeutend  schwächer  wie  der  des  grünen 
Glimmers. 

5.  Akzessorische  Mineralien. 

Apatit,  Zirkon  und  Erze  treten  in  geringer  Menge  in  allen 
beschriebenen  Vorkommen  auf  und  zeigen  im  allgemeinen  keine  be- 
sonders hervorzuhebenden  Eigenschaften.  Die  Zirkone  sind  häufig 
zerbrochen.  Das  Erz,  Magnetit  und  Titaneisenerz  ist  mitunter  be- 
trächtlich, besonders  in  graublauen,  dichten  Vorkommen  der  Gesteine, 
wo  nebenher  auch  Turmaliu  auftritt.  Um  die  Ti-haltigen  Erze  ent- 
wickeln sich  häufig  Leukoxenhöfe,  auch  Titanit  kommt  im  Zusammen- 
hang mit  diesen  Erzen  vor.  Sehr  vereinzelt  sieht  man  kleine  Epidot- 
körnchen.  (Schliff  Nr.  289,  Präbichl.) 

6.  Uebergemengteile. 

Tur malin.  In  den  Schliffen  Nr.  70,  173,  266  und  118  beob- 
achtet man  kleine  Turmalinkristalle,  die  idiomorph  sind,  jedoch  rand- 
lich unbedeutende  Zerbrechung  zeigen.  Sie  bestehen  aus  einem  blau- 
violett-braun pleochroitischen  Kern  und  einer  zartblauen  bis  farblosen 
Hülle.  Diese  konzentrische  Schichtung  ist  durchgehends  zu  beobachten. 
Die  Muttergesteine  sind  grau  oder  graublau,  dicht,  massig,  oder  ge- 
schiefert. (Flitzengraben,  Kaiserau.) 

Karbonate.  In  den  meisten  Vorkommnissen  ist  Kalzit  vor- 
handen. Man  sieht  ihn  in  zersetzten  Glimmern,  in  Feldspäten  oder 
in  Form  von  Lassen  geringer  Ausdehnung  in  den  Schliffen.  Seltener 
sind  kleine  Rhomboeder  von  Siderit,  mit  goldgelber,  limonitischer 
Rinde  oder  ganz  in  ein  undurchsichtiges,  graubraunes  Zersetzungs- 
produkt verwandelt,  welches  sich  von  den  Erzen  dadurch  unter- 
scheidet, daß  es  neben  Unterschieden  in  der  Reflexion,  auch  nicht 
die  scharfen,  regelmäßigen  Umrisse  derselben  aufweist,  sondern 
lappigen,  bis  klexartigen  Umriß  besitzt. 

Die  Grundmasse. 

Bei  der  Untersuchung  der  Grundmasse  macht  sich  der  Umstand, 
daß  stets  große  Mengen  von  Serizit  und  Kaolin  in  ihr  enthalten  sind, 
in  ungünstiger  Weise  geltend.  Der  Quarzgehalt  ist  meist  sehr  bedeu- 
tend. Häufig  sieht  man  besonders  quarzreiche  Stellen  als  Umgebung 
mechanisch  unversehrter  Quarzeinsprenglinge  (saure  Höfe).  Die  Quarz- 
körnchen haben  in  einzelnen  Vorkommnissen  rundliche  Form,  so  daß 
sie  wie  Ameiseneier  in  einem  Gewebe  eingebettet  sind,  welches  teils 
aus  Serizit,  teils  aus  Kaolinschüppchen  aufgebaut  ist.  Oft  aber  sind 
sie  unregelmäßig  begrenzt,  weisen  Zacken  und  Lappen  auf,  kurz,  ver- 
halten sich  so,  wie  die  Granitquarze.  Im  ersten  Falle  mag  die  Grund- 
masse einmal  vitrophyrisch  gewesen  sein,  worauf  auch  deutliche  Reste 
von  Flußstruktur   (Beispiele    vom    Liegenden    der   Erzlager  etc.)   hin- 


[17]  Die  Quarzkeratophyre  der  Blasseneckserie.  45 

weisen,  und  später  entglast  sein,  oder  es  handelt  sich  um  Gramophyr- 
struktur.  Im  zweiten  Falle  wird  die  Grundmasse  mikrogranitisch 
gewesen  sein. 

Feldspäte  sind  in  Form  kleiner  Leistchen  nur  mehr  spärlich 
dort  und  da  aufzufinden.  Als  Kaolin  zu  deutende  Schüppchen  dagegen 
sind  sie  sehr  häufig,  jedoch  immer  neben  bedeutenden  Mengen,  oft 
neben  weitüberragenden  Mengen  von  Serizit  gegenwärtig.  Dieser  ist 
zum  Teil  in  der  Grundmasse  orientiert  (das  ist  in  den  geschieferten 
Vertretern  besonders  deutlich),  oft  aber  auch  ganz  wirr  gelagert. 

Hin  und  wieder  gewahrt  man  im  polarisierten  Licht  Schlierig- 
keit der  Grundmasse.  Die  serizitärmeren,  quarzreicheren  Partien 
heben  sich  durch  weniger  lebhafte  Farben  aus  den  serizitreicheren 
heraus.  Die  Schlieren  besitzen  rundliche,  unscharfe  Grenzen  und  sind 
bald  linsenförmig,  bald  straugförmig  und  in  Arme  zerteilt. 

Primäre  dunkle  Gemengteile  kommen  nicht  als  Grundmasse- 
gemengteile  in  Betracht.  Als  Mikrofelsit  im  Sinne  Rosenbusch'  ist 
von  den  hier  bearbeiteten  Typen  nicht  eine  anzusprechen.  Das  Ver- 
hältnis 1 : 1 ;  10  für  j {K,  Na)2  0 -\-  CaO]  :  ÄI2  O3 :  Si O.^,  welches  Rosen- 
busch als  charakteristisch  dafür  annimmt,  konnte  ich  nicht  nach- 
prüfen, und  Andeutungen  von  echter  Mikrofelsitstruktur  fehlen.  Von 
Aureolenquarzen,  Schwammquarzen  oder  Unterlagsquarzen,  wie  sie 
Ampferer-Ohnesorge  (Lit.  4)  beschreiben,  konnte  ich  gleichfalls 
nichts  finden. 

Zweifellos  erscheint  es  nach  den  chemischen  Analysen,  und 
deren  Zusammenhang  mit  den  optischen,  daß  es  sich  um  einen  Teig 
von  Quarz-Feldspat  gehandelt  hat,  dessen  Feldspat  zum  Teil  Ortho- 
klas, zum  Teil  Albit  war. 


Die  aphanitischen  Formen. 

In  den  einsprenglingsfreien  Gliedern  der  Serie  finden  wir  ein 
Gemenge  von  Mineralien,  das  sich  mit  den  Worten  Rosenbusch' 
über  die  Grundmasse  der  ebenfalls  metamorphen  ähnlichen  Gesteine 
von  weitabliegenden  Vorkommnissen  kennzeichnen  läßt:  „Quarz,  Feld- 
spat, Opal,  überströmt  mit  Serizit  und  Kaolin".  (Lit.  9,  S.  846.)  Die 
Korngröße  ist  unbedeutend,  Quarz  ist  stets  unregelmäßig  begrenzt, 
manchmal  tritt  er  etwas  durch  seine  relative  Größe  hervor  und  zeigt 
dann  strahlig  angeordnete,  zackige  Fortwachsungen,  zwischen  den 
Zacken  schmiegt  sich  Serizit  bzw.  Kaolin  ein.  Möglicherweise  sind 
das  Anzeichen  von  mikrofelsilischen  Erscheinungen.  Soweit  es  der 
Umwandlungszustaud  zuläßt,  ist  hier  ein  ehemals  mikrogranitisches 
Gefüge  eher  die  Grundlage  gewesen,  wie  ein  anderes. 

Die  in  einigen  durch  Erzreichtum  ausgezeichneten  Vertretern 
vorkommenden  Turmaline  sind  idiomorph.  Chlorit  fehlt  diesen  Formen 
gänzlich.- (Schliffe  Nr.  97,  173  und  118.) 

Die  weißlichen  bis  grünen  Vertreter  weisen  polyedrische  Klüf- 
tung  auf.  Auf  den  Klüften,  bei  grünen  Vertretern  auch  das  Gestein 
durchschwärmend,  findet  man  Chlorit.  (Schliffe  Nr.  68,  193  und  266.) 


4fi  Franz  Angel.  Mg] 

Besondere  Bemerkungen  über  die  Struktur. 

(Siehe  dazu  die  üebersichtstabelle  auf  S.  61  [33].) 

Eine  große  Anzahl  von  Vorkommnissen,  in  der  Uebersicht  als 
porphyriscb,  massig  bezeichnet,  besitzen  unveränderte  Porphyrstriiktur. 
Einsprenglinge  und  Grundmasse  sind  scharf  voneinander  geschieden. 
Die  Einsprenglinge  weisen  relativ  bedeutende  Größe  auf.  Bei  der 
Zählung  derselben  kommen  daher  keine  Zweifel  an  der  Einsprengslings- 
natur  auf,  da  es  Generationen  von  kleinen,  sich  der  Korngröße 
etwa  einer  mikrogranitischen  Grundmasse  nähernden  Einspreuglingeu 
nicht  gibt. 

In  der  Gruppe  der  als  porphyrisch,  geschiefert  beschriebenen 
Glieder  kann  man  den  Uebergang  der  Porphyrstruktur  bis  zur  augen- 
und  lagengneisähnlichen  Struktur  Schritt  für  Schritt  verfolgen.  Zunächst 
orientiert  sich  der  Chlorit  in  die  Sclüeferungsflächen,  seine  grünen 
Bänder  und  Gewinde  machen  die  Erscheinung  leicht  auffällig.  Dann 
kommt  es  zur  linsen-  bis  birnenförmigen  Streckung  der  Quarz-  und 
Feldspateinsprenglinge,  welche  förmliche  Augen  bilden.  Hierauf  kommt 
es  zur  Streckung  dieser  Augen  und  zur  Durchknetung  besonders  der 
Feldspatmassen  mit  Grundmasse,  wodurch  eine  Art  Lagenstruktur 
hervorgebracht  wird.  An  dem  bearbeiteten  Material  konnten  alle 
Uebergänge  zwischen  den  genannten  Stadien  beobachtet  werden. 


III.  Die  Metamorphose. 
1.  Ueberblick. 

Auf  Grund  der  bisherigen  Erörterungen  ist  es  bereits  möglich, 
eine  Gliederung  der  Metamorphosierung  der  besprochenen  Eruptiv- 
gesteine durchzuführen. 

Metasomatische,  normale  Bildungen  sind  wohl  der  Kaolin  und 
Bauerit.  Nicht  alle  Vertreter  wurden  durch  die  veranlassenden  Kräfte 
in  gleicher  Weise  erfaßt,  doch  gibt  es  Glieder,  wo  die  Kaolinbildung 
sehr  lebhaft  war.  Dieselben  zeichnen  sich  durch  starken  Tongeruch 
aus.  Einzelne  Vorkommen  sind  sehr  wenig  kaolinisiert  worden.  Das 
ist  daraus  zu  schließen,  daß  Serizit  fast  allein  die  Feldspäte  durch- 
setzt. Die  Annahme,  es  habe  sich  der  Serizit  aus  Kaolin  gebildet,  ist 
aber  wohl  auch  statthaft,  aber  nicht  die  einzige  Möglichkeit. 

Dynamometamorphose  hat,  allerdings  in  sehr  verschiedenem 
Grade,  alle  Glieder  erfaßt.  Die  noch  massigen  Glieder  zeigen  im 
mikroskopischen  Bild  immerhin  schon  Andeutungen  von  der  Wirkung 
von  Druckkräften.  Allmähliche  Uebergänge  führen  zu  Bildern  starker 
Zerbrechung,  ja  Zermalmung  des  Gesteiiisbestandes.  Dagegen  steht 
diesem  Prozeß  die  Schieferung  ziemlich  unvermittelt  gegenüber.  Sie 
setzt  sehr  deutlich  ein,  es  gibt  also  zwischen  Zermalraung  und 
Schieferung  einen  Hiatus.  Wenn  also  von  Uebergängen  vom  por- 
phyrischen zum  schiefrigen  Gestein  die  Hede  ist,  so  wird  dies  nur 
in  großen  Zügen  gemeint. 


[19  1  Die  Quarzkeratophyre  der  Hlasseneckserie.  47 

Es  hat  den  Anschein,  als  ob  die  Zermalmung  das  für  die 
Schieferung  bedingende  sein  könnte,  und  dadurch  ist  ein  Uebergang 
gegeben. 

Außer  der  Dynamometamorphose  ist  als  besonderer  Vorgang  das 
Eindringen  des  Chlorites,  die  Vergrünung  zu  nennen.  Warum  dieser 
Vorgang  nicht  neben  die  Kaolinisierung  gestellt  wird,  soll  im  folgenden 
noch  begründet  werden.  Nur  ein  Teil  der  beschriebenen  Gesteine 
vergrünt,  der  Prozeß  erscheint  also  lokalisert. 

Dasselbe  gilt  von  der  Vererzung.  Durch  dieselbe  wird  auch  nur 
ein  kleiner  Teil  der  Gesteine,  aber  in  ganz  charakteristischer  Weise 
umgewandelt.  Im  Felde  gaben  einzelne  vererzte  Vorkommen  Anlaß,  sie 
zunächst  mit  bUiugrauen  Kalken  u.  a.  zu  verwechseln.  Die  Turmalin- 
und  Muskowitführuug  betont  ihre  besondere  Stellung. 

Um  zur  Klarheit  über  die  drei  letztgenannten  Vorgänge  zu 
kommen,  ist  es  nötig,  sie  einzeln  abzuhandeln. 


2.  Zwei  Beispiele  besonders  stark  dynaino metamorpher  Ver- 
treter der  ßlasseneckserie. 

An  einem  Vorkommen  von  der  Zeiritzalpe  ( — ,  101)  und  vom 
Leobner  Gipfel  ( — ,96),  kurz  erwähnend  auch  vom  Rötzgr  ab  e  n 
( — ,  280)  soll  oline  Rücksicht  auf  die  vorhergehenden  sicheren  Er- 
gebnisse den  Ursachen  des  jetzigen  Gesteinszustandes  im  Dünnschliffe 
nachgegangen  werden.  Es  soll  dabei  hauptsächlich  der  Weg,  den 
Sander  (Lit.  5,  6)  ging,  beschritten  werden. 

i.  Gestein  von  der  Zeiritzalpe. 

(Schliff  Nr.  101,  Serizitporphyroid  nach  He  ritsch.) 

Gesteinsgemeugteile :  Quarz,  Feldspäte,  Reste  baueritisierter 
Glimmer,  auch  braune  Fetzchen  davon,  Serizit,  Chlorit,  Grundmasse 
sehr  feinkörnig  mit  Quarz,  viel  Serizit,  jedoch  auch  Feldspatleistchen. 
Gefüge  schiefrig,  augengneisartig. 

Das  Vorkommen  zeigt  also  ein  ausgeprägtes  s  im  Sander'schen 
Sinne.  In  s  liegen  vor  allem  Chloritfetzchen  und  Glimmerschüppchen, 
wodurch  s  stark  betont  erscheint.  Die  Gefügeflächen  krümmen  sich 
um  große  Quarz-  oder  Feldspatbrocken,  oft  von  knödelarti^er  Gestalt, 
manchmal  auch  tiaschenartig,  hüllen  diese  Gebilde  ein,  schließen  sich 
vor  und  nach  ihnen  enger  aneinander,  wodurch  ganz  augenfällig  der 
Anblick  von  feiner  Fältelung  erweckt  wird. 

Die  Regel  bezüglich  der  Stauchfaltengröße  und  ihres  Verhält- 
nisses zur  Korngröße,  wobei  die  Körner  als  Gefügeelemente  zu  fassen 
sind  (Sander,  Lit.  5j,  bewährt  sich  in  diesem  Gestein  sehr  deutlich. 
Zwischen  den  „Augen"  zwischen  welchen  eine  fast  gleichmäßig  fein- 
körnige Grundraasse  zu  beobachten  ist,  also  die  Gefügeelemente  sehr 
klein  sind,  liegen  die  Gewinde  der  Chloritfetzchen,  meist  nur  flach 
gebogen,  eng  aneinander,  die  Dicke  der  Fältchen  ist  also  sehr  klein, 
nähern  sich  solche  Züge  nun  den  Augen,  so  weichen  sie  weit  aus- 
einander, die  Faltendicke  wächst  rasch  an.  Um  die  Augen  sind  die 
Chloritzüge  zu  relativ  mächtigen  Hüllen  angewachsen. 


48  Franz  Angel.  [20] 

Die  schon  mehrmals  erwähnten  Augen  bestehen  aus  Anhäufungen 
eckiger  Quarz-  oder  Feldspattrümmer  wie  in  Fig.  14  und  16.  Zwischen 
den  größeren  Trümmern,  welche  teilweise  rund  begrenzt  sind  und 
auch  noch  Ueberreste  von  den  schlauchartigen  Einstülpungen  mit 
Grundmasse  erkennen  lassen,  welche  sie  als  Abkömmlinge  echter 
Porphyrquarze  kennzeichnen,  verlaufen  förmliche  Ströme  kleiner  eckiger 
Bruchstücke,  durch  Zerbröselung  entstanden,  welche  kleine,  spärliche 
Chloritfetzchen  mitführen.  Die  aus  Feldspat  aufgebauten  Augen  zeigen 
vollkommen  analoge  Erscheinungen,  von  den  Trümmerströmen  werden 
auch  in  diesem  Falle  Chloritfetzchen  mitgeführt.  Größere  Quarz-  oder 
Feldspattrümmer  zeigen  keine  Chloriteinschlüsse.  Dagegen  sind  sie 
mehr  oder  minder  serizitisiert. 

Die  Gestalt  dieser  Körnerhaufen  ist  oft  linsen-  oder  knödel- 
förmig,  häufig  birnförmig,  besonders  die  Feldspataugen  zeigen  fisch- 
ähnlichen Längsschnitt. 

Die  Gemengteile  der  Grundmasse  sind  in  gleicher  Richtung  wie 
die  Feldspataugen  orientiert.  Die  Quarzkörner  zeigen  zum  Teil  oblonge 
Form,  die  Serizitschüppchen  und  Chloritfetzchen  sind  mit  ihren  längeren 
Durchmessern  zu  so  großem  Teil  in  diese  Richtung  eingestellt,  daß 
diese  Erscheinung  deutlich  bemerkbar  ist.  Auch  das  Erz  ist  in  der- 
selben Richtung  deformiert. 

Am  merkwürdigsten  ist  die  Erscheinung,  daß  das  kielförmige 
Vorderende  der  Feldspataugen  einerseits,  das  schwanzartige  Ende 
derselben  anderseits,  und  schwanzförmige  Anhänge  von  Leukoxen  an 
Erze  nach  der  gleichen  Richtung  laufen. 

Auf  Grund  dieser  Beobachtungen  ist  zu  sagen :  das  Gestein  wird 
beherrscht  von  einem  sr.  (Gefügeflächen  mit  ruptureller  Korndefor- 
mation.) Da  kein  Gemengteil  ein  si  aufweist,  sondern  alle  ein  se,  so  darf 
angenommen  werden,  es  sei  ein  nd  (nichtmolekulare  Teilbewegung) 
eingetreten,  postkristallin  für  alle  Gemengteile!  Die  Richtung  dieser 
Bewegung  ist  ein  Schliff  durch  die  fischleibförmige  Ausbildung  der 
Feldspataugen  und  die  Schwänzchenbildung  beim  Erze  angedeutet. 
Es  fand  also  wohl  ein  Schub  statt.  Diesen  Schub  möchte  ich  als  eine 
Komponente  der  die  gesamte  Dynamometamorphose  veranlassenden 
Kraft,  die  jedenfalls  eine  andere  Richtung  besaß,  parallel  zu  s,  auf- 
fassen. Die  zweite  Komponente  wirkte  wohl  J_  auf  s,  die  Zer- 
trümmerung hauptsächlich  ist  ihr  Werk. 

Denken  wir  uns  nun  die  Wirkungen  der  Dynamometamorphose, 
einschließlich  der  Serizitisierung  weg,  so  gelangen  wir  zu  einem  un- 
geschieferten  Ergußgestein  mit  bedeutendem  Chloritgehalt  nach  Art 
der  „körnigen  Grauwacke  von  Eisenerz". 

2.  Gestein  vom  Leobner  Berg. 

(Schliff  Nr.  — ,  96,  Klastoporphyroid  nach  Heritsch.) 

Wegen  der  auffällig  geringen  Beteiligung  von  Chlorit  am  Ge- 
steinsaufbau ist  dieses  Vorkommen  dem  erstbeschriebenen  gegenüber- 
zustellen. Der  Grad  der  dynamometamorphischen  Umwandlung  ist  um 
einige  Stufen  höher  als  beim  vorigen.  Besonders  zu  erwähnen  ist,  daß 
vor  der  Serizitisierung  wahrscheinlich   eine   ausgiebige  Kaolinisierung 


[21]  Die  Quarzkeratophyre  der  ßlasseneckserie.  49 

stattfand.  Dafür  spricht  der  Umstand,  daß  die  Serizitflaschen  und 
Stränge,  in  welchen  wir  die  metamorphosierten  Feldspatmassen  er- 
blicken dürfen,  von  unverändert  gebliebener  Feldspatsubstanz  keine 
Anzeichen  mehr  zeigen,  wogegen  zwischen  den  Serizitmasehen 
Schüppchen  auftreten,  die  Kaolin  sein  dürften.  Eine  so  innige  Durch- 
bewegung, wie  man  sie  in  diesem  Schliffbilde  sieht,  ist  unter  der 
Voraussetzung  starker  Kaolinisierung  auch  leichter  zu  verstehen.  Das  .s 
dieses  Gesteins  wird  durch  Erzanhäufungen  in  Fugen,  welche  zum  Teil 
die  Serizitflaschen  durchziehen,  zum  Teil  an  der  Grenze  von  Quarz- 
trümmerbändern und  Serizitflaschen  auftreten,  deutlich  gemacht.  Es  ist 
nicht  allein  Magnetit,  sondern  in  bedeutenderem  Ausmaß  ein  anderes 
Eisenerz,  vermutlich  limonitischer  Natur.  Von  ihm  gehen  stellenweise 
gelbe  Flecken  aus.  Da  in  einigen  anderen  Schliffen  Rhomboeder  von 
Eisenspat  beobachtet  wurden,  beziehungsweise  deren  opake  Umwand- 
lungsprodukte, suchte  ich  auch  hier  nach  denselben,  konnte  sie  jedoch 
im  Schliff  nicht  auffinden.  Das  Augenbildungsstadium  erscheint  bei 
diesem  Gestein  überschritten."  Man  sieht  flachlinsenartige  Quarzkörner- 
aggregate, die  einen  langen  breiten  Schwanz  von  Körnern  nach- 
schleppen. Auch  an  ihnen  ist  die  Entwicklung  der  kielartigen  Stirn- 
seite und  das -Verjüngen  des  Schwanzteiles  überraschend  deutlich 
sichtbar  und  gleichsinnig.  Den  Raum  zwischen  diesen  Quarzlagen  und 
dem  Erzgeäder  füllen  die  feldspatvertretenden  Serizitmassen  aus. 
Sie  sind  besonders  die  Träger  feinster  Stauchfältelung.  Unter  steilem 
Winkel  zur  Lage  von  s  im  großen  und  ganzen  setzen  kleine  Brüche 
durch,  an  deren  Rändern  die  Falten  intensiv  geschleppt  sind.  Von 
Glimmer  ist  keine  Spur  zu  sehen.  Chlorit  ist  ganz  unbedeutend. 
Dieses  Gestein  hat  ebenfalls  unter  der  Wirkung  eines  nd  gestanden. 
Die  Schubkomponente  ist  ihrer  Richtung  nach  abermals  im  Dünnschliff 
bemerkbar. 

Denken  wir  uns  das  Gestein  zurück  vor  die  Dynamo-Metamor- 
phose, so  erhalten  wir  wieder  ein  quarzporphyrartiges  Gestein.  Die 
Grundmasse  ist  offenbar  in  die  Quarz-  und  Einsprenglingsfeldspatmasse 
nach  Zerbröselung  eingeknetet  worden  und  wurde  daher  oben  nicht 
erwähnt.  So  wie  das  Gestein  von  der  Zeiritzalpe  sich  von  einem 
normalen  Quarzporphyr  durch  die  bedeutende  Chloritführung  unter- 
scheidet, so  unterscheidet  sich  das  jetzt  eben  besprochene  rekon- 
struierte Gestein  von  einem  normalen  Quarzporphyr  durch  übermäßige 
Erzführung, 

Im  Schliff  Nr.  280,  an  einem  Vorkommen  vom  Rötzgraben 
bei  Vordernberg,  sieht  man  wieder  dieselben  Erscheinungen,  jedoch 
sind  von  den  Glimmern  noch  Erzschleier  übrig,  die  Durchbewegung 
war  hier  nicht  so  mächtig,  sonst  wären  die  Erzschleier  gänzlich  aus- 
einandergerissen worden.  Die  Metamorphose  ist  also  nicht  so  weit 
fortgeschritten.  Dieses  Beispiel  möchte  ich  jedoch  deshalb  anführen, 
weil  hier  weder  Chlorit  noch  Erz  in  besonderer,  über  das  für  einen 
Quarzporphyr  erwartete  Maß  hinausreichender  Menge  auftreten. 

Daß  die  Schieferung  mit  der  Vergrünung  und  Vererzung  nicht 
zusammenhängt,  wird  durch  diese  drei  Beispiele  erwiesen.  Wäre  der 
Chloritreichtum  eine  Folge  der  Dynamometamorphose,  dann  hätte  sich 
dies  im  Schliffbild  erweisen  lassen  müssen.  Anstatt  dessen  beobachtet 

Jahrbuch  cl.  k.  k.  geol.  Reichsanatalt,  1918.  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (Fr.  Angel.)  7 


50  Franz  Angel.  [22] 

man,  daß  die  Chlorite  sich  in  keiner  Weise  von  den  anderen  Gesteius- 
bildnern  unterscheiden,  was  ihr  Verhalten  den  metamorphosierenden 
Kräften  gegenüber  anbelangt.  Das  gleiche  gilt  von  der  Erzanreicherung. 

Die  Dynamometamorphose  hat  somit  nur  das  Gefüge  umgeprägt, 
sie  hat  im  kleinen  fein  fältelnd,  im  großen  schiefernd  gewirkt.  Mög- 
licherweise wurden  die  in  einzelnen  Gesteinen  deutlicher  vorhandenen 
Flußstrukturen  der  Grundmasse  eine  Unterlage  oder  die  Anlage  des  s. 

Die  Dynamometamorphose  hat  fernerhin  graduell  sehr  verschieden 
stark  gewirkt.  Auf  Zertrümmerung  folgt  bei  stärkerer  Wirkung  die 
Bildung  von  Augenstrukturen,  für  welche  wiederum  die  Einsprengunge 
durch  ihre  Größe  Anlaß  geben.  Bei  stärkster  Wirkung  entsteht  ein 
fein  gefältelter  Quarz  •  Serizitschiefer,  -  der  aus  Lagen  von  Quarz  und 
Feldspat,  genauer  ausgedrückt,  aus  Strängen  von  Quarz  und  Serizit 
aufgebaut  ist. 

Zu  diesem  Ergebnis  führt  die  optische  Betrachtuni^  allein  schon. 
Rosenbusch  (Lit.  9,  S.  847  if.)  macht  auf  diesen  Umstand  angesichts 
der  deutschen  metamorphosierten  Quarzporphyre  und  Verwandten 
aufmerksam  und  weist  darauf  hin,  daß  in  den  Grauwacken  usw.  noch 
manche  serizitische  Schiefer  enthalten  sind,  die  noch  als  metamor- 
phosierte  Quarzporphyre  erkannt  werden  müssen. 

3.  Die  Vei'grünuiig. 

Bei  Betrachtung  tiefgrüner  Vertreter  dieser  Gesteinsserie  sucht 
man  unwillkürlich  nach  Beziehungen  zu  chloritischen  Schiefern  anderer 
Natur  oder  zu  den  Propyliten. 

Chloritische  Schiefer  zeigen  oftmals,  daß  die  Chloritführung  auf 
Umwandlung  von  Hornblende  beruht.  Dies  kommt  demnach  für 
unseren  Fall  nicht  in  Betracht,  weil  Hornblende  in  keinem  Vertreter 
nachzuweisen  ist.  Versteht  man  unter  Chloritisierung  den  eben  ange- 
deuteten Prozeß,  so  ist  zu  sagen,  daß  die  metamorphen  Eruptiv- 
gesteine der  obersteirischen  Grauwacke  nicht  chloritisiert  worden  sind. 

Betrachten  wir  den  Prozeß  der  Propyli  tisier  un  g,  den  Dar- 
legungen Rosenbusch'  folgend  (Mikroskopische  Physiographie  n./2, 
S.  1104  ff.),  so  gälte  dafür  folgendes: 

Die  Propylitisierung  von  Daziten  und  Andesiten  führt  zur  Bil- 
dung von  grünen,  viel  femische  Gemengteile  (Hornblende,  Chlorit) 
besitzenden  Gesteinen.  P]s  fehlt  jedes  Anzeichen,  daß  dynamometa- 
morphe  Vorgänge  dabei  Bedeutung  haben,  vielmehr  dürften  solfatare 
und  thermale  Umwandlungsprozesse  die  Ursache  der  Umwandlung 
dieser  Gesteine  sein.  Größtes  Gewicht  fällt  auf  die  Erzführung,  Pyrit 
scheint  dabei  wesentlich  beteiligt.  Besonders  hervorgehoben  wird  die 
Nähe  von  Erzlagerstätten,  welche  mit  der  Propylitisierung  in  Zusam- 
menhang gebracht  werden.  Man  nimmt  entweder  an,  daß  die  Erzlager 
das  die  Propylitisierung  Bedingende  seien,  oder  daß  dieselben  durch 
die  propylitisierten  Gesteine  bedingt  werden :  Klarheit  darüber  scheint 
nicht  gewonnen  worden  zu  sein. 

Mit  der  Propylitisierung  in  eben  beschriebener  Art  gibt  es  in 
der  „Blasseneckserie"  mehrfache  Parallelen.  Vor  allem  sei  betont, 
daß  die  chloritführenden  Glieder  sich  von  den  übrigen  in  keiner  Weise 


["231  Die  Quavzkeratopliyre  der  Blasseneckserie.  51 

als  eben  im  Chloritgehalt  unterscheiden.  Ferner,  daß  die  Chlorit- 
führung  nicht  mit  dynamometamorphen  Vorgängen  verknüpft  ist.  Die 
Belege  dazu  sind  im  Abschnitt  Chlorit,  und  im  Abschnitt  Metamorphose, 
sowie  bei  der  Besprechung  besonders  metamorpher  Formen  zu  finden. 
Ferner  sind  die  in  Frage  kommenden  Gesteine  mit  Siderit  führenden 
Kalken  und  den  gewaltigen  Erzlagern  von  Eisenerz  verknüpft.  Nach 
mir  mündlich  gemachten  Angaben  He  ritsch'  findet  man  auch  Siderit- 
adern  in  den  von  mir  als  vergrünt  bezeichneten  Gesteinen.  Die  Rolle 
des  Pyrites  in  den  Propyliten  Rosenbusch'  fällt  hier  scheinbar  dem 
Eisenspat  zu.  Erzpartien,  welche  nicht  alle  dem  primären  Magnetit 
zuzuzählen  sind,  findet  man  in  größerer  Menge  als  sonst  stets  in  den 
grünen  Vertretern. 

Der  Unterschied  von  den  Propyliten  besteht  also  nur  darin,  daß 
die  Propylite  aus  Hornblende  und  plagioklashältigen  "Gesteinen,  Da- 
ziten  und  Andesiten  hervorgegangen  sind,  daß  also  der  Chlorit  im- 
merhin ein  Umwandlungsprodukt  der  Hornblenden  sein  kann  (wenn- 
gleich die  Menge  desselben  an  dieser  Ableitung  zu  zweifeln  berechtigt) 
und  daß  Pyrit  geradezu  als  Charakteristikum  erscheint,  während  in 
den  betreffenden  Gesteinen  der  Blasseneckserie  die  Hornblende  und 
der  Pyrit  nicht  enthalten  sind  und  der  Chlorit  ganz  als  Einwanderer 
erscheint. 

Rosenbusch  (1.  c.)  warnt  übrigens  davor,  den  Begriff  Propylit 
in  die  Familie  der  Quarzporphyre   und  Verwandten  zu  übertragen. 

Aus  diesen  Gründen  möchte  ich  für  den  Prozeß  der  Chlorit- 
aufnahme  mit  Beziehungen  zu  den  Erzlagern  bei  Quarzporphyren  und 
Verwandten,  zum  Beispiel  den  hier  beschriebenen  Quarzkeratophyren 
den  Namen  Vergrünuug  vorschlagen.  Es  zeigt  sich,  wie  schon  erwähnt, 
ein  weitgehender  Parallelismus  zur  Propylitisierung,  die  Unterschiede 
jedoch  scheinen  mir  bedeutend  genug,  um  die  Abtrennung  davon  zu 
rechtfertigen. 

Bei  gewissen  dichten  Vorkommnissen  (nach  H  e  r  i  t  s  c  h  Por- 
phyroiden),  die  felsitischen,  äußerlich  quarzitischen  Charakter  zeigen, 
zum  Beispiel  vom  Flitzengraben  (Nr.  82,  266)  durchsetzen  mit  Chlorit 
ausgefüllte  Klüfte  das  Gestein.  Es  ist  möglich,  daß  dies  der  Anfang 
der  Vergrünung  ist  und  daß  von  solchen  Klüften  aus  der  Chlorit  in 
die  feinsten  Risse  der  Gesteine  weiterdringt. 

Wie  bei  der  Propylitisierung,  so  mögen  auch  hier  thermale 
Lösungen  in  einem  Teile  der  Gesteine,  eben  in  den  vergrünten,  mit 
Hilfe  von  Eisen  (aus  dem  Siderit)  und  mit  Hilfe  metasomatischer 
Zersetzungsprodukte  des  Gesteins  (starker  Abbau  der  Alkalisilikate, 
in  den  Analysen  mehrfach  sichtbar)  den  Chlorit  gebildet  haben. 

Pneumatolytische  Vorgänge  erfaßten  eine  andere  Gruppe  von 
Vertretern  der  Serie  und  lieferten  auch  andere  Produkte. 

4.  Vererzung. 

Die  in  der  Tabelle  S.  61  [33]  unter  der  Kolonne  „vererzt"  geführten 
Vertreter  führen  im  Vergleich  zu  anderen  Typen  auffallend  mehr  Erz. 
Dieses  ist  jedoch  nur  zu  geringerem  Teil  Magnetit.  In  den  aphaniti- 
schen  Gliedern,    wo  die  Erzanreicherung  besonders  auffällig  ist,    tritt 

7* 


52  Franz  Angel.  [24] 

auch  der  Turmalin  auf,  als  Zeuge  pneumatolytischer  Einwirkung.  In 
den  massigen  Vorkommnissen  dieser  Art  ist  das  Erz  ziemlich  gleich- 
mäßig über  die  ganze  Schlifffläche  verteilt,  während  mit  dem  Eintritt 
der  Schieferung  eine  Orientierung  zu  gewundenen  Schnüren  sicht- 
bar wird. 

Die  Untersuchung  jener  Erzklümpchen,  welche  nicht  als  Magnetit 
angesehen  werden  können,  weist  auf  Umwandlungsprodukte  aus  Eisen- 
spat hin.  In  einzelnen  Schliffen  noch  sichtbare  Pseudomorphosen  von 
Limonit  nach  Siderit,  lebhaft  gelb  bis  gelbbraun  gefärbt,  gehen  in 
rundliche,  unregelmäßig  umrissene  Klümpchen  über,  die  schwärzliche 
Farbe  annehmen  und  undurchsichtig  sind.  Da  ich  nur  sehr  vereinzelt 
blutrote  Stellen  an  Klümpchengrenzen  sah,  welche  als  Hämatit  ge- 
deutet werden  dürfen,  getraue  ich  mich  nicht,  alle  Erzklümpchen 
zweifelhafter  Natur  als  Hämatit  anzusprechen.  Die  Bauschanalyse  der 
betreffenden  Gesteine  gibt  wegen  des  Serizitgehaltes,  der  wiederum 
den  hohen  Wassergehalt  bedingt,  über  diese  Frage  keinen  Aufschluß. 
Die  Tatsache  des  Mitwirkens  der  Pneumatolyse  macht  es  jedoch 
wahrscheinlich,  daß  die  fraglichen  Erzklümpchen  doch  Hämatit  als 
Schlußprodukt  der  Umwandlung  des  Siderites  liefern. 

Demnach  wären  in  eine  Gruppe  von  Gesteinen  Lösungen  einge- 
drungen, welche  dort  Siderit  absetzten  und  unter  dem  Einfluß  der 
Pneumatolyse  besonders  hätte  sich  die  Umbildung  in  Hämatit  voll- 
zogen, während  gleichzeitig  aus  demselben  Anlaß  in  diesen  Vor- 
kommnissen Turmalin  erzeugt  wurde. 


IV.  Optische  Analysen. 

(Siehe  dazu  die  nebenstehende  Tabelle  „Optische  Analysen".) 

Von  der  Ausmessung  der  Schliffe  erwartete  ich  vor  allem  Aus- 
kunft über  die  Verhältnisse  zwischen  Grundmasse  und  Einsprengungen, 
um  zu  ermitteln,  ob  zwischen  den  porphyrisch  entwickelten  und  den 
einsprenglingsfreien  Gliedern  Uebergänge  bestünden.  Ferner  sollte  sich 
der  wahre  Anteil  der  primären  dunklen  Gemengteile  ergeben.  Da 
bereits  im  Vorigen  dargetan  wurde,  daß  der  Chlorit  der  in  Frage 
kommenden  Gesteine  nicht  aus  dem  Glimmer  abzuleiten  ist,  so  hatte 
diese  Frage  besonders  für  die  stark  vergrünten  Gesteine  Bedeutung. 
Endlich  sollte  das  Verhältnis  der  bestimmenden  Gemengteile  Quarz — 
Feldspäte  festgelegt  werden,  um  aus  den  Werten,  besonders  aus  dem 
Verhältnis  der  Einsprengunge  zueinander,  die  Stellung  der  stärker 
metamorphen  Glieder  erkennen  zu  können. 

Die  Ausmessung  wurde  nach  Rosiw als  Vorschlägen,  unter  Be- 
achtung des  notwendigen  Verhältnisses  zwischen  Korngröße  und 
Maschengröße  der  Indikatrix,  durchgeführt.  Das  Verhältnis  der  Ein- 
sprengunge und  Grundmasse,  sowie  wegen  des  Vergleiches  mit  den 
ehem.  Analysen  auch  des  etwa  vorhandenen  Karbonates  und  der  Erze 
wurden  bei  allen  Analysen  in  Prozenten  dargestellt.  Chlorit  wurde 
nicht  mitgezählt,  er  ist  somit  unter  den  Zahlen  für  die  Grundmasse 
verborgen,   seinen  Anteil    habe  ich    in   besonderen   Fällen    eigens    er- 


[25] 


Die  Quarzkeratopbjve  der  Blasseneckseiie. 


53 


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54  Franz  Angel.  [26] 

mittelt,  für  den  Zweck  dieser  Untersuchung  ist  er  nicht  nötig.  Bei 
einer  größeren  Anzahl  von  Schliffen  wurde  dann  das  Verhältnis 
Quarz  :  Orthoklas  :  Perthit :  Plagioklas  in  Prozenten  ermittelt. 

Bei  den  weniger  metainorphen  Typen  ergeben  sich  hieraus  die 
Schwankungen  des  obigen  Verhältnisses.  Fällt  dieses  Verhältnis  bei 
den  metamorphen  Gliedern  so  aus,  daß  die  Wertschwankungen  inner- 
halb der  bei  dem  nicht  oder  nur  wenig  veränderten  Beispiele  ver- 
bleiben, so  ergibt  sich  daraus  mit  ziemlicher  Sicherheit  deren 
Stellung. 

Der  Anteil  der  Grundmasse  ergibt  sich  in  den  ungeschieferten, 
wenn  auch  stark  vergrünten  Vorkommen  mit  50— 707o.  (Optische 
Analysen  2,  3,  4,  5,  6,  7,  8,  9,  15.)  In  geschieferten  (1,  10,  11,  12,  14) 
hält  er  sich  zum  Teil  in  diesen  Grenzen,  oder  (13,  16,  17,  18)  er 
scheint  bedeutend  höher  zu  sein.  Die  Ursache  ist  darin  gelegen, 
daß  in  den  letztgenannten  Beispielen  infolge  der  rasch  zunehmenden 
Zermalmung  der  Feldspäte  und  der  Durchknetung  der  von  ihnen 
gelieferten  Massen  mit  Grundmasse  eine  richtige  Abschätzung  des 
Feldspats,  beziehungsweise  Grundmasseanteils  schließlich  nicht  mehr 
möglich  ist.  Da  ist  es  übrigens  auch  bezüglich  des  Quarzanteiles  aus 
analogen  Gründen  sehr  schwierig,  eine  genauer  entsprechende  Zahl 
zu  erhalten. 

Daraus  wäre  zu  folgern,  daß  zwischen  den  porphyrischen  und 
den  felsitischen  Formen  ein  bedeutender  Hiatus  besteht. 

Der  Glimmergehalt  bewegt  sich  bei  den  unvergrünten  nicht- 
geschieferten  Formen  und  geschieferten  Formen  in  ziemlich  nieder 
liegenden  Grenzen  von  4  —  7%.  Hier  muß  erwähnt  werden,  daß 
bei  den  geschieferteu  P'ormen  die  Werte  sicher  zu  nieder  sind,  weil 
in  den  stark  beanspruchten  F'ormen  derselben  der  nach  der  Baueriti- 
sierung  zurückbleibende  Erzschleier,  der  oft  allein  noch  Anhaltspunkte 
zur  Zählung  liefert,  iu  vielen  Fällen  so  stark  zerrissen  ist,  daß  die 
Schätzung,  welche  dann  Platz  greifen  muß,  sich  innerhalb  verhältnis- 
mäßig weit  gesteckter  P'ehlergrenzen  bewegt.  Ich  stelle  jedoch  fest, 
daß  die  Schieferung,  wie  aus  den  angezogenen  Beispielen  (16,  17,  18) 
erhellt,  nicht  mit  einem  Anwachsen  dunkler  Gemengteile  (etwa  eines 
auf  Kosten  reicheren  Glimmeranteils  entstandenen  Chlorites)  verbunden 
ist.  Der  tatsächliche  Glimmorgehalt  dürfte  sich  somit  zwischen  6  und 
7%  bewegen  oder  wenig  darüber.  Die  geschieferten  und  massigen 
vergrünten  Formen  (1,  2,  3,  7,  9,  12  usw.)  besitzen^4 — 9%  Glimmer. 
Da  bei  starker  Vergrünung  die  Trennung  des  Glimmeranteiles  vom 
Chlorit  schwierig  ist,  l^esonders  dann,  wenn  der  Glimmer  ebenfalls 
grün  ist  und  sich  in  den  Anfangsstadien  der  Baueritisierung  befindet, 
so  sind  die  auffallend  höheren  Werte  für  Glimmer  in  8,  9,  10,  11,  12 
sicher  als  zu  hoch  geschätzt  anzunehmen.  Es  handelt  sich  hier  um 
stark  vergrünte  Gesteine.  So  hätten  wir  auch  in  diesen  Gliedern 
einen  Glimmergehalt  von  5-7%  als  richtigen  Durchschnitt  anzu- 
nehmen. Wenige  Ausnahmen  zeigen  einen  niedrigeren.  Chlorit  zeigt 
sich  in  den  vergrünten  Vorkommnissen  in  Mengen  von  8—30%  neben 
dem  Glimmer  und  kann  also  aus  ihm  nicht  abgeleitet  werden.  Zu- 
mindest müssen  größere  Teile  der  zu  seinem  Aufbau  nötigen  Sub- 
stanzen von  außen   zugeführt  worden  sein. 


[271  Die  Quarzkeratophyie  der  Blasseneckserie.  '55 

Das  Verhältnis  der  Qüarzeinsprenglinge  zur  Gesamtmasse  des 
übrigen  Gesteins  schwankt  schon  bei  Funden  vom  gleichen  Vorkommen. 
So  zeigen  die  3  Schliffe  Nr.  56,  158,  159  vom  Vorkommen  Liegendes 
der  Erzlager  Eisenerz,  welche  von  verschiedenen  Brocken  stammen, 
einen  Quarzeinsprenglingsgehalt  von  rund  10 — H^/q!  Sehr  saure 
Typen,  welche  auch  chemisch  durch  hohen  ^VO^- Gehalt  ausgezeichnet 
sind,  besitzen  bis  rund  20°/o,  bei  niedrigerem  ö'iO,  -  Gehalt  wird 
auch  der  Quarzeinsprenglingsgehalt  niedriger,  zum  Beispiel  8 — 107o- 
Bei  einzelnen  vergrünten  Typen  ist  der  Quarzgehalt  recht  hoch, 
während  gleichzeitig  im  Schliffe  viel  dunkle  Gemengteile,  beson- 
ders Chlorit,  zu  sehen  sind.  In  der  Analyse  äußert  sich  dies  durch 
hohen  SiO.^-Ge\m\t  und  gleichzeitig  hohen  /^VoOg-Anteil.  (Siehe  auch 
chemischer  Teil.)  Gerade  infolge  der  Chloritanreicherung  und  auch 
einiger  anderer  Umstände,  welche  metasomatische  Prozesse  betreffen, 
läßt  sich  eine  Regel  in  bezug  auf  Quarzreichtura  und  SiO.^-Gehalt 
(aus  chemischen  Analysen)  nicht  leicht  ableiten.  In  Anbetracht  der 
Verhältnisse,  welche  bei  den  Beispielen  vom  Liegenden  der  Erzlager 
von  Eisenerz  herrschen,  muß  überdies  bedacht  werden,  daß  optische 
Analyse  und  chemische  Analyse,  falls  die  Materialien  zu  denselben 
nicht  von  einem  kleinen  Handstück  stammen,  nicht  jene  Ueberein- 
stimmung  zeigen  können,  welche  man  gern  sehen  möchte. 

Unter  den  Feldspäten  überwiegt  teils  der  Plagioklas,  teils  der 
Orthoklas.  In  einzelnen  Vorkommen  hat  der  Pertliit  einen  bedeutenden 
Anteil,  Zu  diesem  Punkte  siehe  die  Ausführungen  im  chemischen  Teil. 
Im  Verhältnis  zum  Quarz  sind  die  Feldspäte  zusammen  bald  mäch- 
tiger, bald  bleiben  sie  hinter  demselben  zurück.  Die  sauren  Glieder 
sind  jedoch  nicht  durchwegs  jene,  welche  übermächtigen  Quarz  be- 
sitzen. Doch  ist  letzterer  Schluß  nur  insofern  berechtigt,  als,  wie  es 
ja  meist  doch  der  Fall  ist,  die  chemische  und  optische  Analyse  das 
Material  aus  derselben  Partie  des  Handstückes  besitzen.  Das  Ver- 
hältnis Plagioklas-Quarz  muß  sich  im  allgemeinen  nach  zwei  ver- 
schiedenen Pachtungen  hin  verändern.  Findet  nämlich  eine  Entwick- 
lung nach  der  trachytischen  oder  porphyrischen  Seite  zu  statt,  so 
darf  man  erwarten,  daß  das  Verhältnis  Quarz-Plagioklas  zugunsten 
des  Plagioklases  steigt.  Führt  die  Entwicklung  zum  dazitischen  Typus, 
so  könnte  es  relativ  unverändert  bleiben,  nur  wäre  ein  Zurücktreten 
des  Orthoklases  zu  gewärtigen.  Tatsächlich  scheinen  beide  Entwick- 
lungen vertreten  zu  sein.  7  a  zum  Beispiel  weist  bei  hohem  Quarz- 
einsprenglingsgehalt viel  Plagioklas  auf,  während  Orthoklas  zurück- 
tritt. Das  läge  also  nach  der  dazitischen  Seite  hin.  Dagegen  ist  bei 
4  und  8  der  Prozentsatz  der  Quarze  nieder,  jener  der  Plagioklase 
ebenfalls,  während  Orthoklas,  beziehungsweise  die  Summe  von  Ortho- 
klas und  Perthit  vorwiegen,  womit  die  Entwicklung  nach  der  trachy- 
tischen Seite  zu  belegt  wäre. 

Soweit  die  Beurteilung  bei  den  stark  metamorphen ,  geschie- 
ferten Vorkommnissen  möglich  ist,  sind  auch  dort  analoge  Verhält- 
nisse anzutreffen  (Nr.  10 — 15  der  optischen  Analyse).  Damit  ist  deren 
Zugehörigkeit  zu  den  normal  entwickelten  Gliedern  festgelegt. 

Die  Anteile  an  Erz  und  Karbonat  sind  meist  gering.  Wo  sich 
in   den   auch   in    der   Tabelle    enthaltenden    Gliedern    der    Erzgehalt 


56  Franz  Angel.  [28] 

stärker  geltend  macht,   handelt   es   sich   um   opake  Anhäufungen  von 
Umwandlungsprodukten  des  Siderits. 

Der  Aufbau  der  Grundmasse  erfolgt  aus  Feldspat  und  Quarz. 
Der  Feldspat  ist  jedoch  stark  umgewandelt,  und  zwar  sowohl  in 
Kaolin  als  auch  in  Serizit,  meist  sind  diese  beiden  Körper  vergesell- 
schaftet. Der  Quarzgehalt  der  Grundmasse  ist  ziemlich  hoch.  Häufig 
30—50%.  Doch  sind  schon  im  einzelnen  Schliff  die  Schwankungen 
bedeutend. 


V.  Chemischer  Teil. 

(Hierzu  die  Tabelle  Tafel  Nr.  II.) 

Die  Analysen  1 — 11  wurden  von  mir  nach  den  üblichen  Methoden 
ausgeführt.  Die  Oxydationsstufen  des  Eisens  wurden  nicht  getrennt, 
weil  mir  eine  Diskussion  der  Ergebnisse  und  die  Projektion  nach 
Beck  es  Vorschlag  auch  ohne  die  Trennung  möglich  war,  und  weil 
mir  eine  chemische  Untersuchung  des  Chlorits  und  des  Glimmers 
zum  jetzigen  Zeitpunkte  nicht  im  Sinne  lag.  Eine  Trennung  des 
Wassers  habe  ich  aus  gleichen  Gründen  unterlassen,  möchte  jedoch 
bemerken,  daß  die  Hauptmengen  desselben  erst  bei  hohen  Tempe- 
raturen abgegeben  wurden.  Die  Analysen  I  bis  VII  sind  Vergleichs- 
analysen, deren  nähere  Bedeutung  aus  der  Tabelle  (Tafel  II)  „Ana- 
lysenergebuisse"  entnommen  werden  können.  Der  hohe  Wassergehalt 
weist  einerseits  auf  starke  Zersetzung  hin  —  Kaolinisierung  — 
anderseits  findet  er  seine  Erklärung  aus  der  Gegenwart  des  Seri- 
zites  und  des  Chlorites,  bei  1,  10,  11  wohl  aus  dem  Serizitgehalt 
allein  und  aus  Kaolin,  da  diese  Vorkommnisse  keinen  Chlorit  ent- 
halten. 

Die  Projektionen  wurden  nach  der  Art  Beck  es  ausgeführt. 

1.  si-U—L. 

Aus  dem  beigegebenen  Diagramm  (Fig.  21)  ersieht  man,  daß 
ein  Teil  der  Gesteine  bei  hohem  SiO^-Gehsdt  stark  kaolinisiert  sein 
müsse  (3,  10,  8).  Bei  Kaolinisierung  wird  l  kleiner.  Da  bei  Seriziti- 
sierung  ebenfalls  ein  Abnehmen  von  /,  gleichzeitig  jedoch  ein  Vor- 
rücken in  der  Richtung  nach  dem  Muskowitpunkte  stattfindet,  muß 
man  bei  10  gleichzeitige  Kaolinisierung  und  Serizitisierung,  bei  8  über- 
ragende Serizitisierung  erwarten.  Alles  dies  ist  wirklich  der  Fall,  doch 
verursacht  bei  10  zu  beträchtlichem  Teile  die  Anhäufung  von  Erz  und 
der  damit  zu  begründende  hohe  BY^O^-GehaM  das  Abrücken  nach  rechts. 

Im  übrigen  gewahrt  man,  daß  die  Projektionspunkte  der  darge- 
stellten Gesteine  ein  ziemlich  geschlossenes  Feld  bedecken.  11  macht 
insofern  eine  Ausnahme,  als  es  bei  ausgesprochen  trachytischer  Ent- 
wicklung (in  dem  chemisch-mineralogischen  Sinn,  wie  dies  früher  von 
mir  bei  Abhandlung  der  optischen  Analysen  gebraucht  wurde)  stark 
serizitisiert  ist.  Damit  stimmt  das  äußere  Aussehen  und  das  mikro- 
skopische Bild  überein. 


[29] 


Die   Qunrzkeratophyre  der  Blasseneckseri». 


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Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Re'icheanstalt,  1918.  68  B.l.    1.  u.  2.  Hft.   (Fr.  Angel.)  8 


5§  Franz  Angel.  [30] 

Als  mittlere,  den  Kern  der  Serie  bildende  Typen  müßten  4  und 
7  betrachtet  werden.  Mit  den  von  der  Windgälle  bekannten  Formen 
verwandt  wäre  9,  welcher  Punkt  mit  V  und  VI  benaciibart  ist.  1  und  2 
zeigen  Beziehungen  zu  gewissen  sächsischen  Qiiarzkeratophyren  II. 
Durch  Kaolinisierung  sind  die  Projektionspuukte  etwas  herabgedrückt. 
Die  bis  jetzt  erwähnten  Gruppen  zeigen  wegen  ihrer  Lage  zum  Alkali- 
feldspatpunkt rein  quarzporphyrische  bis  trachytische  Entwicklung. 
Während  6  und  VI  sowie  auch  7  mehr  dazitische  Entwicklung  nehmen. 
Dies  stimmt  ziemlich  mit  den  optischen  Befunden  überein.  Doch  macht 
sich  Zersetzung  und  VergrünuDg  sowie  Vererzung  sehr  störend  be- 
merkbar, wenn  man  aus  der  Projektion  die  Verwandtschaftsbeziehungeu 
erschließen  will. 

2.  a,  c,  f  und  .<?. 

In  dieser  Projektion  treten  die  Formengruppen  ebenfalls  schön 
hervor. 

■  Zunächst  fällt  uns  die  Reihe"  II,  1,  VII,  11,  10  auf.  Die  Typen 
sind  mit  SiO^  noch  beträchtlich  übersättigt.  Das  Vorrücken  der  Punkte 
11,  10  gegen  /  beruht  auf  Erzaufnahme,  wie  aus  der  Durchsicht  der 
Schliffe  sich  sogleich  feststellen  liißt.  Ansonst  sind  diese  Glieder 
außerordentlich  nahe  verwandt.  1  ist  der  mehrfach  ervi'ähnte  weiße, 
seidige  Serizitporphyroid,  eigentlich  Metafelsitfels  zu  nennen,  welcher 
seinem  Chemismus  nach  ganz  sicher  als  Quarzkeratophyr  betrachtet 
werden  muß;  10,  11  sind  die  dunkelblauen  Vorkommen  von  der 
Kaiserau,  welche  ebenfalls  einsprenglingsfreie  Felsitfelse  vorstellen, 
aber   durch    die   reiche  Erzimprägnation    unkenntlich    geworden   sind, 

2,  4,  7,  6,  9  stellen  wieder  mehr  oder  minder  vergrünte  Mittel- 
typen dar,  als  welche  sie  ja  auch  im  Verhältnis  Si-  U—L  sich  ausweisen. 
Im  Verhältnis  zu  dem  nicht  vergrünten  Vergleichsgesteine  III,  IV,  V 
erscheinen  sie  nach  rechts  verschoben,  die  Ursache  muß  in  der  Ver- 
grünung  gesucht  werden.  Im  Vereine  mit  der  Vergrünung  schreitende 
Kaolinisierung  und  Serizitisierung  bewirkt  ein  weiteres  Vorrücken 
nach  rechts.  Deshalb  sehen  wir  dort  die  Gruppe  3,  VI,  5.  H^  wovon 
einzelne  Glieder  bereits  bei  der  Besprechung  des  Si — U — L -Verhält- 
nisses aufgefallen  sind.  Die  Werte  s  sind  für  diese  Gruppe  auf- 
fallend hoch.  Man  darf  sagen,  daß  die  Projektionszahlen  von  6'  sich 
bei  den  angedeuteten  Umwandlungsprozessen  in  bezug  auf  die  Sätti- 
gungslinie nicht  parallel  zu  ihr,  sondern  unter  spitzem  Winkel  zu  ihr 
geneigt,  nach  rechts  bewegen. 

Verbinden  wir  die  Punkte  2  und  3  im  Projektionsdreieck,  so  er- 
halten wir  ungefähr  die  Verschiebungsrichtung  bei  den  Umwandlungen. 

In  bezug  auf  s  kann  auch  hier  eine  trachytische  und  dazitische 
Entwicklung  der  Glieder  beobachtet  werden.  3  und  2  nehmen  mehr 
dazitische  Entwicklung,  4,  11,  9  mehr  trachytische  ein. 

Dem  Verhältnis  der  Alkalien  nach  sind  alle  Glieder  der  Serie 
als  Quarzkeratophyre  zu  bezeichnen.  Bei  den  Molekularquotienten  ist 
dies  ohne  weiteres  zu  ersehen.  Wenn  nun  die  optischen  Analysen  mehr- 
fach höhere  Orthoklas-    als  Plagioklasanteile   ausweisen,    so  kann  die 


[31] 


Die  Quarzkeratophyre  der  Blassenecksevie 


Fiff.  .J2. 


59 


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Pvojektionsdreieck:. 
(Zum  Abschnitt  a~c  — /.) 

Erklärung  darin  zu  sehen  sein,  daß  diese  Orthoklase  zum  Teil  Na^O 
enthalten.  Das  Auftreten  des  Perthites  würde  diese  Erklärung  ja  auch 
unterstützen. 

Zusammenfassend  darf  ausgesprochen  werden,  daß  die  analysierten 
Glieder  chemisch  jene  Beziehungen  zueinander  und  zu  Vergleichs- 
gesteinen, welche  als  metaniorphe  Quarzporphyre  etc.  anerkannt  werden, 
aufweisen,  welche  eine  Zusammenfassung  unter  den  Namen  Quarz- 
keratophyre  und  Felsitfelse  rechtfertigen. 


8* 


60  Franz  Angel.  [32] 

VI.  Zusammenfassung  und  Schluß. 

(Dazu  Uebersichtstabelle  der  in  dieser  Arbeit  verwendeten  Vorkommen.) 

Wie  schon  in  der  Einleitung  erwähnt,  hat  Heritsch  (1.  c.) 
schon  1912  einen  Teil  der  Blasseiieckserie  als  wahrscheinlich  zu  den 
Quarzkeratophyren  gehörig  betrachtet.  Er  hat  auch  darauf  hingewiesen, 
daß  bei  bestimmten  dichten  Formen  Beziehungen  zu  Ohnesorges 
Metafelsitfelsen  (1.  c.)  bestehen.  Die  Namen  Porphyroid,  Klastopor- 
phyroid,  sollten  die  metamorphen  Glieder  von  den  ohne  weiteres 
als  Quarzkeratophyren  oder  -Porphyren  erkennbaren  Glieder  unter- 
scheiden, es  erschien  dem  genannten  Autor  auch  möglich,  daß  um- 
gewandelte Tuffe  sich  beteiligten. 

Auf  Grund  der  chemischen  Untersuchung  darf  man  tatsächlich 
die  hier  bearbeiteten  Glieder  als  Quarzkeratophyre,  deren  Begleit- 
formen und  metamorphe  Abkömmlinge  betrachten.  Dij.s  in  dieser 
Richtung  von  Heritsch  erwartete  Ergebnis  ist  also  gefunden  worden. 

Die  sonst  noch  aufgezeigten  Tatsachen  ermöglichen  eine  Scheidung 
in  zwei  Gruppen.  (Siehe  Uebersichtstabelle.) 

I.PorphyrischeGruppe. 

Die  Glieder  derselben  zeigen  makroskopisch  bei  weißer,  grauer, 
hell  oder  dunkelgrüner  Farbe  Einsprengunge  von  Quarz  von  3  bis 
8  mm  Größe,  Feldspate  von  3  bis  10  mm  Längenausdehnuug'  und 
porzellanartigem  Aussehen  bei  weißer  bis  grauer  Farbe,  oder  auch 
äugen-  bis  linsenförmige  Deformationsprodukte  dieser  Einsprengunge. 
Der  Glimmer  tritt  als  Einsprengung  weniger  hervor,  da  seine  Indivi- 
duen kleiner  sind  und  überdies  sehr  häufig  eine  dunkelgrüne  Färbung 
besitzen,  wodurch  sie  in  den  vergrünten  Gesteinen  untertauchen.  Die 
Struktur  ist  entweder  massig  oder  schiefrig.  Einige  wenige  Glieder 
sind  dunkelgraublau  gefärbt  und  besitzen  kleine  Limonitnester,  welche 
spärliche  braune  Fleckchen  verursachen. 

Diese  Typen  sind  in  zwei  Reihen  zu  scheiden. 

1.  Reihe:  Quarzkeratoj)  iiyre,  massig,  unverwischte  Por-r 
phyrstruktur. 

2.  Reihe:  Metaquarzkeratophyre,  geschiefert,  zum  Teil 
augengneisähnlich,  die  Porphyrstruktur  demnach  verwischt. 

II.  Dichte  (aph  an  i  tis  ch  e)  Gruppe. 
Diese  zeigen  keine  oder  sehr  kleine  unauffällige  Quarzeinspreng- 
linge  in  sehr  geringerZahl.  Die  Gesteinsmasse  ist  weiß,  grau,  hell 
bis  dunkelgrün  oder  grau,  blau  gefärbt.  Auch  sie  zerfallen  in  zwei  Reihen. 

1.  Reihe :  Keratofelsitfelse,  massig,  mit  polyedrischer 
Klüftung,  auf  den  Klüften  Chlorit. 

2.  Reihe :  M  e  t  a  k  e  r  a  t  o  f  e  1  s  i  t  f  e  1  s  e,  geschiefert,  nicht  geklüftet. 
In  bezug  auf  die  Metamorphosierung  im  Mineralbestand  sind  (siehe 

Uebersichtstabelle)  vier  Reihen  zu  bemerken. 

1.  Reihe:    Unvergrünte  Gesteine    von  weißer  bis   grauer  Farbe. 

2.  und  3.  Reihe :  Vergrünte  Gesteine.  Ursache  der  Vergrünung 
ist  der  eingewanderte  Chlorit. 

4.  Reihe  :  Vererzte  Gesteine  mit  eingewandertem  Erz,  welches 
die  graue  bis  blaue  Farbe  bedingt. 


[33] 


Die  Quarzkeratophyre  der  ISlasseneckserie. 


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62  i^'ianz  Angel.  [34] 

Wie  ersichtlich,  sind  Glieder  aller  Horizontalreihen  von  Ver- 
grünung  und  Vererzung  erfaßt  worden. 

Der  Zusammenhang  der  Phasen  des  Metamorphismus. 

Aus   dem    mitgeteilten  Tatsachenmaterial  ergibt  sich  folgendes: 

Die  ganze  Serie  wurde  von  metasomatischen  Prozessen  erfaßt, 
welche  beträchtliche  Teile  von  Grundmasse  und  Feldspateinspreng- 
lingen  in  Kaolin,  den  Glimmer  in  Bauerit  umwandelten. 

Hierauf  erfolgte  eine  die  Glieder  ungleich  erfassende  Zer- 
trümmerung, ferner  die  Einwanderung  von  Chlorit,  und  darauf  die 
Schieferung  und  Feinfilltelung,  welche  wieder  nur  einen  Teil  der 
Serie  erfaßte. 

Diese  Schlüsse  möchten  noch  einmal  kurz  begründet  und  ihre 
Beziehungen  zu  geologischen  Vorgängen  erörtert  sein. 

Es  ist  auffallend,  daß  die  als  unvergrünt  bezeichneten  Gesteine 
über  der  Decke  der  erzführenden  Kalke  liegen,  oder  von  ihnen  durcli 
andere  Gesteine  getrennt,  oder  in  Löcher  der  Kalkdecke,  also  von 
ihr  örtlich  freigelassen.  Bei  den  Kaiserauern  der  Rubrik  unvergrünt 
ist  die  Stellung  unsicher,  die  Daten  über  die  Lagerung  sind  Heritsch' 
Beobachtungen.  (Lit.  1.)  Währenddem  liegen  die  vergrünten  Gesteine 
unter  den  erzführenden  Kalken,  Vergleichen  wir  nun  dazu  das  über 
Chlorit  und  Vergrünung  früher  Gesagte,  so  scheint  ein  Zusammenhang 
zwischen  Zernuilmuiig  und  Ueberschiebung  durch  den  Kalk  einerseits, 
zwischen  Vergrünung  und  Erzführung  des  Kalkes  anderseits  gegeben. 
Tiiermale  Lösungen  mögen  mit  Hilfe  von  Zersetzungsprodukten  in  den 
Porphyren  nach  der  Ueberschiebung  den  Chlorit  gebildet  haben.  Um 
dieselbe  Zeit  dürfte  eine  örtlich  einsetzende  Pneumatolyse  in  den  als 
vereizt  bezeichneten  Vorkommen  die  im  Absclinitt  Vererzung  ver- 
zeichneten Veränderungen  bewirkt  haben. 

Daß  die  Feinfältelung  erst  nach  der  Vergrünung  und  Vererzung 
stattfand,  geht  aus  dem  Abschnitt  Metamorphose  hervor. 

Der  Umstand,  daß  Chlorit  und  p]rze  zum  Teil  ebenfalls  mechanisch 
beansprucht  und  in  s  eingestellt  worden  sind,  bietet  einen  wichtigen 
Grund  dafür.  Und  von  geologischer  Seite  betrachtet,  ist  gegen  eine  zwei- 
malige mechanische  Beanspruchung  der  Gesteine  nichts  einzuwenden. 

Damit  wäre  auch  folgendes  übereinstimmend.  Die  erste  mecha- 
nische Beanspruchung,  anscheinend  infolge  der  Ueberschiebung,  be- 
schränkte sich  auf  eine  Zermalmung  der  Porphyrgesteine.  Eine  Faltung 
blieb  vielleicht  auch  aus  dem  Grunde  aus,  weil  durch  die  Seriziti- 
sieruii^  ohnedies  eine  bedeutende  Raumersparnis  erzielt  wurde,  ein 
Ausweichen  also  nicht  nötig  war.  Sobald  jedoch  durch  die  Seriziti- 
sierung  eine  weitere  Raumverminderung  durch  Umwandlungen  nur 
mehr  in  unbedeutendem  Maße  möglich  war,  mußte  eine  neuerliche 
mechanische  Beanspruchung  zur  Fältelung  führen. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich  noch  darauf  iiinweisen  daß  nach 
Gümbel  (Rosenbusch,  Lit.  9,  S.  844)  im  Verbände  der  Quarz- 
keratophyre  des  Fichtelgebirges  ebenfalls  aphanitische  Formen  der- 
selben auftreten,  welche  quarzitisches  oder  hornfelsähnliches  Aus- 
sehen zeigen. 


Das  Prokopital  südlich  von  Prag. 

Von  Dl'.  Josef  Woldiich. 

Mit  4  Tafeln  (Nr.  lll  [IJ-VI  [IV|)  und  einer  Textabbildung 


I.  Einleitung. 

Das  von  uns  kartierte  Gebiet  umfaßt  die  weitere  Unigebuii};"  des 
Prokopitales  südlich  von  Prag  zwischen  Repora  und  der  Bach- 
mündung bei  Zlichov.  Nebst  den  jungen  Decksedimenten  treten  Sihir- 
uud  Devonschichten  auf.  Dem  Untersihir  gehört  die  Stufe  der  Königs- 
hofer  Schiefer  und  Kosovo r  quarzitischen  Sandsteine 
d^  an;  vielleicht  sind  auch  die  oberen  Schichten  der  Zahofaner 
Stufe  d^  vertreten.  Zum  Obersilur  gehören  die  Stufe  der  Grapto- 
1  i  t  h  e  n  s  c  h  i  e  f  e  r  ^^1,  die  B  u  d  n  a  n  e  r  K  a  1  k  e  ('2  und  die  L  0  c  ii  k  0  v  e  r 
Kalke  y'i;  zum  Unter-  und  Mitteldevon  die  Kalke  der  Stufe  y2,  die 
B  r  a  n  i  k  e  r  Kalke  r/j,  die  T  e  n  t  a  c u  1  i  t  e  n  s  c  h  i  e  f  e  r  (  =  I)  a  1  e  j  e  r 
Schiefer)  (J2,  die  Hluboßei)er  Kalke  «/g,  die  Schiefer  und  Sandsteine 
der  Hostimer  Stufe  if.  Hierzutreten  Diabaslagergänge,  Diabastuffe, 
-decken  und  -ströme. 

Unser  Gebiet  wird  von  VV  nach  0  vom  Prokopibacli  e  durch- 
flössen, welcher  auch  unter  dem  Namen  Hluboöeper  oder  Dalejer 
Bach  bekannt  ist.  Der  mittere  Teil  des  Tales  pflegt  auch  „V  Dalejich" 
genannt  zu  werden.  In  der  vorliegenden  Arbeit  wollen  wir  einheitlich 
vom  Prokopibache  und  Prokopitale  sprechen . 

Das  Pro  kopi  t  al  gehört  zu  den  schönsten  Tälern  der  nächsten 
Umgebung  Prags;  seine  steilen,  felsigen  Abhänge  sind  von  Hlubocep 
bis  etwa  zur  Neuen  Mühle  von  Nadel-  und  Laubwäldern  bedeckt. 
Die  hohen  Felsenwände  und  zahlreiche  Steinbrüche  tragen  wesentlich 
zur  Erhöhung  der  Romantik  bei.  Der  Prokopibach  reiht  sich  als  Zu- 
fluß der  Moldau  an  den  im  ganzen  parallel  abfließenden,  nördlich 
von  ihm  gelegenen  Motol-  und  Scharkabach  an,  deren  Täler  auf 
der  mit  einer  zusammenhängenden  Kreidedecke  bedeckten  oligocänen, 
mittelböhmiscben  Fastebene  angelegt  wurden,  während  sie  heute  in 
Silur-,  bzw.  algonkischen  Schichten  vertieft  erscheinen.  Der  epigenetische 
Ursprung  der  genannten  Täler  wurde  für  das  erstere  von  Cermäk 
(1)1)  und  Kettner  (2),  für  das  letztere  vom  Autor  dieser  Arbeit 
(Ü)  näher  erörtert.  Es  unterliegt  wohl  keinem  Zweifel,  daß  i.uch  das 


')  Die   in  Klammern  befindlichen   fetten  Zahlen  weisen    auf  das  Literatur- 
verzeichnis am  Ende  der  Arbeit  hin. 

Jahrbuch  d.  k   k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  i.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.) 


64  r^i-  J*^sef'  Woldfich.  [2] 

Prokopital  epigenetischen  Ursprungs  ist,  obwohl  in  seinem 
engeren  Talgebiete  die  Kreidesedimente  fast  völlig  der  Denudation 
und  Erosion  unterlegen  sind.  Der  letzte  größere  Denudationsrest 
der  ehemaligen  zusammenhängenden,  weit  nach  S  reichenden  Kreide- 
decke liegt  südlich  von  Prag  und  nördlich  von  Butowitz  und  ist 
unter  dem  Namen   „Na  Vidovli"  bek.innt. 

Der  Verlauf  der  weichen  Schiefer,  welche  die  Stufe  g^  bilden 
und  das  Prokopital  der  Länge  nach  begleiten,  ist  überall  morpho- 
logisdi  durch  eine  deutliche  Depression  zwischen  den  in  ihrem  Liegen- 
den und  Hangenden  befindlichen  härteren  B  r  a  n  i  k  e  r  (g^),  bzw. 
lilubüceper  Kalken  (g^)  erkennbar.  Der  Prokopibach  vertieft 
jedoch  sein  Flußbett  größtenteils  in  harten  Kalken,  um  bloß  in  einem 
kurzen  Abschnitte  westlich  der  Neuen  Mühle  und  im  untersten 
Teile  nahe  seiner  Mündung  sich  an  den  Verlauf  der  weichen  Stufe 
g^  zu  binden.  Dies  hängt  wohl  mit  dem  epigenetischen  Ursprünge 
des  Prokopitales  auf  der  ehemaligen,  heute  großenteils  deiiudierten 
Kreidedecke  zusammen,  auf  Grund  dessen  sich  der  Bach  ungeachtet 
der  Gesteinsbeschaffenheit  in  den  silurisch-devonischen  Kreideunter- 
grund einschneiden  mußte. 

Der  Prokopibach  entspringt  unweit  Tfebonic  etwa  noch 
1  km  gegen  NW  außerhalb  unserer  Karte.  Das  oberste  Talgebiet  ist 
allerdings  heute  trocken,  erst  bei  Kote  3^6  beginnt  der  eigentliche 
Wasserlauf.  Der  Bach  durchfließt  zunächst  lößartige  Lehme  in  fast 
östlicher  Richtung,  biegt  dann  gegen  S  um,  wobei  am  westlichen  Ufer 
Lehme,  am  östlichen  Ufer  Schichten  der  Stufe  r/g  und  Diabase  ange- 
schnitten werden.  Hierauf  durchfließt  er  in  SO-Richtung  die  Ortschaft 
fiepora,  wobei  hauptsächlich  am  linken  Ufer  Silurgesteine  entblößt 
sind;  und  zwar  zunächst  die  obersilurische  Stufe  f^,  dann  die  unter- 
silurischen  Schichten  der  Stufe  d^.  Südlich  von  Repora  wendet  sich 
der  Prokopibach  gegen  0,  um  von  da  an  bis  H  1  u  b o c e p  in  dieser 
oder  ONO -Richtung  abzufließen.  Zuerst  durchquert  er  die  Stufen  r/g 
und  e^  sowie  die  diesen  Stufen  eingelagerten  Diabase  bis  zur  Kote 
280;  von  hier  an  durchbricht  er  die  Kalksteine  der  Stufe  e^,  /j,  fließt 
dann  selbst  über  den /^  -  Kalken,  durchquert  weiter  die  Braniker 
Kalke  (g^)  und  die  Schiefer  der  Stufe  g2,  um  dann  etwa  bis  zur 
Neuen  Mühle  die  weicheren  «/a- Schiefer  zur  Talbildung *zu  benützen. 
Oestlich  der  Neuen  Mühle  bis  gegen  Klukowi.tz  durchbricht  er 
abermals  die  ^^-Kalke  und  die  ^^  Schiefer.  Sein  Tal  erweitert  sich 
hier  auffallend,  was  einerseits  dem  Umstände  zuzuschreiben  ist,  daß 
die  weichen  Tentaculitenschiefer  (f/2)  quer  über  das  Tal  streichen, 
anderseits  aber  mit  der  Verruschelung  der  Schichten  längs  der  das 
Tal  durchsetzenden  K  luko  witz  er  Verwerfung  zusammenhängt.  Von 
Klukowitz  an  durchfließt  der  Bach  abermals  die  B  ranik  er  Kalke 
(g-i),  durchbricht  dann  beim  Seh warzenb  erg'schen  Kalkofen 
östlich  von  den  Prokopisteinbrüchen  die  Tentaculitenschiefer  (^2)  und 
Hluboöeper  Kalke  (g^).  Von  hier  an  erweitert  sich  das  Tal  abermals 
und  der  Bach  fließt  längs  der  Grenze  der  steil  sich  erhebenden,  harten 
Kalke  der  Stufe  g^  und  der  weicheren  Schichten  der  Stufe  H  bis 
zum  östlichen  Ende  von  Hluboßep,  um  von  hier  an  parallel  zum 
hiesigen  Muldenschlusse    der  Kalke  g^  gegen  SW  umzubiegen.    Nach 


[31  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  (]5 

kurzer  Erstreckiing  durcliquert  er  die  Stufe  g^  und  erscheint  plötzlich 
gegen  SO  umgelenkt,  was  wohl  mit  einer  in  dieser  Richtung  ver- 
laufenden Querdislükation  zusammenhängt.  Sobald  der  Bach  die 
weichen  Tentaculitenschiefer  im  Liegenden  der  Hluboöeper  Kalke 
erreicht  hat,  benützt  er  dieselben  bis  zu  seiner  Mündung  für  sein 
oberstes    Talgebiet  (^Ilergettal). 

Der  heutige  P  r  o  k  o  p  i  b  a  c  h  hat  mit  Ausnahme  des  ßutowitzer 
Baches  keine  bedeutenderen  Zuflüsse.  Die  seitlich  in  das  Prokopital 
einmündenden  Schluchten  sind  meist  trocken  oder  wasserarm.  Im 
obersten  Laufe  des  Pr  okopi  baches  sowie  im  Verlaufe  des  Buto- 
w  i  t  z  e  r  Baches  sind  deutliche  Anzeichen  ehemaliger  F  1  u  ß  a  n- 
zapfungen  bemerkbar.  Ursprünglich  mag  der  Prokopibach 
südlich  von  Repora^)  iu  dem  bis  heute  deutlichen  Tale  bei  Kote 
313  entsprungen  nnd  von  hier  direkt  gegen  0  abgeflossen  zu  sein. 
Parallel  zum  Prokopibache  floß  ein  Bach  vonJinocan  (westlich 
außerhalb  unserer  Karte)  her  durch  das  Tal  bei  Kote  3l6  westlich  von 
fiepora  über  das  Gebiet  dieser  Ortschaft  nach  ONO,  wo  die  Tal- 
bildung heute  noch  deutlich  bemerkbar  ist,  gegen  das  heutige  Buto- 
witzer  Tal  nördlich  von  Nova  Ves;  von  hier  bei  Kote  309  vorbei 
weiter  gegen  NO.  Zweimal  wurde  dieser  Bach  von  Zuflüssen  des 
Prokopibaches  angezapft.  Zunächst  mag  dies  von  selten  eines 
kleinen  Zuflusses  des  Pr  okopi  baches,  der  vom  heutigen  ^feepora 
gegen  S  abfloß,  geschehen  sein.  Hierdurch  wurde  der  obenerwähnte 
Bach  um  seinen  Oberlauf  samt  seinem  Zuflüsse  des  linken  Ufers 
(=  der  heutige"  oberste  Lauf  des  Pr  okopi  b  ach  es  vonTfebonic 
nach  ßepora)  beraubt,  wodurch  das  dreifache  Talsystem  im  Ursprungs- 
gebiete des  heutigen  Prokopibaclies  entstand.  Eine  weitere,  wahr- 
scheinlich noch  kompliziertere  Anzapfung  fand  durch  den  B  u  t  o  w  i  t  z  e  r 
Bach  statt,  der  ursprünglich  einen  kleinen  Zufluß  des  Prokopi- 
baches am  linken  Ufer  bildete.  Durch  Rückerosion  bemächtigte  er 
sich  des  weiteren  Laufes  eines  obengenannten,  parallel  mit  dem 
Pi'okopibache  gegen  0  abfließenden  Baches.  Hiermit  hängt  der  heutige, 
sonderbare  Verlauf  des  Butowitzer  Tales  zusammen. 

Von  älteren  geologischen  Karten  umfassen  unser  Gebiet  ins- 
besondere Krejci  -  n  e!  mhackers  Geologische  Karte  der  Um- 
gebungen von  Prag  (1:86.400)  und  Poßtas  Geologische  Karte  der 
weiteren  Umgebung  von  Prag  (1:200.000).  Was  den  topographischen 
Untergrund  unserer  geologischen  Karte  anbelangt,  so  ist  sie  dem 
Meßtischblatte  1:25.000  entnommen.  Der  Verlauf  der  Höhenlinien, 
der  sich  an  manchen  Stellen  auf  dem  Meßtischblatte  schwer  oder 
nicht  verfolgen  ließ,  wurde  in  solchen  Fällen  schematisch  ergänzt. 
Eine  populär  gehaltene  geologische  Beschreibung  insbesondere  des 
unteren  Prokopitales  stammt  von  Poöta  (4)  und  von  Liebus 
(5);  der  westlichste  Teil  unseres  Gebietes  mit  den  Schichtenstufen 
f/g  und  e^  wurde  von  Barrande  (6)  eingehend  behandelt. 


^)  Vergleiche   hierzu   die   topographische   Grundlage   unserer  geologischen 
Karte,  insbesondere  die  Talbildung  und  den  Verlauf  der  Höhenlinien ! 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.)  9 


66  Dr.  Josef  Woldfich.  [4'] 


II.  Verbreitung  und  petrographische  Beschaffenheit  der 
silurischen  und  devooischen  Schichten  sowie  der  Diabase 

unseres  Gebietes. 

1.  Schicbtstufe  dr,.  —  Königshofer  Schiditen. 

Bei  ßepora  und  östlich  davon  tritt  im  Qiierprofile  diese  Stufe 
in  zwei.  bzw.  drei  durch  Graptolithenschiefer  der  Stufe  c^  getrennten 
Streifen  zutage.  (Vgl.  die  Profile  I  und  II  auf  Tafel  V  [IIIj.)  Weiter 
gegen  NO  ist  sie  von  der  jüngeren  Sedimentdecke  verhüllt  und  kommt 
abermals  im  Butowitzer  Tale  zum  Vorschein,  um  von  hier  gegen 
Radlitz  bei  Prag  zu  streichen. 

Nördlicher  Streifen  der  Stufe  d^.  Wenn  wir  denselben 
vom  Liegenden  ins  Hangende  verfolgen,  so  finden  wir  bei  Kote  337  im 
westlichsten  Teile  unseres  Gebietes  oberhalb  des  Proko  p  i  b  a  c  h  es 
im  Hangenden  eines  Diabaslagerganges  zunächst  grünlichbraune,  etwas 
kontaktmetamorphe  Schiefer.  Dieselben  enthalten  zahlreiche,  quarz- 
reiche und  harte  Konkretionen,  deren  Inneres  von  Rissen  und  Sprüngen 
durchsetzt  ist.  Im  Hangenden  stellen  sich  Bänke  eines  quarzitischen 
Sandsteines  ein,  die  immer  mehr  und  mehr  überhandnehmen,  bis  sie 
bei  Kote  340  oberhalb  des  westlichen  Endes  von  fiepora  völlig 
überwiegen.  Während  die  Schiefer  bei  Kote  337  etwa  55*^  gegen  SO 
einfallen,  beträgt  das  gleichsinnige  Einfallen  der  Saiidsteinbänke  bloß 
25 — 30".  Innerhalb  des  nördlichen  c/g'-Streifens  konnte  ich  vier  Diabas- 
lagergänge an  der  Oberfläche  feststellen.  lu  den  harten  quarzitischen 
Sandsteinen  sind  zahlreiche  Steinbrüche  zur  Schottergewinnung  an- 
gelegt. 

Am  westlichen  Ende  der  Ortschaft  ßepora  biegt  der  Proko- 
pibach gegen  N  um.  Hier  sieht  man  im  Liegenden  von  lichten 
Schiefern,  welche  den  untersten  Schichten  der  Stufe  e^  entsprechen, 
braune  Schiefer  und  Quarzite  der  Stufe  f/5 ;  darunter  folgt  neben  dem 
Wege  ein  Diabaslagerganir,  in  dessen  Hangendem  die  Sandsteine  (/g 
kontaktmetamorph  umgewandelt  sind.  Hier  ist  ein  kleiner  Steinbruch 
angelegt,  welcher  die  Sandsteine  und  den  Diabas  entblößt.  In  ersterem 
fand  ich  schöne,  styloli th  en  förmige  Gebilde.  Zwei  überein- 
ander lagernde  Schichten  greifen  ineinander  vermittels  schmalkegel- 
förmiger bis  zapfenförmiger,  längsgestreifter  Fortsätze,  die  mit  einer 
feinen  tonig-limonitischen  Rinde  bedeckt  sind.  Beobachtet  man  die 
betreffende  Schichtfläche  des  Sandsteines  mit  den  Querschnitten  der 
abgebrochenen  Stylolithenzapfen,  so  sieht  man,  daß  diese  unregel- 
mäßige Umrisse  aufweisen  und  oft  ineinandergreifen. 

Die  Stylolithen  bestehen  aus  demselben  quarzitischen  Sand- 
steinmaterial, wie  das  Muttergestein  und  sind  wohl  als  Druck phänomen 
tektonischen  Ursprungs  zu  erklären.  Gebirgsdruck  und  chemische  Auf- 
lösung.svorgänge  nach  vorhergegangener  llorizontalzersprengung  des 
Gesteins  wird  zumeist  zur  Erklärung  der  Stylolithen  herbeigezogen, 
so  z.  B.  von  Reis  (7).  Sollte  es  sich  nicht  in  unserem  Falle  um  den 
diu   Diabasintrusiun   bei-leitenden   Druck  handeln?    IiUei'c.^sant  ist  das 


f5l  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  67 

Auftreten  von  Stylolithen  in  qu  ar  zi  ti  seh  en  Sandsteinen, 
da  sie  sonst  fast  allgemein  hauptsächlicli  aus  Kalksteinen,  ins- 
besondere der  Zechstein-  und  Triasformation  angeführt  werden. 

Westlich  von  der  Haltestelle  li  epora  treten  südlich  der  Bahn- 
strecke abermals  zeifallene,  quarzitische  Sandsteinbänke  auf,  die  wohl 
als  Fortsetzung  jener  Bänke  vom  anderen  Ufer  aufzufassen  sind. 

Mittlerer  Streifen  der  Stufe  </^.  Derselbe  liegt  im  Han- 
genden der  sogenannten  Kolonie  d'Archiac  und  streicht  von 
ßepora  nach  NO  gegen  die  nach  Prag  führende  Straße.  Zunächst 
findet  man  beim  Beginne  der  nach  Stodülky  führenden  Straße  im 
Hangenden  einer  Diabasdecke  grünliche,  saudige  Schiefer  mit  Sand- 
steinbänken; in  iiirem  Liegenden  treten  dann  schwarze  glimmerreiche 
T  r  i  n  u  c  1  e  u  s  schiefer  auf.  Weiter  gegen  NO  an  der  Straße  1^  e  p  o  r  a— 
Prag  treten  braune  Schiefer  mit  qiiarzreichen  Konkretionen,  welche 
Trinucleus-  und  Dahnanites-lia^la  enthalten,  auf.  Ebenso  sind  hier 
schwarze  harte  Schiefer  mit  Trinucleus  Golilfußi  Barr.,  schließlich 
braune,  grünlichgefleckte  Diabastufflagen  mit  Dalmanites  Phillipsi 
Barr.  u.  a.  zu  finden.  Letztere  kommen  auch  inmitten  der  Ortschaft 
ßepora  vor.  Am  südlichen  Gehänge  des  Tales,  welches  sich  von 
fiepora  gegen  NO  hinzieht,  treten  wiederum  hauptsächlich  grünlich- 
braune bis  lichte,  quarzitische  Sandsteine  auf. 

Da  der  zweite,  mittlere  Streifen  der  Stufe  e^  gegen  W  bei 
Repora  auszukeilen  scheint,  verbindet  sich  hier  der  mittlere  mit 
dem  nördlichen   Streifen  d^. 

Südlicher  Streifen  der  Stufe  (/g.  Er  streicht  vom  süd- 
lichen Teile  der  Ortschaft  Äepora  nach  ONO  über  die  Kote  339. 
Wir  finden  zunächst  im  Hangenden  des  zweiten  (mittleren)  (^^-Streifens 
nördlich  der  Kote  342  braune  und  grünliche  metamo  phe  Schiefer  und 
Sandsteine  mit  flachem,  südlichem  Kin fallen.  Darüber  folgt  ein  mäch- 
tiger Diabaslagergang  und  dann  bei  Kote  339  lichte,  dichte,  quar 
zitische  Sandsteine,  glimmerreiche  grünliche  und  graue  Sandsteine 
Qiit  den  bekannten  fukoidenartigen  Gebilden  auf  den  Schichtflächen, 
schließlich  splitterige,  quarzige,  grünliche,  metamorplie  Schiefer,  die 
insbesondere  südlich  der  Kote  339  im  Prokopitale  schön  in  hohen 
Wänden  aufgeschlossen  sind.  Mau  kann  diesen  (/g-Streifen  auch  weiter 
gegen  0  im  Hangenden  des  Diabaslagerganges  verfolgen,  obwohl  er 
allmählich  in  dieser  Richtung  bedeutend  an  Mä(;htigkeit  verliert,  wie 
man  dies  gut  in  der  gegen  S  verschobenen  Scholle  nördlich  der  ersten 
Mühle  östlich  von  fiepora  beobachten  kann. 

Die  Stufe  f/5  im  Gebiete  des  Buto witzer  Tales.  Von 
N"Ovä  Ves  im  Euto witzer  Tale  zieht  gegen  W  eine  Schlucht, 
deren  nördlicher  Abhang  der  Stufe  t/g  angehört  und  aus  quarzitischen 
Sandsteinen  mit  braunen  Schieferlagen  besteht,  während  am  südlichen 
Abhänge  bereits  Graptolithenschiefer  (e-^)  auftreten.  Auch  weiter  nörd- 
lich, wo  das  Tal  gegen  NO  ablenkt,  sind  am  rechten  Ufer  die 
(/g-Schichten  als  braune,  glimmerreiche  Schiefer  mit  kugeligen  Kon- 
kretionen gut  aufgeschlossen. 

9' 


68  Dr.  Josef  Woldfioh.  rßj 

2.  Schichtstufe  e^. 
Litteiicr  Schichten.  Kuchelbader  Graptolitheuscliiefer. 

Auch  diese  Stufe  tritt  ebenso  wie  die  vorher-'ehende  in  drei, 
bzw.  zwei  Streifen  im  Querprofile  auf  (vgl.  die  Profile  I  und  II  auf 
Tafel  V  [III]). 

Nördlicher  Streifen  der  Stufe  e^^.  Derselbe  streicht  von 
den  längs  der  Straße  im  nordwestlichen  Teile  von  Repora  gelej^enen 
Häusern  bei  Kote  3i0  vorbei  nach  NO.  Er  ist  seit  Barrandes  Zeiten 
bekannt  als  Colonie  d'Arc  hiac  (G).  Man  findet  zuerst  im  Hangenden 
der  Stufe  c/5  am  westlichsten  Ende  von  fiepora  lichte  diinnblätterige 
Schiefer,  dann  schwarze,  glimmerige  Schiefer  mit  lichten  Zwischen- 
lagen und  weiter  im  Hangenden  mit  kugeligen  Kalkkonkretionen,  wie 
man  dies  deutlich  in  dem  durch  die  genannte  Häuserreihe  entblößten 
Profile  beobachten  kann.  Schließlich  treten  in  den  Schiefern  nebst 
den  Kalksphäroiden  noch  Kalkbänke  auf.  Dieser  Hangendteil  der 
Stufe  ^1,  welcher  unmittelbar  an  einen  dislozierten  Diabas  angrenzt, 
ist  in  einer  Grube  knapp  nördlich  von  ßepora  hinter  einem  Hause 
sowie  etwas  weiter  gegen  N  gut  aufgeschlossen.  Die  Schiefer  und 
Kalkbänke  sind  in  der  erwähnten  Grube  völlig  disloziert  und  zerrüttet, 
als  Beweis  für  die  hier  zwisclien  dem  nördlichen  Cj-Streifen  und  mitt- 
leren (/g-  Streifen  verlaufende  Längsdislokation.  Kopfgroße,  ja  noch 
größere  Kalksphäroide  liegen  hier  zahlreich  herum.  Nach  NO  ver- 
schmälert sich  bedeutend  dieser  c^- Streifen,  so  daß  man  ander  nach 
Stodülky  führenden  Straße  zunächst  noch  rf5-Schiefer  des  mittleren 
Streifens  antrifft. 

Mittlerer  Streifen  der  Stufe  e^.  Derselbe  wurde  von 
Bar  ran  de  (b)  als  zweite  Kolonie  beiKepora  angeführt  Man 
findet  ihn  östlich  von  Ixepora,  nördlich  des  Weges,  welcher  hier 
nach  Ohrada  führt,  wo  er  den  nördlich  der  Kote  342  auftretenden 
Rücken  bildet.  Vorherrschend  sind  hier  harte  kontaktmetamorphe 
Graptolitenschiefer,  deren  südliches  Einfallen  30 — 60°  beträgt.  Man 
kann  diesen  Streifen  fast  bis  gegen  Ohrada  verfolgen.  Bar  ran  de 
(6)  gibt  für  diese  seine  zweite  Kolonie  bei  Repora  die 
Mächtigkeit  von  einigen  Metern  an,  obwohl  dieser  Streifen  (s,  unsere 
geologische  Karte)  in  der  Tat  bedeutend  mächtiger  ist. 

Südlicher  Streifen  der  Stufe  Cj.  Im  Hangenden  des 
südlichen  f/5-Streifens  folgt  in  normaler  Lagerung  die  Stufe  ßj,  welche 
wir  von  W  nach  0  verfolgen  wollen  ;  mächtige  effusive  Diabase  sind 
ihr  eingelagert.  Schöne  Aufschlü.sse  findet  man  zunächst  südlich  von 
Repora  am  Wege,  der  vom  Bahnviadukte  nach  S  gegen  Hinter- 
Kopanina  führt.  Graptolithenschiefer  wechsellagern  hier  mit  Diabas- 
mandelsteinen, -Tuffen  und  -Strömen;  ferner  ist  diese  Stufe  insbesondere 
am  linken  Ufer  des  P  r  0  k  0  p  i  b  a  c  h  e  s  östlich  des  genannten  Viaduktes 
bis  hinter  die  erste  Mühle  gut  aufgeschlossen.  Im  unteren  Teile  treten 
vorwiegend  Graptolithenschiefer,  im  oberen  Teile  nördlich  der  Mühle 
kalkige  Schiefer  mit  brachiopodenreichen  Kalkbänken  auf,  ferner  ein 


[7]  Has  Prokopital  Müdlich  von  Prag.  69 

graues    kalkig  -  quarziges    Gestein,     welches    sich     als    Sp  ongie  li- 
sch i  c  h  t  ergab. 

Nordöstlich  von  der  Mühle  sind  graubraune,  weiche  Graptolithen- 
schiefer  infolge  der  Einebnung  des  Abhanges  behufs  seiner  Kulti- 
vierung gut  aufgeschlossen  5  hier  konnte  ich  zahlreiche  Graptolithen 
sammeln.  Nördlich  von  Kote  280  im  Prokopitale  streicht  eine 
Schlucht,  an  deren  nordöstlichem  Ende  man  weiche  kalkige  Schiefer 
e^  mit  sandigen  Kalkbänken  antrifft.  Sie  enthalten  sehr  schön  erhaltene 
massive  Graptolithen  und  werden  mit  Spaten  und  Schaufel  abge- 
tragen, um  als  kalkiges  Düngemittel  auf  nahe  Fehler  gebracht  zu 
werden.  Am  nordwestlichei;  Abhänge  dieser  Schlucht  sind  den  Schiefern 
vielfach  Kalksphäroide  und  -bänke  eingehigert.  In  letzteren  fand  ich 
insbesondere  zahlreiche,  als  typisches  Leitfossil  auftretende  Arethu- 
sinen,  weshalb  ich  im  weiteren  kurz  die  Schlucht  als  „A  r  e  thusin  en- 
schlucht"  bezeichnen  will.  Im  Hangenden  der  Diabasdecke,  welche 
über  dem  östlichen  Abhänge  der  Arethusinenschlucht  auftritt,  sieht 
man  abermals  Graptolithenschiefer  mit  Kalkbänken,  für  welche  unter 
anderen  inbesondere  der  Trilobite  Cromus  Ueuumonti  Barr,  charakteri- 
stisch ist.  Interessant  ist  es,  daß  die  Kalke  hiei*  auch  Kohlenstücke 
einschließen.  Die  südliche  Schichtstufe  e^  endet  nun  beim  Steinbruch 
„Mu§lovka  {Muschelsteinbruch)",  auf  dessen  westlicher  Wand  die 
Schichtfiächen  mit  zahlreichen  Orthoceren  bedeckt  sind.  Darüber 
folgen    bereits  kristalline  Kalke  der  Stufe  e^. 

Die  Stufe  e^  im  Buto  witzer  Tale.  Westlich  der  Kluko- 
w  i  t  z  e  r  Verwerfung  bilden  sc  hwarze  Graptolitenschiefer  den 
südlichen  Abhang  der  von  Nova  V-es  nach  W  ziehenden  Schlucht. 
Auch  im  Tale  selbst  treten  südlich  der  genannten  Ortschaft  Grap- 
tolithenschiefer zwischen  Diabastuffen,  welche  an  beide  Gehängen 
des  Bachufers  zu  beobachten  sind,  auf.  In  der  Nähe  der  Verwerfung 
sind  die  Schiefer  stark  zerrüttet  und  disloziert.  Oestlich  d(M- 
Klukowitzer  Verwerfung  findet  man  die  Stufe  e^  zunächst  südli(  h 
von  Butowitz  am  linken  Ufer  und  im  Tale  selbst.  Südlici»  der  Kote 
30()  sind  den  Diabastuffen  Graptolithenschiefer  mit  Kalkbänken  auf- 
gelagert, welche  zahlreiche  Fossilienreste  enthalten.  Auch  inmitten 
der  Diabasdecke,  welche  sich  über  die  Kote  300  hinzit-ht,  findet  man 
kontaktmetamorphe,  graue,  dichte  Kalkbänke  und  Schiefer  mit  ebenfalls 
stark  umgewandelten  Kalkkugeln.  Der  Bach  durchfließt  dort,  wo  vom 
rechten  Ufer  der  Diabassporn  nach  0  vorspringt,  kalkige  Schiefer 
der  Stufe  e^.  Dasselbe  findet  man  am  linken  Bachufer  südlich  der 
Abdeckerei  im  Hangenden  des  efiusiven  Diabases,  doch  sind  die 
Schichten  nahe  der  K  luko  witz  er  Verwerfung  hier  stark  disloziert. 

iJ.  Die  Diabase  uiisjeres  Gebietes. 

Die  Diabase  unseres  Gebietes  sind  wesentlich  zweierlei  Natur, 
und  zwar  intrusiv  oder  effusiv.  Die  mittel-  bis  feinkörnigen 
intrusiven  Diabase  bilden  fast  ausschließlich  Lagerg  an  ge  und 
bewirken  in  der  Regel  eine  durchgreifende  Metamorphose  der  Hangend- 
und  Liegendschichten.  Die  ef  fusi  ven  Diabase  erscheinen  als  Decken 


70  Dl'.  Josef  Woldfich.  [8] 

und  Ströme  nebst  mächtigen  T  uf  f  a  b  1  a^^eru  ngen,  auch  Tuffite 
sind  nicht  selten.  Es  ist  interessant.  d;iß  bereits  ein  scharfsinniger 
Forscher  wie  Bar  ran  de  (6)  die  zweifache  Natur  unserer  Diabase 
erkannte,  indem  er  ihr  Verhalten  gegen  die  Hangend-  und  Liegend- 
schichten beobachtete.  Hingegen  spricht  Marr  (8)  fälschlich  von  einer 
Diabas  in  trusion  im  tlangendteile  der  Stufe  e^  im  Butowitzer 
Tale,  wo  es  sich  offenbar  um  effusive  Diabasformen  handelt. 

a)  Intrusive  Diabase. 

Im  nördlichen  (/5-Streifen  kommen  zwischen  den  westlichen 
Hänsern  vonRepora  und  der  nördlich  davon  gelegenen  Kote  337  vier 
Diabaslagergänge  vor.  Der  nördlichste  (bei  Kote  337)  weist  kugelige 
Absonderung  auf  und  enthält  stellenweise  reichliche  Quarzbruchstücke, 
die  wohl  einer  in  der  Tiefe  bei  der  Intrusion  zersprengten  Quarzader 
entstammen.  Dieser  Lagergang  metamorphosiert  die  Hangend-  und 
Liegendschichten.  Gut  ist  insbesondere  auch  der  südlichste  Lagergang 
am  linken  Talufer  aufgeschlossen,  in  dessen  Hangendem  sidi  die 
kontaktmetamorphen    Sandsteine   mit  S  t  y  lolith  en  verfolgen   lassen. 

Im  s  ü  d  1  i  c  he  n  rfg-Streifen  zieht  ein  mächtiger  Diabaslagergang 
von  Äepora  über  Kote  339  und  342  hin.  Er  pflegt  kugelige  Ab- 
sonderung aufzuweisen  und  entsendet  dunkle,  feinkörnige  Apophysen 
in  die  Hangendschichten  (/g,  welche  letztere  auch  quer  durchsetzen, 
was  otfenbar  die  intrusive  Natur  dieses  Diabases  bezeugt ;  man  kann 
dies  z.  B.  oberhalb  der  südlichsten  Häuser  von  Repora  und  weiter 
östlich  davon  beobachten.  Nördlich  der  ersten  Mühle  östlich  von 
fiepora  kann  man  diesen  Diabaslagergang  am  östlichen  Gehänge 
ununterbrochen  bis  über  die  Kote  342  hinaus  verfolgen.  Südlich  von 
fiepora  tritt  beim  Bahnviadukle  unter  einer  mächtigen  Lehmdecke 
intrusiver  Diabas  mit  kugeliger  Absonderung  hervor. 

b)  Effusive  Diabase. 

Im  nördlichen  e^- Streifen  (=  Barrandes  „Colonie 
d'Archiac")  kommen  zwei  Diabasdei  ken  vor,  bt'ide  sind  mandel- 
steinartig.  Der  nördliche  ist  gut  im  Hintergründe  des  Hauses  Nr.  69 
aufgeschlossen,  wo  man  bis  heute  die  Verzweigung,  wie  sie  Barrande 
(6,  Fig.  3)  darstellte,  beobachten  kann.  An  der  Grenze  zwischen 
diesem  nördlichen  e^  -  S  t  r  c  i  f  e  n  und  dem  mittleren  d^- 
Streifen,  dann  weiter  gegen  0  innerhalb  der  (/5-Schichten  befindet 
sich  bei  der  Schule  von  ft  e  p  ora,  westlich  davon  sowie  östlich  längs 
der  Straße  nach  Prag  an  melireren  Stellen  ein  dicliter,  graugrüner 
oder  dunkelbrauner  bis  schwarzer,  tutf-  und  mandel.steinartiger  Diabas, 
in  dessen  Hangendem  die  (/5-Schichten  naturgemäß  nicht  umgewandelt 
sind.  Innerhalb  des  mittleren  (/5-Strei  f  e  n  s  kommen  Lager  eines 
braunen,  grünlich  gefleckten  Diabastiiffes  mit  Fossilien  vor;  so  z.  B. 
östlich  von  Repora  an  der  Straße  Repora— Prag,  in  der  Ortschaft 
Repora  selbst  usw. 

Im  südlichen  ßj-Streifen  sind  D  i  aba  ss  t  r  ö  ni  e,  -Tuffe 
und  Tuffite  überaus  zahlreich.    Sehr   schön    sind    sie   z,   B.  südlich 


[9]  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  71 

von  Repora  an  der  Straße,  die  von  hier  an  der  Kote  342  vorbei 
g^gen  S  führt  aiifjzesclilossen.  Mehrmals  wechsellageni  hier  effusive 
Diabasdecken,  Tuffe  und  schiefrige,  braune  und  grüngefleckte  Tuffite 
mit  Graploiithenschiefern.  bis  man  zu  einem  prächtigen  Diabasanfschiuß 
gelangt,  in  dem  sehr  schön  die  effusive  Natur  des  Gesteins  erkenntlich 
ist.  .Alan  sieht  zunächst  in  lockerem,  dunkelbraunem  Tuffe  Diabaslava- 
bomben, darüber  folgt  ein  Diabaslavastrom  mit  zalilreichen  Schiefer- 
bruchstücken (hauptsächlich  Graptholitiienschiefer),  die  bei  der  Eruption 
emporgerissen  wurden,  so  daß  er  ein  breccienartigcs  Aussehen  erlangt. 
Darüber  liegt  eine  lose,  bröckelige  Dial>astuff.schicht  mit  kugeligen 
Bomben  und  schließlich  ein  mächtiger  Blocklavastrom.  Weiter  im 
Hangenden  üb.  rscl)reitet  man  nochmals  Graptolithenschiefer  und  eine 
Diabasdecke.  Die  südwestliche  Fortsetzung  dieses  effusiven  Diabas- 
körpers ist  auch  an  der  Straße  Repora  —  Hinter -Kopanina 
angeschnitten. 

Ein  harter  Diabasmandelstein  tritt  westlich  der  ersten  Mühle 
im  Prokopitale  inmitten  der  Stufe  e^  auf;  in  seinem  Liegenden 
sind  den  Graptolithenschiefern  lockere  Tuffite  mit  Cr  i  n  o  i  denstiel- 
gliedern  und  Trilob  i  t  e  nbruchstücken  eingelagert;  dieselbe  Schicht 
findet  man  auch  nordöstlich  von  Kote  280  in  der  Stufe  e^  vor.  Diabas- 
mandelsteine und  -Tuffe  bilden  ferner  die  Diabasdecke  am  nord- 
westlichen Abhänge  der  Ar  eth  usi  n  e  n  schiucht,  wo  in  ihm  große 
Pyritkugeln  eingewachsen  sind.  Die  gleiche  Zusammensetzung  weist 
schließlich  auch  die  Diabasdecke  nördlich  von  Kote  280  am  gegen- 
überliegenden Abhänge  der  Schlucht  auf. 

Diabaseffusionen  im  Buto witzer  Tale.  Westlich  der 
Kluko  witzer  Verwerfung  treten  von  Nova  Ves  gegen  SO  bis 
fast  zur  Mündung  des  Buto  witzer  Baches  zu  beiden  Ufern  desselben 
Diabastuffe  und  -Mandelsteine  auf.  Sie  schließen  zahlreiche  Schiefer- 
bruchstücke und  Diabaslavabomben  ein.  In  den  Schieferbruchstücken 
findet  man  sogar  öfters  Versteinerungen,  die  ihre  Zugehörigkeit  zur 
Stufe  e^  beweisen.  Die  submarine  Diabas eruption  fand  hier 
gegen  Ende  derStufe  e-^  statt;  wahrscheinlich  folgen  auch  hier 
noch  über  der  Diabasdecke  die  Uebergangsschichten  zur  Stufe  e^ 
mit  Kalkbänken.  Im  Terrain  konnte  ich  jedoch  dieselben  nicht  nach- 
weisen. 

4.  Schirlitstufe  ^g«  —  Budfianer  Schichten. 

Diese  Schichtstufe  besteht  vorherrschend  aus  kristallinen  Kalken, 
Plattenkalken  mit  sthieferigen  Zwischenlagen,  Crinoiden-,  Brachio- 
poden-  und  Orthocerenkalken.  Sie  streicht  in  unserem  Gebiete  süd- 
lich von  ßepora  von  Kote  342  über  die  Anhöhe  „Na  Po^äru" 
(Kote  334)  ins  Prokopital,  wo  sie  in  den  Steinbrüchen  der  Firma 
Biskup- K  vis- K  otr  ba  teilweise  aufgeschlossen  ist;  dann  setzt  sie 
ans  linke  Ufer  hinüber,  wo  insbesondere  die  kristallinen  Kalke  dieser 
Stufe  in  den  „Muslovka"  genannten  Steinbrüchen  abgebaut  werden. 
Weiter  gegen  NO  ist  die  Stufe  von  jungen  Ablagerungen  bedeckt, 
kommt  aber  wiederum  sehr  deutlich  nördlich  der  Neuen  Mühle 
zum  Vorschein,    von    wo    sie    sich    bis  zum  Butowitzer  Tale  ver- 


7.2  Dr.  Josef  Woldfich.  MO] 

folgen  läßt.  Daselbst  grenzen  an  der  Kl  uko  wi  tze  r  Verwerfung  die 
Stufen  €2  und  02  im  Streichen  aneinander.  Jenseits  der  genannten 
Verwerfung  tritt  die  Schiclitstufe  e^  über  dem  linken  Ufer  des  Buto- 
witzer  Baches  deutlich  zutage;  weiter  nach  KO  ist  sie  dann  wieder 
von  jüngeren  Sedimenten  verdeckt. 

Sehr  schöne  Aufschlüsse  dieser  Stufe  findet  man  auf  der  An- 
höhe „Na  Pozäru-'  (bei  Kote  334),  wo  ein  schmaler  in  Cg  verlau- 
fender Hohlweg  in  den  hohen,  verlassenen  Steinbruch  führt,  dessen 
Boden  heute  mit  Wasser  erfüllt  ist,  ferner  im  vorderen  Steinbruche 
von  B  i  s  k  u  p-K  V  i  s-K  0 1  r  b  a  am  rechten  Ufer  des  P  r  0  k  0  p  i  b  a  c  h  e  s, 
dann  am  gegenüberliegenden  Bachufer  in  den  „Muslovka"  geliannten 
Steinbrüchen  derselben  Firma,  ferner  nördlich  der  Neuen  Mühle 
und  im  Butowitzer  Tale  insbesondere  südlich  von  Butowitz. 
Oberhalb  des  linken  Ufers  des  Butowitzer  Baches  kann  man  leicht 
die  Stufe  am  Talgehänge  bis  zur  Kote  309,  ferner  im  kleinen  Stein- 
bruche weiter  gegen  NO,  wo  Orthocerenkalke  aufgeschlossen 
sind,  verfolgen. 

6.  Scliichtstufe  f^.  —  Loclikover  Schichten. 

Die  Stufe  /i  wurde  bisher  in  den  älteren  Arbeiten 
aus  demProkopitale  nicht  angeführt.  Als  ich  in  den  dunkel- 
grauen  bis  schwarzen  Kalken,  welche  den  oberen  kristallinen  Kalk- 
stein der  Stufe  62  gegenüber  den  großen  Steinbrüchen  Barta  und 
Ticliy  (östlich  der  Kote  280  am  linken  Bachufer)  überlagern,  einen 
schön  erhaltenen  Flossenstachel  von  MacJiaeracanthus  bohemicus  Barr.  sp. 
aulfand,  kam  icii  zu  der  Ansicht,  daß  diese  Kalke  der  Stufe /^  ange- 
hört n  könnten,  was  sich  bei  den  weiteren  stratigraphischen  Beobach- 
tungen unseres  Gebietes  bestätigte  (siehe  S.  82) 

Die  Stufe  /i  ist  im  Bereiche  des  Prokopitales  durch  graue 
bis  schwarze  Kalke  vertreten,  die  insbesondere  im  Hangendteile  Horn- 
steinknollen  und  -bänke  enthalten.  Ihre  Lagerung  zwischen  e.^ 
u n  d  /a  läßt  sich  sehr  gut  an  der  obengenannten  Stelle, 
ferner  nördlich  der  Neuen  Mühle  beobachten.  Außerdem 
findet  man  die  Kalke  dieser  Stufe  in  mächtiger  Entwicklung  im  be- 
kannten Barran  d  e  f  c  Ise  n,  der  bereits  den  Südflügel  einer  großen 
Synklinale  bildet.  Die  Plattenkalke  wechsellagern  mit  Schiefern  und 
sind  in  ausgezeichneter  Weise  gefaltet,  wie  es  eingehend  von  Poö  ta  (10) 
beschrieben   wurde. 

6.  Scliichtstufe  f^. 

Diese  Stufe  ist  in  unserem  Gebiete  in  nur  geringer  Mächtigkeit 
entwickelt.  Sie  besteht  aus  grauen  und  rötlichen,  körnigen  bis  fast 
dichten,  kristallinen  Kalken.  Aufschlüsse  findet  man  besonders  im 
Steinbruche  „Na  Po'2äru",  im  vorderen  (südlichen)  Steinbruche 
Biskup- K  vis- Kotrba,  nördlich  der  Neuen  Mühle,  am  linken 
Ufer  des  Butowitzer  Baches,  schließlich  knapp  nördlich  vor  dem 
Barrandefelsen,  wo  rötliche  Kalke  dieser  Stufe  gegenüber  den 
Stufen  /i  und  y^  in  ihrem  Liegenden,  bzw.  Hangenden  nur  sehr  geringe 
Mächtlukeit  aufweisen. 


ril]  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  73 

7.  Schichtstufe  ffi.  —  Braniker  Schichten. 

Man  kann  diese  Schichtenstufe  fast  im  ganzen  Prokopitale  von 
Zlichov  über  Hluboöep  bis  auf  die  Anhölie  „Na  Po^äru"  süd- 
östlich von  Repora  verfolgen.  Bis  St.  Prokop  findet  man  sie  am 
linken  Ufer,  von  da  bis  vor  dem  Steinbruch  Barta  und  Tichy  zu 
beiden  Seiten  des  Baches,  weiter  nach  W  tritt  die  ganze  Stufe  auf 
das  rechte  Ufer  liinüber.  Die  westlichsten  Aufschlüsse  und  Stein- 
brüche in  dieser  Stufe  sind  auf  der  Anhöhe  „NaPozäru".  Sehr  gut 
läßt  sich  auch  die  ganze  Schichtfolge  längs  der  Prag  —  Kuchel- 
bader  Straße  vom  Gasthause  „U  Dödku"  bis  zum  B  a  r  r  a  n  d  e- 
felsen  verfolgen,  ebenso  im  Bereiche  des  St.  P  r  o  k  o  p  i  s  t  e  i  n- 
bruches  und  westlich  davon,  insbesondere  in  den  Steinbrüchen 
Barta  und  Tichy,   Biskup-K  vis- K  o  trba    und  „Na   Pozäru". 

Beobachtet  man  die  Schichtenfolge  in  dieser  Stufe  von  unten 
nach  oben,  ?o  findet  man  in  unserem  Gebiete  in  der  Regel  zunächst 
graue  oder  rötliche,  oft  in  Knollen  zerfallende  Kalke,  hierauf  folgen 
massige,  gewöhnlich  graue  Kalke  in  dickeren  Bänken,  die  stellenweise 
überaus  mächtig'  sind,  wie  z.  B.  bei  St.  Prokop  und  in  den  obener- 
wähnten Steinbrüchen.  Darüber  liegen  oft  gefaltete  Kalkbänke,  die  all- 
mählich reichlich  Hornsteinknollen  und  -bänke  aufnehmen  und  die  obere 
Abteilung  der  Stufe  g^  charakterisieren.  Dann  folgt  unter  Abnahme 
des  Hornsteines  ein  allmählicher  Uebergang  in  die  Stufe  ^2  statt. 
An  zahlreichen  Stellen  findet  man  unterhalb  der  dünnbankigen  horn- 
steinreichen  Bänke  einen  kristallinen  grauen,  crinoiden-,  bryozoen- 
und  korailenreichen  Kalkstein,  so  z.  B.  bei  der  Kapelle  an  der  Prag — 
K  u  c  h  e  1  b  a  d  e  r  Straße,  westlich  von  St.  Prokop  usw.  Außerdem  ent- 
hält die  Stufe  g^  auch  spröde  gelbliche,  graue  oder  rötliche  dolomitische 
Kalksteine.  Zwischen  den  Kalkbänken  liegen  oft  kalkige  Schiefer. 

8.  Scliichtstiife  g^  —  Dalejer  Schichten,  Tentaculitenschiefer. 

Die  Stufe  g^  geht  durch  Aufnahme  von  Schieferlagen  allmählich 
in  die  Stufe  der  grünlichgrauen  bis  rötlichen  Tentaculitenschiefer 
über.  Alan  kann  sie  zunächst  von  W  nach  0  in  der  Schlucht  südlich 
der  Kote  280  und  des  Steinbruches  Barta  und  Tichy  antreffen, 
von  hier  streichen  ^ie  nach  NO  in  das  Prokopi  tal.  Bereits  vor  der 
Neuen  Mühle  steigen  sie  wiederum  auf  den  rechten  Uferaohang 
hinauf  bis  südlich  von  Klukowitz;  jenseits  der  Klukowitzer 
Verwerfung  findet  man  sie  abermals  nördlich  der  Ortschaft.  Von  da 
lassen  sie  sich  über  das  Jägerhaus  gegenüber  den  St.  Prokop- 
steinbrüchen  verfolgen,  setzen  dann  beim  Schwarzenberg- 
schen  Kalkofen  auf  das  linke  Ufer  hinüber;  von  hier  an  bis 
zum  Wächterhause  der  Buätehrader  Bahn,  in  deren  Einschnitt  sie 
bloßgelegt  sind,  werden  sie  von  zahlreichen  Querbrüchen  duichsetzt 
und  in  gegeneinander  verschobene  Schollen  zerlegt.  Der  idflügel 
(kr  Synklinale  tritt  an  der  Prag-  Duxer  Bahn  im  Hange, iden  des 
Korallenriftes  des  Svagerkahügels  zutage,  streicht  in  das  Her- 
gettal  und  weiter  nach  SW  längs  der  in  dieser  Richtung  führenden 
Schlucht,  in  der  die  Schiefer  mehrfach  zutage  treten. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.     IQ 


74  Dr-  Josef  Woldfich.  [12] 

9.  Schichtstufe  g^.  —  Hluboceper  Schichten. 

Die  Stufe  g^  ^^'^t  <lurch  Aufnahme  von  Kalksteinknollen  und 
•bänken  allmählich  in  die  Stufe  g^  über.  Verfolgt  man  diese  vom 
Liegenden  ins  Hangende,  so  findet  man  eine  ziemlich  ähnliche  petro- 
graphische  Ausbildung  wie  in  der  Stufe  g^.  Zuunterst  befinden  sich 
graue  bis  lötliche,  knollige  Kalkbänke,  dann  folgen  massige  dickbankige 
Kalksteine,  schließlich  dünnplattige  Kalke  mit  Hornsteinknollen  und 
-bänken  und  Schieferlagen.  • 

Am  westlichsten  traf  ich  die  Stufe  ^3  in  der  bei  Stufe  g^,  bereits 
erwähnten  Schlucht  südlich  der  Steinbrüche  Barta  und  Tichy;  von 
hier  streicht  sie  nach  NU  bis  zur  Bahnstrecke,  welche  etwa  bis  zur 
Kote  261  an  der  Grenze  zwischen  g^  und  g^  verläuft.  Die  weitere 
Fortsetzung  findet  man  dann  bei  Kote  306  und  nordöstlich  von  dieser. 
Von  der  Ortschaft  Klukowitz  kann  man  diese  Stufe  über 
Kote  301  bis  oberhalb  des  Jägerliauses  gegenüber  St.  Prokoj)  ver- 
folgen, dann  ist  sie  etwas  gegen  S  verschoben  und  setzt  nordöstlich 
von  Kote  266  auf  das  linke  Bachufer  hinüber,  um  von  da  an  bis  östlich 
von  Hluboßep  die  schönsten  Aufschlüsse  zu  bieten.  Oestlich  von 
Hluboöep  unterhalb  des  Kreuzes  kann  man  gut  die  Umbiegung  der 
Schichten  am  Muldenschlusse  beobachten  ;  die  Kalke  g^  weisen  hier  z.  B. 
eine  Streichrichtung  von  NNW — SSO  mit  westsüdwestlichem  Einfallen 
auf.  Im  Südflügel  findet  man  die  Fortsetzung  der  Stufe  g^  im  Herget- 
schen  Parke  (Kote  2132),  wo  ein  großer  Steinbruch  angelegt  ist; 
gegen  SW  ist  sie  dann  noch  in  einigen  kleineren  Steinbrüchen  längs 
des  Weges,  welcher  nach  der  Hluboöep  —  Sliwe netzer  Straße 
führt,  aufgeschlossen. 

In  der  Regel  ist  der  mittlere  Teil  der  Schichtstufe  abgebaut, 
so  daß  nach  ihm  z.  B.  westlich  und  östlich  von  Hluboöep  ein  tiefer 
Hohlweg  zwischen  den  steilen  Liegend-  und  Hangendwänden  übrig, 
blieb.  Die  Knollenkalkbänke  des  Liegendteiles  sind  insbesondere  bei 
Hluboöep,  in  den  Steinbrüchen  von  W  i  1  d  m  a  n  n  (jetzt  der  böh- 
mischen Industrialb ank  gehörend)  und  im  Herget'schen  Parke 
entblößt.  Die  dünnplattigen  Kalke  mit  Hornsteinen  des  Hangendteiles 
kann  man  gut  bei  H  1  u  b  0  ß  e  p,  bei  Kote  266  südlich  vom  Schwarzen- 
berg'schen  Kalkofen,  bei  Klukowitz  und  westsüdwestlich  der 
Neuen  Mühle  beobachten.  Im  Südflügel  sind  dieselben  schön  beim 
Steinbruche  unweit  des  Viaduktes  südwestlich  \^n  Kote  232  auf- 
geschlossen und  man  kann  daselbst  auch  den  allmählichen  Uebergang 
zur  Stufe  H  verfolgen. 

10.  Schiclitstufe  M.  —  Hostiraer  Schichten. 

Diese  Stufe  ist  im  Bereiche  unserer  Karte  größtenteils  von 
jüngeren  Sedimenten  bedeckt.  Zutage  tritt  sie  insbesondere  in  der 
Umgebung  von  Hol  in,  bei  Klukowitz,  südlich  von  der  Hlubo- 
r^eper  Bahnstation,  im  Bahneinschnitte  der  Bustöhrader  Bahn 
südöstlich  davon  und  knapp  nördlich  beim  Hause  der  Firma  Barta 
und  Tichy  in  Hluboöep.  Sie  besteht  vorwiegend  aus  Tonschiefern, 
Grauwackenschiefern  und  Sandsteinbänken. 


[13]  Das  Prokopital  südlicli  von  Prag.  75 


III.  Stratigraphische  und  paläontologische  Beobachtungen 
in  unserem  Silur-Devongebiete. 

1.  Schichtstufe  d^. 

Nördl  i  ch  er  c?5- Streif  en.  Daß  sein  Haiigeudteil,  welcher  sich 
unmittelbar  im  Liegenden  der  sogenannten  Co  Ion  ie  d'Archiac  be- 
findet und  aus  quarzitischen  Sandsteinen  mit  braunen  Schieferlagen 
besteht,  seiner  stratigraphischen  Lagerung  und  petrographischen  Be- 
schaflfenheit  nach  der  Stufe  d^  angehört,  unterliegt  keinem  Zweifel. 
Im  Liegendteile  f;ind  jedoch  Bar  ran  de  (6,  S.  32  —  37)  eine  Fauna, 
die  sehr  an  d^  erinnert.  Es  ist  demnacli  nicht  ausgeschlossen,  daß 
derselbe  bereits  einem  oberen  Horizonte  der  Stufe  d^  angehört. 

Mittlerer  (/5-Streif en.  Auch  hier  findet  man  im  Liegend- 
teile vornehmlich  braune  und  schM'arze  Schiefer,  ferner  Diabastiifife, 
während  im  Hangendteile  quarzitische  Sandsteine  vorwalten.  Die  an 
der  Kreuzungsstelle  der  alten  und  neuen  Straße  nach  Stodülky 
auftretenden  schwarzen,  gliinmorigen  Tonschiefer  mit  Trinuclew^.  Dal- 
manites,  Xuculn,  L'-da  u.  n.  erinnern  petrographisch  und  faunistisch 
vielfach  an  manche  Schiefer  der  Stufe  d^,  z.  B.  bei  Groß-Kuchel- 
bad,  deren  Alter  neuerdings  Zelizko  (11)  auf  Grund  der  von  ihm 
hier  gesammelten  Fauna  feststejlte.  Hiermit  stimmt  auch  die  reich- 
liche von  Ingenieur  Hanuä  hier  gefundene  Fauna  überein.  Es  ist 
also  möglich,  daß  man  es  im  unteren  Teile  dieses  Streifens  mit  einem 
oberen  Horizonte  von  d^  zu  tun  hat.  Weiter  gegen  NO  an  der  Straße 
Prag  —  Kepora  treten  älinliche  Schiefer  mit  denselben  Konkre- 
tionen wie  im  nördlichen  Streifen  bei  Kote  337  zutage;  sie  enthalten 
unter  anderen  Trinudeus  Gohlfußi  Barr,  und  D(dman>tes  Phillipsi  Harr. 

Bar  ran  de  (6)  führt  aus  Schiefern  an  der  oberen  Grenze  der 
Colonie  d'Archiac  und  des  mittleren  c/5-Streifens  eine  Mischfauna 
an,  die  teils  seiner  Fauna  III,  teils  der  Fauna  II  angehört.  Zu  ersterer 
gehören  Carduda  interrupta  Soir.  und  Monograptus  priodon  Bronn', 
zu  letzterer  DahiKinites  riiilUpsi  Hurr.,  D<dm.  socialis  Barr.,  Nunda 
hohemica  Barr,  Orthis,  HyoUthus  und  Cytherina  fugox  Barr.  Wenn 
man  die  große  Län  gsstör  un  g  (siehe  S.  96)  im  Hintergrunde 
eines  Hauses  im  nördlichen  ß,epora  in  der  Grube  auf- 
geschlossen sieht,  so  wird  man  sich  nicht  wundern,  daß 
in  ihrer  Nähe  infolge  der  i  11  n  i g e n  V e r k n e  t u n  g  und  V e r- 
r  u  s  c  h  e  1  u  n  g  der  a  n  e  i  n  a  n  d  e  r  1  a  g  e  r  n  d  e  n  c?5-  u  n  d  ^^-S  c  b  i  c  h  t  e  n 
beide  Faunen  angetroffen  wurden.  Weiter  werden  von 
Bar  ran  de  aus  dem  mittleren  c/5-Streifen  Trinucleus  Gohlfußi  Barr., 
Dalmanites  socialis  Barr.,  Cuh/meni^  declinata  Cord.,  Ilomalonotus, 
Orthoceras  u.   a.  angeführt. 

Südlicher  4- S  tr  e  i  f  e  n.  Hier  wurden  überhaupt  keine  Ver- 
steinerungen vorgefunden ;  überdies  sind  die  Schichten  durch  den 
nitächtigen  Diabaslagergang  stark   metamorphosiert. 

.  10* 


76  Dr.  Josef  Woldfich.  |  14] 

2.  Scliiclitsfufe  e,. 

Nördlicher  ßi-Streifen  (=  B  a  r  r  a  u  d  e  s  C  o  1  o  ii  i  e 
d'A  r  0  h  i  a  v^.  In  den  tiefsten  Schichten,  welche  meist  als  schwarze, 
glimmerige  Schiefer  ausgebildet  sind,  fand  ich  Monograptus  lohiferus 
M cCoy.  Oberhalb  der  Mitte  dieses  Streifens  stellen  sich  Kalksphä- 
roide  und  -bänke  ein,  die  mit  kalkigen  Schiefern  wechsellagern;  da- 
selbst fand  ich  ii.  a.  Morm/rdpftis  vomcvinu^  Nidi.,  Mo»,  priodon  Bronn, 
Apfychopsis  prhniis  Barr.,  verdrückte  Orthoceren  usw. ;  in  der  dislo- 
zierten Hangendpartie  tritt  Mono(jr<iptHs  colonus  Barr.  auf.  Es  lassen 
sich  also  im  südwestlichen  Teile  dieses  Streifens,  wie  bereits  Marr 
(8,  S.  611)  darauf  aufmiM'ksam  gemacht  hatte,  die  in  i\  üblichen  drei 
Graptolithenzonen  verfolgen.  Marr  führt  allerdings  noch  mehr  Grapto- 
lithenreste  aus  jeder  der  drei  Zonen  an.  Barrande  (6,  S.  24  u.  25) 
fand  in  unserem  nördlichen  c^-  Streifen,  hauptsächlich  in  den  Kalk- 
sphäroiden  und  -bänken,  eine  reiche  Fauna  von  etwa  57  Arten. 

Mittlerer  f'i -Streif  e  n.  In  den  kontaktmetamorphen  licht- 
grauen bis  schwarzen  Graptolithenschiefern  dieses  Streifens,  welcher 
Barrandes  (6)  zweiter  Kolonie  bei  Repora  entspricht,  fand 
ich  Monograptus  spiralis  (xein.,  Mon.  dens^is  Bern.,  Man.  refusus  Bern.  u.  a. 
Bar  ran  de  (0)  führt  nahe  des  westlichen  Endes  dieser  Kolonie  in  den 
Graptolithenschiefern  mehrere  Kalksphäroide  mitO/Tf/joceras-Fragmenten, 
ferner  Monograptus  priodon  Bronn,  ww^  Retiolites  Geinitzianus  Barr.  an. 
Durch  letztere  ist  der  mittLere  Graptolithenhorizont 
festgestellt,  während  meine  Funde  speziell  etwa  auf 
die  Basis  der  R  e  t  i  o  1  i  t  h  e  n  s  c  h  i  e  f  e  r  hinweisen,  Marr 
(8,  S.  613)  konnte  hier  keine  Graptolithen  auffinden. 

Südlicher  Cj-Streifen.  Im  südwestlichen  Teile  dessell)en 
treten  die  Graptolithenschiefer  gegen  die  mächtigen  Diabasströme  und 
-tuffablagerungen  in  den  Hintergrund.  Dagegen  kann  man  weiter  gegen 
NO  nieh'ere  sehr  charakteristische  Horizonte  in  diesem  Streifen  ver- 
folgen. A  ii  linken  Ufer  des  Prokopibaches  gegenüber  dem  Wächter- 
hause (nordwestlich  von  Kote  280)  befindet  sich  ein  bereits  früher 
erwähnter,  nunmehr  kultivierter  Abliang,  wo  Pj  behufs  Einebnung 
desselben  abgetragen  wurde.  Die  tiefsten  Schichten  der  Stufe  e^  sind 
hier  iiicht  aufgeschlossen.  In  graubraunen,  weichen  und  kalkigen 
Schiefern  fand  ich  folgende  Graptolithenarten :  Monograptus  priodon 
Bronn,  Mon.  vomerinus  Nich  ,  Refiolites  Geinitzianus  Barr.,  Cyrtograptus 
Murchisoni  Carr.,  Stomatograptus  Tornqiästi  (=  Stom.  grand/s  Suess), 
Monograptus  capillaris]  außerdem  Apiychopsis  u.  a.  Insbesondere 
erstere  vier  Arten  weisen  auf  den  mittleren  Grapto- 
lithenhorizont der  Stufe  fj  (Marrs  Priodon  ten  zo  n  e)  hin. 
Es  ist  dieselbe  Vergesellschaftung  von  Graptolithen,  wie  sie  nach 
Perner  (12,  S.  7)  auch  in  einem  Horizonte  der  Stufe  e^  vorkommt, 
in  welchem  bereits  Kalksphäroide  und  -bänke  auftreten,  was  bei  uns 
allerdings  nicht  der  Fall  ist.  Mit  Recht  weist  demnach  Perner  darauf 
hin,  daß  bei  einer  oft  üblichen  Trennung  unserer  Stufe  e^  in  e^a  und 
e^ß  die  Priodontenzone  auf  beide  so  getrennten  Teile  der  Zone  e^  ver- 


|15]  Dfvs  Prokopital  südlich  von  Pni«,''.  77 

teilt  wäre.  Eine  solche  Zweiteilung,  bei  welcher  die  unteren  Grapto- 
lithenschiefer  als  c^cc,  die  obere  aus  Graptolithenschiefern  mit  wechsel- 
lagernden  Kalksphäioiden  und  -bäiiken  bestehende  Zone  als  e-^^ß  be- 
zeichnet wild,  entsi)richt  also  allein  dem  petrograjjhischen  Charakter 
der  Schichten,  ist  aber  nicht  vom  palaontologisch  -  stratigraphischen 
Standpunkte  verwertbar,  da  überdies  die  Kalksphiiroide  und  -bcänke 
au  verschiedenen  Lokalitäten  in  verschieden  hohen  Horizonten  der 
Stufe  i'i  auftreten. 

Der  beschriebenen  Grnptolithenschieferzone  ist  ein  Diabastuff 
mit  spärlichen  Versteinerungen  eingelagert. 

In  einem  höheren  Horizonte,  welcher  vom  ersteren  durch  eine 
mächtige  Diabasmandelsteindecke  getrennt  wird,  befindet  man  sich 
weiter  gegen  0  in  der  A  r  e  t  h  u  s  i  n  e  n  s  c  h  1  u  c  h  t  (siehe  S.  69)  nördlich 
der  Kote  280  im  Prokopital  e.  liier  beginnen  bereits  am  nord- 
westlichen Gehänge  Kalksphiiroide  und  -bäiike  aufzutreten.  Am  oberen 
nordöstlichen  Ende  der  Schlucht  findet  man  in  weichen  Schiefern  und 
Sandsteinen  sehr  schön  erhaltene,  massive  Monograpten  aus  der 
Gruppe  Priodon.  Darüber  folgt  in  dünnschieferigen  dunklen  Kalk- 
bänken ein  typischer  Horizont  mit  zahlreicher  Arelhasina  Konincki 
Barr.  Viele  schön  erhaltene  und  nicht  zerdrückte  Exemplare  dieses 
Trilobiten  kann  man  hier  aufsammeln.  Barrande  (G)  führt  AretJinsina 
Koiiiruld  aus  e^  bei  Ohrada  an.  Ferner  (12)  fand  sie  daselbst  in 
Fragmenten  und  selten  ;  hiernach  dürfte  es  sich  wohl  um  einen  nahen 
anderen  Fundort  handeln. 

Zusammen  mit  Areflni.sitia  Konincki  treten  in  diesem  Horizonte 
der  Stufe  e^  Brontcus  planus  (?)  Cord,  und  Acidaspis  inira  Barr.,  also 
zwei  Trilobiten,  die  auch  von  dem  Lodenitzer  Arethusinenfund- 
orte  bekannt  sind,  auf.  In  beiden  Fällen  handelt  es  sich 
ohne  Zweifel  um  die  Stufe  ^i  und  keineswegs  um  Cg,  da 
daselbst  auch  Monognipfus  priodon  Bronn  auftritt.  Für  Lode- 
nitz  wies  auch  Ferner  (12)  darauf  hin.  Von  anderen  Versteine- 
rungen fand  ich  noch  G  ra  p  toli  t  h  en,  verkieste  Or  t  h  o  cer  e  n  und 
schlecht  erhaltene  Brach  iopo  d  e  n. 

Knapp  unter  den  A  r  ethus  i  n  enbän  k  e  n  kommen  in  den 
Graptolithenschiefern  zahlreiche  Kalksphäroide  vor;  sit^  enthalten  viele 
und  recht  schön  erhaltene  Versteinerungen,  und  zwar:  Ärethusina 
Konincki  Barr.,  Phacops  Glockeri  Barr,  mit  hohem  Fygidium  und  an 
Dcdmanilei<  eiinnerndem  Kopfschilde,  Proetus  sp ,  iSphaerexochus  miriis 
Beyr.\  Jptychopsis.  Cerafio(ari><;  Orthoceras  dulee  Barr,  u.a.;  Ctjrto- 
cerassp.;  Gasteropoden;  Cardiola,  Ditalina,  Sldva  u.a.;  mehrere 
Arten  der  Brachiopodengattungen  Atrypa  und  Spirifer;  massive,  sehr 
schön  erhaltene  Exemplare  von  Monogi-apfus  priodon  Bronn,  Mon. 
vomerinus  Nich.  usw. 

Ueber  diesem  Horizonte  folgt  eine  Diabasdecke,  die  hauptsäch- 
lich aus  Mandelsteinen  besteht;  darüber  dann  der  höchste  Horizont 
unseres  südlichen  ßj- Streifens,  in  dem  die  kalkigen  Einlagerungen 
allmählich  überhandnehmen  und  die  Graptolithenschiefer  in  den  Hinter- 
grund treten.  Charakteristisch  für  diesen  Horizont  sind 
graubraune  und  graue  K  a  1  k  b  ä  n  k  e ,  a  u  f  d  e  r  e  n  Schicht- 
flächen   man    massenhaft    hauptsächlich   Pygidien    von 


80  Dr.  Josef  Woldfich.  [18] 

4.  Schichtstufe  e^. 

Diese  Srhichtstufe  ist  an  mehreren  Stellen  sehr  gut  aufgeschlossen 
so  daß  man  die  stratigraphischen  Verbältnisse  beobaciiten  und  zahl- 
reiche Versteinerungen   aufsammeln  kann. 

Muslovka  (Muschelsteinbruch).  Eine  Reihe  von  Stein- 
brüchen, die  unter  diesem  Namin  bekannt  sind,  befindet  sich  am 
linken  Ufer  des  P  r  o  k  o  p  1  b  a  c  h  e  s  östlich  von  Kote  280.  Die 
Stufe  beginnt  im  Hangenden  der  früher  erwähnten  Felswand 
(siehe  S.  78)  mit  dicken  Bänken  eines  grauen,  kristallinen 
Kalksteines  (siehe  Taf.  III  [I],  Fig.  Ij,  der  hier  abgebaut  wird. 
Charakteristisch  für  denselben  ist  die  massenhaft  vor- 
kommende Cardiola  hiferrvpla  Soiv.,  der  Trilobite  Calymene  Baylel  Barr. 
und  die  selir  variable  RliijyichoneUa  myrmex  Barr.]  letztere  füllt  eine 
ganze  Kalkbank  aus.  Von  den  überaus  zahlreichen  Versteinerungen, 
die  liier  insbesondere  vom  Herrn  Ingenieur  Hanns  aufgesammelt 
wurden,  führe  ich  weiter  an:  Proettis.,  Harpe^.,  Cheirurus  Beijrichi 
Barr.,  Pleurotomnria,  Capiilns,  Diudina,  Spiri/er,  Afrypa,  RliynclioneUa 
u.  a.  Darüber  folgen  Platten  kalke  mit  Schieferlagen 
und  Cephalopo  den  kalke  mit  OrfJwceras,  Cyrtocerä^,  Gomphoceras, 
Phragmoceras;  von  Trilobiten  sind  Phacops^  und  Bronteus  vertreten. 
Darüber  liegen  dünn  bankige  Crinoiden-  und  ßrachio- 
pod  en  kalkstein  e,  die  nahe  der  Oberfläche  in  sandig-kalkigen 
Grus  zerfallen,  in  welchem  man  zahlreiche,  schön  erhaltene  Ver- 
steinerungen aulfinden  kann.  Ingenieur  Hau  us  machte  zuerst  auf 
diese  interessante  Lokalität  aufmerksam.  Er  sammelte  hier  unter- 
anderen  zahlreiche  Loboliten;  die  schönste  derselben  schenkte  er 
dem  Barrandeum  des  böhmischen  Landcsmuseuras.  Eine  ganze  Kalk- 
schicht ist  mit  Loboliten  erfüllt,  welchen  schön  erhaltene  Crinoiden- 
stielglieder  entspringen,  andere  Kalkbänke  bestehen  fast  ausschließlich 
aus  Crinoidenstielgliedern,  insbesondere  von  ScijpJiocrinus  excavatus 
Schi.  u.  a.  Seltener  kommen  auch  Reste  von  Crinoidenkelchen  oder 
ganze  Kelche  vor.  Mindestens  10  Arten  sind  hier  vertreten,  deren 
Glieder  einen  sternförmigen  Kanal  mit  fünf  langen  Armen  aufweisen. 
Außerdem  befinden  sich  in  dem  von  Ingenieur  Hanu§  gesammelten 
Material  neue,  bisher  aus  Böhmen  noch  nicht  bekannte  Crinoiden, 
deren  Beschreibung  später  erfolgen  wird. 

Zu  den  Crinoiden  tritt  als  zw'eiter  vorwaltender  Typus  Dayia 
navicula  Soir.  sp.  hinzu,  welche  gleichfalls  ganze  Bänke  ausfüllt.  Nebst- 
dem  wurden  hier  aufgefunden:  Phacops  sp.,  Ort  hoc  erat  en,  Cyrto- 
ceras  corhulatum  Barr.,  LHuites,  Arcoceras,  Capulus  und  andere 
G  a  s  t  r  0  ])  0  d  e  n,  L  a  m  e  1 1  i  b  r  a  n  c  h  i  a  t  e  n,  RhyncJwnella  aüuta  Barr, 
sp.,  Uli.  sapplio  Barr,  sp.,  Rh.  niegaera  Barr,  sp.,  Rh.  Diana  Barr., 
Rh.  princeps  Barr.,  Athyris  (?)  linguata  Barr,  sp.,  Atnjpa  latisinuata 
Barr.,  Airypa  reticularis  Linne,  Spirifer  u.  a. 

Der  Crinoiden-  und  Brachiopodenhorizont  wird  von 
dichten  kristallinen  Kalken  von  grauweißer  bis  röt- 
licher Farbe  überlagert;  sie  werden  in  einem  Steinbruche 
abgebaut.  Diese  Kalke  enthalten  insbesondere  Brachiopod  en,  wie 
Spirifer  viafor  (?)  Barr.,  Strophomena  Ilaueri  Barr.,   Atrijpa  reticularis 


[19]  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  81 

Linne,  Rliyn^-honella  princcps  Barr.,  Rh.  Diana  Barr.,  Gastropoden 
u.  a.  Darüber  liegen  dünnbankige  Kalke,  welche  den  Uebergang  zu 
/i  bilden. 

Na  Po2äru.  Am  nördlichen  Abhänge  dieser  Anhöhe,  die  sich 
südwestlich  von  der  früher  genannten  Lokalitat  im  Bereiche  der 
Kote  334  befindet,  sind  große  Steinbrüche  in  den  Stufen  ^3 — g^  er- 
richtet. Zum  untersten  Steinbruch  führt  ein  Weg,  der  den  unteren  und 
mittleren  Teil  der  Stufe  e.^  entblößt.  Es  sind  zumeist  grobbankige 
Kalksteine  mit  Atrtjpa  und  Crinoiden,  über  diesen  folgen  dünn- 
bankige Kalke  mit  zahlreichen  Crinoiden,  Loboliten  und  Dayia 
navicula  Soir.  sp.  Der  Steinbruch  selbst  ist  in  grauen  und  lötlichen 
Kalksteinen  des  oberen  Horizontes  der  Stufe  e^  angelegt.  Im  Ver- 
gleiche mit  dem  in  der  Muslovka  aufgeschlossenen  Profile  ist 
also  hier  der  untere  kristalline  Kalk  nicht  entblößt.  Die  südwestliche 
Fortsetzung  der  Stufe  sieht  man  bei  Kote  342  am  Wege  von  Repora 
ins  Radotiner  Tal  stellenweise  zutage  treten. 

Steinbrüche  der  Firma  B  i  s  k  u  p  -  K  v  i  s  -  K  0 1  r  b  •'i  Gegen- 
über der  Muslovka  am  linken  Bachufer  sind  zunächst  in  der  süd- 
westlichen Fortsetzung  der  ?2-Schichten,  die  in  der  Muslovka  auf- 
treten, zwei  große  Steinbrüche  der  genannten  Firma  angelegt.  Im 
vorderen,  dem  Bachufer  näher  gelegenen  Steinbruche  wird  der  obere, 
ziemlich  dichte,  kristalline  Kalkstein  der  Stufe  e^  abgebaut;  Ver- 
steinerungen wurden  in  ihm  nicht  aufgefunden.  Im  Liegenden  sieht  man 
noch  dünnbankige  Kalke  auftreten ;  sehr  gut  sind  jedoch  die  dunklen 
Platteukalke  der  Stufe  J\  im  Hangenden  des  kristallinen  Kalkes  auf- 
geschlossen. 

Steinbrüche  nördlich  und  nordöstlich  der  Neuen 
Mühle  am  linken  Ufer  des  Prokopibaches:  Hier  ist  die 
Stufe  ^2  sehr  gut  entblößt.  Verfolgt  man  die  Schichtreihe  vom  Liegen- 
den ins  Hangende,  so  sieht  man  zunächst  Kalksteine  mit  knolligen 
Schichtflächen,  welche  insbesondere  Crinoiden  und  Brachiopoden 
enthalten,  darauf  folgt  ein  Cephalopodenkalk  mit  zahlreichen  Ortho- 
ceraten, dann  eine  Bank  mit  Dayia  navicula  ISow.  sp.,  ferner  dünn- 
plattige  Kalke  mit  Schieferlagen,  schließlich  ein  grauer  und  rötlicher 
kristalliner  Kalkstein.  Im  ganzen  ist  also  hier  dieselbe  Schichtfolge 
zu  beobachten  wie  in  den  früher  genannten  Aufschlüssen ;  bloß  der 
untere  kristalline  Kalk  ist  nicht  aufgedeckt. 

Buto witzer  Tal.  Am  östlichen  Gehänge  des  Butowitzer 
Baches  ist  gleichfalls  die  Schichtenfolge  e^  bis  g^  gut  entblößt.  Ein 
kleiner  Steinbruch  etwa  500  7n  südwestlich  von  Butowitz  deckt 
graue  Cephalopodenkalke  mit  zahlreichen  Orthoceren,  Cyrto- 
c  e  r  e  n  u.  a.  auf.  Diese  Kalke  lassen  sich  gegen  SW  bis  ins  ß  u  1 0- 
witzer  Tal  verfolgen.  Auch  die  Crinoid  enkalksteine  dieser  Stufe 
kann  man  beobachten.  An  der  K  1  uko  wi  tzer  Verwerfung  liegen  die 
Stufen  (\  und  ^2  ^^  Streichen  nebeneinander. 

Ich  kann  also  im  Prokopitale  innerhalb  der  Stufe 
«2  vorläufig  eine  untere,  mittlere  und  obere  Abteilung 
unterscheiden.     In    der    unteren    Abteilung   tritt    dick- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.)        n 


82  Dr-  Josef  Woldrich.  [20] 

bankiger,  kristalliner  Kalkstein  mit  Cardiola  internipta 
Sow.,  Calymene  Baylei  Barr.  u.  a.  auf.  Der  mittlere  Horizont 
besteh  tausdünn  bankigen  Kalksteinen,  undzwar  Cephalo- 
poden-,  C rinoiden-  und  Rrachiopoden kalken;  darüber 
liegen  graue  bis  rötliche  kristalline  Kalke  des  oberen 
Horizontes.  Dies  scheint  die  normale  Schichtenfolge  in  der  Stufe 
^2  in)  Prokppitale  zu  sein. 

Katzer  (16)  unterschied  in  der  Stufe  e^  zwei  Horizonte,  und 
zwar  den  unteren  C  e  p  h  a  1  o  p  o  de  n  kalk  und  oberen  B  r  a  c  h  i  o  p  o  d  e  n- 
kalk.  Eine  eingehende  Gliederung  der  Stufe  «»g  auf  der  Dlouhä  Hora 
stammt  von  Jahn  (17).  Irrtümlich  wird  z.  B.  von  Marr  (8,  S.  597) 
unter  anderen  die  Zone  mit  Arethiisina  Konlncki  und  Cromus  schon 
zu  ^2  bezogen.  Ein  näherer  Vergleich  unserer  Stufe  €2  mit  den  be- 
treffenden Schicliteu  des  Obersilurs  in  den  Ostalpcn  läßt  sich  vorläufig 
noch  nicht  durchführen.  —  Frech  (18)  führt  liier  als  Aequivalent 
der  böhmischen  Stufe  e^  folgende  Zonen  von  unten  nach  oben  an: 
Zone  des  Orthoceras  potens  und  Kncrinus  Xoivaki,  Zone  des  Orthoceras 
alticola  und  der  Antipleura  bohemicn,  Zone  mit  Spirifer  secana  und 
ISpirifer  viator.  Hierzu  bemerke  ich,  daß  im  Prokopitale  im  unteren 
Horizonte  der  ^a-S^ufe  wie  in  der  ostalpinen  Zone  des  Orthoceras 
potens  zahlreich  Cardiola  interrupta  vorkommt,  im  oberen  Horizonte 
gleichfalls  wie  in  den  Ostalpen  Spirifer  viator  und  Rhynchonella  princeps 
anzutreffen  ist. 


5.  Schichtstufe  /j. 

Ueber  dem  oberen  kristallinen  Kalkstein  der  Stufe  e^  folgen 
graue  bis  schwarze  Plattenkalke  der  Stufe /j  mit  schieferigen  Zwischen- 
lagen (siehe  Taf.  HI  [I],  Fig.  2).  Im  oberen  Teile  enthalten  die  Kalke 
auch  Hornsteinknollen  und  -bänke.  Ich  fand  in  dunkelgrauen  Kalken 
dieser  Stufe  am  linken  Bachufer  gegenüber  den  Steinbrüchen  Barta 
und  Tichy  einen  Flossenstachel  von  Machaeracanthus  {Ctcnacanthus) 
hohemicus  Barr.^  Ingenieur  Hanns  sammelte  hier  Bliijnchonella  princeps 
Barr,  und  eine  Bronteus-Xvt,  die  einigermaßen  an  Bronteus  Ivanensis 
Barr,  der  Stufe  e.^  erinnert,  doch  spitziger  gestaltet  und  etwas  anders 
normal  zur  Achse  gerippt  ist. 

Machaeracanthus  hohemicus  ist  aus  den  Stufen  /j,  f^,  und  g^  be- 
kannt. Doch  mit  Hinsicht  darauf,  daß  er  hier  in  dunkel- 
grauen bis  schwarzen  Kalken  zusammen  mit  einer  ver- 
wandten Bronteus  -Art,  wie  sie  in  ea  vorkommt,  gefunden 
wurde,  daß  ferner  an  anderen  Stellen,  z.  B.  nördlich  der 
Neuen  Mühle,  in  den  Steinbrüchen  Biskup-Kvis-Kotrba  und 
am  linken  Ufer  des  Buto  witz  er  Baches  die  stratigraphische 
Stellung  dieser  Plattenkalke  zwischen  dem  oberen 
kristallinen  Kalke  der  Stufe.  «2  und  den  kristallinen 
Kalken  der  Stufe /2  klar  zu  beobachten  ist,  unterliegt 
es  aus  paläontologischen  und  strati graphischen  Grün- 
den keinem  Zweifel,  daß  im  Prokopitale  in  der  Tat  die 
L  0  c  h  k  0  v  e  r  Kalke  f\  auftrete  n. 


[21]  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  83 

Bisher  wurde  die  Stufe  f^  im  Prokopitale  nicht  an- 
geführt und  erkannt.  Nach  Katzer  (19,  S.  1015)  sollen  die 
Tentaculiteiikalke  /i  zwischen  Tetin  und  Zlichov  —  in  welches 
Gebiet  aucii  das  Prokopital  gehört  —  nur  lokal  in  geringer  Mäch- 
tigkeit auftreten. 

An  der  Prag  —  Kuchelbader  Straße  ist  die  Stufe /^  sehr 
deutlich  entwickelt;  sie  bildet  den  bekannten  B^arran  de-Felsen 
mit  seinen  schönen  Faltungen,  die  neuerdings  eingehend  Po öta  (10) 
beschrieb.  Den  Plattenkalken  sind  hier  schieferige  Zwischenlagen  ein- 
gelagert, die  oft  mit  schönen  Spiegelflächen  bedeckt  sind.  Katzer(lH) 
beschrieb  aus  solchen  tonigen  und  bituminösen  Zwischenlagen  Spon- 
gienreste,  die  daselbst  in  großer  Menge  vorzukommen  pflegen. 

6.  Schichtstafe  f^. 

Die  Schichtstufe  f^  ist  in  unserem  Gebiete  in  verhältnismäßig 
geringer  Mächtigkeit  entwickelt.  Auf  die  dunklen  dünnbankigen  Kalke 
mit  Hornsteinen  der  Stufe  f\  folgen  weiße  bis  graue  und  rötliche 
kristalline  Kalksteine  der  Stufe  f^i  die  allmählich  in  den  unteren 
Horizont  der  Stufe  g^  übergehen.  In  paläontologischer  Hinsicht  sind 
diese  Kalksteine  im  Bereiche  unserer  Karte  ziemlich  arm.  Auf  der 
Anhöhe  „Na  Pozäru"  ist  sie  insbesondere  als  lichter  Crinoi  den- 
kalk  entwickelt. 

Viele  massige  Kalke  des  Prokop  i  tale  s,  die  früher 
als  Konöpruser  Kalke  /a  angesprochen  wurden,  gehören 
der  Stufe  g^  an,  wie  wir  später  sehen  werden. 

Im  Südflügel  treten  die  /a- Kalke  an  der  Prag  — Kuchel- 
bader Straße  als  wenige  Meter  mächtige,  versteinerungsarme,  röt- 
liche und  kristalline  Kalke  auf. 

7.  Schichtstufe  <j^. 

Der  stratigraphischen  Scbichtenfolge  in  der  Stufe  g-^^  wurde  be- 
reits früher  (S.  73)  kurz  Erwähnung  getan.  Ich  konnte  in  dieser 
Stufe  in  unserem  Gebiete  überall  drei  Abteilungen 
unterscheiden.  Zuunterst  liegt  ein  grauer  oder  röt- 
licher Knollen  kalk,  darüber  folgen  massige,  graue  und 
rötliche  Kalke  der  mittleren  Abteilung,  die  öfters  zu 
bedeutender  Mächtigkeit  anschwellen.  Der  Steinbrach- 
betrieb setzt  innerhalb  dieser  Stufe  hauptsächlich  in  diesen  massigen 
Kalken  ein.  Sie  gehen  nach  oben  in  dünn  bankige  Kalke 
der  oberen  Abteilung  über,  die  oft  viel  intensiver  gefaltet 
sind  als  die  vorher  genannten.  Die  Kalke  der  oberen  Abtei- 
lung enthalten  reichlich  Hornsteinknollen  und  -bänke, 
ihnen  ist  auch  eine  an  Korallen,  Bryozoen  und  Crinoiden  reiche 
Schichte  eingelagert.  Pline  zweite  korallenreiche  Schichte  ist  seit 
langer  Zeit  aus  dem  obersten  Teile  der  Stute  g^,  nahe  des  Ueber- 
ganges  in  die  Stufe  g^  auf  dem  Hügel  „Svagerka"  südlich  von 
Zlichov  bekannt. 

11* 


84  Dr.  Josef  Woldfich.  [22] 

Prag  —  Kuchelbader  Straße.  Am  besten  kann  man  die 
eben  beschriebene  Schichteiireihe  der  Stufe  g^  an  der  Prag— Kuch  e  1- 
bader  Straße  verfolgen,  und  zwar  zwischen  dem  Eingange  in  das 
Hergettal  und  dem  Barran  d  e  f  el  sen.  Oberhalb  einer  Kapelle 
sammelte  hier  bereits  vor  mehreren  Jahren  insbesondere  innerhalb 
der  Korallenschicht  Herr  Ing.  C.  Mattus  ein  ziemlich  reichliches 
Fossilienmaterial,  welches  er  mir  übergab.  Nebst  Korallen  und 
Bryozoen  kommen  hier  Fhacop;^,  Acidaspls,  Cyphaspis,  Dalmanitesf, 
Proetus,  Sfropliomoia,  Orthis  u.  a.  vor. 

Die  Herget'schen  Steinbrüthe  erschließen  hauptsächlich  gut 
die  mittlere  Abteilung  der  massigen  Kalksteine,  in  der  hier  zahl- 
reiche Versteinerungen  zu  finden  sind,  wie  Phncops,  Dalmanites, 
Panenka,  Krälovna  usw.  Weiter  im  Liegenden  dieser  Kalke  wurden 
Phacops  cephalotes  Corda,  Dalnianites,  Bronteus,,  Clieiriirusi,  Acidaspis 
monsfrosa  Barr.,  0  r  t  h  o  c  e  r  e  n,  G  y  r  o  c  e  r  e  n,  P  h  r  a  g  m  o  c  e  r  e  n 
Panenka,  Krälovna,  HrrcyneUa  u.  a.  aufgefunden. 

Na  Po^aru  (südöstlich  von  Kepora  bei  Kote  334).  Hier  ist 
die  Stufe  g^  sehr  gut  aufgeschlossen.  Wiiiiicnd  der  untere  Steinbruch 
die  Stufe  «2  entblößt,  wurden  im  oberen  Steinbruche  die  massigen 
grauen  oder  rötlichen  Kalke  der  mittleren  Abteilung  der  Stufe  g^ 
abgebaut.  Auch  die  Liegend-  und  Hangendabteilung  dieser  Stufe  ist 
aufgeschlossen.  Die  auf  dem  Meßtischblatte  1:25  01)0  südöstlich  der 
Kote  334  angeführten  „San  d  stei  n  brüch  e"  sind  alte  Steinbrüche 
in  Kalksteinen  der  Stufe  ^i. 

Steinbrüche  Bisk  up-  K  vis-  K  o  trba.  Der  obere  Steinbruch 
entblößt  gut  den  größten  Teil  der  Stufe  g^.  lieber  rötlichen  Knollen- 
kalken folgen  massige  Kalke,  die  abgebaut  werden ;  über  diesen  sieht 
man  die  dünnbankigen  Kalke  der  oberen  Abteilung.  In  den  beiden 
Steinbrüchen  der  genannten  Firma  kann  man  also  die  Stufen  c^  (teil- 
weise), /,,  /.,  und  g^   beobachten. 

Steinbruch  Barta-Tichy.  Derselbe  schließt,  sich  östlich 
an  die  vorhergenannten  an.  Aufgeschlossen  ist  hier  hauptsiiclilich  die 
mittlere  Abteilung,  deren  graue  und  rötliche  massigen  Kalke  („myd- 
läk")  abgebaut  werden.  Ln  Hangenden  derselben  sind  abermals  gut 
die  dünnbankigen  Kalksteine  der  oberen  Abteilung  zu  sehen;  längs 
einer  Querdi^lokation,  welche  den  Steinbruch  durchsetzt,  kann  man 
beobachten,  wie  die  westliche  Scholle  gegen  die  östliche  abgesunken 
ist,  so  daß  die  obere  Abteilung  der  Stufe  g^  hier  im  Streichen  an 
die  mittlere  Abteilung  angrenzt.  Die  massigen  Kalke  sind  hier  arm 
an  Versteinerungen;  gefunden  wurden  Dalmanites  sp.,  rhacops  sp., 
Acidaspis  monsfrosa  Jiurr.,  Bronteus  sp.,  Krähend. 

0  e  s  1 1 i  c  h  des  Steinbruches  B  a  r  t  a - T  i  c  h  ^  bis  zur 
Neuen  Mühle.  Der  Prokopibach  fiießt  hier  zunächst  wohl  auf 
der  Stufe  /g,  die  im  Taluntergrunde  zu  suclien  ist,  durchquert  dann 
die  Stufe  ry^  und  g<>^  bis  zum  zweiten  V^^ächterhaus.  Die  Stufe  _r/j  ist 
in  dieser  Erstreckung  an  der  Oberfläche  auf  einen  viel  schmäleren 
Streifen  beschränkt  als  weiter  westlich  und  östlich.     Dies  mag  einer- 


r231  I^^s  Prokopital  -südlich  von  Pl•a^^  P5 

seits  dem  steileren  Einfallen,    anderseits   aber  der  geringeren  Mäch- 
tigkeit der  mittleren  Abteilung  der  massigen  Kalke  zuzuschreiben  sein. 

Neue  Mühle  bis  Verwerfung  von  K  1  u  k  o  w  i  t  z.  Hier 
durchfließt  der  Bach  wiederum  die  Stufe  (/^.  Am  linken  Ufer  sind 
mehrere  Steinbrüche  in  den  Stnf<Mi  e.>^  Z^,  /g  und  gi  angelegt.  Die 
steilen  gegen  das  Tal  geneigten  Felswände  im  Steinbruche  nahe  der 
Mitte  der  genannten  Strecke  gehören  wohl  noch  der  unteren  Abtei- 
lung der  Stufe  g^  an.  Von  hier  stammen  zahlreiche,  darunter  auf- 
fallend große  Exemplare  des  Dalmanifes  ?pinifera  Barr.,  ferner  Pha- 
cops  fecundus  Barr.,  vor.  degenei'  Barr.,  Fronfeus  cf.  companifer  Barr., 
Korallen  und  Brac  hi  opod  en. 

Butowitzer  Tal.  Am  linken  Talhange  jenseits  der  Kluko- 
witzer  Verwerfung  ist  die  Stufe  g^  durch  die  Bacherosion  ange- 
schnitten, außerdem  sind  hier  auch  in  der  unteren  und  mittleren 
Abteilung  Steinbrüche  angelegt.  Die  roten  Crinoidenkalke  der  Stufe  f^ 
gehen  hier  allmählich  in  die  roten  und  grauen  Knollenkalke  der 
unteren  Abteilung  der  Stufe  (/j  über.  Darüber  liegen  massige  Kalke, 
in  denen  sich  oben  am  Abhan;.'e  ein  alter  Steinbruch  befindet,  der 
die   Klukowitzer  Verwerfung  schön  aufschließt. 

B  u  1 0  w  i  t  z  e  r  T  a  1  —  S  t.  P  r  o  k  o  p.  In  dieser  ErsLreckung  fließt 
der  Prokopibach  mitten  durch  die  Stufe  g^.  Bei  der  zweiten  Bahn- 
brücke örtlich  der  Mündung  des  Butowitzer  Baches  (nördlich  der 
Kote  ^70)  ist  am  linken  Ufer  selir  schön  die  untere  Korallen- 
schicht der  0  beren  Hör  iz  on  t  e  dieser  Stufe  zu  beobachten. 
Zuerst  machte  auf  dieselbe  Herr  Ingenieur  H  a  n  us  aufmerksam,  dem 
wir  überhaupt  viele  wichtige  Entdeckungen  von  Fossilieufundürtcii 
im  Silurdevongebiete  der  Umgebung  Prags  verdanken.  Nebst  :^,ihl- 
reichen  Kor  a  1  le  n  und  C  r  in  oi  de  n  stielgliederu  findet  man  Uiils  im 
Gesteinsschutt,  teils  noch  eingewachsen  spärliche  Trilobiten  und  Brachio- 
poden,  wie  Phacops  cephdlofex  Cord.,  DidmanHes  spinifcra  Barr ,  Atrypa, 
Spirifer,  Strophomena  u.  a.  Man  kann  diese  charakterisli-clie  Schicht, 
welche  meist  aus  grauen  kristallinen  Kalken  besieht,  auch  von  hier 
weiter  nach  0  gegen  St.  Prokop  und  nach  VV  ge^en  das  Buto- 
witzer Tal  verfolgen.  Außer  den  genannten  \'ersteineruiigen  fand 
ich  noch  Proetus,  Penestella,  Betraja  u.  a. 

Steinbrüche  bei  St.  Prokop  Die  großen  Steinbrüche  sind 
hier  von  S  gegen  N  in  die  Stufe  y^  vertieft,  so  daß  insbesondere  an 
der  östlichen  und  westlichen  Wand  gut  die  Schichtenfolge  zu  beob- 
achten Ist. 

Bei  meinen  Studien  in  diesen  Steinbrüchen  kamen  mir  in  liebens- 
würdiger Weise  Herr  Bergober  Verwalter  Ingenieur  F.  Fiala 
sowie  Herr  Faktor  Lenz  entgegen. 

Auf  der  östlichen  Wand  sind  gleich  unterhalb  der 
Prokopikap  eile  dünnbaukige,  intensiv  gefaltete  Kalke  aufge- 
schlossen, die  sich  scharf  von  den  in  ihrem  Liegenden  befindlichen 
massigen  und  bhiugrauen,  sehr  grobbankigen  Kalke  abheben  (siehe 
Taf.  IV  [IIJ,    Fig.  1).    Mehrmals    dringen    mehr   dünnbankige    Kalke 


86  Dl--  Josef  WoldHch.  r24] 

zwischen  die  groben  Bänke  hinein,  so  daß  lokal  eine  Wechsellagerung 
beider  zustande  kommt,  wie  es  Fig.   1   auf  Taf.  IV  (II)  darstellt. 

Haug  (ZO)  führt  aus  C.  Wimans  Abhandlung  „Ueber  silu- 
rische Korallenriffe  in  Gotland"  ("41)  einen  ähnlichen  Fall 
wie  bei  uns  an.  Ungeschichtete  zoogene  Silurkalke  (Korallenriffkalke) 
gehen  in  der  Streichrichtung  in  dünnbankige  mergelige  Kalke  über; 
beide  greifen  beim  Uebergange  ineinander.  Wohl  handelt  es  sich 
auch  in  unserem  Falle,  wo  die  mittlere  Abteilung  der 
Stufe  (/i  so  stark  zu  fast  un geschichteten  oder  grob- 
bankigen  Kalken  anschwillt,  um  Riffkalke.  Darauf 
dürfte  übrigens  auch  die  vielfach  dolomitische  Be- 
schaffenheit dieser  Riff  kalke  oder  vielmehr  ihre  stra- 
tigraphische  Verbindung  mit  dolomitischen  Kalken, 
wie  sie  so  häufig  bei  Korallenriffen  vorkommt,  hin- 
weisen. Auch  Walther  (22)  S.  280  führt  einen  Durchschnitt  durch 
ein  devonisches  Kalkriff  aus  Michigan  an,  das  sich  aus  geschichteten 
Kalken  inselartig  erhebt. 

Das  Einfallen  der  Schichten  beträgt  im  südlichen  Teile  der 
Steinbrüche  etwa  45°  gegen  S;  gegen  N  sind  die  Schichten  jedoch 
im  allgemeinen  flacher  gelagert;  infolge  dieses  flachen  Einfallens 
(bis  nur  25°)  sind  auch  in  der  ganzen,  über  400  ni  betragenden  N — S- 
Erstreckung  bloß  die  massigen  Kalke  der  mittleren  A^bteilung  der 
Stufe  (/i  sowie  der  unterste  Teil  der  dünnbankigen  Kalke  des  oberen 
Horizontes  aufgeschlossen. 

In  der  Mitte  der  Steinbrüche  ist  im  Vordergrunde  ein  Felsen 
stehen  geblieben,  in  dem  man  massige  bläuliche  Kalke,  die  nach  unten 
knollig  und  dolomitisch  werden,  beobachten  kann;  das  Einfallen  be- 
trägt hier  bis  GC.  Im  Hintergründe  werden  die  bläulichen  massigen 
Saturatiouskalk  e  der  mittleren  Abteilung  der  Stufe  </i  abgebaut. 

Im  nördlichen  oberen  Teile  der  Westwand  der  St.  Prokop- 
steinbrüche  kann  man  folgende  Lagerungsverhältnisse  beobachten. 
Im  Hangendteile  sind  wiedejuui  die  untersten  Schichten  der  oberen 
Abteilung  der  Stufe  ^^  als  dünnbankige  Kalksteine  entwickelt.  Darunter 
folgen  grobbankige,  bläuliche  massige  Kalke,  denen  eine  Bank  eines 
spröden  und  liaiten,  gelblichen  bi.s  rötlichen  oder  grauen,  dolomitischen 
Kalksteins  eingelagert  ist.  Noch  tiefer  findet  man  in  den  massigen 
Kalken  eine  Schichte  eines  lichtgelblichen  Kalksteines 
mit  überaus  zahlreichen  Versteinerungen;  sie  ist  stellen- 
weise gleichsam  aus  lauter  Trilobitenbruchstücken  zusammengesetzt; 
ihr  südliches  Einfallen  beträgt  etwa  35°. 

Man  kann  hier  leicht  Reste  von  Phacops,  Cheirurus,  große  Dal- 
maniten  u.  a.  sammeln;  außerdem  sind  hier  die  Fossilienreste  sehr 
schön  erhalten.  Im  ganzen  wurden  etwa  70,  darunter  wohl  manche 
neue  Arten  aufgefunden,  die  sich  in  den  schönen  Sammlungen  von 
Silur-Devonversteinerungen  aus  der  Umgebung  Prags  des  Herrn  In- 
genieurs II  an  US  befinden.  Derselbe  wurde  auf  diese  Schicht  durch 
den  Faktor  der  S  ch  warzen  b  erg'schen  Steinbrüche  bei  Sankt 
Prokop,  Herrn  Lenz,  aufmerksam  gemacht.  Ich  führe  aus  dieser 
Bank  folgende  charakteristische  Fauna  an : 


[25J 


Das  Prokopital  südlich  von  Prag. 


87 


Bronteus  brevifrons  Barr. 

„         Brongniorti  Barr. 

„         pmtuUitus   Barr. 

^  viator  Barr. 

„         perlongus   Barr. 
Phacops  (•/.  ceplialotes   Cord. 

„         n.sp.  c/.HoenighaimBarr. 
Dahnanites  n.  sp.  cf.  cristata 
Ct/phaspis  Barrandei  Cord. 
Cheirurns  cf.  gihbus  Beyr. 
Acidaspis  cf.  monürosa  Barr. 

„         vesiculosn  (?)  Beyr. 


Acidaspis  Hoernesl  (?)  Begt 
Froetus  bohemicus  Cord. 

„       gracilis  Barr. 

„        neglectus  Barr. 
Cyrtolites  Hanu^i  Fern.  ^) 
Sfrophosfylus  (?)  sp. 
Pleurorhynch  us  sp. 
H  y  0 1  i  t  h  e  n 
Brach iopoden 
C  r  i  n  0  i  d  e  n 
Orthoceren 
Gyroceren. 


Dalmaniies  n.  sp.  cf.  Hoenigshaiisi  Barr,  besitzt  kleine  Augen, 
die  bloß  aus  etwa  25  Facetten  bestehen.  Dalmaniies  n.  sp.  cf.  cristata 
ist  zwar  dieser  Art  ähnlich,  doch  das  Pygidium  flacher,  weniger  spitz 
und  dreieckig;  diese  ungewöhnlich  große  Dalmanitenart  besitzt  sehr 
schön  erhaltene  große  Augen.  Bei  der  Art  Cheirurus  cf.  gibbus  ist 
das  Pygidium  etwas  abweichend  von  der  normalen  Form.  Die  Gastro- 
poden  sind  sehr  zahlreich  und  gehören  vielfach  zu  neuen  Arten; 
Strophostylus  (?)  weist  noch  Farbenzeicjmungen  auf.  Spärlicher  sind  die 
Lamellibranchiatcn  vertreten,  am  zahlreichsten  ist  noch  die 
Gattung  Pleurorhynchus. 

Im  südlichen  Teile  der  Westwand  der  St.  Prokopsteinbrüche 
sieht  man  vor  der  Restauration  abermals  bläulichen,  massigen  Kalk- 
stein dünnbankigen  Kalken  eingelagert,  also  ähnlich  wie  es  bei  der 
Ostwand  erwähnt  wurde.  Auf  den  Schichtflächen  der  dünnbankigen 
Kalke  sind  Reste  von  Phacops,  Dalmanites,  Orthoceras,  Crinoiden- 
stielglieder  und  Tentaculiten  zu  beobachten.  Die  Streich- 
richtung ist  jedoch  hier  abnormal  fast  N — S  mit  einem  Einfallen 
von  etwa  30°  nach  W;  dies  ist  die  Folge  eines  gegen  SW  einfallenden 
Querbruches  (siehe  die  geolog  Karte  Tafel  VI  [IVJ),  welcher  die 
westliche  Wand  der  Steinbrüche  durchsetzt  und  in  dessen  Nähe  die 
Kalksteine  gefaltet  sind.  Intensiv  gefaltet  sind  auch  die  Kalke  der 
oberen  Abteilung  der  Stufe  g^,  welche  weiter  östlich  von  St.  Prokop 
folgen. 

Oestlich  der  Prokopikapelle  bis  Zlichov.  In  diesef 
Erstreckung  findet  man  hauptsächlich  die  obere  und  mittlere  Abtei- 
lung der  Stufe  g^  durch  kleinere  Steinbrüche  und  Schluchten  ent- 
blößt. Die  obersten  Schichten  pflegen  sehr  steil  bis  auf  den  Kopf 
gestellt  oder  sogar  überkippt  und  gefaltet  zu  sein ;  ins  Liegende  nimmt 
der  Einfallswinkel  allmählich  ab.  Auch  hier  läßt  sich  die  an  Korallen, 
Bryozoen,  Crinoiden  und  Brachiopoden  reiche  Schicht  des 
oberen  Horizontes  der  Stufe  g^  verfolgen.  Die  reiche  Korallenfauna 
dieses  Horizontes  bedarf  noch  eines  eingehenden  Studiums;  Herr 
Ing.   11  an  US  sammelte  bereits  ein  reichliches  Material. 


*)  Eine  noch  nicht  beschriebene,  doch  von  Dr.  Ferner  unter  diesem  Namen 
im  Barrandeum  des  böhm.  Landesmuseums  ausgestellte  Art. 


88  Dr.  Josef  Woldfich  [26] 

In  einem  alten  Steinbruche  nördlicli  der  Ortschaft  Hlubocep 
im  Liegenden  der  liier  versteinerungsreichen  Stufe  g2  wurden  in  der 
oberen  Abteilung  der  Stufe  (j^  folgende  Versteinerungen  aufgefunden: 

Machaeracanthus  (Ctenacanthus)  bohemiciis  Barr. 
Phacops  fecuridus  var.  degerter.   Barr. 

„        Sfernhergi.    Cord. 
Cheirurus  iStertd)ergi  Boeck  sp. 
Dahnanitcs  (Odonfochile)  Ildiismanrii  Brongn. 
Fleurorhpnchtis  sy;. 
Loxonenia  sp. 
Sfyliola  clavidus  Barr. 
Spirifer  sp. 
Merista  ^p. 
Koralle. 

Südlich  vonZlichov  befindet  sich  unweit  des  Bahneinschnittes 
der  P r  a  g — D  u  x  e  r  Bahn  in  dem  S  v  a  g  e  r  k  a  h  ü  g  e  1  eine  Korallen- 
bank, welche  mit  Facorif.es  bohemiciis  Barr,  erfüllt  ist  und  den 
0  b  e  r  s  t  e  n  S  c  h  i  c  h  t  e  n  der  S  t  u  f  e  «^^j  a  n  g  e  h  ö  r  t.  Außerdem  lassen 
sich  hier  noch  zahlreiche  andere  Korallen  sammeln;  nebstdem 
kommen  Phacops,  Proefus,  Orthoceras.^  Sfyliola  u.  a.  vor.  Pocta  (4) 
führt  von  dieser  Stelle  noch  Phacops^ Sfernhergi  Cord.,  Machaeracanthus 
nnd  Cocr.osfi'us  Friri  Barr.  an.  Die  Bustehrader  Bahn  (Prag — 
Hostiwitz),  welche  oberhalb  Zlichov  die  gefaltete  Stufe  g^  durch- 
quert, bietet  in  dieser  gleichfalls  sehr  schöne  Aufschlüsse. 

Zlichov.  In  dieser  Ortschaft  erhebt  sich  die  Stufe  g^  hügel- 
förmig;  auf  ihr  ruht  die  Zlichover  Kirche.  Zuerst  hat  hier 
Lieb  US  (5)  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  hier  eine  Ueber- 
schiebung  von  Kalken  der  Stufe  /.j  über  die  jüngeren  (/j- Kalke 
vorliegt,  welche  unterhalb  der  Kirche  sehr  gut  aufgeschlossen  ist. 
Gleicher  Ansicht  ist  Wähn  er  (9),  in  dessen  Arbeit  ein  vortreffliches 
Bild  (lieser  tektonisch  gestörten  Partie  vorliegt.  Beide  halten  mit 
K  r  e  j  c  i  -  H  e  1  m  h  a  c  k  e  r  (25)  den  massigen  Kalk  für  f.^.  Ich  halte 
es  f  ü r  w a h r s c h  e i  n  1  i  c  li  e r,  d  a ß  e s  s i  c  h  h  i  e r  u  m  e  i  n  e  U  e b  e r- 
schiebung  von  kleinerem  Ausmaße  handelt,  daß  di.e 
ftiassigen  Kalksteine  des  mittleren  Horizontes  der 
S  t  u  f  e  j7i  über  die  d  ü  n  n  b  a  n  k  i  g  e  n,  h  o  r  n  s  t  e  i  n  r  e  i  c  h  e  n  Kalke 
derselben  Stufe  ü  b  e  r  s  c  h  o  b  e  n  sind. 

Das  Verhäl  tnis  der  Stufe /2  zur  Stufe  ^j  ist  in  unserem 
Gebiete  ziemlich  ilar.  Die  grauen  und  rötlichen,  meist  kristallinen 
Kalke  der  Stufe  /g  (==  Kayser- Ho  Izapf  eis  Kongpruser  und 
Möiianer  Kalke)  gehen  allmählich  in  die  unteren  knolligen  Kalke 
der  Stufe  g^  über.  Im  Devongebiete  südwestlich  der  Beraun  soll 
nach  Seemann  (24)  die  Stufe  g^  im  unteren  Teile  aus  roten  und 
grauen,  im  oberen  aus  schwarzen  Knollenkalken  (letztere  häufig  mit 
Ilornsteinen)  bestehen.  Sollte  hier  wirklich  der  bei  uns  häufig  so 
mächtig  entwickelte  mittlere  Horizont  der  Riff"Kalke  dieser  Stufe 
fehlen V  Bloß  in  der  Schlucht  bei  Tetin  (24,  S.  94)  soll  eine  versteine- 


[■271  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  89 

rungslose  Einlagerung  von  hellgrauem  Riffkalke  im  schwarzen  Knollen- 
kalke gi  vorkommen. 

Ich  mache  hier  nochmals  darauf  aufmerksam,  daß 
die  grauen  bis  rötlichen  Kalksteine  unseres  mittleren 
Horizontes  der  Stufe  f/i  vielfach  (z.  B.  bei  St  Prokop) 
zur  Stufe  /a  gerechnet  wurden.  Ich  glaube  auch,  daß 
oft  die  rötliche  Farbe  oder  die  kristalline  P)  esc  h  äffe  n- 
heit  mancher  Kalke  unseres  Sil ur-Devongebietes  dazu 
verleitete,  dieselben  als/g  aufzufassen.  Doch  kenne  ich 
rötliche  und  kristalline  Kalke  aus  den  Stufen  621/2»  9i 
und  gs.  Es  ist  also  nötig,  die  Tektonik  und  Stratigraphie  solcher 
Lokalitäten  genau  zu  verfolgen,  um  das  Aller  der  betreffenden  Kalke 
festzustellen.  Mit  Recht  wies  Katzer  (19,  S.  1029)  darauf  hin,  „daß 
es  noch  weiterer  Terrainstudien  erfordert,  ob  auch  wirklich  alle  Kalk- 
steine der  Erstreckung  von  Hostim  und  St.  Ivan  bis  Ho  chüj  e  z  d, 
Prokopital  —  Zlichov,  welche  bislang  der  B a r r a n d e sehen  Stufe 
/a  zugezählt  wurden,  dieser  Stufe  J)h  {=  f^)  angehören  oder  nicht 
vielmehr,  wie  es  den  Anschein  hat,  zum  Teil  dem  unteren  Knollen- 
kalke Dc{=  gi)  anzureihen  sind."  K  rej  ci- He  Imhacker  (23)  wiesen 
auch  auf  den  Uebergang  der  Kalke  /g  in  die  Knollenkalke  g^  hin,  die 
stellenweise  in  ihre  Knollen  an  der  Oberfläche  zerfallen. 

Kalkspatadern  und  -Drusen  erfüllen  die  zahlreichen  Klüfte  der 
Stufe  ^1 ;  manchmal  ist  ihnen  auch  Kohlensubstanz  beigemengt,  wie 
östlich  der  Muslovka,  bei  St    Prokop  usw. 

Nach  Abschluß  meiner  Arbeit  erhielt  ich  eine  Publikation  des 
Herrn  Dr.  Kettner  (24a),  welche  sich  mit  der  Stratigraphie  der 
Stufe  gi  in  der  Umgebung  Prags  befaßt.  Dieselbe  reicht  in  dieser 
Hinsicht  auch  in  das  von  mir  angekündigte  Gebiet  hinein.  Unter 
anderem  will  ich  vorläufig  nur  feststellen,  daß  Kettner  im  ganzen  zu 
einer  ähnlichen  stratigraphischen  Einteilung  der  Stufe  g^  gelangte 
wie  ich.  Er  unterscheidet  5  Abteilungen,  und  zwar  von  unten  nach 
oben :  graue  oder  rote  Knollenkalke  (=  unser  unterer  Horizont), 
massige  Knollenkalke  (=  unser  mittlerer  Horizont),  ferner  dichte, 
oft  gefaltete  Plattenkalke,  ein  Korallenriff,  Knollenkalke  loit  Horn- 
steinen,  bankige  Kalke  ohne  Hornstein  und  stellenweise  eii  oberes 
Korallenriff  (=  unser  oberer  Horizont).  Die  massigen  Kalke  der 
Prokopisteinbrüche  spricht  er  gleich  mir  als  g^  an  unter  Hinweis  auf 
Wimans  Arbeit.  Das  untere  Korallenriff"  hält  er  für  einen  Leit- 
horizont in  der  Umgebung  Prags.  Auch  wurde  von  ihm  die  Kluko- 
witzer  Verwerfung  und  die  im  ButowitzerTale  entstehende 
Stufe  fi  erkannt. 

8.  Schichtstufe  grg. 

Die  Stufe  ^1  geht  allmählich  in  die  Stufe  g.^  über,  durch  Auf- 
treten von  Kalkknollen  anstatt  der  zusammenhängenden  Kalkbänke 
und  von  Schieferlagen.  Man  kann  dies  Jast  überall,  zum  Beispiel  im 
Hangenden  der  Korallenschicht  des  Svagerkahügels,  nördlich 
von  Hluboöep  und  westlich  davon,  ferner  im  westlichsten,  zutage 
tretenden  Ausläufer  unserer  Zone  g^  beobachten.  Ueber  dieser  Ueber- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  ßeichsanstaU,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.)         12 


90 


Dr.  Josef  Woldfich. 


[28] 


gangszone  folgen  graue  bis  graugrünliche  Schiefer  mit  Sandsteinbänken. 
Beim  Uebergange  in  die  Stufe  (/g  stellen  sich  wiederum  Kalk- 
knollen und  Kalksteinbänke  ein,  die  grauen  und  roten,  kalkigen 
Schiefern  eingelagert  sind. 

Einer  der  reichsten  Fossilienfundorte  der  Stufe  92  findet  sich 
unmittelbar  bei  den  nördlichsten  Häusern  von  Hluboöep  unterhalb 
der  BuStöh rader  Bahnstrecke.  Von  den  zirka  65  Arten, 
welche  Herr  Ing.  Hanns  hier  sammelte,  führe  ich  folgende  an: 


Phacops  fecundus    var.    superste^ 

Barr. 
Phacops  superstes  Barr. 
Plumulites ! 
Goniatites    (Aphyllites)    fecundus 

Barr.  u.  a. 
Orthoceras  sp. 
Orthotheca  novella  Nov. 
Tentaculites  elegans  Barr. 
iStyliola  striatula  Nov. 
Styliola  clavidus  Barr. 
Chonorotyle  annulata 


Cardium  cunctatwn  Barr. 
Lunulicardium   marginatum   Barr. 
Avicula  insidiosa  Barr. 
Atrypa  obovata   Soir. 
Chonef.es  novella  Barr. 
Strophoniena   quadrata 
Alleynia  (Nicholsonia)  bohemica 
Petraia  enigma  Poe. 
Crinoidenstielglieder 
Gastropoden,   selten,   schlecht 

erhalten 
Naticella. 


Auch  anderswo  kann  man  in  dieser  Stufe  Versteinerungen  auf- 
finden, so  zum  Beispiel  im  Hangenden  der  Korallenbank  des  S  v  a- 
gerkahügels,  knapp  westlich  von  Klubocep  und  oberhalb  (nördlich) 
des  Seh  w  arzenb er g sehen  Kalkofens,  ferner  in  der  Schlucht,  die 
vom  Hergettale  gegen  SW  führt. 


9.  Schichtstufe  g^. 

Auch  in  dieserStufe  kann  man  so  wie  in  der  Stufe  ^, 
vom  petrographischen  Standpunkte  drei  Abteilungen 
unterscheiden.  Die  untere  besteht  aus  dichten,  bankigen 
Knollen  kalken,  hierauf  folgen  grobbankige  Kalke,  die 
hauptsächlich  abgebaut  werden;  die  obere  Abteilung 
ist  aus  dünnbankigen,  gewöhnlich  stark  gefalteten, 
dunklen  Kalken  mit  Hornsteinknollen  und  -bänken  und 
Schieferlagen  zusammengesetzt;  sie  erinnert  sehr  an  den 
oberen  Horizont  der  Stufe  g^.  Neuerdings  hat  Wähn  er  (9,  S.  35) 
vorgeschlagen,  die  Stufe  ga  in  die  Unterabteilungen  zu  teilen  und 
diese  in  der  bei  anderen  Stufen  üblichen  Weise  durch  Hinzufügung 
griechischer  Buchstaben  {g^  «,  ß,  y)  zu  bezeichnen.  Nach  Wähner 
kommen  in  der  oberen  Abteilung  dieser  Stufe  Radiolarienhornsteine 
vor,  die  oft  bis  in  die  tiefsten  Schichten  der  Stufe  H  reichen  sollen. 

Die  von  Barrande  aus  der  Stufe  ^3  des  Hluboöe  per  (Pro- 
kopi-)Tales  angeführten  Versteinerungen  stammen  wohl  fast  aus- 
schließlich aus  der  mittleren  Abteilung,  die  seinerzeit  hier  abgebaut 
wurde.  Man  trifft  in  den  verlassenen  Steinbrüchen  fast  immer  dieselbe 
Situation  an.  Der  mittlere  Teil  der  Stufe  ist  abgebaut,  im  Hangenden 
desselben  blieben  die  dünnbankigen,  oft  stark  dislozierten  Kalke  mit 


r29]  Das  JProkopital^  südlich  von  Prag.  91 

Phacops  fecundiis  var.  degener.  u.  a.  stehen.  Die  Liegendwand  der 
Steinbrüche  weist  gewöhnlich  zahlreiche  Goniatiten,  Ortho- 
ceraten, Crinoiden  auf  den  Schichtflächen  auf  und  gehört  bereits 
der  unteren  Abteilung  der  Stufe  g^  an. 

Insbesondere  die  Hergetschen  ehemaligen  Steinbrüche  oberhalb 
der  Ortschaft  H 1  u  b  o  c  e  p  boten  zu  ß  a  r  r  a  n  d  e  s  Zeiten  ein  reichliches 
Fossilienmaterial.  Bis  heute  kann  man  da  noch  an  den  Liegendwäuden 
der  verlassenen  Steinbrüche  sowie  im  übriggebliebeneu  Schotter  zahl- 
reiche Versteinerungen,  wie  Goniatiten,  Orthoceren,  Phragmo- 
ceren,  große  Lamellibranchiaten  u.  a.  finden. 

In  neuester  Zeit  (seit  1905)  wurde  von  Herrn  Ing.  Hanus  die 
mittlere  Abteilung  der  Stufe  g^  in  den  Wild  mann  sehen  Stein- 
brüchen, welche  jetzt  der  böhmischen  Industrialbank  ge- 
hören, paläontologisch  ausgebeutet.  Sie  befinden  sich  nordwestlich  von 
Hol  in,  unweit  der  Neuen  Mühle  und  eines  Wächterhauses.  Unter 
anderen  fanden  sich  hier: 

Phacops  fecundus  var.  major  Barr.  Hercoceras  mirum  Barr. 

Proetus  sp.  Gyroceras 

Brovteus  cf.  Aliy^anopeltis  (?)  Barr.  Cyrtoceras 

Goniatites  (Anarcestes)  plebeius  Barr.  Phragmoceras 

Gonidtites    (AphylJites)   fecundus  Orthoceras  pastinaca  Barr.  \i.  a. 

Barr.  Panenka 

Goniatites  bohemiciis  Krdlovna 

Goniatites  ambigena  Sestra. 

Im  alten  Steinbruche  beim  Viadukte  der  Bustöhrader  Bahn, 
westlich  von  Hluboßep,  wo  seinerzeit  so  reichlich  Hercoceras,  Phacops 
fecundus  var.  major  Barr.,  Panenka  u.  a.  gefunden  wurden,  wird  in 
allerletzter  Zeit  wiederum  Stein  gebrochen;  und  zwar  werden  die 
dünn  bankigen  Kalksteine  der  oberen  Abteilung  der 
Stufe  ^3  zu  Schotter  verarbeitet,  wobei  eine  für  diesen 
Horizont  charakteristische  Fauna  gewonnen  wurde, 
welche  von  der  Fauna  des  mittleren  und  unteren  Hori- 
zontes wesentlich  abweicht.  Vorläufig  gebe  ich  fol- 
gendes Verzeichnis  der  wichtigsten  Typen: 

Phacops    fecundus     var.     degener  Strophomena  sp.  s 

Ba7'r.  h  ^)  Tentaculites  sp.  s 

Uarpes  tramiens  Barr,  s  Orthoceras  sp.  s 

Proetus  complanatus  (?)  Barr,  s  Goniatitfs  (Anarcestes)  cf.  plebeius 
Atrypa  n.  sp.  (sehr  variabel)  h  Barr,  s 

Spirifer  indifferens  Barr,  s  Panenka  sp.  s 

Merista  passer  (?)  Barr,  s  Lingnla  lingua  Barr,  s 

Discina  tarda  Barr,  s  Crinoiden. 

In  diesen  oberen  Kalken  der  Stufe  g^,  welche  man 
wegen  des  vorherrschenden  und  überaus  häufigen  Phacops 
fecundus    geradezu     als    P/*aco/;s  -  Kalke    bezeichnen    kann, 

^j  h  =  häufig,  s  =  selten. 

12* 


92 


Dr.  Josef  Woldfich. 


[30] 


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Das  Prokopital  «üdlich  von  Prag. 


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94  l>r-  Josef  VVoldfich.  [32] 

treten  also  meist  Arten  auf,  die  Barrande  aus  g^  nicht 
bekannt  waren,  obwohl  er  viele  von  ihnen  aus  der  Stufe /g  oder 
(/i  anführt. 

Außer  den  bereits  genannten  zwei  Steinbrüchen  wird  heute  in 
der  Stufe  g^  unseres  Gebietes  nur  noch  im  Hergetschen  Parke 
(Südflügel  der  Synklinale  bei  Kote  232)  gebrochen.  Auch  hier  wurde 
insbesondere  in  früheren  Z  e  iten  eine  reiche  Fauna  in  der  mittleren 
Abteilung  vorgefunden.  Aus  diesem  Steinbruche  stammt  auch  die 
schöne ,  50  kg  '  schwere  Kolonie  der  Stromatoporide  Clathrodidyon 
darum  Pocta^  welche  von  Ing.  Hanns  dem  böhmisclien  Landesmuseum 
geschenkt  und  von  Pocta  (25)  eingehend  beschrieben  wurde. 

10.  Schichtstufe  H. 

Fossilienfundorte  findet  man  in  dieser  Stufe  innerhalb  unseres 
Gebietes  insbesondere  südlich  von  Hlubocep,  nahe  dem  Viadukte, 
wo  sich  die  BustShrader  und  Prag-Duxer  Bahn  kreuzen.  Sehr 
häufig  sind  hier  schöne  H  o  s  t  i  n  e  1 1  e  n,  seltener  kommen  auch 
Crinoiden  und  andere  vor.  Auch  bei  Holin  sind  in  dieser  Stufe 
Hostin  eilen  zu  finden. 

Vorstehendes  schematis  ch es  Profil  (Fig.  1)  möge  zur 
Erläuterung  der  Stratigraphie  unseres  Silur-Devon- 
gebietes beitrag  e  n. 


IV.  Die  Tektonik  unseres  Gebietes. 

1.  Streichen  und  Fallen  der  Schichten. 

Unsere  Silur  -  Devonschichten  streichen  im  allgemeinen 
SW — NO  bis  W — 0;  Abweichungen  hiervon  findet  man  bloß  in  der 
Nähe  mancher  Querdislokationen  und  im  östlichsten  Teile  unseres 
Gebietes.  So  streichen  zum  Beispiel  die  Diabastuffe  und  die  Kalk- 
steine der  Stufe  ^2  ^'Gstlich  der  Kluko witzer  Verwerfung  NW — SO 
und  fallen  gegen  SW  ein.  An  der  Querdislokation,  welche  die  Prokop- 
steinbrüche  durchsetzt,  findet  man  Schichten  der  Stufe  g^  mit  N — S- 
Streichen  und  westlichem  Einfallen.  Im  östlichsten  Teile  des 
kartierten  Gebietes  geht  das  Streichen  der  Schichten  allmählich  aus 
der  W— 0-Richtung  in  die  NW  — SO-  bis  fast  N  — S-Richtung  über, 
wie  man  dies  insbesondere  deutlich  an  den  Schiefern  der  Stufe  gfg 
beim  S  vagerkah  ügel  und  im  Kalksteinbruche  der  Stufe  g^  unter- 
halb des  Kreuzes  westlich  von  Hluboßep  beobachten  kann.  Man 
befindet  sich  hier  bei  einem  Muldenschlusse,  dessen 
nördlicher  Flügel  längs  des  Prokopitales  verläuft, 
während  der  Südflügel  gegen  SW  (Hergettal,  Barrand  e- 
Felsen  usw.)  streicht.  Das  Umbiegender  Schichten  in 
der  Streichrichtung,  ganz  besonders  der  Hluboöeper 
Kalke  g^,  nahe  am  Muldenschlusse  kann  man  gut  vom 
2vaho\f eisen  oberhalb  von  Hluboöep  oder  vom  Bahn- 
viadukte   nördlich    von    dieser   Ortschaft   beobachten. 


[33]  I^as  Prokopital  aOdlich  von  Prag.  95 

Allerdings  liegt  hier  keine  einfache  Mulde  vor,  da  einzelne  Stufen 
beider  Flügel  wiederum  oft  recht  kompliziert  gefaltet  und  dis- 
loziert sind. 

Das  Einfallen  der  S  chi  c  h  t  s  tuf  en  ist,  soweit  sie  nicht 
selbst  wiederum  besonders  gefaltet  sind,  entsprechend  dem  im  ganzen 
Synklinalen  Baue  bei  Hlubocep  und  im  Verlaufe  des  Prokopitales 
vorwiegend  ein  südöstliches  bis  südliches,  im  Südflügel  ein 
nordwestliches  bis  nördliches.  Die  Größe  des  Einfallwinkels 
ist  sehr  verschieden ;  meist  beträgt  er  etwa  45 — 60°.  Man  beobachtet 
aber  öfters  auch  eine  recht  flache  Lagerung  der  Schichten,  so  fallen 
im  westlichsten  Teile  unseres  Gebietes  die  Schichten  des  südlichen 
r/5-Streifens,  welcher  den  mittleren  Cj-Streifen  überlagert,  etwa 
nur  20—30°  gegen  S  ein.  Im  Ge gensatze  hierzu  pflegen 
östlich  der  Prokopisteinbrüche  bis  Hluboöep  die 
Schichten  der  Stufen  g^  nud  g^-^  teilweise  auch  (/^  sehr 
steil  aufgerichtet,  auf  den  Kopf  gestellt,  ja  stellen- 
weise sogar  gegen  S  etwas  überkippt  zu  sein.  Auf  diese 
Weise  entsteht  inmitten  der  großen  Synklinale  eine 
gleichsam  fächerförmige  Lagerung,  wie  bereits  Wähn  er 
(9)  darauf  hingewiesen  hatte. 

2.  Faltung  und  Profil  IV— V. 

(Siehe  Tafel  V  [III]). 

Neben  dem  im  großen  und  ganzen  Synklinalen  Bau  unseres 
Silur-Devongebietes  findet  man  innerhalb  einzelner  Schichtstufen 
noch  besondere  Faltung  vor.  lieber  die  Faltung  im  Bereiche  der  eir- 
und ßj-Stufe  wird  weiter  unten  berichtet  werden.  Von  den  Silur- 
Devonschichten  sind  insbesondere  dünnbankige 
Schichtserien  und  die  Schiefer  der  Stufe  jf/  zur  Faltung 
prädisponiert  gewesen  und  von  dieser  betroffen  worden.  So 
pflegen  die  Schichten  der  Stufe  g^^  zum  Beispiel  auf  dem  Dlvcl 
Hrady  (Mädchenburg)  oberhalb  Zlichov  intensiv  gefaltet  zu  sein. 
Insbesondere  ist  dies  bei  den  dünnbankigen  Kalken  der  oberen  Ab- 
teilung der  Stufe  g^  im  Hangenden  der  aus  massigen  Kalken  be- » 
stehenden  mittleren  Abteilung  der  Fall ;  man  kann  ihre  Faltung 
besonders  gut  an  der  Ostwand  der  Prokopi-Steinbrüche  (siehe 
Tafel  IV  (II),  Fig.  1)  und  weiter  östlich  davon  beobachten.  Aehnlich 
pflegen  die  dünnbankigen  Kalke  der  oberen  Abteilung  der  Stufe  g^ 
stark  gefaltet  zu  sein,  wie  gleichfalls  Wähn  er  bereits  (9,  S.  35) 
darauf  hinwies.  Man  kann  dies  leicht  südwestlich  der  Neuen  Mühle, 
oberhalb  des  rechten  Bachufers,  dann  südöstlich  von  den  Prokopi- 
Steinbrüchen  am  rechten  Ufer  bei  Kote  266,  ferner  am  linken 
Ufer  vom  Schwarze  nb  er  gschen  Kalkofen  bis  gegen  Hlubocep 
verfolgen ;  insbesondere  bei  Kote  294  tritt  im  Hangenden  der  massigen 
Kalke  der  mittleren  Abteilung  die  Stufe  g^  deutlich  hervor.  Es  kam 
also  oft  innerhalb  der  Stufe  g^  und  r/g  zu  diskordanter 
Faltung,  von  welcher  die  obere  Abteilung  dieser  Stufen 
betroffen  wurde,  während  die  dickbankigen  Kalke  in 
ihrem  Liegenden  von  ihr  mehr  verschont  blieben. 


96  Dr.  Josef  Woldfich  1 34] 

Profil  IV.  Das  Profil  beginnt  nördlich  des  Schwarze  n- 
b er gschen  Kalkofens  im  Prokopitale  mit  der  mittleren  Abteilung 
der  Stufe  g^ ;  darauf  folgen  die  gefalteten,  steil  aufgerichteten,  dünn- 
bankigen  Kalke  der  oberen  Abteilung  dieser  Stufe,  welche  allmählich 
in  die  Stufe  (j-^  übergehen.  Die  obersten  Schichten  der  Stufe  <72  sowie 
die  untersten  Schichten  grg  sind  auf  den  Kopf  gestellt,  bis  etwas  gegen 
Süden  überkippt.  Die  mittlere  Abteilung  der  Stufe  g^  ist  abgebaut,  die 
Kalke  der  oberen  Abteilung  sind  diskordant  zu  ihrem  Liegenden  gefaltet. 
Darauf  folgen  die  jüngsten  Schichten  unseres  mittelböhmischen  Devons, 
die  Stufe  //,  welche  vielfach  gefaltet  und  von  kleineren  Längsbrüchen 
durchsetzt  sind.  Der  dem  Südflügel  entsprechende  Teil  der  Stufe  Ä"ist 
von  Ehiviallehm  bedeckt,  während  in  seinem  Liegenden  die  Kalke  der 
Stufe  ^3  und  die  Tentaculitenschiefer  der  Stufe  go  deutlich  zutage  treten. 

Profil  V.  Dasselbe  beginnt  östlich  von  Profil  IV  und  durch- 
quert die  Stufe  (^i  der  DfvßfUrady  (Mädchenburg),  dann  die  Stufe  g,^, 
die  im  Eisenbahneinschnitte  der  Bustöh  rader  Bahn  gut  auf- 
geschlossen ist,  ferner  die  Kalke  der  Stufe  g^^  die  bei  der  Ortschaft 
Hluboßep  hier  eine  große  Falte  aufweisen,  welche  gegen  Osten 
jedoch  verschwindet.  Dann  folgen  die  Synklinale  der  Stufe  H  und  im 
Liegenden  ihres  Südflügels  wiederum  die  Kalke  g-^,  die  im  H  e  r  g  e  t  sehen 
Parke  gebrochen  werden.  Das  nun  folgende  Hergettal  ist  in  den 
weichen  Schiefern  der  Stufe  g.^,  vertieft;  auf  seinem  südlichen  Ge- 
hänge erheben  sich  die  hier  gleichfalls  im  Abbau  sich  befindlichen 
Kalke  der  Stufe  g^^.  In  ihrem  Liegenden  findet  man  eine  mehrere 
Meter  mächtige  Bank  eines  rötlichen  kristallinen  Kalkes,  welcher  der 
Stufe  /g  angehört.  Nahe  der  Grenze  zwischen  /g  und  g-^  verläuft  ein 
kleiner  Querbruch.  Darunter  liegen  schließlich  die  Plattenkalke  mit 
Schieferlagen  und  Hornsteinen  der  Stufe  /j,  die  den  durch  seine 
intensive  Faltung  bekannten  Barrande f eisen  (mit  der  Gedenktafel 
Barrandes)  bilden.  Die  Prag-Kuchelbader  Straße  schließt  die 
Stufen  /i  bis  ^^  sehr  schön  auf. 

3.   Längsdislokationen,   Profil   1— lll   und  Tektonik  der  so- 
genannten Kolonien  in  unserem  Gebiete. 

(Siebe  Tafel  V  [IIIJ). 

Profil  I.  Dasselbe  durchquert  den  westlichen  Teil  des  von 
uns  kartierten  Gebietes.  Zuunterst  liegen  die  Schichten  der  Stufe  d^ 
(=  nördlicher  (/g- Streifen),  welche  im  unteren  Teile  durch  Schiefer 
(teilweise  vielleicht  schon  d^)^  im  oberen  Teile  hauptsächlich  durch 
quarzitische  Sandsteine  vertreten  sind.  Diesen  Schichten  sind  4  Diabas- 
lagergänge eingelagert.  Es  folgen  nun  die  nächst  jüngeren  Schichten 
der  Stufe  «1  (=^  nördlicher  ßj-Streifen,  Barrandes  „Colonie 
d'Archi  ac"),  in  denen  man  gut  die  drei  Graptolitenhorizonte  fest- 
stellen kann;  innerhalb  dieser  Stufe  sind  zwei  Diabasdecken.  Im 
oberen  Teile  treten  Kalksphäroide  und  -bänke  auf;  die  obersten 
Schichten  mit  Monograptus  colonus  sind  stark  disloziert.  Im  Hinter- 
gründe eines  Hauses  der  nördlichsten  Häuserreihe  von  R  e  p  0  r  a 
sind    diese    Schichten   in    einer   Grube   gut   aufgeschlossen;    sie   sind 


r35l  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  97 

völlig  verruschelt  und  enthalten  Kalkbänke  und  kopfgroße,  ja  noch 
größere  Kalksphäroide.  Die  Grube  entblößt  eine  Stelle,  welche  die 
von  mir  als  eine  Falten  Überschiebung;  aufgefaßte  Längs- 
dislokation durchläuft.  Dieser  ist  die  Aufschiebung  der  nun  im 
Hangenden  der  Stufe  e^  folgenden  älteren  Schichten  der  Stufe 
d^  zuzuschreiben.  Letztere  beginnen  mit  einer  dislozierten  Diabasdecke 
und  bestehen  im  unteren  Teile  aus  Schiefern  und  Diabastuffen,  im 
oberen  Teile  vorwiegend  aus  Sandsteinen  und  einem  mächtigen  Diabas- 
lagergang. Darüber  folgen  in  normaler  Lagerung  abermals  Schichten 
der  Stufe  e^  mit  eingelagerten  Diabastuffen  und  -strömen,  ferner  die 
Stufen  «2~.'7ii  teilweise  von  tertiären  Schottern  und  Sauden  verdeckt. 
Die  ebenerwälmte  Ueberschiebung  verläuft  nicht  geradlinig, 
wie  aus  der  Karte  zu  ersehen  ist;  sie  ist  zunächst  an  die  Grenze 
einer  Diabasdecke  und  der  obersten  Schichten  der  Stufe  e^  gebunden, 
biegt  dann  gegen  N  um  und  nimmt  weiter  wiederum  N — 0-Richtung 
an,  um  die  Grenze  zwischen  der  Stufe  e^  und  den  überschobenen 
Schichten  der  Stufe  d^  (bzw.  des  oberen  d^)  zu  bilden. 

Profil  II  verläuft  etwas  östlich  von  dem  vorhergehenden  Profile. 
Man  trifft  hier  zunächst  dieselbe  Situation  wie  in  diesem  an ;  aber- 
mals sind  die  älteren  r/g-Schichten  des  mittleren  c?5- Streifens 
über  die  Stufe  ßj  (=  nördlicher  «fStreif en),  deren  Mächtigkeit 
jedoch  bedeutend  abgenommen  hat,  überschoben.  Im  Hangenden 
des  mittleren  r/g-Streifens  folgen  nun  Graptolitenschiefer  der  Stufe  e^ 
(=  mittlerer  e^-Streifen,  Bar  ran  des  „Zweite  Kolonie  bei 
Repora"),  die  jedoch  abermals  von  der  älteren  r/g-Stufe  (==  süd- 
licher c^5-Streif en)  überlagert  werden.  Im  Hangenden  letzterer 
liegen  dann  normal  die  Schichten  des   südlichen   e^ -Streifens. 

Zweimal  findet  man  also  hier  die  Graptoliten- 
schiefer e^  konkordant  den  älteren  cfg-Schich ten  einge- 
lagert. Die  nördliche  Einlagerung  ist  ohne  Zweifel 
derselben  Ursache  zuzuschreiben  wie  im  Profil  I;  die 
südliche,  zweite  Einlagerung  (Barrandes  „Zweice  Ko- 
lonie bei  J^epora")  muß  jedoch  in  anderer  Weise  er- 
klärt werden.  Es  folgen  nämlich  in  ihrem  Hangenden 
flach  lagernde  Schichten  der  Stufe  d^  mit  einem  mäch- 
tigen Diabaslagergang,  die  auf  der  Anhöhe  nördlich 
von  Kote  342  ganz  gut  zutage  treten  und  nicht  die  ge- 
ringste Spur  einer  etwaigen  Längsstörung  erkennen 
lassen.  Man  muß  wohl  am  besten  eine  gegen  NW  über- 
kippte isoklinale  Falte  annehmen,  wie  sie  unser 
Profil  II  und  III  darstellt. 

Am  rechten  Ufer  des  Prokopibaches  findet  man  im  Profile  II 
auf  der  Anhöhe  „Na  Pozäru"  schon  die  Schichten  e^  bis  g^  auf- 
geschlossen ;  hier  beginnt  bereits  eine  eluviale  Lehmdecke  die  pa- 
läozoischen Schichten  zu  verdecken. 

Profil  III  zeigt  dieselbe  Lagerungsweise  der  Schichten  wie 
Profil  II ;  doch  umfaßt  es,  da  es  mehr  gegen  SO  als  Profil  II  beginnt, 
bloß  die  zweite  südliche  Einlagerung  der  Graptolitenschiefer  in  die 
Schichten  der  Stufe  d^. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (J.  Woldfich.)      13 


98  Dl'-  Josef  Woldfich.  [36"! 

Die  Tektonik  dieser  Wechsellagerung  von  älteren 
(/j-  und  jüngeren  «i-Schich  ten  möchte  ich  also  in  unserem 
Gebiete  auf  Grund  der  im  Terrain  festgestellten  Ver- 
hältnisse durch  Uebersc hiebung  und  Ueberkippung 
einer  Isoklinalfalte  erklären.  „Colonie  d'Archiac"  wäre 
auf  eine  Falten  übers  hiebung,  Barrandes  „Zweite  Ko- 
lonie bei  Repora"  auf  eine  gegen  NW  überkippte  Iso- 
klinalfalte zurückzuführen,  infolge  deren  die  älteren 
Schichten  der  Stufe  (/r,  ins  Hangende  der  jüngeren 
^i-Schichten  zu  liegen  kommen. 

Eine  ganz  ähnliche  Lagerungsweise  stellte  ich  im  Gebiete 
zwischen  Hintier-Tfebän  und  Karlstein  (2ö,  S.  17)  fest,  wo 
ich  auf  Grund  der  dort  sehr  schön  aufgeschlossenen  Profile  in  ähn- 
licher Weise  wie  in  unserem  Falle  Barrandes  „Kolonie  Böleö 
und  Hinter-Tfebäü"  aufidärte. 

Der  sonst  um  die  Erforschung  des  mittelböhmischen  älteren 
Paläozoikums  so  hochverdiente  Barrande  wandte  sich  in  seiner 
„Defense  des  Colonies  IV"  (<>)  gegen  jegliche  tektonische  Er- 
klärungsweise seiner  „Colonie  d'Archiac".  Wenn  auch  heute  kaum 
jemand  an  der  tektonischen  Entstehungsweise  der  sogenannten  Kolonien 
zweifeln  wird,  so  verdienen  doch  manche  Gründe,  welche  Barrande 
gegen  eine  solche  Anschauung  ins  Feld  führte,  eine  nähere  Erörterung. 
Barrande  beobachtete  ganz  richtig  die  quarzitischen  Sandsteine  im 
Hangendteile  unseres  nördlichen  (f5- Streifens,  vermißte  sie  jedoch  in 
unserem  mittleren  f?5-Streifen.  Es  lassen  sich  jedoch  diese  Sandsteine 
ganz  gut  einerseits  im  Liegenden  des  mittleren  ej-Streifens  (Barrandes 
zweite  Kolonie  östlich  von  fiepora),  ferner  bei  Kote  339  im 
Hangenden  des  mächtigen  Diabaslagerganges  beobachten. 

In  der  „Colonie  d'Archiac"  sollen  nach  Barrande  in  den 
oberen  Schichten  keine  zusammenhängenden  Kalkbänke  vorkommen 
wie  im  normalen  e^ ;  in  der  Tat  sind  jedoch  diese  Bänke  heute  ganz 
gut  in  der  obenerwähnten  Grube  an  der  nördlichen  Häuserreihe 
von  Repora  aufgeschlossen,  so  daß  auch  dieser  vermeintliche  Unter- 
schied entfällt.  Zu  Barrandes  Zeiten  existierte  offenbar  noch  nicht 
dieser  Aufschluß,  welcher  die  dislozierten  ßj-Schichten  an  der  Grenze 
gegen  die  überschobenen  (4"  Schichten  entblößt,  da  er  (6,  S.  68) 
nirgends  ein  Zeichen  einer  mechanischen  Dislozierung  („perturbation") 
zwischen  den  einzelnen  Stufen  hier  sehen  konnte. 

Barrandes  Profile  durch  das  Gebiet  der  „Colonie  d'Archiac" 
und  der  „Zweiten  Kolonie  östlich  von  ßepora"  zeigen,  wie 
sonst  scharfe  Beobachtungen  dieser  Forscher  machte.  Sein  Profil  Q—B 
entspricht  etwa  dem  nordwestlichen  Drittel  unseres  Profiles  I 
und  stimmt  mit  diesem  fast  völlig  überein.  Nur  läßt  Barrande  auf 
den  höchsten  Diabaslagergang  des  nördlichen  (is-Streifens  gleich  die 
Stufe  e^  folgen,  während  in  Wirklichkeit  zunächst  noch  über  dem 
Diabase  Sandsteine  mit  Schieferlagen  der  Stufe  d^  anzutreffen  sind, 
wie  man  es  in  einem  nördlich  vom  westlichsten  Ende  der  Ortschaft 
J&epora  eröffneten  Steinbruche  beobachten  kann.  Allerdings  liegt 
in  Barraudes  Profile  unser  mittlerer  (4- Streifen  ohne  Dislo- 
kation im  Hangenden  seiner  „Colonie  d'Archiac",  während  — 


r371  I^as  Prokopital  südlich  von  Prag.  99 

wie  wir  gezeigt  haben  —  hier  eine  Längsdislokation  sich  klar  nach- 
weisen läßt. 

Den  in  Barrandes  geologischer  Karte  der  Umgebung  von 
ßepora  eingezeichneten  Diabas  an  der  Kreuzungsstelle  der  alten 
und  neueren  Straße  nach  Stodülky  (nördlich  von  ßepora)  konnte 
ich  nicht  auffinden. 

Barrandes  Profil  S — T  entspricht  etwa  einem  Teile  un- 
seres Profiles  II.  Es  stellt  seine  „Seconde  apparition  co- 
loniale  de  schistes  ä  Grap tollte s,  pres  du  village  de 
R2epora"  dar;  dieser  unser  mittlere  e^- Streifen  ist  jedoch  viel 
mächtiger  als  sie  in  Barrandes  Karte  nnd  Profil  eingezeichnet 
sind;  aucii  konnte  ich  den  Diabas,  der  diese  Graptolitensciiiefer  be- 
gleiten soll,  nirgends  auffinden.  Sonst  bezeugen  jedoch  Barrandes 
geologische  Karte  und  seine  Profile-aus  der  Umgebung  von  ßepora 
sorgfältige,  geologische  Beobachtung. 

K  atz  er  (19,  S.  926)  gibt  in  seiner  „Geologie  Böhmens" 
ein  geologisches  Kärtchen  der  nächsten  Umgebung  von  Repora 
sowie  ein  Profil  durch  die  „Verwerfung  d'Archiac".  Doch  sind 
hier  die  Diabase  nicht  ganz  richtig  eingezeichnet,  ebenso  fehlt  auch 
vollständig  der  mittlere  Graptolitenschieferstreifen  (Barrandes 
zweite  Kolonie),  so  daß  Barrandes  geologische  Karte  viel  riclitiger 
ist.  Im  Profile  zeichnet  K  atz  er  eine  se  n  kroch  te  Verwerfung  s- 
s palte,  längs  welcher  die  Stufe  d^  und  e^  aneinaudergrenzen.  Mit 
Hinsicht  auf  die  nochmalige  Auflagerung  von  älteren  (yg-Schichten  auf 
jüngeren  Pj-Schichten  weiter  gegen  S— 0,  wo  im  Terrain  keine  Spur 
einer  Verwerfung  anzutreffen  ist,  sowie  mit  Rücksicht  auf  die  von 
mir  festgestellte  gleichartige  tektonische  Lagerungsweise  von  d^  und 
e^  zwischen  Hin  ter  -  Tfe  bän  und  Karlstein  kann  ich  auch  in 
diesem  Falle  mit  der  Aufnahme  einer  senkrecht  in  die  Tiefe  setzenden 
Bruclilinie,  an, welcher  „die  Stufe  e^  gegen  die  Stufe  d-^  abgesunken 
wäre",  nicht  übereinstimmei). 

Marr  (8,  S.  611 — 612)  befaßte  sich  eingeliender  mit  der  Tek- 
tonik der  „Colonie  d'Archiac"  und  veröffentlichte  auch  ein  Profil 
durch  dieselbe.  Er  untersuchte  die  Lagerungsweise  der  Schichten 
mit  Noväk  eben,  als  der  Straßenbau  hier  ein  gutes  Profil  entblößte. 
Marr  fand  hier  wie  in  den  Schichten  der  Stufe  e^,  so  in 
den  dg-Schichten  Faltungserscheinungen;  man  braucht 
nur  die  in  seinem  Profile  (S.  612,  Fig.  8)  eingezeichnete 
Dislokation  nach  S  einfallen  zu  lassen,  um  zu  der  von 
uns  angenommenen  Anschauung  einer  Ueberschiebung 
von  d^  auf  e^  zu  kommen.  Die  Umbiegung  der  Schichten 
an  der  Bruchlinie  fordert  geradezu  zu  einer  solchen 
Erklärungsweise  auf. 

Ueberschiebung  unterhalb  derZlichover  Kirche  u.a. 
Eine  flache  Ueberschiebung  mit  Längsbrüclien  von  /^  über  g^  wurde 
von  Lieb  US  (5)  und  Wähn  er  (9)  unterhall)  der  Z  1  i  cho  ver  Kirche 
an  der  Bahnstrecke  beobaclitet.  Mit  Recht  weist  Wähn  er  (S.  43) 
darauf  hin,  daß  die  Art  der  Schleppung  der  oberen  gri-Schichteii  längs 
der   Ueberschiebungsfläche   auf   einen    Schub   von    Norden   hindeutet. 

13* 


100  t>r.  Josef  Woldrich.  [38] 

Wähn  er  beschreibt  eingehend  diesen  interessanten  Aufschluß  und 
gibt  auch  ein  getreues  photographisches  Bild  desselben  (Taf.  VIII, 
Abb.  1),  so  daß  ich  auf  seine  näheren  diesbezüglichen  Aufklärungen 
hinweise.  Nur  möchte  ich  hier  bloß  eineUeberschiebung 
von  mittlerem  </i  über  oberes  g^  annehmen,  wie  ich  bereits 
S.  88  erklärte. 

Auf  eine  kleine  Schollenüberschiebun  g  innerhalb  der 
Uebergangsschichten  zwischen  (/g  u»d  g^  an  der  Smichov — Hosti- 
witzer  Eisenbahnstrecke,  südlich  der  S  vager ka  bei  Zlichov, 
machte  gleichfalls  Wähn  er  aufmerksam;  auch  ist  in  seiner  Arbeit 
ein  photographisches  Bild  dieser  Stelle  enthalten  (Taf.  VII). 

In  älteren  Arbeiten  finden  wir  quer  über  das  Prokopital  geführte 
Profile,  insbesondere  bei  Krejcl  (27,  Profil  8  und  9),  ferner  bei 
Krejei-Feistmantel  (28,  S.  Ö9)  und  PoCta  (4,  Taf.  VI);  sie  sind 
mehr  oder  weniger  schematisch  gehalten.  Von  Jahn  (17,  S.  7)  wurde 
eingehender  das  Profil  zwischen  Zlichov  und  dem  Barrandefelsen 
längs  der  Kuchelbader  Straße  beschrieben.  Katzer  (19,  S.  1015) 
mußte  Längsdislokationen  im  Sinne  haben,  wenn  er  die  Meinung  aus- 
sprach, daß  „in  der  Ausdehnung  von  Tetin  bis  Zlichov  sich  Ver- 
werfungen nachweisen  lassen,  durch  welche  die  KnolK-nkalke  zum 
Teil  fast  direkt  über  die  Obersilurstufe  3  ^  (^==:  e.^)  zu  liegen  kommen, 
so  daß  die  Tentaculitenkalke  (=/i)  nicht  zutage  treten  können.  In 
das  Gebiet  des  Prokopitales  reichen  allerdings  solche  Längsstörungen 
nicht  hinein,  die  Stufe  /j  laßt  sich  im  Terrain  ganz  gut  verfolgen. 

4.  Querdislok atioiien. 

Blattverschiebungen  sind  in  unserem  Gebiete  sehr  zahl- 
reich ;  sie  bewirken  in  erster  Reihe  eine  mehr  oder  weniger  horizontale 
Verschiebung  der  Schichtstufen  gegeneinander;  die  ^chubflächen 
pflegen  mit  fast  horizontalen  Kutsch  st  reifen  versehen 
zu  sein.  Meist  lassen  sich  diese  Querbrüche  im  Terrain  recht  gut 
feststellen ;  entweder  sind  sie  in  den  zahlreichen  Steinbrüchen  des 
Prokopitales  direkt  aufgeschlossen,  wie  zum  Beispiel  zwischen  den 
Prokopisteinbrüchen  undHlubocep,  oder  man  kann  auf  ihr  Vor- 
handensein aus  dem  Verlaufe  mancher  morphologisch  an  der  Ober- 
fläche in  markanter  Weise  auftretende  Schichtgruj)pen,  wie  zum  Beispiel 
der  T  en  tac Uli  ten  schiefer  ^2  schließen.  Im  Liegenden  und  Han- 
genden der  ^2'Schichten  ragen  die  harten  Kalke  der  Stufe  (/i,  bzw.  p^g 
mehr  oder  weniger  hoch  empor,  während  sie  selbst  als  weiche,  der 
Denudation  und  Verwitterung  eher  unterliegende  Schiefer  gewöhnlich 
durch  eine  deutliche  Depression  erkennbar  sind ;  so  insbesondere 
westlich  und  östlich  von  K  1  uko  wi tz.  In  unmittelbarer  Nähe  mancher 
Blattverschiebungen  findet  man  kleinere  Störungen  und  Faltungen  der 
angrenzenden  Schichten. 

Wähn  er  (9,  S.  33)  sagt  passend:  „Die  ausgezeichnet  entblößten 
,93- Kalke  (auf  der  Nordseite  des  Prokopitales)  bieten  die  beste 
Gelegenheit,  Musterbeispiele  von  Blattverschiebungen  vorzuführen,  da 
man  sowohl  die  Bruchflächen  sehen  und  untersuchen,  wie  das  Maß 
der  Querverschiebungen  feststellen  kann." 


[39]  t)as  Prokopital  südlich  von  Prag.  101 

Von  den  überaus  zahlreichen  Blattverschiebungen  unseres  Ge- 
bietes wurden  alle,  die  im  Terrain  klar  erkenntlich  waren,  in  das  geo- 
logische Kartenbild  aufgenommen. 

S  c  h  i  c  h  t  e  n  p  a  r  a  1 1  e  1  e  Q  u  e  r  V  e  r  s  c  h  i  e  b  u  n  g  e  n.  Diese  neue 
Art  von  Dislokationen  wurde  zuerst  von  Purkynö  ('iV*)  aus  dem 
Cambriuni  Mittelböhmens  beschrieben.  Im  östlichen  Teile  des  Pro- 
k  0  p  i  t  a  1  e  s  wurden  sie  von  W  ä  h  n  e  r  (9,  S.  27)  festgestellt.  Er 
charakterisiert  sie  folgendermaßen:  „Querbrüche,  die  überhaupt  keine 
Verschiebung  von  Gebirgsstücken  aus  der  Streichrichtung  bewirken. 
An  diesen  Querbrüchen  verlaufen  die  Kutschstreifen  parallel  zu  den 
Schichtfugen  und  Schichtflächen  oder  weichen  nur  geringfügig  ab. 
Wenn  ein  Gebirgsstück  an  zwei  Querbrüchen  von  seiner  Umgebung 
sich  abgetrennt,  zugleich  entlang  Schichtflachen  von  seinem  Liegenden 
(und  etwa  auch  vom  Hangenden)  sich  abgelöst  hat  und  die  Bewegung 
in  der  Richtung  der  Abtrennung  und  Ablösung  eine  kurze  Strecke 
unter  allseitigem  Gebirgsdruck  fortsetzt,  so  wird  die  Bewegung  parallel 
zur  unteren  Schichtablösungsfläche  erfolgen,  auf  der  das  Gebirgsstück 
gewissermaßen  gleitet,  und  dieses  wird  einerseits  auf  Schichtflächen 
Bewegungsspuren  zurücklassen,  anderseits  an  den  beiden  Querbruch- 
flächen schichtenparallele  Streifmig  hervorrufen.  Dem  häufigen  Auf- 
treten von  Glättung  und  Rutschstreifen  auf  Schichtflächen  entspricht 
daher  das  häufige  Vorkommen  von  Querbrüchen  mit  schichtenparalleler 
Bewegung  und  umgekehrt.  Außerdem  fand  Wähn  er  auch  „Längs- 
brüche, beziehungsweise  Di  agonal  br  üche  mit  schichten- 
parallelen Rutschstreifen,  die  demnach  auf  Bewegungen 
in  der  Streichrichtung  des  betreffenden  Gebirgsstückes  hinweisen ; 
zum  Beispiel  in  den  Knollenkalken  y^  bei  Hluboöep  (9,  S.  33, 
Taf.  V,  Fig.  1). 

Die  schönen  Beispiele  der  schichtenparallelen  Dislokationen 
findet  man  also  in  unserem  Gebiete  insbesondere  im  Bereiche  dcv 
großen  verlassenen  Steinbrüche  zwischen  dem  Schwarzenbergsc  h  e  ii 
Kalkofen  bis  östlich  von   Hlubocep. 

Klukowitzer  Verwerfung.  Der  bedeutendste  Querbruch 
unseres  Gebietes  ist  die  Verwerfung,  längs  welcher  nicht 
nur  eine  gegenseitige  Verschiebung  der  Schichten, 
sondern  gewiß  auch  eine  vertikale  Bewegung  stattfand. 
Sie  ist  gut  im  Steinbruche  am  linken  Ufer  längs  des  Butowitzer 
Caches  unweit  einer  Mündung  in  den  Prokopibach  aufgeschlossen. 
Diese  von  mir  als  Klukowitzer  Verwerfung  bezeichnete  Quer- 
dislokation verläuft  durch  die  Schlucht  südlich  bei  Kluko witz  über 
den  schmalen  Felsenausläufer,  welcher  das  Prokopital  vom  Buto- 
witzer Bache  nahe  seiner  Mündung  trennt,  setzt  dann  auf  das  linke 
Ufer  des  zuletzt  genannten  Baches  über,  um  bei  Nova  Ves  aber- 
mals das  Tal  zu  durchqueren  und  weiter  nach  NW  zu  streichen.  In 
dem  obengenannten  Steinbruche  läßt  sich  die  NW — SO-Richtung  der 
Verwerfung  sowie  ihr  Ei.nf allen  gegen  NO  beobachten.  An  der 
Verwerfuugsspalte  nehmen  auch  der  Diabas  und  teilweise  die  an  ihn 
im    Streichen    angrenzenden    Kalke    der   Stufe   g^   nordwestliche 


102  Dr.  Josef  Woldfich.  [40] 

Streichrichtung  an;  außerdem  ist  sie  durch  eine  Ruschelzone,  welche 
von  einem  grünlichen,  von  Kalkspatadern  durchsetzten  Schiefer  aus- 
gefüllt wird,  geiiennzeichnet.  Im  Liegenden  des  Diabases  befinden 
sich  im  Tale  völlig  verruschelte  Graptolitenschiefer.  An  der  Verwer- 
fung liegen  also  im  Steinbruche  nebeneinander  Schichten  der  Stufe  g^ 
und  ober  silurisch  er  Dia  hast  uff  (siehe  Tafel  IV  [II],  Fig.  2). 
I'.benso  findet  man  am  gegenüberliegenden  rechten  Ufer  (siehe  die 
geol.  Karte  Tafel  VI  [4]),  wo  die  Verwerfung  durchsetzt,  nebenein- 
ander Schiefer  der  Stufe  g^  und  dislozierte  Kalke  der  Stufe  ^g-  Liebus 
(5,  S.  110)  wollte  diese  Lagerung  durch  „Auffaltung  eines  Diabas- 
lagerganges (!)"   erklären. 

Die  Klukowitzer  Verwerfungsspalte  fällt,  wie  oben 
erwähnt  wurde,  gegen  NO  ein.  Man  wird  also  am  natürlichsten 
annehmen,  daß  der  Hangend-,  d.  i.  Ostflügel  der  Verwerfung  in 
Bewegung  gelangte.  Hierbei  ist  zu  beobachten,  daß  einerseits  die 
Schichten  des  Ostflügels  gleichsam  gegen  die  entsprechenden  Schichten 
des  Westflügels  nördlicher  zu  liegen  kamen,  anderseits  im  Westflügel 
die  Schichten  an  der  Verwerfung  aus  der  ONO-  in  die  SO-Richtung 
umbiegen.  Es  scheint  also  die  gegenseitige  Lage  der 
Schichten  in  den  beiden  Flügeln  der  Verwerfung 
scheinbar  für  eine  Verschiebung  des  Ostflügels  gegen 
Nord  zu  sprechen,  während  die  Schleppung  der 
Schichten  im  Westflügel  eine  zu  ersterer  widersinnige 
Bewegung  gegen  Süd  voraussetzen  würde.  Dieser  schein- 
bare Widerspruch  könnte  auf  zweifache  Weise  erklärt  werden.  Zu- 
nächst muß  man  sich  vor  Augen  halten,  daß  man  sich  im  Gebiete 
des  Nordschenkels  einer  großen  Synklinale  befindet,  welche  von  einer 
QuerverwerfuMg  durchsetzt  wird;  es  ist  natürlich,  daß  im  abgesunkenen 
Teile  die  Schenkel  der  Synklinale  je  nach  dem  Ausmaße  der  Sprung- 
höhe der  Verwerfung  auseinanderweichen,  daß  also  in  unserem  Falle 
iu  der  abgesunkenen  (Ost-)  Scholle  die  einzelnen 
Schichten  weiter  n  ö  r  d  1  i  c  li  zu  liegen  kamen  als  in  der 
westlichen  Scholle.  Vielleicht  vv  a  r  die  Sprunghöhe 
hier  groß  genug,  daß  selbst  bei  einem  südöstlichen 
Absinken  der  östlichen  Scholle,  welches  die  genannte 
Schleppung  in  der  Westscholle  bewirkt  hätte,  noch 
immer  in  ersterer  gegen  letztere  die  Schichten  gleich- 
sam gegen  Nord  verschoben  erscheinen. 

Eine  andere  Erklärungsweise  wäre  die,  welche  eine  zwei- 
fache Bewegung  längs  der  Querdislokation  voraussetzen  würde. 
Zunächst  wäre  zum  Beispiel  die  östliche  Scholle  an  einer  Blatt- 
verschiebung gegen  Norden  verschoben  worden,  später  hätte  dann 
eine  vertikale  Bewegung  desselben  Flügels  gegen  Süd  stattge- 
funden, welche  die  Schleppungserscheinungen  im  Westflügel  zur 
Folge  gehabt  hätte. 

Wähner  (9)  scheint  sich  der  Annahme  doppelter  Bewegungen* 
an  Querbrüchen  unseres  mittelbölimischen  Faltengebirges  zuzuneigen. 
Es  dürfte  sich  dann  wohl  am  ehesten  um  tertiäre,  oder  noch  jüngere, 
posthume  Bewegungen  an  präexistierenden  vaiiszisclien  Querbrüchen 
handeln.     In    diesem    Falle   sollte    man,    falls   irgendwo   auf   den    be- 


[41]  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  103 

treffenden  Schollen  die  Kreidedecke,  beziehungsweise  noch  jüngere 
Deckensedimente  erhalten  blieben,  dem  dann  notwendigerweise  ent- 
stehenden Unterschiede  in  der  Höhenlage  der  Kreide-  oder  jüngeren 
Sedimente  nachgehen. 

5.  Relatives  Alter  der  Dislokationen. 

Daß  die  Längsstörungen  älter  als  die  Querbrüche 
zu  sein  pflegen  und  von  diesen  verschoben  werden,  geht  aus  einer 
Reihe  neuerer  Beobachtungen  hervor.  So  konnte  ich  zum  Beispiel 
südlich  von  Karl  stein  auf  dem  Vockovberge  (26,  geol.  Karte 
und  S.  22)  beobachten,  wie  eine  Querverwerfuiig  eine  Faltenüber- 
schiebungsfläche durchsetzt  und  verschiebt,  also  jünger  ist  als  letztere. 
Dieses  Altersverhältnis  zwischen  Längs-  und  Querstöruugen  kann  man 
am  häufigsten  feststellen.  Doch  gibt  es  Fälle,  wo  das  Gegen- 
teil angenommen  werden  muß.  Ich  habe  zum  Beispiel  im 
Talgebiete  des  Kacäkbaches  zwischen  Unhost  und  Nenaöovic 
(30,  S.  13)  beobachtet,  wie  eine  Ueberschiebung  an  einer  Quer- 
verwerfung plötzlich  absetzt,  also  offenbar  jünger  zu  sein  scheint 
als  letztere. 

Man  muß  mit  Wähn  er  (9)  völlig  übereinstimmen,  wenn  er 
annimmt,  daß  die  schichten  parallelen  Querbrüche  „zur 
Zeit,  als  die  Schichten  noch  flacher  gelagert  und  in 
Faltung  begriffen  waren,  eingetreten  sind",  während 
die  Bewegungen  an  Blattverschiebungen  jünger  sind 
als  die  steile  Aufrichtung  der  Schichten,  denn  die  Rutsch- 
streifen  durchqueren  die  steil  aufgericlileten  Schichten  Hiernach 
wären  also  die  schichten  parallelen  Verschiebungen 
älter  als  die  Blattverschiebungen,  diese  älter  als  die 
meisten  Längsstörungen,  Doch  entstanden  alle  insgesamt  im 
Laufe  der  orogenetischen  Faltenbewegung,  welcher  das  mittelböhraische 
ältere  Paläozoikum  seinen  tektonischen  Aufbau  verdankt. 

6.    Beziehungen    zwischen    Diabaseriiption     und     Tektonik 

unseres  Gebietes. 

Ueber  die  wechselseitige  Beziehung  der  Diabase  und  Längs- 
störungen, beziehungsweise  der  Entstehung  der  sogenannten  Kolonien 
im  mittelböhmischen  älteren  Paläozoikum  habe  ich  mich  auf  Grund 
meiner  Beobachtungen  im  Terrain  bereits  in  meiner  Arbeit  „Ueber 
die  geologischen  Verhältnisse  dei'  Gegend  zwischen 
Litten — Hinter-Tf  e  bäfi  und  Poucnlk  bei  Budnan"  (26, 
S.  24  und  Fig.  2  —  3)  in  folgender  Weise  geäußert:  „Nach  meinem 
Urteile  hatten  die  Diabaseruptionen  keinen  Einfluß 
auf  die  Entstehung  der  sogenannten  Kolonien,  da  ja 
letztere  genetisch  in  tektonischer  Beziehung  jünger 
sind  als  die  in  ihrem  Gebiete  auftretenden  Diabas- 
eruptionen; es  pflegen  auch  die  Diabaslagergänge  mit 
den  sie  umgebenden  Schichten  mitgefaltet  und  dislo- 
ziert zu  sein."  Ferner  auf  S.  21:  „Es  ist  bekannt,  daß  die  Mehr- 
zahl der  sogenannten  Kolonien  von  Diabasen  begleitet  sind.  Ich  bin 


106  Dr-  Josef  Woldfich.  [44] 

bestätigen.  Die  Längsstörung  ist  nämlich  im  westlichen 
Teile  an  den  Verlauf  einer  untersilurischen  Diabas- 
decke gebunden,  als  an  einen  Diabaskörper,  der  jeden- 
falls viel  älter  ist  als  die  variszische  Faltung  und 
Bruchbildung.  Außerdem  sind  allerdings  die  Diabase,  wie  ich  in 
meiner  obenzitierten  Arbeit  nachwies,  oft  mitgefaltet,  anderswo 
auch  disloziert,  also  auch  in  diesen  Fällen  älter  als  die  variszische 
Faltung. 

Ich  habe  also  bisher  bei  der  geologischen  Kartierung  weder 
im  Gebiete  Litten — Karlstein,  noch  im  Kaöaktale  noch  im  Silur- 
Devongebiete  des  Prokopitales  Anzeichen  gefunden,  nach  welchen 
ich  schließen  könnte,  daß  die  Diabaseruptionen  Faltungserscheinuugen 
hervorgerufen^  hätten  oder  daß  sie  mit  Längsstörungen  in  direkter 
Verbindung  ständen.  Es  ist  seit  lange  her 'bekannt,  daß  effusive 
Diabase  im  mittelböhmischen  älteren  Paläozoikum  bis  über  die 
Stufe /g,  ja  (/2  l^i"^us  reichen.  Nach  alledem,  was  gesagt  wurde, 
scheint  mir  die  Annahme  naturgemäß  und  den  Lage- 
rungsverhältnissen im  Terrain  entsprechend,  daß  auch 
die  intrusiven  Diabaslagergänge  silurischen  bis  mittel- 
devonischen Alters  sind,  daß  gleichzeitig  mit  den  ge- 
waltigenDiabaseruptionen,  welche  vordervariszischen 
Faltung  die  zahlreichen  Diabasdecken  und  -ströme 
entstehen  ließen,  von  den  Eruptionszentren  in  die  je- 
weilig älteren,  vom  Diabasmagma  durchbrochenen 
Schichten  gleichzeitig  Lagergänge  eindrangen.  Hier- 
nach wären  also  viele  Diabasdecken  gleich  alterig  mit 
den  Diabaslagergängen,  die  man  in  ihren  Liegend- 
schichten antrifft;  zugleich  würde  sich  aber  auch  für 
die  Diabaslagergänge  des  mittelböhmischen  älteren 
Paläozoikums  ein  silurisches  bis  mitteldevonisches 
Alter  ergeben. 


V.  Tertiär-Diluvium. 
1.  Tertiär. 

Oben  auf  den  Anhöhen  unseres  Gebietes  liegen  an  zahlreichen 
Orten  verstreut  Blöcke  eines  eisenschüssigen  Sandsteines  und  Konglo- 
merates; stellenweise  findet  man  auch  Blöcke,  die  vorwiegend  aus 
oft  oolithisch  ausgebildetem  Hämatit  bestehen,  wie  zum  Beispiel  bei 
Klukowitz,  Orech  usw.  Letztere  wurden  früher  an  manchen 
Stellen  aufgesucht  und  verwertet. 

In  der  älteren  Literatur  (K  r  e  j  ö  i  -  H  e  1  m  h  a  c  k  e  r,  K  a  t  z  e  r  u.  a.) 
werden  diese  Sandsteine  und  Konglomeratblöcke  gewöhnlich  als 
„zerfallene  Perutzer  Kreideschichten"  aufgefaßt.  Neuere, 
in  den  letzten  Jahren  erschienene  Arbeiten  (insbesondere  D  a  n  e  s, 
Kettner,  Purkynö,  Smetana,  Autor  u.  a.)  weisen  auf  ihr 
wahrscheinlich  tertiäres  Alter  hin.    Ich  fand  im  südöstlichen  Teile 


|45J  ^^^  Prokopitiii  südlich  von  Prsig.  lOV 

des  kartierten  Gebietes  (südwestlich  von  Kote  289)  oberhalb  der 
Prag-Kuchelbader  Straße  Schotterablagerungen  mit  denselben 
eisenschüssigen  Sandsteinen  und  Konglomeraten,  die  offenbar  nur 
sekundilr  verkittteten  verhältnismäßig  jungen  Sand  und 
Schotter  vorstellen,  in  einer  Höhenlage  über  300  m  ü.  d.  M. 
Diese  Höhe  scheint  mir  einerseits  der  Annahme  eines  kretazischen 
Alters  dieser  Sedimente  zu  widersprechen,  anderseits  liegen  sie  aber 
wiederum  höher  als  die  oberste  diluviale  Moldauterrasse; 
wohl  liandelt  es  sich  demnach  um  tertiäre,  wahrscheinlich  plio- 
cäue  Süßwasserablage run gen.  Die  Konglomerate  enthalten 
hier  nebst  Quarz-  und  Kieselschiefer  auch  devonische  Kalksteingerölle. 
Wahrscheinlich  sind  auch  die  übrigen,  obenerwähnten,  zerstreut  um- 
lierliegenden  Blöcke  tertiären  Alters.  Mitunter  findet  man  in  ihnen 
auch  schlecht  erhaltene  Pflanzenreste;  ich  habe  bisher  nur  ein 
spärliclies  Material  derselben  gesammelt,  immerhin  wird  sicli  vielleicht 
manches  bestimmen  lassen  und  zur  weiteren  Aufklärung  der  Alters- 
frage dieser  Blöcke,  die  pal  äontol  og  isch  in  der  weiteren  Um- 
gebung Prags  noch  nicht  festgestellt  ist,  beitragen.  Es  wäre  wün- 
schenswert, überall  Fossilienfunden  in  diesen  Sandstein-  und  Konglo- 
meratblöcken nachzugehen. 

Für  tertiär  halte  ich  ferner  die  Schotter  und  Sande  unseres 
Gebietes,  welche  über  300  m  ü.  d.  M.,  also  viel  höher  liegen  als 
die  älteste,  obere  diluviale  Moldauterrasse.  Ich  fand  sie  von  Ost  nach 
West  an  folgenden  Stellen:  1.  Ueber  dem  Moldautale  südwestlich 
von  Kote  289  (in  nbs.  Hölie  300 — 320  m) ;  von  hier  lassen  sie  sich 
bis  gegen  das  Tal  von  Klein- Kuchelbad  verfolgen.  2.  Ueber  den 
St.  Prokopsteinbrüchen  in  Ost  und  West  (über  300  m).  3.  Südlich 
von  Klukowitz  (800 — 315  m).  4.  Nördlich  von  Klukowitz  ober- 
halb des  linken  Ufeis  des  Prokopi-  und  Buto witzer  Baches  auf 
der  Anhöhe  Hradiste  (300 — 310  m).  5.  Westlich  und  südlich  von 
Holin  (310  —  320  m)  bis  gegen  Slivenec  (350  m).  6.  Südlich  von 
0  h  r  a  d  a  (3 1 0—330  m)  7.  Nordwestlich  von  N  o  v  ä  V  e  s  (300—3 1 0  in). 
8.  Südöstlich  von  Rep  ora  (350 — 360  w);  diese  Schotterablagerungen 
hängen  offenbar  mit  jenen  von  Slivenec  zusammen. 

Der  Moldauspiegel  liegt  bei  Hlubocep  etwa  179  m 
ü.  d.  M.;  die  erwähnten  Schotter  und  Sande  befinden 
sich  also  120  —  140  m,  manche  sogar  bis  über  170  m  ober- 
halb des  heutigen  Moldauspiegels.  Man  kann  demnach 
auch  in  unserem  Gebiete  zwei  dem  Alter  und  der 
Höhenlage  nach  verschiedene  tertiäre  Sand-  und 
Schotterablagerungen  fluviatilen,  beziehungsweise 
lakustrinen  Ursprungs  beobachten,  welche  in  Ueberein- 
stimmung  stehen  mit  ähnlichen  Ablagerungen,  die  anderswo  in  der 
weiteren  Umgebung  Prags  von  den  oben  angeführten  Autoren  fest- 
gestellt wurden.  Einen  Ueberblick  derselben  gab- ich  in  meiner  Arbeit 
„Ueber  die  geolog.  Verhältnisse  der  Gegend  von  Litten 
usw."  (26,  S.  31—32),  auf  die  ich  hier  verweise.  Auf  den  älteren 
Karten  sind  auch  diese  Schotter  und  Sande  meist  „als  zerfallener 
Perutzer  Sandstein"  oder  als  „diluvialer  Sand  und  Schotter"  ver- 
zeichnet. 

14* 


108  Dr.  Josef  Woldfich.  [46] 

2.  Diluvium. 

Terrassen.  Von  den  drei  Diluvialterrasi^eii,  welche  sich  im 
Moldautale  verfolgen  lassen,  können  in  unserem  Gebiete  Reste  der 
Ober-  und  Mittelterrasse  festgestellt  werden.  Purkyne  (33) 
gibt  für  die  Oberterrasse  bei  Branik,  also  gegenüber  von  Hlubo- 
öep  am  rechten  Moldauufer,  die  Höhe  von  270  m,  für  die  Mittel- 
terrasse bei  Hluboßep  240  m  an;  in  seiner  Abhandlung  findet  man 
auch  zwei  schöne  Abbildungen  (Taf.  VII)  der  Mittelterrasse,  welche  sich 
über  den  ^j- Kalken  oberhalb  der  Prag  —  Kuchelbader  Strecke 
nordöstlich  von  Kote  289  sich  befindet.  Die  aus  Schotter  und  Sauden 
bestehende  Akkumulationsterrasse  liegt  hier  auf  der  Felsenterrasse 
der  ^j-Kalke.  * 

Zur  oberen  Moldauterrasse  gehören  in  unserem  Gebiete  die 
Schotter  und  Sande  südlich  von  Hluboöep  (270 — 280  w);  dem 
Alter  nach  entsprechen  ihr  wohl  auch  die  Scliotter,  welche  in  einer 
Höhe  über  2S0  ni  bei  Kote  265  am  rechten  Ufer  des  Butowitzer 
Baches  anzutreffen  sind. 

Der  mittleren  Moldauterrasse  schreibe  ich  die  Terrasse  südlich 
von  Hluboöep  (240 — 2b0  m),  welche  die  in  einem  Steinbruche  schön 
aufgeschlossenen  ^g-Kalke  unweit  des  Bahnviaduktes  bedecken,  zu. 
Ferner  die  Schotter  östlich  bei  Hlubocep,  welche  gleichfalls  auf 
^3-Kalken  liegen,  und  schließlich  die  oben  erwähnte  Terrasse  oberhalb 
der  Prag— Kuchelbader  Straße  (ca.  230— 240  m). 

Lehm-  un  d  Seh  uttabl  ager  un  gen.  Die  Anhöhen  sind  nebst 
dem  augeführten  Schotter  mit  Eluviallehm  bedeckt.  Sonst  findet 
man  auf  geneigter  Oberfläche  und  Abhängen  auch  mächtige  lößartige 
Lehme  und  Gehängelehme.  Solche  sind  in  bedeutender  Mäch- 
tigkeit oberhalb  (westlich)  von  Zlichov,  wo  sie  den  Muldenschluß 
der  Stufe  ,92  verdecken,  in  einem  schmalen  Wege  gut  aufgeschlossen ; 
ferner  südlich  von  Hlubocep,  unweit  der  Kreuzungsstellen  beider 
Bahnstrecken,  wo  zahlreiche  Lößpuppen  und  nach  Schubert  (34) 
die  Lößschnecke  Pupa  muscomm  zu  finden  sind;  dann  über  dem 
rechten  Bachufer  zwischen  Butowitz  und  der  Leimsiederei  an  der 
Mündung  des  Seitentälchens  der  Nova  Ves. 

^In  großer  Mächtigkeit  liegen  lößartige  Lehme  unmittelbar 
bei  Kepora;  hier  ist  südöstlich  vom  Bahnhofe  eine  große  Ziegelei 
der  Firma  Barta-Tichy  aufgeschlossen.  Daselbst  wurden  auch 
prähistorische  Geräte,  Menschenskelette  und  Urnen  aufgefunden,  welche 
größtenteils  in  den  prähistorischen  Sammlungen  des  böhmischen  Landes- 
museums ausgestellt  sind.  Westlich  von  Repora,  zwischen  dem  Bache 
und  der  Kote  328,  ist  der  Ziegelofen  der  Firma  Reiser  gelegen. 
An  der  Westwand  der  Lehmgrube  sah  ich  folgendes  Profil:  Acker- 
erde, lößartiger  Lehm  mit  Lößpuppen  (ca.  180m),  feiner  Sand 
(ca.  1-20  m),  lößartiger  Lehm  (ca.  1  m).  Im  oberen  Lehme  kommen 
auch  kleinere  Gerolle  vor  als  Beweis,  daß  dieser  unter  Mitwirkung 
von  Wasser  umgelagert  wurde.  Jedenfalls  bezeugt  die  gutentwickelte 
Schichtung  des  feinen  Sandes,  daß  derselbe  fluviatilen,  bzw.  lakustrinen 
Ursprungs  i.st.  Aus  dieser  Ziegelei  stammt  ein  schöner  Mammutstoßzahn, 


["471  Das  Prokopital  südlich  von  Prag.  109 

welcher  gleichfalls   in   den  geologischen  Sammlungen  des  böhmischen 
Laudesmuseums  sich  befindet. 

Eine  mächtige  Schuttablagerung  befindet  sich  südlich  von 
Klukowitzund  wird  von  einer  Schlucht  durchschnitten;  desgleichen 
westlich  von  Klukowitz  am  linken  Ufer  des  Prokopibaches. 

Höhlenbildungen.  Höhlen  sind  in  den  Devonkalken  unseres 
Gebietes  nicht  selten.  So  war  seinerzeit  die  St.  Prokophöhle  in 
der  Ostwand  der  Prokopsteinbrüche  unterhalb  der  Kapelle 
bekannt.  Kofensky  (35)  hat  die  in  der  Höhle  befindlichen,  vielfach 
zu  einer  Knochenbreccie  verkitteten,  diluvialen  Knochenreste  aus- 
gebeutet und  beschrieben.  Auch  in  den  devonischen  Kalken  der  Stein- 
brüche am  rechten  Ufer  des  Prokopibaches  im  westlichen  Teile 
unseres  Gebietes  wurden  beim  Steiubrechen  umfangreiche  Höhlen  er- 
schlossen. Aus  einer  derselben  („Kalvarie")  brachte  Herr  Lehrer 
Pecka  diluviale  Knochenreste  ins  böhmische  Landesmuseum. 

Bei  der  Beendigung  dieser  Arbeit  gedenke  ich  mit  Vergnügen 
zahlreicher  Exkursionen,  die  wir  gemeinsam  mit  Herrn  Ing.  Hanns 
unternahmen,  um  an  Ort  und  Stelle  dem  paläoutologischen  Charakter 
der  einzelnen  Schichtstufen  nachzugehen.  Der  größte  Teil  des  sorg- 
fältig präparierten  und  bestimmten,  in  dieser  Arbeit  erwähnten  paläon- 
tologischen Materials  befindet  sich  in  den  Sammlungen  dieses  eifrigen 
Sammlers  und  Kenners  der  mittelböhmischen  Silur-Devonfauna. 

Die  Arbeit  wurde  mit  Unterstützung  aus  dem  B  ar ran d  eschen 
Fonds  ausgeführt. 

Geologisches  Institut  der  böhmischen  Universität 

in  Prag. 


Literaturverzeichnis. 

1.  J.  Cermäk.  Udoli  motolskeho  potoka.  Sbornik  Ö.  Zemev.  Spolecaosti.   1914 
S.  74. 

2.  J.    Cermäk  -  K.    K  e  1 1  n  e  r.     Udoli    motolske.     Sboinik   klubu   pfirodovßd- 
Prag  1913 

3.  J.  Woldfich.  Üdoli  säreck6.  Ibidem   1913. 

—  Geolog,    prochäzka    Särkou.     (  asopis    spolecn.    pfätel    starozitnosti    cesk. 
V  Praze.  Prag.  Jahrg.  XXII. 

4.  F.  Pocta.  Geolog,  vylety  po  okoli  prazsk^m.  Prag  1897.  Bursik  und  Kohout. 

5.  A.  Lieb  US.  Geologische  Wanderungen  in  der  Umgebung  von  Prag.    Samm- 
lung gemeinnütziger  Vorträge.  Prag  1911. 

6    J    Karrande.  Defense  des  Colonies.  IV.  Prag     Paris   1870. 

7.  0    M.  Reis    Ueber  Stylolithen,  Dutenmergel  etc.     Münchener  geognostische 
Jahreshefte  1902,  S.  157  und  Zeitschrift  für  praktische  Geologie  1904,  S.  419. 

8.  J.  E.  Marr.     On   the   predevonian  rocks  of  Bohemia.   Quart.  Journal  of  the 
geol.  Society  1880,  S.  591. 

9.  F.  Wähn  er.  Zur  Beurteilung  des  Baues  des  mittelböhtnischen  Faltengebirges. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  K.-A.  Wien  1916,  1.  Heft,  S.  1. 


lIQ  Dr.  Josef  Woldvich.  [4^] 

10.  F.  Pocta.  Ueber  Büge  in  den  Schichten  des  Bairandeschen  Felsens.  Sitzungs- 
berichte der  kgl.  böhm.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Prag  1908. 

11.  J.  V.  ^elizko.  Spodni  silur  v  okoli  Radotina  a  Velke  Chuchle.  Sitzungs- 
berichte der  kgl.  böhm.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Prag  1906. 

12.  J.  Perner.  0  faune  silurskych  päsein  ^',"6^  a  hranici  mezi  nimi.  Festschrift 
zur  Feier  des  70.  Geburtstages  des  Hofrates  Prof  Dr.  K.  Vrba.  Böhmische 
Akademie  der  Wissenschaften 

13.  F.  Katzer.  Spongienschichten  im  mittelböhmischen  Devon.  Sitzungsberichte 
der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Wien  1888.  S.  300. 

14^.  F.  Pocta.  0  zbytcich  hub  z  rcskö  pänve  palaeozoick6  Rozpravy.  Ö.  Aka- 
demie. Prag  1898. 

15.  J.  Väla-R.  Helmhacker.  Die  Eisenerze  in  der  Gegend  zwischen  Prag 
und  Beraun.  Archiv  der  naturwissenschaftlichen  Landesdurchforschung  von 
Böhmen.  It.  Teil.  1877. 

16.  F.  Katzer.    Das  ältere  Paläozoikum  Mittelböhmens.  Prag  1888. 

17.  J.  J. -lahn.  Geologische  Exkursionen  im  älteren  Paläozoikum  Mittelböhmens. 
Internat.  Geologen- Kong^-eß  Wien  1903. 

18.  F.  Frech.  Ueber  da^R)evon  der  Ostalpen  etc.  Zeitschrift  der  deutschen 
geol.  Gesellschaft  1887,  S.  659. 

19.  F.  Katzer.  Geologie  von  Böhmen.  Prag  1902. 

20.  E.'  Haug.  Traite  de  geologie.  II.  Paris  1907.  S.  647. 

21.  K.  Wiman.  Ueber  silurische  Korallenriffe  in  Gotland.  Bullet  of  the  geol- 
Inst    of  the  Univ.  of  Upsala  III..  S.  311,  Taf.  8-10,  1898. 

22.  J.  Walt  her.  Geschichte  der  Erde  und  des  Lebens.  Leipzig  1908 

23.  J.  Krejci-R.  Helm  hack  er.  Erläuterungen  zur  geologischen  Karte  der 
Umgebung  von  Prag.  Archiv  der  naturwissenschaftlichen  Landesdurchfor- 
schung von  Böhmen.   IV.   Bd    Nr.  2    1879. 

24.  F.  Seemann.  Das  inittelböhmische  Obersilur-  und  Devongebiet  südwestlich 
der  Beraun.  Beiträge  zur  Paläontologie  und  Geologie  Ocsterreich-Ungarns 
Bd.  XX.  1907.  S.  69. 

24«.  R.  Kettner.  Pfisp§vek  ku  stratigrafii  bränickych  väpencii  (G(/^)  de.  Rozpr. 
0.  Akademie  1917. 

25.  F.  Pocta.  Ueber  eine  Stromatoporoide  aus  dem  böhmischen  Devo  .  Sitzungs- 
berichte der  kgl.  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Prng  1910 

26.  J.  Woldfich.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Gegend  zwischen  Litten 
Hinter-Tfebän    und   Pouönilc    bei    Budiian.     Sitzungsberichte   der    kgl.  böhm 
Gesel  Schaft  der  Wissenschaften,  Prag  1914. 

27.  J.  Krejci.  Bericht  über  die  im  Jahre  1859  ausgeführten  geologischen  Auf- 
nahmen bei  Prag  und  Beraun.  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  K.-A.  Wien  18Ü1/62 
S.  207. 

28.  J.  Krejci-R.  Feistmantel.  Orographisch-geotektonische  Uebeisicht  der 
silurischen  Gebiete  im  mittleren  Böhmen.  Archiv  für  naturwissenschaftliche 
Landesdurchforschung  von  Böhmen.  V.  Bd  ,  5.  Abteil.  1885. 

29.  Cyr.  Ritt.  v.  Purkyne.  Die  Steinkohlenbecken  bei  Miröschau  und  .-kofic  etc. 
II.  Ein  Beitrag  zur  Morphologie  des  Brdygebirges  Bullet,  intern at.  Acad.  d. 
Sc.  de  Boheme  1905. 

—  Tektonische  Skizze  des  Tfemosnägebirges    zwischen  Strnsic  und  Rokycan. 
Ibidem  1915. 
3'\  J.  Woldrich.     Die    geologischen    Verhältnisse    im    Talgebiete    dos    Kiisäk- 
baches  usw.  Ibidem   1917. 


[49]  Das  Prokopital    südlich  von  Prag.  IH 

31.  F.  Slavik.  Vulkanismus  v  Barrandienu.  Casop.  Musea  Kräl.  Cesk,  1917. 

32.  E.  Nowak.  Geologische  Untersuchungen  im  Südflügel  des  mittelböhniischen 

Silurs.  Jahrbuch  der  k    k.  geol.   K.-A.  1914. 
33    Cyr.  Ritt.  v.  Purkyne.     Terasy    Mze    a    Vltavy    etc.    Sbornik    Ö.    Zemev6d. 
Spolecnosti   19 12. 

34.  R.  J.  Schubert.    Beitrag    zur   pleistozänen   Konchylienfauna   von    Böhmen. 
Lotos  1898. 

35.  J.  Kofensky.  Ueber  den  Fund  des  Eckzahnes  von  Hijnen  i  spelaia  bei 
Hlubocep.  Sitzungsberichte  der  kgl.  böhm.  Gesellschaft  der  Wissenschaften. 
Prag  1877. 

—  0  diluviälni  zvifene  jeskyn  svatoprokop.  Ibidem  1883. 

—  0  novych  nälezech  osteolog.  z  jeskyfi  svatoprokop.  Ibidem  1888- 


Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

I.  Einleitung 63  |1] 

II.  Verbreitung   und  petrogra|>liiS'.;]ie  Beseliaffenheit  der  silurischen 

und  devonischen  Schichten  sowie  der  Diabase  unseres  Gebietes  .  66  [4] 

1.  Schichtstufe  d..  —  Königshofer  Schichten 66  [4] 

2.  Schichtstufe  e^.  —  Littener  Schichten.  Kuchelbader  Graptolithen- 

schiefer 68  [6] 

3.  Die  Diabase  unseres  Gebietes 69  [7| 

rt)  Tntrusive  Diabase "...  70  [8] 

h)  Eifusive   Diabase 70  [8] 

4.  S^'chichtstufe  e.^.   ~    Budüaner  Schichten 71  [9] 

5.  Schichtstufe  /,.   —   Lochkover  Schichten 72  [10] 

6.  Schichtstufe /2  . .^ .  72  [10] 

7.  Schichtstufe  g^.   —   Braniker  Schichten 73  [11] 

8.  Schichtstufe  g^.  —  Dalejer  hfchichten,  Tentaculitenschiefer  ....  73  [11] 

9.  Schichtstufe  g^.  —  Hluboceper  Schichten 74  [12] 

10.  Schichtstufe  //.  —  Hostimer  Schichten 74  [12] 

III.  Strati graphische  und  palüontologische  Beobachtungen  in  unserem 

Silur-Devongebiete 75  [13] 

1.  Schichtstufe  d.^ 75  [13] 

2.  Schichtstufe  e^ 76  [14] 

3.  Diabase 79  [17] 

4.  Schichtstufe  e^ 80  [18] 

5.  Schichtstufe  /^ 82  [23] 

6.  Schichtstufe  /.^ ,    .    .  83  [21] 

7.  Schichtstufe  </, 83  [21] 

8.  Schichtstufe  g^ 89  [27] 

9.  Schichtstufe  g^ 90  [28] 

Schematisches    Profil    zur   Erläuterung   der   Stratigraphie   unseres 

Silur-Devongebietes 92  [30] 

10.  Schichtstufe  H 94  [32] 


112  Dr.  Josef.  Woldfich.  [50] 

Soitc 

IV.  Die  Tektonik  unseres  Gebietes 94  [32l 

1.  Streichen  und  Fallen  der  Schichten 94  |32] 

2.  Faltung  und  Profil  IV— V • !)5  [33] 

3.  Längsdislokationen,   Profil  I — III  und  Tektonik  der  sogenannten 

Kolonien  in  unserem  Gebiete 9G  [34] 

4.  Querdislokationen 100  [381 

5.  Relatives  Alter  der  Dislokationen 103  [41] 

6   Beziehungen  zwischen  Diabaseruption  und  Tektonik  unseres  Ge- 
bietes      103  [41] 

V.  Tertiär -Diluvium 100  [44] 

1.  Tertiär IG  [44] 

2.  Diluvium 108  [46] 

Literaturverzeichnis 111  |49J 


Eine  kleine  Löwenart  aus  dem  südböhmischen 
Diluvium  von  Wolin. 

Von  J.  V.  Zelizko. 

Mit  einer  Tafel  (Nr.  VII)  und  einer  Textabbildung. 

Im  Jahre  1902  erhielt  ich  von  meinem  verstorbenen  Freunde 
Herrn  Jos.  Bohäö  in  Wolin  einige  aus  dem  ihm  gehörigen  Kalk- 
steinbruch genannt  „Ve  vopuce"  beim  Dorfe  Zechovic  kürzlich 
gefundene  diluviale  Tierreste  zur  näheren  Untersuchung. 

Darunter  befanden  sich  auch  Kieferbruchstücke  und  lose  Zähne 
eines  größeren  Raubtieres. 

Da  ich  mich  damals  mit  dem  speziellen  Studium  der  diluvialen 
Wirbeltiere  noch  nicht  befaßte,  sandte  ich  diesen  sonderbaren  Fund 
dem  Herrn  Direktor  Maska  nach  Telö  zur  Bestimmung.  Bald  darauf 
teilte  mir  Herr  Maska  mit,  daß  die  fraglichen  beiden  Hälften  dem 
Oberkiefer  entstammenden  Reste  einer  seltenen  kleinen  Löwenart, 
Leo  nohilis  Gray,  angehören. 

Bei  einer  späteren  Beschreibung  der  reichhaltigen  Diluvialfauna 
von  Zechovic  ^)  habe  ich  die  besprochene  Form,  nach  der  von 
F.  Bayer  2)  für  Böhmen  eingeführten  Nomenklatur  für  die  fossilen 
Wirbeltiere,  zuerst  als  Felis  {üncia)  leo  spelaea  Goldf.  bezeichnet, 
jedoch  dann  in  dem  darauffolgenden  Berichte^)  die  frühere  richtige 
Bestimmung  Maskas  definitiv  behalten. 

Da  die  charakteristischesten  Merkmale  dieses,  zur  Kenntnis  der 
Diluvialfauna  Böhmens  besonders  wichtigen  Fundes,  von  mir  damals 
nicht  berücksichtigt  wurden,  möchte  ich  in  den  folgenden  Zeilen  über 
das   Resultat   meiner   diesbezüglichen  Untersuchung   näher  berichten. 

Die  beiden  Oberkieferhälften  gehören  einem  kleinen,  aber  voll- 
kommen ausgewachsenen  Tiere  an,  welches  in  BöhmPen  eine  neue 
Art  repräsentiert. 

Die  rechte,  an  zwei  Stellen  zerbrochene  Hälfte  besitzt  den 
dritten  Schneidezahn,  den  Eckzahn,  Prämolar  (P3)  und  den  Reißzahn 


^)  J.  V.  Zelizko,  Diluviale  Fauna  von  "Wolin  in  Südböhmen. 
Bulletin  Internat,  de  l'Acadömie  des  Sciences  de  Boheme  XIV.  Prag  1909. 

^)  F.  Bayer,  Katalog  ceskych  fossilnich  obratlovcu  {Fossüia ^  vertebräta 
Bohemiae).  Prag  1905. 

')J.  V.  Zelizko,  Novy  nälez  Iva  (Leo  nohilis  Gray)  v  c  e  s  k  6  m 
diluviu.  Casopis  vlasten.  musejniho  spolku  v  Olomouci.  Nr.  2.  Olmütz  1911. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68    Bd.,  1.  u.  2.  Hft,  (J.  V.  Zelizko.)      15 


114  J.  V.  Zelizko. 


[2] 


(P4).  Die  Alveole  des  vorderen  Lückenzahnes  (Pg)  sowie  der  beiden 
fehlenden  Schneidezähne  ist  gut  erhalten.  Von  der  Alveole  des  Höcker- 
zahnes (Ml)  ist  nur  ein  Teil  vorhanden. 

Der  Eckzahn  ist  längs  der  Vorder-  und  Hinterleiste  gesprungen. 
Beim  ßeißzahn  ist  der  Parakon  und  Protostyl  abgebrochen,  der 
Metakon  nur  teilweise  erhalten.  Der  Prämolar  (P3)  ist  unbeschädigt. 
Die  Außenseite  der  Alveolenpartie  der  beiden  letzteren  Zähne  ist 
abgesprungen. 

Die  linke  Oberkieferhälfte,  welche  an  fünf  Stellen  zerbrochen 
war,  besitzt  nur  den  Eckzahn,  Prämolar  (Pg)  und  den  Reißzahn.  Bei 
letzterem  ist  nur  der  Protostyl  erhalten. 

Der  Eckzahn  ist  gleichfalls  längs  der  Vorder-  und  Hinterleiste 
zersprungen.  Die  Alveole  des  Prämolars  (Pg)  ist  vorhanden.  Die  Außen- 
seite des  Kiefers  ist  größtenteils  abgebrochen. 

Beide  Kieferhälften  weisen  stellenweise  Spuren  von  Abnagung 
durch  Raubtiere  auf.  Die  Beschädigung  der  Zähne,  deren  scharf  ab- 
gesplitterte Außenzacken  aus  früherer  Zeit  herrühren,  scheinen  gleich- 
falls von  Raubtieren  verursacht  zu  sein. 

Die  frischen  Brüche  beider  Kiefer  wurden  wiederum  von 
Arbeitern  im  Steinbruche  verursacht. 

Außer  einigen  unbestimmbaren  Schädelresten  wurde  noch  ein 
vollkommen  erhaltener,  dem  linken  Unterkiefer  entstammender  dritter 
Schneidezahn  gefunden. 

Soweit  es  der  Erhaltungzustand  des  Fundes  erlaubte,  konnte 
ich  an  der  rechten  Kieferhälfte  folgende  Maße  feststellen: 

Abstand  vom  Außenrande  der  ersten  Incisivalveole  bis  zum 
Hinterrande  des  Reißzahnes  128  mm. 

Länge  der  Backenzahnreihe  (vom  Vorderrande  der  Lückenzahn- 
alveole  [P^]  bis  zum  Hinterrande  des  Reißzahnes)  71  mm. 

Limge  der  Alveole  des  ersten  Schneidezahnes  9-50 mm;  Breite 
derselben  5  0  mm. 

Länge  der  Alveole  des  zweiten  Schneidezahnes  11mm;  Breite 
derselben  b-2bmm. 

Höhe  der  Euiailpartie  des  dritten  Incisives  vorn  17  mm  ;  Breite 
desselben  11  min. 

Höbe  (i»*r  Eniailpartie  des  Eckzahnes  vorn  ca.  .^5  mm  ^),  Länge 
der  Krone  d;sMll)»ii  am  Emailrande  235  mm'^),  Gesamtlänge  des 
Zahnes  ger:idlinig  100  mm. 

Länge  der  Primolaralveole  (P2)  825  mm;  Breite  derselben  6  mm,. 

Länge  des  Prämolares  {F^)  24b  mm. 

Länge  des  Reißzahnes  3o  mm'^  Breite  desselben  vorn  vom  Pro- 
tokon  (Innenhöcker)  zum  Protostyl  18*25  mm. 

Vergleichen  wir  die  Länge  des  Reißzahnes  des  fossilen  Löwen 
aus   verschiedenen    Fundstellen   Europas   sowie   des    rezenten   Tieres 


')    Bei    den    vier    Kiefein    von    Leo    nobilis    aus    den    mährischen    Funden 
Ma^kas  bi.trägt  tlit'  Höhe  50     bb  mm,  bei   Leo  spelaeus  bis  66»»»«. 


(ä) 


Eine  kleine  Löwenarl. 


115 


nach  der  nachstehenden  Zusammenstellung  Wurms*)  mit  demselben 
Zahn  von  Leo  nohilis  von  Zechovic,  so  ersieht  man,  daß  es  sich 
tatsächlich  um  eine  kleine  Löweuform  handelt. 


Mauer 

Cajark 

Vence 

Gailen- 
reuth 

Sundwig 

Taubach 

Rezenter 
Löwe 

36 

44 

37 

39 

41 

38 

42 

38 

Die  Bestimmung  Leo  nohilis  wurde  wie  bekannt  für  die  französischen 
Funde  von  J.  R.  Bo  ur  g  uign  at^)  angeführt,  welcher  außer  der  ge- 
nannten Form  in  Frankreich  noch  Leo  spelaeus  Bourg.  (Felis  spelaea 
Gold/.,  Leo  spelaeus  Filhol)  unterscheidet. 

Nach  der  mir  seinerzeit  gemachten  Mitteilung  des  verstorbenen 
Herrn  Maska  stellt  sich  das  Verhältnis  von  Ifelis  spelaea  zu  Leo 
nohilis  ähnlich  wie  zwischen  ürsus  spelaeus  zu  Ursus  arctos  aus  den 
mährischen  Lokalitäten,  wie  zum  Beispiel  von  Pfedmosti. 

Eine  genaue  Bestimmung  der  Reste  diluvialer  Feliden  war  fast 
immer  mit  verschiedenen  Schwierigkeiten  verbunden.  Deswegen  waren 
die  Forscher  oft  nicht  imstande,  zu  unterscheiden,  ob  es  sich  um 
Reste  eines  Löwen  oder  eines  Tigers,  der,  wie  bekannt,  osteologisch 
dem  Löwen  ähnelt,  handelt.  Daher  die  begreifliche  Verwechslung 
beider  Großkatzen,  wie  zum  Beispiel  bei  G  i  e  b  e  1,  B 1  a  i  n  v  i  1 1  e  u.  a.  ^) 

In  neuerer  Zeit  scheint  aber  diese  wichtige  Frage  durch  die 
vorzüglichen  Forschungen  Freude nbergs*)  einigermaßen  geklärt 
zu  sein. 

N  eh  ring''),  übereinstimmend  mit  Ansichten  anderer  Forscher, 
betrachtete  die  in  der  postglazialen  Diluvialfauna  Mitteleuropas  ver- 
tretene Großkatze  Felis  spelaea  als  eine  Varietät  des  Tigers,  welche 
heutzutage  in  Südsibirien  vorkommt  und  auch  den  turkestanischen 
Steppengebieten  nicht  fremd  ist. 


^)  A.  Wurm,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  diluvialen  Säugetier- 
fauna von  Mauer  an  der  Elsenz  (bei  Heidelberg).  Jahresberichte  und 
Mitteilungen  des  Oberrheinischen  Geologischen  Vereins.  Neue  Folge.  Band  2. 
Heft  1.  1912. 

^)  J.  R.  Bourguignat,  Histoire  des  Felidae  fossile«  constatös 
en  France  dans  les  d6pots  de  la  periode  quaternaire    Paris  1879. 

^)  Siehe  J.  F.  Brandt- J.  N.  Woldfich,  Diluviale  europäisch- 
nordasiatische  Säugetier fauna  und  ihre  Beziehungen  zum 
Menschen.  Memoirs  de  l'Acadömie  imperiale  des  Sciences  de  St.  l'ötersbourg, 
VII    fcierie,  Tome  XXXV,  Nr.  10.  1887,  pag.  17  und  andere  Angaben 

*)  W.  Freudenberg,  Die  Säugetiere  des  älteren  Quartärs 
von  Mitteleuropa  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Fauna 
von  Hundsheim  und  Deutsch- Altenburg  in  Nieder  Österreich 
nebst  Bemerkungen  über  verwandte  Formen  anderer  Fundorte. 
Geologische  und  paläontologische  Abhandlungen.  Neue  Folge,  Band  12.  Heft  4/5, 
pag.  186—190.  Jena  1914. 

°i  A.  Nehring,  Ueber  Tundren  und  Steppen  der  Jetzt- 
Vorzeit  mit  besonderer  Berücksichtigung  ihrer  Fauna,  pag 
Berlin  1890. 

15* 


unp 
193. 


116  J.  V.  Zelizko.  [4] 

Ne bring  zählt  den  diluvialen  Löwen  zu  solchen  Säugetieren, 
welche  zwar  nicht  zu  den  typischen  Vertretern  der  postglazialeu 
Steppenlandschaften  gehörten,  aber  doch  in  ihnen  zeitweise  sich 
aufhielten. 

"Wie  die  Lagerungsverhältnisse  sowie  die  faunistischen  Belege 
bei  Wolin  zeugten,  gilt  dasselbe  auch  von  dem  dort  festgestellten 
Leo  nohiJis.  (Siehe  das  nebenstehende  Profil.) 


Bisherige  Funde  des  diluvialen  Löwen  in  Böhmen. 

Die  in  mittel-  und  nordböhmischen  Diluvialablagerungen  gefun- 
denen Reste,  welche  ausschließlich  im  böhmischen  Landesmuseum  zu 
Prag  aufbewahrt  sind,  stammen  teilweise  aus  den  Geröll-  oder  Sand- 
schichteu,  teilweise  aus  den  freigelagerten  Lehm-  oder  Höhlenablage- 
rungen, 

Nach  Kafka^)  befinden  sich  im  obgenannten  Museum  folgende 
Funde : 

1.  Ein  Unterkiefer  eines  kleineren  Exemplares,  welcher  in  den 
unteren  Gerollen,  welche  das  Liegende  des  Lehms  in  Podbaba  bei 
Prag  bilden,  gefunden  wurde.  Die  PJckzähne  sind  -abgeschlagen,  die 
übrigen  Zähne  stark  korodiert. 

2.  Eine  Unterkieferhälfte-  eines  größeren  Exemplares  aus  der- 
selben Lokalität,  gleichfalls  durch  die  Korosion  stark  beschädigt. 

3.  Ein  größerer  Teil  eines  stark  beschädigten  Schädels  mit 
Unterkiefer  aus  derselben  Lokalität,  wo  er  in  den  unteren  Lehm- 
schichten aufgefunden  wurde. 

4.  Ein  riesiger  vollständiger,  ziemlich  guterhaltener  Schädel  von 
N  e  u  d  0  r  f  bei  B  a  k  o  v. 

5.  Bruchstücke  vom  Unterkiefer  eines  großen  Exemplares  und 
einige  Extremitätknochen  aus  dem  das  Liegende  des  diluvialen  Lehms 
bei  T  ü  r  m  i  t  z  bildenden  Sande,  von  wo  nachträglich  neue  Reste 
avisiert  wurden. 

6.  Ein  schön  erhaltener  Metacarpus  eines  Riesenexemplares  aus 
der  Umgebung  von  Turskä  Mastal  in  der  Nähe  von  Tetin. 

7.  Einige  mehr  oder  weniger  beschädigte  Wirbel  aus  den  unteren 
Lehmschichten  bei  Podbaba,  einige  Kieferbruchstücke  von  B  ä n  6  und 
V y s 0 5 a n  sowie  ein  Eckzahn  eines  Riesenlöwen  aus  der  St. Prokopir 
höhle  bei  Hluboöep. 

Von  allen  diesen  Resten  dürften  nach  Kafka  nur  die  stark 
korodierten  Unterkiefer  von  Podbaba  den  Tiger  andeuten,  ihr  Er- 
haltungszustand jedoch  läßt  keine  genauere  Bestimmung  zu.  Die  übrigen 
Reste  gehören  meistens  einem  starken  Löwen  an. 


*)J.  Kafka,  Fossile  und  rezenteRaubtie  reBöhmens  {Carnivora) . 
Archiv  der  naturwissenschaftlichen  Landesdurchforschung  von  Böhmen.  Band  X. 
Nr.  6.  Prag  1903. 


[5] 


Eine  kleine  Löwenart. 


117 


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J.  V.  Zelizko. 


[6] 


Außer  den  oben  angeführten  Lokalitäten  sind  Löwenreste  auch 
von  Zuzlawitz*)  in  Südbölimen  bekannt. 

Unlängst  erhielt  das  böhmische  Landesmuseum  aus  der  Gegend 
von  Po  z  den  bei  Schlau  einen  vollständigen  Unterkiefer,  welcher 
bis  jetzt  noch  nicht  näher  beschrieben  wurde. 

Nach  zwei  in  natürliciier  Größe  ausgeführten  Photographien, 
welche  mir  seinerzeit  Herr  Prof.  C.  Purkyiie  geliehen  hat,  ist  der 
Kiefer  stark  korodiert,  jedoch  die  Eckzähne,  die  beiden  Prämolare 
(P3,  P4)  und  der  Reißzahn  gut  erhalten.  Die  Alveole  des  linken  Eck- 
zahnes ist  am  Rande  ausgebröckelt,  so  daß  der  Zahn  scheinbar  zu 
stark  herausragt.  Die  abgerundete  Spitze  des  Zahnes  sowie  andere 
Merkmale  deuten  auf  ein  älteres,  nicht  zu  großes  Exemplar  von 
Leo  spelaeus  hin. 


')  J.  N.  Woldfich,  Diluviale  Fauna  von  Zuzlawitz  etc.  Dritter 
Teil.  Sitzungsber.  der  mathematisch- naturwiss.  Klasse  der  kais,  Akademie  der 
Wissenschaften.  Hand  LXXXVIII.,  1.  Abt.,  Jahrg.   1882,  pag.  1019    Wien  1884 


Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böh- 
mischen Oberkreide. 

Von  J.  V.  Zelizko. 

Mit  zwei  Tafeln  (Nr.  VIII  und  IX). 

Anläßlich  meiner  fortgesetzten  Studien  in  der  ostböhmischen 
Oberkreide  während  des  Sommers  1918  konnte  ich  endlich  den  Rest 
der  umfangreichen,  mehr  als  zehntausend  Fossilien  zählenden  Samm- 
lung des  Herrn  Schuldirektors  F  e  r  i  n  a  in  Morasic  bei  Leitomischl 
untersuchen. 

Außer  einer  Reihe  vollkommen  neuer  Bivalven,  über  welche 
ich  später  eine  größere  Abhandlung  an  dieser  Stelle  veröffentlichen 
werde,  fand  ich  wiederum  fünf  merkwürdige  Gervillien,  auf  welche 
mich  Herr  Ferina  aufmerksam  machte  und  von  denen  diesmal  zwei 
erhaltene  Bandgruben  besitzen,  so  daß  meine  beiden  hier  unlängst 
erschienenen  Berichte  i)  durch  diese  neuerlichen  Funde  wesentlich 
ergänzt  werden  können. 

Alle  nachstehend  beschriebenen  Formen  stammen  wieder  aus  der 
Gegend  von  Morasic,  und  zwar  drei  aus  dem  Steinbruch  Lusty- 
kova  skäla  und  zwei  aus  einem  anderen,  südsüdwestlich  von  Morasic 
liegenden  Steinbruch  Jifiökova   skäla  genannt. 

Die  erste  bekannte  Lokalität  wurde  durch  neueste  Untersuchungen 
Zahälkas^)  als  das  jüngste  Glied  seiner  IXc(^-Zone  (Trigonien  und 
Bryozoenschichten  der  Iserstufe  in  dem  Sinne  Friß s')  betrachtet,  was 
nach  meinen  letzten  Erfahrungen  übereinstimmt. 

Die  zweite  Lokalität  gehört  meiner  Ansicht  nach  wahrscheinlich 
einem  jüngeren,  der  Xa-Zone  Zahälkas  (Teplitzer  Schichten  nach 
Fric)  entsprechenden  Horizonte  an.  Die  hie  und  da  zutage  tretenden 
Priesener  Plänermergel  bilden  dann  das  Hangende  der  besprochenen 
Schichten,  wie  übrigens  aus  den  Forschungen  Jahns  hervorgeht. 

Von  den  hier  beschriebenen  Gervillien  sind  zwar  meistens  nur 
Steinkerne  mit  mehr  oder  weniger  erhaltener  Skulptur  vorhanden, 
wie  es  fast  überall  bei  Versteinerungen  der  ostböhmischen  Kreide 
der  Fall  ist,  jedoch  ist  deren  ursprüngliche  Form  deutlich  gekenn- 
zeichnet, wie  aus  den  beigelegten  Abbildungen  zu  sehen  ist. 

Die  diesmal  festgestellten  Gervillien  weisen  folgende  Formen  auf. 


*)  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böhmischen 
Oberkreide.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1916,  Bd.  66,  Heft  2.  pag.  277-280 
und  Neuer  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  höhmischen 
Oberkreide.  Ibid.  1917,  Bd.  67,  Heft  2,  pag.  337-340. 

'^)  Vychodocesky  ütvar  kfidovy.  Pag.  61.  Roudnice  1918. 

Jahrbuch  d.  k.  k   geol.  Beichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (J.  V.  Zelizko.) 


120  J.  V.  Zellzko.  [2] 

Gervülia  Frici  n.  sp. 

Taf.  VIII,  Fig.  1. 

Eine  ungemein  lange,  gegen  die  Spitze  zu  sich  auffallend  ver- 
schmälernde, teilweise  zerdrückte,  ursprünglich  mäßig  gewölbte  rechte 
Schale.  Die  andere  Schloßrandpartie  sowie  die  Spitze  sind  abgebrochen. 

Das  Hinterohr  ist  mäßig  ausgezogen,  vorn  hervorragend  und  ab- 
gerundet, was  wahrscheinlich  auch  von  dem  fehlenden  Vorderohr  gilt. 

An  der  hinteren  Hälfte  des  Scliloßrandes  findet  man  einige 
seichte  Bandgruben.  Die  Spuren  einer  aus  konzentrischen  Streifen 
bestehenden  Schalenskulptur  sind  kaum  bemerkbar. 

Das  Fossil  ähnelt  einigermaßen  der  bereits  beschriebenen  Ger- 
vülia Ferinai  (Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  Bd.  67,  pag.  338, 
Taf.  VIII,  Fig.  2),  welche  jedoch  kürzer  ist  und  schöner  entwickelt. 
Außerdem  ist  das  Hinterohr  derselben  in  einem  viel  höheren  Flügel 
ausgezogen  sowie  die  Schloßrandlinie  zwischen  beiden  Ohren  in  einem 
viel  steileren  Winkel  verläuft  als  bei  Gervillia  Frici.  Schließlich  ist 
bei  dieser  letzten  Form  die  Schale  säbelartig  ausgeschweift,  was  bei 
Gervillia  Ferina  nicht  der  Fall  ist. 

Eine  andere  ähnliche,  säbelartige  Form,  Gervillia  Hohapfeli, 
welche  Friö  aus  den  Chlomeker  Schichten  (Archiv  der  naturwissen- 
schaftl.  Landesdurchforsch.  von  Böhmen,  Bd.  X,  Nr.  4,  pag.  65,  Fig.  84) 
beschrieb  und  abbildete,  untersciieidet  sich  von  Gervillia  Frici  durch 
ein  kurz  ausgezogenes  Hinterohr  und  schmale,  mit  dem  fast  geraden 
Schloßrand  parallel  laufende,  durch  Zwischenräume  getrennte  Zähne, 
so  daß  diese  Form  beinahe  mit  der  bekannten  in  der  böhmischen 
Kreide  viel  verbreiteten  Gervillia  solenoides  übereinstimmt. 

Die  vorliegende  neue  Form  stammt  aus  dem  lichtgrauen  fos- 
silienreichen Kalke  des  Steinbruches  „Jifiökova  skäla". 

Gervillia  Jaimi   n.  sp. 
Taf.  VIII,  Fig.  2. 

Ein  vollkommen  erhaltener  Steinkern  der  linken,  flachgewölbten 
Schale. 

Dieselbe  ii^t  säbelartig  ausgeschnitten,  gegen  die  Spitze  zu,jchmal 
und  auffallend  verlängert.  Beide  Ohren  sind  in  zwei  ziemlich  große 
ungleichmäßig  entwickelte  Flügel  ausgezogen.  Das  Vorderohr  ragt 
infolge  des  scharfen  seitlichen  Schalenausschnittes  mehr  hervor. 

Die  Länge  der  Schale  von  dem  Vorderohr  bis  zu  der  Spitze 
beträgt  94  mm,  die  Höhe  vom  Unterrand  bis  zum  Hinterohr  53  mm 
und  die  Breite  in  der  Mitte  32  mm. 

Die  Schloßrandlinie  zwischen  beiden  Ohren  bildet  einen  cirka 
25  gradigen  Winkel.  Die  ursprüngliche  Skulptur  ist  nur  auf  dem 
Unterrand  durch  einige  feine  Linien  angedeutet. 

Diese  Form  erinnert  gewissermaßen  an  die  in  meinem  ersten 
Beitrag  (Jahrbuch,  Bd.  66,  pag.  278,  Taf.  XII,  Fig.  2)  beschriebene 
Gervillia  avrita,  die  jedoch  kürzer  und  abgestumpft  ist  und  außerdem 
die  Schloßrandlinie  derselben  zwischen  beiden  Ohren  einen  55  gradigen 
Winkel  bildet. 


[3]         Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böhmischen  Oberkreide.       121 

Die  obeu  beschriebene  GerviUia  Jahni  habe  ich  zur  Ehre  des 
verdienstvollen  Forschers  in  der  ostböhmischen  Kreideformation  Herrn 
Prof.  Jahn  in  Brunn  benannt. 

Das  Fossil  stammt  gleichfalls  aus  dem  Steinbruch  „JiffckoYa 
Skala". 

Gervtllia  Zahdlkai  n.  sp. 
Taf.  IX,  Fig.  3. 

Eine  ursprünglich  mäßig  gewölbte  und  ziemlich  große  Form, 
deren  Vorderteil  leider  abgebrochen  ist. 

Die  Schale  ist  halbkreisförmig  ausgeschnitten,  fast  gleichmäßig 
breit  und  gegen  die  Spitze  zu  sich  nur  allmählich  verengend.  Das 
Vorderohr  ist  im  Vergleich  zum  Hinterohr,  welches  vorn  in  einem 
längeren  Flügel  ausgezogen  ist,  sehr  kurz.  An  dem  Schloßrande  sieht 
man  unregelmäßig  situierte  seichte  Bandgruben. 

Die  Höhe  vom  Unterrand  bis  zum  Hinterohr  mißt  cirka  65  mw, 
die  größte  Breite  37  mm.  Die  Schloßrandlinie  zwischen  beiden  Ohren 
bildet  einen  circa  25  gradigen  Winkel.  In  der  vorderen  Hälfte  ist  die 
ursprüngliche  Schaleuepidermis  sichtbar. 

Eine  solche  fast  gleichmäßig  breite  Schale  besitzt  die  in  meinem 
zweiten  Beitrag  (Jahrbuch,  Bd.  67,  pag.  339,  Taf.  VIII,  Fig.  4) 
beschriebene  GervilUa  aequabilis,  welche  aber  nicht  so  tief  aus- 
geschnitten ist  und  auch  die  Ohren  anders  geformt  hat. 

Obige  neue  Form  nannte  ich  wiederum  zur  Ehre  einer  der 
besten  Kenner  der  böhmischen  Kreideformation  Herrn  Prof.  Zahälka 
in  Roudnic. 

Dieselbe  wurde  im  Steinbruch  „Lustykova  skäla"  gefunden. 

GerviUia  erecta  n    sp. 

Taf.  IX,  Fig.  4. 

Ein  Abdruck  der  Innenseite  der  linken  Klappe  mit  abgebrochener 
Spitze.  Dieselbe  ist  verhältnismäßig  kurz,  breit  und  hoch.  Der  Vorder- 
rand unterhalb  des  Hinterohres  ist  mäßig  ausgeschweift,  gegen  die 
Spitze  geradlinig. 

Die  Ohren  sind  nicht  sehr  groß,  das  vordere  ist  breiter  und 
mehr  ausgezogen  als  das  hintere.  Der  zahnlose  Schloßrand  ist  fast 
geradlinig.  Diß  Höhe  vom  Unterrand  bis  zum  Hinterohr  beträgt  45  mm, 
die  größte  Schalenbreite  cirka  34  tnm. 

Diese  Form  ähnelt  einigermaßen  der  im  zweiten  Beitrag  (Jahr- 
buch, Bd.  G7,  pag.  339,  Taf.  VIII,  Fig.  3)  beschriebenen  GerviUia  obtusa, 
welche  jedoch  etwas  breiter  ist  und  gleichmäßiger  geformte  Ohren 
besitzt  und  die  Schloßrandlinie  verläuft  bei  ihr  in  einem  steilen  Winkel. 

Fundort:   „Lustykova  skäla." 

GevüHlia  miiiuta  ti.  sp. 
Taf  IX,  Fig.  5. 
Es   ist   ein  Steinkern   der  rechten,    mäßig  gewölbten  und  einem 
jüngeren  Individuum  gehörenden  Schale  vorhanden,  deren  Spitze  und 
das  Vorderohr  fehlen. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Beichsanstalt,  1918,  63.  Bd.,  l.  u.  S.  Hft.  (J.  V.  2«Hzko.)     lg 


122 


J.  Y.  Zelizko. 


[4] 


Dieselbe  ist  schlank,  sichelförmig  und  gegen  die  Spitze  sich 
allmählich  verschmälernd.  Die  Höhe  vom  Unterrand  bis  zum  Hinterolir 
mißt  ol  mm,  die  größte  Breite  22  mm.  Das  Hinterohr  ist  verhältnis- 
mäßig hoch  ausgezogen,  die  Schloßrandlinie  verläuft  in  einem  ziemlich 
steilen  Winkel. 

Wie  aus  den  von  mir  bisher  beschriebenen  und  abgebildeten 
Gervillien  ersichtlich  ist,  handelt  es  sich  um  eine  Form,  welche  teil- 
weise der  GervilUa  aequabiUs  sich  nähert,  jedoch  ist  dieselbe  fast 
gleichmäßig  breit,  robust  und  hatte  wahrscheinlich  ein  kurzes  Hinterohr. 

Fundort:   „Lustykova  skäla." 


Schlußbemerkung. 

Alle    bis   jetzt    von    mir    aus    der    böhmischen   Oberkreide    be- 
schriebenen Gervillien  weisen  im  ganzen  folgende  Formen  auf: 


o^ 


>''J 


GervUlia  bohemica  n.  sp. 

GervilUa  aurita  n.  sp.     . 

GervilUa  transitia  v,  .«p.') 

GervilUa  gibbera  n    sp.^) 

GervilUa  sp 

GervilUa  robust  <   n.  sp.  . 

GervilUa  Ferinai  n.  sp.  . 


+ 


GervilUa  obtusa  n.  sp.     . 

GervilUa  aequabiUs  n.  sp 

GervilUa  Fri6i  n.  sp.  . 

GervilUa  Jahni  n.  sp,  . 

GervilUa  Zahdlkai  n.  sp 

GervilUa  erecta  n.  sp.  . 

GervilUa  miniita   n.  sp 


+ 
+ 


t 


Wie  schon  aus  dem  zweiten  Beitrag  (Jahrbuch,  Bd.  67,  pag.  340) 
bekannt  ist,  zerfallen  die  von  mir  beschriebenen  neuen  Gervillien  in 
zwei  sich  voneinander  unterscheidende  Gruppen. 

Die  erste  Gruppe  ist  durch  eine  hohe  Schloßrandpartie  sowie 
durch  ein  auffallend  ausgezogenes  Hinterohr  gekennzeichnet. 

In  diese  Gruppe  gehört  jetzt: 

GervilUa  aurita  GervilUa  Jahni 

Gerüillia  Ferinai  GervilUa  Zulidlkai 

GervilUa  Frici  GervilUa  minuta. 

Die  zweite  Gruppe  weist  eine  niedrigere  Schloßrandpartie  mit 
verhältnismäßig  kurz  entwickelten,  mehr  oder  weniger  gleichmäßigen 
Ohren  auf.  « 


In  diese  Gruppe  gehört  jetzt 
GervilUa  transitia 
GervilUa  rohuüa 


GervilUa  ohtiisa 
GervilUa  erecta. 


Die  übrigen  Formen :  GervilUa  bohemica,  G.  gibbera,  G.  sp.  und 
G.  aequabiUs  sind  leider  der  ungenügend  erhaltenen  Schloßrandpartie 
wegen  unmöglich  in  eine  der  zwei  obigen  Gruppen  einzureihen. 


*)  Ursprünglich  als  GervilUa  cf.  aurita  bezeichnet. 

*)  Dieselbe    soll    auch  auf  der  Seite  340  (Jahrbuch  Bd.  67)  anstatt  der  irr- 
tümlich genannten  GervilUa  incurvata  angeführt  werden. 


Die  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom 
mittleren  Silltale. 

Von  Fritz  v.  Keriier. 

Mit  6  TextHguren. 

Der  links  von  der  Sill,  südwestlich  von  Deutsch-Matrei,  auf- 
ragende Blaser  ist  durch  wichtige  pflanzenbiologische  Forschungen 
meines  seligen  Vaters  in  Botanikerkreisen  sehr  berühmt  geworden. 
An  geologischem  Ruhme  konnte  der  Berg  aber  seinen  südlichen 
Nachbarn,  das  Nöi31acherjoch,  nicht  erreichen.  Ja,  solange  man  ihn 
nur  als  einen  auf  kristallinischem  Sockel  ruhenden  Klotz  von  Trias- 
dolomit ansah,  vermochte  er  wohl  die  Freunde  der  Geologie  beinahe 
gar  nicht  zu  fesseln.  Erst  als  Frech  ein  Vorkommen  von  karbonischem 
Quarzkonglomerat,  wie  es  die  pflanzenführeuden  Anthrazitschiefer  des 
obigen  Joches  umschließt,  inmitten  der  Trias  des  Blaser  bekanntgab, 
konnte  auch  dieser  Berg  das  Objekt  tektonischer  Spekulation  werden 
und  war  nun  in  den  engeren  Interessenkreis  der  Alpengeologen  gerückt. 

Für  mich  persönlich  gewann  der  Blaser  noch  besondere  Bedeutung 
und  Wichtigkeit.  War  er  doch  der  erste  alpine  Gipfel,  den  ich  als 
siebenjähriger  Knabe  bestieg  und  der  Berg,  auf  dem  ich  wenige  Jahre 
später  zum  erstenmal  die  Temperatur  einer  Quelle  maß,  und  bildete 
er  ja  den  Schauplatz  meiner  ersten,  nun  fast  dreißig  Jahre  zurück- 
liegenden geologischen  Untersuchung  im  Felde,  deren  Hauptergebnis 
das  war,  daß  ich  aus  dem  Hinaufreichen  von  erratischen  Blöcken  bis 
nahe  unter  die  Kuppe  des  Blaser  die  Rundhöckernatur  dieser  Bergform 
erschloß  und  so  einen  Eisstand  von  mindestens  2250  m  Seehöhe  im 
mittleren  Wipptal  für  die  Zeit  des  Höhepunktes  der  Würmverglet- 
scherung  nachwies. 


Orographische  üebersicht. 

Der  Blaser  bildet  mit  dem  ihn  noch  etwas  überragenden  Kalbjoche 
einen  orographisch  ziemlich  selbständigen  östlichen  Vorbau  des  Gebirgs- 
kammes  zwischen  Gschnitz  und  Stubai,  von  welchem  er  sich  kurz  vor 
dessen  nördlichem  Ende  löst.  Die  Stelle,  wo  sich  diese  Loslösung  voll- 
zieht, das  Val  Schwernjöchl,  dacht  gegen  Nord  zum  Waldrastergraben, 
gegen  Süd  zum  Val  Schwern  ab.  Der  erstere  Graben  trennt  mit 
seinem  oberen,  sich  gegen  NO  absenkenden  Teile  den  Gebirgsvorbau 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichaanatalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (F.  v.  Kerner.)         16* 


124  Fritz  V.  Keiner.  r2] 

von  dem  in  der  Serlos  gipfelnden  Endstücke  des  Hauptkammes.  Mit 
seinem  W — 0  streichenden  unteren  Teile  bildet  er  die  Grenze  zwischen 
dem  Blaser  und  dem  sich  zu  Füßen  der  Serlos  ausbreitenden  Berg- 
massiv von  Gleins,  das  dem  kristallinen  Unterbau  des  dolomitischen 
Kammes  entspricht.  Das  in  das  Gschnitztal  mündende  Val  Schwern 
scheidet  die  Gebirgsmasse  des  Blaser  von  dem  Rücken  des  Kesselspitz 
oder  Hutzl,  der  sich  westlich  vom  Hutzljoch  in  der  Hauptkette  erhebt. 
In  ihrem  westlichen  Teile  wird  dje  Blasermasse  von  einer  N— S 
streichenden  Furche  geqiiert,  die  gleich  dem  die  Trennung  vom 
Hauptkamm  vollziehenden  Einschnitte  in  ein  gegen  Nord  und  Süd 
abdachendes  Stück  zerfällt,  die  sich  am  Schlumessattel  berühren.  Das 
gegen  Nord  gekehrte  Furchenstück,  das  in  der  Verlängerung  der 
"Wiesenmulde  von  Schlumes  liegende  krummholzreiche  „Lange  Tal", 
konvergiert  schwach  mit  dem  nordostwärts  ziehenden,  schutterfüllten 
Teil  des  Waldrastergrabens,  um  kurz  nach  dessen  Wendung  gegen 
Ost  in  diesen  Graben  zu  münden.  Das  südliche  Furchenstück  setzt 
sich  aus  einem  sanft  abfallenden,  in  der  Region  der  Bergmähder  ge- 
legenen Teil,  dem  östlichen  Zwieselgraben,  und  in  einen  steil  die 
Waldregion  durchziehenden  Abschnitt,  den  Rabanter  Graben,  zusammen 
und  mündet  —  eine  zum  Val  Schwern  parallele,  südsüdöstliche  Richtung 
nehmend  —  bei  Trins  in  das  Gschnitztal. 

So  gliedert  sich  von  der  Hauptmasse  des  Blaser  ein  in  N — S. 
Richtung  gestreckter  schmaler  Bergkamm  ab,  dessen  mittlerer  höchster 
Teil  das  schon  genannte  Kalbjoch  ist.  Der  Blaser  im  engeren  Sinne 
stellt  dagegen  einen  breiten,  gleichfalls  in  seinem  Mittelstücke  am 
höchsten  aufsteigenden  Rücken  dar,  der  sich  um  einen  vom  Silltale 
gegen  West  eindringenden  weiten  Graben  hufeisenförmig  herumbiegt. 
Der  südliche  Ast  dieses  Hufeisens  ist  der  sich  ober  Steinach  erhebende 
Hablerberg,  dem  nördlichen  Aste  entspricht  der  von  Matrei  zur  Weißen 
Wand  sich  emporziehende  reich  bewaldete  Rücken.  Während  dieser 
nur  eine  spärliche  Gliederung  aufweist,  zeigt  sich  die  südliche  Flanke 
des  Blaser  von  vielen  kleinen  Gräben  durchfurcht,  die  sich  zu  einer 
größeren  Rinne  vereinen,  die  in  den  Rabanter  Graben  ausläuft.  Der 
schmale  westliche  Bergkamm  hat  steile,  ungegliederte  Hänge,  nur  auf 
der  Ostseite  des  Kalbjoches  entwickelt  sich  eine  mehrfach  verzweigte 
Talrinne,  die  mit  dem  östlichen  Zwieselgraben  zusammentritt  und 
das  erwähnte  Vorkommen  von  Quarzkonglomerat  birgt. 

Vergleicht  man  das  Gebiet  des  Blaser  mit  dem  Berggelände  auf 
der  Nordseite  des  äußeren  Stubai,  so  läßt  sich  eine  orographische 
Homologie  erkennen.  Der  Blaser  steht  zum  Serloskamme  in  derselben 
Lagebeziehung  wie  der  Nederkogel  zur  Saile,  und  zwar  entspricht  hierbei 
die  Serlospyramide  dem  Spitzmann,  der  Kaniplspitz  gegenüber  vom 
Kalbjoch  dem  Gipfel  der  Saile,  das  Kalbjoch  dem  Nederkogel  und  die 
Blaserkuppe  den  Höhen  von  Mittlas  Issa,  das  Waldrastertal  dem  Sag- 
bachgraben und  das  Val  Schwern  dem  Halsltal.  Man  kann  diese 
Homologie  noch  weiter  gegen  SW  verfolgen,  indem  der  sich  mit  dem 
Val  Schwern  vereinende  Padastergraben  als  eine  Formenwiederholung 
des  Schlickertales  zu  erkennen  ist;  hierbei  entspricht  der  Hutzl  dem 
Ampferstein,  der  Kamm  der  Wasenwand  und  des  Hammerspitz  den 
Kalkkögeln  und  die  Hohe  Burg  den  Grinnenköpfen.  Auf  die  geologischen 


[3]  Die  Ueberschiebung  am  Blaser,  weBÜich  vom  mittleren  Silltale.  125 

Verhältnisse  erstrecken  sich  diese  Homologien  allerdings  nur  zum 
Teil,  da  den  Dolomitbergen  im  Norden  des  Stubai  die  im  Serlos- 
kamme vorhandene  Auflagerung  von  Rhätschichten  fehlt. 


Historischer  Ueberblick. 

Seine  erste  auf  Untersuchungen  MichaelStotters  fußende  geo- 
logische Darstellung  erfuhr  der  Blaser  vor  jetzt  siebzig  Jahren  auf  der  vom 
Geognostisch-Montanistischen  Vereine  für  Tirol  und  Vorarlberg  heraus- 
gegebenen geognostischen  Karte  von  Tirol  (1849).  Hier  wurde  die  dem  Sill- 
tal  zugekehrte  Bergseite  bis  zu  einer  nicht  weit  über  die  Verbindungslinie 
Waldrast — Trins  sich  gegen  Ost  ausbiegende  Linie  dem  Glimmer- 
schiefer zugeteilt  und  der  übrige  Berg  dem  unteren  Alpenkalke  ein- 
bezogen, wobei  die  Südabhänge  die  Dolomitsignatur  dieses  Schicht- 
gliedes erhielten.  Zehn  Jahre  später  erschien  die  geognostische  Karte 
der  Innsbrucker  Gegend  von  Adolf  Pichle r,  welche  dem  ersten 
Teile  seiner  Beiträge  zur  Geognosie  Tirols  beigefügt  war.  Hier  sieht 
man  die  Herrschaft  des  Glimmerschiefers  auf  den  nordöstlichen  Teil 
der  Blasermasse  beschränkt  und  ihren  südöstlichen  als  Diluvium  aus- 
geschieden, aus  dem  eine  kleine  Parzelle  von  Tonglimmerschiefer 
herausragt.  Der  größere  Teil  des  Berges  fällt  dem  oberen  Alpen- 
kalke zu;  die  Gipfelregion  —  die  hier  wie  auf  der  vorigen  Karte 
noch  als  „Kugelwände"  bezeichnet  wird  —  kommt  dagegen  in  eine 
östliche  Aussackung  der  dem  metamorphen  unteren  Lias  zugerechneten 
Gebirgsregion  zu  liegen,  die  den  ganzen  Kamm  von  der  Serlos  bis 
zu  den  Pinniser  Schrofen  umfaßt  und  sich  von  einem  Bande  von 
Carditaschichten  umsäumt  zeigt. 

Pich  1er  gab  auch  eine  Profildarstellung  (Profil  XX  in  seiner 
obengenannten  Schrift,  vom  Inntal  über  Stubai  bis  ins  Gschnitztal 
reichend),  auf  welcher  der  Blaser  die  bei  Annahme  flacher  Schichten- 
lage aus  dem  geologischen  Kartenbilde  abzulesende  Tektonik  zeigt: 
einen  Aufbau  aus  den  vier  Stockwerken :  Glimmerschiefer,  oberer 
Alpenkalk,  Carditaschichten  und  unterer  Lias. 

Die  von  Stäche  in  den  siebziger  und  achtziger  Jahren  in  den 
Stubaier  Alpen  durchgeführten  Arbeiten,  über  deren  Ergebnisse  in 
dem  Werke  „Die  paläozoischen  Gebiete  der  Ostalpen"  berichtet  ist, 
führten  nicht  zur  Veröffentlichung  einer  Karte.  Li  der  im  Karten- 
archiv der  Geologischen  Reichsanstalt  in  einem  Originale  und  in  zwei 
Kopien  verwahrten  Manuskriptkarte  des  genannten  Autors  erscheinen 
die  Hänge  ober  Trins  zusammen  mit  der  „Hohen  Burg"  als  Kalk  und 
Dolomit  von  unbestimmtem  Alter  ausgeschieden;  darüber  folgt  ein 
schmales  Band  von  älterem  Quarzphyllit,  das  sich  in  das  Phyllitgebiet 
des  oberen  Padastergrabens  fortsetzt.  Die  Plauptmasse  des  Kalbjoches 
und  des  Blasers  —  einschließlich  des  Hablerbergrückens  und  der 
„Weißen  Wand"  —  ist  dem  Hauptdolomite  zugeteilt»  Auf  der  Nord- 
seite der  beiden  Berge  kam  ein  Streifen  von  Partnachschichten  zur 
Ausscheidung.  Im  Jahre  1905  erschien  Frechs  geologische  Karte 
des  Brenners   und   der  angrenzenden  Gebirge  als  Beilage  zu  seinem 


126  F"tz  V.  Kerner.  [4| 

bilderreichen  Werke  über  den  Gebirgsbaii  der  Tiroler  Zentralalpen 
mit  besonderer  Ilücksiclit  auf  den  Brenner.  Sie  beruhte  auf  Aufnahmen, 
die  der  kürzlich  seiner  vielseiti<]5en  wissenschaftlichen  Tätigkeit  zu  früh 
entrissene  Forscher  in  den  Jahren  1S82  und  1<S91  — 1894  gemacht 
hat.  In  der  geologischen  Darstellung,  welche  der  Blaser  auf  Frech  s 
Karte  erfährt,  erscheint  den  jüngeren  Bildungen  größere  Aufmerk- 
samkeit geschenkt,  indem  sie  in  Moränen  und  Gehängeschutt  getrennt 
und  in  größerem  Umfange  ausgeschieden  sind.  Dies  bedingt,  daß  hier 
zum  Untersdiiede  von  den  älteren  Karten  die  orographische  Selb- 
ständigkeit des  Blaser  aucii  im  geologischen  Bilde  zum  Ausdrucke 
kommt.  Das  Herrschaftsbereich  des  Glimmerschiefers  ist  gegenüber 
Pichlers  Karte  noch  mehr  eingeengt;  die  sich  aus  ihrer  Schutt- 
umhüllung heraushebende  Gebirgsscholle  fällt  —  abzüglich  des  kleinen 
Karbonkeiles  —  ganz  dem  Hauptdolomit  zu.  Das  Vorkommen  des 
Rhät,  Pichlers  Unterlias,  erscheint  auf  die  höchsten  Teile  des 
Serloskammes  beschränkt. 

Frech s  Darstellung  bedeutete  gegenüber  den  früheren  Karten 
insofern  einen  Rückschritt,  als  die  bei  Pichler  und  Stäche  in  aller- 
dings nicht  zutreffender  Weise  schon  zum  Ausdrucke  gebrachte  Trennung 
der  Kalk-  und  Dolomitmasse  des  Blaser  in  eine  obere  und  untere 
Gruppe  wieder  entfällt. 

Termiers  phantasievolle  Darstellung  des  Gebirgsbaues  westlich 
vom  Brenner  erschien  ohne  begleitende  Karte  und  lieferte  keinen 
neuen  Beitrag  zur  topischen  Geologie.  Die  irrige  Deutung  der  rhätischen 
Gipfelgesteine  der  Serlos  als  Archaicum  wird  man  nicht  als  einen 
solchen  Beitrag  bewerten. 

Der  Ostliang  des  Val  Schwerii. 

Der  vom  Kälbjoch  gegen  S  abgehende  Rücken  wendet  seinen 
Westhang  dem  Val  Schwern,  seinen  Osthang  dem  Rabanter  Graben 
und  seine  schmale  Stirnseite  dem  Gschnitztale  zu.  Diese  Seite  stellt 
sich  als  ein  über  den  Glazialschutt  des  Talgrundes  aufsteigender 
waldiger  Abhang  dar,  der  nur  wenige  Entblößungen  des  Untergrundes 
zeigt.  In  seiner  Mitte  ist  ein  größerer  Aufschluß  in  Gestalt  einer 
6 — 8  m  hohen  Felswandstufe  sichtbar.  Man  trifft  da  einen  körnigen, 
in  Lagen  von  sehr  wechselnder  Dicke  abgesonderten  Dolomit,  der  im 
frischen  Bruche  grau  und  infolge  Einstreuung  kleinster  Kriställchen 
etwas  glitzernd  ist,  an  den  rauhen,  matten  Anwitterungsflächen  weißlich 
gebleicht  erscheint  und  mehrorts  sehr  zarte  und  zierliche  Sinter- 
überzüge aufweist.  Sein  Schichtfallen  ist  ein  unter  15 — 20°  gegen  SO 
gerichtetes,  was  sich  auch  in  der  Abschüssigkeit  der  Decke  und  des 
Bodens  zweier  durch  das  Ausbrechen  von  Kalkbänken  gebildeter 
kleiner  Höhlen  kundgibt,  in  einer  links  (westlich)  von  dieser  Wand- 
stufe hinziehenden  Runse  zeigt  sich  auch  noch  ein  Verflachen  gegen 
SSO  bei  SW — NO  Streichen.  In  einer  weiter  westwärts  aufsteigenden 
Runse  fallen  die  Dolomite  aber  sanft  gegen  SW  ein.  Dieselbe  Lagerung 
trifft  man  an  einem  links  von  ihr  aufragenden  Schrofen,  von  dem  sich 
eine  gegen  Ost  abbrechende  Felsstufe  weit  am  Gehänge  hinan  ver- 
olgen  läßt.  Am  Südwestfuße  des  Hanges,  hinter  dem  dort  vorspringenden 


[51  Die  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  SiUtale.         127 

St.  Barbara-Hügel,  sind  die  Dolomite  wieder  10  — 15°  gegen  SSO 
geneigt,  das  Streichen  ist  aber  auch  hier  ein  gegen  SW  bis  SSW  ge- 
richtetes. Hier  schalten  sich  gelblich  verwitternde,  lichte  Glimmer- 
schüppchen  führende  Dolomitlagen  ein.  Da.  wo  der  Hang  gegen  das 
Val  Schwern  umbiegt  und  seine  südliche  Neigung  mit  einer  südwest- 
lichen tauscht,  treten  oberhalb  einer  Terrasse,  die  sich  als  Rest  eines 
präglazialen  Talbodens  zu  erkennen  gibt,  Felsstufen  von  Dolomit  auf, 
der  sehr  sanft  gegen  SW  verflächt  oder  ganz  schwebende  Lagerung  zeigt. 

Bei  weiterem  Anstiege  kommt  man  in  eine  Zone  schiefriger 
Gesteine.  An  Stelle  des  rhomboedrische  Klüftung  zeigenden  Dolomites 
tritt  nun  ein  im  frischen  Bruche  dunkelgrauer,  gelblichgrau  anwitternder 
feinkörniger  Kalk,  der  in  flachwellig  gebogene  plattige  Lagen  ab- 
gesondert ist  und  an  seinen  Außenflächen  eine  eigentümliche,  sehr  an 
Holzmaserung  erinnernde  Zeichnung  zeigt.  Sie  i?t  der  Ausdruck  einer 
ungewöhnlich  starken  Fältelung  und  Zerknitterung  des  Gesteins.  Dieser 
Kalk  ist  von  Adern  weißen  oder  gelblichen  Kalkspates  durchtrümert  und 
auf  den  Spaltflächen  mit  Glimmerschuppen  bestreut.  Er  führt  linsen- 
förmige Einschaltungen  eines  stahlgraueu  oder  bläulichen  Schiefers 
mit  glänzenden,  wellig  gebogenen  Ablösungsflächen,  die  stellenweise  mit 
Rostflecken  und  dünnen  Ocherkrusten  überzogen  sind.  Auch  dieser 
von  kleinen  Quarzlinsen  durchzogene  Schiefer  weist  oft  eine  starke 
Fältelung  und  Zerknitterung  auf.  Streckenweise  schwillt  er  zu  Lagen 
von  größerer  Dicke  an  und  ist  dann  manchmal  selbst  wieder  von 
Bänken  grauen  Kalkes  durchzogen.  Die  vorbeschriebenen  Schichten 
streichen,  flach  liegend,  in  ziemlich  großer  Mächtigkeit  an  den  höheren 
Teilen  des  Gehänges  iiin.  Die  Schiefer,  welche  zur  Entstehung  eines 
schwachen  Quellenhorizontes  Anlaß  geben,  bilden  kleine  Halden,  im 
östlichen  Teile  des  Gehänges  sind  sie  aber  auch  anstehend  zu  sehen. 
Die  dunkelgrauen  Kalke  zeigen  sich  weiter  im  Westen  in  einem  längeren 
Wändchen  bloßgelegt. 

Ueber  den  schieferreichen  Schichten  folgt  wieder  eine  Zone  rein 
karbonatischer  Gesteine :  grauer,  klüftiger,  dolomitischer  Kalk,  grauer, 
dünnschichtiger,  ebenflächig  spaltender,  körniger  Kalk  und  dick-  bis 
dünnplattiger,  weiß-  und  gelbgebänderter  Marmor  mit  orangegelben 
Ueberzügen  auf  den  Ablösungs-  und  Kluftflächen.  Dieses  letztere 
Gestein  läßt  sich,  sanft  gegen  W  einfallend,  gleich  unterhalb  des  Gipfel- 
rückens in  einer  Kette  kleiner  Aufschlüsse  verfolgen.  Als  Krönung 
der  Schichtfolge  erscheint  am  Rücken  oben  ein  rötlichgrauer,  kristalliner 
Kalk  mit  sehr  zahlreichen,  lagenweise  eingestreuten  Schuppen  bläulich- 
grünen Glimmers,  die  auf  den  angewitterten  Klüftflächen  eine  sehr 
feine  Riefelung  erzeugen.  In  Verbindung  mit  ihm  tritt  ein  durch  das 
Vorkommen  vieler  rostfarbiger  und  ochergelber  Flecken  neben  grün- 
lichen Glimmerhäuten  bunt  aussehender  Kalkglimmerschiefer  auf.  Auch 
stahlgrauer,  milder  Schiefer  mit  Quarzlinsen  und  Ocherkrusten,  ähnlich 
jenem  in  der  unteren  Glimmerkalkzone,  gesellt  sich  bei.  Das  Ver- 
flachen ist  hier  sanft  gegen  W  bis  SW  gekehrt. 

Man  hat  es  hier  mit  jener  wohlcharakterisierten  Schichtfolge 
zu  tun,  welche  am  Kamme  zwischen  Gschnitz  und  Stubai  zwischen 
dem  Hauptdolomit  und  dem  fossilführenden  Rhät  erscheint  und  in 
ihrer  Ausbildung  am  Kesselspitz  schon  von  Frech  durch  die  Unter- 


128  Fritz  V.  Kerner.  [ß] 

Scheidung  der  drei  Stufen :  untere  Pyritschiefer,  massige,  weiße  Kalk- 
bänke und  obere  Glimmerkalke  gekennzeichnet  wurde. 

Die  am  Froutabfall  des  südlichen  Kalbjochrückens  über  dem 
Dolomit  entwickelten  Schichtglieder  lassen  sich  längs  seines  West- 
abhanges weit  in  das  Val  Schwern  hinein  verfolgen.  Die  dunkelgrauen 
unteren  Glimmerkalke  und  die  sie  begleitenden  phyllitähnlichen  Schiefer 
sind  am  Gehänge  oberhalb  der  vorerwähnten  präglazialen  Talterrasse 
anzutreffen.  Weiter  einwärts  tauchen, sie  unter  vielem  Schutte  unter. 
In  ihrem  Hangenden  sind  auf  der  Ostseite  des  unteren  Val  Schwern 
zunächst  graue,  klüftige  Kalke  und  dann  kristalliner  Bänderkalk  und 
rötlicher  Breccienkalk  sowie  weißer,  plattiger  Marmor  zu  sehen.  Die 
oberen  Glimmerkalke  ziehen  sich,  durch  rötliche  Aufrisse  angezeigt, 
nahe  unterhalb  der  Rückenfläche  hin,  die  selbst  aus  Dolomit  besteht. 

Gute  Aufschlüsse  bietet  der  weiter  taleinwärts  gelegene,  *  von 
einem  kleinen  Bach  durchrauschte  Kunst.  An  seiner  Mündung  in  den 
Hauptgraben  zeigt  sich  kurzklüftiger,  weißer  bis  lichtgrauer,  kristalliner 
Kalk,  der  25—350  gegen  W  bis  WSW  verflächt.  Höher  oben  stürzt 
das  Bächlein  über  viele  sich  treppenartig  emporbauende  Schichtkopf- 
stufen solchen  Kalkes  ab.  Als  Einlagerung  in  ihm  zeigt  sich  ocher- 
reicher  Glimmerkalk  und  rotgrauer,  schiefriger  Kalk  mit  Häuten 
bläulichen  Glimmers.  lieber  dem  kurzklüftigen,  weißen,  kristallinen 
Kalke  folgen  roter  Breccienkalk,  dunkelgrauer  Schieferkalk  und  eine 
breitere  Einschaltung  von  mulmigem,  stahlblauem  Schiefer  mit  Quarz- 
linsen. Dieser  Schiefer  ist  im  rechtsseitigen  der  beiden  Wurzelstücke 
des  Bachrunstes  aufgeschlossen,  in  welchem  der  das  Bächlein  speisende 
Quell  entspringt.  Taleinwärts  läßt  sich  die  Zone  dieses  Schiefers,  durch 
einen  Wiesenstreif  innerhalb  des  mageren  Felsgeländes  angezeigt,  eine 
Strecke  weit  verfolgen  (Fig.  1  A). 

Das  linksseitige,  nischenartige  Wurzelstück  des  Runstes  ist  mit 
glazialem  Schutt  erfüllt.  Zur  Linken  dieser  Nische  sind  aber  Trümmer 
und  Felsentblößungen  von  glimmerigem  Sandsteine  verschiedener  Korn- 
größe und  von  feinem  und  grobem  Quarzkonglomerat  zu  sehen.  An 
einer  Stelle  zeigt  sich  Anthrazitschiefer,  in  dem  sich  ein  Abdruck 
von  Farnfiederchen  fand,  wogegen  im  Sandstein  ein  Calamitensteinkern 
zum  Vorschein  kam.  Man  hat  es  hier  mit  dem  Westende  des  später 
zu  erwähnenden,  von  Frech  bekanntgemachten  Karbonvorkommens 
zu  tun.  Taleinwärts  von  dem  vorgenannten  Runste  breitet  sich  ein 
dicht  mit  Krummholz  überwucherter  Abhang  aus,  in  welchem  mehrorts 
kleine  Schrofen  und  Türmchen  von  kristallinem  Kalk  aufragen.  Dann 
folgt  ein  von  zwei  seichten  Runsen,  die  im  Geklüfte  des  Kalbjoches 
ihren  Ursprung  nehmen,  durchfurchter,  kahler  Hang. 

Am  P'uße  der  Gehängerippe  zwischen  diesen  beiden  Runsen 
trifft  man  teils  zerworfenen,  teils  mäßig  steil  gegen  NNW  geneigten 
kristallinen  Kalk,  höher  oben  zeigt  sich  eine  Felsmasse  aus  grauem, 
plattigem  Kalk,  der  ziemlich  glimmerarm  ist,  zu  Brauneisen  verwitterte 
Würfelchen  von  Pyrit  enthält  und  jedenfalls  der  Zone  der  unteren 
Glimmerkalke  angehört.  Er  fällt  20—30°  gegen  NNW  bis  WNW.  lieber 
ihm  ruht  eine  Wandstufe  von  weiß,  hellrot  und  grau  gestreiftem  Bänder- 
marmor, der  300  gegen  W  verflächt.  Dann  folgt  ein  gelblicher  Glimmer- 
kalk  mit   blaßgrünlichen   Schuppen   und   ein   hellroter,   glimmerfreier 


[7]  Die  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittl*>ren  Silltale.         129 

Plattenkalk.  Als  Einschaltung  zeigt  sich  an  einer  Stelle  ein  schwarzes, 
bröckliges  Quarzgestein,  über  das  weiter  unten  noch  ausführlich  zu 
berichten  sein  wird.  Den  Abschluß  des  Profils  bilden  Dolomitbreccien 
der  unteren  Felswände  des  Kalbjoches  (Fig.  1  B). 

Im  südlichen  Nachbarrunste  sieht  man  in  der  Höhe  des  dunklen 
Glimmerkalkes  noch  blaßrötlichen,  sanft  nach  W  einfallenden  Marmor 
bloßgelegt,  der  mit  dem  unterhalb  des  dunklen  Kalkes  aufgeschlossenen 
zusanimenluingt.  Es  ist  hier  eine  schief  über  die  Gehilngerippe  hinab- 
ziehende Bruchlinie  zu  erkennen.  Sie  bildet  den  Westrand  einer  Ab- 
senkung der  iMarmorzone,  einer  wahrscheinlich  in  Statfeln  abgeteilten 
großen  Senkung,  als  deren  Folge  die  abnorme  Mächtigkeit  der  eben- 
genannten Zone  am  Abhänge  weiter  talauswärts  erscheint.  Eine  andere 
noch  mehr  auftallige  Senkung  zeigt  sich  an  der  weit  vortretenden  Ge- 
hängerippe nordwärts  von  der  zweiten  der  genannten  Runsen.  Den 
mächtigen  Sockel  dieser  Rippe  bildet  eine  Marmormasse,  die  aus  stark 
zerworfenen,  zum  Teil  wohl  steil  gegen  NO  fallenden  Schichten  be- 
steht, lieber  ihr  ruht  ein  Zug  von  oberem  Glimmerkalk,  der  in  seiner 
Lagerung  außerordentlich  stark  gestört  ist;  dann  folgt,  als  Krönung 
des  ganzen  Unterbaues  der  Felsrippe  ein  kuppenförmiger  Aufsatz  eines 
merkwürdigen  Mylonitgesteins.  Es  ist  ein  schwarzes,  von  kleinen 
weißen  Körnern  mäßig  reich  durchschwärmtes,  hartes  und  in  scharf- 
kantige Stücke  brechendes  Gestein,  das  im  Aussehen  einem  Melaphyr 
nicht  unähnlich  erscheint.  Es  besteht,  wie  eine  schon  vor  Jahren  von 
Hammer  vorgenommene  Schliffprüfung  ergab,  fast  ausschließlich  aus 
Quarz  mit  etwas  Glimmer  und  ein  wenig  Kalkspat,  der  sich  als  aus 
der  Umgebung  infiltriert  erweist.  Der  schwarzfärbende  Stoff  war  als 
graphitische  Masse  zu  erkennen.  Das  gänzliche  Fehlen  von  Feldspat 
schließt  die  Bezeichnung  des  Gesteins  als  Grauwacke  aus.  Es  ist  ein 
durch  Graphit  geschwärzter,  alle  Zeichen  stärkster  Quetschung  zei- 
gender Quarzsandstein.  Man  sieht  ihn  in  vielen  Trümmern  und  Fels- 
stücken auf  der  grasbewachsenen  Ueberdachung  des  Glimmerkalkes 
am  obengenannten  Bergvorsprunge  verstreut. 

An  der  sich  weiter  bergaufwärts  entwickelnden  Gehängerippe 
trifft  man  sehr  zerworfenen  Plattenmarmor  und  gleichfalls  wechselvoll 
gelagerten  kristallinen  Bänderkalk  an.  An  einer  Stelle  ist  ein  steiles 
Hinabbiegen  der  Schichten  wahrzunehmen.  Auf  einem  hochgelegenen 
Vorsprunge  ist  dann  aber  schön  geschichteter,  15°  gegen  SO  fallender 
grauer  und  weißer  Plattenmarmor  in  kleinen  Wandstufen  aufgeschlossen. 
In  Verbindung  mit  ihm  zeigt  sich  hellziegelroter  dünnplattiger  Kalk 
mit  bläulichen  Glimmerschuppen  und  an  einer  Stelle  ist  auch  hier 
das  durch  Graphit  geschwärzte  quarzige  Quetschgestein  entblößt. 
Ueber  diesem  folgt  noch  eine  20°  gegen  Osten  verflächende  Stufe 
von  kristallinem  Plattenkalk  und  dann  türmen  sich  die  Kalbjochwände 
empor,  deren  unterste  Teile  aus  rötlichgrauen  Dolomitbreccien  und 
lichten  dolomitischen  Kalken  bestehen.  Bei  diesen  Gesteinen  läßt  sich 
auch  keine  deutliche  Bankung  wahrnehmen.  Sie  tragen  vielmehr  die 
Zeichen  starker  Stauchung  an  sich.  Es  ist  hier  demnach  eine  Ver- 
werfung nachweisbar,  die  es  bedingt,  daß  der  dicht  unter  den  Dolo- 
mitmassen des  Kalbjoches  liegende  Glimmerkalk  und  Mylonit  in  einer 
viel  tieferen  Lage  nochmals  sichtbar  werden  (Fig.  1  C). 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  S8.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (F.  v.  Kerner.)  n 


190 


Fritz  V.  Kerner. 


[8] 


[9]  Die  Ueberschiebung  am  Blaser^  westlich  vom  mittleren  Silltale.         131 

ErklRrang  zu  vorstehenden  Profilen. 

A.   Profil  durch  den  Bachrunst. 
1.  Weißer  kristalliner  Kalk.  —   2.  Roter  Breccienkalk.  —  3.  Dunkelgrauer 
Schieferkalk.  —  4.  Stahlblauer  Schiefer.  —  6.  Quarzkonglomerat  und  Quarzsand- 
stein. —  6.  Glazialschutt. 

B.  Profil  durch  die  Gehängerippe  zwischen  den  zwei  seichten  Runaen. 
1.    Gehängeschutt.     —     2.  Lichter    Marmor.     —     3.  Grauer    Pyritkalk.  — 

4.  Bunter  ßändermarmor.  —  5.  Gelblicher   Glimmerkalk.  —  6.  Schwarzer  Quarz- 
mylonit.  —  7.  Dolomitbreccie. 

C.  Profil  durch  die  Gehängerippe  nordwärts  von  den  zwei  seichten  Ransen. 
1.  Gehängeschutt.     —    2.  Marmor.    —    8.  Glimmerkalk.    —    4.  Mylonit.  — 

5.  Zerworfener  kristalliner  Bänder-   und  Plattenkalk.  —  6.  Geschichteter  Platten- 
marmor. —  7.  Mylonit.  —  8.  Dolomitbreccie. 


Im  obersten  Teil  der  Runse,  die  zwischen  den  beiden  Berg- 
rippen aufsteigt,  ist  rechts  gleich  unter  dem  Dolomit,  der  hier  auch 
sehr  gestört  erscheint,  im  Hangenden  von  Bänderkalken  eine  ziemlich 
mächtige,  stark  verquetschte  Masse  von  grünschuppigem,  gelblichem 
Glimmerkalk  zu  sehen.  Links  steht  in  gleicher  Höhe  noch  Dolomit  an. 
In  der  Runse  selbst  trifft  man  neben  Dolomitblöcken  ein  Gestein,  das 
sich  als  dolomitisch-kalkige  Reibungsbreccie  erweist.  Hier  hat  man 
eine  zu  der  vorigen  quer  verlaufende  Verwerfung,  die  östliche  Be- 
grenzung der  tief  abgesunkenen  GebirgsschoUe  vor  sich.  Der  vor- 
genannte grünschuppige  Glimmerkalk  ist  das  bezeichnende  Gestein 
der  Hangendzone  des  Mamorzuges  am  Hutzl  und  den  ihm  westwärts 
benachbarten  Bergen.  Zu  größerer  Verbreitung  kommt  aber  am  Ost- 
hange des  Val  Schwern  ein  rötlicher  Plattenkalk  mit  spärlichen 
Schüppchen  lichten  Glimmers,  an  dessen  Erscheinen  sich  das  Auftreten 
roter  Erdaufrisse  knüpft.  Dann  findet  sich  mehrorts  auch  die  ein- 
gangs als  bunter  Schiefer  angesprochene  Varietät  der  die  Marmorzone 
überlagernden  Schichten.  Bei  diesen  Kalkschiefern  und  Glimmerkalken 
sind  manchenorts  auffällige  Zerknitterungen  zu  erkennen. 

Talaufwärts  von  dem  Bergvorsprunge  unterhalb  der  weit  vor- 
tretenden Gehängerippe,  die  den  subalpinen  vom  alpinen  Abschnitt 
des  Val  Schwern  trennt,  tauchen  wieder  untere  Glimmerkalke  auf. 
Sie  treten  dort  zu  beiden  Seiten  einer  kleinen  Runse  mit  sehr  wech- 
selndem Verflachen  an  den  Tag.  Zur  Rechten  sind  sie  an  einer  Stelle 
40^  gegen  SO  und  weiterhin  in  niedrigen  Stufen  10 — lö*'  gegen  S 
geneigt.  Zur  Linken  zeigt  sich  eine  30^  gegen  SW  einfallende  Masse 
aus  glimmerreichem,  von  Kalzit  durchtrüraertem,  dunklem  Platten- 
kalk, unter  dem  hier  noch  engklüftiger  Dolomit  erscheint.  Noch 
weiter  talaufwärts  verhüllt  reiche  Schuttentwicklung  das  Gestein.  In 
jenem  steilen  südöstlichen  Fallen  erkennt  man  eine  Erscheinung  der 
Schichtschleppung  an  dem  nördlichen  Ende  der  beschriebenen  abge- 
sunkenen Scholle.  In  Uebereinstimmung  damit  sind  auch  die  Schichten 

17» 


132  Fritz  V.  Kerner.  [10] 

in  dem  anschließendeu  Teile  jener  tief  gelegenen  Mamormasse  unter- 
halb des  Quarzmylonits  gegen  NW  aufgebogen. 

Im  alpinen  Teil  des  Val  Schwern  treten  dann  wieder  obere 
Glimmerkalke  zwischen  dem  dort  reich  entwickelten  Gehängeschutte 
und  den  Dolomitschrofen  des  Kalbjochgipfels  zutage.  Endlich  trifft 
man  sie  auf  dem  Val  Schwern-Jöchl,  der  Scharte  zwischen  jenem 
Gipfel  und  dem  Kamplspitz.  Sie  sind  dort  vorwiegend  als  hellgrauer, 
bräunlich  anwitternder  Kalk  mit  Kalzitadern  und  vielen  Glimmer- 
Schüppchen  entwickelt.  Das  graphithaltige  Quarzgestein  ist  als  ein 
durch  sehr  heftigen  Gebirgsdruck  ganz  zermalmtes  klastisches  Karbon 
zu  deuten.  Sein  Vorkommen  stellt  einen  abgequetschten  Rest  des  in 
dem  früher  erwähnten  wasserführenden  Runste  bei  derselben  Position 
entblößten  Quarzsandsteines  dar.  Die  starke  Stauchung  des  über  dem 
gequetschten  Glimmerkalke  ruhenden  Dolomites  läßt  auch  diesen  als 
flach  aufgeschobene  Scholle  erkennen.  Die  Grenze  zwischen  Dolomit 
und  Glimmerkalk  am  Osthange  des  Val  Schwern  entspricht  so  ihrer 
ganzen  Längserstreckung  nach  dem  seitlichen  Anschnitte  einer  Schub- 
fläche (Fig.  2  unten).  Im  folgenden  wird  gezeigt,  daß  auch  auf  der  Süd-, 
Ost-  und  Nordseite  des  Blasers  und  Kalbjoches  die  Ausstriche  dieser 
Fläche  sichtbar  sind  und  so  die  ganze  Blasermasse  von  einer  Schub- 
fläche durchschnitten  ist. 

Der  Zwieselgraben  und  Santireiigrabeii. 

Die  steil  absteigende  Rinne,  zu  welcher  sich  die  vielen  am 
Südhange  des  Kalbjoches  und  des  Blasers  zur  Entwicklung  kommenden 
Gräben  vereinen,  ist  in  ihrem  untersten  Teile  ganz  in  Schuttmassen 
eingesenkt.  Es  mengt  sich  hier  der  vom  Dolomit  und  Kalkgebirge 
stammende  Gehängeschutt  mit  dem  aus  Glimmerschiefer-  und 
Gneistrümmern  bestehenden  glazialen  Schutte.  Das  erste  Anstehende 
ist  hier  links  ein  rötlichgrau  anwitternder  dolomitischer  Kalk,  der 
auf  den  infolge  Einsprengung  kleinster  Kriställchen  glitzernden  Bruch- 
flächen eine  mit  vielem  Grau  vermengte,  ins  Rosenrote  bis  Weinrote 
spielende  Farbe  zeigt.  Er  ist  nur  undeutlich  geschichtet,  sehr  un- 
regelmäßig zerklüftend,  aber  von  zu  plattiger  Absonderung  neigenden 
Lagen  durchzogen,  die  —  etwas  dunkler  als  die  Hauptmasse  gefärbt  — 
zahlreiche  Schuppen  von  eisengrauem  bis  grünlichgrauem  Glimmer 
enthalten.  Dieser  Kalk  fällt  mittelsteil  gegen  SSO;  er  läßt  sich  wegen 
reichlichen  Glazialschuttes  nicht  weit  am  Abhänge  hinan  verfolgen. 
Rechts  gegenüber  sieht  man  nur  einen  abgerutschten  Klotz  von 
Holzmaserkalk,  dessen  Bänke  bei  fast  seigerer  Stellung  quer  zur 
Talfurche  stehen  und  einige  Blöcke  von  weißlichem  Marmor  aus  dem 
Schutte  aufragen. 

Höher  oben  zeigt  sich  links  ein  klüftiger,  lichtgrauer  dolomitischer 
Kalk,  der  gleichfalls  mittelsteil  gegen  SSO  verflächt.  In  der  dann 
folgenden  Enge,  die  gleich  dem  unteren  Teil  der  Rinne  viele  erratische 
Blöcke  birgt,  sieht  man  ebensolchen  Kalk  mit  sanftem  ostsüdöstlichem 
Verflachen  anstehen.  Ober  dieser  Enge  zweigt  links  eine  steil  an- 
steigende Gehängenische  ab,  die  sich  zum  südlichen  Ende  des  Kalb- 
jochrückens hinauzieht.    Zur  Linken    eines  sich    in  ihr   entwickelnden 


rill        r)i6  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale  133 

Bächleins  tritt  oberhalb  glazialer  Trümmermasseti  ein  feinkörniger, 
im  Bruche  dunkelgraiier,  von  weißen  Spatadern  durchzogener  Kalk 
zutage,  der  in  fiachwellige,  dickplattige  bis  diinnschichtige  Lagen 
abgesondert  ist  und  an  seinen  gelblichgrau  anwitternden  Außenflächen 
teils  eine  feine  Riefung,  teils  eine  eigentümliche,  sehr  an  Holz- 
maserung erinnernde  Zeichnung  zeigt.  Er  enthält  schmale  Linsen  von 
stahlgrauem  Schiefer  mit  glänzenden,  wellig  gebogenen  Ablösungsflächen 
und  weist  selbst  auf  seinen  Schichtfugen  einen  Glimmerbelag  auf. 
Die  aus  diesem  Kalk  bestehenden  Felsstufen  lassen  fast  söhlige 
Schichtlage  erkennen. 

Zur  Rechten  sieht  man  dann  Aufschlüsse  eines  dolomitischen, 
rhomboedrisch  zerklüftenden  Kalkes,  weiter  oben  solche  eines  dick- 
plattigen  lichtgrauen  oder  blaßgelblichen  Marmors,  der  an  einer  Stelle 
mit  20  ^^  in  h.  14,  an  einer  anderen  höher  gelegenen  Stelle  mit  25° 
in  h,  16  verflacht.  Der  dunkle  Schieferkalk  und  die  ihn  überlagernden 
lichten,  zum  Teil  dolomitischen  Kalke  lassen  sich  von  der  besprochenen 
Gehängenische  zur  Hauptader  des  Rabanter  Grabens  hinüber  verfolgen. 
Die  lichten  kristallinen  Kalke  bilden  hier,  zum  Teil  plattig  abgesondert 
und  flach  liegend,  an  dem  zwischen  der  Westnische  und  dem  Haupt- 
graben aufsteigenden  Bergvorsprunge  eine  größere  Wandstufe. 

Im  Hauptgraben  sind  oberhalb  der  Abzweigung  der  linken 
Seitennische  noch  die  Liegendschichten  des  grauen  Schieferkalkes 
bloßgelegt.  Zur  Linken  sieht  man  graue  dolomitische  Kalke,  die  zu- 
nächst sanft  25  —  20°  gegen  Ost  einfallen  und  weiter  oben  nahezu 
söhlig  liegen ;  rechts  ragt  eine  hohe,  durch  ihre  rote  Farbe  auffal- 
lende Felswand  auf,  die  aus  weißem  bis  lichtgrauem  Dolomitmarmor 
besteht,  der  eine  ungemein  regelmäßige  Klüftung  zeigt,  so  daß  die 
aus  ihm  gebildete  Wand  wie  aus  lauter  Rliomboedern  aufgebaut  er- 
scheint. Die  Schichten  dieses  Marmors  fallen  20"  OSO  und  sind  von 
düunen  Lagen  eines  körnigen  rötlichen  Dolomites  mit  bläulichgrünen 
Glimmerschuppen  durchzogen.  Die  rote  Außenfarbe  der  Felswand,  die 
wohl  den  Anlaß  zu  dem  aus  romanischer  Vorzeit  stammenden  Namen 
der  Gegend  gab  (Rabant  von  ruber)  ist  teils  durch  Eisenoxydhydrate, 
teils  durch  orangegelbe  pflanzliche  Ueberzüge  bedingt.  Diese  Felswand, 
welche,  von  Westen  gesehen,  einen  malerischen  Vordergrund  zu  den 
in  der  Ferne  sichtbaren  Tuxer  Eisbergen  bildet,  reicht  talwärts  bis 
zu  einer  sich  steil  emporziehenden  Rinne,  welche  gleich  oberhalb 
der  linksseitigen  Nische  rechts  in  den  Rabanter  Hauptgiaben  mündet 
und  als  das  Endstück  der  sich  am  Südhang  der  Blaserkuppe  ent- 
wickelnden Gräben  erscheint. 

Die  untere  Grenze  der  grauen  plattigen  Glimmerkalke  streicht 
im  Hauptgraben  au  der  durch  eine  Minderung  seines  Gefälles  be- 
zeichneten Stelle  durch,  wo  er  aus  der  Waldzone  in  die  Region  der 
Alpenmähder  gelangt.  Am  linksseitigen  (westlichen)  Hange  des  alpinen 
Grabenteiles  sind  nur  wenige  Aufschlüsse  vorhanden.  Oberhalb  der 
roten  Felswand  bauen  sich  aber  viele  kleine  Schrofen  von  grauem 
körnigem  Kalke  auf,  der  in  flachwellig  gebogene  plattige  Lagen  ge- 
schichtet ist,  auf  den  Ablösungsflächen  mitGlimmerschüppchen  bestreut 
erscheint,  an  augewitterten  Kluftflächen  die  schon  erwähnten  Holz- 
maserzeicluiungen  zeigt   und  viele    aus   stark  gewellten  Lamellen  be- 


134 


Fritz  V.  Kerner. 


[12] 


Eh 


es 


Cß 


\ 


[131         t*ic  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.         135 

Ei'kIHruDg  zu  rorstehenden  Profilen. 

1.  Liegenddolomit  der  Glimmerkalke.   —  2.  Unterer  Glimmerkalk.  —  3.  Marmor 

und  Bänderkalk.  —  4.  Oberer  Glimmerkalk.  —  5.  Rhätkalk.  —  fi.  Aufgeschobener 

Dolomit.  —  7.  Rötlicher  dolomitischer  Mylonit.  —  8.  Phyllit.  —  9.  Quarzkonglomerat. 

—   10.  Schwarzer  quarzitiacher  Mylonit. 

Lp  =  Lämperraahdspitz    —    Tr=  Waldraster  Graben.    —   A'=  Ostgrat  des  Kalb- 
joches.   —  £  =  Blaser.    —  P=  Plazet.   —  //=  Hablerberg.  —  i^p  =  Kamplspitz. 
—   r  =  Valschwernjöchl.  —   ff^  Kalbjoch. 


stehende  Schieferlinsen  enthält.  Seine  Schichtenlage  ist  teils  söhlig, 
teils  eine  sanft  gegen  N  gerichtete.  In  kleinen  Aufschlüssen  ist  dieser 
Kalk  längs  der  Ostflanke  des  alpinen  Teiles  des  Rabanter  Grabens 
bis  nahe  zu  der  als  Zwiesel  benannten  Oertlichkeit  zu  verfolgen,  wo 
sich  der  Graben  in  zwei  Hauptäste  teilt.  Hoch  oben  an  den  beider- 
seitigen Hängen  des  noch  ungeteilten  Grabens  ziehen  sich  Wandstufen 
hin,  die  aus  den  die  dunklen  Gliinmerkalke  überlagernden  hellfarbigen 
Kalkschichteu  bestehen.  Man  trifft  da  in  scharfkantige  Stücke  split- 
ternden lichtgrauen  körnigen  Kalk  und  weiß-  und  blaßgelblich  gebän- 
derten Marmor  in  meist  flacher  Lagerung  an. 

Von  den  beiden  in  der  Zwiesel  sich  vereinigenden  Gräben  dringt 
der  westliche  in  den  Osthang  des  Kalbjoches  ein,  wogegen  der  östliche 
zum  Sattel  zwischen  diesem  Joche  und  dem  Blaser  hinanzieht.  Der 
erstere  Graben  enthält  das  tektonisch  bedeutsame  Vorkommen  von 
karbonischem  Quarzkonglomerat.  In  Trümmern  ist  dasselbe  schon  eine 
kurze  Strecke  vor  der  an  der  Vereinigungsstelle  der  beiden  Gräben 
entspringenden  Zwieselquelle  zu  treffen.  Es  könnte  sich  hier  um 
einen  abgerissenen  Schubfetzen  handeln,  da  es  —  wenn  durch  Wasser 
verfrachtete  Gesteinsstücke  vorlägen  —  seltsam  erschiene,  warum  auf 
der  Strecke  zu  den  anstehenden  Massen  Konglomerattrümmer  fehlen. 
Oberhalb  der  genannten  Quelle  und  im  untersten  Teile  des  West- 
grabens sind  noch  Kalkschuttaufrisse  sichtbar.  In  einer  dann  folgenden 
Enge  dieses  Grabens  stehen  aber  schon  Quarzkonglomerate  an,  die 
links  (Westseite)  sanft  gegen  W  bis  WSW,  rechts  40—45  ^  steil  gegen 
SSW  fallen,  so  daß  hier  der  Graben  einer  Bruchlinie  entspricht. 

Talaufwärts  trifft  man  rechts  eine  Konglomeratmasse,  die  bei 
Seigerstellung  0— W  streicht  und  dann  noch  mehrere  Aufschlüsse 
klastischer  Karbongesteine,  die  sehr  wechselnde  Schichtlagen  zeigen: 
800  SSO,  300  NO,  40^  NNO  und  45^  OSO.  Diese  Aufschlüsse  liegen 
schon  nahe  der  oberen  Grenze  der  Konglomerate.  Ein  neben  ihnen 
vorspringender  Felssporn  besteht  in  seinem  tieferen  Teile  aus  Dolomit, 
in  seinem  höheren  aus  grobem  Sandstein.  Der  Dolomit  scheint  steil 
ostwärts  zu  fallen.  Man  hat  es  demnach  hier  mit  stark  gestörten 
Lagerungsverhältnissen  zu  tun.  An  den  beiderseitigen  Hängen  des  die 
Konglomerate  quereuden  Grabens  sind  fast  keine  Aufschlüsse  vor- 
handen. Es  läßt  sich  aber  die  Verbreitung  des  Karbons  daran  er- 
kennen, daß,  soweit  es  reicht,  der  Boden  mit  Heidekraut,  Azalea 
und   Flechtentundra    überwuchert   ist,    wogegen   das    Dolomitgelände 


136  Fritz  V.  Kerner.  [l4j 

alpine  Wasenbedeckiing  zeigt.  Es  bedingt  so  hier  das  Vorkommen  von 
Silikatgesteinen,  wie  sie  am  gegenüberliegenden  Nößlacherjoche 
herrschen,  auch  eine  Enklave  der  dort  auftretenden  Pflanzenformation. 

Am  linken  Abhänge  des  westlichen  Zwieselgrabens  ziehen  sich 
die  Konglomerate  weit  hinauf,  ohne  jedoch  den  First  des  Grenz- 
kammes gegen  das  Val  Schwern  zu  erreichen.  Sie  sind  dort  aber 
auch  nur  mit  einem  dünnen  Dolomitlappen  und  einer  hochgelegenen 
Moräne  überdeckt,  da  sie,  wie  zuvoi;  erwähnt,  in  einem  Runste  auf 
der  Westseite  des  besagten  Kammes  wiederum  zum  Vorschein  kommen. 
Rechterseits  des  westlichen  Zwieselgrabens  scheinen  sich  die  kla- 
stischen Karbongesteine  in  zusammenhängender  Masse  nur  bis  an  den 
oberen  Rand  der  östlichen  Grabenwandung  zu  erstrecken,  doch  trifft 
man  Sandsteintrümmer  auch  noch  weiter  ostwärts  in  dem  schon  zur 
Zwieselquelle  gegen  S  abfallenden  Gelände.  Betreffs  seiner  petro- 
graphischen  Beschaffenheit  stimmt  das  Quarzkonglomerat  im  v^estlichen 
Zwieselgraben  ganz  mit  dem  am  Nößlacher-  und  am  Leitenjoche  überein. 
Erbsen-  bis  nußgroße,  unvollkommen  abgerundete  Stücke  weißen  Quarzes 
zeigen  sich  mit  spärlichen  Schiefersplittern  durch  ein  kieseliges, 
Schüppchen  lichten  Glimmers  führendes  Zement  verkittet.  Stellen- 
weise geht  das  Konglomerat  in  einen  groben,  ungleichkörnigen  Sandstein 
über.  Anthrazitschieferlinsen  sind  im  Konglomerat  des  Zwieselgrabens 
bisher  nicht  gesehen  worden.  Bei  einer  vor  zwei  Jahren  im  Früh- 
sommer unternommenen  Besteigung  des  Kalbjoches  fand  ich  aber 
dort  in  dem  durch  eine  Lawine  aufgewühlten  mulmigen  Erdreich 
Stückchen  glänzenden  Kohlenschiefers  und  in  einem  derselben  einen 
Calamitenrest.  An  das  Vorkommen  des  Quarzkonglomerates  knüpft 
sich  wie  am  Ost-  und  Nordhange  des  Leitenjoches  auch  hier  im  west- 
lichen Zwieselgraben  das  Erscheinen  von  Quellen. 

Talaufwärts  vom  Karbonvorkommen  sind  in  diesem  Graben  zu- 
nächst ein  paar  Aufrisse,  die  Dolomitscliutt  bloßlegen,  sichtbar.  Höher 
oben  dehnen  sich  Mähder  aus,  die  fast  bis  zum  Gipfel  des  Kalbjoches 
hinanreichen.  Im  obersten  Teile  des  Grabens  treten  Dolomitfelsen 
zutage,  von  denen  der  erste  zur  Linken  20°  SSO-Fallen  zeigt,  der 
nächste,  etwas  höher  gelegene,  rechts  20*^  OSO-Fallen  erkennen  läßt. 
Noch  weiter  oben  wurde  bei  einem  Schrofen,  nahe  unter  dem  West- 
grate des  Kalbjoches,  40 — 50°  steiles  SSO-Fallen  festgestellt.  Auf 
diesem  Grate  herrscht  35°  steile  Schichtneigung  gegen  OSO  vor.  Am 
Gipfel  des  Kalbjoches  zeigt  sich  ein  Verflachen  des  Dolomites  gegen 
SSW  unter  20 — 30°,  am  Grate  weiter  ostwärts  ein  steiles  Verflachen 
gegen  SSO.  Der  Dolomit  ist  hier  kristallin,  im  Bruche  grau,  licht 
anwitternd  und  scharfkantig  zersplitternd.  Frech  gibt  vom  Kalbjoche 
ohne  nähere  Ortsbezeichnung  den  Fund  von  als  Megalodus  zu  deutenden 
Schalendurchschuitten  an  (Gebirgsbau  der  Brennerfurche,  S.  30). 

Beim  Eintritte  in  den  von  der  Zwiesel  rechts  abzweigenden 
Graben  fällt  der  Blick  bald  auf  einen  zu  seiner  Linken  vortretenden 
Schrofen,  vor  dem  als  Erosionsrest  ein  seltsam  geformter  Pilzfels 
steht.  Mein  seliger  Vater  pflegte  dieses  Felsgebilde  ob  seiner  Aehn- 
lichkeit  mit  einem  Vogelkopfe  als  Eulenfelsen  zu  benennen,  während 
bäuerliche  Phantasie  es  mit  einem  „Kugleten  Grint"  verglich.  Dieser 
Schrofen    besteht   aus   einer   außerordentlich    stark   zerrütteten  Masse 


I  151         I^^6  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.         137 

rötlichen  Marmors  und  ist  als  solche  mit  dem  links  benachbarten 
Einschube  von  Karbon  in  die  Trias  in  Beziehung  zu  bringen.  Ihr 
gegenüber  zieht  sich  auf  der  rechten  Seite  des  Grabens  eine  Wand- 
stufe hin,  die  aus  ganz  ungeschichtetem  weißem,  von  roten  Flecken 
und  Adern  sehr  stark  durchtrümertem  Marmor  besteht,  einem  Gesteine, 
das  alle  Zeichen  heftiger  Quetschung  und  Knetung  an  sich  trägt. 

Überhalb  dieser  Stufe  fand  sich  ein  Block  von  blaßgelblichem, 
grünschuppigem  Glimmermarmor,  der  eine  ungewöhnliche  Fältelung 
aufwies  und  ein  Block  von  grünlichem  Kalkphyllit,  wie  er  mehrorts 
in  der  oberen  Glimmerkalkzone  der  Nachbargebiete  erscheint.  Eine 
zusammenhängende  Lage  von  Gesteinen  dieser  Zone  ließ  sich  hier 
aber  nicht  nachweisen.  Man  kann  sich  denken,  daß  bei  Einwirkung 
von  Kräften,  die  eine  harte  Marmorbauk  zermürbten,  die  weniger 
widerstandsfähigen  oberen  Glimmerkalke  völliger  Zermalmung  unter- 
lagen. Talaufwärts  von  dem  Schrofen  mit  der  steinernen  Eule  schneidet 
der  östliche  Zwieselgraben  ganz  in  Dolomit  ein.  Es  sind  hier  aber 
nur  noch  auf  der  rechten  Grabenseite  bergwärts  von  der  vorgenannten 
Marmorwand  Gesteinsentblößuugen  vorhanden,  die  lichtgrauen,  split- 
terigen Dolomit  aufschließen,  wie  er  auch  am  Kalbjoch  über  dem 
Karbon  erscheint. 

Weiter  aufwärts  dehnen  sich  hier  ohne  Unterbrechung  prächtige 
Alpenmähder  aus.  Der  Geologe  räumt  da,  zur  Untätigkeit  verurteilt, 
dem  Botaniker  das  Feld,  der  hier  hinwiederum  um  so  reicheren  Stoff 
für  seine  Forschungsziele  findet.  In  der  Tat  waren  diese  Alpenmatten 
auf  der  West-  und  Südseite  des  Blaser  eine  der  bevorzugten  Arbeits- 
stätten meines  seligen  Vaters.  Von  hier  wanderten  viele  systematisch 
interessante  Spezies  in  Hunderten  getrockneter  Exemplare  in  der  von 
meinem  Vater  einst  ausgegebenen  „Flora  exsiccata  Austro-Hungarica" 
in  die  Welt  hinaus,  hier  wurden  von  ihm  in  der  auf  dem  Südvorbau 
der  Blaserkuppe  errichteten,  zu  Beginn  der  achtziger  Jahre  in  Betrieb 
gestandenen  Versuchsstation  viele  wichtige  pfianzenbiologische  Beob- 
achtungen gemacht,  unU  hier  war  es,  wo  für  zwei  der  Farbentafeln 
im  „Pflanzenleben"  für  „Soldanellen  im  Schnee"  und  „Alpiner  Wasen 
auf  dem  Blaser  in  Tirol"  der  berühmte  Leipziger  Illustrator  Ernst 
Heyn  unter  meines  Vaters  wissenschaftlicher  Führung  die  Original- 
aquarelle entwarf.  Das  zweite  jener  schönen  Bilder  stellt  den  obersten 
Teil  des  östlichen  Zwieselgrabens  dar. 

Während  die  zur  Linken  des  Rabanter  Grabens  steil  ansteigende 
Rinne  nur  in  eine  Bucht  der  westlichen  Grabenwandung  ausläuft,  geht 
die  gleich  weiter  oben  rechts  abzweigende  Rinne  in  einen  sich  in 
viele  Zweige  auflösenden  Graben  über,  der  mit  seinen  letzten  Endi- 
gungen bis  nahe  unter  die  Blaserkuppe  reicht.  Es  ist  dies  der  Santiren- 
graben.  In  seinem  steilen  Anfangsteile  quert  man  in  derselben  Höhen- 
zone wie  im  Hauptgraben  von  Rabant  zahlreiche  Stufen  eines  an  zer- 
knitterten Schieferlagen  reichen,  wellig-plattigen  Kalkes,  der  sanft 
gegen  OSO  verflächt.  Auch  am  Hange  weiter  ostwärts  treten  Wand- 
stufen solchen  Kalkes  auf,  der  mehrorts  die  ihm  eigentümliche  Holz- 
maserzeichnung schön  entwickelt  zeigt.  Das  Schichtfallen  ist  hier  ein 
ziemlich  sanft  (20°)  gegen  0  gerichtetes;  die  Gesamtmächtigkeit  des 
Schieferkalkes  eine  ziemlich  große. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  CS.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (F.  v.  Keiner.)  irf 


138  ^^'^^^  ^-  K:erner.  [161 

Kurz  vor  dem  Beginn  der  Alpenmähder  kommt  es  dann  wieder 
zu  rein  kalkiger  Ausbildung  des  Gesteins.  Man  trifft  liclitgrauen,  in 
ebenflächige  Platten  spaltenden  Kalk  und  weißen,  bankig  abgesonderten 
Marmor,  der  fast  söhlig  gelageirt  ist.  An  den  weiter  ostwärts  hinstrei- 
chenden Hängen  zeigt  sich  plattiger  Marmor  von  rein  weißer  Farbe 
und  höher  oben  brecciöser  Marmor  mit  feinen,  roten  Adern  sowie 
grauer,  weniger  gut  gebankter  kristalliner  Kalk,  Die  Schichten  sind 
hier  gegen  SW  geneigt.  ^ 

Gleich  oberhalb  des  Zaunes,  welcher  die  alpine  Wiesenregion 
begrenzt,  steht  rechts  eine  Felsmasse  aus  weißem,  rot  gestriemtem 
und  geädertem  Marmor,  der  keine  Schichtung  zeigt,  von  Harnischen 
durchsetzt  erscheint,  ganz  regellos  zerklüftet  ist  und  auch  den  Ein- 
druck eines  stark  gequälten  Kalkes  macht.  Zur  Linken  steht  auch 
hier  noch  klüftiger  kristalliner  Kalk  an.  Dann  folgt  hier  aber,  quer 
zum  Graben  streichend,  ein  Geländestreifeu,  in  dem  sich  Trümmer 
grünschuppigen  Glimmerkalkes  am  Westhange  des  Grabens  eine  Strecke 
weit  hinauf  verfolgen  lassen.  Jenseits  dieser  Trümmerzone,  die  nach 
unten  bis  zur  Grabensohle  reicht,  trifft  man  einen  lichtgrauen  dolo- 
mitischen Kalk.  An  den  Lehnen,  über  welche  man  hoch  ober  der  vorhin 
genannten  roten  Wand  aus  dem  Santirengraben  zu  den  Zwieselgräben 
gelangt,  sind  mehrorts  auch  Gesteine  nachweisbar,  die  zwar  manchen 
Abarten  der  unteren  Kalkschiefergruppe  ähnlich  sehen,  aber  doch  als 
stark  veränderte  obere  Glimmerkalke  aufzufassen  sind,  deren  Zone 
hier  fast  gänzlicher  Auswalzung  unterlag.  Bergaufwärts  folgen  auch 
hier  dolomitische  klüftige  Kalke. 

Auf  einem  oberhalb  der  vorgenannten  rot  durehäderten,  schichtungs- 
losen Marmormasse  ausgebreiteten  Wiesenboden  sind  auch  Trümmer 
und  Blöcke  von  grünschupi»igem  Glimmerkaik  verstreut.  Sie  liegen 
dort  an  höherer  Stelle  als  im  erwähnten  Streifen  auf  der  Westseite 
des  Grabens,  so  daß  dieser  hier  einem  Verwürfe  mit  abgesunkenem 
Westflügel  entspricht.  Der  mittlere  und  obere  Abschnitt  des  Santiren- 
grabens  und  seine  Aeste  liegen  im  Bereiche  eines  grauen,  außen  weiß 
gebleichten,  sich  sehr  rauh  anfühlenden  Dolomits.  Auch  hier  sind  noch 
an  ein  paar  Stellen  Trümmer  von  Glimmerkalken  sichtbar.  Sie  dürften 
hier,  obwohl  gerade  dieser  Flankenteil  des  Blasers  reich  an  Findlings- 
blöcken ist,  nicht  auch  als  solche  zu  betrachten  sein.  Man  könnte 
sie  zwar  von  den  hochgelegenen  Vorkommen  solcher  Kalke  auf  den 
Gipfeln  südlich  von  der  Kesselspitze  herleiten,  doch  sind  erratische 
Kalktrümmer  im  Bereich  des  Gsclmitztales  äußerst  selten.  Man  sieht 
sich  so  zur  Annahme  versucht,  daß  man  es  hier  mit  in  die  Unterfläche 
einer  Dolomitschubmasse  eingepreßten  und  mitgerissenen  Fetzen  ihrer 
Unterlage  zu  tun  hat.  Es  würde  sich  dann  um  das  letzte  Ausklingen 
der  Reste  eines  gegen  0.st  allmählich  ganz  zum  Schwunde  kommenden 
Schichtgliedes  an  der  Basis  einer  Schubmasse  handeln. 

Die  Dolomite  in  den  oberen  Teilen  des  Santirengrabens  zeigen 
sich  mehrorts  stark  zertrümmert  und  zerrüttet  und  ihre  feinen  Sprünge 
sind  da  mit  Kalktutf  erfüllt,  der  auf  den  Gesteinsflächen  auswitternd 
zarte  Netze  bildet.  Auf  dem  schmalen  Rücken  zwischen  den  Wurzeln 
des  genannten  Grabens  treten,  insoweit  nicht  Wasen  das  Gestein  be- 
deckt, Ueberstreuungen  mit  feinem  Dolomitschutt  auf,  die  wohl  durch 


[17]  I^^ie  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.         139 

oberflächlichen  Zerfall  des  ganz  vom  Eise  abgeschliffenen  Felsbodens 
entstanden  sind.  Auch  in  der  Kuppenregion  des  Blasers  kommen  solche 
eluviale  Schuttbildüngen  vor.  Hier  zeigt  sich  außerdem  ein  wichtiger 
tektonischer  Befund.  Es  läßt  sich  von  der  früher  erwähnten  ehemaligen 
pflanzenbiologischen  Versuchsstation  bis  zur  Gipfelkuppe  hinauf  eine 
Kette  kleiner,  rötlicher  Felsklippen  verfolgen,  die  aus  fest  miteinander 
verkneteten  Splittern  und  Brocken  von  Glimmerkalk,  Hornstein  und 
Dolomit  bestehen.  Sie  heben  sich  durch  ihre  Farbe  scharf  von  der 
Umgebung  ab  und  lassen  zum  Teil  ein  mäßig  steiles  gegen,  SO  ge- 
wandtes Einfallen  erkennen.  Man  hat  es  hier  mit  der  Durchspießung 
des  Dolomits  durch  einen  emporgepreßten  Keil  der  an  seiner  Basis 
entwickelten  Mylonite  zu  tun. 

Die  Plazetniähtler  und  der  Hablerberg. 

Gegen  das  äußere  Gschnitztal  dacht  der  Blaser  mit  einem  von 
vielen  kleinen  Gräben  durchfurchten  Hange  ab,  der  sich  westwärts 
bis  zum  östlichen  Grenzrücken  des  Santirengrabens,  nordwärts  bis 
zum  Hablerberg  erstreckt.  Die  steile  unterste,  oberhalb  der  glazialen 
Talausfüllung  hinstreichende  Zone  dieses  Hanges  ist  fast  ganz  in 
Schutt  gehüllt.  Nur  in  ihrem  westlichsten  Teile  und  in  einem  Stücke 
ihrer  Osthälfte  sind  Aufschlüsse  vorhanden.  Auf  den  Waldwegen  ober- 
halb Trins  erscheinen  mehrorts  kleine  Felsstufen,  die  aus  dunkel- 
grauem Glimmerkalk  und  Holzmaserkalk  bestehen,  der  20°  nach  0 
bis  OSO  verflächt,  zum  Teil  auch  söhlig  liegt.  Längs  eines  Weges, 
der  talauswärts  von  der  östlich  des  genannten  Dorfes  stehenden 
Antoniuskapelle  sanft  ansteigend  dem  Gehänge  folgt,  trifft  man  dünn- 
geschichteten, dunklen,  körnigen  Kalk,  der  viele  Schuppen  und  Flasern 
von  lichtem  Glimmer  und  Knauern  von  gelbem  Kalzit  enthält  und 
stellenweise  auch  Holzmaserzeichnungen  zeigt.  Am  westlichsten  seiner 
Aufschlüsse  ist  20°  SW-Fallen,  am  nächstfolgenden  15°  NO-Fallen  er- 
kennbar. Eine  mehr  ostwärts  anzutreffende  Entblößung  zeigt  fast  söh- 
lige Schichtlage,  eine  noch  mehr  talauswärts  liegende  sanftes  ostsüd- 
östliches Verflachen. 

Zu  Häupten  dieser  untersten  sehr  schuttreichen  Gehängezone 
streicht  ein  hohes  Felsband  hin,  das  in  seinem  unteren  Teil  aus 
Marmor,  in  seinem  oberen  aus  kristallinem  Glimmerkalk  besteht.  Der 
in  sehr  scharfkantige  Stücke  spaltende  Marmor  ist  zum  Teil  rein  weiß, 
zum  Teil  blaßrötlich  oder  gelblich,  teils  auch  weiß  und  grau  oder 
weiß  und  gelb  gebändert,  manchmal  weiß  und  blaßrötlich  gefleckt. 
Daneben  tritt  auch  plattig  abgesonderter  grauer  und  weißer  Marmor 
auf.  Das  Hangende  dieser  Gesteine  ist  zum  Teil  als  kristalliner  blaß- 
gelblicher Kalk  mit  vielen  Schuppen  grünlichgrauen  Glimmers,  teils 
als  grauer  körniger  Kalk  mit  bläulichen  Glimmerblättcheu  und  weißen 
Quarzlinsen  entwickelt. 

In  ihrer  Gesamtheit  überblickt  läßt  diese  mächtige  Schichtmasse 
hochkristalliner  Bänder-  und  Glimmerkalke  flachwellige  Lage  erkennen, 
da  das  besagte  Felsband  eine  flache  Sigmoide  beschreibt.  Der  nach 
unten  ausbiegende  Teil  derselben  kommt  auf  die  Hänge  oberhalb 
Trins  zu  liegen;  ihr  schwach  gewölbter  Scheitel  auf  die  steilen  Lehnen 

18* 


140  Fritz  V.  Kern  er.  Mgl 

im  Nordosten  der  Aiitoniuskapelle.  Dort  ist  das  Felsband  wie  in  seinem 
westlichsten  Teile  in  kleine  Sclirofen  zerstückt.  Am  deutlichsten  und 
mächtigsten  entwickelt  zeigt  es  sich  in  seiner  Mitte,  wo  es  die  höhlen- 
reicheii  Tennenschrofen  formt.  Der  aus  dem  Gesamtbilde  ersichtlichen 
Tektonik  entsprechen  die  Einzelbefunde:  An  den  Waldwegen  ober 
Trins  sieht  man  Glimmerkalke  30 — 40''  steil  gegen  Ost,  und  unter 
15 — 20"  gegen  OSO  einfallen.  Gerade  oberhalb  des  Dorfes  ist  ein 
Synklinalkeru  aus  Marmorschichten  sichtbar  mit  30°  gegen  SO  bis  SSO 
und  ebenso  steil  gegen  SW  einfallendem  Flügel.  Letzteres  Verflachen 
herrscht  auch  weiter  ostwärts  vor.  Dann  stellt  sich  wieder  sanftes 
östliches  Verflachen  ein.  Der  so  bezeugten  flachen  Schichtaufwölbung 
entspricht  auch  die  bereits  erwähnte  Antiklinalstellung  der  unteren 
Glimmerkalke   an   den    Hängen   talauswärts  von   der  Antoniuskapelle. 

Oberhalb  der  Tennenschrofen  liegt  eine  flache  Einbuchtung  des 
Bergabhanges,  die  mit  glazialem  Schutte  überstreut  ist  und  nur  spärliche 
Gesteinsaufschlüsse  zeigt.  In  einem  Hohlwege,  welchem  der  zu  den 
Plazetmähdern  führende  Pfad  beim  Eintritt  in  diese  Gehängebucht 
folgt,  und  etwas  weiter  oben  im  Walde  steht  brecciöser  grauer 
Dolomit  an.  Weiter  ostwärts  steigt  das  Berggelände  oberhalb  der 
Felsbandzone  steiler  an  und  da  tritt  an  vielen  Stellen  Dolomit  zutage. 
Dieser  erweist  sich  als  ein  sehr  engklüftiges,  in  kleine  kantige  Bröckeln 
zersplitterndes  Gestein,  das  ziemlich  undeutlich  geschichtet  ist  und 
bei  hellgrauer  Farbe  eine  Durchtrümerung  mit  weißen  Adern  zeigt. 
Oft  ist  er  zu  grobem  Grus  zerfallen.  Stellenweise  geht  er  in  eine 
Dolomitbreccie  über.  Mehrorts,  so  am  Ostrande  der  vorgenannten  Ein- 
buchtung, wird  dieser  Dolomit  mehr  kalkig  und  an  Stelle  starker  ober- 
flächlicher Zerklüftung  treten  dann  Kleinformen  eines  Karrenreliefs. 

Oberhalb  der  vorgenannten  Bucht  des  Berggehänges  steigt  das 
Gelände  steil  zu  dem  den  Graben  von  Santiren  gegen  Ost  begrenzenden 
Rücken  an.  Hier  treten  an  vielen  Stellen  Gesteine  der  Marmorzone  auf. 
Es  sind  teils  bankige,  weiße  und  lichtgelbe,  teils  in  dicke  große  Platten 
spaltende  graue  körnige  Kalke,  lieber  ihnen  lagern,  den  oberen  Teil 
des  Grenzrückens  gegen  Santiren  formend,  wieder  Dolomite.  In  dem 
kleinen  Graben,  welcher  östlich  von  diesem  Rücken  liegt,  ist  ungefähr 
in  Mittelhöhe  und  dann  in  seinem  oberen  Teile  unterer  Glimmerkalk 
entblößt.  Die  Schichten  im  oberen  Aufschlüsse  fallen  15°  SO  und 
unterteufen  die  Dolomite  des  Rückens.  Unter  ihnen  steht  in  niedrigen 
Felsstufen  ein  sanft  gegen  W  bis  SW  verflächender  dolomitischer  Kalk  an, 
dessen  Kluftflächen  eine  auffällige  parallele  Riefung  zeigen.  Derselbe 
Kalk  tritt  in  Verbinaung  mit  dem  weiter  unten  bloßgelegten  unteren 
Glimmerkalke  auf. 

An  den  ostwärts  vom  genannten  Graben  sich  ausdehnenden 
Plazetmähdern  kommen  dunkelgraue  glimmerige  Plattenkalke  mehrorts 
an  den  Tag,  Sie  zeigen  mäßig-  bis  mittelsteile  (30  —  45°)  Schicht- 
neigung gegen  SSW  bis  SW  und  fallen  so  unter  die  in  der  Waldregion 
zu  Füßen  der  genannten  Mähder  anstehenden  Dolomite  ein.  In  losen 
Massen  lassen  sie  sich  selbst  bis  in  diese  Region  hinab  verfolgen. 
Bergwärts  reichen  sie  bis  zu  der  sanft  gewellten  Hochfläche  hinauf, 
die  sich  oberhalb  der  steil  ansteigenden  Plazetmähder  ausbreitet  und 
gegen    NW    hin    von    der    Gipfelkuppe    des   Blasers   überragt   wird. 


[191         I^iö  Ueberschiebung  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.  141 

Innerhalb  dieser  räumlich  ausgedehnten  Bloßlegung  von  unteren 
Glinimerkalken,  denen  sich  in  scharfkantige  Platten  spaltende  Kalke 
beigesellen,  trifft  man  zwei  Klippen  von  Dolomit.  Die  eine  ragt  nicht  weit 
oberhalb  der  Stelle  auf,  wo  der  bereits  erwähnte,  zu  den  Plazetmähdern 
führende  Pfad  den  diese  talwärts  abgrenzenden  Zaun  erreicht.  Der 
Dolomit  fällt  hier  40 ^  gegen  SSO  bis  S,  liegt  also  deutlich  diskordant 
den  unteren  Glimmerkalken  auf,  die  —  wie  erwähnt  —  gegen  SW 
verflachen.  Die  andere  Dolomitklippe  erhebt  sich  weiter  westwärts 
und  höher  oben  auf  der  Ostseite  des  früher  erwähnten  Grabens  gegen- 
über dem  höher  gelegenen  der  dort  sichtbaren  Aufschlüsse  von  un- 
terem Glimmerkalk.  Auch  hier  ist  deutliche  Diskordanz  vorhanden,  indem 
der  Dolomit  teils  45^  gegen  ONO  bis  0,  teils  60°  gegen  0  verflächt, 
die  Schieferkalke  in  seiner  östlichen  Nachbarschaft  aber  20'^  gegen  SW 
fallen.  Zwischen  diesem  Dolomit  und  jenem  am  Grenzrücken  gegen 
den  Santirengraben  tritt  lichter  Marmor  auf.  Ein  ganz  isolierter 
Marmorrest  innerhalb  der  Region  der  unteren  Glimmerkalke  ist  am 
Rande  der  erwähnten  Hochfläche  oberhalb  der  Plazetmähder  zu 
sehen. 

Das  östlich  von  diesen  Mähdern  gegen  den  Hablerberg  zu 
liegende  Gebiet  fällt  auch  noch  der  Verbreitungsregion  der  unteren 
Glimmerkalke  am  Südosthange  des  Blaser  zu.  Vom  Dolomitgebiete 
oberhalb  der  Felsbandzone  wird  dieser  Glimmerkalk  durch  einen 
Marmorzug  getrennt,  der  ungefähr  der  Grenze  zwischen  den  alpinen 
Matten  und  dem  Waldgelände  folgt.  Man  sieht  hier  weißen  und  licht- 
grauen, seltener  gestreiften  feinkörnigen  Marmor,  der  zum  Unter- 
schiede vom  engklüftigen  Dolomit  einen  Zerfall  in  größere  Spaltstücke 
zeigt.  Der  Glimmerkalk  neben  dem  Marmorzuge  fällt  sanft  gegen  SSO 
bis  S  unter  diesen  ein.  Auch  im  Gebiete  östlich  von  den  Plazet- 
mähdern ist  den  unteren  Glimmerkalken  eine  größere  Dolomitklippe 
aufgesetzt. 

Besonderes  Interesse  erregt  hier  aber  ein  räumlich  sehr  aus- 
gedehntes Vorkommen  von  Quarzphyllit.  Dieser  zeichnet  sich  durch 
eine  ganz  außerordentlich  starke  Zerknitterung  seiner  Lamellen  aus, 
die  eine  ins  Grünliche  spielende  mattgraue  Farbe  zeigen,  soweit 
nicht  die  Verwitterung  rostbraune  Töne  schafft,  Gesteine  von  ganz 
ähnlichem  Aussehen  sind  am  Nößiacherjoche  anzutreffen  und  es 
drängt  sich  so  die  Ueberzeugung  auf,  daß  mau  es  hier  mit  einem 
großen  Schubfetzen  zu  tun  hat.  Das  Vorkommen  übertrifft  jenes  von 
Quarzsandstein  und  Quarzkonglomerat  im  westlichen  Zwieselgraben 
um  mehr  als  das  Doppelte  an  Größe  und  stellt  sich  so  als  ein  wohl 
sehr  bemerkenswerter  Üeberschiebungszeuge  dar.  Gleichwie  im  östlichen 
Zwieselgraben  bedingt  auch  hier  das  Auftreten  von  Silikatgestein 
einen  auffälligen  Wechsel  in  der  Vegetation,  der  ebenso  wie  dort 
zur  kartographischen  Festlegung  des  Vorkommens  gute  Dienste  tut. 
Man  glaubt  sich  da  angesichts  des  reichlichen  Erscheinens  von  Azaleen- 
teppichen und  üppigen  Flechten-  und  Moosbeständen  fast  in  das  von 
der  gegenüberliegenden  Talseite  herüberblickende  paläozoische  Schiefer- 
gebiet versetzt.  Ein  Einblick  in  die  Lagebeziehungen  dieses  Phyllites 
zu  den  Gesteinen  seiner  Umgebung  bleibt  bei  der  Dichtigkeit  des 
Pflanzenkleides  leider  verwehrt. 


142 


Fvitz  V.  Kerner. 


[20] 


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[211         I^ic'  Uebevschiebtmg  am  Blaser,  westlich  vom  mitiieren  Silltale.         143 

Erkliirung  zum  vorsteliendeu  geologischen  Debersichtskärtchen. 

1.  Liegenddolomit  der  Glimmerkalke.   —  2.  Unterer  Glimmerkalk.   --  3.  Marmor 

und  Bänderkalk.  —  4.  Oberer  Glimmerkalk.  —  5.  Rhätkalk.  —  6.  Aufgeschobener 

Dolomit.    —    7.    Quarzkonglomerat.    —   8.    Phyllit.    —    9.  Rötlicher   dolomitischer 

Mylonit.  —  10.  Schwarzer  quarzitischer  Mylonit. 

L  =  Liimpermahdspitz.    —  A'  =  Kamplspitz.    —    WG  =  Waldraster  Graben.  — 

LT  =  Langes  Tal.    —    KJ  =  Kalbjoch.   —   S  =  Schlumes.   —  B  ^  Blaser.  — 

//  =   Ilablerberg.    —    Z  =^   Zwiesel.    —    Sl   =   Santiren.    —    P  =   Plazet.  — 

VS  —  Val  Schwern.  —   i?  =  Rabant.  —    T  =  Tennenschrofen. 


Etwas  erschüttert  erscheint  die  Auffassung  dieses  Phyllites  al* 
Schubdeckenrest  durch  die  Tatsache,  daß  am  Osthange  des  Habler- 
berges an  einer  Stelle  derselbe  Phyllit  konkordant  über  unterem 
Glimmerkalk  ruht.  Dies  könnte  zur  Annahme  führen,  daß  er  auch  an 
den  Lehnen  östlich  vom  Plazet  doch  nur  ein  Glied  der  über  dem 
Hauptdolomit  entwickelten  schieferführenden  Schichtgruppe  sei.  Freilich 
fehlt  er  als  solches  andernorts  in  der  unteren  Glimmerkalkzone  und 
Konkordanz  kann  als  Ausnahme  örtlich  beschränkt  auch  zwischen 
zwei  nur  tektonisch  verknüpften  Schichtschollen  vorkommen,  wenn 
sie  durch  spätere  Bewegungsvorgänge  ganz  dieselbe  Orientierung 
erhielten  (Fig.  2,  mittleres  Profil). 

Der  Rücken  des  Hablerberges,  welcher  den  östlichen,  sich  dem 
Wipptale  zuwendenden  Blaservorbau  bildet,  hat  gegen  dieses  eine 
steile  Frontabdachung,  die  sich  von  den  zum  Gschnitztale  und  zum 
Brandachgraben  senkenden  Flankenhängen  ziemlich  scharf  abgrenzt, 
so  daß  es  zu  ei.ner  Gabelung  seines  sanft  gegen  Ost  geneigten  Rücken- 
firstes in  zwei  steil  gegen  SO  und  NO  abfallende  Grate  kommt.  Die 
vorerwähnte,  über  die  Südhänge  des  Berges  hinstreichende  Glimmer- 
kalk- und  Marmorzone  steigt,  nachdem  sie  den  südöstlichen  dieser 
Grate  erreicht  hat,  an  dessen  Ostflanke  empor,  um  dann  dem  Firste 
des  Rückens  zu  folgen.  Sie  beschreibt  dabei  einen  scharfen,  gegen 
Ost  konvexen  Bogen  um  das  von  ihr  unterteufte  Dolomitgebiet.  Kurz 
vor  der  Umbiegung  sieht  man  auf  einem  noch  im  Gschnitztal  stehenden 
Bergvorsprung  20*^  gegen  WSW  geneigte  Stufen  von  weiß-  und  gelb- 
gebändertem  Plattenmarmor  und  in  seinem  Hangenden  ebenfalls 
plattigen,  20 — 25''  gegen  WSW  bis  W  einfallenden  grünschuppigen 
Glimmerkalk  sowie  einen  Aufschluß  von  lichtbraunem  Horusteinschiefer 
mit  Knauern  von  Quarz.  Jenseits  der  raschen  Umbiegung  des  Berg- 
gehänges zeigt  sich  dann  auf  der  dem  Wipptal  zugekehrten  Seite 
der  schon  geschilderte  Befund :  die  konkordante  Überlagerung  sanft 
gegen  S  geneigten  Glimmerkalkes  durch  sehr  stark  zerknitterten 
Phyllit. 

Weiter  nordwärts  folgt  ein  Wiesenboden,  wo  2^j^  gegen  S  bis 
SSW  geneigter  Holzmaserkalk  ansteht,  der  in  der  Fortsetzung  des 
vom  Phyllit  bedeckten  liegt  und  selbst  von  dolomitischem  Kalke 
unterteuft  wird,  der  gleichfalls  sanft  gegen  SSW  verflächt.  Dann  läßt 
sich   nochmals    eine   Überlagerung    von   unterem    Gliramerkalk    durch 


144  Fritz  V.  Keiner.  [22] 

Stark  gefältelten  Phyllit  erkennen.  Das  unmittelbare  Hangende  des 
letzteren  ist  nicht  sichtbar.  Höher  oben  am  Gehänge  treten  dann 
blaßrötliche  und  graue  dickplattige  Gesteine  der  Marmorzone  auf. 
Sie  formen,  sehr  sanft  gegen  WSW  verflächend,  unterhalb  des  Ost- 
endes des  Hablerberges  eine  kleine  Hügellandschaft,  deren  Gräben 
und  Mulden  viel  Trümmerwerk  von  Plattenmarmor  erfüllt.  Am  Nord- 
ostrande dieser  Landschaft  trifft  man  schon  unteren  Glimmerkalk, 
der  sich  hier  rasch  am  Abhänge ,  emporzieht.  Im  Südwesten  der 
Marmorhügel  ist  sehr  sanft  gegen  W  bis  WSW  einfallender  oberer 
Glimmerkalk  zu  sehen,  der  sich  vom  erwähnten  Bergvorsprunge  in 
losen  Stücken,  jedoch  nicht  in  einem  Zuge  oder  in  einer  Kette  von 
Felsen  hier  herauf  verfolgen  läßt. 

Auch  oben  auf  der  schmalen  Rückenfläche  des  Halberberges 
kann  man  das  Fortstreichen  des  oberen  Glimmerkalkes  nur  durch 
den  Nachweis  zahlreicher  verstreuter  Trümmer  feststellen.  Seine  hier 
als  rötlichweißer  und  fast  uugeschichteter  Marmor  ausgebildete  Unter- 
lage formt  dagegen  eine  Reihe  kleiner  Schrofen,  die  sich  längs  des 
oberen  Randes  der  dem  Brandachgraben  zugewandten  Nordabhänge 
des  Bergrückens  hinziehen.  Den  Fuß  dieser  Schrofenreihe  begleiten, 
soweit  er  nicht  von  Schutthalden  besäumt  ist,  kleine  Stufen  von 
unterem  Glimmerkalk.  Die  sanft  abdachenden  Lehnen  gleich  im  Süden 
der  Rückenfläche  gehören  schon  dem  Dolomit  an  (Fig.  2,  mittleres  Profil). 

Ein  sehr  mannigfaltiger  Befund  zeigt  sich  an  der  Wurzel  des 
Bergrückens,  da,  wo  dieser  aus  dem  von  der  Blaserkuppe  gekrönten 
mittleren  Gebirgsteile  hervortritt.  Diese  Gegend  liegt  gleich  im  Nord- 
osten des  vorhin  beschriebenen  Phyllitvorkommens  und  stellt  sich  — 
da  der  Rücken  gegen  Ost  zunächst  noch  ein  wenig  ansteigt  —  als 
ein  flacher  Sattel  dar.  Unweit  seines  Nordabfalles  ragt  eine  kleine 
Klippe  auf,  die  aus  50°  gegen  OSO  einfallendem  grauem  Plattenmarmor 
besteht.  Am  Sattelrande  selbst  erheben  sich  zwei  Hügelchen  aus 
ungeschichtetem  Dolomit.  Unterhalb  der  zwischen  ihnen  liegenden 
Scharte  trifft  man  graue,  weißgeäderte  Kalke  und  dunkle  Schiefer  an. 
Weiter  südwärts  steht  schon  am  gegen  Nord  abfallenden  Hange  ein 
kleiner  Turm  aus  kristallinem  dolomitischem  Kalk,  der  40°  gegen 
0  verflächt  und  eine  abgerutschte  Masse  zu  sein  scheint.  Ein  ihm 
benachbarter  Schrofen  baut  sich  aus  Dolomit  und  ihn  konkordant 
überlagerndem  unterem  Glimmerkalk  auf,  der  40^  gegen  0  fällt,  wo- 
gegen ein  neben  ihm  höher  aufragender  Felsen  aus  Marmor  besteht. 
Mehr  in  der  Mitte  des  Sattels  befindet  sich  ein  kleiner  Riff,  der 
stark  verquetschter  Marmor  zu  sein  scheint.  Mehr  gegen  Süden  zu 
folgt  dann  ein  Hügel,  an  dessen  Süd-  und  Westseite  ein  hellrötlicher, 
glimmerführender  Kalk  ansteht,  der  in  dünne,  wellig  verbogene  Scherben 
zerfällt  und  40^  gegen  SO  neigt.  Man  hat  es  hier  mit  einem  stark 
zerstückelten  Abschnitt  der  sich  den  Dolomiten  des  Blaser  ein- 
schaltenden Marmor-  und  Glimmerkalkzone  zu  tun. 

Am  Rücken  westlich  vom  genannten  Sattel  trifft  man  Dolomit- 
schutt und  Trümmer  von  Kalkscliiefer  an.  Am  oberen  Ende  des 
Phyllitvorkommens,  das  —  wie  erwähnt  —  bis  in  die  Nachbarschaft 
des  Sattels  reicht,  zeigt  sich  eine  Wandstufe  aus  grauem  Glimmerkalk, 
der  40^  gegen  SVV  fällt  und  dem  Phyllite  aufzuruhen  scheint.  Weiter 


[231         Di''  Ueberschiebung  am  Riaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.         145 

iiordwcärts,  am  Abfalle  des  Geländes  gegen  den  Brandachgraben,  kommt 
dann  eine  Felsstufe  zur  Entwicklung,  die  sich  mehrfach  unterbrochen 
längs  dieses  Abfalles  bis  in  die  Nähe  der  Blaserkuppe  hinaufzieht. 
Ihr  unteres  Stück  besteht  aus  mehreren  Schrofen  von  grauem  Kalk, 
der  30*^  gegen  SSW  verflächt,  von  dünnplatigera  Pyritschiefer  über- 
dacht wird  und  durch  eine  Zone  von  Schieferschutt  vom  tiefer  unten 
anstehenden  Dolomite  getrennt  ist,  der  40°  gegen  S  fällt.  Dann  folgt 
eine  zusammenhängende  Stufe  aus  flach  gewelltem  Kalk,  der  gegen 
NW  streicht  und  25—30°  gegen  SSW  bis  S  einfällt.  Vereint  mit  ihm 
zeigt  sich  ein  unebeuflächig  plattiger  Kalk  mit  Ocherbelag  und  glän- 
zenden Glimmerfiasern.  Das  obere  Stück  der  Felsstufe  baut  sich  aus 
einem  grauen,  30°  gegen  SSO  geneigten,  gut  geschichteten  Kalk  auf, 
der  in  scharfkantige  ebonflächige  Trümmer  von  säuliger  oder  breit- 
spießiger Form  zerfällt.  Untergeordnet  tritt  hier  weißer  und  licht- 
gelber Marmor  mit  spärliciiem  Glimmer  auf.  Das  Liegende  des  grauen 
Kalkes  ist  ganz  in  Schutt  gehüllt.  In  seinem  Hangenden  erscheint 
engklüftiger  Dolomit,  der  gleichfalls  ziemlich  sanft,  lokal  aber  bis  zu 
60''  steil  gegen  SSO  verflächt. 

Südöstlich  von  der  Blaserkuppe  verliert  sich  dann  die  Felsstufe 
und  auch  die  unteren  Glimmerkalke,  denen  sie  aufliegt,  scheinen 
auszukeilen.  Der  steile  Ostabfall  der  Kuppe  ist  eine  der  wenigen 
Stellen  im  Bereich  der  ganzen  Bergmasse  des  Blasers,  wo  die  Ein- 
schaltung einer  Glimmerkalk-  und  Marmorzone  zwischen  dem  Gipfel- 
dolomit und  dem  Dolomit  des  Gebirgssockels  fehlt  und  man  von  der 
Kuppe  niedersteigend  aus  dem  Bereich  des  oberen  Dolomites  direkt 
in  das  des  unteren  gelangt. 

Der  Sclilumesgraben  und  die  Weiße  Wand. 

Gegen  Nord  fällt  das  Kalbjoch  steil  zum  oberen  Teil  des  schutt- 
erfüllten Grabens  ab,  der  die  Gebirgsmasse  des  Blaser  vom  Serlos- 
kamme trennt.  Dieser  Absturz  zeigt  das  Landschaftsbild  des  wildesten 
Dolomitgebirges:  ein  Gewirre  jäh  aufstrebender  Pfeiler,  Felstürme 
und  Zinnen  und  zwischen  ihnen  eingerissener  schuttreicher  Schlote 
und  Runsen.  Die  nördliche  Bergflanke  tritt  hier  so  in  schärfsten 
Gegensatz  zur  südlichen,  die  sich  bis  zur  Gratlinie  hinauf  als  ein  von 
seichten  Gräben  durchfurchter  Wiesenhaug  darstellt.  Das  Schichtfallen 
ist  am  Nordabsturze  des  Kalbjoches  ein  sanft  gegen  S  bis  SSO 
gerichtetes.  Es  bedingt  dies,  da  die  vortretenden  Schichtköpfe  zur 
Entwicklung  schmaler  Gesimse  führen,  eine  teilweise  Begehbarkeit 
mancher  unzugänglich  scheinender  Wände.  Das  vorherrschende  Gestein 
ist  ein  lichtgelblichgrau  anwitternder  Hauptdolomit  mit  dunkelgrauen, 
schimmernden,  oft  von  einem  zarten  Netze  weißer  Aederchen  durch- 
zogenen Bruchflächen;  daneben  treten  auch  lichte  und  dunkle  dolo- 
mitische Kalke  auf. 

Aus  den  sich  zu  Füßen  der  Dolomitabstürze  in  den  Talgrund 
absenkenden  Halden  taucht  eine  Felsmasse  hervor,  die  aus  stark 
zerworfenen,  anscheinend  steil  gegen  S  und  0  einfallenden  Dolomit- 
schichten besteht.  Auf  der  durch  sie  gebildeten  Geländestufe  sind 
viele  gelbliche  Mylonite  und  ganz  zermalmte  und  zerquetschte  Dolomite, 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  üft.  (F.  v.  Keiner.)         19 


146  FütT.  V.  Kerner.  r24] 

aber  nur  ganz  wenige  Trümmer  von  Glimmerkalk  zu  sehen.  Es 
scheint,  daß  hier  der  Dolomit  einer  abgebrochenen  Scholle  vor  eine 
stehengebliebene  Masse  der  von  ihm  überschobenen  Schichten  zu 
liegen  kam  und  diese  völlig  verdeckte.  Weiter  ostwärts  treten  dann 
die  vom  Dolomit  überschobenen  Glimmerkalke  und  Marmore  in  größerer 
Erstreckung  an  den  Tag,  eine  gelbliche  Felsstufe  zu  Füßen  der  grauen 
Wände  des  östlichen  Kalbjoches  bildend.  Dieses  durch  Farbengegen- 
satz auifällige  Erscheinen  anderer  Gesteine  unter  dem  Dolomit  wurde 
schon  von  Frech  bemerkt,  doch  glaubte  er,  daß  es  sich  um  eine 
Einlagerung  von  Glimmerkalk  und  Pyritschiefer  im  Dolomite  handle. 
Daß  man  es  aber  nicht  mit  konkordantem  Schichtverband  zu  tun  hat, 
zeigt  sich  klar  daran,  daß  die  über  einem  massigen  Marmorunterbau 
in  bedeutender  Mächtigkeit  entwickelten  Glimmerkalke  bei  im  ganzen 
flacher  Lage  mannigfach  gestört,  zerbrochen  und  zerstückt  erscheinen 
und  die  sie  überdachenden  Dolomite  heftig  gestaucht  und  geknetet 
sind.  Letzterer  Umstand  kommt  im  Landschaftsbilde  darin  zum  Aus- 
drucke, daß  an  die  Stelle  eckiger,  in  Stockwerke  gegliederter  Fels- 
türme verkrümmte  steinerne  Riesenfinger  und  seltsam  geformte 
Pilzfelsen  treten.  Doch  läßt  sich  noch  ein  mittelsteiles  Einfallen  der 
Dolomitmassen  gegen  SSO  und  SO  erkennen,  wogegen  die  unter  ihnen 
liegenden  Glimmerkalke  und  gut  geschichteten  Bändermarmore  sanft 
gegen  SSO  bis  S  verflachen.  Die  Überschiebungslinie  selbst  ist  schutt- 
verhüllt. Die  Glimmerkalke  weisen  hier  eine  ziemliche  Mannigfaltigkeit 
auf.  In  den  Künsten,  durch  die  ihr  Gesteinszug  in  dicke  Pfeiler 
zerschnitten  wird,  sind  dunkelgraue  blättrige  Tonschiefer,  dünn  ge- 
schichtete Kalke  mit  hellgrünem  Glimmer,  glimmerarme  hellgelbliche 
Plattenkalke  und  dunkelbraun  anwitternde  Kalke  zu  sehen  (Fig.  2,  oben). 

Der  Zug  dieser  Gesteine  biegt  dann  um  das  Nordende  des 
Kalbjochgrates  herum,  um  sich  bis  an  die  Achse  des  zwischen  dem 
Kalbjoche  und  dem  Blaser  eingesenkten  Grabens  zu  erstrecken.  Unter 
ihm  tritt  hier  auch  wieder  der  Marmorzug  mächtig  hervor.  Dieser 
bildet,  sich  zu  einer  hohen  Wandstufe  gestaltend,  die  Grenze  des 
alpinen  gegen  den  subalpinen  Teil  jenes  Grabens.  Ersterer  ist  die 
von  einem  Quellbächlein  durchzogene  Wiesenmulde  Schlumes,  letzterer 
das  krummholzreiche  „Lange  Tal".  Die  Marmorwände  an  der  Grenze 
beider  Grabenteile  sind  von  einigen  Verwerfungen  durchschnitten 
und  bauen  sich  aus  15 — 20°  gegen  SSO  einfallenden,  schön  gebänderten 
Schichten  auf.  Über  ihnen  trifft  man  am  Ostrand  der  Schlumesmulde 
grauen  pyritreichen  und  lichtgelben  glimmerarmen  Kalk.  Aus  letzterem 
besteht  der  Hügelvorbau,  welcher  die  aus  der  Schlumesmulde  in  das 
„Lange  Tal"  hinabführende  Enge  links  begrenzt.  Der  pyritführende 
Kalk  erscheint  weiter  nordwärts  auf  einem  Felsvorsprunge,  den  ein 
in  die  Marmorwände  eingerissener  Tobel  vom  Nordende  des  Kalbjoch- 
grates trennt  (Fig.  4  Ä). 

Wendet  man  sich  von  diesem  Vorkommen  gegen  W^est,  so  stößt 
man  auf  eine  Reihe  von  für  die  Erkenntnis  der  Tektonik  wichtigen 
Befunden.  An  einem  kleinen  Riff  von  grauem  splittrigem  Kalk  vor- 
bei kommt  man  zu  ein  paar  Aufschlüssen  eines  typischen  Mylonits, 
ähnlich  jenem,  der  sich  auf  der  Blaserkuppe  zeigt.  In  einer  grau 
und  ziegelrot  gestriemten  und   gesprenkelten  Grundmasse    sieht   man 


[25]         Die  Ueberschiebunof  am  Blaser,  westlich  vom  mittleren  Silltale.         147 

Splitterchen  und  Plättchen  ^a'ünlicheu  und  bläulichen  Tonschiefers 
und  Stückchen  gelblichen  Ilornsteins  und  grauen  Dolomites  fest  ver- 
knetet und  zusammengepreßt.  Höher  oben,  auf  einem  Vorsprunge 
unterhalb  der  Hänge  des  Kalbjoches  sind  kleine  Klippen  von  weißem 
und  von   rötlich  geftammtem  Marmor,  der  30^  gegen  SO  einfällt,  und 


Fig.  4. 


Profile  durch  deu  Nordabhaug-  des  Blaser. 

A.  Felsenge  zwischen  der  Schlumesmulde  und  dem  Langental. 
1.  Dolomit.  —  2.  Pyritreicher  Plattenkalk.  —  3.  Marmor. 

B.  Nordostabfall  des  Kalbjochgrates. 

1.  Bändermarmor.  —  2.  Oberer  Glimmerkalk.  —  3.  Mylonit.  — 

4.  Aufgeschobener  Dolomit. 

C.  Nordabfall  der  Blaserkuppe. 

1.  Geschichteter  Dolomit.  —  2.  Kalkschiefer  und  Plattenkalk.  - 

3.  Verquetschter  aufgeschobener  Dolomit. 


viele  Trümmer  von  splittrigem  grauem  Kalk  und  Platten  von  gelblichem 
Glimnierkalke  zu  sehen.  Auf  einer  weiter  taleinwärts  vortretenden 
Anhöhe  trifft  man  in  kurzen  Abständen  einen  Fels  von  Mylonit,  einen 
Aufriß  von  Dolomitschutt  und  eine  Bloßlegung  von  Glimmerkalk;  dann 
folgt  noch  ein  kleiner  Hügel,  der  ganz  aus  dem  vorhin  beschriebenen 
Mylonit  besteht.  Er  scheint  jedweder  Schichtung  zu  entbehren,  nur  an 
einer   Stelle   ist    er   gebankt   und   fällt   da  30<>   steil  gegen  NNO  ein. 

19* 


148  Fritz  V.  Kerner.  [26] 

Das  Gelände  unterhalb  dieses  Hügels  bis  zu  den  Aufschlüssen 
von  Glimmerkalk  am  Rande  der  Schlumesmulde  besteht  zumeist  aus 
Dolomit.  Eine  kleine  Masse  von  diesem  Gestein  ist  aber  auch  noch 
im  Bereiche  des  Glimmerkalkes  zu  sehen.  Es  kann  keinem  Zweifel 
unterliegen,  daß  man  es  bei  den  erwähnten  Myloniten  und  den  sie 
begleitenden,  der  oberen  Glimmerkalk-  und  Marmorzone  zugehörigen 
Gesteinsvorkommen  mit  in  Fenstern  bloß^'olegtcn  Bildungen  zu  tun 
hat.  Die  dolomitische  Schiibdecke  ist  wohl  noch  bis  in  die  Mitte  der 
Schlumesmulde  durch  Abtragung  sehr  verdünnt  und  es  war  zutreifend, 
wenn  Frech  das  Erscheinen  von  Quellwasser  in  dieser  Mulde  auf 
Unterlagerung  des  Dolomites  durch  Schieferschichten  bezog;  nur 
handelt  es  sich  hier  nicht  um  einen  Fall  von  Schichtquellenbildung 
im  gewöhnlichen  Sinne,  sondern  um  einen  solchen,  der  sich  an  das 
Auftreten  einer  Ueberschiebung  von  leichter  auf  schwerer  durchlässige 
Gesteine  knüpft. 

Ein  unterhalb  der  früher  erwähnten  Marmorwände,  also  schon 
im  Wurzelgebiet  des  Langentales  vorbrechender  kalter  Quell  bringt 
tiefer  eingedrungene  Niederschläge  an  den  Tag.  Dafür,  daß  er  schon 
an  der  Grenze  gegen  die  unteren  Glimmer-  und  Schieferkalke  liegt, 
läßt  sich  allerdings  kein  Nachweis  führen ;  die  Felsstufen  zu  Füßen 
jener  Wände  gehören  wohl  noch  den  untersten  Lagen  der  Marmor- 
zoile  an.  Es  sind  hellgraue,  glimmerfreie  Plattenkalke  mit  dünnen 
Schieferzwischenlagen.  Die  gleich  südwärts  von  jenem  Quell  gelegenen 
Felspfeiler  sind  aber  abgesunkene  Schollen,  was  man  aus  dem  Vor- 
kommen von  Myloniten  und  sie  begleitenden  Glimmerkalken  auf  diesen 
Pfeilern  erkennen  kann.  Der  Hauptmasse  nach  bestehen  sie  aus  sanft 
gegen  OSO  verflachenden  Marmorlagen  (Fig.  4  li). 

Es  handelt  sich  da  um  das  Ausklingen  einer  Störung,  die  dann 
auf  der  Südflanke  des  Grabens  unterhalb  der  Schlumesmulde  sehr 
auffällig  in  Erscheinung  tritt.  Gegenüber  von  dem  vorgenannten  Quell 
erhebt  sich  da  auf  einem  niedrigen  Unterbau  von  kristallinem,  stark 
zerworfenem  Kalk  ein  Bergvorsprung,  der  aus  einem  sanft  gegen  Ost 
geneigten  grauen,  ebenfläcliig  spaltenden  Plattenkalk  besteht.  Seine 
Ablösungsflächen,  die  —  wie  es  scheint  —  infolge  feinschuppiger 
Textur  einen  schwachen  Seidenglanz  aufweisen,  sind  mit  vielen  zu- 
einander parallel  gestellten  länglichen  Häufchen  von  Brauneisen  besetzt. 
Mau  hat  es  hier  mit  durch  einseitigen  Gebirgsdruck  völlig  ausgewalzten 
Würfelchen  von  verwittertem  Schwefelkies  zu  tun.  Verstreut  wurden 
solche  in  die  Länge  gestreckte  kleine  Kristallwürfel  schon  mehrorts 
im  Bereich  der  stark  gequälten  Glimmerkalke  des  Blasers  angetroffen. 
In  so  reichlicher  Entwicklung  wie  hier  wurden  sie  aber  noch  an  keinem 
Orte  gesehen.  Man  denkt  beim  Anblick  dieses  eigentümlichen 
Phänomens  fast  an  das  Bild,  das  zustande  kommt,  wenn  man  eine 
ruhende  lichtempfindliche  Platte  dem  nächtlichen  Sternenhimmel  aus- 
setzt, indem  da  ja  auch  eine  Umformung  von  über  eine  Fläche  ver- 
streuten Punkten  in  zueinander  gleich  gerichtete  kurze  Striche  erfolgt. 
Ihrem  Aussehen  nach  sind  diese  mit  kleinen,  zueinander  parallelen 
Wülstchen  besetzten  Gesteinsplatten  fast  mit  gewissen  Erhaltungs- 
zuständen von  Lepidodendronrinden  vergleichbar. 


[271         Di*^  üeberschieUun^  am. Blaser,  westlicli  vom  mittleren  Silltale.         14V< 

Dieser  pyritreiche  Plattenkalk  sieht  manchen  Ausbildungen  der 
unteren  Glimmerkalke  seiir  iUinlich;  man  erkennt  in  ihm  aber  doch 
eine  abweichende  Eutwicklungsart  der  oberen  Glimmerkalke,  wie 
eine  solche  auch  am  Rande  der  Schlumesmulde  östlich  von  den 
früher  erwähnten  Mylouitvorkommen  auftritt.  Wie  dort,  liegt  der  graue 
Kalk  auch  hier  auf  Marmorschicliten  und  wird  von  Dolomiten  über- 
dacht. Diese  sind  mit  einem  Dolomitschrofen  in  Verbindung,  der  die 
Felsenge  unter  Schlumes  rechts  begrenzt  und  so  den  jene  Enge  links 
begleitenden  Glimmerkalken  gegenüber  zu  liegen  kommt.  Talabwärts 
von  dem  Bergvorsprunge  aus  pyritführendem  Plattenkalk  erhebt  sich 
—  durch  eine  breite  Schuttrinne  getrennt  —  auch  wieder  ein  Fels- 
pfeiler von  Dolomit,  der  sclion  dem  Liegenden  der  Rhätgesteine 
angehört  (Fig.  4  A). 

Von  den  Marmorwänden  auf  der  Nordtlanke  des  Grabens  unter 
Schlumes  ist  so  auf  dessen  Südseite  keine  Fortsetzung  zu  sehen. 
Sie  sind  hier  in  die  Tiefe  gesunken,  nur  der  zerrüttete  Sockel  der 
besagten  Pyritkalke  stellt  einen  Rest  von  ihnen  dar.  Am  westlichen 
Rande  der  Schuttriune  neben  dem  grauen  Kalk,  der  die  gestreckten 
Pyritwürfelchen  enthält,  ist  dann  wieder  ein  Aufschluß  desselben 
Kalkes  zu  sehen.  Das  Schichtfallen  ist  dort  ein  gegen  NNW  gerichtetes, 
wogegen  im  Hauptaufschlusse  südsüdöstliches  Verflachen  herrscht. 
Dann  sieht  man  einen  schmalen  Zug  von  stark  verdrücktem  grauem 
Plattenkalk  und  lichterem  Glimmerkalk  schief  über  die  Felsrippe 
hinwegziehen,  die  talwärts  von  der  besagten  Schuttrinne  liegt.  Das 
Liegende  und  Hangende  der  Quetschzone  ist  hier  Dolomit.  Hierauf 
ziehen  sich  die  verdrückten  Kalke  noch  auf  der  Ostseite  jener  Rippe 
ein  Stück  bergan.  Das  Vorkommen  von  Kalkschieferplatten  im  obersten 
Teil  der  ostwärts  folgenden  Rinne  deutet  an,  daß  die  Quetschzone 
noch  weiterstreicht;  auf  dem  jenseits  jeuer  zweiten  Rinne  vom 
Blasergipfel  absteigenden  Grate  sind  aber  keine  Schieferkalke  zu  sehen. 
Es  stoßen  hier  gleichwie  auf  der  Ostseite  jenes  Gipfels  die  Liegend- 
dolomite der  Rhätschicliten  uiimittelbur  an  die  aufgeschobenen 
Dolomite  an. 

Am  Nordabfall  des  Blaser  läßt  sich  eine  Ueberschiebungszone 
wieder  gut  feststellen.  Zwischen  dem  vorgenannten,  gegen  NW  ab- 
gehenden Grate  und  dem  Gratrücken,  der  sich  zu  einem  nördlichen 
Vorbau  der  Blaserkuppe  absenkt,  springen  mehrere  Pfeiler  vor,  auf 
denen  über  mäßig  gegen  SSO  geneigtem  Dolomit  steiler  nach  derselben 
Richtung  fallender,  rötlich,  grau  und  weiß  gebänderter  Marmor  ruht. 
Li  Verbindung  mit  ihm  tritt  feinschuppiger  blaulichgrauer  Schiefer 
und  auch  brauner  Kalkschiefer  auf.  Ueber  ihm  folgt  grauer  Platten- 
kalk und  dann  wieder  Dolomit.  Die  ganze  Zwischenschaltung  ist  nur 
von  geringer  Mächtigkeit  und  weist  Zeichen  starker  Pressung  auf. 
Der  Liegenddolomit  ist  gut  gebankt,  der  hangende  dagegen  völlig 
ungeschichtet,  stark  zertrümmert  und  zermalmt  und  von  Harnischen 
durchsetzt.  Erst  nahe  der  Gipfelfläche  stellt  sich  in  ihm  wieder  eine 
Schichtung  ein  (Fig.  4  C). 

Der  in  der  nördlichen  Fortsetzung  des  Kalbjochgrates  streichende 
Rücken  zwischen  dem  Waldrastergraben  und  dem  Langental  bietet 
wenige    Aufschlüsse    dar.    In    seinem    von    dunklem    Zunderndickicht 


150 


Fritz  V.  Kerner. 


L28J 


überwucherten  Wurzelstücke  ragen  einige  Dolomitschrofeu  auf,  dann 
folgt  eine  größere  Felsmasse  aus  kristallinem  dolomitischem  Kalk. 
Unter  ihr  zeigt  sich  in  einem  wilden  Tobel  auf  der  Westseite  des 
Rückens  eine  mächtige  Zone  von  Carditaschichten  entblößt,  die  sich 
aus  Ocherkrusten,  dünnen  Lagen  von  schwarzem  mulmigem  Schiefer, 
dünnspaltigem  Pyritschiefer  und  rostigem  Schieferkalk  aufbaut.  In 
ihrem  Liegenden  folgt  im  unteren  Teile  des  Tobeis  ein  stark  zer- 
worfeuer,    großenteils    ungeschichteter    Marmor,    der    sehr    zur    Zer- 


r  j  Fig.  5. 


Oben:  Läiig'sprofil  durch  den  Xordgrat  der  Weißwand. 

1.  Glimmerschiefer.  —  2.  Sandsteinschiefer  (Verrucano).  —  3.  Grauer  Netzkalk.  — 
4.  Weißer  Marmor.  —  5.  Schwarzer  Glanzschiefer  (Carditaschichten).  —  6.  Weißer 

Dolomit. 

Unten:    Längsprofil  durcli  den  RUclcc>n  zwischen  dem  Waldrastergraben  und 

dem  Lang-ental. 

1.  Wettersteindolomit.  —  2.  Carditaschicbten.  —  3.  Tribulaundolomit.  —  4.  Unterer 
Glimmerkalk.    —    5.    Marmor.    —   6.  Oberer  Glimmerkalk.    —    7.  Aufgeschobener 

Dolomit.  —  8.  Moränen. 


bröckeluiig  neigt  und  mächtige  Schutthalden  liefert.  Wo  sein  Verflachen 
erkennbar,  ist  es  20^  SSW.  Die  schwarzen  Glanzschiefer  zeigen  sich 
dann  noch  unweit  der  Gratlinie  an  einer  Stelle  entblößt,  auf  der 
Ostflanke  des  Rückens  treten  sie  aber  nicht  hervor. 

Der  mittlere  Teil  des  Rückens  ist  großenteils  mit  glazialem 
Schutt  bedeckt.  Nach  nichterratischen  Lesesteinen  zu  schließen  herrscht 
hier  weißer  kristallinischer  Kalk  vor.  Unterhalb  eines  weiter  nordwärts 
vortretenden  Spornes  tritt  ein  in  sehr  scharfkantige  rhomboedrische 
Spnltstüfkc    zerfallender   klüftiger  Dolomit  auf,    der    im   Bruche  weiß 


[291         Die  Ueberschiebung  am  Blaseiv  westlich  vom  mittleren  Silltale.         151 

und  zuckerkörnig  ist  und  dem  gleicli  zu  erwähnenden  Dolomit  der 
Weißwaud  gleicht.  Er  fällt  20^  gegen  SSW.  Das  Endstück  des  in  Rede 
stehenden  Rückens  taucht  unter  die  Moränen  unter,  die  den  Talkessel 
unterhalb  der  Waldrast  in  großer  Ausdehnung  erfüllen. 

Der  von  der  Blaserkuppe  gegen  N  abfallende  Grat  setzt  sich 
in  einem  Rücken  fort,  der  parallel  zum  vorigen  gegen  NNO  verläuft 
und  das  Lange  Tal  von  dem  in  das  Silltal  mündenden  Brandachgraben 
trennt.  Dieser  dem  vorgenannten  an  Breite  sehr  überlegene  Rücken 
weist  eine  tiefe  Scharte  auf,  die  seinen  nördlichen  Teil  zu  einem 
selbständigen  Vorberge  des  Blasers  macht.  Der  sich  zu  dieser  Scharte 
senkende  Anfangsteil  des  Rückens  baut  sich  aus  gut  geschichtetem, 
sanft  gegen  WSW  und  SW  geneigtem  grauem  Dolomite  auf.  Die  jen- 
seits der  Einschartung  sich  erhebende  Weiße  Wand  besteht  aus 
einem  sehr  engklüftigen,  zuckerkörnigen  weißen  Dolomit.  Er  bildet 
auf  der  Ostseite  eine  Kette  kleiner  Schrofen,  an  denen  ein  sehr  flaches 
Einfallen  gegen  WNW  erkennbar  ist.  An  dem  sich  von  der  Weißen 
Wand  gegen  N  vorschiebenden  schmalen  Grate  steht  gleichfalls  ein 
feinkörniger  weißer  Dolomit  an,  der  an  einer  Stelle  sanftes  WSW-Fallen 
zeigt.  Da,  wo  dieser  Grat  sich  abzusenken  beginnt,  stößt  man  auf 
einen  kleinen  Aufschluß  von  dünnplattigem  Carditaschiefer,  der  20'' 
gegen  SSW  verflächt.  Im  Liegenden  desselben  zeigt  sich  weißer  Marmor, 
der  im  Gegensatz  zu  dem  rhomboedrische  Zerspaltung  zeigenden 
Dolomit  sehr  ungleichmäßig  zerklüftet  ist  (Fig.  5  oben). 

Er  geht  nach  unten  zu  in  einen  grauen,  weißgeäderten  Kalk 
über  und  dieser  bezeichnet  hier  die  tiefste  Stufe  der  Kalkformation. 
Er  ruht  einer  etwa  2  m  mächtigen  Schicht  von  Sandsteinsehiefer  auf, 
wie  er  im  Stubaitale  mehrorts  an  der  Triasbasis  erscheint.  Dieses 
quarzreiche  Gestein  ist  oberflächlich  ganz  in  Bröckeln  zerfallen.  Es 
handelt  sich  hier  um  die  einzige,  von  mir  jüngst  aufgefundene  Stelle, 
wo  im  Bereiche  der  Blasermasse  der  Stubaier  Verrucano  erscheint. 
Seine  Unterlage  wird  durch  grauen  Glimmerschiefer  gebildet,  welcher 
40 — 45*^  steil  gegen  SO  bis  SSO  verflächt.  Man  hat  hier  sonach  ein 
vollständiges  Profil  durch  die  den  Blaser  aufbauenden  Schichten;  es 
ist  das  einzige,  das  sich  dem  Anblicke  darbietet  und  verdankt  seine 
Sichtbarkeit  der  Lage  auf  einem  Grate,  wo  eine  Schuttverhüllung 
fehlt.  Der  archaische  Sockel  zeigt  sich  in  vielen  Felsstufen  entblößt, 
der  Aufschluß  des  Verrucano  ist  dagegen  auf  die  Gratlinie  beschränkt. 
Die  Carditaschiefer  lassen  sich  dagegen  in  verstreuten  Stückchen  auf 
der  Westseite  der  Weißen  W'and  bis  zu  einem  Vorsprunge  unterhalb 
der  früher  erwähnten  Scharte  hin  nachweisen  und  auf  der  östlichen 
Gratseite  in  Anhäufungen    von  Platten    eine  Strecke    weit   verfolgen. 

Auch  von  ihrem  kristallinen  Liegendkalke  sind  hier  Aufschlüsse 
in  Form  kleiner  Wandstufen  vorhanden.  Dieser  Kalk  hat  auf  dem 
Grate  der  Weißwand  nur  eine  geringe  Mächtigkeit.  Demgegenüber 
muß  es  auffallen,  daß  auf  dem  westlich  benachbarten  Rücken  noch 
weit  unterhalb  des  großen  Aufschlusses  der  Glauzschiefer  ein  Dolomit 
von  derselben  Art  wie  jener  auf  der  Weißwand  ansteht.  Mau  wird 
dies  durch  Absenkungen  erklären  können  und  dann  auch  den  Um- 
stand, daß  jener  Schieferaufschluß  nur  um  weniges  tiefer  liegt  als 
der  obere  Glimmerkalk  an  der  Wurzel  jenes  Rückens,  auf  eine  Ver- 


152  Fritz  V.  Kerner.  [30] 

werfung  zurückführeD.  Das  felsige  Kammstück  mit  dem  Aufschlüsse 
von  Carditaschiefer  würde  dann  gegenüber  seinen  Nachbarstücken  die 
Rolle  eines  relativen  Horstes  spielen  (Fig.  5  unten). 

In  der  südlichen  Fortsetzung  des  Ostabfalles  der  Weißwand  be- 
finden sich  die  Abstürze  des  Blaser  gegen  den  Brandachgraben.  Sie 
bauen  sich  aus  einer  mächtigen  Folge  von  sehr  sanft  gegen  W  ge- 
neigten Bänken  eines  meist  lichtgrauen,  seltener  weißen  oder  dunkel- 
grauen, sehr  engklüftigen  kristallinen  Dolomites  auf.  In  den  höheren 
Teilen  des  Felshanges  dreht  sich  das  Verflachen  nach  SW.  Strecken- 
weise tritt  mehr  kalkige  Gesteinsentwicklung  auf.  Von  Carditaschichten 
ließ  sich  hier  trotz  vielen  Suchens  nichts  wahrnehmen.  Sie  müssen 
unterhalb  der  Höhenlinie,  bis  zu  welcher  das  Gebirgsgerüst  aus  seinem 
Schuttmantel  hervorragt,  durchziehen.  An  den  Ostabsturz  des  Blasers 
schließt  sich  der  sehr  felsige  Nordabfall  des  Hablerberges  an,  der 
gleichfalls  aus  kristallinem  Dolomit  besteht,  dem  die  schon  früher 
beschriebenen  Marmore  und  Glimmerkalke  aufruhen.  Auch  an  dem 
der  Silltalfurche  zugekehrten  östlichen  Frontabfall  des  Hablerberges 
tritt  Dolomit  an  vielen  Stellen  hervor.  Hier  gelang  es  wieder,  un- 
weit der  schon  dem  archaischen  Gebirgssockel  zugehörigen  Terasse 
von  Salfaun  Carditaschiefer  —  wenn  au'-h  nicht  anstehend,  so  doch 
unter  Umständen,  die  auf  nahes  Durchstreichen  dieser  Schiefer 
schließen  lassen,  aufzufinden.  Die  tieferen  Osthänge  der  Weißwand, 
des  Blasers  und  des  Hablerberges  sind  in  mit  erratischen  Glimmer- 
schiefern und  Phylliten  reich  vermischten  Dolomitschutt  eingehüllt. 
Erst  tief  unten  tritt  mehrorts  das  kristalline  Grundgebirge  an 
den  Tag. 

Der  Gebii'gskamm  zwischen  Hutzl  und  Serlos. 

In  eine  Beschreibung  der  tektonischen  Verhältnisse  des  Blasers 
und  Kalbjoches  ist  das  westlich  von  diesem  letzteren  Berge  sich  er- 
hebende Teilstück  des  Hauptkammes  zwischen  Gsclmitz  und  Stubai 
einzubeziehen,  da  sich  die  Ueberschiebung  in  dieses  Gebiet  fortsetzt. 
Es  kommt  da  das  zwischen  Hutzl  und  Serlos  stehende  Kammstück 
in  Betracht.  In  diesem  ragen  drei  Gipfel  auf,  von  denen  die  zwei 
seitlichen  kurze  Nebengrate  entsenden,  wogegen  der  mittlere  sich 
über  das  zwischen  diese  Grate  eingesenkte  schutterfüllte  Kar  erhebt. 
Der  südliche,  vom  Kamplspitz  ausgehende  Grat  fällt  zum  Valschwern- 
jöchl  ab  und  bildet  die  nordseitige^  Begrenzung  des  von  schönen 
Daunmoränen  abgeschlossenen  Kares,  das  gegen  West  und  Süd  durch 
die  Kugelwände  seinen  Abschluß  findet.  Der  nördliche,  sich  aus  dem 
Lämpermahdspitz  vorschiebende  Grat  endet  über  einem  mehrteiligen 
Gebirgsvorbau,  der  gegenüber  den  Nordwänden  des  Kalbjoches  zum 
obersten  Waldraster  Graben  abfällt.  Gegen  Nord  stürzt  dieser  zweite 
Nebengrat  zur  großen  Karmulde  unterhalb  des  Serlosjöchls  ab,  deren 
rechtsseitige  Begrenzung  die  Südhänge  der  Serlos  sind. 

Am  Fuße  des  vom  Valschwernjöchl  gegen  W  ansteigenden  Grates 
trifft  man  nicht  weit  nordwärts  von  dieser  Einsattlung  am  Beginne 
des  zum  Serlosjöchl  hinziehenden  Steiges  eine  kleine  Felsmasse  von 
gequältem    oberem    Glimmerkalk    und    gleich    über    ihr    zerklüftete 


[31]         Di*^  Uebersobiebung'  am  Blaseiy  westlich  vom  mittleren  Silltalo.         153 

Brocken  jenes  durch  Graphit  geschwärzten  quarzigen  Quetschgesteiues, 
das  sieh  am  Osthange  des  Valschwern  bei  gleicher  Lagebeziehung 
zeigt.  Beim  Anstieg  auf  den  Grat  gewahrt  man  bröckligen  brecciösen 
Dolomit  mit  rauhen  staubiizeu  Verwitterungsflächen.  Die  unterste  Fels- 
klippe fällt  50°  gegen  ONO,  dann  folgt  eine  Gratstrecke  mit  seiger 
stehenden,  von  WNW  nach  OSO  streichenden  Bänken.  An  einem 
weiter  oben  aufragenden  Schrofen  ist  60^  steiles  ostsüdöstliches  Ver- 
flachen zu  erkennen ;  dann  kommt  man  an  steil  gegen  NO  einfallen- 
den und  fast  wieder  aufrecht  stehenden  Dolomitbänken  vorbei  zu 
einer  großen  Kluft  mit  brecciösen,  von  vielen  Harnischen  durch- 
schnittenen rötliciien  Seitenwänden.  Jenseits  derselben  steht  ein  in 
scharfkantige  Stücke  splitternder  grauer  Kalk  an,  der  bis  in  die 
Gipfelregion  des  Kamplspitz  anhält.  Die  glatten  Rutschflächen  an  der 
Westseite  der  Kluft  fallen  gegen  NNO,  die  Felsen  östlich  von  ihr 
gegen  0  (Fig.  2,  unteres  Profil). 

Auf  der  Südseite  des  Grates  treten  aus  dem  Schutt  unterhalb 
der  Dolomitfelsmassen  kleine  gegen  0  geneigte  Wandstufen  von 
oberem  Glimmerkalk  hervor.  In  höherer  Lage  trifft  man  solche  Stufen 
weiter  taleinwärts  an  der  Südflanke  des  Hauptkammes  westwärts  von 
der  vorgenannten  Spitze.  Die  Schichten  des  Glimmerkalkes  sind  hier 
sehr  zerbrochen  und  verdrückt,  im  ganzen  aber  flach  liegend.  Den 
rötlichen,  grünschuppigen  Kalkbänken  schalten  sich  Lagen  von  blaß- 
grünlichem Quarzschiefer  ein.  Auch  nach  oben  zu  schließt  der  Glimmer- 
kalkzug mit  einer  Quarzitlage  ab,  über  welcher  dann  auch  hier  das 
schwarze  melaphyrähnliche  Zermalmungsgestein  folgt.  Im  Hangenden 
desselben  zeigt  sich  eine  von  vielen  Harnischen  durchsetzte  Reibungs- 
breccie,  die  aus  grauen,  rötlichen  und  gelblichen  Bruchstücken  zu- 
sammengeknetet ist  und  von  stärkst  gequetschten,  völlig  schichtungs- 
losen Kalkmassen  überdacht  wird.  Gleich  weiter  westwärts  stellt  sicli 
aber  wieder  Schichtung  ein.  Man  sieht  hier  am  Ostende  des  über 
die  Kugelwände  aufragenden  Vorbaues  des  Hutzl  steil  gegen  0  ab- 
fallende Felsflächen,  Weiter  oben  legen  sich  die  Schichten  flach  oder 
fallen  sanft  in  östlicher  und  südlicher  Richtung  ein. 

Am  Nordabfalle  des  westlich  vom  Kamplspitz  abbrechenden 
Kammstückes  zeigt  sich  das  Felsband  des  grünschuppigen  Glimmer- 
kalkes auch  gut  aufgeschlossen.  Seine  Schichten  sind  hier  durch  hoch- 
gradigen Gebirgsdruck  sehr  gequält  und  über  ihnen  ist  der  „Pseudo- 
melaphyr",  das  schwarze  Quetschgestein  in  vielen  Felsen  bloßgelegt. 
Hier  reichen  demnach  die  untrüglichen  Zeichen  einer  großen  Ueber- 
schiebung  auf  die  Stubaier  Seite  des  Gebirgskammes  hinüber.  In- 
mitten des  lichtgrauen  Dolomit-  und  Kalkgebirges  bieten  diese 
schwarzen  Felsen  einen  fremdartigen  Anblick  dar. 

Ueber  ihnen  folgt  zunächst  noch  eine  schmale  Zone  von  Dolo- 
mit und  dann  der  in  scharfkantige  Trümmer  splitternde  graue  Kalk, 
aus  welchem  der  Gipfel  des  Kamplspitz  besteht.  Zwischen  die  Kalk- 
bänke des  Gipfels  und  jene  über  dem  schwarzen  Mylonit  schaltet 
sich  auf  der  Nordseite  des  Bergkammes  eine  Kalkzone  ein,  welche 
lagenweise  reich  an  Petrefakten  der  Kössenerschichten  ist.  Manche 
Steinplatten  sind  da  mit  Auswitterungen  von  Gervillien,  Aviculiden 
und  Pectiniden    ganz    bedeckt.     Das    fossilführende  Gestein   ist  teils 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichaanstalt,  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (F.  v.  Kerner.)  20 


154  F"tz  V.  Kerner.  [39] 

dem  grauen  splittrigen  Kalk  ähnlich,  teils  ein  unvollkommen  plat- 
tiger, bräunlich  anwitternder  Kalk.  In  Verbindung  mit  diesem  tritt 
ein  grünlicher,  dünnblättriger  Schieferton  und  ein  zu  schuppigem 
iMulm  zerfallender  schwarzer  Glanzschiefer  auf  (Fig.  6  A). 

Die  fossilführende  Zone  streicht  gleich  westlich  von  der  Gipfel- 
kuppe des  Kamplspitz  am  Kamme  aus.  Auf  die  südliche  Bergseite 
greift  sie  nicht  hinüber.  Dem  grauen  Kalk  im  Hangenden  dieser  Zone 
schalten  sich  Bänke  eines  gelblichgrauen,  gelb  anwitternden  Knollen- 
kalkes ein  sowie  auch  dünne  Lageif  einer  rot  und  gelb  und  grau 
gefleckten  Breccie.  Diese  Schichten  bilden  auf  der  Nordseite  des 
Kamplspitz  gleich  unterhalb  des  höchsten  Gipfels  50°  steil  gegen  0 
bis  OSO  verflächend,  eine  zackige  Klippe.  Auf  diesem  Gipfel  selbst 
ist  mittelsteiles  0-  bis  ONO-Fallen  zu  erkennen.  Wie  aus  dem  vorigen 
erhellt,  hat  die  dem  Glimmerkalk  aufgeschobene  Dolomitmasse  am 
Südhange  des  Kamplspitz  ihr  Stirnende.  Weiter  nordwärts  ist 
schon  das  normale  Hangende  des  Glimmerkalkes  auf  diesen  vorge- 
schoben. Das  schmale  Dolomitband  über  dem  schwarzen  Quetsch- 
gestein auf  der  nördlichen  Kammseite  stellt  einen  abgerissenen 
Fetzen  dar. 

Die  Scharte  auf  der  Ostseite  des  Kamplspitz  greift  in  sehr 
stark  zerworfene  Felsmassen  ein.  Dieselben  türmen  sich  zu  ihren 
beiden  Seiten  zu  wild  zerborstenen  Klippen  auf.  Die  Ueberschiebung 
macht  sich  hier  noch  in  sehr  auffälligen  Störungen  der  Schichtlagen 
geltend.  Am  Südwestfuße  des  weiter  ostwärts  aufragenden  Beilspitz 
scheint  steiles  Einfallen  gegen  WSW  zu  herrschen,  was  dort  als 
Ueberkippung  stark  emporgepreßter  und  zusammengeschobener  Ge- 
steinsbänke zu  deuten  ist.  An  zweien  Schroten  unterhalb  der  Scharte 
fallen  die  Schichten  60—70°  steil  gegen  OSO  ein.  Das  herrschende 
Gestein  ist  hier  ein  regellos  zerklüftender,  in  scharfkantige  Spalt- 
stücke zerfallender  tiefgrauer  Kalk.  Im  Schutt  unterhalb  des  Beil- 
spitz zeigt  sich  auch  gelbgrauer  Schieferkalk  und  ein  sehr  dunkler, 
von  weißen  Spatadern  durchzogener  Kalk. 

Der  Beilspitz  stellt  einen  kühn  aufstrebenden  Felsturm  mit  all- 
seits fast  senkrechten  Seitenwänden  dar.  Er  besteht  aus  ziemlich 
flach  gelagerten  Schichten.  An  seiner  SO  -  Seite  ist  30  —  40°  steiles 
WSW-Fallen  zu  erkennen.  Unterhalb  seiner  Südwände  senkt  sich  eine 
riesige  Schutthalde  zu  Tal.  An  seinem  Nordabsturze  trifft  man  mehr- 
orts  blättrigen  weinroten  Schieferton  als  dünne  Einlagerung  im  grauen 
Kalke.  Ostwärts  vom  Beilspitz  fallen  die  Schichten  zunächst  sanft 
und  dann  ein  wenig  steiler  gegen  SW  ein,  dann  folgt,  beiderseits 
durch  Brüche  abgegrenzt,  ein  Kammstück  mit  fast  söhlig  liegenden 
Schichten,  au  das  sich  ein  aus  sanft  gegen  0  verflächenden  Kalk- 
bänken aufgebautes  reiht.  Diese  Bänke,  denen  sich  eine  Lage  von 
gelblichem  Schieferkalk  einschaltet,  biegen  sich  dann  wieder  auf,  so 
daß  eine  mit  ihrer  Achse  quer  zum  Kamme  gestellte  Synklinale  ent- 
steht. Als  Ausfüllung  derselben  erscheint  ein  sehr  versteinerungs- 
reicher Kalk,  über  den  sich  schwarzer  Glanzschiefer  lagert.  Das 
Schichtfallen  ist  hier  im  Muldenkerne,  der  ungefähr  mit  der  Ein- 
sattlung zwischen  dem  Beil-  und  Lämpermahdspitz  zusammenfällt, 
25°  ONO  und  25°  S  (Fig.  6  C). 


[3- 


Die  Ueberschichun«'  am   l^la^er.  wesätlich   vom  mittleren   Silltale. 


155 


Der  durch  Schiittstreifen  gegliederte  Gebirgsvorbau,  über  den 
sich  das  diese  letztere  Spitze  tragende  kluftreiche  Felsgerüst  erhebt, 
besteht  in  seinen  tieferen  Teilen  ganz  aus  Marmor,  in  seinen  höheren 
aus  Glimmerkalk.  Der  letztere  zeigt  hier  mehrere  verschiedene  Aus- 
bildungen. Auf  den  gegenüber  vom  Kalbjoche  vortretenden  Schrofen 
trifft  man  vorzugsweise  einen  grauen,  glimmerarmen,  plattigen  Kalk 
und  ein  Gestein,  das  aus  Knauern  von  Quarzit,  eisenschüssigem  Kalzit 
und  großen  blänlicherauen  Glimmerhii.uten    besteht,    ferner    einen  an 


Viii.  (•>. 


ProÜIe  durch  den  Gebirgskanim  zMisclien  Hutzl  und  Seiios. 

A.  Nordabfall  des  Gipfels  de^  Kamplspitz. 

1.    Grauer   splittriger    Kalk.    —    2.    Kössener    Schichten.    —    3.    Bändei'kalk    und 

Marmor.  —  4.  Oberer  Glimmerkalk. 

P,  Knickfalten  der  Kössener  Schichten  am  Gipfel  des   Lämpermahd.spitz. 

C.  Längsprofil  durch  den  Grat  zwischen  Beilspitz  und  Lämpermahd.spitz. 

1.  Grauer  Rhätkalk.  —  2.  Gelblicher  Schieferkalk.  —  3.  Bivalvenreiche  Kös-rener 

Schichten    —  4.  Schwarzer  Glanzschiefer. 


Rostflecken  reichen  Schieferkalk,  einen  lichtgelblichen  Kalk  mit  glän- 
zenden Glimmerschüppchen  und  auch  ein  dem  blaßrötlichen  grün- 
schuppigen  Glimmermarmor  ähnliches  Gestein.  Auf  dem  zwischen  der 
Karmulde  unterhalb  der  Serlos  und  dem  Waldrastergraben  vorsprin- 
genden Sporne  findet  sich  lichtbräunlicher  Kalk  mit  großen  bläulich- 
grauen Glimmerschuppen  und  ein  aus  weißem  und  gelbem  Kalkspat 
und  großen  Flasern  von  grauem  Glimmer  bestehendes  Gestein.  Den 
tieferen  Lagen  der  glimraerführenden  Kalkzone  schalten  sich  schon' 
Bänke  von  grauem  Marmor  ein,  der  weiter  unten  dann  zu  größerer 
Mächtigkeit  gelangt. 

20* 


156  Fritz  V.  Kerner.  [34] 

Die  Schichten  sind  mehrfach  zerstückt,  im  ganzen  flach  ge- 
lagert, stellenweise  fallen  sie  sanft  talwärts,  gegen  0  bis  ONO  ein. 
lieber  dem  Glimmerkalke  lagert  Dolomit  von  gleichem  Aussehen  wie 
jener,  welcher  am  Westgrate  des  Kamplspitz  erscheint.  Er  bildet, 
deutliche  Zeichen  starker  Stauchung  zeigend,  am  Südhange  des 
Lämpermahdspitz  zahlreiche,  seltsam  geformte,  knorrige  Türmchen 
und  Klippen.  Höher  oben  folgt  dunkelgrauer  feinkörniger  Kalk,  der 
zum  Unterschiede  vom  Dolomit  mehr  massige  und  eckige  Türme 
formt  (Fig.  2,  oberes  Profil).  » 

Betrachtet  man  den  östlichen  Gratabfall  des  Lämpermahdspitz 
vom  Valschwernjöchl  aus,  so  zeigt  sich  ein  in  bezug  auf  Farbe  und 
Relief  auffälliger  Gegensatz  zwischen  dem  Unterbau  und  Aufbau 
dieses  Grates.  Der  letztere  hebt  sich  durch  dunkle  Farbe  und  gute 
Schichtung  scharf  vom  ersteren  ab.  Es  hat  den  Anschein,  daß  da 
eine  Masse  hellgrauen  Dolomites  an  ein  aus  flach  gelagertem  tief- 
grauem Kalk  bestehendes  Gebirgsgerüst  angepreßt  wurde.  Steigt  man 
au  jenem  Gratabfalle  zum  anscheinenden  Gesteinskontakt  auf,  so  ist 
man  überrascht,  ihn  nicht  in  der  erwarteten  Weise  vorzufinden.  Man 
gewinnt  nun  den  Eindruck,  daß  jene  Verschiedenheit  des  Bildes  daher 
komme,  daß  ein  Teil  der  sanft  nach  SO  fallenden  Schichtmasse  seit- 
lich abgesunken  sei,  derart,  daß  am  Fußteil  des  Grates  Schicht-  und 
Rutschflächen  nach  SSW,  steil  gegen  den  Beschauer  zu  abdachen, 
weiter  oben  dagegen  für  ihn  Schichtköpfe  zu  sehen  sind.  Der  Anblick 
der  Rutschflächen  aus  der  Ferne  kann  da  Mangel  an  Schichtung  vor- 
täuschen, während  jener  der  Schichtköpfe  das  Bild  einer  Bänderung  gibt. 

Gleichwohl  kann  es  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß  am  Ost- 
grate des  Lämpermahdspitz  in  der  Tat  eine  Anpressung  von  Haupt- 
dolomit an  Kössener  Kalk  stattfindet.  Ist  die  Grenze  auch  verschwom- 
men, so  besteht  doch  ein  deutlicher  petrographischer  Unterschied 
und  ein  merkbarer  Reliefunterschied  zwischen  den  basalen  und  han- 
genden Felsmassen  und  3S  ist  ja  leicht  begreiflich,  daß  bei  der  Zu- 
sammenpressung zweier  Karbonatgesteine  diese  miteinander  so  ver- 
knetet wurden,  daß  jede  Grenze  zwischen  ihnen  verwischt  ist.  In  der 
Gipfelregion  des  Lämpermahdspitz  trifft  man  dann  wieder  die  bivalven- 
reichen  Kössener  Schichten  in  Verbindung  mit  schwarzem  Schiefer- 
mulm. Am  Nordhang  der  Kuppe,  östlich  von  dem  höchsten  Gipfel- 
punkte, sieht  man  ein  schmales  Band  von  dunklem  feinschuppigem 
Schiefer  dem  Kalk  eingeschaltet.  Auf  jenem  höchsten  Punkte  steht 
ein  in  scharfkantige  große  Bruchstücke  zerfallender  fossilleerer 
Kalk  an. 

Die  Lagerungsverhältnisse  sind  auf  der  Ostseite  der  vorge- 
nannten Spitze  wechselnd.  Man  trifft  da  sanft  nach  NO  und  verschie- 
den steil  nach  WSW  bis  SSW  einfallende  Schichten  an.  Die  bivalven- 
reichen  Bänke  in  der  Gipfelregion  des  Lämpermahdspitz  zeigen  sich 
in  kleine,  zum  Teil  zerbrochene  Knickfalten  zusammengelegt  (Fig.  6  B). 
Die  Erhebung  östlich  von  der  Spitze  entspricht  dem  Kern  einer 
steilen  Synklinale  mit  gegen  OSO  und  WNW  geneigtem  Flügel.  Die 
Zone  des  Glimmerkalkes  unterhalb  der  Kössener  Schichten  streicht 
am  Westabfall  des  Lämpermahdspitz  in  viel  größerer  Höhe  durch  als 
auf  seiner  Ostflanke.     Ihre  Höhenlage    auf    der    Stubaier  Kammseite 


[35]         Die  Ueberachiebung  am  Blaser,    westlich  vom  mittleren  Silltale.         157 

entspricht  ungefähr  derjenigen,  die  den  Glimmerkalken  auf  der  West- 
und  Ostseite  des  Hutzl  zukommt.  Die  obere  Grenzfläche  dieser  Kalke 
biegt  sich  so  im  Innern  des  Gebirgskammes  zwischen  Hutzl  und 
Serlos  gegen  0  hinab.  Obertags  wird  diese  Absenkung  durch  die  er- 
wähnte Schiefstellung  der  Wandstufe  von  Glimmerkalk  am  Südhange 
des  Kamplspitz  erkennbar.  Sie  gibt  aber  nicht  genügend  Aufschluß 
darüber,  ob  es  sich  um  eine  Verwerfung  mit  geschleppten  Flügeln 
oder  um  eine  Flexur  handelt.  Auf  das  Vordrängen  des  Dolomites 
über  den  Glimmerkalk  hätte  eine  bloße  Aufbiegung  der  Schubfläche 
weniger  hemmend  gewirkt  als  eine  Kontinuitätstrennung  derselben. 


Tektonische  üebersicht. 

Aus  der  vorstehenden  geologischen  Gebietsbeschreibung  ergibt 
sich,  daß  die  Bergmasse  des  Kalbjoches  und  des  Blaser  von  einer 
Schubfläche  durchschnitten  ist,  die  sich  noch  durch  das  westwärts 
von  dieser  Masse  stehende  Stück  des  Hauptkammes  zwischen  Gschnitz 
und  Stubai  fortsetzt.  Diese  Schubfläche  fällt  mit  der  oberen  Grenz- 
fläche der  aus  Kalkschiefer,  Bändermarmor  und  kristallinem  Glimmer- 
kalk aufgebauten  Schichtfolge  zusammen,  welche  sich  westwärts  vom 
Brenner  zwischen  den  Hauptdolomit  und  die  Kössener  Schichten  ein- 
schiebt. Die  Ausstriche  dieser  Grenzfläche  lassen  sich  um  das  ganze 
Bergmassiv  herum  verfolgen,  wobei  zu  erkennen  ist,  daß  diese  Fläche 
gegen  NW  hin  ansteigt.  Ober  Trins  in  mäßiger  Höhe  über  dem  Tal- 
grunde des  äußeren  Gschnitztales  verlaufend,  zieht  sie  sich  auf  der 
Ostseite  des  Valschwern  hoch  empor,  um  nach  Erreichung  des  dieses 
Hochtal  von  der  Waldraster  Grube  trennenden  Sattels  über  die  Nord- 
abhänge des  Kalbjoches  und  des  Blasers  auf  dieses  letzteren  Berges 
östlichen  Vorbau,  den  Hablerberg  zu  gelangen  und  über  dessen  Ost- 
seite wieder  auf  die  Hänge  oberhalb  Trins  zurückzukehren.  Der  auf 
dem  kristallinen  Glimmerkalke  ruhende  Gebirgsaufsatz  besteht  aus 
Dolomit,  der  jenem  des  Gebirgssockels  unteriialb  der  pyritführenden 
Kalkschiefer  gleicht,  wogegen  auf  dem  westlich  benachbarten  Hutzl 
über  dem  Glimmerkalk  ein  Kalk  liegt,  der  in  seinen  höheren  Lagen 
Bivalven  der  Kössener  Schichten  führt.  Die  untrüglichen  Zeichen, 
daß  es  sich  bei  jenem  Dolomit  im  Hangenden  des  oberen  Glimmer- 
kalkes um  eine  aufgeschobene  Masse  handelt,  sind  das  Mitvorkommen 
von  karbonischem  Quarzkonglomerat  und  Anthrazitschiefer  auf  der 
oberen  Grenzfläche  jenes  Kalkes,  das  Erscheinen  eines  durch  Graphit 
geschwärzten  Quarzgesteines,  welches  sich  als  ein  durch  heftigsten 
Gebirgsdruck  ganz  zermalmtes  Quarzkonglomerat  erweist,  das  Auf- 
treten einer  aus  fest  miteinander  verkneteten  Splitterchen  und  Stück- 
chen von  Schieferkalk,  Hornstein  und  Dolomit  bestehenden  Reibungs- 
breccie  an  anderen  Stellen  jener  Fläche,  die  Quetschung  und  strecken- 
weise Platz  greifende  völlige  Verdrückung  des  oberen  Glimmerkalkes, 
die  Zerrüttung  und  Zerstückelung  des  Bändermarmors  und  die  hoch- 
gradige Zerknitterung  des  pyritführenden  Kalkschiefers. 


158  F'itz  V.  Keiner.  [36] 

Die  Ursache  der  Ueberschiebung  ist  in  dem  Zusammentreffen 
eines  gegen  NW  gerichteten  Bewegungsstrebens  mit  einem  gegen  SO 
gekehrten  Senkiingsvorgange  zu  suchen.  Dieser  letztere  konnte  — 
sich  bis  zur  heutigen  Tallinie  gegen  S  erstreckend  —  dazu  führen, 
daß  der  rhätische  Hangendkalk  der  Glimmerkalk-  und  Marmorzone 
in  das  Niveau  des  Liegenddolomites  jener  Zone  in  der  ehedem  in 
der  Region  des  äußeren  Gschnitztales  vorhanden  gewesenen  triadi- 
schen Schichtmasse  gelangte.  Der  Liegenddolomit  der  Glimmerkalk- 
und  Marmorzone  konnte  dann,  gegen*  N  und  W  vordrängend,  den 
Hangendkalk  dieser  Zone  von  seiner  Unterlage  ablösen,  ihn  vor  sich 
herschieben  und  sich  selbst  an  dessen  Stelle  setzen.'  Die  Berührungs- 
fläche des  plattigen  kristallinen  Glimmerkalkes  mit  dem  Kössener 
Kalke  war  wohl  bei  der  Verschiedenheit  des  Starrheitsgrades  dieser 
beiden  Gesteine  eine  Fläche  verminderter  Festigkeit  des  Zusammen- 
hanges und  mußte  so  zur  Abscherungsfläche  werden. 

■  Die  Vorschiebung  des  Karbons  fand  nach  jener  des  Dolomites 
statt.  Das  Quarzkonglomerat  des  Zwieselgrabens  stellt  eine  in  den 
überschobenen  Dolomit  hineingepreßte  Masse  dar.  Das  Nordwestwärts- 
wandern  des  Karbons  bezeichnet  eine  zweite  Phase  der  tektonischen 
Erscheinungen.  Sie  ist  als  ein  in  der  Breite  sehr  beschränkter,  aber 
außerordentlich  heftiger  Bewegungsvorgang  zu  erkennen.  Während 
man  sonst  ein  Vordrängen  von  Massen  in  breiter  Front  wahrnimmt  und 
diesem  Sachverhalt  entsprechend  von  Ueberschiebuugsstirnen  spricht, 
handelt  es  sich  hier  um  einen  wuchtigen  keilförmigen  Vorstoß  tief  in 
eine  vorliegende  Schichtmasse  hinein.  Die  ungewöhnlich  starke  Stau- 
chung des  Dolomites  am  Westgrate  des  Kamplspitz  bei  ziemlich  un- 
gestörter Schichtenlage  am  westlich  benachbarten  Hutzl  und  verhältnis- 
mäßig wenig  starken  Lagestörungen  am  nahen  Lämpermahdspitz  sowie 
das  Auftreten  des  zu  einem  feinen  Mylonit  zerriebenen  Quarzkonglome- 
rats in  weit  gegen  Norden  vorgeschobener  hoher  Lage  am  Nordhange 
der  Gipfelkuppe  des  Kamplspitz,  diese  Befunde  geben  Zeugnis  von  der 
überwältigenden  Stoßkraft  des  karbonischen  Ueberschiebungskeiles. 

Daß  die  Bewegungen  aber  auch  im  Osten  heftige  waren,  wird 
durch  die  Reibungsbreccie  am  Blasergipfel  und  im  Schlumesgraben 
und  durch  das  auf  der  Nord-  und  Ostseite  jenes  Gipfels  stattfindende 
Verschwinden  der  Glimmerkalke  und  Marmore  bezeugt.  Dieses  Phä- 
nomen ist  wohl  nicht  als  vollständige  Auswalzung,  sondern  als  die 
Folge  einer  Zerreißung  und  Auseinanderdrängung  durch  den  Zu- 
sammentritt der  beiden  Doloraitkörper  zu  deuten.  Durch  die  Ein- 
pressung  der  gegen  Süden  und  Westen  abgedrängten  Glimmerkalk-  und 
Marmormassen  in  den  Raum  unter  der  dolomitischen  Ueberschiebungs- 
decke  wurde  dieser  Raum  dermaßen  vollgepfropft,  daß  es  zur  Spren- 
gung seiner  Decke  kam  und  durch  den  entstandenen  Riß  ein  Teil 
seines  Inhaltes,  und  zwar  ein  Fetzen  von  Reibungsbreccie  hervor- 
quoll. Die  Heftigkeit  des  Schubes  in  diesem  östlichen  Gebietsab- 
schnitte spricht  nach  Analogie  mit  den  Verhältnissen  im  Westen  nun 
allerdings  dafür,  daß  das  erwähnte  Vorkommen  von  sehr  stark  ge- 
fälteltem Phyllit  an  den  Südosthängen  des  Blaser  auch  als  ein  in  den 
anfänglich  überschobenen  Dolomit  später  noch  hineingepreßter  Keil 
von  aus  dem  Süden  stammenden  paläozoischen  Schichten  sei. 


[371         I^i<^  Ueberschiebung  am   Bluacr,^  westlich  vom  mittleren  Silltale.         159 

Die  Blaserüberschiebung  stellt  sich  als  Teilphänomen  der  großen 
gegen  Nord  und  West  gerichteten  Gebirgsbeweguiig  auf  der  West- 
seite des  Brenner  dar.  Südostwilrts  vom  Gschnitztale  ist  dieselbe  — 
wie  bekannt  —  durch  das  Aufruhen  des  Karbons  und  der  altpaläo- 
zoischen Schichten  des  Nößiacher  Kammes  auf  Khät  und  Tribulaun- 
dolomit  bezeugt.  Auf  den  Bergen  beiderseits  des  mittleren  Gschnitz- 
tales  kommt  sie  in  der  von  mir  ausführlich  beschriebenen  Einschiebung 
von  Phyllitkeilen  zwischen  die  Kalkschiefer  und  Marmore  und  zwischen 
letztere  und  die  oberen  Glimraerkalke  zum  Ausdruck. 

Gegen  West  lassen  sich  diese  interessanten  Phänomene  bis  zum 
Grat  östlich  vom  Sondestal  und  bis  auf  die  Kirchdachspitze  verfolgen. 
Sie  stehen  auch  dort  mit  einer  Absenkung  der  Schichten  nach  jener 
Richtung  hin,  aus  welcher  das  Vordrängen  der  Gebirgsmassen  er- 
folgte, in  deutlicher  Beziehung.  Gegen  Ost  begrenzt  sich  der  Schau- 
platz der  Ueberschiebungsvorgänge  durch  die  Brennerfurche.  Die 
dem  äußeren  Gschnitztale, folgende  Verwerfung,  welche  in  der  oben 
aufgezeigten  Weise  den  Anlaß  zur  Blaserüberschiebung  bot,  reicht 
ostwärts  bis  nahe  an  jene  Furche.  Die  den  Westhang  des  Silltales 
bei  Steinach  begleitende  Terrasse  von  Salfaun,  welche  dem  kristalli- 
nen Gebirgssockel  entspricht,  bricht  unweit  des  Gehöftes  Außer 
Birket  gegen  Westen  ab.  Dieser  Abbruch  zeigt  eine  zweite  N— S 
streichende  Verwerfung  an,  an  welcher  die  erstere,  die  wohl  die  ur- 
sprüngliche Anlage  des  äußeren  Gschnitztales  geschaffen  hat,  ihr 
östliches  Ende  findet. 


160  Fritz  V.  Keiner.  [38] 


Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Einleitung 123 

Orograpliisclic  Uebersicht 123 

Historischer  Ueberblick 125 

Der  Osthang  des  Val  Schwern 126 

Fig.  1.  Profile  durch  den  Osthang  des  Väl  Schwern 130 

Der  Zwieselgraben  und  Santirengraben 132 

Fig.  2.  Schematische  Profile  durch  die  Blaserüberschiebung  ....  134 

Die  Plazetmähder  und  der  Hablerberg 139 

Fig.  3.  Geologisches  Uebersichtskärtchen  der  Gebirgsmasse  des  Blaser  142 

Der  Scblumesgraben  und  die  Weiße  Wand 145 

Fig.  4.  Profile  durch  den  Nordabhang  des  Blaser         147 

Fig.  5.   Längsprofil  durch  den  Nordgrat  der  Weißwand  und  Längs- 
profil   durch    den   Rücken    zwischen   dem   Waldrastei'grabeu 

und  dem  Langental      150 

Der  Gobirgskamm  zwischen  Hutzl  und  Serlos 152 

Fig.  6.    PiOfilc  durch  den  Gebirgskanim  zwischen  Hutzl  und  Serlos  155 

Telitouisclie  Ucbersiclit «...  157 


Zur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz. 

Von  Otto  Ampferer. 

Mit  einem  Bildnis  (Tafel  Nr.  X). 

In  der  Flut  von  Unglück,  welche  das  Jahr  1918  über  uns  ge- 
stürzt hat,  ist  auch  das  junge  Leben  unseres  Freundes  Albrecht 
Spitz  verloren  gegangen. 

Er  unternahm  als  Kriegsgeologe  am  4.  September  1918  allein 
von  der  Troppauer  Hütte  aus  eine  geologische  Tour  in  die  Laaser 
Berge,  von  welcher  er  nicht  mehr  zurückgekehrt  ist. 

Mitte  September  erhielt  ich  von  Herrn  Oberleutnant  Dr.  R.  v. 
Klebeisberg,  seinem  damaligen  Vorgesetzten,  folgenden  ersten 
Bericht  über  dieses  schreckliche  Unglück. 

„Dr.  Spitz  ist  am  24.  August  abgegangen  mit  dem  dienstlichen 
Auftrage,  die  kriegsgeologische  Aufnahme  an  der  Ortlerfront  fortzu- 
setzen. Dr.  Spitz  begab  sich  hierzu  nach  seinen  eigenen  Disposi- 
tionen in  die  Laaser  Gruppe  und  bezog  nach  kurzen  Revisionstouren 
im  äußeren  Martelltal  und  Vintschgau  am  3.  September  die  Troppauer 
Hütte  als  Standquartier  für  die  nächsten  Tage. 

Mit  ihm  war  eine  Ordonnanz  als  Begleitmann. 

Für  den  B.  September  hatte  sich  Dr.  Spitz  teleplionisch  einen 
Bergführer  zur  Hütte  bestellt,  um  auch  einige  schwierigere  Begehun- 
gen zu  unternehmen. 

Am  4,  September  brach  Dr.  Spitz  bei  schönem  Wetter  um 
Y29  Uhr  vormittags  von  der  Hütte  auf  —  allein  —  und  ging  in  der 
Richtung  Zay-Joch. 

Der  Begleitmann  blieb  in  der  Hütte  zurück  und  hatte  —  nach 
Spitz'  Gepflogenheit  —  die  Weisung,  untertags  für  das  Abendessen 
zu  sorgen,  zu  dem  Dr.  Spitz  zurück  sein  wollte. 

Nachmittags  erschien  der  bestellte  Bergführer  bei  der  Hütte, 
abends  aber  warteten  die  beiden  vergebens  auf  Dr.  Spitz;  sie 
blieben  bis  11  Uhr  auf,  zum  Teil  vor  der  Hütte,  sahen  und  hörten 
jedoch  nichts. 

Als  Dr.  Spitz  auch  im  Laufe  des  5.  Septemb^er  nicht  zurück- 
kam —  das  Wetter  war  schön  geblieben  — ,  ging  der  Bergführer  am 
6.  September  früh  nach  Laas  —  nunmehr  fiel  schlechtes  Wetter  ein 
—  und  erstattete  telephonisch  Meldung. 

Daraufhin  brachen  am  7.  September  früh  von  der  Zufall-Hütte, 
Sulden  und  Prad  je  eine  Offiziersbergführerpatrouille  auf. 

Nach  resultatloser  Suche  trafen  sich  die  Patrouillen  im  Laufe 
des  7.  September  nachmittags  auf  der  Troppauer  Hütte  und  suchten 

Jkbrbucb  d.  k.  k.  geol.  Reichgangtalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  8.  Hft.  (0.  Ampferer.)  21 


162  Otto  Ampfeiev.  m 

am  8.  September,  nachdem  festgestellt  worden  war,  daß  Spitz  in 
die  Richtung  Zay-Joch  gegangen,  nochmals  das  engere  in  Betracht 
kommende  Gebiet  ab.  Ein  Hirtenbube  hat  hier  Dr.  Spitz  zum 
letztenmal  gesehen,  und  zwar  in  der  Nähe  des  Ofenwand-Ferners. 

Die  Suche  blieb  ohne  Erfolg. 

Es  wurde  am  Ofenwand-Ferner  ein  frischer  Gletscherbruch  fest- 
gestellt, unter  den  Dr.  Spitz  möglicherweise  gekommen  ist.  Bei  der 
Genauigkeit,  mit  der  er  zu  Werke  ging,  bestehen  aber  hundert 
andere  Möglichkeiten,  daß  er  irgend\\o  in  den  Felsen  der  Umgebung 
verunglückt  ist. 

Die  Gegend   Zay-Joch— Ofenwand  war    auch    nach  der  telepho- 

,nischen    Besprechung    mit  Dr.  Dyhrenfurth,    bei   dem  Dr.  Spitz 

den  Führer  bestellt   hatte,    sein    beabsichtigtes  Arbeitsgebiet    und  — 

nach  Dyhrenfurth  —  der  einzige  noch  weiße  Fleck  seiner  Karte. 

Mit  Dyhrenfurth  und  Ihnen  allen,  die  Sie  Einblick  in 
Dr.  Spitz'  Arbeiten  und  Tätigkeit  gewonnen  haben,  teile  ich  mich 
in  die  Schwere  der  Erkenntnis,  welchen  unersetzlichen  Verlust  für 
die  Alpengeologie  dies  Unglück  bedeutet. 

Die  Tüchtigkeit  wohl  nur  weniger  ist  so  über  alle  Meinungs- 
verschiedenheiten erhaben  und  wenn  schon  sein  eigenes  SrliaÜ'en  so 
früh  ein  trauriges  Ende  fand  —  seine  Rolle  spielt  weiter  in  der 
Alpengeologie!" 

Einige  Tage  später  traf  der  von  Herrn  Oberleutnant  Kasse- 
roler  verfaßte  genauere  Bericht  über  die  Bergungsversuche  für  den 
vermißten  Landsturmfähnrich  Dr.  A.  Spitz  ein,  welcher  folgenden 
Wortlaut  hat. 

„Am  G.  September  1918  wurde  durch  Bergführer  Steiner  des 
Instruktionszuges  der  Bergführerkompagnie  I  von  Laas  mittags  tele- 
phonisch gemeldet,  daß  Fähnrich  Dr.  Spitz  die  Tioppauer  Hütte  am 
4.  September  verlassen  habe  und  bis  jetzt  noch  nicht  zurückgekehrt 
sei.  Es  liege  die  Vermutung  nahe,  der  Vermißte  sei  abgestürzt  oder 
in  eine  Gletscherspalte  gefallen. 

Bergführer  Steiner  hatte  ich  auf  Ansuchen  von  Dr.  Spitz 
auf  die  Troppauer  Hütte  a's  Führer  gesandt.  Dr.  Spitz  hat  jedoch 
nicht  auf  ihn  gewartet. 

Meine  telephonischen  Erhebungen  in  Suldeu,  Goldrain,  Prad  und 
in  den  Stellungen  waren  ergebnislos  und  so  beschloß  ich,  den  Ab- 
marsch der  Rettungspatrouillen  infolge  des  starken  Schneesturmes 
auf  den  7.  September  morgens  zu  verschieben  und  noch  allfällige 
Nachrichten  abzuwarten. 

Am  7.  September,  Va'^  Uhr  morgens,  verließ  ich  mit  Kriegs- 
freiwilligem Oberjäger  M  ei  eki,  Bergführer  Greis  Alois  und  Vall  erz 
Gabriel  die  Zufall-Hütte,  um  durch  das  Pedertal  über  die  äußere 
Pederspitze  .-5405  m  auf  den  Laaser  Ferner  zu  gelangen. 

Nach  5  stündigem  Aufstieg,  der  sich  durch  den  frisch  gefallenen 
Schnee  stark  verzögert  hatte,  standen  wir  am  Gipfel,  durften  jedoch 
den  direkten  Abstieg  von  der  Pederspitze  nach  NW  infolge  der  stark 
vereisten  und  verschneiten  Felsen  und  Wächtengefahr  nicht  wagen 
und  sahen  uns  gezwungen,  zum  Lyfijoch  abzusteigen. 


[3]  ''-ur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz.  103 

Ueber  eine  Wächte  liiiiweg  gelang  uns  am  SW-Grat  der  Lyfi- 
spitze  der  Durchstieg  und  über  zahlreiche  verschneite  Spalten  drangen 
wir  auf  die  Kote  338S  m  im  Laaser  P'erner  vor. 

Der  Weitermarsch  ging  nur  langsam  vor  sich,  weil  jeden  Augen- 
blick einer  von  der  Patrouille  in  eine  verschneite  Spalte  stürzte. 
Wir  wühlten  als  Direktionspunkt  die  Kote  2991  m  zwischen  Laaser- 
und  Angelus-Ferner  und  suchten,  dort  angekommen,  die  ganze  Gegend 
des  oberen  Laaser-  und  Angelus  Ferners  ab.  Ergebnislos. 

Hierauf  querten  wir  alles  durchsuchend  in  östlicher  Richtung 
gegen  Kote  2883  m  und  stiegen  um  6  Uhr  zur  Troi)pauer  Hütte  ab, 
die  nach  einem  13  stündigen  Tagesmarsch  erreicht  wurde. 

Dort  war  bereits  Leutnant  Purin  ger  mit  3  Mann  und  Berg- 
führer Patrouilleführer  Grüner    mit  2  Mann    aus  Prad   eingetroffen. 

Am  8.  September  stieg  Leutnant  Purin  ger  mit  seiner  Pa- 
trouille gegen  die  Wände  von  Hochofenwand  und  kl.  Angelus  an, 
ohne  die  geringste  Spur  von  dem  Vermißten  zu  entdecken. 

Eine  weitere  Patrouille  suchte  die  Gegend  des  Tschengelser 
Ferner  und  der  Schafspitze  3141  m  und  2884  m  mit  gleichem  nega- 
tivem Resultat  ab. 

Aus  einem  geologischen  Plan,  Dr.  Spitz  gehörig,  den  wir  auf 
der  Hütte  vorgefunden  hatten,  ersahen  wir,  daß  dem  Vermißten  die 
ganze  Umgebung  der  Troppauer  Hütte  schon  genau  bekannt  gewesen, 
nur  das  Felsgebiet  zwischen  Angelus-  und  Ofenwand-Ferner  war  auf 
dieser  Karte  nicht  mit  Farbstift  eingetragen. 

Aus  diesem  Anhaltspunkte  schlössen  wir,  daß  Dr.  Spitz  sich 
dort  befinden  könnte.  Unser  Suchen  war  auch  da  vergebens. 

Ein  großer  Eisbruch,  ca  100  m  breit,  war  gerade  zu  diesen 
Tagen,  an  denen  Dr.  Spitz  ausgezogen  war,  niedergegangen  und  lag 
mehrere  Meter  tief  über  dem  Gletscher. 

Da  unterhalb  des  Hängegletschers,  von  dem  das  Eis  abgebrochen 
war,  interessanter  Fels  zutage  tritt,  der  auch  auf  der  Karte  von 
Dr.  Spitz  nicht  verzeichnet  war,  glaube  ich  mit  Berechtigung  ver- 
muten zu  können,  daß  Dr.  Spitz  dort  sein  Ende  gefunden  hat. 

Es  ist  dies  jedoch  nur  eine  Annahm_e,  für  die  ich  keine  weitere 
Begründung  habe. 

Ein  weiteres  Suchen  an  dieser  Stelle  war  mit  den  wenigen  mir 
zur  Verfügung  stehenden  Leuten  und  infolge  der  immer  aufs  neue 
herabstürzenden  Eisbrüche  unmöglich.  Die  Felswände  zwischen  An- 
gelus- und  Ofenwand-Ferner,  auch  die  zwischen  Angelus-  und  Laaser- 
Ferner  wurden  genauer  abgesucht.  Die  Gegend  der  Schinder  Scharte, 
des  Schinder  Horns,  kurz  östlich  des  Laaser  Ferners  wurde  nicht 
untersucht,  weil  der  Schafhirte  bei  der  Troppauer  Hütte  Dr.  Spitz 
auf  dem  Wege  zum  Zay-Joch  hatte  hingehen  sehen. 

Infolge  Proviantmangels  mußten  wir  am  dritten  Tage  (9.  Sep- 
tember) von  der  Hütte  abziehen  und  marschierten  durch  das  Laaser 
Tal  nach  Laas. 

Leutnant  Purin  ger  war  schon  am  zweiten  Tag  wieder  über 
das  Zay-Joch  zurückgekehrt. 

Meiner  Ansicht  nach  liegt  Dr.  Spitz  in  der  Gegend  des  Ofen- 
wand-Angelus-Ferners.  Ein  weiteres  Suchen  dürfte  aber  jetzt  bei  den 

21* 


164  Otto  Ampfercr.  [4] 

schlechten  Witterungsverbältnissen,  da  alles  überschneit  ist,  aussichts- 
los und  infolge  der  großen  Eisbrüche  und  Steinschläge,  die  in  diesem 
Gebiete,  wie  wir  beobachtet  haben,  sehr  häufig  sind,  nicht  ungefähr- 
lich sein." 

Weitere  Nachforschungen  wurden  dann  von  Dr.  Dyhrenfurth 
veranlaßt,  über  deren  Verlauf  er  am  19.  September  folgendes  be- 
richtete: „Ich  war  mit  Oberleutnant  Kasseroler,  Oberjäger  M  eleki 
und  4  Bergführern  ein  paar  Tage  auf  der  Troppauer  Hütte.  Auch 
das  weitere  Suchen  war  ganz  ergebnislog,  keinerlei  Spuren,  gar  nichts! 
Die  Bergungsaktion  ist  jetzt  eingestellt. 

Vielleicht  gelingt  einem  Zufall,  was  jetzt  dem  systematischen 
Suchen  versagt  blieb," 

Im  Oktober  verbreitete  sich  eine  Zeitungsnachricht,  daß  die 
Leiche  von   Dr.  Spitz  in  einer  Gletscherspalte  gefunden  worden  sei. 

Diese  Nachricht  erhielt  indessen  keine  Bestätigung  und  war 
wohl  nur  durch  das  Streben  nach  jener  Belohnung  hervorgerufen, 
welche  Herr  Dr.  Robert  Groß  mann,  der  Jugendfreund  des  Ver- 
mißten, für  genauere  Angaben  oder  die  Auffindung  seiner  Leiche  zur 
Verfügung  gestellt  hatte. 

Bald  darauf  erfolgte  der  Zusammenbruch  unserer  Front,  die 
Besetzung  Südtirols  durch  die  Italiener  und  nun  hält  der  Winter 
das  Hochgebirge  gefesselt. 

Wir  wissen  nicht,  ob  sich  jemals  das  Dunkel,  welches  sein 
letztes  Schicksal  verhüllt,  vor  unseren  Blicken  öffnen  wird. 


Albrecht  Spitz  wurde  am  7.  Juli  1883  als  Sohn  des  Advokaten 
Dr.  A.  Spitz  in  Iglau  in  Mähren  geboren. 

In  dieser  Stadt  besuchte  er  Volks-  und  Mittelschule  und  kam 
dann  im  Jahre  1902  an  die  Universität  nach  Wien,  um  sich  hier  mit 
historischen  Studien  zu  beschäftigen,  für  die  er  aus  dem  Gymnasium 
eine  besondere  Vorliebe  mitgebracht  hatte.  Die  historischen  Studien 
führten  ihn  zu  den  geographischen,  wo  er  auf  Anregung  von  Prof. 
Penck  auch  die  geologischen  Vorlesungen  von  Prof.  Uhlig  kennen 
lernte,  die  ihn  bald  in  einer  Weise  anzogen,  daß  er  beschloß,  sich 
ganz  der  geologischen  Forschung  zu  widmen. 

Mitbestimmend  für  diese  rasche  Berufswahl  ist  sicherlich  auch 
die  schon  damals  erwachte  Liebe  zu  den  Alpen  gewesen,  welche  ihm 
Sommerfrischen  in  Mürzzuschlag  und  Igls  sowie  eine  Ferienreise  in 
die  Südtiroler  Dolomiten  nahegebracht  hatten. 

Er  traf  mit  seinen  geologischen  Studien,  die  er  mit  einer  sel- 
tenen Ausdauer  und  Gründlichkeit  betrieb,  gerade  in  eine  Zeit  von 
revolutionärer  Umstürzung  der  alten  Ansichten  über  den  Bau  der 
Gebirge. 

Der  internationale  Geologenkongreß,  welcher  1903  in  Wien  statt- 
fand, hatte  die  Ueberfaltungslehre  aus  den  Westalpen-auf  die  Ost- 
alpen und  die  Karpathen  übertragen. 

Uhlig,  der  sich  anfangs  noch  ablehnend  verhielt,  wurde  in  der 
Folge  rasch  ein  begeisterter  Anhänger  dieser  neuen  Hypothese, 
welcher  er  mit  seinem  ganzen  Wissen  und  seiner  ganzen  Energie  zum 
Siege  verhelfen  wollte. 


[51  Zur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz.  165 

Es  ist  bezeichnend  für  das  schöne  geistige  Gleichgewicht  und 
die  klare,  unablässig  kritische  Betrachtungsweise  unseres  Freunde.«, 
daß  er  bei  aller  Verehrung  für  seinen  Lehrer  niemals  für  die  be- 
sonders anfangs  oft  maßlosen  Uebertreibungen  des  Nappisraus  zu 
haben  war. 

Ein  hoher  Unabhängigkeitssinn  und  unantastbare  Ehrlichkeit 
waren  seine  Führer  nicht  nur  im  Leben,  sondern  auch  in  der  Wissen- 
schaft und  haben  ihm  hier  gar  manchen  unfruchtbaren  Umweg  erspart. 

So  war  es  ihm  vergönnt,  die  Vorzüge  der  neuen  Lehre,  ihre 
wunderbar  gesteigerte  tektonisciie  Konibinationsfjihigkeit  mit  dem 
Erbe  der  alten  Schule,  der  Lust  zu  geduldiger  gründlicher  Detail- 
arbeit glücklich  zu  vereinigen. 

Im  Sommer  1903  begleitete  er  die  Exkursion  von  Prof.  Uhlig 
in  die  karnischen  Alpen.  Hier  gefiel  ihm  vor  allem  die  Umgebung 
des  Wolayer  Sees  mit  ihren  paläozoischen  Fossilschätzen  und  einer 
interessanten  Tektonik.  Er  faßte  gleich  den  Entschluß,  dieses  Gebiet 
i.  M.  1 :  25.000  möglichst  genau  zu  kartieren  und  die  Gastropoden  des 
Unterdevons  einer  Bearbeitung  zu  unterziehen.  Diese  Arbeiten  brachte 
er  in  den  nächsten  Jahren  zur  Ausführung. 

Reiche  Anregungen  verschaffte  ihm  dann  im  folgenden  Jahre 
die  große,  von  Uhlig  in  die  Karpathen  geführte  Exkursion. 

Im  Jahre  1905  unternahm  er  eine  Reise  nach  Schweden  und 
blieb  dabei  längere  Zeit  auf  Gothland,  um  dieses  klassische  Paläo- 
zoikum zu  studieren  und  mit  jenem  der  karnischen  Alpen  zu  ver- 
gleichen. 

Inzwischen  hatte  Spitz  mit  rastlosem  Fleiß  seine  geologischen 
und  paläontologischen  Studien  soweit  gefördert,  daß  er  im  Juni  1910 
mit  seiner  Arbeit  über  die  karnischen  Alpen  das  Doktorat  erwerben 
konnte. 

Im  Sommer  dieses  Jahres  führte  Uhlig  seine  Freunde  und 
Schüler  in  die  Schweizer  Alpen. 

Hier  betrat  Spitz  zum  erstenmal  das  Engadin,  dessen  geolo- 
gische Erforschung    bald    eine    seiner  Lebensaufgaben  werden  sollte. 

Auf  Anregung  von  Prof.  Uhlig  und  Prof.  Frech  verband  sich 
Spitz  mit  seinem  Freunde  G.  Dyhrenfurth  zu  der  gemeinsamen 
Neuaufnahme  der  Engadiner  Dolomiten. 

Es  war  dies  damals  ein  Stück  der  Alpen,  dessen  geologische 
Kenntnis  noch  außerordentlich  lückenhaft  war  und  zudem  gerade  eine 
geistige  Verbindung  zwischen  den  besser  bekannten  Nachbargebieten 
der  Ost-  und  Westalpen  empfindlich  störte. 

Dieses  Gebirge  stellte  aber  auch  durch  seine  spärliche  Besiede- 
lung,  seltene  Unwegsamkeit  und  schroffe,  vielfach  nur  schwierig  zu 
ersteigende  Felsgipfel  sehr  hohe  Anforderungen  an  die  alpine  Leistungs- 
fähigkeit seiner  Aufnahmsgeologen. 

Unter  der  Leitung  des  ausgezeichneten  Hochtouristen  G.  Dyhren- 
furth erreichte  aber  Spitz  bald  einen  Grad  von  bergsteigerischer 
Tüchtigkeit,  den  man  seiner  eher  schwächlichen  Gestalt  und  nicht 
besonders  festen  Gesundheit  gewiß  nicht  zugetraut  hätte. 

Diese  Aufnahmen,  welche  bei  der  hier  angestrebten  Genauig- 
keit nur  durch  ausgedehnten  Gebrauch  von  hochgelegenen  Zeltlagern 


1G6  Otto  Ampferer.  [6] 

möglich  waren,  erfüllten  einen  großen  Teil  der  nächsten  Jahre  und 
brachten  nach  kleinen  Vorberichten  als  erste  Frucht  dje  prachtvolle 
Monographie  der  Engadiner  Dolomiten,  welche  im  Jalire  1915  zur 
Veröffentlichung  gelangte. 

Die  Wirkung  dieser  im  besten  Sinne  modernen  geologischen 
Gebirgsdarstellung  mit  ihrer  Fülle  wertvoller  Angaben  und  neuer 
Einsichten  ist  durch  den  Krieg  verzögert  worden  und  wird  erst  im 
Frieden  zur  gerechten  Würdigung  gelangen  können. 

In  der  Zeitschrift  des  Alpenver(?ines  vom  Jahre  1910  und  1912 
hat  Dr.  Günter  Dyhrenfurth  ein  anschauliches  Bild  ihres  touristi- 
schen Lebens  und  ihrer  Hochtouren  in  den  Engadiner  Dolomiten  ent- 
worfen. Für  diese  Arbeiten  im  eigentlichen  Hochgebirge  waren  na- 
türlich nur  die  besten  Teile  des  Jahres  zu  gebrauchen.  Damit  war 
jedoch  der  unstillbare  Aufnahmsdrang  unseres  Freundes  noch  lange 
nicht  befriedigt. 

Daher  sehen  wir  ihn  seit  dem  Jahre  1907  im  Frühling  und 
Herbst  mit  geologischen  Untersuchungen  im  Wienerwalde  beschäf- 
tigt, wo  er  beinahe  jeden  günstigen  Tag  noch    auszunützen  verstand. 

Zunächst  bearbeitete  er  den  Höllensteinzug,  f-jr  den  er  im 
Jahre  1909  eine  gute  Beschreibung  mit  einer  Karte  i.  M.  1  :  25.000 
geliefert  hat. 

Dann  setzte  er  seine  Detailaufnahmen  westwärts  fort,  für  die 
er,  endlich  im  Jahre  1911  als  Volontär  an  unserer  Anstalt  aufgenom- 
men, einen  Aufnahmsauftrag  zur  Herausgabe  des  Blattes  „Baden- 
Neulengbach"  erhielt. 

Im  Jahre  1908  beteiligte  sich  Spitz  wieder  an  der  Alpen- 
exkursion Uhligs,  die  diesmal  vom  Allgäu  zum  Brenner  führte. 

Im  folgenden  Jahre  besuchte  er  einen  Kurs  an  der  zoologischen 
Station  in  Triest. 

Inzwischen  hatte  er  sich  auch  mehr  und  mehr  mit  Petrographie 
beschäftigt  und  war  ein  Schüler  von  Meister  Becke  geworden. 

Eine  Untersuchung  über  die  basischen  Eruptivgesteine  der  Kitz- 
bühler  Alpen,  deren  Material  er  von  Th.  Ohnesorge  bekommen 
hatte,  ist  das  erste  Ergebnis  dieser  Arbeitsrichtung  gewesen. 

Im  Frühling  1911  unternahm  er  zur  Erholung  von  Masern  und 
Gelenksrheumafismus  eine  Reise    nach  Dalmatien. 

Die  Vorbereitungen  für  die  Herausgabe  der  Engadiner  Mono- 
graphie machten  dann  mehrere  Reisen  nach  Breslau  zu  seinem  Freunde 
Dyhrenfurth  nötig. 

Im  Sommer  1913  veranstaltete  er  eine  längere  Reise  ins  Veltlin. 
Das  Frühjahr  1914  verbrachte  er  gemeinsam  mit  seinem  Vater  auf 
der  Insel  Cherso.  Im  Sommer  führte  er  eine  große  Reihe  von  geolo- 
gischen Touren  in  den  oberitalienischen  Alpen  und  in  der  sogenannten 
Wurzelzone  von  Ivrea  aus. 

Inzwischen  waren  die  Gräuel  des  Weltkrieges  über  Europa 
hereingebrochen,  von  denen  Spitz  vorerst  als  Militäruntauglicher 
nicht  unmittelbar  betroffen  wurde. 

Er  konnte  noch  im  Herbst  1914  und  im  Frühjahr  1915  seine 
Aufnahmen  im  Wienerwald  fortsetzen  und  nebst  manchen  anderen 
Arbeiten  zu  einem  gewissen  Abschluß  bringen. 


r7.|  Zur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz.  167 

Im  August  1915  wurde  Spitz  zum  Militärdienst  einberufen. 
Was  das  für  ihn  bedeutete,  der  mit  jeder  Faser  seines  Lebens  ein 
bewußter  Freund  des  Friedens  und  der  Freiiieit  war,  kann  nur  jener 
begreifen,   der  selbst  in  einer  älinliciien  Lage  sieh  befunden  hat. 

Von  Anfang  q,"  ohne  jede  Illusion  von  dem  unglücklichen  Aus- 
gang des  Krieges  überzeugt,  lag  der  Zwang  des  Militärs  doppelt 
schwer  auf  seinen  Schultern  und  drohte  ihn  zu  zermalmen. 

Er  wurde  zunächst  in  Iglau  in  der  Kaserne,  später  bei  der  Be- 
zirkshauptmannschaft mit  Kanzleidiensteu  beschäftigt. 

Hier  verbrachte  er  wohl  den  unglücklichsten  Teil  seines  Lebens 
und  seine  Briefe  aus  dieser  Zeit  sind  von  einer  unsagbaren  Trauer 
und  einer  schweren  Sehnsucht  nach  den  Bergen  erfüllt. 

Im  Jahre  1916  wurde  er  zu  einem  Verrechnungskurs  nach  Brunn 
kommandiert,  wo  er  in  seiner  freien  Zeit  die  Arbeit  über  das  Mars- 
gebirge niederschreiben  konnte. 

Dann  kam  er  auf  kurze  Zeit  nach  Wien  und  erhielt  endlich 
auf  Verwendung  seines  Freundes  G.  Dyhrenfurth  eine  Komman- 
dierung zum  Bergführerkurs  nach  Bozen. 

Dort  hatte  er  seine  Abteilung  theoretisch  und  praktisch  in  die 
Kunst  des  Bergsteigens  einzuführen,  was  ihm  sehr  viel  Freude  be- 
reitete. 

Im  Februar  1917  wurde  der  Kurs  nach  St.  Christina  ins  Gröduer- 
tal  und  später  auf  die  Regensburger  Hütte  verlegt,  wo  ihm  eine  ge- 
lungene Erkletterung  der  Odla  sein  in  Iglau  verloren  gegangenes 
alpines  Vertrauen  wieder  zurückgab. 

Noch  im  Februar  desselben  Jahres  wurde  die  Zufall-Hütte  sein 
Standquartier,  wo  er  wieder  beim  Bergführerkurs  beschäftigt  blieb, 
außerdem  aber  zusammen  mit  G.  Dyhrenfurth  alpiner  Beirat  für 
die  militärischen  Unternehmungen  wurde.  Etwa  ein  Jahr  verbrachte 
er  so  in  den  Hochregionen  der  Ortlergruppe,  meist  auf  der  Zui'all-, 
seltener  auf  der  Halle'schen  Hütte. 

Die  dienstlichen  Verhältnisse  waren  sehr  aiigeiiehm  und  er  ver- 
mochte seine  freie  Zeit  wieder  ausgiebig  der  Geologie  zuzuwenden. 
Im  Frühjahr  1917  wirkte  er  mit  bei  der  Besetzung  des  Mt.  Pasquale 
und  führte  dann  selber  bei  der  Besetzung  der  Kreilspitze. 

Seinen  Sommerurlaub  verwendete  er  zu  einer  geologischen  Reise 
in  die  verschiedenen  Gebiete  des'  Brenner  Mesozoikums. 

Herbst  und  Winter  verlebte  er  wieder  auf  der  Zufall-  und 
Halle'schen  Hütte  mit  einzelnen  Unterbrechungen,  die  ihn  ins  Nons- 
berg-  und  Ultental  führten. 

Zur  Ausheilung  eines  Magenleidens  hielt  sich  Spitz  dann  An- 
fang 1918  längere  Zeit  in  den  Spitälern  zu  Spondinig  und  Innsbruck 
auf.  Besonders  von  Spondinig  aus  konnte  er  da  eine  Menge  von  geolo- 
gischen Touren  zur  Ausführung  bringen. 

Einen  Osterurlaub  benützte  er  zu  einer  Reise  nach  Sterzing, 
zum  Predil  sowie  nach  Leoben  und  Wien. 

Im  April  l'.ilS  wurde  er  als  Kriegsgeologe  zu  der  Kriegsver- 
messungsabteilung 8  einberufen,  wo  er  eine  Menge  von  praktischen 
Arbeiten  bei  Bauten,  Bohrungen,  oft  ganz  an  der  Front,  zu  erle- 
digen  hatte. 


16g  Otto  Arapferer.  rgl 

Die  geologische  Leitung  dieser  Abteilung  war  Herrn  Oberleut- 
nant Dr.  R.  V.  Klebeisberg  anvertraut,  der  bei  voller  Schätzung 
der  wissenschaftlichen  Bedeutung  unseres  Freundes  seinen  Wünschen 
in  jeder  Weise  entgegenkam. 

So  konnte  er  seine  früher  unterbrochenen  Arbeiten  in  den 
ihm  zugänglichen  Teilen  von  Tirol  in  größerem  Umfange  wieder  auf- 
nehmen. 

Im  Mai  arbeitete  er  im  Nonsberg,  im  Juni  an  der  neuen  Bahn- 
strecke Nauders — Landeck,  im  August  unternahm  er  eine  Reihe  von 
Touren  in  den  Sarntaler  Bergen,  im  Schneeberggebiet  und  in  der 
Texelgruppe,  im  September  wollte  er  seine  kriegsgeologische  Karte 
der  Ortlergruppe  in  den  Laaser  Bergen  vollenden,  wo  ihm  allzufrüh 
der  Tod  den  Hammer  aus  den  Händen  nahm. 


Der  bittere  Schmerz  um  seinen  Hingang  ist  zur  stillen  Trauer 
geworden,  die  Verehrung  seiner  Freunde,  die  Anerkennung  der  Fach- 
genossen, der  Stolz,  daß  er  uns  gehörte,  aber  haben  sichere  Gestalt 
gewonnen. 

Lj  der  schärfsten  Prüfung  des  Spektrums  seiner  geistigen  Exi- 
>;tenz  treten  die  edlen  Grundlinien  derselben  nur  um  so  klarer  hervor, 
Ehrlichkeit  bis  zur  Selbstverleugnung  und  Schroffheit,  Ernst  und  Tiefe 
des  Arbeitswillens,  die  Kraft  zu  wirklicher  warmer  Freundschaft. 
Versöhnend  und  beglückend  schweben  darüber  innigste  Liebe  zur 
Natur  und  zur  Musik. 

W^enn  wir  uns  heute  fragen,  was  bedeutet  Spitz  für  die  Geo- 
logie der  Alpen,  so  rücken  die  Umrisse  seines  Verlustes  immer  breiter 
auseinander. 

Mit  ihm  ist  einer  jener  seltenen,  innerlich  zur  Wissenschaft  Be- 
lufenen  entschwunden,  einer  jener  Forscher,  denen  die  vorurteilslose 
i'rüfung  unmerklicher  Wahrscheinlichkeitsgrade  zur  Lebenserquickung 
wird,  ebenso  fern  dem  Fanatismus  als  dem  Zynismus  und  denen 
immer  und  immer  wieder  die  letzten  Entscheidungen  für  Recht  und 
Unrecht  zufallen  müssen,  weil  sie  allein  die  feinsten  Sinne  dafür 
besitzen. 

Die  Geologie,  welche  noch  vielfach  einer  exakten  Darstellung 
entbehrt,  hat  besonderen  Grund,  solche  achtsame  Gärtner  auf  ihren 
von  Unkraut  überwucherten  Feldern  zu  schätzen. 

Die  Arbeiten  unseres  Freundes  zeichnen  sich  allesamt  durch 
klare  Fragestellung  und  wohldurchdachte  Beantwortung  aus,  die,  ge- 
stützt auf  möglichst  genaue  Untersuchung  und  Feldaufnahme,  er- 
teilt wird. 

Wer  hinter  Spitz  verfeinerte  geologis<he  Begehungen  zu  machen 
gedenkt,  wird  eine  harte  Arbeit  finden. 

Er  hat  in  den  Ostalpen  sicherlich  die  Anforderungen  an  eine 
gute  Aufnahmsarbeit  beträchtlich  in  die  Höhe  geschraubt. 

Die  Präzisionsaufnahrae  war  sein  Ideal,  von  der  er  sich  mit 
Recht  für  viele  argumstrittene  Probleme  die  wichtigsten  Aufschlüsse 
erwartete. 

Ich  schätze,  daß  Spitz  mehr  als  die  Hälfte  seiner  geologischen 
Lebenszeit  im  Freien  mit  Feldaufnahmen  zugebracht  hat. 


[9] 


Zur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz.  169 


Dazu  besaß  er  die  Entschlossenheit,  ohne  weitere  Zersplitterung 
unbeirrt  auf  seine  großen  Ziele  vorzudringen. 

Nur  so  ist  bei  seiner  Jugend  jene  seltene  Einsicht  in  die  Geo- 
logie der  Alpen  zu  verstehen,  die  ihn  hier  zu  einem  Berater  ersten 
Ranges  in  manchen  der  schwierigsten  Fragen  gemacht  hat. 

Die  langjährigen  Untersuchungen  in  den  Grenzgebieten  der  Ost- 
und  Westalpen  haben  uns  die  vorzügliche  Monographie  der  Engadiner 
Dolomiten  geschenkt,  zu  der  sich  in  seinem  Nachlasse  noch  das  Ma- 
terial für  eine  mindestens    ebenso    bedeutende  Fortsetzung    befindet. 

In  diesen  Gebieten  waren  Spitz  auch  jene  Entdeckungen  vor- 
behalten, die  weit  über  die  gewöhnlichen  Erfolge  so  genauer  Arbeiten 
hinausgehen  und  seinen  Namen  für  immer  mit  dem  Nachweise  der 
sogenannnten  „rhätischen  Bögen"  verbunden  haben. 

Als  Ergebnis  dieser  Arbeiten  war  ihm  auch  die  Vermittlerrolle 
zwischen  der  westalpineu  und  ostalpinen  Tektonik  zugefallen. 

Mit  welchem  Aufwand  au  Einsicht  und  Besonnenheit  er  dieses 
Amt  zu  verwalten  wußte,  beweisen  die  großen  kritischen  Referate, 
welche  er  über  diese  Gebiete  zumeist  in  unseren  Verhandlungen  ver- 
öffentlicht hat.  Leider  ist  das  letzte,  ein  Referat  über  die  neuen 
geologischen  Untersuchungen  im  Rätikongebirge  von  D.  Trümpy  auf 
der  Post  verloren  gegangen. 

Wohin  wir  auch  schauen,  Arbeit  um  Arbeit  gedeiht  unter  seinen 
fleißigen  Händen,  er  selbst  ist  von  lichten  Hoffnungen  erfüllt.  Die 
schweren  Zweifel  an  seinem  eigenen  Können  sind  endlich  gefallen 
und  er  spürt  die  Kraft  zur  Vollendung  sicher  in  sich  ruhen. 

Da  zertritt  ein  hartes  Geschick  sein  junges  Leben,  das  er 
wieder  einmal  einsam  und  tapfer  den  Gefahren  des  Hochgebirges 
entgegengetragen. 

Lieber  Freund,  du  bist  als  ein  Opfer  idealer  Sorgfalt  und  Ge- 
nauigkeit,   als    ein  Hochgebirgsgeologe    getreuester  Fassung  gefallen. 

Mögen  die  Blumen  der  Erkenntnis  mit  ihren  reinen  Blüten  dein 
Grab  und  dein  Erbe  verklären. 

Wir  aber,  teurer  Freund,  wir  nehmen  nicht  Abschied  von  dir, 
wir  unterwerfen  uns  nicht  der  rohen  Hand  des  tödlichen  Zufalles, 
für  uns  sollst  du  lebendig  sein  in  unseren  Gedanken,  in  dem  Besten, 
was  du  erstrebt  und  was  dir  versagt  geblieben. 


Verzeichnis  seiner  geologischen  Arbeiten. 

Die  Gaitropoden  des  karnischen  Unterdevons.  Beiträge  zur  Geologie  und  Paläon- 
tologie Oesterreich  Ungarns.  Wien  1907. 

Geologische  Studien    in  den    zentralen  karnischen  Alpen.     Mit  einer  geol.  Karte. 
Mitteil,  der  Geol.  Gesellschaft  in  Wien    1909. 

Der  Höllensteinzug  bei  Wien.  Mit  einer  geol.  Karte.  Mitteil,  der  Geol.  Gesellschaft 
in  Wien.  1909. 

Baiische  Eruptivgest-ine  der  Kitzbühler  Alpen.  Tschermaks  Miner.  Mitteilungen. 
Wien  1910. 

Gedanken  über  tektonische  Lücken    Verhandl.  der  Geol    R.-A.  Wien  1911. 
Jahrbuch  d.  k,  k.  geol.  ReichsanstaU.  1918,  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (0.  Ampferer.)  22 


17Ö  Otto  Ampferer.  [IQ] 

Gemeinsam  mit  Dr.  G.  Dyhrenfurth: 

1.  und  2.  Vorbericht  über  die  Tektonik  der  zentralen  Unterengadiner  Dolomiten. 

Akademie-Anzeiger.  Wien  1907  und  1909. 
Ducangruppe,  Plessurgebirge  uud  die  rhätischen  Bogen.  Ecclogae  geol.  Helv.  1918. 
Triaizonen  am  Berninapaß  und  im  östlichen  Paschlav.  Verhandl.  der  Geol.  K.-A. 

Wien  1914. 
Monographie  der  Engadiner  Dolomiten  zwischen  Scanfi,  Schuli  und  dem  Stilfser- 

joch.  Mit  einer  geol.  Karte.  Beiträge  zur  geol.  Karte  der  Schweiz.  Neue  Folge, 

44.  Band.   1915. 

Zur  Stratigraphie  des  Ganavese.  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  Wien  1915. 

Zur  Deutung  der  Zebrulinie.  Verhandl.  der  Geol    R.-A.  Wien  1915. 

Die  Pyrenäen  im  Lichte  der  Deckentheorie.  Geol.  Kundschau  1915 

Tektonische  Phasen  in  den  Kalkalpen  der  unteren  Enus.  Verhandl.  der  Geol. 
R.-A.  Wien  1916. 

Zur  Altersbestimmung  der  Adamellointrusion.  Verhandl.  der  Geol.  R.  A.  Wien 
1917. 

Sammelreferat  über  die  Arbeiten  von  H.  P.  Cornelius  und  R.  Staub,  betref- 
fend die  Berninagruppe.  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  Wien  1917. 

In  englischer  Sprache  sollt«  die  Arbeit:  ,.Eine  unterkratazische  Fauna  aus 
dem  Giumalsandstein  (Himalaja)  nebst  einigen  Fossilien  der  Chikkimserie"  in 
Geol.  Surv.  of  India.  Records  und  in  italienischer  Sprache  „Liasfossilien  des  Cana- 
vese",  erscheinen. 

Aus  seinem  Nachlaß  befinden  sich  folgende  Arbeiten  teils  im  Druck,  teils 
erst  in  Vorbereitung. 

In  den  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  Wien: 
Eine  Querstörung  bei  Meran. 
Beiträge  zur  Geologie  der  Kalkalpen  von^Weyer. 
Nachgosauische  Störungen  am  Ostende  der  Nordkarawanken. 
Fragmente  zur  Tektonik  der  Westalpen  und  des  Engadins: 
Vorwort 

1.  Dent  blanche. 

2.  Kritisches  zur  Frage  der  alpin-dinarischen  Grenze  westlich  der  Etsch. 

8.  Zur  Chronologie    der   alpinen    Bewegungen    in    den    piemontesisch -lombar- 
dischen Alpen. 

4.  Die  Umgebung  von  Scanfs  und  die  Oberengadiner  Bögen. 

5.  Betrachtung  über  die  Bogenform  der  Westalpen. 

In  dem  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.  Wien: 
Beiträge  zur  Geologie  des  Brenner  Mesozoikums. 
Die  Nonsberger  Dislokationsbündel. 

In  den  Mitteilungen  der  Geol.  Gesellschaft  in  Wien : 
Beiträge  zur  Tektonik  des  Marsgebirges. 
Geologie  der  Voralpen  zwischen  Mödling  und  Triesiingtal.  Mit  einer  geol.  Karte. 

Voraussichtlich  in  der  Schweiz  dürfte  in  späterer  Zeit  die  Fortsetzung  der 
Monographie  der  Engadiner  Dolomiten  erscheinen. 

Wieu,  im  Februar  1919. 


Studien  über  die  f  azielle  und  tel(tonische  Stellung 
des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums. 

Aus  (lern  Nachlasse  von  Albrecht  Spitz. 

Mit  einer  stratigraphiscben  Tabelle  (Tafel  Nr.  XI)  und  7  Zeichnungen. 

Der  Wunsch,  die  mesozoischen  Bildungen  beiderseits  des  Brenners 
mit  jenen  des  Engadins  zu  vergleichen,  führte  mich  während  eines 
kurzen  Militärdiensturlaubes  im  Sommer  1917  an  den  Brenner.  Erst 
nachher  erhielt  ich  infolge  der  unverläßlichen  Kriegspost  die  ein- 
schlägigen Arbeiten  von  Sueß,  Sander  und  II artmann.  So  war 
ich  lediglich  auf  mein  leider  sehr  schlechtes  Gedächtnis  angewiesen 
und  betrat,  soweit  die  Tarntaler  Bildungen  in  Betracht  kamen,  das 
Gebiet  mit  dem  Rüstzeug  der  Begriffe:  Triasdolomit,  Liasschiefer, 
rätselhafte  Tarntaler  Brekzie  und  Serpentin,  sowie  der  Vorstellung, 
daß  diese  Serie  die  Grenze  von  Quarz-  und  Kalkphyllit  übergreife. 
Ich  erwähne  das  deshalb,  weil  dadurch  die  vollständige  Vorurteils- 
losigkeit meiner  Beobachtungen  gewährleistet  ist. 


Ich  beginne  mit  den  Tarntaler  Köpfen.  Einer  näheren  tek- 
tonischen  Zergliederung  vorgreifend,  muß  ich  vorausschicken,  daß 
nach  den  übereinstimmenden  Beobachtungen  von  Sander,  Hart- 
mann und  mir  die  Serie  Kahlwand-Tarntaler  Köpfe  eine  höhere 
tektonische  Einheit  bildet  gegenüber  der  Serie  Hippold-Torjoch. 
Wir  wollen  die  erstere  kurz  „Reckner"-,  die  letztere  „Hippold"- 
Serie  nennen. 

In  beiden  Serien  wurde  bisher  nur  das  Rhät  paläontologisch 
sichergestellt.  (Pich  1er,  Ro  thpletz.)  Die  Bestimmbarkeit  des  von 
Young  gefundenen  Ärnioceras  bezweifelt  Hartraann  (Jahrb.  Geol. 
R.-A.  1913,  S.  257).  Man  kann  daher  vorläufig  von  den  Hangendschiefern 
des  Rhät  nur  das  auf  Belemnitenfunde  (Hart mann)  gegründete 
jurassische  Alter  im  allgemeinen  behaupten.  Unter  diesen  Umständen 
haben  alle  meine  Vergleiche  und  Parallelen  natürlich  nur  bedingte 
Gültigkeit;  im  Rahmen  dieses  Vorbehalts  darf  ich  mich  dann  um  so 
freier  und  bestimmter  äußern. 


Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Beichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u,  2.  Hft.  (A.  Spitz.)  22* 


172  Albrecht  Spitz.  [2] 


1.  Reckner-Serie. 

Diese  Serie  ist  an  der  Kahl  wand  durch  mächtige  graue  Dolomite 
vertreten.  An  ihrer  Basis  liegen  gelblichbraun  anwitternde,  innen 
schwarze  Dolomite,  die  mit  schwarzen  Tonschiefern  überzogen  sind 
und  mit  solchen  wechsellagern.  Damit  verbunden  ist  Rauchwacke  mit 
einem  Gipsstock.  Diese  Schichten  sind  das  vollstcändige  Ebenbild  ge- 
wisser verarmter  Raibler  Schichten   des  Engadins. 

Vollständiger  noch  wird  die  Analogie  am  Ostabfall  des  eigentlichen 
Tarntaler  Massivs.  Hier  liegen,  ganz  entsprechend  den  Verhältnissen 
der  Kahlwand,  an  der  Basis  einer  großen  Dolomitmasse  zunächst 
wenige  Meter  eines  grauen  und  gelblichen  Dolomits.  Darüber  folgen  zirka 
20  m  schwarze,  tonige  Schiefer,  wechselnd  mit  schieferdurchwachsenen 
Dolomitbrekzien  und  mit  schwärzlichen,  quarzitisch-sandigen  Lagen,  die 
oberflächlich  mit  feinen  weißen  Glimmerschüppchen  überstreut  sind. 
Darüber  folgt  grauer  Dolomit,  der  an  der  Basis  noch  deutlich  primär- brek- 
ziös  ist. 

Die  beschriebenen  Gesteine  sind  typische  Glieder  der  Bündner 
Raibler  Schichten.  Ich  muß  daher  die  Darstellung  Hartmanns 
bezweifeln,  der  hier  auf  der  Karte  teils  Rhät,  teils  Jura  einträgt. 
Die  braunen  Dolomite  könnten  wohl  auch  im  Rhät  auftreten,  ebenso 
wäre  eine  Verwechslung  der  schwarzen  Tonschiefer  mit  solchen  des 
oberen  Jura  (siehe  später)  möglich.  Doch  schon  die  Sandsteine  unter- 
scheiden sich  durch  ihre  helle  Glimmerbestreuung  deutlich  von  den 
groben  Sandsteinen  und  Arkosen  des  Jura  und  ebenso  fremd  ist 
letzterem  die  lediglich  aus  Dolomit  bestehende  und  von  schwarzem 
Schiefer  flatschig  umflossene  primäre  Brekzie.  Auch  die  vollständige 
Kalkarmut  unserer  Gruppe  spricht  unbedingt  gegen  Rhät -Jura.  Die 
Lagerungsverhältnisse  sind  in  unserem  Fall  nicht  überzeugend,  wenn 
auch  die  Deutung  Raibler  Schichten  für  die  Schiefer-Brekzien-Serie, 
darüber  Hauptdolomit  und  dann  Jura  sehr  naheliegt;  um  so  mehr  aber 
am  Mieslkopf  (siehe  noch  später).  Hier  trifft  man  eine  regelmäßige 
überstürzte  Serie  vom  Malm  bis  zum  Hauptdolomit;  dieser  wird  am 
Gipfel  gekrönt  von  einem  Rest  der  Schiefer-Brekzien-Serie,  die  mit 
den  hier  beschriebenen  Gesteinen  identisch  ist. 

Zu  den  Raibler  Schichten  zählt  Hartman  n  noch  unter  Vorbehalt 
dunkle,  rötliche  und  grünliche  Kalke ;  auch  solche  kommen  in  den 
Engadiner  Raiblern  vor.  Im  Tarntaler  Gebiet  ist  jedoch  ihre  Stellung 
unsicher,  da  sie  einerseits  in  komplizierten  Schuppenzonen  liegen, 
anderseits  lithologisch  auch  mit  Jura  (oder  Muschelkalk)  verglichen 
werden  können.  Ein  ladinisches  Niveau  ist  nirgends  nachgewiesen. 
Mag  sein,  daß  das  schmale  Dolomitband  unter  den  Raiblern  dazu 
gehört;  es  könnte  aber  ebensogut  „indifferenter"  Raibler  Dolomit  oder 
tektonisch  wiederholter  Hauptdolomit  sein. 

Der  Dolomit,  der  in  den  Tarntaler  Kögeln  auf  diese  Raibler 
Schichten  folgt,  ist  offenbar  derselbe,  der  von  Rhät  überlagert  wird ; 
kontinuierliche  Profile  fehlen  hier,  sind  aber  zum  Beispiel  am  Miesl- 
kopf vorhanden.  Er  ist  somit  als  Hauptdolomit  zu  bezeichnen.  Er  ist 
heller  als  in  der  Bündner  Provinz  und  wiederholt  von  Quarzknauern  und 


[3]       Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     173 

-ädern  durchwachsen  (siehe  „Qu."  Hartmanns).  Aehnliche  Quarz- 
adern sind  südlich  der  eigentlichen  Bündner  Provinz  in  der  Aelagruppe, 
im  Scanfser  Abschnitt  und  am  P.  Alv  allgemein  verbreitet.  Die  von 
Hartmann  (S.  240)  erwähnte  tektonische  Brekzie  „in  einer  Art 
Grundmasse  aus  hellgrünem  Dolomit"  möchte  man  nach  der  Beschrei- 
bung eher  für  eine  primäre  Brekzie  halten,  wie  sie  im  Bündner  Haupt- 
dolomit gleichfalls  vielfach  verbreitet  ist. 

Am  östlichen  Abhang  der  Tarntaler  Sonnenspitze  sind 
kontinuierliche  Profile  vom  Hauptdolomit  aufwärts  erschlossen. 
Der  Dolomit  wird  an  der  oberen  Grenze  häufig  dünnbankig,  wittert 
gelblich  und  bräunlich  an,  nimmt  spärliche  dunkle  Schieferüberzüge 
und  reichlich  Quarzknauern  auf.  Dann  entwickelt  sich  der  schwarz- 
blaue fossilreiche  dickbankige  Bhätkalk,  der  am  Mieslkopf  ähnliche 
rauhe  Hornsteinschnüre  und  -knauern  enthält  wie  nicht  selten  in  den 
Engadiner  Dolomiten.  Dieses  „Grenzniveau"  des  Hauptdolomits 
erinnert  durch  seine  bräunliche  Färbung  an  analoge  Bildungen  am 
Südrand  der  Engadiner  Dolomiten  (Scanfs-Ortler)  und  die  Aelagruppe. 
Kohlige  Tonschiefer  (Hart mann,  S.  246)  haben  ihr  Aequivalent  in 
der  Quatervalsgruppe,  rötlich  graue  Kalke  (Hart mann,  S.  242,  an 
den  Isslköpfen)  in  der  Fraelefazies  der  Engadiner  Dolomiten.  Seri- 
zitische  Häute  finden  sich  in  den  Tarntaler  Köpfen  (Hartmann, 
S.  242)  ebenso  wie  in  der  Aela-Scanfser  Region  oder  dem  P.  Rims  in 
der  Val  d'  Uina.  Der  Tarntaler  Rhätkalk  ist  vielfach  dolomitisch, 
ähnlich  dem  Scanfser  Rhät.  Eine  regelmäßige  WechselJagerung  von 
Dolomit  und  Kalk  wie  im  Engadiner  „Grenzniveau"  scheint  in  den 
Tarntaler  Bergen  zu  fehlen.  Dafür  wird  das  Rhät  häufig  von  einem 
Dolomitkomplex  abgeschlossen,  der  somit  an  den  Conchodon- Dolomit 
der  lombardischen  Alpen  erinnert. 

Ueber  dem  Rhät  entwickeln  sich  schwärzliche  Kalk  schiefer 
des  Lias,  in  denen  sandige  und  schieferige  Lagen  wechseln  („Riesel- 
kalke" Hartmanns);  auch  feine  Dolomitbrekzien  mit  schwarzem  kal- 
kigem Zement  sind  ihnen  eingelagert.  Die  ganze  Ausbildung  erinnert 
an  Allgäuschichten,  beziehungsweise  an  Lias  der  Fraelemulde  im 
Engadin,  wo  die  sonst  stark  vertretenen  roten  Kalke  und  Brekzien 
sehr  zurücktreten.  Die  in  beiden  letzteren  Entwicklungen  so  charak- 
teristischen brotkrustenartig  verwitternden  Rieselkalke  scheinen  dem 
Tarntaler  Gebiete  zu  fehlen. 

Ueber  den  dunklen  Schiefern  folgt  nun  eine  Serie  von  weißlich- 
grünlichen, dichten  Kalkschiefern  mit  grünen  Schieferhäuten  und  rot- 
grünen kieseligen  Schiefern  und  Hornsteinen ;  die  weißen  Kalkschiefer 
sind  oft  waben-  und  netzartig  mit  dem  grünen  Schiefermaterial  durch- 
wachsen. Auch  schwärzliche  Kalkschiefer  kommen  vor.  Mitunter  sind 
feine  dolomitische  Brekzien  eingestreut.  Diese  Gesteine  sind  ein  voll- 
ständiges Ebenbild  des  Unterengadiner  Malm,  in  dem  ebenfalls 
grünliche  und  schwärzliche  Kalkschiefer  sowie  gelegentlich  Dolomit- 
brekzien als  eigenartig  auff'allen;  ganz  ähnliche  Gesteine  kommen  aber 
auch  in  der  Aufbruchszone  vor,  dann  in  den  Nordalpen  (am  Sonnwend- 
joch auch  Brekzien)  und  vielfach  (auch  mit  Brekzien)  in  den  Südalpen. 
Hartmanns  Vergleich  der  Hornsteine  mit  Radiolarit  ist  vollauf 
berechtigt.    Ich   werde   das   Erstaunen   nicht   vergessen,    als  ich   das 


174  Albiecht  Spitü.  [4] 

Quellgebiet  beider  Tarntäler  betrachtete :  ich  glaubte  mich  in  eine 
Charakterlandschaft  von  nordalpinem  Malm  versetzt,  etwa  Sonnwendjoch 
oder  Höfats,  so  vollkommen  ist  auch  äußerlich  die  Analogie.  Und  mau 
muß  nur  staunen,  daß  sie  niemand  vor  Hart  mann  aufgefallen  ist. 
Unter  seinen  Vorgängern  kamen  nur  Pich  1er  und  Rothpletz  der 
Wahrheit  nahe,  indem  sie  beide  die  normale  Schichtfolge  von  Dolomit 
aufwärts  erkannten  und  unsere  bunte  Serie  in  den  Lias  stellten. 

In  diesen  Malmgesteinen  liegt  der  Seipentin  mit  seinen  ophi- 
kalzitischen  Kontaktprodukten,  genau  so  wie  bei  Arosa  am  Lohstein 
und  im  Oberengadin  oder  auch  bei  Ehrwald.  Im  oberen  Tarntal  erkennt 
man  auch,  daß  schwarze,  etwas  phyllitische  Schiefer  mit  Manganputzen 
zu  dieser  Serie  gehören.  Sie  könnten  mit  den  erwähnten  Halbier 
Schiefern  verwechselt  werden.  Im  Malm  haben  sie  weniger  Analogien, 
am  ehesten  in  der  Aufbruchzone  und  im  Canavcse. 

In  vieler  Beziehung  der  Recknerschuppe  ähnlich  ist  das  Gipfel- 
profil des  Mieslkopf-Kreuzj  öch  Is.  Die  näheren  tektonischen 
Beziehungen  sind  noch  unbekannt,  doch  liegt  auch  hier  über  einer 
tieferen  Serie  (am  SW  Grat  des  Mieslkopfes)  eine  höhere,  verkehrte 
Serie;  sie  beginnt  mit  Serpentin  +  Ophikalzit,  dann  folgen  helle  und 
grünliche  Kalkschiefer  sowie  bunte  Hornsteine  und  Hornsteinkalke 
des  Malm,  höher  eine  schmächtige  Lage  von  schwärzlichen  kalkig- 
tonig-sandigen  Liasschiefern,  dann  ein  bläulicher  Kalk  mit  Kiesel- 
schnüren und  großen  Dolomitbrocken,  der  wohl  dem  tiefsten  Lias 
und  Rhät  entspricht,  darauf  (am  Gipfel)  muldenförmig  grauer  Dolomit 
und  über  diesem  die  schon  erwähnten  braunen  Raibler  Schichten. 
Gegen  das  Kreuzjöchl  erscheinen  unter  dem  grauen  Dolomit  wieder 
Riiät  und  Lias,  dann  eine  mehrfache  Wiederholung  von  grauem  Dolomit 
mit  schiefer-  und  brekzienreichem  Raibler  Dolomit.  Dazwischenliegende 
schwarze  Tonschiefer  gehören  wohl  zu  den  Raibler  Schichten  (und 
nicht  zum  Malm).  Nördlich  des  Kreuzjöchls  tritt  dann  wieder  die 
basale  Schuppe  hervor. 


2.  Hippold- Serie. 

In  der  tieferen  „Hippold"- Schuppe  finden  wir  die  vorhin 
beschriebene  Malmserie  wieder,  noch  viel  reicher  entwickelt  als 
in  der  Re  ck  nerschu  ppe.  Unter  den  zu  letzterer  gehörigen  Dolo- 
miten der  Kahl  wand  triift  man  als  höchstes  Glied  zunächst  die 
grünen  und  roten  Kieselschiefer  und  hellbunten  Kalke  wieder  an.  Die 
darunterliegenden  Schichten  umfassen  nun  eine  verwirrende  Mannig- 
faltigkeit von  Gesteinen :  schwarze,  graue,  rötliche  Kalkschiefer ; 
dunkle  Tonschiefer,  weißgrüne  serizitische  Quarzitschiefer,  die  zum 
Teil  sehr  deutlich  klastischkörnig  sind  (verrucanoähnlich,  z.  B.  Eis- 
kar); aus  ihnen  allmählich  hervorgehend  braungrüne,  dickbankige, 
feinere  und  gröbere  Sandsteine  und  „Grauwacken"  (ebenda).  Schließ- 
lich eine  Abart  der  mit  Recht  so  vielgenannten  „Tarn taler  Brek- 
zie",  eine  feine  Brekzie  mit  vorwiegend  dolomitischen  (seltener 
kalkigen)  Bestandteilen,  eingebettet  in  die  schwärzlichen  und  rötlichen 
Kalkschiefer,  mitunter    auch   in  die  serizitisch  quarzitischen  Schiefer, 


[ol       Studien  über  die  Stellung  des  Tavntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     175 

manchmal  fast  nur  aus  fein  zerriebenem  Dolomit  mit  tiefbraunen 
Mangankrusten  bestehend  (=  „regenerierter  Dolomit"  Hartmanns?) 
[z.  B.  südlich  unter  der  Kahlwand] ;  alles  dieses  ist  miteinander  durch 
Wechsellagerung  gegen  oben  und  seitwärts  so  eng  verbunden,  daß  an 
der  stratigraphischen  Zusammengehörigkeit  dieser  so  verschiedenen 
Gesteine  nicht  gezweifelt  werden  kann. 

Grobe,  rein  dolomitische  Brekzien  habe  ich  im  sicheren  Jura 
nicht  gesehen;  ich  verweise  sie  im  Gegensatz  zu  Hartmann,  wie 
schon  erwähnt,  in  die  Raibler  Gruppe.  Sehr  ähnliche  Gesteine  finden 
wir  wieder  im  Engadin,  u.  zw.  am  P,  Murtiröl  bei  Scanfs  und  P.  Pa- 
della  bei  Samaden.  An  letzterem  Berge  wurden  sie  von  Cornelius 
,,Saluver-Serie"  genannt  und  für  Oberkreide  gehalten;  sie  entwickeln 
sich  jedoch  aus  Radiolarit  und  ihr  Aequivalent  führt  am  Murtiröl  Ap- 
tychen.  Man  findet  dort  grobe,  fast  zementlose  dolomitische  Brekzien 
bis  hinab  zu  feinster  mangangetränkter  Dolomitbrekzie,  solche  mit 
kalkigem  und  sandigem,  buntem  Zement,  bunte  Kalkschiefer  aller  Art, 
die  in  sandige  Schiefer  und  buntsandsteinartigen  Sandstein  übergehen. 
Die  kristallinen  Brekzien  des  Engadins  fehlen  den  Tarntaler  Köpfen, 
wogegen  die  serizitischen  Quarzite  im  Engadin  unbekannt  sind  und 
überhaupt  eine  dem  Tarntaler  Bereich  eigentümliche  Bildung  zu  sein 
scheinen. 

Schließlich  sei  noch  an  das  Canavese  erinnert,  wo  grobe,  verru- 
canoartige  und  kristalline  Brekzien,  durch  Wechsellagerung  und  Ueber- 
gang  verknüpft,  zwischen  hellen  Malmkalken  mit  Radiolariten  liegen. 
Das  Dogma  vom  Tiefseecharakter  dieser  Bildungen  ist,  wie  auch 
Hart  mann  betont,  unbedingt  revisionsbedürftig.  Auch  in  der  Falk- 
nisbrekzie  wird  man  Aenliches  sehen  dürfen.  (Auf  Beziehungen  zwi- 
schen Breiinermesozoikum  und  Aufbruchszone  hat  schon  Sander  hin- 
gewiesen.) 

Treten  wir  weiter  in  die  Hippold-Serie  ein.  Sie  ist  am  Hippold- 
kamm  mit  dem  basalen  Quarzphyllit  verbunden.  Nördlich  der  Torspitz 
und  an  der  Henneneteigen  folgt  über  dem  Quarzphyllit  gelbe  Rauch- 
wacke  und  grauer  Dolomit,  zum  Teil  in  Linsen  zerrissen,  letzterer 
von  geringer  Mächtigkeit.  Am  Hippold  liegen  unter  der  Rauchwacke 
noch  mächtige,  grünlichweiße,  dichte  Quarzite.  Sie  sind  nach  F.  F.. 
Sue  ß,  Har  tm  ann  und  Sander  u.  m.  deutlich  klastisch,  (also  ver- 
rucanoähnlich  und  wie  dieser,  nicht  selten  mit  rötlichem  Quarz  unter- 
mischt), nach  F.  E.  S  u  e  ß  gelegentlich  auch  schon  makroskopisch, 
z.  B.  bei  Matrei  (Jahrb.  Geol.  R.-A.  1894,  S.  643).  Die  Rauchwacken 
sind  oft  von  parallelen  serizitischen  Häuten  durchzogen  und  erhalten 
dadurch  eine  Art  Schieferung.  Sie  umschließen  wiederholt  Bruch- 
stücke von  Quarzit,  nicht  selten  prachtvoll  gerundete  (z.  B.  Hippold); 
nach  Hartmann  enthalten  sie  auch  Brocken  von  Quarz-  und  Kalk- 
phyllit  und  wechseln  mit  Gips  (vgl.  auch  Sander).  Alles  das  macht 
ihre  stratigraphische  Entstehung  sicher  —  unbeschadet  natürlich  se- 
kundärer tektonischer  Einwirkung. 

Hartmann  hält  die  Quarzite  und  Rauchwacken  mit  Vorbehalt 
für  Raibler  Schichten.  Mir  scheint,  wenigstens  für  die  Quarzite,  ein 
Vergleich  mit  Buntsandstein-Verrucano  näherzuliegen.  Die  Rauchwacke 
ist   dann,  wenn   sie   wirklich   primär   mit   dem    Quarzit   wechsellagert 


176  Aibrecbt  Spitz.  [gl 

(Hart mann,  S.  235  und  239)  und  in  ihn  übergeht  (S.  295)  als 
untere  Rauch  wacke  anzusprechen,  im  Gegensatz  zu  der 
Raibler  Rauch  wacke  der  Kahlwand. 

Der  hellgraue,  an  Quarzadern  reiche  Dolomit  im  Hangenden 
der  Rauchwacke  ist  wenig  mächtig  und  nicht  weiter  zu  gliedern 
(Hippold,  Eiskar,  Grauwaud);  im  besonderen  ist  ein  Raibler  Band 
nicht  nachweisbar.  Auch  ein  eigener  ladinischer  Anteil  ist  hier  eben- 
sowenig wie  in  der  Recknerserie  bekannt. 

Zwischen  der  oberen  Grenze  des  Dolomits  und  den  vorhin  be- 
schriebenen Jurabildungen,  die  an  der  Basis  auch  noch  den  Lias  um- 
fassen mögen,  liegt  nun  sowohl  im  Eiskar  wie  an  der  Grauwand  und 
am  Torjoch  eine  höchst  merkwürdige  und  wechselvolle  Bildung.  Bald 
glaubt  man  in  braunem  Dolomit  zu  gehen,  bald  in  weißem  basalem 
oder  klastischem  Jura-Quarzit,  bald  wieder  in  der  feinen  Jura-Dolo- 
mitbrekzie  mit  tonigkalkigem  Bindemittel,  bald  sind  alle  diese  Ge- 
steine nach  Art  einer  Riesenbrekzie  durcheinandergemischt  und  eng- 
stens  miteinander  verschweißt.  Sander  hat  diese  Brekzie  zuerst  für 
ein  rein  tektonisches  Gebilde  genommen  ^).  Später  überzeugte  er  sich, 
daß  eine  stratigraphische  Primärbrekzie,  nämlich  die  feine  Jura  Dolo- 
mitbrekzie,  als  Komponente  in  der  tektonischen  Riesenbrekzie  auf- 
tritt. Er  schwankt  nur  in  der  Beurteilung,  welches  von  den  verschie- 
denen Gesteinen  der  Wirt  und  welches  der  Gast  der  tektonischen 
Riesenbrekzie  sei. 

Auch  Hart  mann  erkannte  an,  daß  die  dolomitische  Jura-Pri- 
märbrekzie  hier  beteiligt  sei.  Da  er  aber  sämtliche  Dolomitbrekzien, 
auch  grobe,  dem  Jura  zurechnete,  so  bezeichnete  er  das  ganze  Ge- 
bilde als  mylonitische  Jurabrekzie  und  hielt  die  Einbeziehung  des 
Quarzits  für  tektonisch.  In  der  Tat  scheinen  oft  riesige  eckige 
Blöcke  von  Quarzit  und  auch  von  braunem  Dolomit  sehr  zugunsten 
einer  solchen  Erklärung  zu  sprechen;  allerdings  bleibt  zu  beachten, 
daß  auch  in  Blockbrezien  der  Gosau  eckige  Blöcke  von  derselben 
Dimension  auftreten ! 

Doch,  wie  schon  vorhin  angedeutet,  unsere  Riesenbrekzie  hat 
durchaus  nicht  immer  die  Erscheinungsform  einer  Brekzie.  Bei 
näherem  Zusehen  (sehr  gut  z.  B,  an  den  Blöcken  auf  dem  Wege 
Lizumer  Hütte — Torjoch  zu  studieren)  erkennt  man  nicht  selten  einen 
lageiiweisen  Wechsel  von  ganzem  und  zerbrochenem  Quarzit  mit 
Dolomit,  beziehungsweise  Dolomitbrekzie.  Ja  es  kommt  sogar  dazu,  daß 
die  Quarzitlagen  schmale  Schnüre  und  Knauern  von  Dolomit  enthalten 
und  umgekehrt.  Mitunter  tritt  auch  schwarzer  Kalk  und  Tonschiefer 
in  dieser  schlierigen  Form  auf,  namentlich  an  der  oberen  Grenze 
der  Brekzie.  Wir  haben  dann  also  eine  Art  Pseudobrekzie  vor  uns, 
die  richtiger  als  waben-  und  netzförmiges  Gebilde  zu  bezeichnen  ist. 
Das  legt  den  Gedanken  an  eine  fast  gleichzeitige  Dolomit-Quarzit- 
sedimentation  nahe.  Reichte  das  eine  Material  nicht  aus,  um  ge- 
schlossene Lagen    zu    bilden,    so    erscheint  es  durchmischt  mit  dem 


')  Kober  (Bau  und  Entstehung  der  Ostalpen,  Mitt.  d.  geol.  Ges.  Wien 
1912,  S.  45)  epiicht  vom  Auftreten  der  (tektonischen)  Schwarzeckbrekzie  am 
Torjoch. 


r7]      Studien  über  die  Stellung  des  'Tarnialer  und  Tribulaun-Mesozoikums.     17? 

anderen  und  umgekehrt.  Wir  kennen  ganz  analoge  Fälle  im  Eugadin, 
in  der  wabenförmigen  Durchdringung  von  Kalk  und  Dolomit  des 
norisch-rhätischen  Grenzniveaus,  in  der  flatschigen  Schiefer-Dolomit- 
brekzie  der  Raibler  und  des  Muschelkalks  (z.  B.  Gr.  Läger  in  Val 
d'Uina),  sogar  aus  dem  Tarntaler  Gebiete  selbst,  nämlicli  den  netz- 
und  wabenförmigen  Durchwachsungen  des  weißen  Kalk-  und  grünen 
Serizitmaterials  im  Malm.  Infiltrierte  Quarzgänge  (siehe  „Qu."  Hart- 
manns) durchsetzen  dieses  Gestein  nach  allen  Richtungen  hin  und 
bilden  oft  ein  förmliches  Gitter  zwischen  den  einzelnen  Bestand- 
teilen. 

Fassen  wir  das  alles  zusammen  und  behalten  wir  die  Position 
der  Brekzie  zwischen  Dolomit  und  Jura  im  Auge,  so  ergeben  sich 
folgende  4  mögliche  Entstehungsarten : 

1.  rein  tek tonische  Brekzie,  Gemisch  aus  basalem  Quar- 
zit,  braunem  Dolomit  und  Jura  (Brekzien,  Schiefer  und  Kalk); 

2.  rein  tektonische  Brekzie,  Gemisch  aus  Jura-Quarz- 
serizitschiefer  und  sonstigem  Jura  mit  braunem  Dolomit; 

3.  normales  stratigraphisches  Gebilde,  vielleicht  se- 
kundär mylonitisch,  als  Uebergangsbildung  zwischen  basalem  Dolomit 
and  hangendem  Jura; 

4.  normales  stratigraphisches  Gebilde,  wie  3.,  nur 
bis  zum  basalen  Quarzit  hinabreichend  und  mit  einer  Ueberschiebung 
auf  dem  tieferen  Dolomit  aufruhend;  vielleicht  sekundär  mylonitisch. 

Für  am  wenigsten  wahrscheinlich  halte  ich  2. :  Die  Quarzite 
scheinen  mir  mit  den  Quarz-Serizitschiefern  des  Jura  nur  zum  geringeren 
Teil  ähnlich.  Außerdem  würde  die  direkte  Aufeinanderfolge  von  Trias- 
dolomit und  oberem  Jura  eine  besondere  Erklärung  erfordern,  die 
allerdings  durch  die  mechanische  Mylonitbildung  auf  das  tektonische 
Feld  gerückt  schiene. 

1.  und  4.  erscheinen  mir  gleichfalls  unwahrscheinlich ;  in  beiden 
Fällen  erschiene  der  basale  Quarzit  tektonisch  zwischen  Dolomit  und 
Malm,  an  einer  Stelle  also,  wo  wir  ihn  auch  tektonisch  nicht  erwarten 
möchten.  Denn  der  mit  ihm  vermischte  braune  Dolomit  kann  keines- 
wegs als  Aequivalent  des  grauen  Dolomits  bezeichnet  werden,  der  sonst 
den  Quarzit  überlagert.  Ebenso  fehlen  Rauchwacke  und  Rhät.  Und 
gerade  dort,  wo  basaler  Quarzit  und  Jurabrekzie  engstens  mitein- 
ander verknetet  sind,  z.  B.  am  Hippold  (Basis),  bleiben  beide  ge- 
trennt und  vereinigen  sich  nie  zu  einer  der  unseren  vergleichbaren 
Brekzie.  Beachten  wir  ferner,  daß  unsere  Brekzie  ihre  Lage  zwischen 
Dolomit  und  Malm  über  große  Strecken  (Eiskar-Grauwand)  mit  be- 
harrlicher Zähigkeit  festhält,  ferner  daß  das  Rhät  fehlt  und  erinnern 
wir  uns  der  wabenförmigen  und  gleichmäßig  alternierenden  Strukturen, 
so  erscheint  die  Wahrscheinlichkeit  für  3.  am  größten :  Wir  haben 
hier  eine  normale  stratigraphische  Schicht  vor  uns,  welche  die  Lücke 
zwischen  Dolomit  und  Malm  (oder  Lias  z.  T.?)  ausfüllt,  sich  durch 
einen  eigenen  Quarzit  und  einen  eigenen  Dolomit  auszeichnet  und 
gegen  oben  anscheinend  langsam  in  die  Jurabrekzien  übergeht.  Ihr 
Alter   möchte    demnach  als  Rhät-Lias  zu  bezeichnen  sein.   Nachtrag- 

Jabrbacb  d.  k.  k.  geol.  Beichsauatalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft   (A.  Spitz.)  23 


178  Albreclit  Spitz.  j-g' 

liehe  ZerbrechuDg  kann  leicht  stark  tektonische  Bilder  erzeugen,  ähn- 
lich wie  es  auch  die  häufigen  Rauchwacken  im  Verhältnis  zu  dem 
ursprünglichen  Wechsel  von  Dolomit,  Kalk,  Gips  und  Schiefermaterial 
darbieten. 


3.  Stratigraphische  Uebersicht 
(Rekurrenzen,  Transgressionen,  provinzieller  Charakter). 

Akzeptieren  wir  die  oben  dargelegten  Anschauungen  über  die 
Dolomit -Quarzitbrekzie,  so  erhalten  wir  nachstehende  Schichtfolge 
für  die 

Hippold-Seri.e:  Quarzit  des  Verrucano?;  Rauchwacke;  wenig 
mächtiger  grauer  Triasdolomit;  Dolomit-Quarzitbrekzien,  etwa  an  Stelle 
von  Rhät-Lias,  gegen  oben  übergehend  in  die  schwärzlichen  und  bunten 
Tone  und  Kalkschiefer  des  Malm,  mit  Brekzien,  Saudsteinen,  Serizit- 
Quarzschiefern ,  oben  abschließend  mit  grünen  und  roten  Kiesel- 
schiefern und  Hornsteinen. 

Reckner-Serie:  Raibler  Schichten  mit  Brekzien,  Dolomit, 
Schiefem,  Gips,  Rauchwacken  ;  mächtiger  Hauptdolomit,  Rhät,  schwarze 
Lias-Kalkschiefer,  bunte  Kalkschiefer  des  Malm  mit  ton  ige  r  Brekzie, 
ausnahmsweise  Quarz-Serizitschiefer  (am  Nederer,  Hartmann,  S  271) 
und  oben  Sandsteine;  nach  oben  bunte  Kieselschiefer  und  Hornsteine 
mit  Serpentin  und  Ophikalzit. 

Auffallend  sind  bei  dieser  Gliederung  die  wiederholten  P^azies- 
Rekurrenzen,  eine  Erscheinung,  die  man  allerdings  ähnlich  auch  im 
Engadin  und  ja  auch  in  der  nordalpinen  Trias  gut  kennt : 

Der  Quarzit  tritt  mindestens  zweimal,  eventuell  dreimal  auf,  näm- 
lich im  Verrucano  (?),  in  der  Quarzit  Dolomitbrekzie,  im  Malm  (hier 
verbunden  mit  Sandsteinen  und  Grauwacken).  Die  schwarzen  Kalk- 
schiefer und  Tonschiefer  („Glanzschiefer")  erscheinen  außer  im  Rhät- 
Lias  noch  im  Malm,  als  kalkfreie  Scliiefer  in  den  Raiblerschichten. 
Schließlich  scheint  mir  die  Tarntaler  Brekzie,  wie  ausgeführt,  keines- 
wegs eine  „unverkennbar  einheitliche  Bildung"  zu  sein  (Sander, 
Verhandl.  Geol.  R.-A.  1910,  8.46,  auch  Ilartmann),  vielmehr  min- 
destens auf  drei  Horizonte  aufzuteilen:  1.  die  Raibler  Dolomit-  und 
Scliiefer-Dolomitbrekzie,  2.  die  tiefe  Rassische  (Rhät?)  Kalk-Dolomit- 
brekzie  (Mieslkopf)  und  3.  die  oben  feinkörnige,  polygene  Malmbrekzie. 
Unsere  Dolomit-Quarzitbrekzie  möchte  ich  mit  allem  gebotenen  Vor- 
behalt, am  ehesten  als  heteropische  Bildung  der  Brekzie  2.  ver- 
gleichen, deren  Stelle  sie  vielleicht  vertritt.  Dolomite  sind  im  Rhät 
und  Lias  aus  dem  Engadiner  und  südalpinen  Bereich  wiederhojt  be- 
kannt geworden  und  Quarzite  werden  im  Tribulanugebiet  ins  Rhät 
gestellt  und  sind  im  Lias  der  Grestener-Scliichten  gleichfalls  nicht  un- 
bekannt, dadurch  würde  der  etwas  befremdliche  Gesteinsbestand  dieser 
Brekzien  an  Ungewöhnlichkeit  verlieren. 

Mit  dieser  Altersbestimmung  der  verschiedenen  Tarntaler  Brek- 
zien —  von  der  Raibler  iBrekzie  abgesehen  —  stimmt  recht  gut,  daß 


[91       Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tiibulaun-Mesozoikums.      179 

Sander  die  Brekzien  als  postrhätisch  betrachtet.  Für  die  Lias-  und 
Malmbrekzien  ist  das  ohne  weiteres  klar.  Auch  die  Funde  von  fossil- 
führendem (?)  Rhätkalk,  welche  San^der  am  Grafmarter  in  der  Do- 
lomit-Quarzitbrekzie  machte,  lassen  sich  mit  der  Annahme  eines  Rhät- 
Lks- Alters  ganz  gut  vereinbaren,  gleichgiltig,  ob  man  das  Rhät  als 
tektonisch  eingemischt,  als  wabenförmige  Schlieren  oder  als  wirkliche 
Gerolle  auffaßt;  im  letzteren  Falle  wäre  mit  liassischem  Alter  oder 
eventuell  einer  Aufarbeitung  fast  gleichaltriger  Brocken  (wie  in  der 
Engadiner  Liasbrekzie)  zu  rechnen. 

Die  Frage  der  Transgression  ist  in  diesem  brekzienreichen  Ge- 
biete ebenso  brennend  wie  im  Oberengadin  und  der  benachbarten 
Aufbruchszone.  Wiewohl  wir  dort  zahlreiche  Brekzien  als  Zeugen 
tiefgehender  Denudation  finden  (kristalline  Komponenten!),  so  kennen 
wir  doch  bisher  einwandfrei  keine  einzige  Stelle,  wo  diese  Brekzien 
auf  Verrucano  oder  Kristallin  transgredieren  i);  die  stratigraphische 
Lücke  umfaßt  höchstens  eine  meist  wenig  mächtige  Schicht  (z.  B. 
Rhät). 

Aehnlich  ist  es  im  Tarntaler  Gebiet.  Man  wird  Hartmann 
(S.  276)  gewiß  zustimmen,  wenn  er  die  Quarz- Serizit- Schiefer  des 
Malm  als  umgelagerte  basale  Quarzite  bezeichnet;  vielleicht  trifft  das 
sogar  für  die  Quarzite  der  Quarzit-Dolomit-Brekzie  zum  Teil  zu. 
Deunocli  kennen  wir  auch  hier  keine  sichere  stratigraphische  Lücke. 
Auf  den  ersten  Blick  einer  Transgression  verdächtig  scheinen  die 
Verhältnisse  an  der  nördlichen  Basis  des  Hippold  zu  sein ;  hier  treten 
Quarzit  und  Malmbrekzien  in  auffallend  enge  Berührung.  Aber  gerade 
hier  sind  tektonische  Phänomene  nicht  zu  übersehen.  Wie  vorsichtig 
man  in  der  Bewertung  solcher  Lücken  sein  muß,  zeigt  das  Beispiel 
des  Mieslkopfs.  Hier  folgen  über  dem  Quarzphyllit  Quarzit  und  Rauch- 
wacke,  dann  Malm  (bzw.  Serpentin);  und  doch  ist  hier  eine  Trans- 
gression auszuschließen,  weil  der  Malm  das  tiefste  Glied  der  schon 
mehrfach  erwähnten  inversen  Serie  ist,  welche  regelmäßig  bis  zu  den 
Raibler  Schichten  aufsteigt. 

Auch  bei  den  verschiedenen  Diskordanzen  (Quarzit  und  Rauch- 
wacke  über  Quarzphyllit,  Lias  über  Rhät  oder  Hauptdolomit),  die 
Hart  mann  für  primär  erklärt  (sogar  eine  primäre  Jura-Steilküste 
glaubt  er  noch  zu  erkennen),  möchte  ich  eher  für  tektonische  als 
stratigraphische  Momente  stimmen.  Denn  es  handelt  sich  meist  um 
scharfe,  glatte  Flächen  (z.  B.  für  7  bei  Hart  mann)  und  nicht  um 
ein  taschenförmiges  Eingreifen  (daß  ein  solches  in  gewissen  Fällen 
vorhanden  sein  mag,  will  ich  nicht  bezweifeln ;  vielleicht  sogar  bei 
den  von  Hartmann  für  Jura  gehaltenen  Raibler  Brekzien  des  west- 
lichen Lizumtales).  Wir  kennen  gleichfalls  aus  dem  Engadin  durch 
Schillers  Untersuchungen  sehr  gut  den  Gegensatz  zwischen  beiden 
Flächentypen. 

Auch  das  Fehlen  der  ladinischen  Basis  in  der  Reckuer-Serie 
muß  nicht  unbedingt  stratigraphisch  gedeutet  werden.  Wo  ein  durch- 
gängiges   und    mächtiges  Raibler  Schiefe rniveau    entr/ickelt  ist, 


*)  Eine  Ausnahme  macht  vit  lleicht  der  Malm-Verrucanokontakt  in  Vaüglia 
und  südlich  des  Muitiröl  bei  i^canfs, 

23* 


180  Albrecht  Spitz.  [10] 

da  wird  es  gern  zu  einem  Abstauungshorizont,  der  zwei  gesonderte 
Stockwerke  trennt  (Ortler,  Aela,  „Oberbau"  der  Engadiner  Dolomiten, 
in  gewissem  Sinn  anch  in  den  nachgosauischen  Ueberschiebungen  bei 
Alland);  vielleicht  ist  eine  ähnliche  Erklärung  auch  hier  anzu- 
wenden. 

Werfen  wir  nun  einen  Blick  auf  den  provinziellen  Charakter  der 
beiden  Serien: 

Die  Reckner -Serie,  die  im  wesentlichen  mit  Hartmanns 
Schuppen  Ä,  B^  und  B^  identisch  ist,  zeigt  deutlich  ostalpinen  Cha- 
rakter mit  vielen  Anklängen  an  Bündner  und  nordalpine  Fazies.  Die 
Hippold-Serie,  im  wesentlichen  ^=  Hartmanns  „basalem  Vorland", 
zeigt  dagegen  starke  lepontinische  i)  Einschläge,  sei  es  nun  die  weniger 
mächtige  und  ungegliederte  Trias,  sei  es  die  auffallend  stark  brek- 
ziöse  Entwicklung  des  Malm.  Die  Quarz-Dolomitbrekzie  ist  bloß  aus 
dem  Tarntaler  Gebiet  bekannt,  ebenso  die  Serizit-Quarzitschiefer  des 
Malm  (weniger  in  der  mineralogischen  Zusammensetzung  als  in  der 
metamorphen  äußeren  Erscheinung). 

Hartmanns  Metamorphose  „C",  welche  das  Mesozoikum  um- 
gewandelt hat,  ist  im  übrigen  ziemlich  bescheiden,  nicht  viel  bedeu- 
tender als  z.  B.  in  den  Engadiner  Dolomiten  (Muschelkalk -Phyllit, 
Lias-Malm  Marmore). 

Diese  fremdartigen  Züge  der  Hippold-Serie  sind  um  so  auffal- 
lender, als  sie  (ähnlich  wie  in  der  Scanfser  Region)  mit  dem  gewissen 
ostalpinen  Quarzphyllit  engstens  verbunden  ist.  Man  hat  jedenfalls 
trotz  mancher  tektonischen  Unregelmäßigkeiten  (z.  B.  Schub  flach 
nördlich  unter  dem  Hippold)  keinen  Grund,  die  ursprünglich  normale 
Auflagerung  von  Quarzit  und  Rauchwacke  auf  dem  Quarzphyllit  in 
Zweifel  zu  ziehen  (z.  B.  Hennensteigen). 

Nach  Hartmann  ist  auch  die  Reckner-Serie,  wenigstens  seine 
Schuppe  A,  mit  dem  Quarzphyllit  verbunden.  Mir  scheint  das  nicht 
so  zweifellos.  Diese  Frage  führt  uns  dazu,  einen  Blick  auf  die  Tek- 
tonik des  Gebietes  zu  werfen. 


4.  Tektonik. 


a)  Die  drei  Schuppen  A^  B^  und  -Bg- 

(Siebe  tektonisches  Schema  Hartmanns  auf  Textfigur  1.) 

So  warm  ich  auch  die  sorgfältigen  Beobachtungen  von  Hart- 
mann anerkenne,  so  wenig  kann  ich  seinem  tektonischen  Schema 
überhaupt  folgen,  das  mir  vielfach  künstlich  zurechtgemacht  und  ge- 
waltsam erscheint.  Leider  beruht  der  größte  Teil  meiner  Kritik  nicht 
auf  Untersuchung  in  der  Natur,  sondern  Studium  von  Hartmanns 
Karte.  Hartmann  zerlegt  unsere  Reckner-Serie  in  die  drei  Schuppen 
A,  Bi  und  B^.  Ich  muß  die  Selbständigkeit  dieser  drei  Gebilde  zum 


*)  Ich  vergleiche  hierbei  grundsätzlich  nur  die  als  »Lepontin"  gut  defi- 
nierten Gebirgsteile  von  Graubünden  an  gegen  Westen  und  nicht  etwa  die 
Tauern ! 


[111     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     181 

mindesten  bezweifeln;  denn  teilen  wir  die  Dolomitbrekzien  und 
Schiefer  im  westlichen  Liziimtal  statt  dem  Jura  (Hartmann)  den 
Raiblern  zu,  so  wird  dadurch  die  anormale  Ueberlagerung  von  B^ 
auf  Ä  wesentlich  modifiziert;  man  möchte  dann  die  Frage  aufwerfen, 
ob  die  schwarzen  (Lumachellen-)Kalke  und  braunen  Dolomite  des 
Rhät,  welche  allein  noch  eine  tektonische  Trennung  zwischen  beiden 
Schuppen  ermöglichen,  nicht  ebensogut  zu  den  Raiblern  gehören,  was 
ja  nach  ihrem  petrographischen  Charakter  wohl  möglich  ist.  Schuppe 
ßi  ist  überhaupt  nur  eine  Wiederholung  von  Rhät  in  Rhät  und  schon 
wegen  ihrer  lokalen  Beschränkung  ohne  tiefergreifende  Bedeutung. 
Da  sie  nach  eigenen  Beobachtungen  im  westlichen  Lizumtal  mit 
allerhand  Faltungen  in  Verbindung  zu  stehen  scheint,  könnte  sie  viel- 
leicht von  diesen  abzuleiten  sein. 

Aber  nehmen  wir  an,  daß  sich  zwischen  den  Dolomiten  von  Ä 
und  B^  im  westlichen  Lizumtal  nicht  alle  Reste  von  Rhät-Jura  weg- 
deuten lassen,  daß  also  wirklich  zwei  getrennte  Schuppen  überein- 
anderliegen,  so  scheint  mir  die  Schuppengrenze  anders  zu  verlaufen, 
als  sie  Hartmann  zieht.  Er  zeichnete  sie  im  Bereich  der  beiden 
Tarntäler  auf  Grund  kleiner  Diskordanzen  durchwegs  mitten  durch 
Juraschichten.  Dieser  Vorgang  erscheint  mir  gekünstelt,  zumal  wenn 
man  an  die  Häufigkeit  lokaler  Diskordanzen  denkt.  Eher  möchte  man 
ein  Band  von  Rhät  mitten  im  Jura  dazu  verwenden,  das  Hart  mann 
zur  Konstruktion  von  drei  voneinander  unabhängigen  liegenden  S- 
Falten  innerhalb  der  Serie  B2  Anlaß  gibt.  Eine  derartige  Doppel- 
falte, deren  gegeneinander  gekehrte  Stirnen  lediglich  durch  die  wenige 
100  m  betragende  Breite  von  Hochtälern  getrennt  werden,  sind  ein 
mechanisches  Unding  und  durch  keine  Beobachtung  zwingend  ge- 
fordert. Denn  nach  Hartmann  sind  alle  Sattelumbiegungen  denu- 
diert  und  die  einzige  erhaltene  Muldenumbiegung  kann  ich  nach  seiner 
Abbildung  (Fig.  6)  als  solche  nicht  anerkennen.  Sein  Gegenargument, 
daß  das  Rhätband  niclit  kontinuierlich  durchziehe,  ist  nicht  stichhaltig, 
denn  die  Unterbrechungen  fallen  ganz  überwiegend  mit  Schuttbe- 
deckungen zusammen;  und  auch  wenn  dies  nicht  der  Fall  wäre, 
könnten  ja  kurze  „Ausquetschungen"  durchaus  nicht  wundernehmen  *). 

Wir  haben  also  über  Ä  bestenfalls  eine  größere  Schuppe  B, 
welche  sich  im  Osten  durch  Ueberschiebung  von  Triasdolomit  auf 
den  Jura  von  A,  im  Westen,  Norden  und  Süden  aber  bloß  durch  (?) 
Ueberfaltung  von  Rhät  auf  Jura  abhebt. 


b)  Gegend  des  Klammsees. 

Bedenken  habe  ich  auch  bezüglich  der  nördlichen  Fortsetzung 
der  Schuppe  A.  Hartmann  setzt  sie  über  die  Klamm-  und  Schober- 
spitze bis  zum  Quarzphyllit  des  Roßbodens  fort.  In  der  Tat  scheint 
in  der  Gegend  des  Klammsees  ein  unmittelbarer  Zusammenhang 
zwischen  dem  Jura  des  Nederer-  und  jenem  der  Sonnenspitze  zu  be- 


*)  Uebrigens  ist  Hartmanna  Nomenklatur  dieser  Süd-P'alten  vollständig 
irreführend:  statt  obere  und  untere  „Mulden"biegung  sollte  es  heißen  Mulden- 
nnd  Antiklinalkern. 


182 


Albrecht  Spitz. 


[12] 


Co 


Co 


[13]     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntäler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     Ig^ 

stehen,  der  dem  Quarzphyllit  aufliegf.  Bei  näherer  Betrachtung  er- 
scheint das  allerdings  nicht  so  sicher.  Die  mächtigen  Dolomite, 
welche  die  Basis  der  Schuppe  A  unter  dem  Nederer  bilden,  konver- 
gieren von  Südosten  und  Südwesten  her  gegen  den  Klammsee.  Doch 
schließt  sich  der  Ring  nicht;  zwischen  den  beiderseitigen  Dolomit- 
komplexen klafft  eine  Lücke  von  ca.  1  km.  Freilich  ist  die  eine  Hälfte 
davon  Schutt;  die  andere  besteht  aus  Jura.  Auf  diesem  sitzt  der 
mächtige  Dolomitklotz  der  Klammspitze,  der  nach  Hartmann  zu 
B.2  gehört,  obwohl  diese  Schuppe  sonst  kaum  irgendw^o  eine  so  mäch- 
tige Dolomitmasse  enthält.  (Vgl.  unsere  Skizze  Fig.  1.)  Viel  einladen- 


Fig.  2.     Gegen  West  gekehrte  Fallen  auf  der  Südseite  des  Isslgrabens. 

s  =  Serpentin.    —    R  =  lladiolarit.    —  J  :=  Jurakalk  und  Tonschiefer. 

lih  =  Rhätkalke  und  Schiefer.  —  Z)  =  Hauptdoloniit. 

I    1 1    =  Klotzige  Kalke  und  Dolomite  des  Rhät. 


der  erscheint  mir,  diesen  Dolomit  dem  basalen  Dolomit  von  A  gleich- 
zusetzen. Dann  erscheinen  auch  die  beiden  Seiten  des  überschobenen 
Dolomitklotzes  ungleichwertig:  im  Norden  eine  flache  Ueberschiebung, 
ähnlich  der  basalen  Ueberschiebung  von  A,  im  Süden  dagegen  eine 
kurze  steile  Aufschiebung  oder  gar  nur  Ueberfaltung  von  Rhät  auf 
Jura,  d.  h.  eine  lokale  Komplikation  innerhalb  der  Schuppe  A.  Das 
kleine  Triasgewölbe  unter  dem  darunterliegenden  Jura  würde  sich 
dieser  Linienführung  gut  einfügen.  Der  nördliche  Ueberschiebungsrand 
der  Klammspitze  läuft  gegen  Westen  bis  nahe  zum  Klainmsee  und 
von  hier  könnte  man  die  Ueberschiebung?grenze  bereits  durch  den 
Schutt  weiter  nach  Westen  zu  den  Dolomiten  des  obersten  Navistales 
durchziehen.  Vielleicht  geht  sie  hier  zwischen  den  steil  nord-  und 
den  flach  südfallenden  Juraschiefern  nördlich  der  Klammspitze  durch, 
welche    Hartmanns    Profil   3   auf  Tafel  XI   einzeichnet.     Dadurch 


184  Albrecht  Spitz.  [14] 

Würde  auch  der  Serpentin  der  Klammspitze  tektonisch  nicht  vom 
Serpentin  des  Reckner  auseinandergerissen,  sondern  in  dieselbe,  in 
sich  lokal  gefaltete  Serie  zu  liegen  kommen;  auch  an  der  Klammer 
Sonnenspitze  ließe  sich  die  Grenze  leicht  so  legen,  daß  der  hier  auf- 
tretende Serpentin  in  dieselbe  tektonische  Serie  fällt.  Aehnlich  würden 
dann  die  Kössener  Schichten,  die  sonst  im  „basalen  Vorland"  (Hippold- 
schuppe)  unbekannt  sind,  in  die  Schuppe  Ä  fallen  *).  Auch  auf  P.  2453 
westlich  der  Schoberspitze  kommen  Kössener  Schichten  (anscheinend) 
als  Deckscholle  vor,  die  man  mit  Hartmann  als  schwimmende 
Scholle  von  A  über  dem  basalen  Vorlande  deuten  könnte.  An  der 
Klammer  Sonnenspitze  erscheint  eine  solche  Deckscholle  von  A  durch 
Einklemmung  von  Rhät  zwischen  dem  sonst  herrschenden  Jura  eben- 
falls als  wahrscheinlich. 


c)  Nord-  und  Südbewegungen. 

Bei  dieser  tektonischen  Gliederung  erschiene  also  die  höhere, 
in  sich  noch  gestörte  Recknerscholle  vollständig  abgetrennt  von  dem 
„basalen  Vorland"  Hartmauns  oder  unserer  Hippold-Serie  (vgl. 
Profil  2  unserer  Skizze).  Letztere  steht  mit  dem  Quarzphyllit  in  pri- 
märem Verband,  der  heute  durch  mehrfache  Störungen  kompliziert 
ist.  So  deute  ich  wenigstens  die  beiden  gegen  Norden  einfallenden 
Bewegungsflächen  von  Quarzphyllit  über  Mesozoikum  bei  der  Latterer- 
alm,  bzw.  Schoberspitze.  Daß  sich  letzteres  unter  den  Quarzphyllit 
gegen  Norden  fortsetzt  und  im  Mölstal  als  Fenster  wieder  auftaucht, 
erscheint  mir  sehr  fragwürdig.  Denn  1.  ist  eine  südfallende  Ueber- 
lagerung  durch  den  Quarzphyllit  im  Mölstal  höchstens  am  kalten 
Schroffen  vorhanden  (wenn  überhaupt  [?]).  Daß  ihre  Fortsetzung  mitten 
durch  den  Phyllit  des  Roßbotiens  läuft,  läßt  sich  mangels  an  einge- 
klemmten Triasresten  ebensowenig  beweisen  wie  die  entsprechende 
Linie  im  Phyllit  nördlich  der  Mölser  Scharte.  So  ziemlich  an  allen 
übrigen  Stellen  ist  der  Kontakt  zwischen  Mesozoikum  und  Quarz- 
phyllit durch  Schutt  bedeckt.  Der  Nordrand  des  Mölser  „Fensters" 
zeigt  wieder  eine  gegen  Süden  gerichtete  Ueberschiebung  von  Quarz- 
phj'äit  auf  Mesozoikum,  die  den  analogen  Flächen  an  der  Latterer- 
alm  und  Schoberspitze  vergleichbar  ist.  Vielleicht  kehrt  sie  auch  am 
Ilippold  wieder  (wo  nach  Sander  und  Hart  mann  der  Rontakt 
gegen  Norden  fällt,  während  ich  selbst  nur  flaches  Südfallen  beob- 
achtete). Auch  am  Grafmarter  und  Kreuzjöchl  sind  gegen  Süden  ge- 
richtete Bewegungen  vorhanden  (auf  der  NW-Seite  des  Mieslkopfes 
könnte  die  Verdopplung  der  unteren  Serie  hierhergehören),  und  zwar 
allem  Anschein  nach  in  Form  von  nordwärts  geschlossenen  Keilen 
im  Quarzphyllit ''^).  Es  liegt  nahe,  nach  Analogie  dieser  Fälle  auch 
die  übrigen  südwärts  gerichteten  Bewegungen  als  in  der  Tiefe  gegen 


')  Vom  Grafmarter  erwähnt  Sander  Kössener  Schichten  aus  einer  Ge- 
sellschaft, die  für  „basales  Vorland"  spräche;  doch  ist  hier  die  Tektonik  noch 
nicht  geklärt. 

^)  Nach  Sanders  Darstellung  scheint  ähnliches  auch  am  Krovenz  vor 
banden  zu  sein. 


[151     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribuhiun  Mesozoikums.     135 

Norden  geschlossen  anzunehmen,  also  nicht  als  tiefgreifende  Ueber- 
schiebungen,  sondern  mehr  lokale  Ueberfaltungen ;  dazu  würde  gut 
stimmen,  daß  nach  Hartmann  in  der  Mölser  Regioir  fast  überall 
ein  iiiverser  Flügel  im  Mesozoikum  sich  erhalten  hat.  Daß  auch  gegen 
Norden  gerichtete  Bewegungen  vorhanden  sind,  zeigt  auf  das  deut- 
lichste die  Ueberkippung  des  Phyllits  der  Torspitze  (vgl.  auch  die 
Darstellung  von  Sander  und  Hartmann);  ihnen  ist  vielleicht  die 
südlich  fallende  Ueberschiebung  des  kalten  Schroffens  anzureihen. 
Die  Quarzitblöcke  in  der  Quarzit-Dolomitbrekzie  der  Grauwand,  welche 
Hartman  n  als  von  Norden  hergewanderte  Deckschollen  auffaßt, 
könnten  wohl  auch  primäre-  Bestandteile  dieser  Brekzie  sein. 

Welche  von  diesen  beiden  Bewegungen  älter  ist,  vermag  ich 
aus  dem  bisher  angeführten  Tatsachenmaterial  nicht  herauszulesen, 
ebensowenig,  welcher  von  beiden  die  Hauptüberschiebung  der  Schuppe 
Ä  augehört  (andere  Argumente  siehe  später).  Sicher  ist  nur,  daß  bei 
meinem  Deutungsversuch  die  südwärts  gerichteten 
kurzen  Ueber  sc  hiebungen  des  Quarz  phyllits  jünger 
sein  müssen  als  die  Hauptüberschiebung,  welche  ja  von 
ihnen  durchschnitten  wird. 

Daß  die  beiden  Schuppen  Ä  (R  e  c  k  n  e  r  -  S  e  r  i  e)  und 
Vorland  (Hippold-Serie)  Teile  einer  großen  Falte  sind  (Hart- 
mann), dafür  fehlt  in  der  Natur  jeder  Anhaltspunkt;  ebensogut  könnte 
man  an  Ueberschiebungen  denken. 

Gegen  Westen  scheinen  sich  die  Hauptzüge  der  Tektonik  in 
ähnlicher  Weise  fortzusetzen.  Auch  hier  findet  man  eine  tiefere,  mit 
dem  Quarzphyllit  verbundene  Serie  (am  Grafmarter  mit  Quarzit- 
Dolomitbrekzie  nach  Sander,  allerdings  ausnahmsweise  auch  mit 
Rhät),  auf  der  am  Mieslkopf  eine  höhere,  stratigraphisch  der  Reckner- 
Serie  vergleichbare  Schuppe  mit  Serpentin  aufliegt.  Selbst  bei  Pfons 
könnte  man  noch  im  Quarzit  und  der  Rauchwacke  die  Spur  der 
HippoldschuppO;  im  Serpentiu  und  Malmschiefer  die  Reckuer-Serie 
sehen. 

Rückblickend  können  wir  sagen,  daß  es  zum  mindesten  zweifel- 
haft ist,  ob  die  Reckner -Serie  (A  und  B)  irgendwo  mit  dem  Quarz- 
phyllit in  primärem  Verband  steht. 

Brechen  wir  die  Betrachtung  der  Tarntaler  Bildungen  hier  ab 
und  wenden  wir  uns  nunmehr  der  Tribulaungruppe  zu. 


5.  Tribulaunstratigraphie. 

Diese  ist  im  allgemeinen  viel  einfacher  als  im  Tarntaler  Gebiet 
und  hat  überdies  in  den  letzten  Jahren  durch  Kern  er  und  Sander 
noch  eine  wesentliche  Klärung  erfahren. 

i\)  Trias. 

Die  Hauptmasse  der  Tribulaungesteine  besteht  bekanntlich  aus 
Dolomit.  Schon  P  i  c  h  1  e  r  und  nach  ihm  Frech  haben  hier  auch 
basale  Schichten  abgetrennt  („Karbon",  unterer  Sailekalk)  und  Kern  er 

.Tahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1    u.  2.  Uft.  (A   Spitz.)  24 


186 


Albreciit  Spitz. 


[16] 


hat  vor  kurzem  im  Stubai  eine  ziemlich  regelmäßige  Schichtfolge  bis 
zum  Rhät  festgestellt.  Ich  selbst  traf  am  Wege  von  Fulpmes  zur 
Schlickeralm,  u.  zw.  in  der  Südflanke  des  Ampfersteins,  in  zwei  Auf- 
schlüssen folgende  Profile: 

1.  Aufschluß  (westlich  der  Abzweigung  des  Halsltals  vom 
Schlickertal  ist  ein  Steg  über  den  Schlickerbach  gelegt;  knapp  nörd- 
lich davon  ist  ein  großer  Anriß  im  Gehänge):  lieber  1.  Biotit-  und 
chlorit reichen  St u baier  Glimmerschiefer  folgt  zunächst: 
2.  ein  weißer  und  grünlicher  dichter  Quarzit;  er  ist  ma- 
kroskopisch recht  ähnlich  dem  Tarntaler  Quarzit,  bis  auf  Blätter  von 


\^KI.  Ampfersfein 


NW- SO  2  Steg 

Profile  im  Schlickertal 


Schlickerbach 


Fiff.  3. 


1   =  Glimmerschiefer.  —  2  ^  Quarzit.  —  3  =  Verrucano.  —  4  =  Muschelkalk 

(Schiefer).  —  5  =  Schwärzlicher  Dolomit.  —  6  =  Bunter  Dolomit.   -     7  ^^  Grauer 

Dolomit  (rechts!),  heller  Dolomitmarmor  der  ladinischcn  Stufe  (  =  Pfriemesdolomit) 

(links!)  —  8  =  Raibler  Schichten.  —   9  =  Hauptdolomit. 


Biotit,  die  jedoch  auch  im  Verrucano  und  in  den  Raibler  Schichten 
der  Tribulaungruppe  vorkommen.  Darüber  folgt  3.  prächtiger 
Verrucano  von  dunkelgrüner  Farbe  mit  großen  weißen  und  roten 
Quarzen,  klastisch  eingemengt  Muskovit  und  Biotit;  bei  flüchtigem 
Zusehen  macht  er  daher  leicht  den  Eindruck  eines  kristallinen 
Schiefers.  Höher  folgen  ein  paar  Lagen  von  3.  a)  „Buntsandstein", 
die  ähnlich  zusammengesetzt,  nur  feinkörniger  sind,  4.  dann  ein 
schwarzer,  bröckeliger  Tonschiefer  mit  Zwischenlagen  eines 
tiefbrauneu,  innen  schwarzen  mürben  Dolomit s.  Darüber  eine 
bunt  gefärbte  Serie  von  Dolomitmarmor:  zunächst  5.  gebankter 
schwarzer  Dolomit,  dann  6,  dünn  bankiger  rötlicher,  gelb- 
licher und  weißer  Dolomitmarmor,  zum  Teil  etwas  brekziös  und 
mit  roten  Adern  durchzogen.  Darüber  liegt  7.  sehr  zerrütteter 
grauer,  dickbankiger  Dolomit,  dessen  Schichtung  nicht  sehr 
deutlich  ist,  darüber  Schutt. 


[17]     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     187 

Der  zweite  Aufschluß  liegt  auf  derselben  Seite  des  Baches,  bei 
dem  nächsten,  etwas  weiter  westlich  befindlichen  Anriß;  hier  trifft 
man  über  3.  Verrucano  von  ähnlicher  Znsammensetzung  dünne  Bänke 
von  4.  tiefbraunem  mürbem  und  bröckeligem  Dolomit  mit  Zwischen- 
lagen von  schwarzem  Schiefer;  Schiefer  und  Dolomit  sind  nicht  selten 
noch  mit  Quarzkörnern  untermischt.  Darüber  liegt  5.  schwarzer,  dann 
6.  gelber  Dolomitmarmor  mit  spärlichen  kalkigen  Schieferzwischen- 
lagen. Höher  liegen  7.  weiße,  dünnbankige  Dolomitmarmore,  dann 
Schutt.  Steigt  man  aber  in  dem  benachbarten  Graben  gegen  den 
Ampferstein  in  die  Höhe,  so  bleibt  man  beständig  in  diesen  Mar- 
moren 7,  die  mitunter  auch  rötliche  und  gelbliche  Farben  annehmen 
und  gegen  oben  dickschichtig  bis  klotzig  werden.  Sie  enthalten  zahl- 
reiche evinospongien-  und  oolithähnliche  Auswitterungen.  An  der 
oberen  Grenze  werden  die  Dolomite  splitterig  und  grusig;  auf  der 
Terrasse  von  P.  U)87  stellen  sich  darüber  8.  schwarze  Ton- 
schiefer ein,  die  oberflächlich  metallisch  anlaufen,  untermischt  mit 
festen  braunen  Platten  Sandsteine,  die  sich  auf  dem  Bruch  mitunter 
als  weißer  feiner  Quarzit  entpuppen,  und  schwarzen  oolithischen  Kalk- 
mergeln, lieber  diesem  Schieferniveau  folgt  9.  splitteriger  wohlge- 
schichteter grauer  Dolomit  mit  Gastropodendurchschnitten,  welcher 
die  Hänge  gegen  den  kleinen  Ampferstein  aufbaut. 

Die  Deutung  dieser  Profile  unterliegt  keinem  Zweifel.  Das 
Schieferoolithband  entspricht  den  von  Sander  in  den  Kalkkögeln 
und  von  Kern  er  in  der  Tribulaungruppe  nachgewiesenen  Raibler 
Schichten.  Der  darunterliegende  helle  Dolomit  ist  der  „untere  Tribu- 
laundolomit",  Sanders  Pfriemesdolomit,  und  entspricht  im  wesent- 
lichen der  ladinischen  Stufe.  Und  was  zwischen  diesem  und  dem 
Verrucano-Buntsandstein  liegt,  kann  daher  in  der  Hauptsache  nur 
Muschelkalk  sein.  In  der  Tat  entsprechen  die  tonigen  Schieferdolomite, 
besonders  wo  sie  in  charakteristischer  Weise  vermittels  quarzreicher 
Lagen  sich  allmählich  aus  dem  Buntsandstein  entwickeln,  auf  das 
vollkommenste  der  dolomitischen  Fazies  des  Bündner  Muschelkalks, 
wie  er  in  gewissen  Teilen  des  Münstertals,  bei  Scanfs  am  Sass 
albo  etc.  auftritt. 

Es  liegt  kein  Grund  vor,  unseren  Verrucano,  der  den  typischen 
Ausbildungen  anderer  Lokalitäten  durchaus  gleicht,  mit  Frech  als 
Karbon  zu  bezeichnen  ^).  Schon  die  gelegentlich  auftretende  Bunt- 
sandsteinlage, welche  einen  allmählichen  Uebergang  in  die  Trias 
vermittelt,  spricht  dagegen.  Ueberdies  ist  das  echte  Karbon  auch 
lithologisch  etwas  unterschieden :  es  ist  hier  wie  in  mancher  anderen 
Gegend  (z.  B,  Manno)  mürb  und  sieht  im  ganzen  eher  jünger  aus  als 
der  Verrucano  (vgl.  darüber  auch  Kern  er,  Verhandl.  Geol.  R.-A. 
1909,  S.  264) ;  das  beruht  wohl  darauf,  daß  es  quarzreicher  und  ton- 
ärmer als  dieser  ist,  der  sein  metamorphes  Aeußere  eben  der  Um- 
kristallisation  des  Tons  zu  Serizit  verdankt  (allerdings  ist  diese  Er- 
klärung für  die  quarzreichen  und  serizitarmen  Tonschiefer  des  Karbons 
nicht  ausreichend). 


1)  Vgl.  auch  Kerner,  Verhandl.  Öeol.  R.-A.  1915,  S.  253. 

24" 


188  Albrecht  Spitz  Mg] 

In  der  Seriesgruppe  hat  Kern  er  außer  den  mehrfach  durch 
Fossilien  belegten  Raibler  Schichten  auch  Basisschichten  von  ähnlicher 
Beschaffenheit  nachgewiesen  (Verhandl.  Geol.  R.-A.  1915,  S.  250, 
254  und  S.  257),  zum  Teil  mit  Enkrinitenstielen,  an  einer  Stelle  auch 
gelblichgrauen,  mit  Glimmer  belegten  Kalk  (niclit  Dolomit?),  Noch  im 
Sandestal  (Tribulaungruppe)  fand  ich  eine  ähnliche  basale  Entwick- 
lung, u.  zw.  in  der  großen  Runse  ein  wenig  südlich  der  Alp  gegen 
das  Kreuzjöchl  hinauf:  l)ie  Basis  bildet  feinkörniger  Biotitgneis,  der 
gegen  oben  durch  Aufnahme  großer  Quarzknauern  ein  verrucanoähn- 
liches  Aussehen  einnimmt.  Darüber  dünne  Bänke  von  weißem,  gelblich 
anwitterndem,  sehr  feinkörnigem  Quarzit  mit  Biotitblättchen.  Gegen 
oben  scheint  er  überzugehen  in  gelblich  anwitternden,  kieselig-quar- 
zigen Dolomit  von  sehr  geringer  Mächtigkeit.  Wegen  dieser  Verbin- 
dung möchte  ich  den  Quarzit  hier  und  im  Schlickertal  lieber  der 
Trias  zurechnen  als  dem  Kristallin,  wiewohl  Kern  er  Wechsellage- 
rung mit  dem  Kristallin  erwähnt  (Verhandl.  Geol,  R.-A.  1915,  S.  225); 
diese  könnte  um  so  leichter  tektonisch  zu  erklären  sein,  als  ja  in 
der  Nähe  kristalline  Quetschschiefer  (Chloritschiefer)  sicher  vorhanden 
sind.  Eine  Entscheidung  dürfte  übrigens  die  mikroskopische  Unter- 
suchung bringen  1).  lieber  dem  Quarzdolomit  folgt  splitteriger  heller 
Dolomit  2),  der  überlagert  wird  von  schwarzen  Raibler  Tonschiefern, 
schwärzlich  und  bräunlich  verwitternden  dünnbankigen  Dolomiten  mit 
bräunlichgrünen  serizitischen  Häuten  und  Ueberzügen  und  von  rötlich- 
gelblichen und  schwärzlichen  Dolomitmarmoren.  Sehr  auffallend  ist 
das  Vorkommen  von  mitunter  quergestelltem  Biotit  im  Schiefer.  Ein 
Rollstück  unter  dem  Gschnitzer  Tribulaun  besteht  aus  einem  festen 
schwärzlichgrünen  Schiefer  mit  auffallend  großen  Biotittafeln,  der  ver- 
dächtig einem  Eruptivgestein  ähnlich  sieht;  eine  mikroskopische  Unter- 
suchung wäre  sehr  wünschenswert.  Die  basalen,  s])litterigen,  etwas 
marmorisierten  Dolomite  heben  sich  überall  gut  von  dem  oberen, 
wohlgeschichteten  grauen  Dolomit  ab. 

Unter  diesen  Umständen  kann  man  auch  in  der  Tribulaungruppe 
eine  stellenweise  Vertretung  der  basalen  Schichten  erwarten.  Nach 
Frechs  Beschreibung  ist  der  untere  Dolomit  und  die  Raibler 
Schichten  sogar  noch  auf  der  Gschleyerwand  vorhanden. 

Von  größtem  Interesse  sind  die  Profile,  welche  Sander  von 
der  Nordseite  der  Kalkkögel  beschrieben  hat.  Schon  Pichlers  und 
Waitz'  Daonellenfunde  in  den  basalen  Kaiken  der  Saile  machen  hier 
die  Vertretung  der  ladiuischen  Stufe  höchstwahrscheinlich.  Sander 
zweifelt  noch  daran  infolge  der  großen  Aehnlichkeit  dieser  Schichten 
mit  Tarntaler  und  Radstädter  Rhät.  Doch  sind  petrographische  Ana- 
logien allein  vieldeutig;  die  Entscheidung  bringt  hier  der  Verband 
mit  anderen  Gesteinen  und  da  machte  mir  eine  genaue  Untersuchung 
dieses  Profils  die  Altersdeutung  fast  zur  Gewißheit  (Fig  4).  Ich 
fand   am  Wege  von  der  Mutterer  Alm   zur  Pfriemeswand    über    dem 

^)  Möglich  wäre  bei  der  Liigeniiig  iihnliclier  C^narzite  unter  dem  Verru- 
cano  (vgl.  Profil  des  Sclilickertalesj  auch  eine  Zuweisung  zum  Karbon,  wie  das 
ja  auch  für  den  Kadstädter  Quarzit  von  Kober  vermutet  wird,  entsprecliond 
dem  Plattlquarzit  des  steiri.'-chen  Karbons. 

*;  Ein  Ilollstück  desselben  zeigt  deutliche  Diploporendurch.sclinitte. 


[191     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     189 

flach  Hordfallenden  Glimmerschiefer  (1)  zunächst  in  der  Gegend  der 
Alm  eine  große  Verrollung.  An  der  Waldgrenze  trifft  man  dann 
einen  kleinen  anstehenden  (rot  markierten)  Felsen,  der  aus  4.  blau- 
schwarzem,  weißem  und  rötlichem  Biuiderkalk  besteht;  er  gleicht 
vollkommen  dem  Muschelkalk  des  Engadins  („Scarlschichten")  oder 
dem  von  Mauls.  Zum  Ueberfluß  findet  man  noch  Ueberzüge  von  Horn- 
stein  und  jene  feinen  Ilornsteinknötchen,  wie  im  Reiflinger  Kalk  von 
Niederösterreich.  Höher  folgen  5.  schwarze,  plattige,  etwas  mergelige 
Kalke,  die  dem  Guttensteiner  Kalk  sehr  ähnlich,  nur  etwas  mergeliger 
sind,  feie  wechseln  schon  hier  mit  vereinzelten  Lagen  von  schwarzen, 
weiß  ausbleichenden  Tonschiefern ;  gegen  oben  6.  entwickeln  sich 
schwarze,  seltener  rötliche  Kalke  und  Mergelschiefer,  mitunter  Cri- 
noiden    führend,    die    dem  Muschelkalk    des    Engadins    wieder    sehr 


Profil  der  Pfnemeswand 


Fig.  4. 

1  =  Glimmerschiefer.    —    2  =  Buntsandstein.    —    3  =  Muschelkalk-Dolomit.  — 
4  =  Bänderkalke.  —   5  =  Schwarze  Plattenkalke  und  Tonschiefer.  —  6  =  Kalk- 
schiefer. —  7  =  Heller  Kalk.  —  8  =  Tonschiefer  und  Plattenkalk.  —  9  =  Pfriemes- 
dolomit. —  10  =  Raibler  Schi;  hten.  —  11  =  Hauptdolomit. 


gleichen.  Eine  mächtige  Bank  von  7.  hellgrauen  oder  rötlichen  Kalken 
schließt  gegen  oben  ab;  sie  gleicht  gewissen  massigen  hellen  ,Wetter- 
stein''-Typen  des  niederösterreichischen  Bezirkes.  Darüber  folgen  8. 
neuerdings  schwarze  Tonschiefer  mit  eingelagerten  Mergelkalkbänken, 
die  viele  Aehnlichkeit  mit  den  Partnachschiefern  besitzen  ;  hier  wurden 
die  Daonellen  gefunden.  Von  d«n  härteren,  etwas  serizitischen  Raibler 
Schiefern  unterscheiden  sie  sich  durch  ihre  Bröckligkeit.  Darüber 
9.  der  Pfriemesdolomit,  die  Raibler  Schichten  (10)  und  der  Haupt- 
dolomit (11). 

Gleichsam  als  Bestätigung  für  das  Muschelkalkalter  dieser 
Schichten  trifft  man  im  Schutt  zwischen  der  tiefsten  Kalkbank  und 
dem  Glimmerschiefer  zwei  übereinander  liegende  Zonen  von  Roll- 
stücken, die  also  gewiß  das  hier  anstehende  Gestein  wiederspiegeln. 
Die  höhere  zeigt  einen  schwarzen  bröckeligen  Dolomit  (3),  der  oft 
ebenso  tiefbraun  anwittert  wie  im  Schlickertal  und  nicht  selten  auch 


190  Albrecht  Spitz.  [20] 

innen  vererzt  ist.  Die  tiefere  Zone  besteht  aus  unverkennbarem  Bunt- 
sandstein (2),  nämlich  einem  braun  verwitternden,  sonst  weißen  feinen 
Quarzit,  der  mitunter  auch  grünlich  wird  und  größere  Quarzgerölle 
einschließt.  Die  ähnlichen  Basalschichten  hat  auch  Sander  vom 
nahen  Hochtenn  beschrieben  (Verhandl.  Geol.  R.-A.  1915,  S.  146). 
In  diesem  Profile  liegen  die  Raibler  Schichten  fast  direkt  auf  den 
kaikig-schieferigen  Bildungen  der  Basis,  welche  offenbar  den  Pfriemes- 
dolomit vollständig  ersetzen,  ähnlich  wie  in  der  Arlbergfazies  der 
Nordalpen.  Am  Burgstall  wird  der  Dolomit  nacli  Sander  gegen  oben 
zu  weißer,  wettersteinähnlicher  Kalk^);  die  darüberliegenden  Raibler 
Schichten  enthalten  rötlichen  Kalk  und  Dolomitbrekzien  nach  Art  der 
Bündner  Fazies. 

Halten  wir  das  alles  zusammen,  so  entfällt  jeder  Anlaß,  die 
basalen  Schichten  der  Kalkkögel  als  Rhät  zu  bezeichnen.  Wir 
treffen  vielmehr  in  allen  angeführten  Profilen  ganz  übereinstimmend 
die  Schichtfolge :  weißer  Q  u  a  r  z  i  t,  V  e  r  r  u  c  a  n  o,  B  u  n  t  s  a  n  d  s  t  e  i  n, 
Dolomit  und  höhere  kalkig-schieferige  Bildungen  des 
Muschelkalks,  die  zum  Teil  noch  die  ladinische  Stufe  vertreten, 
Wettersteinkalk  und  Dolomit,  Raibler  Schichten,  Haupt- 
dolomit. Die  Gliederung  Pichlers  erfährt  damit  gegenüber  den 
Versuchen  von  Stäche  und  Frech  eine  glänzende  Bestätigung. 

b)  Rliät-Jura. 

Weniger  geklärt  sind  die  jüngeren  Bildungen  der  Tribulaun- 
gruppe.  Durch  Fossilien  nachgewiesen  ist  Rhät  (Pich  1  er)  undLias 
(Frech);  Sander  deutet  auch  das  Vorkommen  von  Liasbrekzie  an. 

Die  Gesteinsfolge  des  Rhät  ist  ungemein  mannigfach.  An  der 
Basis  liegen  manchmal  (Hutzl)  rötlichgraue  Kalke  mit  roten  und 
grünen  Tonschiefern,  die  mit  grünlichbraunem  Dolomit  nach  Art  des 
Bündner  „Grenz niveaus"  wechsellagern.  Dann  trifft  man  schwarze, 
dickbankige,  oft  hell  anwitternde  und  dann  etwas  dolomitische  Kalk- 
bänke vom  Aussehen  des  , oberen  Dachsteinkalkes";  schwarze,  dünn- 
plattige  Kalke  und  Kalkschiefer,  weiße,  grünliche,  gelbliche,  rötliche 
Kalkschiefer,  zum  Teil  Fuchsit  führend ;  ferner  verschiedenfarbige 
Tonschiefer,  auffallenderweise  auch  bräunlich-grünliche  und  weißliche 
qoarzitische  Lagen,  Kieselschiefer  von  grünlicher  und  rötlicher  Farbe. 
Die  Tonschiefer  werden  oft  leicht  phyllitisch  und  ich  bin  nicht  ganz 
sicher,  ob  außerdem  noch  alte  Phyllite  vorhanden  sind  (Kern er), 
denn  ich  habe  im  Padastertal  und  bei  der  Trunaalpe  weder  im  An- 
stehenden noch  im  Schutt  solche  gesehen  und  die  von  Kern  er  be- 
schriebenen Diskordanzen  wären  auch  als  Differentialbewegungen  denk- 
bar. Ich  will  damit  das  Vorhandensein  von  Verkeilungserscheinungen 
keineswegs  bestreiten,  denn  gewisse  Phyllitbänder  sind  ja  durch  Grün- 
schiefer-Zwischenlagen (Kern  er,  Jahrb.  Geol.  R.-A.  1911,  S.  422)  sicher- 
gestellt und  auch  der  Karbonkeil  des  Kalbenjochs  ist  ein  Einschub^). 

*)  Nach  Sander,  Erkursionsführer  durch  die  Taueru,  1913,  S.  43,  kommen 
in  großoolithischen  Kalken  Chemnitzien  und  Gyroporella  pnuci/orata  vor. 

'^)  Vielleicht  ist  ein  schwarzes,  grauwackenartigea  Gestein,  das  östlich 
unter  dem  Gipfel  der  Scbneiderspitz  in  die  Kalkschiefer  eingefaltet  ist,  ebenfalls 


r211     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozolkums.     191 

Von  diesen  zum  Teil  noch  fraglichen  Störungen  abgesehen, 
gliedert  sich,  das  Rhilt  nach  Frech  im  allgemeinen  folgendermaßen 
(Gebirgsbau  des  Brenner,  S.  IH,  19  und  43): 

1.  unterer  Glimmerkalk  und  Pyritschiefer; 

2.  weißer  klotziger  Kalk  uud  Dolomit; 

3.  oberer  Glimmerkalk  und  Pyritschiefer; 

4.  oberer  weißer  Kalk ; 

5.  Lias  (Hutzl). 

Nach  meinen  Beobachtungen  erscheint  es  durchaus  zweifelhaft, 
ob  hier  eine  einheitliche  Folge  vorliegt,  denn  ich  habe  mehrfach 
kleine  liegende  Falten  gefunden,  z.  B.  am  Südgrat  der  Wasenwand, 
am  Südgrat  der  Schneiderspitze,  am  Hutzl  selbst  (siehe  später).  Am 
Hutzl  muß  ich  demnach  den  Dolomit,  der  Rhät  und  Lias  bedeckt, 
für  eine  tektonische  Wiederholung  auffassen. 


Liegende  Falte  von  norisch-rhätischem  Grenzniveau  über  Rhät  und  Lias  am  Hutzl. 

Von  Süden  gesehen. 

Unter  diesen  Umständen  entsteht  das  Bedürfnis  nach  einer 
durchgreifenden  Revision  dieser  ganzen  Schichtgruppe.  Die  dolomiti- 
schen und  klotzigen,  oft  nur  durch  Salzsäure  vom  Hauptdolomit  zu 
unterscheidenden  Kalke  mit  den  sie  begleitenden  Kalkschiefern 
scheinen  das  tiefste  Glied  (Rhät)  zu  bilden.  Da  außer  dem  leicht  er- 
kennbaren Adnether  Kalk  des  Hutzl  nur  an  der  Serles  von  Pich  1er 
rhätische  Fossilien  gefunden  wurden  (ich  selbst  habe  am  Hutzl  süd- 
lich der  kleinen,  durch  eine  Stirn  gekennzeichneten  Deckscholle  (vgl. 
Skizze  5)  eine  schwarze  Kalk -Lumachelle  gefunden,  die  sehr  nach 
Rhät  aussieht,  so  ist  zum  mindesten  die  Frage  erlaubt,  ob  nicht  in 
den  verschiedenfarbigen  Kalk-,  Tonschiefern  und  Quarziten  noch 
höhere  Glieder  des  Jura  verborgen  sind.  Genannte  Bildungen  haben 
oft  eine  bemerkenswerte  Aehnlichkeit  mit  dem  oberen  Jura  des 
Tarntaler  Gebietes.  Nur  sehr  genaue  Studien,  welche  die  Kleintek- 
tonik berücksichtigen,  können  hier  in  Ermanglung  von  Fossilfunden 
vielleicht  eine  Klärung  bringen  ^). 

zum  Carbon  zu  stellen  ?    Ich    fand    es    auch   zwischen  den  Kalken    an  der  Basis 
der  Kalbenjochscholle,  etwa  in  der  westlichen  Fortsetzung  des  Carbonkeils. 

^)  Sowohl  Heritsch  (Referat  über  neuere  Fortschritte  in  den  Zentral- 
alpen westlich  des  Brenner,  Geologische  Rundschau,  10/12,  Tabelle)  als  Sander 
(Führer  durch  Tauern  und  Graubünden  19! 3,  S.  5^)  vermuten  im  Tribulaun  das 
Vorhandensein  von  Jura. 


192  Albreclit  Spitz.  [22] 

Tribulaun-  und  Tarntalergebiet  habeu  also  vielleicht  einen  ähn- 
lichen Jura;  die  Brekzien,  Sandsteine  und  echten  Radiolarite  des 
Tarntaler  Gebietes  fehlen  freilich  dem  Tribulaun.  Außerdem  haben 
beide  gemein  den  dunklen  Rhätkalk,  während  sich  der  Lias  hüben 
und  drüben  merklich  unterscheidet.  Der  Hauptdolomit  ist  beiderseits 
ähnlich,  auch  die  Raibler;  nur  herrschen  im  Tribulaun  die  Schiefer, 
im  Tarntaler  Abschnitt  die  Brekzien  vor.  Gips  und  Rauchwacken  des 
letzteren  Gebietes  sind  dem  ersteren  fremd.  Die  tiefere  Trias  fehlt 
den  Tarntalern  vorläufig,  dagegen  ist  die  Dolomit-Quarzitbrekzie  dem 
Tribulaun  unbekannt;  die  basalen  Rauchwacken  fehlen  dem  Tribu- 
laun ;  ein  dem  Tarntaler  Quarzit  vergleichbares  Gebilde  scheint  da- 
gegen im  Tribulanu  vorzukommen,  freilich  unter  dem  Verrucano. 
Die  Metamorphose  des  Tribulaun  ist  stellenweise  größer  als  bei 
den  Ta.rntaler  Bildungen  (Rhät)  und  besonders  auch  bei  den  marmo- 
risierten  ladinischen  Dolomiten  auffallend;  andere  Bildungen  (Raibler 
Muschelkalk)  sind  von  ihr  fast  ganz  verschont  geblieben. 


6.  Karbon  und  Eisendolomit. 

Noch  ein  weiteres  Gestein  haben  beide  Gebiete  gemeinsam:  den 
sogenannten  Eisendolomit.  Das  ist  in  seiner  typischen  Form  ein  rot- 
braun anwitternder,  innen  spätigweißer  Dolomit.  Wo  er  jedoch  innen 
dicht  und  grau  wird  oder  gar  noch  die  braune  Verwitterungsfarbe 
verliert  (z.  B.  Punkt  1428  am  Weg  von  Steinach  zum  Nößlacherjoch), 
dann  wird  er  dem  Triasdolomit  äußerst  ähnlich  (vgl.  Sander,  Ver- 
handl.  Geol.  R.-A.  1911,  S.  8  und  Hartmann,  S.  231).  Die  Vererzung 
ist  eben  ein  sekundärer  Charakter  (wie  auch  H  a  r  t  m  a  u  n  hervorhob), 
die  sehr  verschieden  alte  Gesteine  ergreifen  kann;  sie  springt  auch 
gelegentlich  in  die  Tarntaler  Dolomite  über  (z.  B.  in  den  zerrissenen 
Dolomitlinsen  innerhalb  der  Jura -Kalkschiefer  in  den  Quetschzonen 
unter  der  Geierspitze ;  man  vergleiche  ferner  den  Erzreichtum  im 
Engadiner  Muschelkalk  [z.  B.  Mot  Tavru]  und  im  Raibler  „Eisen- 
dolomit"  des  Ortler;  anderseits  sei  darauf  verwiesen,  daß  am  Roß- 
kofel in  den  Karnischen  Alpen  grauer  Trias-  und  Devondolomit  zu- 
sammenstoßen, ohne  daß  es  bisher  gelang,  eine  Grenze  zwischen 
beiden  zu  ziehen).  Der  Eisendolomit  ist  mitunter  von  schwärzlichen 
und  gelblichen  Kalkschiefern  begleitet  (Hennersteigen,  Eggerberg), 
die  auf  den  ersten  Blick  mit  Tarntaler  Jura  oder  gar  Kalkphyllit 
verwechselt  werden  können.  Trotz  dieser  petrographischen  Aehnlich- 
keiten  ist  der  Eisendolomit  so  eng  an  den  Quarzphyllit  gebunden, 
daß  er  auch  stratigraphisch  diesem  zugesprochen  werden  muß;  er 
scheint  der  oberen  Grenze  des  Quarzphyllits  zu  folgen,  denn  er  hält 
sich  konstant  in  der  Nähe  der  jüngeren  Auflagerungen  (Karbon  bis 
Mesozoikum),  ohne  doch  irgendwo  mit  diesen  zu  verschmelzen.  Es 
erhebt  sich  im  Anschluß  daran  die  Frage,  wo  seine  Fortsetzung  nörd- 
lich der  Tarntaler  Triaszone  zu  suchen  ist.  Es  sind  da  zwei  Möglich- 
keiten denkbar:  entweder  er  hebt  gegen  Norden  in  Form  von  süd 
wärts    überfalteten    Mulden    aus    oder    er  taucht  im  Gegenteil  gegen 


[23]    Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun  Mesozoikums.     193 

Norden  in  die  Tiefe.  In  letzterem  Falle  würde  er  von  den  älteren 
Glimmerschiefern  des  Zuges  Patscherkofel — Kosenjoch  iiberfaltet.  Es 
wäre  dann  nicht  ausgeschlossen,  seine  Aequivalente  nördlich  dieses 
Glimmerschiefßrzuges  in  den  Quarzphyllitmarmoren  am  Südrande  des 
Inntales  zu  sehen,  die  anscheinend  wieder  eine  verliältnismäßig  hohe 
Lage  im  Quarzphyllit  einnehmen.  (Auch  im  Kellerjochgebiet  halten 
sie  nach  Ohnesorge^)  diese  Lage  ein.)  Zugunsten  dieser  Ver- 
mutung würde  sprechen,  daß  der  Eisendolomit  nach  Hart- 
mann sehr  häufig  auch  als  Eisen  kalk  zu  bezeichnen  ist,  während 
anderseits  nach  Rothpletz  (Querschnitt  S.  144)  in  den  Quarz- 
phyllitmarmoren   des  Wattentals    Kupfer-   und  Eisenbergbau   umging. 

Von  einer  gewissen  Bedeutung  ist  in  diesem  Zusammenhang 
auch  der  Vergleich  des  Innsbrucker  Quarzphyllits  mit  dem  des  Ortler. 
Beide  zeigen  —  auch  hinsichtlich  der  Grünschiefer-  und  Marmor- 
einlagerungen —  eine  vollständige  Uebereinstiramung.  Und  die  Mar- 
more des  Ortler  enthalten  stellenweise  (z.  B.  in  den  Hinteren  Wandeln 
südlich  des  Butzentales  (Martell)  eisenreiche  Varietäten,  die  das  voll- 
ständige Abbild  gewisser  Brenner  Eisenkalke  und  Dolomite  sind  -). 

Der  Eisendolomit  wurde  mit  den  begleitenden  Phylliten  von 
F.  E.  S  u  e  ß  als  Karbon  bezeichnet.  Sein  Verhältnis  zum  pflanzen- 
führenden Karbon  des  Nößlacher  Joches  ist  daher  von  besonderem 
Interesse :  Das  Karbon  besteht  aus  Quarzkonglomerat  (nur  selten  mit 
Einschlüssen  eines  sonst  unbekannten  Kalkes,  vgl.  K  e  r  n  e  r,  Ver- 
handl.  Geol.  R.-A.  1897,  S.  366 — 367)  und  aus  dunklen,  sandig-kohligen 
Phyllitschiefern.  Letztere  sind  durch  ihre  deutlich  klastisch -tonige 
Natur  vom  Quarzphyllit  leicht  zu  unterscheiden.  In  der  Tat  enthält 
das  Karbonkonglomerat  als  Bindemittel  feinst  zerriebenen  Phyllit 
(auch  Kern  er  spricht  von  „Quarzphyllitsplittern",  Verhandl.  Geol. 
R.-A.  1915,  S.  253).  Der  mit  dem  Quarzphyllit  engstens  verbundene 
Eisendolomit  ist  seinerseits  auch  nirgends  mit  dem  Karbon  vermischt, 
sondern  scheint  meist  die  Basis  des  letzteren  zu  bilden.  Es  liegt  so- 
mit kein  Grund  vor,  Eisendolomit  und  umgebenden  Quarzphyllit  als 
Karbon  zu  bezeichnen  •').     Zum    mindesten    ist    der  Quarzphyllit    mit 


')  Verhandl.  d.  T.eol    R.A.  1908,  S.  119  u.  f. 

-)  Allerdings  scheint  er  iui  Ortler  ein  tieferes  Niveau  im  Quarzphyllit  ein- 
zuhalten Doch  ist  die  Frage  noch  nicht  gelöst,  wie  weit  im  Brenner  Gebiet  der 
Eisendolomit  durch  voitriadische  Transgression  von  seinem  Hangenden  befreit 
worden  ist.  l»as  ist  mit  der  Frage  gleichbedeutend,  ob  die  zahlreichen  Diskor- 
danzen an  der  Triasbasis  ganz  oder  wenigstens  teilweise  sti'atigraphisch  zu  deuten 
bind.  Solche  Diskordanzen  sieht  man  sehr  deutlich  in  der  Knappenkuchel  (Navis) 
( 1  rias  über  Quarzphyllit -[- Eisendolomit.  Eine  Querverschiebung  zwischen  Quarz- 
jiUyllit  und  Kalkphyllit  [Hart mann]  erscheint  mir  hier  schon  wegen  des  Fehlens 
jeder  Anzeichen  dafür  weiter  im  Norden  überflüssig.  Es  könnten  ganz  gut  die 
Faltenzüge  des  Quarzphyllits  jenen  des  Kalkphyllits  entsprechen,  wobei  ersterer 
die  Mulden  des  letzteren  füllen  könnte.)  Auch  in  der  Tribulaungruppe  liegt  die 
Trias  deutlich  diskordant,  z.  B.  am  Pinnisjoch  oder  südlich  der  Garklerin  (hier 
liegt  Hache  Trias  über  ziemlich  steil  NO  fallendem  Gneis,  dem  ein  Lager  von 
Granitgneis  eingeschaltet  ist,  das  an  der  Ueberlageiungsfläche  abschneidet).  In 
den  beiden  letzteren  Fällen  fehlt  an  der  Basis  der  Trias  nicht  nur  das  Karbon, 
sondern  der  ganze  Quarzphyllit! 

*)  Daß  eine  dem  obersteirischen  Karbon  analoge  Serie  in  die  Tarntaler 
Köpfe  eintritt  (Kober,  Sitzungsber.  1912,  Tauernfenster,  S.  27\  ist  eine  grund- 
lose Behauptung. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanatalt,  1918,  G8.  Bd..  1.  u.  2.  Hft.  (A.  Spitz.)  25 


194  Albrecht  Spitz.  |24] 

seinen  Einlagerungen  älter  als  die  untere  Ottweiler,  eventuell  obere 
Saarbrückner  Stufe,  welcher  nach  Frech  (1905,  S.  15)  das  Nößlacher 
Karbon  zufällt.  Eine  ähnliche  reinliche  Scheidung  zwischen  Quarz- 
phyllit  und  Karbon,  bestätigt  durch  Fragmente  des  ersteren  in  den 
Konglomeraten  des  letzteren,  scheint  auch  in  Manno  und  am  Semme- 
ring  vorzuliegen,  vielleicht  auch  auf  der  Stangalpe  (?).  Damit  scheint 
meine  ursprüngliche  Vermutung  (Engadiner  Monographie)  widerlegt, 
daß  der  Quarzphyllit  oberkarbonisches  Alter  besitze.  Es  bliebe  zwar 
noch  unterkarbonisches  Alter  für  ihn  frei.  Erweiterte  Studien  im 
Ortlergebiet  haben  jedoch  die  von  Hammer  längst  aufgestellte  Be- 
hauptung d|/rchaus  bestätigt,  daß  der  Quarzphyllit  in  der  Laaser- 
Pejo-Region  durch  Vermittlung  von  glimmerschieferähnlichen  Typen 
untrennbar  mit  den  liegenden  P  h  y  1 1  i  t  g  n  e  i  s  e  n  verbun- 
den ist.  Er  gehört  also  zu  derselben  jedenfalls  sehr 
alten  stratigraphisclien  Gruppe  wie  die  Gneise  des 
Vintschgaus  etc. 


7.  Zentralalpine  Fazies. 

Werfen  wir  nun  zusammenfassend  einen  Blick  auf  die  Fazies- 
entwicklung des  Mesozoikums  zu  beiden  Seiten  des  Brenner,  unter 
Benützung  der  auf  Tafel  XI  stehenden  Tabelle.  Die  untere  Tarntaler 
(Hippold-)  Entwicklung  hat  gewisse  lepontinische  Züge  '),  eignet  sich 
aber  wegen  ihrer  noch  unsicheren  Stratigraphie  sonst  wenig  zu  Ver- 
gleichen. Dagegen  hat  dieTribulaun-und  die  obere  Tarntaler  (Reckner-) 
Entwicklung  ausgesprochen  ostalpinen  Charakter.  Sehr  nahe 
verwandt  erscheinen  die  Bildungen  der  Bündner  Provinz,  bzw.  der 
eng  angegliederten  Scaufser  Uebergangsregion.  Solche  Engadiner  Züge 
weisen  auf:  Verrucano,  Buntsandstein,  dolomitischer  Muschelkalk-), 
bzw.  rote  Scarlschichten,  dolomitische  Entwicklung  der  ladinischen 
Stufe,  die  gelben  Schieferdolomite  und  Brekzien  und  (V)  Tuffe  (Sandes- 
tal) der  Raibler  Schichten,  Grenzniveau  des  Hauptdolomitrhät,  röt- 
liches Rhät,  schwarze  Liasbrekzie,  dolomitische  Malrabrekzie,  Fehlen 
des  Dogger. 

Unterschiede  liegen  in  dem  Fehlen  des  typischen  Schlinigdolo- 
mits  im  Muschelkalk,  in  dem  massigen,  mitunter  kalkigen,  evinospon- 
gienreichen  Wetterstein,  dem  Fehlen  der  bunten  Schiefer  und  der 
Eruptivgesteine  in  der  Raibler  Serie, '  dem  hellen  und  fossilarmen 
Ilauptdolomit,  dem  so  bunt  zusammengesetzten  Tribulaunrhät  (wenn 
es  solches  wirklich  ist!),  dem  Zurücktreten"  des  roten  Lias  und  den 
Serizitquarziten  und  Sandsteinen  des  Jura  (die  allerdings  in  der 
Scanfser  Entwicklung  Analogien  haben. 


')  Schmächtige  Trias,  Fehlen  des  Rhätlias,  vielleicht  Ersatz  durch  die 
f(uarzitl8che  Dolomitbrekzie,  Fehlen  eines  grobklastischen  echten  Verrucano. 

*)  Es  ist  von  Interesse,  daß  die  braune  Färbung  im  Tribulaun  weniger  an 
eine  bestimmte  Scliicht,  als  an  die  Basis  des  triadischen  Blockes  gebunden  zu 
sein  scheint  (Kern  er,  Verhandl.  Geol.  R.-A.  1915,  >S.  257),  geradeso  wie  aucli 
im   Riigudin   (iMuscbclknlk- Verrucano  oder  Kiiihlcr  KiKorKloloinit   dos  Oitloi). 


[25]  Studien  über  die  StcUun«,'  des  Tarntaler  und  Tribulaun-Mcsozoikums.     105 

Die  Kadiolarite  und  dichten  Kalke  des  Malm  finden  sich  in 
zahlreichen  Faziesbezirken  der  Alpen ;  der  Serpentin  erinnert  an  die 
piemontesische  Region. 

Daneben  sind  aber  zweifellos  auffallende  Anklänge  an  die  be- 
nachbarten Nordalpen  vorhanden,  die  um  so  bedeutsamer  sind,  als  ja 
beide  Gebiete  auch  topographisch  benachbart  sind  i).  Das  gilt  schon 
für  die  Reckner-Serie  —  von  den  indifferenten  Malragesteinen  abge- 
sehen — ,  wofür  die  allgäuähnlichen  Liasschiefer,  ein  Teil  des  Rhäts 
die  helle  Farbe  des  Hauptdolomits,  die  Schiefer  und  Sandsteine  der 
Raibler  Schichten  anzuführen  sind;  im  Malra  läßt  sich  die  Brekzie 
mit  jener  des  Sonnwendjoches  vergleichen,  der  Serpentin  mit  dem 
grünen  Gestein  von  Ehrwald.  Viel  größer  noch  ist  die  Aehnlichkeit 
in  der  Tribulaunentwicklung :  hier  wie  in  den  nahen  Nordalpen  sind 
die  Werfener  Schiefer  durch  Sandstein  ersetzt.  In  der  lunsbrucker 
Gegend  tritt  im  Muschelkalk  vielfach  brauner  Dolomit  auf  (allerdings 
nicht  so  tonig  und  wohlgeschichtet).  Die  schwarzen  Hornstein-  und 
Platteükalke  der  Saile  entsprechen  teils  dem  Gutteusteiner  (=  Reichen- 
haller)  und  Reiflinger  Kalk  der  Nordalpen,  teils  haben  sie,  in  ihren 
weißen  und  rötlichen  Varietäten,  zum  Kalk  des  nahen  Kerschbuch- 
hofes  (auch  den  hellen  und  roten  Varietäten  des  Muschelkalkes  in 
Niederösterreicb !)  Beziehungen.  Die  schwarzen  Schiefer  und  Mergel 
gleichen  den  Partnachschiefern  -) ;  der  weiße  klotzige  Pfriemesdolomit 
verbindet  Eigenschaften  des  Wettersteindolomits  und  -kalkes  und  auch 
der  letztere  findet  seine  Vertretung  in  den  weißen  Kalken  des  Burg- 
stall (nach  Sander);wodieganzeladinischeSerieschiefrig- 
kalkig  entwickelt  ist,  kann  man  sie  mit  der  Arlberg- 
fazies  vergleichen.  Auch  die  hellere  Farbe  des  Hauptdolomits 
ist  in  den  Nordalpen  wiederzufinden,  desgleichen  die  schwarzen  Kalke 
und  Schiefer  des  Rhät,  bzw.  die  weißen  klotzigen  Bänke,  die  dem 
„oberen  Dachsteinkalk"  ähnlich  werden,  dann  die  Raibler  Schiefer, 
Saudsteine  und  Oolithe  und  die  roten  Adneter  Kalke  ^).  Trotz  dieser 
Aehnlichkeiten  ist,  wie  schon  lange  bekannt,  der  Gesamtcharakter 
der  Brennertrias  von  jenem  der  Nordalpen  doch  ganz  deutlich  ver- 
schieden —  auch  von  der  Metamorphose  abgesehen  —  eben  kraft 
der  früher  angeführten  Büudner  Aehnlichkeiten.  Sie  bildet  demgemäß 
eben  eine  Art  Zwischenglied  zwischen  Bündner  und  nord- 
alpiuer  Fazies*),  ganz  ähnlich,  wie  sich  die  Bündner  Fazies  in 
der  nördlich  vorgeschobenen  Ducangruppe  durch  die  Anhäufung  der 
Hornsteine  im  Muschelkalk   und   die  Reduktion  des  Wettersteins  auf 


^)  lieber  Beziehungen  zwischen  beiden  vgl.  auch  Sander,  Referat,  Verhandl. 
d.  Geol.  K  -A.,  1913,  S.  260. 

-)  Eine  ähnliche  Verbindung  von  dunklem  Kalk  und  Mergelschief'er  des 
Muschelkalk-Partnachniveaus    kommt   in    der   benachbarten  Thaurer   Klamm    vor. 

')  Wie  weit  der  den  Zentralaljjen  nahegerückte  Gaisberg  bei  Kix'chberg 
sich  dem  Brennermesozoikum  nähert,  ist  mir  noch  nicht  genügend  klar,  be- 
merkenswert ist  das  Vorhandensein  eines  ungebankten  ladinischen  Dolomits,  den 
man  aber  vielleicht  auch  mit  dem  Ramsaudolomit  vergleichen  könnte. 

*)  Ob  nicht  der  nördlichste  Teil  des  Wipptales  (Kalkkögel)  größere  Analogie 
zu  den  Nordalpen  aufweist  als  der  südliche,  ist  noch  nicht  genügend  durchsichtig; 
sollte  sich  das  als  zutreffend  herausstellen,  so  würde  das  den  oben  entwickelten 
Gesichtspunkt  noch  wesentlich  stützen. 

25* 


196  Albieoht  Spitz.  [26] 

Kosten  des  Muschelkalks  dem  benachbarleii  Khatikon  nähert.  Ander- 
seits vermittelt  die  Scanfser  Uebergangsregion  zwischen  Bündner  und 
der  angrenzenden  lepontinischen  Fazies  und  die  Biindner  Fazies  hat 
wieder  durch  Vermittlung  des  Canavese  enge  Beziehungen  zur  lom- 
bardischen Fazies.  Trotz  dieser  engen  Beziehung  zu  allen  topographisch 
nahegelegenen  Faziesbezirken  haben  doch  die  beiden  großen  inner- 
halb der  ostalpinen  Zentralzone  gelegenen  Mesozoikumreste, 
nämlich  Bund  n  er  Fazies  und  Brennertrias,  unleugbar  soviel 
gemeinsame  Züge,  daß  man  sie  zu  einer  Einheit  zusammenfassen  kann 
oder  muß.  Audi  Mauls  schließt  sich  der  Bündner  Fazies  an,  »durch 
den  Diploporeudolomit  der  ladinischen  Stufe,  die  typischen  roten 
Scarlschichten  des  Muschelkalks,  durch  den  echten  Bündner  Bunt- 
sandstein ^).  Wie  weit  Penserjoch  und  Kalkstein  sich  hier  anschließen, 
vermag  ich  noch  nicht  zu  beurteilen,  anscheinend  ist  aber  der  Diplo- 
poreudolomit der  ladinischen  Stufe  hier  entwickelt;  ebenso  in  den 
Radstätter  Tauern  2).  Auch  der  Drauzug  dürfte  sich  nah  anschließen 
und  die  südlichste  Zone  der  Nordalpen  (Inntal)  dürfte  sich  vielleicht 
auch  als  besonders  nah  verwandt  herausstellen.  Die  gemeinsamen  Züge 
dieser  zentralalpinen  Bildungen  bestehen  in  Verrucano,  sandiger  statt 
schiefriger  skythischer  Stufe,  dolomitischem  Muschelkalk  und  Scarl- 
schichten, Dolomit  der  ladinischen  Stufe,  Brekzien  und  gelben'Schiefer- 
dolomiLen  der  Raibler  Schichten,  kalkig -dolomitischen  Uebergangs- 
schichten  (bzw.  Wechsel  beider)  an  der  norisch-rhätischen  Grenze. 
Fehlen  des  Dogger. 


^)  Ich  cuiiitiudc  kein  l^cdiirt'ni.s,  die  ilureli  ty|»iibclit'ii  Buntsamlstein  mit 
Verrucano  verbundenen  roton  Kalke  mit,  Kobcr  (.Sitzung«her.  1912.  östl.  Taueru- 
t'enster,  S.  22j  aJs  Jura  statt  Muschelkalk  zu  bezeichnen.  Uebrigens  deutet  auch 
Termier  die  Schichtfolge  als  noruialcn  Uebergang  vom  V^errucano  zur  Trias 
(Bull.  soc.  geol.  Fr.   1903,  ö.  747). 

'■'')  Ich  kann  über  dieses  (jlebiet,  das  ich  selbst  zu  wenig  kenne,  nur  Ver- 
mutungen iiuüern.  Mir  erscheint  es  seit  jeher  fraglich,  ob  nicht  ein  Teil  der  röt- 
lichen Handerkalke  zum  Muschelkalk  (Scarlscliicbten)  gehört,  eventuell  auch  ein 
Teil  der  Pyritschiefer.  (Aehnliche  Zweifel  bei  Sander,  Vcrhandl.  d.  Geol.  R.-A. 
1916,  8.22(5,228.)  Eben.'^o  halte  ich  es  nicht  für  ausgeschlossen,  daß  letztere  zum 
Teil  den  Kaibier  Schichten  zufallen,  zumal  wo  sie  braune  schiefrige  Sandsteine 
führen  (Uhlig,  190H,  S.  7)  und  wo  sie  kie^clig  schiefrig  entwickelt  sind(Uhlig), 
im  (Jegensatz  zu  der  kalkig-schief'rigen  Entwicklung.  Mag  sein,  daß  die  Schwarz 
cckbrekzien,  welche  zum  Teil  (Uhlig,  S.  8)  den  Eisendolomit  des  Pyritschie''ers 
begleiten,  den  Raibler  Brekzien  entsprechen  (zum  anderen  Teil  vielleicht  einer 
.TurabrekzieV).  Damit  will  ich  nicht  im  entferntesten  das  (ungefähr)  rhiitischc. 
Alter  der  Hauptmasse  der  Pyritschiefer  bezweifeln;  in  der  wiederholten  FAxi- 
Hchaltung  von  Doloiiiitbänken  (Uh  1  i  g,  S.  7  und  8l  mit  grünlichen  Dolomitschiefern 
kann  man  ja  das  Engadiner  , Grenzniveau''  sehr  gut  wiedererkennen.  —  Ebenso- 
wenig will  ich  den  tektonischcn  Charakter  der  Schwarzeckbrekzie  bezweifeln, 
kann  aber  anderseits  die  Frage  nicht  unterdrücken,  ob  nicht  ein  stiatigraphisches 
Sub.-t rut  zugrunde  liegt ;  dafür  spricht  das  ausnahmslos  kalkige  Zement 
(Uhlig,  S.  21);  eine  derartige  Gleichartigkeit  wäre  bei  einer  rein  tektonischcn 
Hildung  sehr  auti'allend.  lAehnlic  e  Zweifel  Ijei  Sander,  Vcrhandl  d  (leol.  H.A. 
191(i,  S  226,  228.)  —  Der  Lantschfeld  (,>uarzit  scheint,  namentlich  in  seinen  kon- 
gloineratischen  Partien,  dem  Tarntaler  (^uarzit  sehr  nahezustehen.  Ob  die  von 
Seemann  entdeckten  Kristallin-'^'narzit-Brekzien  (Uhlig)  wirklich  tektonisch 
sind  oder  vielleicht  einer  groben  Verrucano-ßasalbrekzie  entsprechen,  vermag  ich 
nicht  zu  entscheiden.  Wie  bereits  erwähnt,  sind  das  alles  nur  Vermutungen,  die 
erst  durch  weitere  Studien  verifiziert  werden  könnten. 


[271    Studien  über  die  Stelluufr  des  Taintaler  und  Tribulaun  Mesozoikums.     197 

So  kaun  mau  also  die  Büiidner  Fazies  erweitern  zu  einer  zentral- 
alpinen  Fazies  (ostalpiner,  nicht  lepontinisch-piemontesischer  Zu- 
t^ehörigkeit!),  die  durch  gewisse,  überall  vorhandene  stratigraphische 
Bande  charakterisiert  ist  i),  aber  naturgemäß  in  kleinere  Unterab- 
schnitte zerfallt,  deren  jeder  seine  lokale  Färbung  hat  und  sich  je 
nach  seiner  topographischen  Lage  enger  den  benachbarten  nordalpinen, 
südalpinen  oder  lepontinischen  Gebieten  anschließt. 

Auf  Grund  dieser  Erkenntnis  vom  ausgesprochen  ostalpinen 
Charakter  des  Tribulaun  und  zum  mindesten  des  oberen  Tarntaler 
( —  Reckner)- Mesozoikums  wollen  wir  nun  die  tektonische  Stellung 
dieser  Vorkommnisse  diskutieren. 


8.  Tektonische  Zugehörigkeit  des  Brenner  Mesozoikums. 

Es  wurde  bisher  mehrfach  vermutet  oder  behauptet  (E.  F.  Sueß, 
Hartmann,  Sander),  daß  die  (untere)  Tarntaler  Serie  über  die 
Grenze  von  Quarz-  und  Kalkphyllit  transgredierc.  Hartmann  gibt 
an,  daß  die  Rauchwacken  in  der  Nähe  des  Phyllits  Brocken  davon- 
führen (Latterer  Alp).  Die  Beschränkung  dieser  Brocken  auf  die  Kon- 
taktstellen scheint  mir  eher  gegen  eine  Transgression  zu  sprechen, 
denn  bei  einer  solchen  müßten  die  aufgearbeiteten  Brocken  wenigstens 
ein  paar  Kilometer  weit  verschleppt  worden  sein.  Wir  kennen  diese 
Lokalisation  der  Bruchstücke  auf  die  Kontaktfläche  bei  tektonischen 
Kontakten  sehr  gut  aus  dem  Engadin  (V.  Muranza,  Furkeltal  und 
Kleinboden  bei  Trafoi,  Ortlerbasis  bei  Sulden,  Schaubachhütte!). 
Das  Fehlen  eines  Phyllit-Mylonits  (Hart mann,  S.  2o8)  ist  kein  Gegen- 
beweis; denn  so  dünnschiefrige  Gesteine  werden  im  normalen  Falle 
höchstens  Diaphtorite  liefern  können  und  diese  lassen  sich  bei  phylli- 
tischem  Ausgangsmaterial  mangels  einer  entsprechenden  mineralogischen 
Veränderung  kaum  nachweisen. 

Was  das  Verhältnis  des  Mesozoikums  zum  Quarzphyllit  betrifft, 
so  ist  eine  Berührung  der  Reckner  Serie  mit  diesem,  wie  früher  aus- 
geführt, fraglich.  Die  Ilippold-Serie  liegt  größtenteils  mit  Quarzit  und 
Rauchwacke  (auch  V  Raibler  Dolomit,  könnte  auch  Muschelkalk  sein !) 
dem  Phyllit  auf.  An  einer  ursprünglichen  Transgression  zu  zweifeln, 
besteht  kein  Anlaß-).  Im  Süden  findet  man  jedoch  vielfach  den  Jura  mit 
seinem  Konglomerat  direkt  dem  Quarzphyllit  aufliegen.  Doch  erklärt 
sich  das  nicht  dadurch,  daß  der  Jura  sich  von  oben  her  durch  die 
älteren  Schichten  „durchfrißt"  ^);  vielmehr  verschwindet  gegen  Süden 
allmählich  der  Quarzit  und  die  Rauchwacke,  dann  der  Dolomit,  schließ- 
lich auch  verschiedene  Juraglieder,  alle  von  unten  her,  so  daß  nach- 
einander fast  alle  Glieder  der  Schichtfolge  mit  dem  Quarzphyllit  zur 
Berührung  kommen.  Das  spricht  gegen  eine  Transgression  der  höheren 


')    Die    also    durchaus    nicht,    wie    Frech    (Urenner,    l'JOö,    S.   46)    meint, 
nordalpine  Züge  aufweisen! 

-)  Auch  Termier  nimmt  eine  solche  an. 

^)  Vgl.  auch  das  Kapitel  3  über  Transgressioaen. 


198 


Albiecht  S]>itz. 


[28] 


Schichtglieder  auf  dem  Quarzphyllit  und  für  tektouische  Reduktion 
der  basalen  Triasglieder.  Gleichzeitig  mit  der  Trias  verdünnt  sich  auch 
der  Quarzphyllit  gegen  Süden.  Da  aber  der  an  die  obere  Grenze  des 
Quarzphyllits  (zum  mindesten  an  ein  konstantes  Niveau)  gebundene 
Eisendolomit  dabei  erhalten  bleibt  (Knappenkuchel !),  so  muß  man 
schließen,  daß  die  Reduktion  hauptsächlich  die  unteren  Schichten  des 
Quarzphyllits  —  gegen  den  Kalkphyllit  hin  —  ergreift.  Wo  schließlich 
der  gesamte  Quarzphyllit  tektonisch  unterdrückt  wird,  da  kommen 
schließlich  die  Tarntaler  Gebilde  mit  dem  Kalkphyllit  zur  Berührung. 
Das  ist  im  Prinzip  eine  ähnliche  Deutung,  wie  sie  schon  Termier 
(Bull.  soc.  geol.  Fr.  1903,  S.  737)  ausgesprochen  hat  (nur  daß  Termier 
eine  Verbindung  dieser  Trias  mit  dem  Quarzphyllit  nicht  annimmt). 
Das  schließt  allerdings  aus,  daß  Quarz-  und  Kalkphyllit,  wie  Sander 
und  Hartmann  behaupten,  ohne  jede  Grenze  ineinander  übergehen. 
Im  Tarntaler  Gebiet  und  auch  bei  Sterzing  glaube  ich  beide  ganz 
gut  unterscheiden  zu  können ;  der  Quarzphyllit  ist  immer  stark  meta- 
morph, der  Glimmer  muskovitischer ;  der  Kalkphyllit  hat  mehr  fuch- 
sitischen  Glimmer,  weniger  Quarzlagen  und  fast  immer  die  braune 
ankeritische  Punktierung  und  ist  immer  mürber,  zerreiblicher.  Was 
Sander  Quarzphyllit  nennt,  ist  hier  gut  vom  Quarzphyllit  unter- 
scheidbarer Tonschiefer  des  Tarntaler  Jura  oder  des  Kalkphyllits. 
(Derselben  Ansicht  ist  Hart  mann,  S.  385.)  Die  von  Hart  mann 
beschriebene  Wechsellagerung  von  Quarz-  und  Kalkphyllit  (Knappen- 
kuchel z.  B.)  ließe  sich  auch  tektonisch  deuten.  Ich  muß  daher  vor- 
läufig die  Transgression  der  Tarntaler  Serie  über  Quarz-  und  Kalk- 
phyllit als  unwahrscheinlich  ablehnen  und  kann  nur  die  Verbindung 
der  Hippjld-Serie  mit  dem  Quarzphyllit  als  stratigraphisch  anseheu. 
Daß  der  Quarzphyllit  ostalpin  ist,  kann  ebenfalls  nicht  bezweifelt 
werden  ;  dasselbe  gilt  für  die  mit  ihm  eng  verbundene  Hippold-Serie. 
Wenn  aber  diese  trotz  ihrer  lepontinischen  Anklänge  als  ostalpin  be- 
zeichnet werden  muß,  so  wird  man  diese  Klassifikation  der  viel  „ost- 
alpineren" Reckuer-Serie  noch  viel  weniger  vorenthalten  können 
(auch  wenn  man  ihre  primäre  Verbindung  mit  dem  Quarzphyllit,  wie 
früher  ausgeführt,  bezweifelt).  Bei  ihrer  unleugbaren  Verwandtschaft 
mit  den  Nordalpen  hat  man  keinen  Grund,  sie  aus  dem  fernen  Süden 
herzuleiten  ^). 

Daß  die  TribulaunSerie  mit  dem  basalen  Kristallin  in  strati- 
graphischem  Verband  stehe,  kann  nach  den  aufgezählten  Normal- 
profilen gleichfalls  nicht  bezweifelt  werden.  Ob  den  starken  Diskor- 
danzen, (vgl.  Anmerkung  2,  S.  193)  stratigraphische  oder  tektonische 
Momente  zugrunde  liegen,  ist  bei  vollständigen  Triasprofilen  nicht 
leicht  zu  unterscheiden  ;  wo  jedoch,  wie  so  häufig,  die  mesozoischen 
Basalschichten  fehlen,  müssen  wir  ebenso  eine  basale  Gleitfläche  an- 
nehmen wie  in  den  Engadiner  Dolomiten,  die  ja  mit  dem  Endkopf 
von  Westen  her  ebenso  in  die  Oetztaler  Masse  hineinreichen  wie  das 
Rrenner  Mesozoikum  von  Osten  her.  Die  Zugehörigkeit  der  Oetztaler 
Masse  zur  ostalpinen  Decke  ist  von  niemand  bezweifelt  worden;  die 
stratigraphischen  Analogien  des  Tribulaun  zu  den  Nordalpen  erscheinen 


')  E«  sei  denn  das  Fehlen  einer  Intrusivwurzel  dea  Serpentins  im  Norden! 


[29]     Studien  über  die  Stellung  des  Tarntnler  und  Tiibnlann-Mesozoikums.     199 

in  diesem  Zusammenhang  besonders  bedeutungsvoll.  Auch  hier  kommt 
das  Mesozoikum  stellenweise  in  direkte  Berührung  mit  den  Brenner- 
schiefern. Dennoch  wird  niemand  eine  Transgression  über  Brenner- 
-schiefer  und  Oetztaler  Kristallin  annehmen  wollen;  man  kann  vielmehr 
in  der  Gegend  von  Gossensaß  das  allmähliche  tektonische  Ausdünnen 
des  Oetztaler  Kristallins  direkt  beobachten. 

Wir  haben  somit  allen  Grund,  Tribulaun  und  Tarntaler  Meso- 
zoikum als  normale,  mit  ihrer  Unterlage  verfaltete  Bedeckung  von 
ostalpinem  Kristallin  zu  bezeichnen. 

Anders  die  Deckentheorie.  Sie  nimmt  mit  E.  Sueß  (Antlitz  III/,, 
S.  190  tl".),  dem  auch  Uhlig  und  Kober  folgen,  an,  daß  die  Tarn- 
taler-Tribulaun-Decke  lepontinisch  oder,  vorsichtiger  gesagt,  als  Aequi- 
valent  der  Radstädter  Decke  unter  dem  ostalpinen  Kristallin  und 
über  den  Schistes  lustrees-Decken  heimatberechtigt  ist  und  nur  durch 
eine  Einwicklung  gegen  Norden  und  Westen  über  diesen  ostalpinen 
Rahmen  hinausgefaltet  wurde.  Diese  Vorstellung  hätte  inverse  Auf- 
lagerung des  Brenner  Mesozoikums  auf  dem  ostalpinen  Kristallin  zur 
Voraussetzung.  Diese  ist,  wie  wir  nach  Beseitigung  von  Sanders 
Zweifeln  an  der  Saile  sahen,  nirgends  vorhanden.  Und  machen  wir 
hier  zugunsten  der  Deckentheorie  eine  Ausnahme,  lassen  wir  die 
Radstädter  Decke  liier  durch  das  Ostalpine  nicht  überschoben,  sondern 
unter  Erhaltung  eines  inversen  Flügels  bloß  überfaltet  sein,  so 
ergibt  sich  der  für  die  Deckentheorie  vernichtende  Befund,  daß  man 
zwar  überall  diese  Ausnalime  —  die  auf  das  ostalpine 
Kristallin  herausgefaltete  Rad  Städter  Decke  —  findet, 
nirgends  aber  die  Regel  —  die  zwischen  dem  ostalpinen 
Kristallin  und  den  Brennerschiefern  liegende  sekun- 
däre Wurzel  dieser  Decke!  ^) 

Bei  Tienzens,  östlich  Steinach,  zeichnete  Frech  einen  Quarzit 
zwischen  Kalk-  und  Quarzphyllit,  doch  ist  er  im  Norden  von  Schutt 
begrenzt;  wenn  er  gegen  Süden  dem  Kalkphyllit  aufruht,  so  ist  dieses 
Verhalten  kein  anderes  als  am  Südrand  der  Tarntaler  Köpfe;  vermöge 
ihrer  „tektonischen  Transgression"  schieben  sich  sogar  einzelne  Schollen 
(Kirche  Navis)  ziemlich  weit  gegen  Süden  in  den  Kalkphyllit  ein  (vom 
Sägenhorst  und  der  Schoberspitze  gar  nicht  zu  reden). 

Die  einzige  Ausnahme,  die  mir  bekannt  geworden  ist,  ist  der 
Quarzitzug  Unter-Ried — Flams — Thums  (bei  Sterzing) ;  hier  ist  wirklich 
der  Kalkphyllit  im  Liegenden  von  dem  Quarzphyllit  (Glimmerschiefer- 
Mylonit?)  des  Hangenden  gut  zu  unterscheiden,  doch  ließe  sich  auch 
diese  Stelle  durch  Ausbleiben  des  Liegend-Kristallins  erklären. 

Wollte  man  das  Schema  der  Deckentheorie  hier  retten,  so  müßte 
man  also  die  normale  Auflagerung  des  Brenner  Mesozoikums  auf  dem 
ostalpinen  Kristallin  als  ausnahmsweise  Herausfaltung  der  Radstädter 
Decke  bei  ausnahmsweiser  Erhaltung  eines  Mittelschenkels  und  zu- 
gleich   ausnahmsweiser   vollständiger   Verquetschung    der  sekundären 


'j  Auch  Sander  (Verband],  der  Geol.  R.-A.  1916,  S.  225)  lehnt  die  An- 
nahme der  ,sekundären  Einwicklung  ab.  Die  Angabe  Terniiers,  daß  der  Tri- 
bulaun zwischen  Ostalpin  und  Schistes  lustr^es  liegt  (Bull.  soc.  geol.  1905.  S.  233  tt'.) 
und  mit  der  Trias  von  Sprechenstein  znsamnienlaüngt,  wird  durcb  die  Karte 
Frechs  widerlegt. 


200  Albrecht  Spitz.  [30] 

Wurzel  erklären.  Das  hieße  minus  mal  minus  sagen,  wo  wir  mit  ein- 
fachem plus  auskommen ;  wir  müssen  nicht  weniger  als  drei  Hilfs- 
hypothesen aufstellen  und  das  alles  bloß  den  schönen  Augen  einer 
Hypothese  zuliebe,  wie  sie  die  Deckentheorie  ist!  Wer  Lust  hat, 
der  möge  es  tun:  er  möge  sich  aber  auch  dessen  bewußt  sein,  daß 
er  damit  das  naturwissenschaftliche  Grundprinzip  ökonomischer  In- 
duktion verläßt  ^). 


9.  Schubrichtungen. 

In  der  Tarutaler  Region  haben  wir  an  der  Torspitze  und  im 
oberen  Mölsertale  sichere  Anzeichen  für  nordwärts  gerichtete  Be- 
wegungen. Anderseits  kennen  wir  am  Kreuzjöchl  auch  nordwärts  ge- 
schlossene Mulden  und,  wenn  meine  Gliederung  der  Schuppe  Ä  und  B 
das  Richtige  trifft,  auch  in  der  Klammregion  mehrfach  gegen  Süden 
gerichtete  Bewegungen.  Von  letzteren  mag  man  höchstens  die  Keile 
des  Kreuzjöchls  als  Wirkung  nordwärts  gerichteter  Einwicklungen 
auffassen ;  schwerlich  lassen  sich  diese  für  die  Quarzphyllitüber- 
schiebungen  des  Klammjoches  durchführen.  Wir  hätten  also  neben 
nordwärts-  auch  südwärts  gerichtete  Bewegungen.  Aus  dem  strati- 
graphischen  Charakter  der  Reckner-Serie  kann  man  gleichfalls  eher 
eine  nördliche  Herkunft  erschließen. 

Diese  Vermutungen  stimmen  recht  gut  zu  der  neueren  Auf- 
fassung des  Kalkalpen -Südrandes,  wie  sie  von  Hahn,  Heritsch, 
Trauth  vertreten  wird.  Diese  Forscher  neigen  sich  bekanntlich  dazu, 
Kobers  „norische  Linie"  nicht  als  tauchende  Nord-,  sondern  als 
aufsteigende  Südüberschiebung  zu  deuten.  Wendete  man  diese  Ge- 
danken auch  auf  die  Brennerregion  an,  so  ergäben  sich  eine  Reihe 
solcher  südwärts  gerichteter  Bewegungen,  die  wohl  noch  in  die  Kalk- 
phyllite  (Sägenhorst!  —  Das  nimmt  auch  Hart  mann  an)  und  viel- 
leicht noch  südlich  darüber  hinaus  (Schoberspitze?)  eingreifen.  Die 
Reckner-Serie  wäre  dann  das  abgeschobene  Mesozoikum  eines  nördlich 
gelegenen  Phyllitkomplexes.  Und  wie  die  Schuppe  Kreuzjöchl — Graf- 
marter— Mölstal— Schoberspitze  ( — ?  Hippold)  gegen  Norden  einfällt, 
so  tut  es  auch  der  Quarzphyllit  und  Eisendolomit  unter  dem  Glimmer- 
schiefer des  Patscherkofel -Rosenjoch  (nach  F.  E.  Sueß),  und  an- 
scheinend auch  die  Tarntaler  Gebilde  bei  Matrei  unter  die  kristalline 
Tribulaunbasis  (hier  bereits  mit  abgelenktem  NO-Streichen  -).  Wenigstens 
liegen  die  Tarntaler  Quarzite  bei  Steinach  (südlich  Plön,  über  dem 
Gehöfte  Harland)  durch  ein  Dolomitlager  geteilt,  unter  dem  Tri- 
bulaundolomit  (der  möglicherweise  etwas  Quarzphyllit  an  der  Basis 
und  jedenfalls  Rhätkalk  auf  dem  Rücken  hat) ;  auch  bei  Sterzing  geht 
der  Quarzit  und  Dolomit  unter  den  Glimmerschiefer  der  Gschleier- 


M  Auf  Steinmanns  Vermutung,  diiü  der  Serpentin  des  Heclcner  eine 
iiniiklinale  Einfaltung  der  ]e])onliniscbon  (rbiitischen )  Decke  in  die  ü.stalpen  sei, 
brauche  ich  nach  dem  fjesagten  nicht  einzugeben.  (Mitt.  der  Geol,  (Jes.  in  Wien. 
1910,   S.  295.) 

'■)   Vgl.  auch  Sander,  Kxkursionsführer  der  üeologischen  Vereinigung.  S.  49, 


[311     Studien  über  die  Stelluug  des  Taili taler  und  Tribulaun-Mesozoikums.     201 

wand  hinein.  Es  wäre  dann  der  Tribuiaun  die  höhere  ostalpine 
Scholle,  welche  auf  die  tiefere  Tarntaler  Scholle  überschoben  wäre. 
Jede  dieser  Schollen  wäre  wieder  zweigeteilt;  der  Tribuiaun  in 
Kalbenjoch  und  Kirchdach,  die  Tarntaler  in  Reckner  und  Ilippold. 
Der  allgemeinen  Schwenkung  von  0 — W  gegen  SW  entsprechend, 
würden  dann  diese  Schuppen  bis  gegen  Sterzing  abschwenken,  wobei 
ich  allerdings  die  Schwierigkeit  nicht  verkenne,  die  in  dem  jähen 
und  bruchartigen  Schwenken  längs  der  Brennerfurche  besteht.  In  den 
Kalkzügen  des  Passeier  Schneeberges  und  Penserjochs  würden  gegen 
SO  gerichtete  Ueberschiebungen  anschließen,  die  sich  bis  weit  in  den 
Vintschgau  verfolgen  lassen,  somit  judikarische,  bzw.  dinarische  Linien 
direkt  an  die  norische  Linie  anschließen.  (Vgl.  auch  Frech  [der 
allerdings  eine  Stauung  am  Brixener  Granit  annimmt]  und  Koßmat.) 
In  diesem  Zusammenhang  gewinnen  auch  die  „Rückfalten"  des  Hoch- 
feiler und  Kraxentragers  erhöiite  Bedeutsamkeit. 

In  ähnlicher  Weise  muß  ja  auch  die  Deckentheorie  ihre  Leit- 
linien legen,  nur  daß  wir  eben  aufsteigende  Schuppen  und  nicht 
tauchenden  Deckenbau  annehmen^). 

Von  Interesse  ist  bei  dieser  Auffassung  die  fazielle  Ordnung 
der  Schuppe:  die  nördlichste  (Tribulaun-Schuppe)  zeigt  innige  Be- 
ziehungen zu  den  Nordalpen,  die  nächste  (Reckner-Scholle)  ausge- 
sprochen ostalpine  Bündner  Fazies,  die  südlichste  (Hippold-Serie)  schon 
lepontinische  Züge. 

Wie  nach  Westen,  so  wollen  wir  vom  Brenner  Mesozoikum  auch 
einen  Blick  gegen  Osten  werfen.  Die  Tarntaler  Bildungen  lassen 
sich  nach  Sander  bis  ins  Zillertal  verfolgen  und  von  hier  ist  ein 
kontinuierliches  Triasband  bis  Krimml  lange  bekannt.  Triasdolomite 
und  Tarntaler  Quarzit  sind  hervorstechende  Züge  dieser  Bildungen. 
Weit  im  Osten  erscheint  dann  das  Radstädter  Mesozoikum,  auch  hier 
von  einem  Quarzit  begleitet -j,  der  aber  eng  mit  dem  Schladminger 
Massiv  verbunden  ist  (also  wohl  ostalpin  ^),  Auch  die  Radstädter 
Decken  erscheinen  nach  Uhligs  Darstellung  muldenförmig  gegen 
Norden    abgeschlossen    im  Quarzit.    Nordwärts  gerichtete  Bewegungen 


')  Eine  kurze  Exkursion  bei  Sterzing  ergab  folgenden  Verdacht:  Die  Kalk- 
phyllite  des  „Tauernl'ensters"  verschwinden  gegen  Westen  am  Custozahügel  teils 
unter  Tarntaler  Quarzit  und  Dolomit,  teils  unter  den  Alluvionen  des  Ridnauntals. 
Weiter  westlich  trifft  man  nur  ostalpines  Gestein,  nämlich  im  Süden  die  Gneise 
des  Jaufen  (als  Fortsetzung  der  südlichen  Umrahmung  des  .Tauernfensters"),  im 
Norden  die  Granatglimmerschiefer  des  Ridnaun  mit  den  Marmoren  der  Gilfen- 
klamm  etc.  Letztere  mögen  der  Fazies  nach  den  Greiner  Schiefern  entsprechen, 
tektonisch  sind  sie  die  Fortsetzung  der  nördlichen  Umrahmung  des  „Tauernfensters" 
und  somit  ostalpin.  Wie  sie  nun  bei  Ried  etc.  mit  schwarzen  (mylonitischen  z.  T.) 
Phylliten  an  die  Gesteine  des  Tauernfensters  herantreten,  so  tun  sie  das  auch  süd 
lieh  des  Ratschingestals  gegenüber  den  ostalpinen  Jaufengneisen.  Es  wäre  möglich, 
daß  hier  die  Leitlinie  des  Tauernfensters  noch  weit  gegen  Westen  zieht  als 
üeberschiebung  von  Ostalpin  auf  Ostalpin.  Ent.«pricht  sie  gar  etwa  der  Schlinig- 
linie?  Auch  bei  dieser  liegen  auf  dem  Nordhang  des  Vintschgaus  hochkristalline 
Gesteine  (Biotitgneise  etc.)  auf  ostalpinen  Phylliten,  ■  deren  Fortsetzung  wahr- 
scheinlich die  Jaufengneise  sind. 

'^)  Von  Uhlig   allerdings   für  lepontinisch  erklärt   und    von  Kober  (1912, 
Sitzungsberichte,  Tauernfenster,  S.  27)  gar  für  Karbon! 

^)  Der  nach   Uhlig   (Sitzungsberichte    1906,    S.  28)    von  Frech    mit   dem 
Tarntaler  Quarzit  verglichen  wird. 

Jahrbuch  d.  k.  k    geol.  Eeichsanstalt,  iai8.  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Hft.  (A.  Spitz.)  26 


202  Alhrecht  Spitz.  [32] 

sind  daneben  unverkennbar.  Eine  weitere  Analogie  liegt  darin,  daß 
das  Kndstädter  Mesozoikum  gleichfalls  nicht  zwischen  Kalkphyllit 
und  ostalpinem  Kriotallin  liegt,  sondern  durch  Quarzit  getrennt  und 
anscheinend  mit  dem  letzteren  eng  verknüpft  ist.  Aenderungen  in  der 
stratigraphischen  Auffassung  (vgl.  die  früher  angeführten  Zweifel) 
würden  manche  grundlegende  tektonische  Aenderung  znr  Folge  haben. 
Ks  eröffnen  sich  damit  mancherlei  interessante  und  unerwartete  Per- 
spektiven, die  anzudeuten  ich  mich  hier  begnügen  muß.  (Vgl.  dazu 
auch  Sander,  .Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  1916,  S.  233  ff.) 

Wir  haben  bisher  nur  von  N  und  S,  bzw.  der  Schwenkung  des 
Streichens  entsprechend,  NW  und  SO  gerichteten  Schüben  gesprochen. 
Ks  hat  den  Anschein,  als  ob  daneben  auch  O  —  W- Schübe  vorhanden 
wären.  Auch  die  Deckentheorie  müßte  solche  annehmen,  weil  der 
Tribulaun  ja  nicht  am  Nord-,  sondern  am  Westende  des  Fensters 
aus  diesem  herausgefaltet  sein  müßte.  Wir  sind  zu  einem  solchen 
Verzweiflungsakte  nicht  genötigt,  sondern  können  mit  exakten  Beob- 
achtungen dienen. 

Im  I sslgraben  (Tarn taler  Köpfe)  sieht  man  eine  mächtige  gegen 
Westen  gerichtete  liegende  Falte  im  Dolomit  (siehe  Fig.  2).  (Die 
Schichtungslosigkeit  des  Hauptdolomits  auf  Ilartmanns  Profilen 
ist  ganz  unbei echtigt!)  Im  westliclien  Lizumtal  führt  Hartmann  von 
seiner  Schuppe  B^  stehende  0 — W-Faltungen  an;  solche  scheinen  aber 
in  größerem  iMaßstabe  und  als  liegende  Falten  zu  existieren  (genauere 
Untersuchung  wäre  wünschenswert).  Ks  ist  ferner  auffallend,  wie  die 
sekundären  Falten  der  Schuppe  11^  (zu  der  wir  nach  unserer  Ver- 
mutung die  sogenannten  „S"-Falten  Hartmanns  zusammenziehen) 
zwar  im  Osten  mächtigen  Hauptdolomit  und  Rhät  zeigen,  gegen  Westen 
aber  nur  als  schmaler  Keil  von  lihät  zwischen  dem  Jura  erscheinen; 
auch  das  spräche  für  O — W-Bewegungen  (vgl.  auch  unsere  Profilskizze  3 
in  Figur   1). 

In  der  Tribulauugruppe  haben  die  schon  bei  der  Stratigraphie 
erwähnten  kleineu  Scharnieren  verschiedene  Orientierung  Kine  kleine 
Scharniere  von  Ilauptdolomit  im  Jura  auf  dem  Beginn  des  Schneider- 
spitz-Südgrates ist  windschief  gegen  NO  und  N  gerichtet;  östlich  des 
Gipfels  findet  man  eine  lleihe  von  stehenden,  windschief  verdrehten 
Mulden,  die  hauptsächlich  NW  streichen  (sie  enthalten  das  schon 
erwähnte  grauwackenartige  schwarze  Gestein  im  Muldenkern).  An  der 
^Vasenwand  (Südgrat)  ist  eine  Verdopplung  des  Hauptdolomits  vor- 
handen, welche  gegen  N  gerichtet  ist.  Dagegen  streichen  die  Schar- 
nieren der  Ilauptdolomit  -  Grenzniveau  -  Deckscholle  auf  dem  Hutzl 
NO  und  die  große  liegende  Falte  an  der  Mauerspitze,  die  Frech 
mit  Unrecht  zu  einer  kleinen  Verbiegung  herabdrückt,  ist  gegen  NW 
bis  W  gerichtet.  Gelingt  es,  in  der  Pfierscher  Gegend  gegen  Westen 
bis  SW  gerichtete  Faltungen  nachzuweisen  (nach  der  Karte  Frechs 
läge  es  nahe,  das  Verschwinden  des  oberen  Dolomitkeils  im  Rhät  der 
Scliwarzen  Wand-Obernberger  Tribulaun  so  zu  deuten),  dann  wäre 
hier  ein  vollständiger,  gegen  Westen  gekehrter  Bogen  vorhanden, 
wie  er  im  Umriß  der  Tribulauntrias  ohnehin  angedeutet  ist.  Da  auch 
das  Kristallin  mit  NO-Streichen  im  Sellrain  und  NW-Streichen  in  der 
Stubaier  Kette  diesem  Bogen  andeutet,  so  würde  er  sich  in  gewissem 


[83]    Studien  über  die  Stellung  des  Tarntaler  und  Tribulaun- Mesozoikums.     203 

Sinne  den  rhätischen  Bögen  der  Engadiner  Dolomiten  und  des  Endkopfs 
als  östlichstes  Glied  anreihen ;  nur  mit  dem  Unterschied,  daß  er  hier 
nicht  auf  einfache  Faltung  (einzige  Schubrichtung)  zurückzuführen  ist, 
sondern  möglicherweise  auf  sekundäre  Verfaltung  und  Einwicklung; 
darauf  weisen  die  Karbonkeile  des  Kalbenjochs  (und  der  einge- 
schobenen Quarzhyllite)  hin,  welche  die  Falten  des  Rhäts  zu 
Abschiebungsfalten  stempeln.  Die  Herkunft  der  Karbon-Quarzphyllit- 
deckscholle  des  Steinacherjochs  ist  noch  recht  rätselhaft.  Nimmt  man 
ihre  Wurzel  im  Osten  oder  Südwesten  an,  so  würde  sie  sich  den 
zahlreichen  nordwest-  und  nordwärts  gerichteten  Bewegungen  dieser 
Region  anreihen. 

Von  großer  Bedeutung  ist  die  Stirn  des  Krierkars  (Sander). 
Sie  beweist  das  Vorhandensein  von  nordwärts  tauchenden  Falten  und 
rollt  damit  die  ganze  Frage  des 

10.  Tauernfensters 

auf.  Ich.  will  eine  Diskussion  dieses  wichtigsten  Problems  der  Ost- 
alpen vermeiden,  denn  die  Angaben  darüber  sind  noch  zu  wider- 
sprechend. Ich  möchte  nur  auf  zwei  Momente  eingehen: 

1.  Der  Quarzphyllit  ist,  wie  ich  ausgeführt  habe,  im  Tarntaler 
Gebiet  und  bei  Sterzing  ganz  gut  vom  Kalkphyllit  unterscheidbar. 
Ob  das  überall  sonst  auch  der  Fall  ist,  darüber  habe  ich  keine  eigene 
Anschauung.  Im  Norden  und  bei  Sterzing  erscheint  es  mir  somit 
jedenfalls  möglich,  den  Quarzphyllit  über  den  Kalkphyllit  als  über- 
schoben zu  erklären^).  Freilich  ist  auch  ein  gegen  Süden  gerich- 
teter Aufschub,  im  Sinne  der  umgedeuteten  norischen  Linie  möglich! 
Wenn  wir  gezwungen  sind,  uns  für  einen  solchen  zu  entscheiden, 
dann  muß  er  jünger  sein  als  die  nordwärts  tauchenden  Falten  des 
Krierkars,  weil  diese  (oder  die  Kalkphyllite  in  ihrem  Hangenden) 
unter  dem  Quarzphyllit  verschwinden. 

2.  Man  kann  Sander  nicht  genug  dankbar  sein,  wenn  er  in 
seiner  vorsichtig  sich  vorwärts  tastenden  Art  und  ohne  sich  von  rechts 
und  links  beirren  zu  lassen,  versucht,  auf  Grund  genauer  petrographi- 
scher  Analyse  eine  objektive  Grundlage  für  die  Tauernforschung  zu 
schaffen.  Nur  glaube  ich,  daß  wir  auf  dieser  Grundlage  heute  schon 
einen  Schritt  weiter  gehen  dürfen.  Sander  meint  (Denkschriften  1911, 
S.  2),  daß  „beim  Fehlen  aller  übrigen  Anhaltspunkte  und  bei  sorg- 
fältiger Beurteilung  der  petrographischen  Eigenschaften  eine  geologische 
Identifikation  vollständig  gleicher  Typen  zu  wagen  sei."  Wie  irre- 
führend bloße  petrographische  Aehnlichkeit  ist,  ist  allbekannt.  Ich  will 
nur  hinweisen  auf  die  verschiedenen,  petrographisch  kaum  unterscheid- 


')  Dieses  ist  der  eigentliche  Ansatzpunkt  für  Konstruktion  eines  Tauern- 
fensters, der  auch  bestehen  bleibt,  wenn  man  die  gesamten  „Radstiidter"  Decken 
des  Brenner  und  der  Radstädter  Tauern  als  Ostalpin  (und  zwar  nicht  inversea 
Ostalpin  auf  Grund  der  stratigraphischen  Entwicklung  im  Sinne  Stein manns, 
Mitt.  Wiener  Geolog  Ges.  1910,  S.  292,  sondern  als  normale  ostalpine  Bedeckung) 
aus  der  ihnen  vom  Deckenschema  zugewiesenen  Lage  zwischen  ostalpinem  Kri- 
stallin und  Seh.  lustrees  befreit  (ähnlich  wie  das  ja  schon  Termier  zum  Teil 
tat,  Bull.  soc.  g6ol.  Fr,  1903,  S.  737—738  etc.). 

26* 


204  Albrecht  Spitz.  [34] 

baren  schwarzen  Kalke  im  Muschelkalk,  Raiblern,  Rhät,  Lias  in  den 
Nordalpen;  die  roten  Kalke  im  Muschelkalk,  Raiblern,  Rhät,  Lias, 
Malm  in  der  Bündner  Fazies;  an  die  hellen  Kalke  im  Wetterstein, 
Dachsteinkalk,  oberen  Daclisteinkalk,  Plattenkalk;  die  Tessiner  meso- 
zoischen und  altkristallinen  Marmore  usw.  Ich  halte  es  lieber  mit 
der  zweiten  Alternative,  die  Sander  aufgestellt  hat  (1.  c),  daß  „die 
Begleiter  ...  in  vielen  Fällen  die  Entscheidung  geben."  Das  läßt 
sich  schon  heute  für  gewisse  Abschnitte  des  Brenner  Mesozoikums 
behaupten.  So  ist  die  Abtrennung  des  gewiß  ähnlichen  Tarntaler  Jura 
vom  Kalkphyllit  durch  Verfolgen  im  Streichen  schon  von  Hart  mann 
mit  Erfolg  vollzogen  worden.  Aehuliches  zeigt  uns  auch  der  „ladinische 
Pyritschiefer"  der  Saile;  und  ein  stratigraphischer  Vergleich  der 
verschiedenen  „Eisendolomite"  fällt  durch  den  Nachweis  ihres  sekun- 
dären Charakters.  Ebenso  ist  bei  dem  petrographischen  Vergleich 
der  Tarntaler  Bildungen  mit  dem  Hochstegenkalke  jene  Zurückhaltung 
zu  empfehlen,  die  Sander  ja  tatsächlich  beobachtet^).  Ich  meine, 
daß  aus  dem  lithologisch  gewiß  zutreffenden  Vergleich  von  Kalkphyllit 
und  Tarntaler  Jura  oder  Tribulaun-  und  Pfitscher- Dolomit  eben  noch 
keine  stratigraphischen  Schlüsse  zu  ziehen  sind.  Tatsächlich  kann  man 
bei  einem  Studium  von  Sanders  Vergleichen  sehen,  daß  sich  fast 
jedes  Glied  des  eigentlichen  Tauernfensters  ebenso  mit  mesozoischen 
wie  paläozoischen  Schichten  vergleichen  läßt^j.  Ich  möchte  da  auch 
auf  die  Kalkschiefer  des  Eisendolomits  hinweisen  3),  die  meiner  An- 
sicht nach  ebenso  im  Kalkphyllit  des  Fensters  wie  des  Tarntaler  Jura, 
wie  in  paläozoischen  Formationen  ihren  Platz  finden  könnten,  während 
gewisse  Varietäten  des  Eisendolomits  dem  Triasdolomit  zum  Ver- 
wechseln gleichen.  Anderseits  hat  das  auffallend  kristalline  Rhät 
der  Tribulaungruppe  gewisse  paläozoische  Charaktere.  Eine  Ent- 
scheidung wird  hier,  solang  Fossilfunde  fehlen,  vielleicht  nur  durch 
die  Begleiter  und  allenfalls  durch  die  tektonische  Zugehörigkeit  fallen. 
Am  sichersten  bei  all  diesen  Vergleichen  erscheint  mir  noch,  daß  der 
Quarzphyllit  des  Nordrandes  tektonisch  aufgeschoben  ist,  sei  es  nach 
Norden  oder  nach  Süden,  denn  er  ist  offenbar  auch  älter  als  das 
Grazer  und  Murauer  Paläozoikum,  die  ältesten  paläozoischen  Gesteine, 
mit  denen  (schon  vor  Sander)  die  Tauerngebilde  verglichen  wurden. 
Die  übrigen  Fragen  erscheinen  mir  so  wie  Sander  heute  noch  nicht 
spruchreif. 


')  Neuerdings  spricht  sich  S  ander  allerdings  entscliieden  für  mesozoisches. 
Alter  aus  zum  Beispiel  Führer  zu  geolog.  Exk.  in  Graubünden  und  den  Tanern 
1913) 

^j  Ich  kann  das  zum  Beispiel  für  die  dunklen  Klamrakalke  bestätigen,  die 
der  Pyritschiefergruppe  verglichen  werden,  aber  vom  silnrischen  Hundsteinkalk 
ununtcrscheidbar  sind!  (Auch  Stark  [Sitzungsber.  1912,  S.  21,  Anmerkung]  spricht 
vom   Vorhandensein  identischer  Gesteine  im  Dientner  Profil!) 

*)  Nfich  Hartmann,  S.  228,  sollen  sie  sich  allerdings  gut  von  den  Kalk- 
phylliten  unterschfidon 


Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol). 

Von  Wilhelm  Hammer. 

Mit  10  Textfiguren  und  drei  Profiltafeln  (Nr.  XII— XIV). 

Einleitung. 

Im  östlichen  Teile  von  Nordtirol  entfaltet  sich  zwischen  den 
nördlichen  Kalkalpen  und  den  Zentralalpen  eine  breite  Zone  paläo- 
zoischer Gesteine,  die  Kitzbühler  Grauwackenzone.  Nach  rascher  Ver- 
schmälerung  im  vorderen  Zillertal  endet  sie  in  den  Berghängen  südlich 
von  Schwaz,  und  der  an  ihrem  Südrand  sie  begleitende  Quarzphyllit 
tritt  im  Inntal  unmittelbar  den  Triasgesteinen  der  Kalkalpen  gegen- 
über. Bei  Innsbruck  schrumpft  auch  der  Quarzphyllitstreifen  rasch  zu- 
sammen und  vom  Ausgang  des  Seilraintales  an,  in  der  Hochedergruppe, 
ist  nur  am  Fuß  der  Berghänge  noch  eine  schmale  Zone  von  Phyllit 
erhalten.  Sie  wird  bei  Rietz  vom  Inntal  abgeschnitten  und  in  der 
Gegend  von  Silz  bis  zum  Ausgang  des  Oetztales  treten  die  Oetztaler- 
gneise  und  die  Triaskalke  des  Tschirgantkarames  an  den  beiderseitigen 
Flanken  des  Inntales  ohne  Zwischenschaltung  der  Phyllite  oder  Grau- 
wackengesteine dicht  aneinander  heran. 

Westlich  vom  Oetztal  aber,  bei  Maierhof-Roppen,  setzt  neuerlich 
ein  schmaler  Streifen  von  Phyllit  ein,  der  sich  im  vorderen  Pitztal 
rasch  verbreitert  und  in  dem  weitgespannten  Bergstock  des  V  e  n  n  e  t- 
berges  orographische  Selbständigkeit  erlangt.  Das  Inntal  zwisclien 
Landeck  und  Pontlatz  durchbricht  die  Phyllitzone;  westwärts  davon 
bildet  diese  die  unteren  Hänge  an  den  nordöstlichen  Ausläufern  der 
Silvrettagruppe  sowie  die  schönen  Mittelgebirgsterrassen  beiderseits 
der  Sanna  (Tobadill,  Grins).  Der  Ausgang  des  Paznauntals  ist  in  sie 
eingeschnitten.  Im  unteren  Stanzertal  baut  sie  die  anmutigen  Vor- 
höhen zu  Füßen  der  Kalkketten  auf,  welche  an  der  Krümmung  des 
Tals  bei  Flirsch  enden,  womit  auch  der  Phyllit  vom  linken  Ufer  ver- 
schwindet und  nur  mehr  an  der  Südseite  die  hohen  Berghänge  der 
Riffiergruppe  umrahmt. 

Im  oberen  Stanzertal,  zwischen  Pettneu  und  St.  Anton,  läuft 
der  Phyllitstreifen  an  den  untersten  Talhängen  aus  und  am  Arlberg 
stoßen  wieder  die  Gneise  unmittelbar  an  die  Triasgesteine. 

Diese  Ausbreitung  des  Phyllits  zwischen  Roppen  und  Pettneu 
fasse  ich  hier  als  „Phyllitzone  von  Land  eck"  zusammen. 

Jahrbtich  rt.  k.  k.  geol.  Reiclisanotalt,  1918.  68    Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (VV.  Hammer.) 


20C 


Wilheliu  Hammer. 


[2] 


[3J  r^ie  Pliyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  207 

Erklärung  zur  vorstellenden  Textlig;ur  1. 

1  --=  Mesozoische  Gesteine  der  Kalkalpen ;  Triasdoloiuit  nördlich  Prutz. 

2  =  liuntsandstein  und  Verrucano. 

3  =  Phyllit. 

4  =  Zone  der  Glimmerschiefer  und   Pliyllitgneise. 

5  =  Feldspatknotengneise. 

6  =  Orthogneise  der  Glimmerschief'erzone;  Biotitgranitgneis  im  Vorderen  Pitztal. 

7  =  Granatglimmerschiefer  des  Paznaun. 

8  =  Gneise  und  Amphibolite  der  Silvretta  und  Oetztaleralpen. 

9  =  Orthogueise  der  Ölztaler-  und  Silvrettagruppe. 
10  =  Gebiet  der  Bündnerschiefer. 


Ihre  Umgrenzung  wird  zum  großen  Teil  durch  Schubflächen 
gegeben.  Im  Südosten  schneiden  im  vorderen  Pitztal  die  Oetztaler- 
gneise  mit  scharfem  Rande  in  schrägem  Anschnitt  an  den  Phylliten  ab 
und  Mylonitzonen  lassen  diese  anormale  Grenzlinie  bis  nahe  zum  Rand 
der  Bündner  Schieferregion  im  Prutzer  Becken  verfolgen.  Auch  westlich 
von  Pontlatz;  bis  zum  Paznauntal  sind  deutliche  Anzeichen  vorhanden, 
daß  hier  an  Schubflächen  die  Gneise  auf  die  Phyllitzone  aufgeschoben 
sind,  vielfach  unter  Zwischenklemmung  jüngerer  Sedimentgesteine. 
Dies  wird  weiter  unten  des  näheren  beschrieben  werden. 

Im  Ritt'lerstock  dagegen  ist  die  Abgrenzung  der  beiden  Schicht- 
gruppen —  der  Gneise  und  der  Phyllite  —  eine  viel  unklarere.  Ver- 
mittelnde Gesteinstypen  —  welche  auch  schon  weiter  östlich  einsetzen  — 
breiten  sich  stärker  aus  und  Uebergangszonen  mit  mehrmaligen  Wieder- 
holungen gneisiger  und  phyllitischer  Gesteinsarten  lassen  zwar  tek- 
tonische  Einflüsse  sehr  wahrscheinlich  erscheinen,  verhindern  aber 
eine  genauere  Abgrenzung  in  Karte  und  Profilen. 

Der  Nordrand  der  Phyllitzone  wird  über  seine  ganze  Er- 
streckung hin  durch  das  Auftreten  des  Verrucano  bezeichnet,  der  aber 
nicht  in  gleichmäßiger  Entwicklung  ihm  folgt,  sondern  bald  mächtig 
anschwillt  und  dann  wieder  bis  zum  Verschwinden  sich  verringert,  eine 
Art  Linsenstruktur,  bei  der  neben  primären  Ablageruiigsverschieden- 
heiten  höchstwahrscheinlich  auch  tektonische  Umformung  beteiligt 
ist,  wie  durch  eingeschobene  Phyllitblätter  und  -schollen  angezeigt 
wird.  Er  verläuft  in  steiler  Stellung  von  Arzl  im  vorderen  Pitztal 
über  die  untere  Vennetalm,  durchschneidet  dann  die  Nordhänge  des 
Vennetbergs  in  der  Richtung  Falterschein  —  Grist  — Zams,  wo  er  den 
Inn  überschreitet  und  in  gleicher  Richtung  am  Fuß  der  Kalkketten 
der  Parseiergruppe  sich  v^^estwärts  fortsetzt:  über  Schrofenstein  und 
deq  Lattenbachgraben,  nördlich  von  Grins,  zur  Dawinalm  und  nach 
Flirsch.  Hier  liegt  die  Grenze  dann  ein  Stück  weit  unter  den  Allu- 
vionen  des  Stanzertals,  bis  beiderseits  des  Malfontais  der  Verrucano 
an  der  rechten  Talflanke  am  Fuß  der  Berge  wieder  auftaucht. 

Die  Struktur  dieser  nördlichen  Randzone  wurde  bereits  von 
Ampferer  im  „Querschnitt  durch  die  Ostalpen  ..  ."  im  Jahrbuch 
der  Geol.  R.-A.  1911  beschrieben  und  in  Profilen  dargestellt. 

Der  Verfasser  hat  die  Phyllitzone  anläßlich  der  Aufnahme  des 
Blattes  Landeck  der  österreichischen  Spezialkarte  für  die  Geologische 


208  Wilhelm  Hammer.  [4j 

Reichsanstalt  untersucht  und  im  Maßstab  1  :  25.000  kartiert  in  den 
Jahren  1912— 1917  i). 

In  der  Literatur  finden  sich  nur  sehr  wenige  kurze  Angaben 
über  das  Gebiet.  Einzelne,  hauptsächlich  bergbauliche,  Angaben  ent- 
halten die  Schriften  des  geognostisch  -  montanistischen  Vereins  für 
Tirol  und  Vorarlberg  aus  dem  Jahre  1843  und  1858  (Innsbruck). 
Dann  finden  sich  solche  und  allgemeine  geologische  Andeutungen  in 
der  von  A.  Pichler  aus  dem  Nachlaß  herausgegebenen  Abhandlung 
M.  Stotters  über  die  Oetztaler-  und  Silvrettamasse^).  Ueber  ein 
paar  Einzelheiten  berichtet  auch  Pichler  selbst 3).  Die  ersten  Auf- 
nahmen für  die  Geologische  lleichsanstalt  haben  G.  A.  Koch  und 
Niedzwiczky  durchgeführt,  doch  geht  ersterer  in  seineu  Berichten 
kaum  näher  auf  die  Phyllitregion  ein*).  J.  Blaas  hat  1909  zuerst 
die  Verhältnisse  im  vorderen  Pitztale  durch  Annahme  einer  Ueber- 
schiebung  der  Oetztalergneise  auf  die  Phyllite  zu  erklären  gesucht^). 

Die  Aufuahmskarte  (Manuskriptkarte  in  der  Geol.  Reichsanstalt) 
von  G.  A.  Koch  gibt  ein  übersichtliches,  in  den  Grundzügen  zutref- 
fendes Bild  der  geologischen  Verhältnisse,  ließ  der  Neuaufnahme  aber 
reichliche  Gelegenheit  zu  interessanten  neuen  Funden  und  weitgehen- 
den Umgestaltungen  und  Verfeinerungen  des  Kartenbildes.  In  tekto- 
nischer  Hinsicht  kann,  mit  Ausnahme  von  Blaas,  bei  den  früheren 
Bearbeitern  kaum  von  einer  Vorarbeit  gesprochen  werden. 

Es  soll  zunächst  ein  Bild  der  Gesteinsarten  entworfen  und 
nachher  der  tektonische  Aufbau  geschildert  werden.  Die  geologische 
Karte  wird  im  Rahmen  des  von  der  Reichsanstalt  herausgegebenen 
Kartenwerkes  erscheinen. 


A.  Beschreibung  der  Gesteinsarten  und  ihrer  Verbreitung. 

1.  Phyllite  und  Einlagerungen  in  denselben. 

Der  Phyllit  der  Landecker  Gegend  ist  ein  feinschiefriges  Gestein, 
dessen  Schieferblätter  stets  wellig  verbogen  oder  in  kleine  Falten  und 
Fältchen  gestaut  sind.  Die  Schieferflächen  sind  im  frischen  Anbruch 
stahlgrau  bis  silberglänzend,  durch  Verwitterung  und  Umwandlung 
geht  die  Farbe  ins  Grünlichgraue  oder  Rostfarbene  über;  den  Quer- 
bruch sieht  man  von  feinen  dünnen  Quarzflasern  eingenommen ; 
seltener  entwickeln  sich  dickere  Flasern  oder  große  Quarzknauern. 
Die  Schieferungsflächen  sind  bei  ausgesprochen  phyllitischen  Typen 
von  zusammenhängenden  Glimmerhäuten  —  makroskopisch  nicht 
trennbare  dichte  Glinimerlagen  —  überzogen,    die    sich    dort   und  da 

'j  Siehe  Jahresberichte  über  die  genannten  Jahre  in  den  Verhandl.  der 
(ieol.  R.-A.  und  ein  kurzer  Vortrngsbericht  in  der  gleichen  Zeitbchril't  1915,  S.  96. 

-')  Zeitschrift  des  Ferdinandeums  in  Innsbruck  1859. 

■')  Rauschrot  und  Kauschgelb  bei  Arzl  (Imst).  Tschermaks  min.  Mitt.  1883. 
Quarzj)hyllit  der  Trisannabrücke.  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  1885,  S.  216. 

*)  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  1875,  S.  128  und  226.  Verhandl.  1877,  S.  137 
und  „Die  Abgrenzung  und  Gliederung  der  Silvrettagruppe",  Wien  1884. 

^)  Verhandl  der  Geol.  R.-A.  190!).  Siehe  auch  Blaas  , Geologischer  Führer 
durch  Tirol  und   Vorarlberg",  Innsbruck  1902. 


[5]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  209 

ZU  großen  einheitlichen  Blättern,  oft  mit  feiner  Runzeluug  entwickeln. 
Häufiger  aber  löst  sich  schon  dem  unbewaffneten  Auge  die  Glimmer- 
decke in  feine  Schuppen  auf,  welche  die  Fläche  völlig  bedecken, 
wobei  gleichzeitig  sich  dann  auch  die  weißen  Quarzflasern  des  Quer- 
bruchs in  ein  feinkörniges  weißliches  oder  graues  Quarzaggregat  ver- 
teilen. 

Ein  häufig  auftretender  Gemengteil  ist  der  Granat.  Undeutlich 
umgrenzte  Striche  und  Lagen  der  Phyllitzone  sind  davon  erfüllt.  Er 
erreicht  selten  mehr  als  Ilanfkorngröße,  ist  aber  meist  gleich  in 
großer  Menge  enthalten  und  tritt  in  kleinen  dunkelrötlichen  oder 
schwärzlichen  Knötchen  auf  den  Schieferflächen  hervor.  Eine  feste 
stratigraphische  Einordnung  der  Granatphy llite  in  der  Schicht- 
folge des  Phyllits  ließ  sich  nicht  erkennen.  Granatphyllite  erscheinen 
sowohl  in  den  nördlichen,  der  Verrucanoauflagerung  nahen  Teilen, 
zum  Beispiel  ober  der  Station  Flirsch,  am  Iilingang  ins  Malfontal,  bei 
Grins,  Stanz,  Zams  als  auch  im  mittleren  Teile,  zum  Beispiel  am 
Grabberg  und  nahe  dem  Südrand  (Inntal  bei  Urgen,  Fließ,  Nordwest- 
kamm der  Thialspitze,  Brennwald  u.  a.  0.). 

Wenn  man  die  südlich  angrenzenden  Glimmerschiefer  und  Phyllit- 
gneise  mit  heranzieht,  kann  man  vielleicht  sagen,  daß  gegen  die 
Gneise  hin  der  Granatgehalt  im  allgemeinen  zunimmt. 

Aus  den  oben  angeführten  schuppigen  Phylliten  entwickeln  sich 
dann  in  allen  Uebergangsstufen  Abarten,  welche  als  Glimmer- 
quarzite,  Glimmerschiefer  und  feldspatführende  Phyllite 
bezeichnet  werden  können  und  die  Phyllitzone  in  ausgedehnten  Lagen 
vielfach  durchziehen. 

Im  Querbruch  erscheint  herrschend  das  graue  oder  weißlich- 
gesprenkelte fein-  bis  mittelkörnige  Quarzaggregat,  beziehungsweise 
Quarz -Feidspatgemenge,  der  Hauptbruch  ist  von  feinschuppigem 
Muskovit  dicht  übersät,  ohne  daß  es  zur  Ausbildung  wohliiidividuali- 
sierter  großer  Glimmer  käme,  wie  etwa  bei  den  Glimmerschiefern  der 
inneren  Oetztaler  Alpen.  An  Stelle  der  ausgeprägten  Lagenstruktur 
tritt  eine  mehr  gleichmäßige  Mischung  der  parallel  texturierten 
Gemengteile. 

U.  d.  M.  beherrscht  der  Quarz  als  Hauptgemengteil  das  Feld. 
Häufig  ist  sehr  starke  Kataklase  zu  beobachten:  die  Quarze  sind  in 
langgestreckte,  wellig  verbogene  Plättchen  mit  stark  uudulöser  Aus- 
löschung verdrückt,  die  oft  mit  „Mörtelsäumen"  aneinandergefügt 
sind;  eine  vollständige  Gefügeregelung  (nach  Sanders  Quarzgefüge- 
regel) ist  aber  gewöhnlich  nicht  erreicht.  Der  Glimmer  ist  oft  (post- 
kristallin) in  feine  Fältchen  verbogen. 

Während  bei  den  quarzitischen  Lagen  Feldspat  nur  die  Rolle 
eines  Akzessoriums  spielt,  reichert  sich  in  anderen  Lagen  der  Gehalt 
an  Feldspat  an,  doch  bleibt  immer  der  Quarz  der  herrschende  Gemeng- 
teil. Lagen  mit  viel  Feldspat  wechseln  mit  feldspatfreien.  Der  Feldspat 
ist  ein  dem  Albit  nahestehender  Plagioklas,  in  der  Regel  von  sehr 
frischem  Erhaltungszustand  und  fügt  sich  in  gleicher  Korngröße  wie 
der  Quarz  gleichmäßig  in  das  Gesteinsgewebe  ein.  Die  herrschende 
Glimmerart  ist  der  Muskovit ;  in  den  feldspatführenden  Lagen  gesellt 
sich  zu  ihm  auch  Biotit,  der  oft  ausgebleicht  oder  in  Chlorit  umgesetzt 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (W.  Hammer.)    27 


212 


Wilhelm  Hammer. 


[81 


löser  Auslöschung,  die  Glimmerflasern  wellig  verbogen.  Letztere  be- 
stehen aus  Muskovit  mit  Beimengung  von  etwas  Biotit,  der  sich  zum  Teil 
in  Chlorit  umgesetzt  hat.  In  beiderlei  Flasern  stecken  zahlreiche 
große  rundliche  Altite,  vollkommen  frisch,  einfach  verzwillingt  in  der 
ganzen  Tracht  jenen  der  Albitchloritschiefer  erttsprechend.  Sie  um- 
schließen nur  sehr  wenig  Einschlüsse,  welche  durch  ihre  zu  den  Flasern 
parallele  Anordnung  eine  Andeutung  von  helizitischer  Struktur  hervor- 
rufen. 

Dieses  Gestein  ist  ein  Mittelglied  zwischen  den  feldspatführenden 
Phyllitabarten  und  den  Albitchloritschiefern.  Ganz  ähnliche  Zwischen- 
formen finden  sich  im  Phyllit  von  Griesbüchl  bei  Landeck  sowie 
östlich  des  Eichbüchl  bei  Grins.  Die  schwach  grünliche  Färbung  auf 
den  Glimmerflächen   läßt  schon  die  Beimengung  von  Chlorit  erraten. 


Fig. 


Felseck  unter  P.  2438  des  Yeniict-Ostkammes. 

A  ==  aplitischer  Granitgneis.  —  p  =  Phyllit.  —  gp  =  Granatphyllit 
a  =  Albitphyllit.  —  h  =  Hornblendezoisitschiefer. 

U.  d.  M.  findet  mau  bei  letzterem  Vorkommen  Muskovit,  Biotit  und 
Chlorit  in  Schuppen  verteilt  und  wieder  zahlreiche  rundliche  einschhiß- 
freie  Albite,  die  hier  aber  mehrfache  Zwillingsbildung  besitzen,  im 
Quarzaggregat.  Titaneisen  als  Uebergemengteil.. 

Die  Hornblendeschiefer  zeigen  keine  Kataklase  der  feinen 
Hornblendenadeln  oder  der  sonstigen  Bestandteile.  Ihre  Kristallisation 
ist  also  entweder  posttektonisch  oder  sie  hat  spätere  Bewegungen 
ohne  Umformung  überstanden. 

Am  auffälligsten  ist  diese  Unversehrtheit  bei  dem  Hornblende- 
schiefer in  der  Schlucht  unter  Matzlewald,  weil  dieser  makro- 
skopisch dicht  von  Rutschflächen  und  lichtgrünen  Harnischen  durch- 
setzt ist,  so  daß  man  zuerst  geneigt  ist,  ihn  für  einen  Serpentin  zu 
halten. 

Eine  zweite  kleine  Gruppe  „grüner  Gesteine"  steht  im  untersten 
Malfontal    an,    unterhalb  der  ersten  Brücke,    teils  am  linken,   teils 


f9J  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  21?» 

am  rechten  Ufer.  Es  kommen  hier  einerseits  die  feinkörnigen  llorn- 
blendeschiefer  vor,  ähnlich  denen  des  Vennetberges,  daneben  aber  aucli 
Lagen j  in  welchen  großstrahlige  Hornblenden  (bis  zu  1  cm  Länge)  in 
einem  weißen  u.  d.  M.  als  Plagioklas  und  Quarz  erkennbaren  Grund- 
gewebe richtungslos  und  locker  verteilt,  sind.  Jieide  Arten  wechseln 
bankweise  mit  Phyllit.  Hinsichtlich  Kristallisation  und  Tektonik  ver- 
halten sie  sich  gleich  wie  jene  im  Pitztäl. 

Größere  Ausdehnung  als  die  basischen  Gesteinseinlagerungen 
besitzen  die  j\I  usko  vi  tgran  i  tgn  ei  se,  welche  sich  durch  ihre 
weißliche  Farbe,  die  Grobblockigkeit  und  geringere  Verwitterbarkeit 
deutlich  aus  dem  Phyllitgelände  abheben,  wo  sie  größere  Mächtigkeit 
erlangen. 

Es  sind  meist  kleinkörnige,  glimmerarme  Typen  mit  deutlicher 
Paralleltextur,  aplitische  Muskovitgneise.  Als  Glimmer  enthalten  sie 
nur  Muskovit;  der  Feldspat  besteht  zum  größeren  Teil  aus  albitreichen 
Plagioklasen,  zum  kleineren  aus  Mikroklin.  Mit  dem  angrenzenden 
Phyllit  sind  sie  oft  durch  randliche  stärkere  Verschieferung  sowie 
durch  mehrfache  Wechsellagerung  sehr  eng  verbunden.  Wie  überall 
bei  diesen  granitischen  Lagern  gehen  sie  mancherorts  in  sehr  quarz- 
reiche Formen  • —  Orthoglimmerquarzite  —  über,  andernorts  in  grob- 
körnige oder  flaserige  Pegmatitgneise.  Augengneise  sind  in  der  Phyllit- 
region  selbst  selten;  ein  besonders  ausgeprägter  steht  am  Gample- 
kopf  oder  Falterschein  an. 

Die  Muskovitgranitgnsise  sind  in  mehreren  ausgedehnten  Lagern 
am  Kamm  des  Vennetberges  anstehend. 

Eines  derselben  zieht  vom  Vennetkamm  durch  das  ganze  Südost- 
gehänge bis  St.  Margareten  bei  W  e  n  n  s,  wo  es  die  größte  Mächtigkeit 
besitzt.  Er  ist  hier  im  Kern  der  Masse  ein  grober  glimmerarmer 
Flasergneis,  während  die  randlichen  Teile  hochgradig  diaphtoritisch 
und  mylonitisch  sind.  Mit  dem  Schmälerwerden  des  Lagers  gegen 
Westen  oberhalb  Larchach  geht  der  ganze  Granitgneis  in  ein  fast 
restlos  mylonitisiertes  grünlichschwarzes  Flasergestein  über,  in  dem 
nur  höher  oben  wieder  einzelne  besser  erhaltene  Teile  den  Ursprung 
aus  Granitgneis  deutlich  schließen  lassen.  Des  näheren  soll  weiter  unten 
auf  die  Mylonitbildungen  eingegangen  werden. 

Kleinere  Muskovitgneislager  finden  sich  dort  und  da  einzeln 
verstreut,  so  in  der  Stanzerschlucht,  im  Dawingraben,  Schneckenbach- 
graben,  Markbach  u.  a.  0.  Ein  großes  Lager  zieht  längs  der  oberen 
Grenze  des  Phyllits  an  der  Nordseite  der  Mittagspitze  und  des 
Grippekopfs  hin  (Rifflerstock). 

2.  Zone  der  Phyllitgneise  und  GHninierschiefer. 

Wenn  man  der  Reichsstraße  nach  von  Landeck  nach  Pontlatz 
wandert,  so  nimmt  man  an  den  fast  ununterbrochenen  Felsanschnitten 
wahr,  daß  etwa  von  der  Urgenerbrücke  an  das  Gestein  seinen  ausgeprägt 
phyllitischen  Charakter  ganz  allmählich  verliert  und  in  Schiefer  über- 
geht, welche  man  eher  dem  Glimmerschiefer  oder  Phyllitgneis  zuzu- 
rechnen geneigt  ist.  In  ebenso  schwer  abgrenzbarer  Weise  vollzieht 
sich  der  gleiche  Wechsel  längs  dem  ganzen  Südrand  der  Phyllitzone 


214  Wilhelm  Hammer.  jlOl 

von  Wenns  an  bis  zum  Rifflerstock.  Trotz  der  Unklarheit  der  Um- 
grenzung ergibt  sich  bei  genauer  Aufnahme  des  ganzen  Gebietes 
doch  ein  deutlicher  Unterschied  der  südlichen  Gesteine  gegenüber 
dem  Hauptzug  der  Phyllite  und  dies  hat  auch  schon  G.  A.  Koch 
auf  seiner  Aufnahmskarte  durch  die  Ausscheidung  von  „Glimmer- 
schiefer und  Quarzit"  an  dieser  Stelle  zum  Ausdruck  gebracht,  wobei 
sich  freilich  die  Abgrenzung  derselben  bei  der  Neuaufnahme  ganz 
wesentlich  verschoben  hat. 

Die  größte  Flächenausbreitung  erreicht  diese  Zone  am  Piller, 
wo  infolge  der  gleichsinnigen  Neigung  der  Schiefer  mit  dem  Berghang 
das  SO-Gehänge  des  Vennetberges  bis  zu  den  Almen  hinauf  und  die 
ganze  Breite  des  Pillersattels  und  Tales  davon  eingenommen  werden. 

Die  herrschende  Gesteinsart  ist  ein  grauer,  silberglänzender 
Schiefer,  dessen  Schieferungsflächen  von  Glimmerschuppen,  und  zwar 
Muskovit  dicht  bedeckt  sind.  Immer  schalten  sich  Lagen  dazwischen, 
deren  Flächen  wie  beim  Phyllit  von  Glimmerhäuten  überzogen  werden, 
doch  ist  eine  schuppige  Verteilung  des  Glimmers  typisch.  Im  Quer- 
bruch erscheint  ein  grauweißes  Quarzfeldspataggregat  oder  es  treten 
auch  Feldspatkörnchen  etwas  selbständiger  heraus.  Nicht  selten  sind 
kleine  Granaten  auf  den  Schichtflächen  zu  sehen.  Im  ganzen  also  eine 
Gesteinstracht,  wie  sie  von  den  oben  angeführten  feldspathältigen  Ab- 
arten des  Phyllits  beschrieben  wurde.  Ein  mäßiger  Gehalt  an  Biotit 
ist  manchmal  auch  mit  freiem  Auge  schon  zu  bemerken,  doch  bleibt 
der  Muskovit  der  charakteristische  Glimmer  und  bestimmt  die  Farbe 
des  Gesteins. 

U.  d.  M.  findet  man,  daß  die  Vertreter  dieser  Zone  im  all- 
gemeinen reicher  an  Feldspat  sind  als  jene  Lagen  im  Phyllit  und 
während  bei  letzteren  derselbe  als  Albit  in  klaren,  fast  einschlußfreien 
und  oft  ziemlich  isodimensional  abgegrenzten  Körnern  eingesprengt  ist, 
greift  er  hier  im  Quarzaggregat  in  unregelmäßigen  Körnern  zwischen 
die  Quarze  ein,  ist  diesem  in  der  länglichen  unregelmäßigen  Form  gleich, 
meist  dicht  erfüllt  mit  mikrolithischen  Einschlüssen  und  besitzt  sehr 
oft  keinerlei  Zwillingsbildung.  Nach  der  Lichtbrechung  zu  urteilen, 
gehört  er  zu  den  albitreichen  Plagioklasen.  An  den  Glimmerflasern 
beteiligt  sich  neben  Muskovit  auch  Biotit,  der  oft  in  Chlorit  umge- 
v/andelt  ist.  Ebenfalls  in  Chlorit  setzen  sich  die  Granaten  um.  Im 
übrigen  gleichen  die  Schiefer  dieser  Zone  strukturell  auch  im  Dünu- 
schlifl"  durchaus  jenen  Phyllitabarten ;  starke  Kataklase,  mit  Ausplattung 
des  Quarzes  (undulöse  Auslöschung,  kleinzackige  Ränder  usw.)  Fälte- 
lung  der  Glimmer. 

Die  Gesteinstracht  dieser  Zone  ist  im  einzelnen  vielen  Schwan- 
kungen unterworfen,  was  nicht  zum  mindesten  ein  Grund  der  schweren 
Abtrennbarkeit  ist.  Phyllitische  Lagen  schalten  sich  oft  ein,  ferner 
Granatglimmerschiefer  und  besonders  auch  quarzi  tische  Lagen. 
Solche  sind  z.  B.  im  Gehänge  ober  Tobadill  und  Ilochgallmig  häufig. 

An  den  Nordabhängen  des  Rifflerstockes  zieht  die  Zone  unter- 
halb der  Almen  in  der  Waldregion  durch  und  ist  hier  hauptsächlich 
als  Phyllitgneis  entwickelt.  In  ihrem  Hangenden  treten  aber  verschie- 
dene Schiefer  auf,  von  denen  es  schwer  zu  entscheiden  ist,  ob  man 
sie    noch   hieher   oder   zu    den    Granatglimmerschiefern  rechnen  soll. 


[11]  Die  Pbyliitzoue  von  Landeck  (Tirol).  215 

welche  auf  den  Kämmen  und  an  der  Südseite  des  Rifflerstockes  sich 
ausbreiten. 

Zwischen  der  Großgfall-  und  der  G  a  m  p  e  r  n  u  n  a  1  m  sind  die 
Schiefer  dieser  Zone  im  Hauptbruch  phyllitisch,  im  Querbruch  sieht 
man  schon  am  Handstück  den  Feldspatgehalt,  außerdem  tritt  auch 
Biotit  stärker  hervor.  U.  d.  M.  stimmt  das  Gestein  nach  der  Menge 
und  Art  der  Feldspäte  gut  mit  den  Schiefern  von  Piller  etc.  überein, 
der  Biotit  ist  aber  hier  der  herrschende  Glimmer.  Ein  ganz  über- 
einstimmend zusammengesetzter  Schiefer  bildet  die  Steilstufe  unter 
der  Ganatschalm  (südlich  Flirsch)  und  ist  schon  makroskopisch 
durch  seinen  reichlichen  Biotitgehalt  autiallend.  Manche  gneisige Xagen 
desselben  gleichen  den  weiter  unten  zu  beschreibenden  Gneisen  von 
Steinhof  im  Pitztal.  Mikroskopisch  stimmt  er  mit  dem  Gestein  von 
den  Steilhängen  gegenüber  der  Gampernunalm  überein.  Der  Schiefer 
unter  Ganatsch  ist  im  Hangenden  und  Liegenden  von  Phyllit  um- 
schlossen und  läßt  sich  nach  beiden  Seiten  kaum  bis  zu  den  nächsten 
tieferen  Gräben  verfolgen.  Es  dürfte  sich  eher  um  eine  tektonische 
Einschaltung  von  Gesteinen  einer  tieferen  Zone  handeln,  als  um 
eine  Schwankung  in  der  Phyllitausbildung  wegen  der  Uebereinstimmung 
mit  dem  Gampernunschiefer  und  dem  deutlichen  Gesteinsunterschied 
gegenüber  den  gewöhnlichen  feldspatführeuden  Lagen  im  Phyllit. 

Im  obersten  Teil  der  Phyllitgneise  zwischen  Gampernunalm  und 
Großgfall  stehen  viele  quarzitische  Bänke  an,  woraus  im  Hangenden 
des  Phyllitgneises  eine  Ueberdeckung  mit  Quarzit  und  dazwischen- 
liegenden Phyllitlagen  hervorgeht. 

In  der  flachen  Talmulde  der  Großgfallalra  breiten  sich  diese 
Quarzite  aus  und  mit  ihnen  vielfach  wechsellagernd  —  beide  ganz 
flach  liegend  —  erscheinen  phyllitische  Gesteine,  auf  deren  Quer- 
bruch kleine  weiße  Feldspatkörnchen  auffällig  hervortreten;  auch  auf 
den  Schichtflächen  erheben  sich  aus  dem  Glimmerbelag  weiße  Knötchen; 
in  beiden  Brüchen  sieht  man  reichlich  hanfkorngroße  rundliche  Gra- 
naten. Wie  die  Dünnschliffuntersuchung  zeigt,  scheinen  auch  die  weißen 
Knötchen  größtenteils  Pseudomorphosen  nach  Granat  zu  sein  ;  Plagioklas 
ist  in  reichlicher  Menge  enthalten  und  bildet  zum  Teil  linsenförmige 
Körner  —  entsprechend  dem  makroskopisch  sichtbaren  Körnchen  — , 
welche  stark  von  Quarz  und  Glimmer  helizitisch  durchsetzt  werden. 
Starke  Glimmerflasern  mit  viel  Biotit  neben  Muskovit  durcliflasern 
das  Gestein  und  umfließen  die  großen,  schon  größtenteils  in  chloritische 
Substanz  umgewandelten  Granate.  Die  Art  der  Feldspatbildung  erinnert 
schon  an  die  weiter  unten  beschriebenen  Feldspatknotengneise,  doch 
durchwächst  hier  der  Feldspat  nicht  so  das  übrige  Gesteinsgewebe 
wie  dort,  sondern  besitzt  mehr  die  Ausbildung  eines  gleichaltrigen 
Gemengteiles,  dem  durch  die  phyllitische  Textur  die  Linsenform  auf- 
gezwungen wird. 

Es  kommen  aber  auch  Lagen  vor,  welche  keinen  Feldspat  führen 
und  nach  Struktur  und  Zusammensetzung  als  Granatglimmerschiefer 
bezeichnet  werden  können. 

Während  die  glimmerreichen  Schiefer  zum  Teil  nur  ganz  schwache 
Kataklase  besitzen,  zeigte  eine  Probe  aus  den  Quarziten  sehr  starke 
dynamische  Umformung. 


216  Wilhelm  Hammer.  [12] 

Die  Sc'liieferi'olge  von  Großgfallalm  reicht  bis  zum  Niederjoch 
hinauf,  wo  hauptsächlich  sehr  phyllitische  Lagen  anstehen.  Hier 
scliließen  unmittelbar  die  Granatglimmerschiefer  der  Paznauner  Seite 
des  Riffler  an  und  es  ist  schwer  anzugeben,  wo  und  wie  beide  von- 
einander abzugrenzen  wären. 

Eine  charakteristische  Gesteinsart  im  Zuge  der  Phyllitgneise  und 
Glimmerschiefer  sind  die  Feldspatknotengneise.  Sie  besitzen  aus- 
gesprochen gneisigen  Habitus,  mit  vollkommener  Paralleltextur  der 
massenhaften  Glimmerschuppen.  Muskovit  und  Biotit  sind  in  ziemlich 
gleicher  Menge  zu  sehen,  ersterer  meist  in  größeren  Schuppen  — 
manchmal  großen  Blättern  —  als  der  letztere.  Das  Charakteristikum 
des  Gesteins  sind  die  weißen,  mehrere  Millimeter  großen  Feldspate, 
die  besonders  im  Querbruch,  mehrfach  auch  im  Hauptbruch  als  rund- 
liche, innig  mit  den  anderen  Bestandteilen  verwachsene  Knoten  her- 
vortreten. Bei  stärker  verschieferten  Formen  nehmen  sie  auch  Linsen- 
form an,  zum  Beispiel  am  Mezzanbach  bei  Urgen.  Auf  den  Schicht- 
tiächen  heben  sich  manchmal  kleine  Granatkörner  heraus. 

U.  d.  M.  sieht  man,  daß  große  Individuen  von  Albit  in  dem 
Quarzglimmergewebe  stecken  und  in  dasselbe  allseits  eindringen,  in- 
dem sie  die  anderen  Gemengteile  in  großer  Zahl  umschließen.  Auch 
in  die  kleinen  Fältchen,  in  welche  die  Glimmer-  und  Quarzlagen  ge- 
legt sind,  dringen  die  Albite  in  schmalen,  den  Faltungen  folgenden  Aus- 
läufern ein.  Die  Albite  zeigen  in  der  Regel  keine  Zwillingslamellierung. 
Neben  den  großen  Knoten  sind  auch  kleinere,  gleichgeartete  Plagio- 
klase  in  allen  Abstufungen  bis  zur  Größe  der  anderen  Bestandteile 
vorhanden. 

Der  Biotlt  überwiegt  im  Schliff"  noch  mehr  an  Menge  als  man 
makroskopisch  annimmt.  Beide  Glimmer  sind  in  lockere  Züge  und 
Schwärme,  manchmal  auch  zu  geschlossenen  Flasern  geordnet,  welche 
dann  linsenförmige  große  Albite  einfassen.  P)ei  letzteren  Formen,  zum 
Beispiel  am  Miitagspitz,  sondern  sich  auch  die  anderen  Gemengteile 
unvollkommen  in  Lagen.  Akzessorisch  kleine  Granaten,  dort  und  da 
Magnetitkörner. 

Außer  einer  mäßigen  welligen  Auslöschung  in  einzelnen  Proben 
sind  keine  Zeichen  von  Kataklase  zu  finden;  das  unversehrte  kristalli- 
sationsschiefrige  Grundgewebe  wurde  nach  der  Fältelung  von  den 
Albiten  durchwachsen,  wahrscheinlich  auch  nach  der  Kristallisation 
des  Grundgewebes. 

Ganz  übereinstimmende  Gneisarten  sind  in  den  Üetztalergneisen 
zum  Beispiel  am  Hochjoch,  Gepatschferner  und  vielen  anderen  Stellen 
häufig  verbreitet;  im  benachbarten  Paznaun  beobachtete  ich  solche 
im  Istalanztal. 

Die  Feldspatknotengneise  umziehen  in  breitem  Zuge  die  obersten 
Nord-  und  Nordosthänge  der  Thial  spitze  bei  Landeck  und  setzen  sich 
über  die  Fiathalm  bis  zur  Trisannaschlucht  fort.  Gegen  Osten  beob- 
achtete ich  sie  noch  in  deutlicher  Form  am  Mezzanbach  bei  Urgen; 
sie  verschwinden  dann  im  Inntal  und  am  Pillersattel.  Nur  in  den 
Bergwiesen  nördlich  Piller  (in  zirka  1500  vi  am  Hang  des  Vennet- 
bergs) fand  ich  noch  einen  kleinen  Zug  solcher  typischer  Gneise  in 
den  l'hyllitgneisen   eingelagert. 


[13]    '  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  217 

Westlich  der  Trisaiina  habe  ich  sie  zunächst  auf  ein  längeres 
Stück  hin  nicht  aufgefunden.  Erst  an  den  nördlichen  Seitenkämmen 
des  Hohen  Riff  1er  entfalten  sie  sich  wieder  in  voller  Deutlichkeit, 
besonders  am  Kamm  der  Mittagspitze  und  in  den  Wänden  des  Riffler 
gegen  das  untere  Malfontal,  neben  der  Zunge  des  nördlichen  Riffler- 
ferners. 

Die  Feldspatknotengneise  sind  von  den  angrenzenden  Phyllit- 
gneisen  und  Glimmerschiefern  nicht  scharf  abgegrenzt.  Diese  Erfah- 
rung macht  man  schon,  wenn  man  die  Vorkommen  am  Thialspitz — 
Fiathalm  in  die  Karte  einzutragen  sucht.  Sie  scheinen  hier  breite, 
langgestreckte  linsenförmige  Ausdehnung  zu  besitzen.  Am  Riftlerstocke 
stehen  sie  in  vielfacher  Wechsellagerung  mit  Granatphyllit,  Granat- 
glimmerschiefer und  Quarzbänken. 

In  Begleitung  der  Knotengneise  und  in  engster  Nachbarschaft 
mit  ihnen  sind  auch  Orthogneise  in  der  Phyllitgneiszone  enthalten, 
welche  durch  ihre  starke  Verschieferung  sich  auch  oft  schwer  ab- 
trennen lassen.  Besonders  gilt  dies  von  der  Trisannaschlucht  und  den 
Hängen  bei  Giggl,  wo  beide  Gesteine  zusammen  mit  den  Phyllitgneisen 
einer  gewaltigen  Druck-  und  Quetschregion  angehören,  in  welcher 
stellenweise  alles  zu  sf!hwärzlichen  Myloniten  verarbeitet  ist. 

Es  sind  zum  Teil  Biotitgranitgneise,  zum  anderen  Teil  aplitische, 
grobkörnige  Zweiglimmergneise,  alle  mit  ausgesprochen  flaseriger  Struk- 
tur. Im  Rifflerstock  (Mittagspitze,  Scheibenkopf)  treten  Muskovitgranit- 
gneise  hinzu,  ganz  gleicher  Art  wie  jene  in  den  Phylliten. 

Eine  Abhängigkeit  im  Auftreten  der  Feldspatknotengneise  von 
den  granitischen  Gesteinen  besteht  nicht.  Im  Ritflerstock  und  bei  Toba- 
dill  sind  sie  vergesellschaftet,  jene  am  Mezzanbach  und  besonders  das 
Vorkommen  nördlich  Piller  entbehren  dieser  Begleitung. 

Dies  spricht  gegen  die  Annahme,  daß  die  Knötchengneise  durch 
Kontaktwirkung,  beziehungsweise  magmatische  Durchtränkung  („Feld- 
spatisation")  entstanden  sind  und  diese  Unabhängigkeit  in  der  Ver- 
breitung ist  bei  den  ganz  gleichgearteten  Gesteinen  in  der  Oetztaler- 
masse  noch  öfter  und  deutlicher  zu  beobachten. 

Da  die  Kristallisation  der  Albite  in  den  Knötchengneisen  posttekto- 
nisch  ist,  so  ist  auch  deshalb  jene  Beziehung  zu  den  Orthogneisen  nicht 
möglich,  welche  außer  der  späteren  völligen  Mylonitisierung  auch  in 
den  besterhaltenen  Teilen  eine  frühere  starke  Druckschieferung  auf- 
weisen. 

Die  Uebergäuge  und  die  Wechsellagerung  mit  den  Glimmer- 
schiefern und  Phylliten  lassen  ebenfalls  diese  Gneise  als  sedimentogeu 
erscheinen. 

3.  Oetztalcr-  und  Silvrettagiieise. 

Zum  kleinsten  Teile  unmittelbar,  sonst  überall  durch  Vermittlung 
der  Phyllitgneise  und  Glimmerschiefer  grenzt  an  die  Phyllitzone  im 
Süden  das  Gneisgebirge  der  Oetztaleralpen  und  der  Silvretta.  Beide 
sind  in  ihren  Gesteinsarten  hier  im  Hauptbestande  übereinstimmend. 
Einzelne  Gneistypen  sowie  die  Verteilung  der  Gneisarten  in  den  hier 
in  Betracht  kommenden  äußeren  Teilen  beider  Gebirgsgruppen  sind 
verschieden. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichganstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (W.  Hammer.)  23 


218  Wilhelm  Hammer.  [14] 

Eine  eingehendere  Beschreibung  beider  Gebiete  ist  hier  nicht 
am  Platze  und  bleibt  einer  eigenen  Abhandlung  vorbehalten.  Es  sollen 
nur  ein  paar  Hauptzüge  umrissen  werden. 

Die  weitestverbreitete  Gesteinsart  ist  ein  glimmerreicher  Schiefer- 
gneis—  Biotitplagioklasgueis  —  mit  vorherrschendem  Biotit  als  Glimmer- 
mineral, welcher  auch  die  bräunliche  Gesamtfcärbung  bedingt,  während 
in  der  Pbyllitzone  in  den  meisten  Gesteinen  ausschließlich  oder  über- 
wiegend der  Kaliglimmer  dieselbe  Stelle  einnimmt.  Die  Struktur  der 
Schiefergneise  ist  eine  ausgezeichnet  kristalioblastische,  die  nur  selten 
durch  spätere  dynamische  Einwirkungen  zerstört  worden  ist.  Im  Gegen- 
satz dazu  sind  in  der  Phyllitzone  die  phyllonitischen  Strukturen  außer- 
ordentlich verbreitet,  abgesehen  davon,  daß  die  Kristallisation  im 
Phyllit  und  Phyllitgneis  nie  jene  Vollkommenheit  erreicht  hat  wie  in 
jenen  Gneisen.  Granat  ist  in  beiden  Gebieten  ein  weitverbreiteter 
Gemengteil,  der  Staurolith  ist  nur  in  den  Gneisgebieten  in  gewissen 
Zügen  ein  wesentlicher  Gesteinsgemengteil. 

Im  Rand  des  Oetztalergneisgebirges  sind  sehr  mächtige 
und  ausgedehnte  Massen  granitischen  Ursprungs  in  Gestalt  von  Augen 
gneisen  und  Granitgneisen  eingelagert.  Die  größte  derselben  ist  jene 
des  Aifenspitzes ;  sie  sowohl  wie  die  nahen  Begleitmassen  des  Kiele- 
bergs und  von  Matzlewald  schneiden  mit  scharfem  Dislokationsrand  an 
den  Phyllitgneisen  der  Pillerniederung  ab  und  bilden  einen  geologisch 
und  morphologisch  eindrucksvollen  Gegensatz  zu  letzteren.  Am  äußer- 
sten Gneisrand  zwischen  Wenns  und  Koppen  ist  ein  Biotitgranit  un- 
mittelbar über  die  Phyllite  aufgeschoben. 

In  Gesellschaft  der  granitischen  Lagermassen  beteiligen  sich  im  vor- 
deren Pitztal  außerdem  sehr  bedeutende  Mengen  von  Amphibolit  am  Auf- 
bau des  Gebirges  und  sind  auf  das  engste  mit  Biotitgraniten  verbunden. 

Amphibolite  und  Granitgneise  zusammen  schaffen  den  wilden 
steilen  Hochgebirgsaufbau  der  Pitztalerberge  talaufwärts  von  Jerzens. 

In  den  östlichen  Ausläufern  der  S  i  1  v  r  e  1 1  a,  zwischen  Paznaun  und 
Inntal  sind  die  Schiefergneise  fast  alleinherrschend  und  Einlagerungen 
von  granitischen  Lagennassen  und  Amphiboliten  ganz  zurücktretend. 
Wohl  aber  ist  gerade  der  Nordrand  der  Gneise  zwischen  Urgtal 
und  Giggl-See  allenthalben  reichlich  durchschwärmt  von  magmatischen 
Gesteinsadern  und  Gängen  in  Gestalt  von  Pegmatit  und  Aplit,  welche 
sich  auf  das  feinste  im  Gestein  verteilen.  Derartige  granitische  Gang- 
bildungen fehlen  in  der  Phyllitzone  völlig  —  die  Muskovitgranitgneise 
in  den  Phylliten  sind  zwar  analogen  Ursprungs,  haben  aber  durchwegs 
bereits  eine  nachträgliche  Verschieferung  erlitten. 

Die  scliönkristallinen  Biotitschiefergneise  mit  den  pegmatitischen 
Adern  in  der  Gatschkopfgruppe  setzen  unvermittelt  über  der  Verru- 
canoschubzone  Thialspitz— Giggleralm  ein  und  stehen  in  einem  auf- 
fallenden Gegensatz  zu  den  mannigfachen  phyllonitisierten  und  dia- 
phtoritischen  Schiefergesteinen  unterhalb  jener  Schübzone. 

Es  ist  bemerkenswert,  daß  die  starke  grauitische  Durchäderung 
des  Nordrandes  der  Gneise  in  gleicher  Weise  längs  ihres  ganzen  Süd- 
randes —  Dislokationsrand  gegen  das  Bündnerschiefergebiet  —  wieder- 
kehrt, während  die  mittleren  Teile  viel  weniger  solche  Intrusionen 
aufweisen. 


[15]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  2l9 

Eine  große  granitische  Lagermasse  ist  im  Silvrettaanteil 
erst  am  Rifflerstock  anziitreflfeii,  wo  der  Hohe  Riffler  mit  seinen 
nördlichen  Seitengräten,  das  Blankahorn  und  der  Blankaspitz  und  der 
südliche  Rifflerkopf  von  ihr  eingenommen  werden.  Sie  ist  fast  durch- 
wegs als  Augengneis  ausgebildet,  teils  zweiglimmerig,  teils  nur  biotit- 
führend.  An  den  Südabstürzen  des  Blankahorns  und  Hohen  Riff'ler  geht 
er  in  einen  Biotitgranit  mit  nur  ganz  geringer  Paralleltextur  über, 
welcher  auch  basische  Konkretionen  enthält. 

An  der  Nordseite  des  Riffler  lastet  die  Granitgneismasse  der 
Schieferfolge  von  Feldspatknotengneis  und  Granatphyllit  auf.  Der  Rand 
ist  hier  streckenweise  als  Muskovitgranitgneis  entwickelt.  Mylonitzonen 
ziehen  in  dem  liegenden  Schichtkomplex  durch. 

Auf  dem  Augengneis  des  Blankahorns  und  des  ßlankaspitzes 
liegen  Glimmerschiefer,  welche  gegen  Osten  und  Westen  hin  die 
Kämme  Weißkogel — Lattejoch  und  Gfallkopf— Pezinerspitz  bilden  und 
in  ihrem  dem  Gehänge  gleichförmigen  Fallen  die  ganzen  Südhänge 
gegen  Kappl  und  Langesthai  überdecken.  Es  sind  Granatglimmer- 
schiefer, welche  allenthalben  auch  Lagen  mit  Staurolith,  seltener 
auch  mit  Cyanit  enthalten  (zum  Beispiel  Lattejoch).  Dort  und  da  sind 
quarzitische  Bänke  eingeschaltet.  In  dem  vom  Blankajoch  zur  Mal- 
fonalm  hinabführenden  Tal  werden  sie  von  Phyllitgneisen  mit  vielen 
quarzitischen  Lagen  abgelöst;  die  Phyllitgneise  bilden  zum  Teil  viel- 
leicht schon  die  Unterlage  der  Granatglimmerschiefer,  zum  Teil  treten 
sie  aber  sicher  an  ihre  Stelle,  wie  dies  besonders  an  den  Nordab- 
hängen des  Kammes  Hoher  Spitz — Weißkogel  deutlich  wird,  wo  ein 
vielfaches  lagenweises  Schwanken  zwischen  Granatstaurolithglimmer- 
schiefer  und  gneisigen  Schiefern  stattfindet;  auch  Schiefer  mit  Feld- 
spatknoten kommen  vor  sowie  viele  aplitische  Adern  und  Quarzgänge, 
welche  mit  den  an  diesem  Kamme  verbreiteten  Lagern  von  Muskovit- 
granit  in  Verbindung  stehen  werden. 

Oestlich  des  Rifflerstockes,  am  Kamm  des  Pezinerspitz  liegen 
sie  auf  Schiefergneisen,  mit  denen  sie  durch  allmählichen  Uebergang 
verbunden  sind.  Am  Niederjoch  kommen  sie  mit  der  oben  be- 
schriebenen phyllitisch- quarzitischen  Schieferfolge  von  Großgfall  in 
Berührung  und  es  ist  kaum  anzugeben,  was  hier  zur  einen,  was  zur 
anderen  Schieferfolge  gehört,  da  der  sonst  nur  den  Paznauner  Granat- 
glimmerschiefern eigene  Staurolithgehalt  fehlt. 

Oestlich  des  Paznauntals  findet  man  am  Kamm  Rotbleiskopf 
— Gamsberg  Schiefer,  welche  wahrscheinlich  den  Granatglimmer- 
schiefern des  Riffler  gleichzustellen  sein  dürften,  aber  nicht  so  deut- 
lich ausgeprägt  sind.  Typische  Lagen  von  Granatglimmerschiefer  trifft 
man  allenthalben  am  Gamsbergkopf  und  dem  Südabfall  des  Gatsch- 
kopfs  (P.  2914),  auch  mit  Staurolith,  dazwischen  schieben  sich  aber 
wieder  gneisige  Lagen,  auch  Adergneise  uud  Schiefergneise  mit  Feld- 
spatknötchen  ein.  Doch  hebt  sich  im  ganzen  genommen  der  Bereich 
ziemlich  deutlich  von  dem  Gneisareale  im  unteren  Teil  der  Berge  ab. 

Eine  Reihe  kleiner,  engbegrenzter  Amphibolitvorkommen 
begleitet  den  Nordrand  der  Gneise  von  Pontlatz  bis  See  im  Paznaun. 
Es  siud  Feldspatamphibolite,  welche  schon  makroskopisch  durch  ihr 
gröberes,    die    Bestandteile    besser    zeigendes  Korn    von    den    feinen 

28* 


220  Wilhelm  Hammer.  Mgl 

amphibolitischen  Hornblendeschiefern  der  Phyllitzone  unterschieden 
sind.  Einer  derselben  südlich  Glittstein  besitzt  noch  großkörnige  gab- 
broide  Struktur. 

Der  Amphibolit  im  Gigglertobel  ist  ausgezeichnet  durch  einen 
sehr  hohen  Gehalt  an  Schwefelkies,  welcher  sowohl  als  dichte  Impräg- 
nation als  auch  in  kleinen  Adern  das  Gestein  durchdringt.  Alte  Schurf- 
baue  sind  ihm  nachgegangen.  Auch  eines  der  kleinen  Amphibolitlager 
am  Giggierspitz — Westseite  ist  reich  an  Kiesen. 

Einlagerungen  karbonatischer  Gesteine  fehlen  in  dem  hier 
in  Betracht  kommenden  Teil  der  Oetztaleralpen  ganz.  Im  Silvretta- 
anteil  sind  zwei  sehr  kleine  Vorkommen  kristallinen  Kalkes 
nahe  dem  Gneisrand  vorhanden : 

Das  eine  derselben,  welches  schon  sehr  lange  bekannt  und  be- 
reits in  der  Karte  des  geognostisch- montanistischen  Vereins  ange- 
deutet ist,  befindet  sich  nahe  beim  Hof  Glittstein,  gegenüber  See 
im  Paznaun.  Es  sind  zwei  kleine  Lager  von  etwa  50 — 100  ;»  Länge 
und  5—10  m  Mächtigkeit,  welche  konkordant  in  dem  gliramerreichen 
zweiglimraerigen  Gneis  eingebettet  sind,  mit  starker  Fältelung  beider 
Gesteine  und  begleitet  von  Haruischflächen  und  mylonitischen  Schiefern. 
Sie  liegen  in  einer  Mylonitzone  der  Gneise;  letztere  sind  in  der  Um- 
gebung von  zahlreichen  Pegmatitadern  durchdrungen.  Die  Pegmatite 
sind  in  der  Mylonitzone  ebenfalls  heftiger  Verschieferung  und  Ver- 
quetschung  unterlegen.  Der  Kalk  ist  ein  lichtblaugrauer,  gut  gebankter 
Marmor,  der  randlich  durch  silikatische  Mischzonen  mit  dem  Gneis 
verbunden  ist.  U.  d.  M.  erscheint  er  sehr  feinkörnig,  mit  enger  Ver- 
zahnung der  Kalzitkörner.  Eingestreut  vereinzelte  Körner  von  Diopsid 
und  Quarz.  Staubfeine  Interpositiouen  eines  messinggelb  reflektierenden 
schwarzen  Erzes  sind  in  parallele  Streifchen  gesammelt,  die  auch 
makroskopisch  als  kleine  parallele  Strichelchen  sichtbar  sind. 

Die  zweite  Stelle,  wo  solche  Gesteine  im  Gneis  vorkommen,  ist 
am  Grat  Thialspitz — Gatschkopf.  Nahe  übereinander  sind  hier  zwei 
sehr  beschränkte  Einlagerungen  von  gut  geschichtetem  bis  dünnschiefe- 
rigem  lichtgrauem  kristallinen  Kalk,  der  randlich  durch  silikatreiche 
Lagen  gebändert  ist.  Das  obere  Vorkommen  bildet  eine  kleine  eng- 
geschlossene Mulde  in  dem  von  zahlreichen  Pegmatitgängen  durch- 
drungenen Schiefergneis. 

Der  Verband  der  Kalke  durch  silikatische  Mischzonen  läßt  die- 
selben eher  als  mit  dem  Gneis  syngenetische  Sedimente  erscheinen 
wie  als  Einfaltungen  von  Trias.  Wo  Triaskalkreste  an  Schubzonen 
eingeschoben  sind,  werden  sie  hier  übrigens  immer  von  Verrucano 
begleitet,  der  hier  ganz  fehlt,  und  es  sind  solche  Schollen  auch  nicht 
metamorph,  während  diese  Marmore  dem  Grad  ihrer  Metamorphose 
nach  mit  dem  Gneis  übereinstimmen. 

4.  Gneiszone  von  Steinhof  im  Pitztal. 

Während  man  von  Arzl  taleinwärts  an  der  Straße  lange  Zeit 
durch  zweifellosen  Phyllit  wandert,  betritt  man  bei  Bad  Steinhof 
eine  Zone  anders  gearteter  kristalliner  Schiefer,  wie  schon  von  den 
älteren  Aufnahmsgeologen  bemerkt  wurde.  Auf  der  älteren  Manuskript- 


[17]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  221 

karte  der  Reichsanstalt  ist  hier  am  linken  Talgehänge  ein  keilartig  in 
die  Phyllite  einspringendes  Feld  von  Schiefergneis  eingetragen  und  diese 
Einzeichnung  hat  auch  Blaas  zu  weiterer  Untersuchung  dieser  eigen- 
artigen Gesteinsverbreitung  und  zur  Aufstellung  seiner  Pitztaler  Ueber- 
schiebung-.  veranlaßt:  er  erklärt  den  Gneiskeil  bei  Steinhof  als  einen 
von  der  Erosion  verschonten,  auf  das  linke  Talgehänge  übergreifenden 
Rest  der  auf  die  Phyllite  übergeschobenen  Oetztalergneise. 

Die  genaue  Aufnahme  und  Verfolgung  der  Gesteinszüge  ergab 
folgende  Schichtfolge: 

Im  Norden  wird  der  Bereich  auf  seine  ganze  Erstreckung  hin 
von  mylonitischen  Gesteinen  und  von  Quarziten  begrenzt. 

Letztere  sind  feinkörnig  bis  dicht,  grau  gefärbt,  mit  wechselndem 
Gehalt  an  Glimmer,  erstere  zeigen  alle  Uebergänge  von  diaphtoritischen, 
schwärzlichen  Phylliten  bis  zu  dichten,  massigen,  ebenso  dunkel  ge- 
färbten Myloniten ;  letztere  durchsetzen  auch  in  Adern  und  Flasern 
die  phyllitischen  Formen  und  dürften  weniger  ajis  Phylliten,  sondern 
aus  den  Quarziten  und  den  noch  weiter  zu  beschreibenden  gneisigen 
Gesteinen  hervorgegangen  sein.  Ferner  erscheinen  in  ihrer  Gesellschaft 
mehrfach  Amphibolite  in  wenig  ausgedehnten,  geringmächtigen  Lagern. 
Sie  sind  feinkörnig,  sehr  hornblendereich,  dunkelgrün  bis  schwärzlich, 
so  daß  sie  manchmal  schon  den  Myloniten  ähnlich  werden.  Amphibolite 
stehen  an:  in  den  Felsen  ober  dem  Bad  Steinhof,  in  den  Wiesen 
nördlich  Hochasten,  an  der  Südseite  des  Gschwentkammes,  bei  Blons, 
wo  sie  zum  neuen  Straßenbau  in  einem  kleinen  Steinbruch  gebrochen 
wurden. 

Die  Mylonite  sind  gut  aufgeschlossen  bei  der  Blonserbrücke  zu 
sehen  sowie  in  den  Steilhängen  oberhalb  Steinhof,  sind  aber  auch  sonst 
hin  und  hin  wieder  anzutreffen. 

Die  kristallinen  Schiefer,  welche  südlich  dieses  Randes  nun  bis 
Brenn wald  hin  das  Gehänge  einnehmen,  unterscheiden  sich  schon 
bei  übersichtlicher  Beschau  durch  ihre  rotbraune  Verwitterungsfarbe 
von  den  stahlgrau  oder  silberglänzend  anwitternden  Phylliten.  Bei 
näherem  Zusehen  ergibt  sich,  daß  die  rotbraune  Farbe  vor  allem  be- 
dingt wird  durch  den  reichlichen  Gehalt  an  Biotit.  Die  mikroskopische 
Untersuchung  zeigt,  daß  die  meisten  dieser  Schiefer  ausschließlich 
Biotit  als  Glimmer  führen,  der  in  großen,  unregelmäßig  ausgebildeten 
Schuppen  in  Menge  das  Gestein  durchsetzt,  ohne  sich  aber  zu  jenen 
dicken  Flasern  zu  sammeln  wie  die  Glimmer  in  den  Phylliten. 

Während  die  Schieferungsflächen  dicht  mit  Biotitschuppen  be- 
setzt sind,  erblickt  man  im  Querbruch  eine  reichliche  Menge  von 
feinkörnigem  Quarzfeldspataggregat. 

U.  d.  M.  ergibt  sich,  daß  der  Gehalt  an  Feldspat  ein  sehr  reich- 
licher ist,  in  manchen  Proben  stark  überwiegend  gegenüber  dem  Quarz. 
Es  ist  ein  albitreicher  Plagioklas,  der  nur  ziemlich  selten  die  feine 
Zwillingslamellierung  sehen  läßt.  Quarz,  Feldspat  und  Biotit  sind  im 
allgemeinen  gleichmäßig  miteinander  gemischt  und  von  ähnlicher  Korn- 
größe, manchmal  sammelt  sich  der  Quarz  zu  Flasern  und  ebenso  der 
Feldspat,  ohne  daß  aber  eine  eigentliche  Lagenstruktur  oder  Bänderung 
zuwege  käme.  Die  Parallelordnung  der  Biotite  ist  eine  ganz  unvoll- 
kommene. Titaneisen  ist  teils  in  Körnern  eingesprengt,  teils  in  feine? 


222  Wilhelm  Hammer.  [Igl 

Partikeln  verstäubt.  Im  ganzen  erhält  man  nach  Struktur  und  Zu- 
sammensetzung ein  Bild,  das  gut  mit  dem  der  Pitztaler  Schiefergneise 
der  gegenüberliegenden  Bergkämme  übereinstimmt. 

Bei  der  Zuordnung  dieser  Gneise  hat  man  hauptsächlich  zwischen 
zwei  Möglichkeiten  zu  wählen :  entweder  stellt  man  sie  zu  den  Oetz- 
taler  Schiefergneisen  oder  man  nimmt  an,  daß  es  nur  gneisige  Ab- 
arten des  Phyllits  sind,  wie  solche  oben  an  mehreren  Stellen  beschrieben 
wurden.  Unterscheidend  gegenüber  letzteren  ist  vor  allem  der  starke, 
ja  ausschließliche  Biotitgehalt,  der  auch  makroskopisch  bestimmend 
im  Bilde  wirkt,  während  im  Phyllit  stets  der  Muskovit  herrscht  und 
nur  als  Nebengemengteil  in  selteneren  Fällen  auch  Biotit  sich  bei- 
gesellt. Auch  der  Feldspatgehalt  ist  bei  dem  typischen  Steinhofer 
Schiefer  beträchtlich  höher;  die  Plagioklase  sind  hier  stärker  in  Um- 
wandlung begriffen  und  meist  ohne  Albitlamellierung,  als  die  frischen, 
lebhaft  verzwillingten  Albitkörner  der  Phyllite,  welche  auch  in  selb- 
ständigeren Körnern  geformt  sind. 

Nach  der  Menge  und  Ausbildung  der  Plagioklase  sind  näher 
verwandt  die  Gneisphyllite  von  Pill  er,  in  denen  aber  auch  der  Mus- 
kovit der  herrschende  Glimmer  ist. 

Nach  der  makro-  und  mikroskopischen  Gesteinsuntersuchung 
wird  man  doch  am  ehesten  diese  Gesteine  zu  den  Oetztaler  Gneisen 
stellen  können  und  die  gegenüber  letzteren  im  allgemeinen  doch  ge- 
ringere Kristallinität  auf  die  dynamischen  Einflüsse  zurückführen,  denen 
die  Gesteine  in  dieser  schmalen,  von  einer  starken  Zermalmungszone 
begleiteten  Schuppe  unterworfen  wurden. 

Stets  besitzen  die  Steinhofer  Gneise  kataklastische  Struktur, 
die  sich  bis  zu  beträchtlicher  Intensität  steigern  kann,  wie  ja  auch 
im  Gelände  überall  wieder  mylonitische  Umwandlungen,  Quetschzonen, 
von  Diaphtorese  oft  begleitet,  an  ihnen  zu  sehen  ist.  Der  Quarz  be- 
sitzt im  Dünnschliff  undulöse  Auslöschung,  ist  bei  stärker  deformierten 
Formen  zackig  ineinandergedrückt  und  mit  Mörtelkränzen  umgeben 
oder  ganz  in  kleinkörnige  Aggregate  zerdrückt.  Die  anderen  Bestand- 
teile wurden  weniger  betroffen. 

Manche  Lagen  sind  sehr  quarzreich  und  leiten  zu  Biotit-Quarziten 
über,  die  mehrfach  wiederkehren. 

Die  ausgesprochen  gneisigen  Typen  trifft  man  hauptsächlich  an 
den  Hängen  südlich  Steinhof,  bei  Langenau,  und  an  der  neuen  Straße 
südlich  von  ßlons. 

Gegen  Brennwald  hin  mischen  sich  öfter  makroskopisch  phyl- 
litisch  erscheinende  Lagen  ein.  In  dem  kleinen  Graben  nördlich  von 
Brennwald  stehen  deutliche  Granatphyllite  an.  Südlich  davon  kehren 
aber,  an  der  neuen  Straße,  wieder  die  Biotitschiefer  hervor,  die  zwar 
auch  noch  recht  phyliitiscji  erscheinen,  aber  Lagen  enthalten,  die  im 
Dünnschliff  den  gleichen  deutlich  gneisigen  Charakter  haben  wie  jene 
bei  Blons.  Bei  Brennwald  selbst  setzt  dann  deutlich  Phyllit  ein  ohne 
oder  mit  nur  wenig  Biotit  und  damit  beginnt  wieder  eine  geschlossene 
Zone  von  Phylliten,  die  sich  südlich  bis  über  Wenns  hinaus  fortsetzt. 

Unklarer  ist  die  Abgrenzung  in  den  höheren  Talgehängen.  Man 
trifft  an  den  obersten  Hängen  des  Gschwentkammes  unterhalb  der 
Quarzit-Mylonitfelsen  noch  biotithältige  Schiefer  ähnlich  den  Steinhof- 


[19] 


Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol). 


223 


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226  Wilhelm  Hammer.  [22] 

richtungslos  gestellten  Leistchen.  Die  Zwischenräume  erfüllt  ein  Aggre- 
gat aus  Chlorit,  Kalzit,  Titaneisen  mit  Leukoxen  und  Pyrit.  Auch  im 
Plagioklas  hat  sich  Kalzit  schon  ausgeschieden.  Ein  Teil  des  Grinser- 
ganges und  jener  bei  St.  Georgen  besitzen  eine  fluidale  Paralleltextur, 
indem  die  Plagioklasleisten  zwischen  flaserigen  Chloritsträngen  parallel 
eingeordnet  sind,  wobei  aber  immer  einzelne  Plagioklase  noch  quer- 
gestellt bleiben  und  von  den  Chloritsträngen  umflossen  werden.  Keinerlei 
Kataklase  der  Feldspate  deutet  auf  einen  mechanischen  Ursprung  der 
Struktur.  Auch  am  Landeckergang  ist  der  äußerste  Kontaktrand  gegen 
den  Phyllit  parallel  der  Grenzfläche  sehr  ausgeprägt  schieferig-fluidal 
struiert,  wobei  sich  die  hier  einsprenglingsartig  hervortretenden  wenigen 
Plagioklasleisten  nur  teilweise   der  Flaserung  einordnen. 

Die  Randzone  des  Grinserganges  ist  von  bedeutend  geringerer 
Korngröße  (auch  bei  Landeck)  und  ist  porphyrisch  struiert  mit  ophi- 
tischer  Grundmasse.  Die  Menge  des  Plagioklases  ist  beträchtlich  ge- 
ringer als  im  Kerngestein. 

Der  Gang  an  der  Straße  Plans — Tobadill  ist  ebenfalls  porphyrisch 
struiert,  die  gut  idiomorphen  Plagioklaseinsprenglinge  sind  aber  fast 
ganz  durch  eingewanderten  Chlorit  ersetzt,  was  auch  der  Grund  sein 
dürfte,  warum  die  porphyrische  Struktur  makroskopisch  fast  ganz  ver- 
schwindet. Das  Gestein  ist  für  das  freie  Auge  dicht  und  unvollkommen 
flaserig.  U.  d.  M.  sieht  man  eine  heftige  Druckflaserung  —  im  Gegen- 
satz zu  den  anderen  Gängen,  die  sehr  wenig  oder  gar  keine  Kata- 
klase aufweisen.  Einer  der  Schlifl'e  zeigt  außerdem  stark  verquetschte 
Mandelräume  (Mandelsteindiabas),  welche  mit  einer  dünnen  Rinde 
chloritischer  Substanz  ausgekleidet  und  im  Innern  hauptsächlich  von 
Kalzit  erfüllt  sind.  Vergleiche  mit  Schliffen  flaseriger  Diabasmandel- 
steine (Spilite)  aus  den  Bündnerschiefern  des  Oberinntals  (zum  Bei- 
spiel   vom    Vidertal)   zeigen   gute   petrographische  Uebereinstimmung. 

Die  Gänge  im  Phyllit  können  nach  ihrer  Struktur  und  Zusammen- 
setzung als  Diabas  bezeichnet  werden  unter  der  Annahme,  daß  der 
Pyroxen  völlig  durch  jene  Kalzit -Chloritgemenge  ersetzt  worden  ist. 
Sie  stimmen  in  ihren  typischen  Vertretern  gut  mit  jenen  Diabasgängen 
überein,  welche  den  Rand  der  Oetztalergneise  gegen  die 
Bündnerschiefer  durchsetzen  i)  einerseits  in  der  Struktur,  anderseits 
in  dem  besonders  hohen  Plagioklasgehalt.  Der  Erhaltungszustand  der 
Pyroxene  ist  bei  den  Oetztalergängen  besser. 

Gänge  im  Glimmerschiefer.  In  den  Granat-  und  Staurolith- 
glimmerschiefern  auf  den  Kämmen  und  der  Südabdachung  des 
Rifflerstockes  treten  Gänge  auf:  am  Lattejoch  und  östlich  desselben, 
an  den  Felshängen  gegenüber  der  Edmund-Grafhütte  (Fuß  des  Weiß- 
kogelkammes),  auf  der  Blankaspitze  (nordwestlich  nahe  dem  Gipfel), 
auf  dem  Rifflerkopf  ober  Kappl  und  am  Weg  von  Kappl  nach  Ober- 
mühlen. Sie  sind  ebenfalls  feinkörnig  bis  dicht  und  massig  struiert, 
ihre  Farbe  ist   etwas  heller   und   mehr   graulich   als  bei  den  Phyllit- 


')  W.  Hammer,  Ueber  einige  Erzvorkommen  im  Umkreis  der  J3ündner- 
schiefer  des  Oberinntals.  Zeitschr.  d.  Ferdinandeums,  III.  Folge,  59.  Heft,,  Inns- 
Ijruck  1915,  S.  67. 


[23J  Die  rhyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  227 

gängeii.  Jener  bei  Obermühlen  ist  grobkörnig  und  deshalb  fein  weiß- 
grüngrau   gesprenkelt,  jener  östlich  des  Lattejochs  ist  ähnlich. 

Soweit  die  Lagerungsverhältnisse  sichtbar  sind,  scheinen  es  durch- 
wegs Lagergäuge  zu  sein,  nur  jener  am  Nordwestgrat  der  Blaukaspitze 
erweckt  eher  den  Eindruck  eines  durchbrechenden  Ganges. 

Ihr  Erhaltungszustand  ist  eher  noch  schlechter  als  bei  den 
Gängen  im  Phyllit,  Am  frischesten  ist  der  Gang  bei  Obermühlen. 

U.  d.  M.  erscheint  die  Struktur  panidiomorph  körnig  und  stets 
richtungslos  mit  einziger  Ausnahme  des  Ganges  am  Rifflerkopf,  der 
eine  schwache  Paralleltextur  besitzt.  Kurze  Leistchen  von  Plagioklas 
(Oligoklas)  bilden  den  einen  Hauptbestandteil  wie  in  den  Phyllitgängen, 
daneben  ist  hier  aber  auch  der  femische  Bestandteil  in  idiomorpher 
Ausbildung  und  in  bedeutender  Menge  vorhanden  in  Gestalt  von  grüner 
Hornblende.  Der  Plagioklas  sammelt  sich  gern  in  kleinen  Gruppen, 
deren  Leistchjen  dann  miteinander  verwachsen.  Sie  besitzen  oft  ein- 
fachen zonaren  Bau.  In  seiner  Gesellschaft  findet  sich  dann  Quarz  in 
geringer  Menge  in  rundlichen  Körnern.  Die  Hornblende  besitzt  kräf- 
tigen Pleochroismus  von  dunkelgrün  II  c  zu  hellgelblich  1  c,  ist  lang- 
prismatisch geformt,  ohne  Endflächen  und  geht  oft  randlich  in  schil- 
fige Art  mit  blasserer  Färbung  über.  Häufig  beobachtet  man  Zwillings- 
bildung. Alle  Gänge  enthalten  reichlich  Ilmenit  mit  Leukoxenrand. 
Sekundäre  Bestandteile  sind  Chlorit,  Epidot,  Zoisit,  welche  die  Zwischen- 
räume zwischen  den  idiomorphen  Gemengteilen  erfüllen  nach  Art  der 
Pyroxene,  beziehungsweise  deren  Umsatzminerale  in  den  Diabasen.  Bei 
stärkerer  Umwandlung  des  Gesteins  sind  dann  auch  die  Plagioklase 
davon  erfüllt.  In  dem  Gestein  von  Obermühlen  ist  Sillimanit  in  feinen 
gegliederten  Nadeln  und  Büscheln  allerfeinster  solcher  enthalten.  In 
den  anderen  ist  gleichlaufend  mit  dem  sinkenden  oder  fehlenden  Quarz- 
gehalt auch  nur  sehr  wenig  oder  kein  Sillimanit.  Der  Hornblende- 
gehalt ist  in  den  quarzarmen  größer. 

Diese  Gänge  weichen  durch  den  Gehalt  an  Hornblende  und 
deren  Ausbildung  bei  sonst  großer  struktureller  Aehnlichkeit  von  den 
Diabasen  ab,  nähern  sich  mehr  den  lamprophyrischen  Ganggesteijien  und 
könnten  hier  den  Spessartiten  zugeordnet  werden.  Bückings^) 
Hornblende  •  Camptonite  im  Spessart  sowie  der  von  Andre ae'^)  be- 
schriebene Hornblende-Kersantit  von  Albersweiler  sind  den  Paznauner- 
gängen  der  Beschreibung  nach  sehr  ähnlich,  besonders  letzterer. 

Von  den  Gängen  am  Öetztalergneisrand  sind  manche  durch  die 
Idiomorphie  der  langprismatischen  Pyroxene  strukturell  sehr  ähnlich, 
so  daß  man  bei  einer  Umwandlung  des  Pyroxens  in  Hornblende  über- 
einstimmende Gesteinsformen  erhalten  würde.  Die  Hornblende  der 
Paznauner  Gänge  deutet  durch  ihre  Tracht,  besonders  durch  die 
randliche  Fortwachsung  in  blasserer  Hornblende,  eher  auf  sekundäre 
Entstehung.  Die  echten  Spessartite  aus  dem  Spessart  führen  braune 
Hornblende  in  kurzprismatischen  Kriställchen,  außerdem  oft  Olivin, 
beziehungsweise  pilitische  Umwandlungsprodukte  desselben,  was  den 
Paznauner  Gesteinen  völlig  fehlt. 


^)  Bückin g,  Abhandl.  d.  preuß.  geol.  Landesanstalt.  N.  F.,  Nr.  12,  Berlin  1893. 
2)  Andreae,  Zeitschr.  d,  Deutschen  geol.  Gesell.  XLIV.  Bd.,  1892,  S.  824. 

29* 


228 


Wilhelm  Hammer. 


[24] 


Herr  Chemiker  Dr.  0.  Hackl  hatte  die  Freundlichkeit,  zwei 
Proben  der  Ganggesteine  chemisch  zu  analysieren ;  sie  sind  im  nach- 
folgenden unter  I  und  II  aufgeführt.  Zum  Vergleich  wurde  unter  III 
die  von  demselben  Chemiker  früher  durchgeführte  Analyse  eines 
Diabasganges  aus  dem  Oetztaler  Gneisrand  danebengestellt.  Sie  ist 
in  der  oben  zitierten  Arbeit  in  der  Ferdinand eumszeitschrift  1915 
zuerst  abgedruckt  worden. 

I.  Gang  bei  Hinterstrengen,  am  Fließer  Sonnenberg. 
II.  Gang  am  Weg  von  Kappl  (Kirche)  nach  Obermühlen. 
III.  Gang  am  Mathankopf  ober  Fendels. 


Gewichtsprozente 


wasserfreie 
Molekularprozentc 


n 


III 


Uli) 


TiO^ 

Fe.,  (l 

FeO  ' 

CaO 

MgO 

K,0 

Na^O 

H^O  (Gesamt) 
CO.,   . 


54-97 
3  30 

15-59 
2-14 
821 
309 
313 
033 
537 
0-43 
3  10 
0-48 


100  14 


57-53 

3  00 

1531 

1-78 
694 
5-68 
2  66 
0  91 
407 
046 
1-80 
052 


52-58 

(nicht  bestimmt) 

20-20 
3-83 
5  01 
6-73 
3-81 
1-24 
3-88 

(nlciit  bestimmt) 
3-12 

0  17 


64  8 

10-3 

95 

37 
5-3 
0-3 
59 
0-2 


660 
9-9 

7-9 

6-7 
4-4 
0-6 
43 
0-2 


100-66 


10057 


lUO-0 


1000 


59-1 

13-4 

7-9 

8-1 
6-4 
0-9 
4-2 


100-0 


Gruppen-  und  Projektionswerte  nach  Osann. 


1     I 

II 

III 

s 

64-8 

66-0 

59  1 

A 

6-2 

49 

5-1 

C 

37 

5-0 

8-1 

F 

14-8 

14-0 

14-3 

a  . 

5-0 

4-1 

3-7 

c 

30 

4-2 

5-9 

f  . 

12  0 

11-7 

10-4 

n 

9  5 

8-8 

8-2 

>ii 

100 

8-7 

100 

k  . 

1-09 

1  23 

096 

•mel 

n 

I: 
II 
III 


•''■65      ^'5 


•66 
•"59 


,/iü 


')  Bei  der  ersten  VeröfFentlichung  dieser  Analyse  (1915)  ist  bei  der  Um- 
rechnung in  Molekularproportionen  bei  Al^  0^  ein  kleiner  Rechenfehler  untcr- 
hiufen,  der  hier  richtiggestellt  ist.  Die  Umänderung  bezieht  sich  auf  die  Dezi- 
malen von  SiO.^,  Al^O.^,  CaO  und  Nn^O  und  äußert  sich  auch  in  den  Osann  sehen 
Werten. 


[25]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  229 

lieber  die  verwendeten  Analysen -Verfahren  teilte  mir  Herr 
Dr.  0.  Ha  cid  folgendes  mit: 

„Der  Aufschluß  erfolgte  mit  Soda.  Die  Kieselsäure  wurde  durch 
zweimaliges  Eindampfen  abgeschieden  und  durch  Abdampfen  mit 
Flußsäure  und  Schwefelsäure  wurden  die  Verunreinigungen  bestimmt. 
Aluminiumoxyd,  Eisenoxyd  etc.  wurde  durch  doppelte  Fällung  mit 
Ammoniak  unter  Zusatz  von  Filterbrei  abgeschieden  und  die  noch 
im  Filtrat  befindliche  Spur  durch  Konzentration  mit  Ammoniak  in 
der  Platinschale  gewonnen.  Das  Gesamt-Eisen  wurde  in  den  vereinigten 
gewogenen  Niederschlägen  nach  dem  Aufschluß  mit  Pyrosulfat  und 
Reduktion  durch  Schwefelwasserstoff  mit  Permanganat  titriert,  darauf 
Titan  kolorimetrisch  ermittelt.  Im  Filtrat  wurde  Kalzium  und  Mag- 
nesium nach  Richards  getrennt.  Eisenoxydul  wurde  nach  dem  Ver- 
fahren von  Washington  bestimmt  und  die  Ermittlung  der  Alkalien 
erfolgte  nach  der  Methode  von  L.  Smith,  ihre  Trennung  mittels 
Platinchlorwasserstoffsäure.  Die  Phosphorsäure  wurde  nach  dem  Auf- 
schluß mit  Flußsäure  und  Salpetersäure  nach  Woy  gefällt  und  als 
Phosphormolybdänsäure-Anhydrid  gewogen.  Die  Menge  des  Gesamt- 
Wassers  und  der  Kohlensäure  wurde  durch  Glühen  mit  Bleioxyd  im 
offenen  Rohr  und  Absorption  bestimmt." 

Die  vom  Chemiker  gefundenen  Gewichtsprozente  wurden  ^ann 
auf  wasserfreie  Molekularprozente  umgerechnet  und  daraus  zum 
besseren  Vergleich  mit  anderen  Analysen  nach  der  Methode  von 
Osann  Gruppen-  und  Projektionswerte  abgeleitet  (2.  Tabelle). 

Der  Vergleich  der  Analysen  zeigt,  daß  der  Gang  von  Hinter- 
strengen, welcher  als  Typus  der  Gänge  im  Phyllit  von  Landeck  ge- 
wählt wurde,  und  jener  in  Kappl  in  ihrem  Chemismus  miteinander 
weitgehend  übereinstimmen  und  ebenso  auch  dem  Gang  am  Mathan- 
kopf  als  Vertreter  jener  im  Oetztaler  Gneis  nahestehen,  so  daß  eine 
Abtrennung  in  verschiedene  Ganggesteinsgruppen  chemisch  nicht  be- 
gründet ist. 

Es  gilt  für  die  beiden  neu  analysierten  Gesteine  dasselbe,  was 
für  den  Mathankopfgang  a.  a.  0.  ausgeführt  wurde:  Unter  den  von 
Osann  aufgestellten  Typen  sind  am  nächsten  einerseits  die  Pyroxen- 
andesite,  Labrador-  und  Augitporphyrite,  Typus  Buffallo  Peak  (.«gg 
«3  5  Ca  fi2-5),  und  St.  Egidi  {sq^  ag.g  C5.5  /u)  und  der  Basalttypus 
Cascade  Range  (sga  «3.5  C3.5  /n),  anderseits  die  Dioritporphyrittypen 
Lienz  (s^q  a^  C5.5  /10.5)  und  Schaubachhütte  {s^^  a^  Cg.g  /11.5);  in 
der  Dreiecksprojektion  übergreifen  sich  die  Verbreitungsfelder  der 
Diabase  (Augitandesite  etc.)  und  der  Dioritporphyrite  in  diesen  mitt- 
leren Typen  und  in  diesem  gemeinsamen  Feld  liegt  auch  die  Pro- 
jektion obiger  Tiroler  Gänge.  Die  Struktur  der  hier  behandelten 
Gänge  und  ihre  mineralische  Zusammensetzung  veranlassen,  sie  zu 
ersteren  zu  stellen. 

Fast  vollständig  gleich  ist  der  Mittelwert  der  Diabasgänge  in 
der  Elferspitzgruppe  (Reschenscheideck):  ^o  «4  ^4  /i2i  während  die 
betreffenden  Gesteine  des  Unterengadins  nach  der  Zusammenstellung 
von  Grubenmann,  wie  schon  a.  a.  0.  erwähnt,  stärker  davon  ab- 
weichen, entsprechend  ihrem  höheren  Gehalt  an  dunklen  Gemengteilen. 


230  Wilhelm  Hammer.  [26] 

Die  oben  nach  dem  mikroskopischen  Befund  aufgestellte  Ver- 
mutung, daß  der  Gang  von  Kappl  eher  zu  den  Spessartiten  gerechnet 
werden  müßte,  bestätigt  sich  in  der  Analyse  nicht. 

Die  von  Osann  aufgestellte  Typenformel  für  Spessartit  ist 
wesentlich  verschieden:  555  ^a  ^1  /is-  I»  ihr  kommt  der  Reichtum 
an  dunklen  Gemengteilen  und  die  höhere  Acidität  der  Feldspate  zum 
Ausdruck  (Gehalt  an  Kalifejdspat,  Quarz).  Allerdings  gründet  sich 
diese  Formel  nur  auf  eine  Analyse,  aber  auch  die  in  Rosenbusch' 
Handbuch  enthaltenen  Spessartitanalysen  weichen  wesentlich  von  jenen 
der  Oberinntaler  Gänge  ab  durch  ihren  weit  höheren  Gehalt  an  Mg  0 
sowie  in  der  Menge  und  dem  gegenseitigen  Verhältnis  der  Alkalien. 
Dagegen  ist  unter  den  von  Osann  im  III.  Teil  seiner  „Beiträge  zur 
chemischen  Petrographie"  mitgeteilten  Analysen  ein  Spessartit  von 
Belknap  Mts.,  U.  S.  A.  aufgeführt,  der  nach  Menge  und  Verhältnis 
seiner  chemischen  Bestandteile  ziemlich  gut  übereinstimmen  würde 
mit  dem  Gang  von  Kappl,  der  aber  gegenüber  den  typischen  Spessar- 
titen eben  eine  Ausnahme  zu  bilden  scheint.  Wenn  man  alle  die  bei 
Osann  aufgeführten  Spessartite  zusammennimmt,  wäre  diese  Gesteins- 
art chemisch  noch  sehr  unscharf  umgrenzt. 

Aus  dem  Zusammenhalt  von  Analysen  und  Dünnschliifbefund 
ergibt  sich  also,  daß  alle  die  Gänge  im  Phyllit-,  Oetztaler-  und  Sil- 
vrettagneis  zu  einer  Gruppe  diabasisch  er  Ganggesteine  gehören. 

6.  Verrucano. 

Der  Phyllit  wird  transgressiv  überlagert  von  klastischen  Sedi- 
menten verschiedener  Art,  welche  der  in  Westtirol  als  Verrucano  be- 
zeichneten Formation  angehören;  ihr  Alter  wird  nur  dadurch  bestimmt, 
daß  sie  jünger  ist  als  das  Gneis-  und  Phyllitsystem  und  deren  jung- 
paläozoische Faltungsphase  und  älter  als  der  I3untsandstein,  welcher 
sie  überlagert.  Die  Abgrenzung  des  Verrucano  vom  Buntsandstein  ist 
aber  keine  scharfe  und  im  einzelnen  oft  schwer  zu  entscheiden  in- 
folge Aehnlichkeit  gewisser  beiden  gemeinsamer  klastischer  Bildungeii. 

In  der  Phyllitzone  von  Landeck  ist  er  einerseits  an  ihrem  Nord- 
rande in  ausgedehnten  und  stellenweise  sehr  mächtigen  Ablagerungen 
erhalten  und  anderseits  in  bedeutend  bescheideneren  Resten  im  Innern 
und  am  Südrand  der  Zone. 

Da  alle  Verrucanozüge  im  Bereich  mehr  oder  weniger  starker 
Bewegungshorizonte  ■  des  Gebirgsbaues  liegen,  so  kann  nirgends  ver- 
läßlich von  einem  vollständigen  Normalprofil  gesprochen  werden.  Sicher 
wirken  außer  den  tektonischen  Störungen  auch  primäre  Schwankungen 
der  Ablagerungen,  wie  sie  bei  einer  aus  grobklastischen  und  feinschiefe- 
rigen  Absatzgesteinen  gebildeten  Schichtfolge  in  der  Natur  der  Bildung 
begründet  sind,  mit,  um  die  Reihenfolge  der  Gesteine  in  den  ver- 
schiedenen Profilen  wechselvoller  zu  gestalten. 

Am  reichhaltigsten  sind  die  Profile  des  Nordrandes  zwischen 
Flirsch  und  Grins. 

Im  Schneckenbachgraben  und  Rammlestobel  erscheint  an  der 
Grenze  gegen  den  Phyllit  ein  Quarzfels,  weiß,  dickbankig,  dicht,  mit 
einzelnen    Kristalldrusen,    übergehend   in  Quarzite    mit  etwas  Serizit. 


[27] 


Die  Phyllitzone  von  Lattdeck  (Tirol). 


231 


Weiter  nördlich  im  Kohlwald  und  bei  Tanugg  kommt  ein  zweiter  Zug 
solchen  Quarzfelses.  Beiderseits  des  Malfontals  ist  er  ebenfalls  stark  ent- 
wickelt; daneben  besonders  mächtig  weiße  und  hellrötliche,  sehr  harte 
massige  Quarz ite,  welche  beim  hinteren  Lahngang  größere  gutgerun- 
dete Quarzgerölle  eingeschlossen  enthalten.  Die  Quarzite  begleiten 
sowohl  hier  als  bei  Flirsch  dann  grobe  Quarzkonglomerate  und 
grünliche,  quarzbrockenreiche  Arkosen.  Diese  leiten  über  zu  den 
feineren  klastischen  Gesteinen:  Arkosen,  rötliche  und  grünliche  Quarz- 
sandsteine. Eine  zweite  Gesteinsgruppe  —  mit  Uebergängen  zu  obigen 
—  sind  dann  die  serizi  tisch  e  n  Schiefer  von  violetter,  rötlicher 
und  hellgrüner  Farbe,'  oft   fleckig  in   der  Farbe  wechselnd,   mannig- 


Vig.  5, 
VeiTucanoprofll  im  Schneckenl)acIitobel  bei  Flirsch, 

1  =  quarzitischer  Phyllit.  —  2  —  Phyllit.  —  3  =  Quarzfels  und  Quarzit.  — 
4  =  grünlich  und  violett  gefleckte  Serizitschiefei*.  —  5  =  dunkle  phyllitische 
Schiefer  mit  Quarzgei-öllen.  —  6  =  scliwärzliche  mylonitische  Schiefer.  — 
7  =  grünliche,  sandige,  serizitische  Schiefer.  —  8  =  Phyllit.  —  9  =  quarzitisch- 
gneisige  Art  des  Phyllits.  —  10  =  wie  6.  —  11  =  violette  und  grünliche  sandige 

Schiefer. 


faltige  sandigglimmerige  und  tonige  Schiefer,  schließlich  dunkle,  blau- 
graue oder  schwärzliche  Phyllite,  deren  Zugehörigkeit  oft  fraglich  ist, 
da  zweifellos  auch  Einschuppungen  echter  Phyllite  in  mehreren 
Profilen  vorliegen. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  ergibt,  daß  neben  klastischen 
Sedimenten  auch  solche  eruptiven  Ursprungs  vorkommen.  Im  Kohlwald 
bei  Flirsch  sind  rötliche,  körnig-schiefrige  Gesteine  im  Verrucano  ent- 
halten, an  deren  Querbruch  einsprenglingsartig  hervortretende  Quarz- 
körner, durchschnittlich  von  Hanfkorngröße,  sichtbar  sind:  im  Dünn- 
schliff zeigen  sie  teilweise  noch  die  buchtig  gerundeten  Umrisse  von 
magmatisch  korrodierten  Einsprengungen,  seltener  auch  einzelne  Kristall- 
kanten. Sie  liegen  in  einer  äußerst  feinkörnigen,  schlierig-flaserigen 
Serizitquarzgrundmasse,    im    ganzen    das   Bild    eines    intensiv    druck- 


232  Wilhelm  Hammev.  r28l 

metamorphen  Quarzporphyres.  Auch  ein  Schliff  aus  dem  Schnecken- 
bachtobel  zeigt  ein  ähnliches  porphyritisclies  Gestein. 

Die  Quarzfelse  lösen  sich  im  mikroskopischen  Bilde  in 
Aggregate  von  Quarzkörnern  auf,  welche  die  intensivste  Pressung  in- 
einander verzahnt  und  oft  plattgedrückt  hat.  Alle  Uebergänge  leiten 
über  zu  stark  kataklastischem  Quarzsandstein  und  zeigen,  daß 
hier  ohne  Umkristallisation  die  Sandsteine  durch  eine  mechanische 
Deformation  in  jene  makroskopisch  als  massige  Quarzfelse  und  Quarzite 
erscheinenden  Gesteine  umgebildet  wurden. 

Der  Buntsandstein  besteht  aus  lockerer  gebundenen  roten  und 
weißen  Quarzsandsteinen,  welche  in  manchen  Lagen  unter  dem  Ein- 
fluß der  Verwitterung  zu  Reibsand  zerfallen.  Die  serizitischen  Schiefer 
fehlen,  die  Metamorphose  ist  geringer,  meist  wohl  ganz  fehlend. 

An  der  Nordseite  des  Vennetberges  ist  der  Verrucano  nur 
sehr  lückenhaft  erhalten,  mehrfach  grenzt  der  Phyllit  unmittelbar  an 
Triaskalke  (zum  Beispiel  bei  Rifenal,  Lahnbach),  bei  Grist  liegen 
nur  ein  paar  Meter  weißer  Quarzfels  und  bunte  grobe  Arkosen  zwischen 
Phyllit  und  Triaskalk,  die  gegen  Osten  auch  bald  auskeilen.  Ein  längeres 
Profil  gibt  der  Markbach  (Imsterberg).  Zunächst  am  Phyllit  stehen 
hier  bunte,  grobkörnige  Arkosen  an,  dann  folgen  rote  grobe  Sand- 
steine und  Arkosen  und  schließlich  ein  bräunlicher  Quarzit  und  Quarz- 
fels. Beiderseits  der  unteren  Vennetalm  schieben  sich  Phyllitblätter 
zwischen  Trias  und  dem  Verrucano  ein,  der  aus  rötlichen,  grobkör- 
nigen  quarzreichen  Arkosen   und   gelblichen  Serizitschiefern    besteht. 

Erst  bei  Arzl  in  der  Schlucht  des  Pitztalerbaches  ist  wieder  ein 
relativ  vollständiges  Profil  Triaskalk- Buntsandstein- Verrucano  zu  sehen, 
beide  in  beträchtlicher  Mächtigkeit,  letzterer  hauptsächlich  durch 
grobes  Quarzkonglomerat  vertreten. 

Im  Innern  des  Phyllitbereichs  sind  schmale  Züge  von  Verrucano 
zwischen  Zintlkopf  und  Tobadill  eingeschaltet.  Der  Zug  nördlich  von 
Larch  bei  Plans  besteht  aus  weißem  massigem  Quarzfels  in  Verbindung 
mit  stark  geflaserten  groben  Quarzbreccien.  Der  südliche  Zug  beginnt 
bei  Larch,  übersetzt  die  Sanna  und  die  Bahnstrecke  und  zieht  im  Hang 
zwischen  Tobadill  und  Station  Plans  durch.  In  einem  Stein- 
bruch sieht  man  hier  über  Granatphyllit  ölgrüue  und  violettschwarze 
serizitische  Schiefer  und  darüber  lichtgrüne,  grobkörnige  serizitarme 
Arkosen  mit  vielen  weißen  Quarzgeröllen.  Im  westlichen  Teil  des 
Zuges  —  an  der  Bahnstrecke  und  an  der  Reichsstraße  unter  Larch  — 
zerfasert  er  sich  in  mehrere  ganz  schmale  Lagen  von  rotvioletten 
sehr  feinsandig-glimmerigen  blättrigen  Schiefern,  gelbgrünen  Schiefern 
und  quarzreiche  Lagen  verquetschter  und  verflaserter  Quarzkonglo- 
merate, welche  durch  Phyllitln^en  getrennt  werden  und  mit  diesen 
auf  das  engste  konkordant  verbunden  sind. 

Abweichend  in  der  Gesteinsart  davon  sind  die  Einschaltungen 
in  dem  Phyllit  am  Nordwestkamm  der  Thialspitze  in  ungefähr 
1800  m  Höhe.  Sie  bestehen  aus  dunkelvioletten  bis  schwärzlichen, 
dünntafeligen,  fein-sandigglimmerigen  Schiefern.  Dazwischen  liegen 
dünne  lichtgrüne  Lagen  mit  weißlichen  dolomitischen  Flasern. 
Außerdem  findet  man  (im  Hangenden)  schwärzliche  und  dunkelgrüne 
Schiefer,   auf  deren  Querbruch  viele  kleine  Putzen  von  Limonit  her- 


[29]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  238 

vortreten.  Auch  die  violetten  Schiefer  enthalten  Knötchen  von  sekun- 
därem Eisener/,  wahrscheinlich  auch  Eisenspat.  Dieselben  Schiefer 
mit  Limonit  findet  man  auch  tiefer  unten  im  Waldhang  undeutlich 
aufgeschlossen. 

Der  geringe  Grad  der  Metamorphose,  der  feinklastische  Charakter 
des  Sediments,  das  Fehlen  aller  groben  Quarztrümmergesteine  und 
die  kalkigen  Schmitzen  erwecken  die  Vermutung,  ob  diese  Gesteine 
nicht  eher  dem  Buntsandstein  zugehö^en.  Doch  fehlen  die  typischen 
Sandsteine  desselben. 

Während  die  Verrucanogesteine  am  Nordrand  vielfach  ihre  pri- 
märe klastische  Struktur  noch  sehr  deutlich  erhalten  haben,  sind  die 
Verrucanoschollen  am  Südrand  der  Zone  sehr  stark  verschiefert 
und  verquetscht,  da  sie  im  Ausstreichen  von  Schubflächen  und  in 
breiten  Mylonitzonen  zutage  kommen. 

Am  besten  ist  er  hier  im  Urgtal  zu  sehen,  besonders  an  dem 
linksseitigen  Gehänge.  Es  stehen  hier  die  typischen  fleckig  (lichtgrün, 
blaugrau)  gefärbten  serizitischen  Schiefer  mit  verdrückten  Quarzge- 
röllen  an.  Ueber  den  Kamm  des  Rauchkopfes  und  Thialspitz  hin 
sind  dann  als  eigentliche  Verrucanogesteine  nur  stark  verquetschte, 
grünlich  und  schwärzlichviolette,  auch  stahlgraue  phyllitische  Schiefer 
zu  verfolgen. 

Sie  stehen  am  Rauchkopfkamm  in  engstem  Verband  mit  kal- 
kigen Schiefern.  Es  sind  graue,  flaserige  Kalkschiefer  mit  grünem 
serizitischem  Belag,  graue,  dünnbankige  Kalke  mit  brauner  Anwitte- 
rung,  graue  Kalkschiefer  mit  schwärzlichen,  tonig-glimmerigen  Lagen, 
gelblich  verwitternd ;  grünlichgraue  und  bräunliche,  grobkörnige,  quar- 
zitisch-kalkige  Gesteine,  narbig  -  schieferige  Lagen  und  quarzitisch- 
serizitische,  schwach  kalkhaltige  Schiefer  und  grüne,  serizitische 
Schiefer  mit  gelben  Kalkflaseru.  Beiderseits  wird  die  Folge  von  den 
Verrucanophylliten  umschlossen,  die  sie  linsenförmig  abschließen.  Es 
erscheint   als    der   Rest    einer    kleinen,    zusammengeklappten    Mulde. 

Diese  kalkigen  Schichten  entsprechen  lithologisch  völlig  den 
Schichten  am  Uebergang  vom  Verrucano,  beziehungsweise  Buutsand- 
stein  zum  Muschelkalk  in  der  Sesvennagruppe  (Rimsspitze  u  a  0.)  und 
am  Jaggl  bei  Graun  und  dürften  daher  auch  hier  bereits  der  untersten 
Trias  zuzurechnen  sein. 

Dagegen  sind  am  Tliialspitz  kleine  karbonatische  Einschlüsse 
im  Verrucano,  welche  sicher  diesem  zuzuzählen  sind,  nämlich  eine 
ganz  kleine,  konkordant  vom  Serizitschiefer  umschlossene  Linse  eines 
stark  von  Quarzkuauern  und  Adern  durchsetzten  Eisendolomits  (Netz- 
marmor, entsprechend  dem  herauswitternden  Quarzgeäder).  Das  Vor- 
kommen wiederholt  gewissermaßen  im  kleinsten  Maßstab  die  großen 
Linsen  von  Eisendolomit  im  Verrucano  des  Bündnerschiefergebietes 
auf  der  Komperdell-  und  Masneralm. 

In  der  breiten  Mylonitzone,  welche  ober  der  Flathalm  bis  nach 
Hintergiggl  zieht,  ist  der  Verrucano  in  Gestalt  von  rötlichen  und  grün- 
lichen serizitischen  Schiefern  enthalten,  welche  auf  der  Giggieralm 
außer  Quarzknollen  auch  kalkige  Flasercheu  führen.  Die  Verrucano- 
schiefer  sind  durch  die  gemeinsam  mit  ihren  Nachbarn  erlittene 
heftigste  Druckschieferung  auf  das   engste    mit  letzteren  verschweißt 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  I'JIS.  68.  Bd.,  l.  u.  2.  Htt.  (W.  Hammer.)        30 


234  Wilhelm  Hammer.  ("39"] 

Ebenso  wie  im  Bündnerschiefergebiet  des  Oberinntals  der  Verru- 
cano  der  Sitz  mehrfacher  p]rzaufbrüche  ist,  so  ist  er  auch  in  der 
Pliyllitzone,  besonders  an  deren  Nordrand  vielfach  durch  Metallgehalt 
ausgezeichnet.  Es  wurden  bereits  in  einer  früheren  Schrift  i)  die  alten 
Bergbaue  aufgezählt,  welche  im  Verrucano  des  Stanzertals  bestanden 
haben,  näher  auf  dieselben  einzugehen,  soll  Gegenstand  einer  be- 
sonderen Publikation  werden. 

Im  oberen  Stanzertal  bricht  bei  Gand,  Gemeinde  Nasserein, 
in  den  tiefereu  Teilen  des  Verrucauo  Fahlerz  ein  in  Gängen  von 
Quarz,  Spateisenstein  und  Baryt. 

In  den  Verrucanoquarziten  bei  Stroh  sack,  südlich  Pettneu, 
sind  die  obersten  Bänke  'desselben  —  angrenzend  an  den  steil  dar- 
aufliegenden diaphtoritischen  Phyllit  —  reichlich  mit  Malachitabsatzen 
erfüllt;  Versuchsstollen  darauf  wurden  in  letzter  Zeit  angelegt.  Weitere 
alte  Schurfbaue  befinden  sich  im  Kohlwald  bei  Flirsch  im  roten 
sandigen  Verrucano :  Fahlerz,  Kupferkies  und  Schwefelkies  nebst 
sekundären  Kupferkarbonaten  in  einer  Gangart  von  Quarz  und  Eisen- 
karbonat bildeten  das  Ziel  derselben.  Auf  Kupfererze  wurde  auch 
weiter  östlich  im  Rammlestobel  in  den  Verrucanoquarziten  ge- 
schürft. 

Die  alten,  gänzlich  verfallenen  Schurfbaue  im  Schwarzwald,  süd- 
westlich Landeck,  und  auf  der  Flath-  und  Giggieralm  bewegen  sich 
in  Störuugszoneu,  welche  VeiTucanoschollen  enthalten.  Bei  der  kleinen 
unteren  Verrucanoeinschaltung  am  Nordwestkamm  der  Thialspitze 
sieht  man  den  hangenden  Phyllit  dicht  mit  Kies  imprägniert.  Auch 
am  Thialspitz  selbst  sind  in  der  betreifenden  Zone  Fahlerzanflüge  zu 
bemerken. 

Die  Quarz-Eisenkarbonatadern,  welche  in  den  Bauen  des  Stanzers- 
tals  die  edleren  Erze  mitbringen,  sind  in  der  Verrucanozone  des 
Nordrandes  weit  verbreitet.  Starke  solche  Adern  sieht  man  zum  Bei- 
spiel in  der  Schlucht  des  Markbachs  (Imsterberg),  sowohl  den  Verru- 
cano als  den  angrenzenden  Phyllit  durchsetzen.  Das  gleiche  sieht 
man  an  dem  Verrucano  unterhalb  Tobadill.  Westlich  der  Station  Plans 
sind  ein  alter  und  ein  jüngerer  Schurfbau  angesetzt,  welche  kieshältigen 
derartigen  Quarz-Eisenspatgängen  nachgingen. 

Gleichzeitig  enthalten  aber  vielenorts  die  Verrucanogesteine  auch 
lose  in  lockerer  Verteilung  eingesprengt  Eisenkarbonat  und  Kies  und 
für  gewisse  Schieferzüge  ist  der  Gehalt  an  limonitisierten  derartigen 
Putzen  ganz  charakteristisch.  Ebenso  aber  sind  die  an  den  Verrucano 
angrenzenden  Phyllite  sehr  häufig  durch  einen  aufl'allenden  Gehalt  an 
sekundären  Eisenerzen  ausgezeichnet.  Solche  rostfleckige  Phyllite,  die 
sich  dann  oft  schwer  von  den  mit  gleichem  Gehalt  ausgestatteten 
Verrucanoschiefern  unterscheiden  lassen,  sind  längs  des  ganzen  Nord- 
randes am  Vennetberg  hin  zu  verfolgen,  auch  an  Stellen,  wo  der  Ver- 
rucano jetzt  tektonisch  ausgeschaltet  ist. 

Der  Verrucano  der  Phyllitzone  stimmt  lithologisch  völlig  überein 
mit  jenem  im  Bündnerschiefergebiet  des  Oberinntal  und  weiterhin  auch 


^)  lieber  Erzvorkommen    im   Umkreis  der  Bündnerachiel'er  des  Oberinntals. 
Zeitschr.  d.  Kerdinaudcumh;  in  Innsbruck.   1915. 


[31]  T)ie  PhyllikoTie  von  La.ndeck  (Tirol).  2S5 

mit  jenem  im  oberen  Vintschgau.  Wir  haben  an  ihm  einen  durch 
ganz  VVesttirol  gleichbleibenden  (iesteinshorizont,  dessen  Wechsel  in 
der  Gesteinsart  im  einzelnen  bedingt  ist  durch  die  Beschatt'enheit 
des  transgredierten  Grundgebirges  und  durch  kleine  Schwankungen 
im  Grad  der  Metamorphose,  insbesondere  in  der  Stärke  der  tektoni- 
schen  Beanspruchung. 

Es  ist  in  letzterer  Hinsicht  bemerkenswert,  daß  am  Nordsaum 
der  Phyllitzone  die  Gesteine  des  Verrucano  am  besten  ihre  ur- 
sprüngliche Gesteinsstruktur  und  Znsammensetzung  bewahrt  haben, 
während  im  Innern  der  Zone  sehr  stark  verschieferte  und  ver- 
quetschte Gesteine  herrschend  sind. 


B.  Tektonik. 

Im  ganzen  Bereich  der  Phyllitzone  fallen  die  Schichten  gegen 
Süden  ein  und  streichen  in  der  Richtung  nahe  Ost- West,  mit  ge- 
ringen Schwankungen  gegen  ONO  (Vennetberg)  oder  WNW  (Stanzer- 
tal). Die  Neigung  der  Schichten  ist  fast  durchwegs  eine  steile,  oft  nahe 
an  die  senkrechte  hinreichend.  Eine  Ausnahme  hiervon  machen  die 
höheren,  schon  außerhalb  der  eigentlichen  Phyllite  liegenden  Teile 
des  Riftierstockes  mit  ihrer  teilweise  sehr  flachen  Lagerung,  worauf 
unten  noch  zurückgekommen  werden  wird. 

Auch  der  Rand  der  Silvrettagneise  im  unteren  Paznaun  und 
von  dort  bis  Pontlatz  besitzt  die  gleiche  Lagerung,  so  daß  man  in 
einem  Profil  vom  Kalkalpenrand  bis  über  die  Thialspitzgruppe  immer 
über  konkordant  südfallende  Schichten  hingeht. 

Dabei  ist  die  Reihenfolge  derart,  daß  die  Gneise  das  Hangende 
bilden,  steil  unter  sie  der  Pliyllit  einschießt  und  desgleichen  unter 
den  Phyllit  der  Verrucano.  Auch  der  Buntsandstein,  die  Rauchwacke 
und  die  untersten  Triaskalke  befinden  sich  am  Ivalkalpenrand  größten- 
teils noch  in  gleicher  Stellung  und  bilden  mit  jenen  älteren  Forma- 
tionen zusammen  eine  gewaltige,  steil  überkippte  Schichtfolge. 

1.  Nordrand  der  PhyUitzone. 

Der  Verrucano  steht,  abgesehen  von  begrenzten  örtlichen  Schub- 
bewegungen, im  primären  Ablagerungsverband  mit  dem  Phyllit  als 
transgressive  Bildung.  Die  groben  Quarzablagerungen  entnahmen  ihr 
Material  den  Quarzknauern  der  Phyllite  und  den  zahlreichen  Quar-' 
ziten.  Untrennbar  mit  dem  Verrucano  ist  der  Buntsandstein  ver-' 
knüpft,  oft  eine  Grenze  kaum  sicher  anzugeben ;  beide,  besonders 
aber  letzterer  ist  tektonisch  wenig  deformiert  worden. 

Erst  in  den  Triaskalkmassen  stellen  sich  große  Verschiebungen 
ein,  doch  bilden  vielfach  die  unteren  Teile  derselben  noch  eine  tek- 
tonische  Einheit  mit  Buntsandstein-Verrucano. 

Die  Schichtfolge  Verrucano-Trias  ist  nirgends  auf  längeren 
Strecken  zusammenhängend  erhalten,  sondern  ähnlich  wie  der  Verru- 
cano am  Phvllitrand  in  linsenförmige  Partien  zerteilt  durch  die  Schub- 


236  Wilhelm  Hammer  tS'^] 

flächen.  Die  Hauptbewegungszone  schneidet  am  Südrand  der  lang  hin- 
ziehenden Kreidezone  der  südlichen  Lechtaleralpen  durch  und  je 
nachdem  sie  mehr  oder  weniger  tief  in  die  südlich  angrenzende  Trias- 
zone eingreift,  sind  mehrere  Glieder  der  Schichtfolge  erhalten  oder 
die  meisten  weggeschoben.  Soweit  aber  die  Schichtfolge  erhalten  ist 
—  und  stellenweise  reicht  sie  bis  zum  Hauptdolomit  und  Rhät  — , 
schließt  sich  dieselbe  mit  gleichem  steilem  Südfallen  konkordant  an 
den  Verrucano  und  Buntsandstein  an. 

Die  äußerst  verwickelten  Profile  des  Kalkalpenrandes  hat  0. 
Ampferer  ^)  beschrieben  und  wird  noch  weitere  genauere  Darstellung 
darüber  geben,  worauf  hier  verwiesen  sei. 

Am  Kalkalpenrand  im  Ennstal  besteht,  nach  einem  von  Dr. 
Trauth^)  in  der  Geologischen  Gesellschaft  gehaltenen  Vortrag  ein 
ähnliches  Verhältnis,  insofern  auch  dort  die  Werfener  Schichten  noch 
im  primären  Verband  mit  den  Phylliten  stehen  und  erst  in  und  über 
ihnen  die  Schubflächen  einsetzen. 

Von  Schuppungsflächen  zweiter  Ordnung  wird  auch  der  Verrucano 
im  Inntal  und  Stanzertal  getrofl'en.  Dies  ist  schon  durch  jene  Stellen 
bezeichnet,  wo  die  Phyllite  direkt  an  den  Triaskalk  angrenzen,  wie 
bei  Lahnbach  und  Rifenal  am  Vennetberg.  Es  fehlen  hier  sowohl 
jegliche  Zeichen  einer  Transgression  der  Kalke  direkt  über  Phyllit, 
als  auch  die  stark  gestörte  Lagerung  der  Triasschichten,  sowie  der 
diaphtoritische  Charakter  der  Phyllite  die  Aneinanderlagerung  als 
tektonisches  Produkt  erscheinen  lassen. 

Auf  der  unteren  Vennetalm,  östlich  der  Almhütten,  schiebt  sich 
zwischen  Verrucano  und  Triaskalk  —  wo  bei  Arzl  der  Buntsand- 
stein liegt  —  eine  schmale  Zone  von  Phyllit  ein,  der  seiner  Ge- 
steinsbeschaffenheit nach  nicht  zum  Verrucano  gehört  und  auch  mit 
der  geschlossenen  Phyllitmasse  gegen  Osten  zusammenhängt.  In  der 
Schlucht  westlich  der  Alm  (Schlucht  des  Imsterauerbaches)  liegt  zu- 
nächst am  Triasdolomit  eine  geringmächtige  Schichte  von  Phyllit  (mit 
den  rostigen  Eisenkarbonatnestern,  wie  die  verrucanonahen  Phyllite 
am  Vennetberg  sie  fast  allenthalben  führen),  darüber  lichtgelbliche 
Serizitschiefer  und  gepreßte  Arkosen  des  Verrucano,  dann  nochmals 
Phyllit  gleicher  Art  wie  unten  und  über  diesem  gleichmäßig  bergein- 
fallenden Wechsel  erst  rote  und  weiße  Quarzsandsteine,  Quarzfels 
und  Arkose  von  bedeutender  Mächtigkeit.  Ueberlagernd  folgen  dann 
wieder  eisenschüssige  Phyllite  und  hierauf  die  geschlossene  P'olge  der 
gewöhnlichen  Phyllite. 

Deutlicher  und  in  größeren  Massen  ist  die  Einschiebung  von 
Phyllit  am  Südfuß  der  Passeierspitzgruppe  zu  sehen  im  obersten  Teil 
des  Lattenbachgrabens.  (Profil  Fig.  G.)  Die  große  Masse  der  steil 
südfallenden,  grobklastischen  Verrucanogesteine  wird  gegen  Norden  hin 
von  einem  Zug  stahlgrauer  Phyllite  mit  Quarzknauern  unterlagert  und 
unter  diese  wieder  fallen  die  weißen  und  roten  Quarzsandsteine  (mit 
Rauhwackenlinse)  des  Buntsandsteins  und  auch  noch  die  nächsten  Lagen 
des  Triaskalks  ein.    Der  Phyllitzug  verbreitert  sich  gegen  Osten  und 


M  Ooologischer  Querschnitt  durch  die  Ostalpen.  Jahrb.  d.  Geol.  K.-A.  1911, 
*)  Mif.teil.  d.  Geol.  Gesollsch.  in  Wien  1916.  S.  77 uff. 


[33] 


t)ie  Phvilitzone  von   tionclerk  (Tirol). 


2'37 


hängt  dcrt  mit  dem  Phyllitbereich  von  Grins  zusammen.  Auch  gegen 
Westen  setzt  er  sich  auf  die  Weideböden  der  Dawinalm  hin  fort  und 
taucht  auf  der  schönen  Vorhöhe  von  Tanugg  wieder  zwischen  Ver- 
rucano  und  den  Kalkwänden  auf.  Hier  ist  weiter  südlich  noch  eine 
zweite  Phylliteinschuppung  im  Verrucano.  Im  Schneckenbachgraben 
schiebt  sich  im  unteren  Teil  der  breiten  Verrucanozone  Phyllit  ein 
(siehe  Fig.  5),  desgleichen  bei  Bach  nördlich  Flirsch.  In  diesem 
gut  aufgeschlossenen  Profil  ist  auch  zwischen  Verrucano  und  dem 
Muschelkalk  der  Bergwände  nochmals  Phyllit  eingeschoben. 

Es  ist  also  die  Verrucanozone  von  Schuppuugsflächen  durch- 
schnitten, die  wahrscheinlich  gleichwertig  sind  den  Schubflächen, 
welche  den  Phyllit  durchsetzen,    wie    weiter  unten  beschrieben  wird. 


Fig.  6. 
Verrncanoprofll  über  dem  Lattenbachgraben. 

K  =  lichter  Triaskalk.  —   B  =  weißer  und  roter  feinkörniger  Sandstein.  — 

B  =  gelbe  Rauchwacke.  —  P  =^  stahlgraue  Phyllite   mit  Quarzknauern.  — 

f'i   =  weiße  grobkörnige  Quarzite.  —    V,  =  violette  und  grünliche  Arkosen- 

schiefer  und  pbyllitische  Schiefer.   —   s  ==  Schutt. 

Die  Grenzfläche  Verrucano,  beziehungsweise  Buntsandstein  gegen 
die  Triaskalke  erscheint  entlang  dem  Vennetberg  nahezu  seiger,  wie 
schon  aus  ihrem  geradlinigen  Verlauf  quer  über  Berg  und  Tal  (in 
ONO-Richtung)  ersichtlich  ist.  Auch  am  Fuß  der  Lechtaler-Alpen  ist 
sie  sehr  steil  aufgerichtet,  gleich  wie  die  begleitenden  Schichten 
beiderseits  derselben.  Verschiebungen  quer  zu  ihrem  Verlauf  wurden 
nirgends  beobachtet. 


2.  Rand  der  Oeztalergneise. 

Schon  aus  der  Zeichnung  der  Koch'sehen  Aufnahmskarte  tritt 
das  abnormale  Grenzverhältnis  zwischen  Phyllit  des  Vennet  und  den 
Gneisen  der  Oeztaler-Kämme  hervor,  wenn  auch  lange  nicht  so  auf- 
fällig als  es  in  der  neuaufgenommenen  Karte  in  die  Augen  fallen 
wird,  da  G.  H.  Koch  von  Wenns  an  südwärts    die  Schichtzüge    un- 


238  Wilhelm  Hammel-.  [34] 

unte)  brochen  aus  dem  Pillertal  zum  Leiuerjorh  hinüber  durchstreichen 
läßt,  was  nicht  den  Tatsachen  entspriclit. 

An  der  linken  Talseite  reichen  die  Phyllite  bis  zur  Einmündung 
des  Pillerbaches  in  die  Pitztaler  Ache,  während  das  gegenüberliegende 
rechtsseitige  Talgehänge  bis  Ried  hinaus  ganz  aus  unzweifelhaften 
Oetztaler  Gneisen  aufgebaut  wird.  Das  Streichen  der  Schichten  ist 
beiderseits  des  Tales  wesentlich  das  gleiche. 

Irgendwelche  Zeichen  einer  transgressiven  Anlagerung  fehlen  voll- 
ständig. Der  unmittelbare  Kontakt  ist  zwar  größtenteils  von  Schntt- 
ablagerungen  überdeckt,  die  sichtbaren  Stellen  zeigen  deutlich  die 
rein  tektonische  Aneinanderfügung  beider,  die  ja  schon  aus  der  beider- 
seitigen Lagerung  mit  größter  Wahrscheinlichkeit   sich  erwarten  läßt. 

Im  nördlichsten  Teil,  zwischen  Meierhof  (Roppen)  und  Wald 
bildet  eine  Masse  von  wenig  verschiefertem  Biotitgranitgneis 
den  Nordrand  der  Oetztaler  Gneise.  Die  letzten  Ausläufer  der  Phyllite 
gegen  NO  sind  an  der  Bahnstrecke  gleich  oberhalb  der  Station 
Roppen,  durch  Glazial  weit  getrennt  vom  Gneis.  In  den  Gräben  west- 
lich ober  dem  Weiler  Waldele  sind  beide  im  Kontakt  miteinander 
aufgeschlossen. 

Der  Phyllit  ist  auf  eine  breite  Zone  vom  Rande  hochgradig 
diaphtoritisch  und  raylonitisch,  von  Rutschflächen  durchzogen.  Einge- 
lagert enthält  er  einen  schmalen  Streifen  Albitchloritschiefer  und 
graphitische  Lagen.  Er  fällt  steil  unter  den  Biotitgranit  ein,  welcher 
an  seiner  Unterkante  aufs  höchste  verschiefert  und  verarbeitet  ist, 
so  daß  fast  nur  die  dickeren  Feldspat flasern  seine  Herkunft  erraten 
lassen.  Nach  oben  geht  er  dann  rasch  in  einen  massigen  oder  dick- 
bankigen,  immer  noch  mylonitischen  Biotitgranit  über. 

Ganz  ein  ähnliches  Bild  bietet  die  Schlucht  des  Walder- 
b  ach  es  bei  Hohen  eck.  (Fig.  7.)  Vom  Phyllit  ist  hier  weniger  zu 
sehen,  da  er  gleich  unter  der  Schotterdecke  verschwindet.  Es  ist  ein 
mylonitisch  -  phyllitischer  Schiefer,  der  aus  den  phyllitgneisähnlichen 
Abarten  des  Phyllits  hervorgegangen  sein  dürfte.  Auch  er  fällt  unter 
dem  Granit  ein.  Dieser  ist  ein  grobflaseriger  Biotitgranitgneis,  welcher 
mehrfach  kleine  amphibolitische  Schlieren  enthält.  Nur  nahe  dem 
untersten  Rande  wird  er  mylonitisch-schieferig  und  setzt  dann  mit 
deutlicher  Grenzfläche  gegen  einen  in  eckigen  Stücken  brechenden 
dunklen,  blaugrün  anwitternden  Mylonit  ab,  der  ein  paar  Meter 
mächtig  den  Austritt  der  Schubfläche  bezeichnet  und,  nach  den  darin 
noch  stellenweise  erhaltenen  großen  Feldspaten  zu  schließen,  auch 
durch  Zermahlung  des  Biotitgranits  entstanden  ist. 

Aus  beiden  Aufschlüssen  ist  zweifellos  ersichtlich,  daß  die  Oetz- 
taler Gneise  hier  an  einer  Schubfläche  steil  über  den  Phyllit  hinauf- 
geschoben sind. 

Die  Biotitgranitmasse  reicht  bis  Ried  und  bietet  weiterhin  keine 
Grenzaufschlüsse. 

Im  Gehänge  ober  Ried,  gegen  Krabich  1  hinauf,  schiebt  sich 
über  dem  Biotitgranit  eine  schmale  Zone  von  Phyllit  ((Jranatphyllit 
und  Quarzite)  ein  (siehe  Profil  4  und  Tafel  Xlll),  weiterhin  eine 
mylonitische  Zone,  welche  die  Fortsetzung  der  M^onitzone  bei  Steinhof 
und  Blous  ist  und  hier  in  den  Oetztaler  Gneisrand  einschneidet.    Sie 


[35] 


Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol). 


239 


endet  auf  der  begrünten  glazialen  Felsterrasse  östlich  Krabichl  —  die 
Walder-  Schlucht  jenseits  der  Terrasse  gibt  ein  ununterbrochenes 
Gneisprofil.  Ober  dieser  Einschubzone  setzt  nun  neuerdings  Biotitgranit 
ein,  anfangs  schmal,  dann  rasch  sich  verbreiternd,  und  bildet  die 
mächtige  Felsmasse  über  der  Blonser  Brücke ;  er  ist  zum  Teil  als 
schöner  Augengneis  entwickelt,  zum  Teil  stark  mylonitisch  und  wird 
von  gangartigen  Adern  dichten,  dunklen,  muscheligbrechenden  Mylo- 
nites  durchsetzt.  Kr  reicht,  mit  einer  Unterbrechung  durch  einen 
breiten  Wiesenabhang,  bis  unter  den  Hof  Wiesle  (gegenüber  Brenn- 
wald), wo  er  das  Ufer  des  Pitzenbaches  erreicht:  unter  ihm  —  doch 
ohne  Sichtbarkeit  der  eigentlichen  Grenze  —  liegt  noch  am  rechten 
Ufer  Phyllit. 


v^.^      ._s^r_^     [/^>//y 


■i^A. 


Fig.  7. 
Gneisraud  in  der  Schlucht  des  Walderb.ichs  hol  Hohc-iteck. 

B  =  orrobflaseriger    Biolitgiunit ;    a  =  amphibolitische    Lagen   in    demselben.  — 

m  =  Mylonit.  —   s  =  mylonitisch -phyllitischer  Schiefer.  —  g^  =  Glacialschutt. 

h  =  Schutthalde.  —  sf  ;=  Fußsteig  Hoheneck— Schweighof. 


Der  Verlauf  dieser  Granitgueismasse  schneidet  das  ostwest- 
liche Streichen  des  Phyllits  am  anderen  Ufer  quer  ab.  Die  über 
den  Granit  folgenden  Oetztaler  Gneise  schließen  sich  zunächst  durch 
nordöstliches  Streichen  dem  Verlauf  der  Granitmas^e  an,  auch  der 
ganze  Berghaug  von  Krabichl  gegen  die  Walder  Alm  hinauf  weist 
noch  dieses  Streichen  auf.  Erst  im  Walder  Tal,  auf  der  Höhe  des 
Leiner  Joches  und  gegen  Jerzens  hin  schwenken  die  Gneise  dann  in 
die  normale  OW-  bis  ONO-Richtung  ein. 

Von  Wenns  bis  zur  Pillerbachmündung  trennen  breite  Schutt- 
ablagerungeu  die  beiden  unvermittelt  einander  gegenüberstehenden 
Talhänge  aus  Phyllit,  beziehungsweise  Gneis. 

An  der  Pillerbachmündung  stoßen  sie  wieder  zusammen 
und  bieten  ein  ähnliches  Bild  wie  bei  Wald.  Im  Oetztaler  Grund- 
gebirge setzt  hier  neuerlich  eine  große  Granitgneismasse  ein,  welche 
randlich  mylonitisiert    ist,    und    unter  ihr  liegen  in  der  Schlucht  des 


240 


Wilhelm  Hammer. 


[36] 


Pillerbaehes  die  Phyllite    mit    einem  Lager    von  Hornbleudeschiefer, 
der  dicht  von  glänzenden  Harnischflächen  durchwoben  ist. 

Diese  Grauitgneismasse  besitzt  einen  nord  s  üdlich  en  Ver- 
lauf; mit  entsprechendem  Streichen  fallen  in  der  Pitzenbachschlucht 
unter  Jerzens  die  Schiefergneise  flach  von  ihr  ab,  gehen  aber  ober 
dem  Dorf  sofort  in  ostwestlichem  Streichen  weiter.  Es  kann  als 
Wirkung  der  Vorschiebung  der  Oetztaler  betrachtet  werden,  daß  der 
Granitgneis  derart  quer  hineingestaucht  ist  zwischen  Gneis  und 
Phyllit. 

Ein  schmaler  Öchiefergneis-Amphibolitzug  teilt  die  Granitgneis- 
masse in  zwei  Teile ;   der   schmälere    südliche   setzt   sich  als   Augen- 


^^r*i_ 


Fig.  8. 
Profil  durch  die  Myloiützone  südwestlich  Matzlewald. 

1  ==  diaphtoritische  und  mylonitische  Schiefer.  -  2  =  Phyllit  und  Phyllitgneis. 
3  =  schwarze  bankige  Mylonite,  grauer  Quarzfels  und  schwärzliche  Flaser- 
mylonitechiefer.  —  4  =  Adergneise.  —  5  =  Zweiglimmergneis  mit  quarzitischen 

Lagen. 


gneis  gegen  SW  im  Gehänge  des  Kieleberges  bis  gegen  Karben  hin 
fort  und  ist  besonders  an  diesem  Ende  auch  stark  verarbeitet. 

Von  Matzlewald  gegen  SW  hin  bildet  nicht  mehr  der  Granit- 
gneis die  Grenze  gegen  den  Phyllit,  beziehungsweise  gegen  die 
Phyllitgneise  von  Piller,  sondern  er  wird  zunächst  noch  von  einem 
Zug  von  Schiefergneisen  unterlagert  und  erst  diese  grenzen  an  die 
Phyllitgneise:  Es  zieht  von  dem  Gehöfte  Lach  wiese  südlich  Piller 
bis  ober  Matzlewald  durch  die  Waldhänge  zwischen  1200  und  1400  m 
Höhe  eine  Zone  von  Myloniten  (schwarze  Flasermylonitschiefer, 
dichte  schwarze  Mylonite  u.  a.)  hin,  an  manchen  Stellen  zwei  bis  drei 
Zonen  solcher  übereinander  —  nur  östlich  von  Lach  wiese  ist  auf  eine 
Strecke  hin  nur  ein  Amphibolit  ohne  Mylonit  an  der  Grenze  zu  sehen 
—  und  diese  Mylonitzonen  können  als  Schubrand  der  Oetztaler  be- 
trachtet werden.  (Fig.  8.) 

Die  Schiefer  beiderseits  dieser  Grenzlinie  schmiegen  sich  in 
ihrem  Streichen  dem  Verlaufe  derselben  an    und  gehen    nach  beiden 


[37]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  241 

Seiten  hin  dann  in  das  regionale  ostnordöstliche  Streichen  über.  Die 
Gneise  südlich  sind  deutliche  Oetztaler  Biotitplagioi^iasgneise,  teil- 
weise mit  pegmatitischen  Injektionen,  wahrend  unter  der  Mylonitzoae 
die  muskovitischen  Pillerphyllitgneise  anstehen. 

Von  Lachwiese  weiter  gegen  Harben  vermochte  icii  den 
Verlauf  der  Schubgrenze  auf  ein  längeres  Stück  nicht  festzulegen, 
da  hier  dichte  Waldbedeckung  und  geringe,  nicht  entscheidende  Auf- 
schlüsse es  verhindern.  Man  sieht  zunächst  nur  die  Phyllitgneise  mit 
ONO-Streichen  und  nahezu  saigerer  Stellung,  keinen  Mylonit,  jenseits 
der  großen  Sumpfflächen  auf  der  Höhe  der  oberen  Terrassen  sind 
schon  die  heftig  verquetschten  Oetztaler  Gesteine  (Schiefergneis, 
Augengneis  und  Amphibolit)   anstehend. 

Der  nächste  Anhalt  für  die  Annahme  einer  Störungsfläche  ist 
das  kleine  Vorkommen  von  Dolomit  nordnordöstlich  von  Harben, 
das  ganz  isoliert  auf  der  Ostseite  des  VValdkopfes  nördlich  des 
genannten  Gehöftes  durch  eine  zum  Kalkbrennen  angelegte  Grube 
künstlich  aufgeschlossen  ist.  Es  ist  ein  dunkelgrauer,  splitteriger  Do- 
lomit, der  sehr  wahrscheinlich  zur  Trias  gehört. 

Für  die  Fortsetzung  der  Oetztaler  Randlinie  stehen  von  liier 
zwei  Möglichkeiten  offen :  einerseits  von  Harben  gegen 
Süden,  wo  wenig  mehr  als  1  km  von  Harben  entfernt  der  Trias- 
dolomitkopf (P.  1851^;  ober  Noggls  (Kaunerberg)  als  nördlichster 
Punkt  des  „Engadiner  Fensters"  am  Granitgneis  des  Aifenspitz  ab- 
stoßt, oder  von  Harben  gegen  Westen,  über  die  Phyllit- Triasein- 
schaltung von  Puschlin  zur  Pontlatzenge  und  von  dort  zu  der  Süd- 
randlinie   der  Phyllitzone   im  Silvrettagebiet  im  Urgtal  —  Thialspitze. 

Leider  sind  gerade  in  diesem  wichtigen  Treffpunkte  großer 
Strukturliuien  die  Aufschlüsse  auf  der  vom  Inngletscher  abgeschliffe- 
nen muldigen  Hochfläche  weit  auseinanderliegend  und  ist  viel  mit 
Wiesen  und  Wald  überdeckt. 

Am  Fuße  des  steileren  Berggehänges  der  Aifenspitzgruppe,  süd- 
östlich des  genannten  Dolomitvorkomraens,  setzt  die  große  Augen-  und 
Flasergneismasse  der  Aifenspitzen  ein.  Eine  sumpfige  Weidemulde 
trennt  sie  von  dem  Waldkopf  des  Dolomits.  Oestlich  neben  den 
Häusern  von  Harben  ist  Muskovitgranitgneis  an  der  kleinen  Bach- 
schlucht gut  aufgeschlossen  und  bildet  den  Kopf  P.  1803.  Eine  schmale 
Zone  von  Oetztaler  Schiefergneis  schaltet  sich  hinter  ihm  ein  und  ist 
noch  am  obersten  Wiesenrand,  500  in  südlich  von  Harben,  anstehend 
zu  sehen.  Von  hier  an  fehlen  bis  nahe  an  den  genannten  Dolomitrand 
ober  Noggls  Aufschlüsse  am  Fuße  des  ßerghanges.  Auf  der  Höhe  der 
Aifner  Alm  kann  man  den  Augengneis  als  zusammenhängende  Masse 
bis  ober  P.   1803   verfolgen. 

Es  besitzt  alle  Wahrscheinlichkeit,  daß  der  Granitgneisrand  hier 
von  Harben  am  Fuße  des  Berges  —  nur  unterbrochen  durch  die 
schmale  Schiefergneislage  —  gerade  südwärts  bis  zu  dem  Sattel  am 
Triaskopf  verläuft  und  so  auch  morphologisch  mit  dem  Wechsel  der 
Hangneigung  zusammentrifft,  denn  in  den  nun   tiefer  hinab  folgenden 


')  Siehe    die  Kartenbeilage    (Tafel  XXV)    zu  Hammer:    „Das  Gebiet  der 
Bündner  Schiefer  im  tirolischen  Oberinntal. "  Jahrb.  d.  Geol.  R  A.  1914. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Hft.  (W.Hammer.)   31 


242  Wilhelm  Hammer.  [38] 

Wiesenhängen  ist  kein  Augengneis  mehr  zu  finden.  Der  oberste  Teil 
der  Bergwiesen  bietet  keine  Aufschlüsse ;  in  den  kleinen  abwärts 
führenden  BacbrinÄalen  und  auf  den  Felshöckern  dazwischen  sowie 
am  Wege  Falp'ms — Puschlin  stehen  mehrfach  Schiefergneise  an,  welche 
den  Phyllitgneisen  ähnlich  sind.  Aber  die  im  Streichen  gegen  W  ihre 
Fortsetzung  bildenden  Gneise  im  tieferen  Gehänge  bei  Löchl  und 
Gufer  sind  wieder  biotitreiche  Schiefergneise  von  der  Art  der  Oetz- 
taler-,  beziehungsweise  Silvrettaschiefergneise.  An  dem  kleinen  Hügel 
(P.  15..'9)  ober  Löchl,  auch  daneben  am  Wege  Falpaus — Puschlin  und 
über  demselben,  ferner  an  dem  von  Karben  gegen  SW,  südlich  des 
Erzbaches  verlaufenden  Hügelrücken  stehen  feinkörnig-flaserige,  licht- 
grünlichgraue, quarzitisch-aplitische  Gneise  an,  dickbankig  brechend, 
welche  aplitischen,  stark  deformierten  Lagen  der  Granitgneise,  wie 
sie  am  Gneisrand  auf  dem  Kauner  Berg  vorkommen,  sehr  ähnlich 
sehen.  Die  mikroskopische  Untersuchung  zeigt  ein  feinflaseriges,  ge- 
fälteltes Gestein,  aus  Serizitflasern  und  solchen  von  feinzerdrücktem 
Quarzaggregat  zusammengesetzt,  in  welchem  dort  und  da  noch  große 
Feldspatkörner  in  augenartiger  Form  erhalten  geblieben  sind,  darunter 
auch  Körnchen  von  Mikroklin.  Im  ganzen  also  ein  Bild,  wie  es  sehr 
wohl  durch  die  Mylonitisierung  eines  Granitgneises  entstehen  kann. 
Die  Augengneise  am  Aifenspitzgehänge  sind  nicht  so  stark  deformiert, 
auch  ist  es  unwahrscheinlich,  daß  die  Kilometer-breit  entfaltete  Augen- 
gneismasse  plötzlich  in  ein  paar  schmale  Züge  umsetzt.  Letztere 
entsprechen  viel  eher  einzelnen  kleinen  Lagern  im  Schiefergneis, 
welche  der  allgemein  in  diesen  Schiefern  hier  herrschenden  starken 
Druckeinwirkung  stärker  unterlegen  sind  als  die  Schiefergneise,  wie 
gleiches  auch  anderwärts  beobachtet  wurde.  (Siehe  unten  über  Mylo- 
nite.)  Sie  setzen  sich  von  Harben  nordostwärts  gegen  den  Dolomit  hin 
ein  Stück  weit  bis  auf  die  Wasserscheide  fort.  Gegen  SW  geht  er 
(am  Falpauser  Weg)  in  einen  Biotitquarzitgneis  über,  der  wieder  mit 
glimmerreichem  Schiefergneis  im  Uebergangsverband  steht. 

In  der  Streichungsrichtung  scheint,  soweit  die  weit  auseinander- 
liegenden Meßpunkte  einen  Schluß  erlauben,  eine  Diskordanz  zwischen 
den  Schiefergneisen  und  dem  Granitgneis  zu  bestehen:  letzterer 
streicht  bei  Harben  NNO  in  sehr  steiler  Aufrichtung,  was  einem 
Grenzverlauf  Harben  — Triaskalkkopf  P.  1851  entsprechen  würde,  die 
Schiefergneise  am  Falpauserweg  und  über  demselben  streichen  d^,- 
gegen  ONO  bei  gleichfalls  sehr  steiler  Stellung.  Auch  auf  dem  Rücken 
südwestlich  Harben  und  auf  den  Höhen  nördlich  Harben  herrscht 
ONO-Streichen. 

Der  Gesteinscharakter  der  Schiefergneise  in  dem  Gelände  zwi- 
schen Puschlin,  Pontlatz,  dem  Triaskopf  und  dem  Granitgneisrand  ist 
ein  recht  schwankender,  im  ganzen  stehen  die  Schiefer  aber  doch 
den  Schiefergneisen  näher  als  den  Phyllitgneisen  von  Piller.  Ob  sie 
der  Oetztaler-  oder  Silvrettamasse  zugehören,  beziehungsweise  ob 
beide  hier  zusammenhängen,  läßt  sich  aus  der  Gesteinsart  nicht  ent- 
scheiden, da  die  Schiefergneise  an  den  Ausläufern  der  Silvretta, 
(Sciiönjochlkamm,  Gatschkopfgruppe)  völlig  gleich  sind  jenen  des 
vorderen  Pitz-  und  Kaunertales.  Jedenfalls  stehen  sie  über  Pontlatz- 
schlucht    weg    in    ununterbrochenem  Verband    mit    den  Gneisen  des 


[39] 


Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol). 


243 


Schönjöchl,  am  Oetztaler-Rand  dagegen  endet  die  große  Granit- 
gneismasse der  Aifeuspitzgruppe  plötzlich  in  ungefähr  4  hn  Breite 
mit  nordsüdlichem  Rande  teils  über  den  Bündner-Schiefern,  teils  über 
den  besprochenen  Schiefergneisen  und  bildet  schon  durch  die  Rich- 
tung ihre  Grenze  die  Fortsetzung  der  Pitztdler  Randlinie. 

Es  kann  also  als  sehr  wahrscheinlich  angenommen  werden,  daß 
auch  das  in  Frage  stehende  1  hn  lange  Stück  der  ganzen  Linie 
gleicher  tektonischer  Art  ist  und  der  ganze  Verlauf  von  Roppen  bis 
Kaunerberg  eine  geschlossene  große  Randdislokation  der 
Oetztalergneismasse  darstellt. 

Die  zweite  der  oben  aufgestellten  Möglichkeiten  stützt  sich  auf 
einen  Zug  vonPhyllit,  Verrucano  und  Trias,  welcher  aus  dem 


Aiffmp. 


NNW 


KreuTJodi 


Vennetberg 


Ta  IhrscheiR 


Fig.  9. 
Uebersichtsproflle  durch  die  Phyllitzone  am  Vennetberg. 

h  =  Bündnerschiefer.  —  D  =  Diabasschiefsr.  —  T  =  Triaskalk  und  Dolomit.  — 
V  =  Verrucano.  —  P  =  Phyllit.  —  gp  =  Granatphyllit  —  c  =  Chloritschiefer.  — 
q  =  Quarzitische  Schiefer.  —  f/l  =  Ptiyllitgneis  und  Glimmerschiefer.  —  g  =  Schiefer- 
gneise.   =  a  =  Amphibolit.    —   G  =  Augengneis.  —    M  =  Muskovitgranitgneis. 


Tälchen  Harben-Puschlin  (Erzbach)  an  letzterem  Weiler  vorbei 
gegen  Pontlatz  sich  erstreckt.  Ober  und  unter  Pu  schiin  sind  zwi- 
schen den  Schiefergneisen  unsicherer  Zugehörigkeit  deutliche  Phyllite 
eingeschaltet,  sehr  steil  stehend  wie  alle  Gesteine  in  der  Pontlatz- 
gegend  und  innerhalb  derselben  wieder  lichtgrüne  Serizitschiefer  mit 
Quarzknollen  des  Verrucano.  Im  Verrucano  steckt  unterhalb  Puschlin 
ein  hellgrauer,  brecciöser  Dolomit ;  in  dem  Tälchen  oberhalb  der 
Säge  von  Puschlin  steht  in  den  Wiesen  ein  weißer  Kalk  und 
höher  oben  noch  ein  Rest  von  lichtgrauem  brecciösem  Dolomit  an.  Der 
Verlauf  des  ganzen  Zuges  ist  nordöstlich  gerichtet,  seine  Fortsetzung 
über  Karben  hinaus  träfe  auf  den  Dolomit  NO  von  Karben, 

Die  Talsohle  des  Inntals  wird  nicht  errei-cht,  wohl  aber  trifft 
man  am  gegenüberliegenden  Schluchthaug  wieder  den  Phyllit  und  an 
dem  von  Ladis  zur  Fisseralm  führenden  Weg  in  1500  m  Höhe  nahe 
der  Bergkante    einen   kleinen  Rest  von  Verrucano    und  Triasdolomit. 

31* 


244  Wilhelm  Hammer.  \A0] 

Der  lim  hat  durch  seine  Schlucht  die  beiden  Teile  des  ganzen  Zuges 
auseinandergeschnitten  ^). 

Der  Teil  bei  Puschlin  kann  seiner  Lagerung  und  Schichtvertei- 
lung nach  als  enggepreßte  synkline  P^inlagerung  betrachtet  werden. 
Der  Teil  westlich  des  Inn  geht  gegen  W  in  eine  schmale  Quetsch- 
zone aus,  der  Phyllit  verschwindet  und  von  dem  Verrucano-Triasrest- 
chen  ab  bezeichnen  schwarze  dichte  Mylonite  im  Gneis  die  völlige 
Ausquetschung  aller  andern  Gesteine  und  den  weiteren  Verlauf  gegen 
Westen  als  Schubfläche. 

Der  Puschliner  Zug  besitzt  als  durch  eine  Schubfläche 
verquetschte  Synkline  einen  genetisch  anderen  te k toni- 
sch en  Ch  arakter  als  die  Oetztaler  Randlinie.  Die  Puschliner 
Störung  gehört  den  Schubbewegungen  an,  welche  innerhalb  und  am 
Südrand  der  Phyllit-  und  Glimmerschieferzone  auftreten,  mit  ost- 
westlichem Verlauf,  im  Gegensatz  zu  der  nordnordöstlicheu  Er- 
streckung des  Oetztaler-Randes. 

3.  Der  Nordrand  der  Silvrettagueise. 

Die  Zone  der  eigentlichen  Phyllite  und  jene  der  Glimmerschiefer 
und  Phyllitgneise  sind  durch  keine  scharfe  stratigrafische  oder  tekto- 
nische  Trennungslinie  voneinander  geschieden.  Beide  Gesteinsgruppen 
gehen  allmählich  ineinander  über,  die  Grenzlinie  auf  der  Karte  kann 
nur  schätzungsweise  angenommen  werden  im  Ueberblick  über  größere 
Flächen;  die  später  zu  beschreibenden  Schuppungsflächen  im  Innern 
der  ganz'en  Zone  sind  nicht  an  jene  Grenze  gebunden.  Es  erscheint 
daher  die  Glimmerschiefer-Phyllitgneiszone  als  zur  Phyllitzone  zu- 
gehörig. 

Gegen  die  Gneise  der  Silvretta  aber  ist  die  Glimmerschiefer- 
zone von  Pontlatz  bis  ins  Paznauntal  durch  tektonische  Linien  deut- 
lich abgegrenzt. 

Die  Grenze    beider    beginnt   mit  dem  Puschliner  Zug  im  Osten. 

Die  erwähnten  Mylonite  am  Fisseralmweg  verlieren  sich  weiter 
westwärts  in  dem  dichten,  blockübersäten  Ronseckerwald.  Eine  deut- 
liche Spur  für  die  Fortsetzung  jener  Störungszone  trifft  man  genau 
westlich  davon,  nahe  dem  Mannboden  (in  1500m  Höhe,  südlich 
Urgen):  ein  kleiner  Rest  Verrucano  und  Schollen  von  grauem 
brecciösem  Dolomit  übergehend  in  gelbe  Rauchwacke,  schwarzen 
dünntafeligen  und  rötlichbraunen  Tonschiefern,  NW  streichend  und 
sehr  steil  NO  fallend. 

Weitere  Reste  jüngerer  Schichten  sind  in  Gestalt  von  Verru- 
canoschiefern  in  dem  sehr  aufschlußarmen,  dicht  bewachsenen  Be- 
reich der  Fisseralm  (Schönkampalm)  anzutreffen;  ein  höher  ge- 
legener Streifen  ganz  nahe  unter  den  Almhütten,  zwei  tiefer  unten 
an  den  steilen  Gehängeanrissen  über  dem  Urgenerbach. 

Im  Gehänge    über    diesen  Schollen    bis    hinauf   zur  Hochregion' 
stehen  durchwegs  die  hochkristallinen    glimmerreichen  Schiefergneise 


^)  Siehe    die    geologische  Kiirte    der    Unitjfebung    von   I'ruts    im  Jahrb.   d. 
«t'ol.  R.-A.  1914. 


[41]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  245 

der  östlichsten  Silvretta  an,  im  Gehänge  unterhalb  trifft  man  Phyllit- 
gneistypen  und  die  Feldspatknotengneise  (Mezzanbach). 

Gut  und  zusammenhängend  aufgeschlossen  sind  diese  Bildungen 
dann  an  dem  kahleren  linksseitigen  Gehänge  des  ürgtales  und  in 
der  Hochgebirgsregion  der  Thial spitze  zu  beobachten.  (Siehe 
hiefür  und  das  folgende  Tafel  XIII.)  Hier  ist  die  tektonische  Ein- 
schaltung von  jüngeren  Sedimenten  zwischen  die  Gneise  von  der 
Tiefe  des  Urgtales  bis  in  die  obersten  Mulden  der  Fiathalm  fast 
ununterbrochen,  zu  verfolgen. 

Oberhalb  der  Talstufe  bei  der  Urglealm  setzt  an  der  linken 
Flanke  Verrucano  (bunte  Serizitschiefer  mit  Quarzgeröllen)  in  sehr 
steiler  Stellung  (etwas  S  fallend)  ein  und  streicht  fast  in  der  Fallinie 
über  das  steile  Gehänge  hinauf  bis  nahe  an  2100  m  Seehöhe.  Von 
hier  zieht  sich  der  Verrucanostreifen  flach  am  Gehänge  bis  zum 
Kamm  Rauchkopf — Gatschkopf,  den  ^r  bei  2300  m  erreicht.  Dabei 
bleibt  die  Stellung  der  Serizitschiefer  aber  eine  steile. 

Die  südlich  angrenzenden  Gneise  sind  im  unteren  Gehänge 
schöne  Biotitplagioklasgneise  mit  einzelnen  Pegmatitadern  und  stehen 
gleichfalls  sehr  steil,  aber  mit  Einfallen  gegen  N.  An  dem  flach  ver- 
laufenden Teil  in  der  Höhe  umschließen  sie  Lagen  von  Amphibolit  und 
gegen  den  Kamm  hin  grenzen  Orthogneise  (ßiotitgranitgneis  und  apli- 
tische  grobkörnige  Granite)  an  den  Verrucano.  Am  ßand  gegen  den 
Verrucano  sind  alle  stark  verquetscht  und  umgewandelt.  Ihre  Stel- 
lung ist  auch  in  diesem  Teil  bis  nahe  zum  Kamm  steil  N  fallend. 

Die  Gneise  liegen  hier  auf  zirka  500  m  Entfernung  vom  steil- 
stehenden Teil  bis  zum  Kamm  flach  über  die  Unterlage  vorgeschoben, 
quer  abgeschrägt  zur  Lage  ihrer  Schichtplatten.  Am  Kamm  schwillt 
der  an  der  Schubfläche  eingequetschte  Verrucanostreifen  rasch  zu 
viel  größerer  Mächtigkeit  an,  indem  er  in  seiner  Mitte  einen  Kern 
von  jüngeren  kalkigen,  wahrscheinlich  untertriadischen  Schichten  be- 
wahrt erhalten  hat:  vielleicht  ein  Zeichen,  daß  hier  bereits  eine  Ent- 
lastung von  der  Gneisdecke  eingetreten  ist,  wenn  es  sich  nicht  doch 
nur  um  eine  angeschnittene  große  Quetschlinse  handelt. 

Sie  verschwindet  jenseits  des  Kammes  rasch  und  nur  ein  viel 
schmälerer  Streifen  serizitischer  Schiefer  leitet  weiter  bis  zum  Kamm 
nahe  unter  der  Thial  spitze,  wo  er  in  zwei  Blätter,  nahe  über- 
einander gespalten  ist  und  jene  obenerwähnte  sehr  kleine  Eisen- 
dolomitlinse enthält. 

Die  Biotitplagioklasgneise  mit  Pegmatitadern  fallen  im  Hangenden 
hier  mit  gleichmäßiger  Neigung  gegen  S  wie  die  Verrucanoschiefer 
und  desgleichen  die  darunterliegenden  Feldspatknotengneise.  Die 
Verrucanozone  trägt  alle  Anzeichen  sehr  heftiger  Durchbewegung;  in 
den  über-  und  unterlagernden  Schichten  sind  undeutlich  verlaufende 
Quetschzonen  nocii  in  mehreren  hundert  Meter  Abstand  davon  zu  be- 
obachten. 

Nach  Unterbrechung  durch  die  Schuttablagerungen  auf  der 
Flathalm  erkennt  man  die  Fortsetzung  der  Bewegungszone  wieder 
am  Nordkamm  des  Giggierspitz  zwischen  Isohypse  2200  und 
2300  in  Gestalt  einer  mächtigen  Mylonitzone,  welche  wieder  zwi- 
schen Feldspatknotengneis    im  Liegenden    und     von   Pegmatit    durch- 


246  Wilhelm  Hammer.  [42] 

üdertem  Schiefergneis  im  Hangenden  durchschneidet,  wobei  wieder 
alle  Schichten  gleich  gegen  S  geneigt  liegen.  Eine  sekundäre  Ver- 
werfung durchschneidet  und  verschiebt  die  Zone  auf  der  Flathseite 
in  senkrechter  Richtung. 

Die  Mylonite  sind  zum  Teil  dicke  Bänke  von  dichtem,  unge- 
schiefertem,  grauem  oder  sciiwarzem  Mylonit,  von  mehreren  Metern 
Mächtigkeit,  zum  andern  Teil  verruschelte  und  verdrückte  graue  und 
grünliche  Schiefer.  Ein  Teil  derselben  läßt  durch  seinen  Wechsel 
von  talkgrüner  und'  schwärzlicher  Färbung  und  die  enthaltenen  Quarz- 
knollen vermuten,  daß  sie  aus  Verrucanogesteinen  hervorge- 
gangen sind. 

In  gleicher  Ausbildung,  nur  noch  breiter  und  deutlicher,  ist  die 
Mylonitzone  dann  weiterhin  auf  der  Giggleralm,  in  den  Felsab- 
rissen nördlich  der  Hütte  aufgeschlossen.  Verrucano  ist  hier  sicher 
erkennbar  durch  seine  grünlichen  und  rötlichen  Schiefer,  welche 
teils  Quarzknollen,  teils  kleine  kalkige  Flasern  enthalten.  Die  Mylonite 
sind  in  reichlicher  Entfaltung  in  allen  Abstufungen  von  den  schwarzen 
dichten  Gesteinen  bis  zu  diaphtoritischem  Schiefergneis  und  Phyllit- 
gneis  in  einer  ein  paar  hundert  Meter  breiten  Zone  entfaltet. 

Die  Mylonitzone  läßt  sich,  aufgelöst  in  einzelne  Streifen  und 
ohne  Verrucano  durch  das  Gehänge  von  Hintergiggl  und  den 
Gigglertobel  bis  zur  Trisanna,  in  der  Gegend  des  Gfällwirts- 
hauses  verfolgen. 

Während  im  Hangenden  sich  immer  noch  die  typischen  Schiefer- 
gneise befinden,  stehen  im  Liegenden  beiderseits  der  Trisanna  hier 
phyllitische  Schiefer  an,  zum  Teil  Granatphyllit,  alles  gegen  S  ein- 
fallend. 

Es  scheint  hier  eine  größere  Scholle  von  Phylliten  eingeschoben 
zu  sein,  denn  talauswärts  gelangt  man  in  der  Tris  an  nasch  lu  cht 
zunächst  in  die  Zone  der  Phyllitgneise  und  Feldspatknotengneise  und 
erst  kurz  vor  Wiesberg  erreicht  man  wieder  den  Pbyllit. 

Die  ganze  gneisige  Zone  ist  aber  sehr  heftig  gefältelt  und  ver- 
fiasert,  von  Harnischen  durchschnitten ,  die  Gesteine  größtenteils 
diaphtoritisch,  so  daß  es  im  einzelnen  schwer  anzugeben  ist,  wieviel 
davon  zum  Phyllitgneis,  zum  Feldspatk^otengneis  und  zu  Orthogneisen 
gehört,  wie  solche  im  Gehänge  von  Vordergiggl  in  größerer  Masse 
anstehen. 

Unterhalb  der  ersten  Straßenbrücke  über  die  Trisanna  über- 
setzt eine  ausgesprochene  Mylonitzone  die  Schlucht:  schwarze,  dichte 
und  flaserige  Mylonite  mit  allen  Uebergängen  zu  Gneis.  An  einer 
Stelle  fand  ich  darin  eine  3 — 4  dm  lange  kalkige  Schliere  einge- 
flochten —  vielleicht  ein  letzter  Rest  aus  dem  Verrucano?  Im  Ver- 
folg des  Verrucano  gegen  Osten  sieht  man  am  Weg  von  Platills  nach 
Burgfried,  wie  der  lichte,  grobflaserige  Orthogneis,  der  im  Gehänge 
gegen  Giggl  hinauf  ausstreiclit,  flach  gegen  N  über  die  schwarzen,  hier 
etwas  graphitischen  Mylonitscliiefer  vorgepreßt  ist.  Darunter  und  dar- 
über richtet  sich  die  Schubfiäche  wieder  steiler  auf.  Von  diesem 
durch  die  Erosion  freigelegten  Schubrand  des  Gneises  sind  die  großen 
Gneisblöcke  abgebrochen,  welche  den  ganzen  Steilhang  gegen  die 
Straße  hinab  übersäen. 


[43]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  247 

Westlich  der  Trisanna  bildet  die  Gneisquetschregion  die  Steil- 
wände unter  Falgenair.  Ober  der  jähen  Wiesenterasse,  auf  der  die 
Häusergruppe  nistet  und  auch  an  der  Bergkante  gegen  das  Rosanna- 
tal ist  nichts  mehr  von  der  in  der  Schlucht  so  breit  ausgedehnten 
Mylonit-  und  Gneiszone  und  von  den  Phylliten  von  Gfäll  zu  sehen :  An 
der  Bergkante,  beziehungsweise  an  dem  Steig,  welcher  von  der  Tri- 
sannabahnbrücke  nach  Falgenaier  hinaufführt,  trifft  man  bis  zur  Höhe 
des  Weilers  Phyllit,  ober  den  Häusern  aber  bereits  zweiglimmerigen 
Schiefergneis  und  nur  einige  diaphtoritische  Schiefer  zwischen  beiden 
sind  als  Ausläufer  der  Mylonitzone  anzutreffen.  Geht  man  ober  der 
Wiesenterrasse  nach  Süden,  so  bleibt  man  bis  Seiche  und  darüber 
hinaus  immer  in  den  Schiefergneisen  —  glimmerreiche,  mit  viel 
Biotit,  oft  mit  Granat  und  auch  Staurolith;  weiter  südwärts  gelangt 
man  in  die  pegmatitadrigen  Gneise  mit  dem  Marmor  von  Glittstein  — 
und  diese  bilden,  mit  Einlagerungen  von  Amphibolit,  das  ganze  Steilge- 
hänge bis  zur  Waldgrenze  hinauf.  Sie  streichen  NO,  im  tieferen  Teil 
NNO  und  fallen  sehr  steil  gegen  W  ein,  während  die  Gesteine  in  der 
Schlucht  ostwestlich  streichen  und  steil  S  fallen.  Zwischen  Raut  und 
Falgenair  sind  an  ihrem  unteren  Saum  Mylouite  entstanden. 

Zusammengehalten  mit  den  Aufschlüssen  in  der  Schlucht,  ergibt 
sich  für  das  Verschwinden  des  Schluchtprofils  die  Erklärung,  daß  die 
Gneise  ähnlich  wie  am  Thialspitz  über  den  Verrucano,  hier  in  weit 
größerem  Ausmaße  über  die  Phyllitscholle  und  die  Phyllitgneis-Mylo- 
nitzone  an  einer  flachen  Schubfläche  soweit  gegen  N  vorgeschoben 
sind,  daß  sie  zuäußert  direkt  mit  dem  Phyllit  von  Wiesberg  in  Be- 
rührung kommen.  Es  steht  dies  im  Einklang  mit  der  kleinen  Vor- 
schiebung, unter  Vordergiggl  und  mit  jener  Bewegung  am  Thialspitz: 
überall  ein  Vorwärtsdrängen  der  Gneise  gegen  N  über  den 
Phyllit  hinauf. 

In  der  weiteren  Verfolgung  der  Schubfläche  gegen  Westen, 
geratet  man  zunächst  in  die  großen  dicht  überwachsenen  Waldhänge 
unter  der  Kleingfallalm,  welche  nicht  genügende  Aufschlüsse  geben. 
Erst  vom  Tal  des  Unteren  Klausbachs  und  der  Großgfallalm  an 
bieten  sich  wieder  ausreichende  Beobachtungsgelegenheiten. 

Die  Profile,  welche  die  Kämme  und  Täler  der  Rifflergruppe 
darbieten,  setzen  sich  vom  Ufer  der  Rosanna  bis  zu  den  Kämmen 
aus  isoklinalen  Schichtpaketen  zusammen  —  wie  in  den  Tobadill- 
bergen ;  ein  diskordanter  Vorschub,  wie  an  der  Trisanna  ist  hier 
nicht  mehr  zu  sehen.  (Siehe  Tafel  XIV.)  Ueber  der  geschlossenen, 
S  fallenden  Phyllitfolge,  welche  die  unteren  Berghänge  aufbaut,  lagert 
zunächst  ein  Phyllitgneis  mit  Quarziten,  welcher  als  die  Fortsetzung 
der  Phyllitgneiszone  ober  Tobadill  betrachtet  werden  kann.  Er  ist  nach 
oben  und  nach  unten  von  Phyllit  umschlossen  und  durch  Uebergänge 
mit  beiden  verbunden,  der  Phyllit  im  Hangenden  (teilweise  Granat- 
phyllit)  wechsellagert  wieder  mit  Quarziten. 

Die  Schiefergneise  ober  Falgenair  weichen  anscheinend  ganz 
ober  die  Kleingfallalm  zurück  und  verschwinden  dort  unter  der  Be- 
deckung von  Granat-  und  Staurolithglimmerschiefer,  welcher  vom 
Kleingfallkopf  an  den  ganzen  Kamm  einnimmt  bis  zur  Granitgneis- 
masse des  Blankaspitz.   Erst    am  Nordkamm    des  Großgfallkopfs 


248  Wilhelm  Hammer.  r44T 

taucht  unter  seinem  Nordrand  nochmals  ein  Schiefergneis  auf  —  ein  biotit- 
reicher  zweigiimmriger  Plagioklasgneis  welcher  petrographisch  mit  jenem 
übereinstimmen  würde  —  und  kann  vielleicht  als  Aequivalent  jener 
aufgefaßt  werden.  Er  wird  im  Hangenden  und  nahe  seiner  Basis  von 
mylonitischen  Quetschzonen  durchschnitten.  Jene  im  Hangenden  hat 
sicher  auch  ein  Orthogneislager  erfaßt,  wovon  lieste  erhalten  sind. 

Zwischen  dieser  Gneisscholle,  beziehungsweise  Paznauner-Gneis- 
unterlage  und  jenen  Phyllitgneisen  über  dem  Phyllit  schieben  sich  die 
genannten^  höheren  Phyllite  und  außerdem  eine  phyllitisch-quarziti- 
sche  Gesteinsfolge  ein,  welche  die  ganze  flache  Mulde  von  Groß- 
gfall  auskleidet  —  sie  wurde  oben  petrographisch  beschrieben.  Man 
kann  sie  als  Vertreter  der  Feldspatknoteiigneise  im  Tobadiller  Gebiet 
ansehen;  schwer  zu  erklären  daran  ist  aber  der  eine  Umstand,  daß 
sie  bis  zum  Niederjoch  reicht  und  dort  ihrem  N- Fallen  nach,  schein- 
bar auf  den  Paznauner  Glimmerschiefern  liegt,  anstatt,  wie  man  er- 
warten möchte,  unter  denselben  hervorzutauchen,  wie  dies  am  Kamm 
des  Großgfällkopfs  durch  Vermittlung  des  Gneises  der  Fall  ist. 

Die  petrographische  Unterscheidung  der  beiden  Schieferarten 
am  Niederjoch  ist  wegen  ihrer  dort  wenig  ausgeprägten  Art  überhaupt 
schwierig.  Beide  liegen  sehr  flach;  die  Großgfallschiefer  fallen  als 
flache  Mulde  gegen  die  Alrahütten  hin  ein.  Wie  man  am  Nordgrat 
des  Großgfallkopf  sieht,  ist  die  Mulde  der  Patznauner  Glimmerschiefer 
dort  eine  sehr  einseitige,  der  größte  Teil  derselben  fällt  auch  hier 
gegen  N  ein. 

Zur  Erklärung  muß  man  annehmen,  daß  doch  die  beiden 
Schieferarten  nahe  dem  Joch  durch  eine  Störungsfläche  voneinander 
geschieden  sind,  an  welcher  die  Gneisbasis  niciit  mehr  zum  .Vorschein 
kommt  und  wo  infolgedessen  der  derselben  auflagernde  G  immer- 
schiefer unmittelbar  an  die  Großgfallschiefer  anstößt.  Die  Gneise  am 
Nordkamm  des  Großgfallkopfes  bilden  dann  eine  an  dieser  Schub- 
fläche vorgedrückte  Scholle  und  ergibt  sich  für  die  Schubbewegung 
ein  ähnliches  Bild  wie  bei  Falgenaier:  eine  steil  aus  der  Tiefe  auf- 
steigende Fläche,  welche  sich  nach  N  flach  überlegt,  mit  Vorschub 
des  Hangenden  gegen  N.  Diese  Bewegungsfläche  ist  ihrer  Lage  nach 
jener  bei  Falgenaier  entsprechend. 

Die  Variabilität  der  Phyllitgneise,  Glimmerschiefer  und  Phyllite 
bei  im  ganzen  wenig  großen  Unterschieden  in  der  Reihe  Phyllit— 
Schiefergneis  macht  es  in  diesen  endlosen  Folgen  gleichmäßig  über- 
einanderliegender Schiefer  sehr  schwer,  tektonische  Gliederungen  zu 
verfolgen,  wo  nicht  Einschübe  jüngerer  Schichten  oder  Mylonitbildung 
ein  Kennzeichen  der  Schubttächen  gewähren. 

Die  Großgfallschiefer  mit  den  kleinen  Feldspatknötchen  sind 
das  erste  Anzeichen  vom  Wiederauftauchen  dieser  Gesteinsgruppe, 
welche  sich  nun  gegen  Westen  hin  an  der  Mittagspitze  und  bis 
ins  Malfontal  sehr  deutlich  entwickeln. 

Am  Mittagspitz  (südlich  Flirsch)  werden  die  Phyllite  von 
einer  mindestens  1000  m  mächtigen  Folge  der  Feldspatknotengneise 
überlagert  und  diese  wieder  von  den  Paznauner  Gneisen,  auf  denen 
als  höchstes  Glied  der  gewaltigen  S  fallenden  Schichtreihe  der 
Granat-  und  Staurolithglimmerschiefer  auflagert.     Der   ganze  Oberteil 


[45J  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  249 

des  Rifflerstockes  wird  von  der  Augengneis-  und  Granitgneismasse 
eingenommen,  unter  welcher  die  Schiefergneisbasis  vom  Großgfallkopf 
am  Scheibenkopf  und  Rifflerferner  untertaucht.  Große  Lager  von 
Muskovitgranitgneis  sind  eingeschaltet.  Unmittelbar  unter  diesen  gra- 
nitischen Massen  konkordant  und  ohne  jedes  Zeichen  einer  Störung 
lagern  die  Feldspatknotengneise  der  Mittagspitze,  welche  ihre  Mäch- 
tigkeit dadurch  erlangen,  daß  sie  mit  vielen  Lagen  von  Granatphyllit 
und  Quarzitbänken  wechsellageru. 

Sehr  schön  und  in  größtem  Maßstab  ist  die  Schichtenfolge  in 
den  hohen  Wänden,  mit  welchen  die  Seitenkärame  des  Riffler  gegen 
das  Malfontal  abstürzen,  erschlossen.  Das  Profil  reicht  hier  voll- 
ständig vom  Verrucano  des  Nordrandes  —  welcher  hier  auf  das 
südliche  Ufer  der  Rosanna  übergreift  —  bis  zu  den  Paznauner  Glim- 
merschiefern. 

Ueber  dem  Phyllit,  der  eine  etwa  2  km  mächtige,  steil  S  fallende 
Schichtmasse  bildet,  folgt  zunächst  die  breit  entfaltete  Zone  der 
Phyllitgneise  und  Glimmerschiefer:  sie  wird  eröffnet  durch  Lager  von 
Muskovitgranitgneis.  Ueber  ihnen  lagern  in  großer  Mächtigkeit  Feld- 
spatknotengneise, wechselnd  mit  Zügen  von  Granatphyllit,  Phyllitgneis 
lind  Quarzit  sowie  mit  kleinknotigen  Schiefern,  welche  sehr  denen 
von  Großgfall  ähnlich  sind.  Diese  Folge  streicht  unter  und  neben  der 
Zunge  des  nördlichen  Rifflerferners  durch.  Die  obere  Begrenzung  der 
ganzen  Folge  bildet  dann  eine  ausgesprochene  Quetsch-  und  Bewe- 
gungszoue,  bestehend  aus  dunklem  diaphtoritischem  Schiefer,  Quar- 
ziten  und  schwärzlichen  schieferigen  Myloniten.  Ihr  steiles  Südfallen 
in  den  Wänden  geht  oberhalb  der  Thaya  im  untersten  Talgehänge 
in  ein  ganz  flaches  über. 

An  der  Talstufe  zwischen  unterer  und  oberer  Alm  sowohl  als 
auch  hoch  oben  an  dem  Absenker  des  nordöstlichen  Rifflerspitz  liegt 
über  ihnen  ein  Zug  von  zweiglimmerigen  glimmerreichen  Schiefer- 
gneisen mit  quarzitischen  Bänken,  welche  wohl  noch  etwas  an  die 
Feldspatknotengneise  erinnern,  im  ganzen  aber  doch  den  Schiefer- 
gneisen der  Silvretta  entsprechen..  In  ihnen  steckt  zunächst  ein  Mus- 
kovitgranitgneislager  und  höher  oben  überdeckt,  sie  die  gewaltige 
Masse  des  RiffleraugengneiseS;  welcher  randlich  nur  ganz  unscharf 
gegen  die  Schiefergneise  abgegrenzt  ist;  am  Fuße  des  Gehänges  bei 
der  Malfonalm  ist  er  als  feinkörniger  Biotitgranitgneis  mit  wenigen 
Augen  ausgebildet.  Auf  dem  Augengneis  liegt  dann  von  der  Edmund 
Graf-Hütte  an  am  Gehänge  des  Blankahorns  der  Granat-  und  Stau- 
rolithglimmerschiefer,  während  unterhalb  der  Hütte,  in  den  Wänden 
über  der  Malfonalm  an  ihrer  Stelle  Scliiefergneise  mit  zahlreichen 
Quarzitlagen  eintreten  und  erst  auf  der  Höhe  des  Kammes  Latte- 
joch— Weißkogel  darüber  der  Glimmerschiefer  einsetzt. 

Wir  haben  also  im  Malfontal  die  vollständig  gleiche 
Schichten  folge  vor  uns  wie  im  Tobadiller  Gebirge,  alles 
mit  gleicher  Neigung  und  ohne  Diskordanz  gegen  S  einfallend.  Die 
Mylonitzone  ober  der  Thaya  zeigt  aber  an,  daß  auch  hier  starke 
Verschiebungen  innerhalb  der  Folge  stattgefunden  haben.  Diese  Be- 
wegungszone nimmt  die  gleiche  Stellung  im  Profil  ein  wie  die  Ueber- 
schiebung   am  Thialspitz  und  die  Schubflächen  im  vorderen   Paznaun, 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  llft.  (W.  Hammer.)  32 


250  Wilhelm  Hammer.  [46] 

die  Bewegung   ist  hier    aber    parallel    der    Schichtlage,    ohne 
diskordanten  Vorschub   erfolgt. 

Im  westlichsten  Ausläufer  der  Phyllitzone  von  Landeck,  vom 
Malfontal  bis  St.  Anton  a.  A.  habe  ich  die  Gneisgrenze  nicht  mehr 
vollständig  abgegangen,  aber  in  dem  felsigen  Legumtobel  unter- 
halb St.  Anton  a.  A.  fin  gutes  Querprofil  durch  diesen  Teil  gewonnen. 
In  der  Höhe  der  Almterrasse  (Renalm)  beginnen  die  zweiglimmerigen 
Schiefergneise,  in  denen  Muskovitgneise  und  Quarzite  eingeschaltet 
sind;  ganz  wie  auf  der  oberen  Malfonalm,  unter  sie  hinein,  südfallend, 
folgt  dann  durch  den  ganzen  Tobel  hinab  die  Fortsetzung  der  Phyllit- 
gneis-Glimmerschieferzone,  bestehend  im  oberen  Teil  vorwiegend  aus 
Feldspatknötchengneisen  (granathältig),  im  mittleren  Teil  aus  Granat- 
phyliit  mit  vereinzelten  Knötchengneislagen  und  biotithältigen  Phyllit- 
gneisen  ähnlich  jenen  zwischen  Gampernun-  und  Großgfallalm  und 
zuunterst  aus  einem  Wechsel  gneisiger  und  phyllitischer  Schiefer; 
auch  hier  die  ganze  Schichtreihe  bis  zum  Gneis  konkordant  S  fallend. 
Die  Phyllite  streichen  erst  nördlich  der  Tobelmündung  durch  und 
sind  zwischen  Wolfsgrube  und  der  Eisenbahnbrücke  über  die  Rosanna 
durch  Albitchloritschiefer  und  Epidothornblendeschiefer  vertreten. 
Zeichen  einer  tektonischen  Zertrennung  fand  ich  in  diesem  Profil 
keine.  

Ueberblicken  wir  den  ganzen  Grenzbereich  Phyllit — Gneis,  so 
sehen  wir  von  Pontlatz  bis  St.  Anton  a.  A.  immer  die  gleichen  drei 
Gesteinsgruppen  in  überkippter  Folge  übereinander  liegen:  Gneise 
und  Phyllite  zu  beiden  Seiten,  in  der  Mitte  eine  beide  verbindende 
Mischung  beider  Gesteinsgruppen  unter  Hervortreten  quarzglimmer- 
reicher  Formen,  also  im  großen  und  ganzen  dem  entsprechend,  was 
seit  langem  als  Formation  der  Glimmerschiefer  bezeichnet  wurde, 
ohne  daß  hier  aber  Gesteine,  welche  petrographisch  diesen  Begriff 
streng  und  typisch  zum  Ausdruck  bringen,  herrschend  sind. 

Daß  Phyllit  und  Glimmerschiefer  jeder  deutlichen  Abgrenzung 
voneinander  entbehren,  wurde  schon  oben  betont.  Aber  auch  zwischen 
der  Zone  der  Phyllitgneise— Glimmerschiefer  und  den  Gneisen  haben 
nur  die  in  dieser  Region  durchschneidenden  Schub- 
flächen scharfe  Grenzen  geschaffen,  ohne  daß  diese 
einer  ursprünglichen  stratigraphischen  Scheidung 
entsprechen;  noch  weniger  bedeuten  sie  etwa  eine  Zugehörigkeit 
zu  weiter  getrennten  tektonischen  Einheiten. 

Ueberall,  wo  wir  die  Gesteine  beiderseits  jener  Störungszonen 
miteinander  vergleichen,  finden  wir  große  Verwandtschaft  und  An- 
näherung, so  daß  dort,  wo  die  Störungen  fehlen,  beziehungsweise 
infolge  paralleler  Stellung  von  Schicht-  und  Schubflächen  und  Fehlen 
stärkerer  Mylonitisierung  nicht  zur  Beobachtung  kommen,  jene  gute 
Trennung  sofort  entfällt. 

Dies  ist  zum  Beispiel  in  der  Innschlucht  bei  Pontlatz  der  Fall, 
wo  die  eingeschaltete  Mulde  jüngerer  Gesteine  unter  Puschlin  nicht 
bis  zur  Taltiefe  reicht  —  hier  ist  es  nicht  möglich,  eine  Grenze  an- 
zugeben, wo  die  Phyllitgneise  von  Piller  enden  und  die  Silvretta- 
gneise  beginnen,  obwohl  die  Enden  des  Profils  sicher    diesen  beiden 


[47]  ßie  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  251 

Schichtgliedern  angehören.  Das  gleiche  haben  wir  gerade  vom  Legum- 
tobel  beschrieben  und  gilt  auch  von  dem  Profil  Mittagspitze — Riffler. 
Auch  dort,  wo  Mylonitzonen  durchschneiden,  wie  an  der  rechten 
Flanke  des  Malfontais,  wechseln  mit  dieser  Zone  die  Gesteinsarten 
nicht  scharf,  sondern  stehen  sich  noch  sehr  nahe  und  die  Mylonit- 
zone  besteht  vielfach  (Malfon,  Trisanna,  Giggleralm  u.  a.  0.)  aus 
mehreren  parallelen  Quetschzonen,  welche  in  beträchtlicher  Ent- 
fernung voneinander  höhere  und  tiefere  Teile  der  Schichtfolge  be- 
troffen haben,  weshalb  auch  ihre  Orientierung  in  den  verschiedenen 
Profilen  sich  nicht  genau  parallelisieren  läßt. 

Die  Feldspatknotengneise  sind  eine  Gneisform,  welche  in  den 
Oetztaler-  und  Silvrettagneisen  häufig  auftritt  und  auf  gleiche  Ver- 
hältnisse der  Metamorphose  an  beiden  Stellen  hinweist. 

Alle  diese  Umstände  sprechen  dafür,  daß  Glimmerschiefer  und 
Gneise  in  gleich  enger,  übergangsweiser  Verbindung  miteinander  ge- 
standen sind  wie  erstere  mit  dem  Phyllit  und  daß  die  Schubbewe- 
gungen, welche  sie  trennen,  gleichen  Ranges  sind  wie  jene,  welche 
die  Phyllitregion  selbst  im  Inneren  durchschneiden,  aber  in  größerem 
Ausmaß  und  mit  größerer  Stärke  der  Bewegung. 

Die  Phyllitzone  setzt  innabwärts  nach  der  kurzen  Unterbrechung 
Roppen — Rietz  neuerlich  ein  und  hier  in  der  Hochedergruppe  treffen 
wir  eine  ganz  übereinstimmende  Schichtfolge  an  wie  bei  Landeck, 
welche  ebenfalls  in  überkippter  Stellung  steil  gegen  S  einfällt  und  durch 
keine  Schubflächen  in  dem  allmählichen  Uebergang  der  Glieder  in- 
einander gestört  ist.  Nach  der  Beschreibung  von  Th.  Ohnesorge  i) 
folgen  übereinander:  Quarzphyllit  mit  Einlagerung  von  Chlorit- 
schiefern  (und  einem  Kalklager);  dann  eine  Folge  von  Phyllit- 
glimmerschiefern  und  Granatglimmerschiefern  mit  Ein- 
lagerungen von  Muskovitglimmergneis  und  Biotitgrauitgneis,  welche 
unserer  Zone  der  Phyllitgueise  und  Glimmerschiefer  entspricht;  zu 
ihr  kann  auch  der  überlagernde  granat-  und  staurolithführende  Mus- 
kovitschiefer  gerechnet  werden,  der  im  Landecker  Bezirk  an  dieser 
Stelle  fehlt  —  sie  entsprechen  petrographisch  sehr  gut  den  Paznauner 
Glimmerschiefern  — ,  dann  folgt  ein  G  1  i  m  m  e  r  a  u  g  e  n  g  n  e  i  s,  welcher 
nach  der  Beschreibung  ganz  dem  Feldspatknoteugneis  gleicht  (im 
Hauptbruch  glimmerschieferähnlich,  im  Querbruch  mit  zahlreichen 
4 — 7  mm  großen  runden  Plagioklasen  voll  von  Einschlüssen).  Daran 
schließen  sich  im  Süden  braune  G 1  im  m  ergnei  se,  granat-  und 
staurolithführend,  klein  weiß  gesprenkelt  durch  die  Feldspatkörner, 
welcher  durchaus  den  Schiefergneisen    der  Thialspitz  etc.  entspricht. 

Die  Uebereiustimmung  der  beiderseitigen  Schichtfolgen  ist  ein 
gutes  Zeugnis  sowohl  für  die  Kontinuität  innerhalb  jeden  Profils  als 
auch  für  den  ursprünglichen  Zusammenhang  beider  Phyllitzonen. 

Die  Beteiligung  der  Granat — Staurolithmuskovitschiefer  an  der 
Glimmerschieferzone  in  der  Hochedergruppe  gibt  auch  einen  Hinweis 
auf  die  enge  Beziehung  der  jenen  gleichen  „Paznauner  Glimmer- 
schiefer" zu  der  Phyllitgneis-Glimmerschieferzone. 


^)  Die    vorderen    Kühetaier   Berg/e    (Hochedergruppe).    Verhandl.    d.  Geol. 
R.-A.  1905,  S.  175. 

32* 


252  Wilhelm  Hammer.  [48] 

In  den  Profilen  über  die  Riiflergruppe  muß  man  die  Paznauuer 
Glimmerschiefer  jener  Zone  stratigrap  hisch  gleichstellen., 
gleichviel,  ob  man 'die  Gneise  zwischen  ihnen  als  nach  N  übergelegte 
und  ganz  zusammengeklappte  Antiklinalen  oder  als  einfache  Schuppen 
erklärt.  Für  Schuppenstruktur  spricht  das  Profil  über  den  Blanka- 
spitz,  wo  im  Tal  unter  den  Blankaseen  die  Glimmerschiefer  neuer- 
lich vom  Augengneis  des  Rifflerkopf  überschoben  werden  und  wenn 
man  das  Profil  weiter  südlich  fortsetzt,  ebenso  die  Glimmerschiefer 
des  Hohen  Spitz-Lattejoch  von  den  Biotitgneisen  von  Seßlat^). 

Anderseits  läßt  sich  die  nordfallende  Abwölbung  der  Schichten 
unter  der  Kleingfallalm  als  Rest  einer  antiklinalen  Umbiegung  in  der 
Glimmerschieferzone  deuten.  Im  Profil  am  Großgfallkopf  wäre  diese 
Antikline  dann  wieder  ganz  zusammengeklapi)t  und  die  Phyllite, 
welche  über  den  Phyllitgneisen  liegen,  könnten  als  synkline  Wieder- 
holung des  Phyllits  au  der  Rosanna  erklärt  werden,  über  welche 
dann  an  einer  Schubfläche  der  Gneis  aufgeschoben  ist. 

Wahrscheinlich  werden  beide  tektonischen  Mittel  zusammen- 
gewirkt haben.  Die  Verrucanovorkommen  besitzen  ja  zum  Teil  auch 
noch  Synklinen  Charakter,  doch  sind  im  allgemeinen  Umbiegungen 
sonst  nicht  zu  sehen  und  ist  jedenfalls  Schuppenstruktur  durch  Be- 
wegung an  Schubflächen  vorherrschend. 

Paznauuer  Glimmerschiefer  und  die  verschiedenen  Glimmer- 
schieferarten auf  der  Nordseite  des  Rifflerstockes  stehen  sich  ja 
auch  petrographisch  so  nahe,  daß,  wie  zum  Beispiel  am  Niederjoch, 
eine  Trennung  oft  kaum  möglich  ist,  die  Parallelisierung  daher  auch 
petrographisch  sehr  naheliegt. 

4.  SchuppuugsflJichen  imieilialb  des  Phyllites. 

Im  unteren  Stanzertal  sind  im  Phyllit,  wie  oben  schon  erwähnt, 
mehrere  Züge  von  Verrucano  eingeschaltet. 

Die  nördlichste  befindet  sich  an  der  Ostseite  des  Zintlkopfes. 
Die  Gesteine  des  Verrucano  stecken  steil  aufgerichtet  im  Phyllit, 
welcher  gleiches  Streichen  und  Fallen  einnimmt. 

Gleiches  Lagerungsverhältnis  zeigt  der  nächst  südlichere  Streifen, 
welcher  bei  der  Kapelle  Larch,  ebenfalls  an  der  Ostseite  des  Zintl- 
kopfes, beginnt,  die  Sanna  übersetzt  und  die  Bahnlinie  oberhalb 
Station  Plans    und    dann    oberhalb    der  genannten  Bahnstation  endet. 

Ein  kleines  Fleckchen  deutlicher  Verrucauogesteine  in  den 
Wiesen  unterhalb  des  Gasthauses  in  Tobadill  deutet  eine  dritte  solche 
Verrucanoschupi)e  an. 

In  der  großen  Felsausbruchnische  ober  dem  Zappenhof  (öst- 
lich Tobadill)  treten  in  einer  Zone  intensiver  Fältelung  und  Ver- 
ruschelung  der  Phyllite  ebenfalls  in  beschränktem  Umfange  Schiefer 
auf,  welche  wahrscheinlich  schon  dem  Verrucano  angehören.  Gleich- 
zeitig ein  schmaler  verquetschter  Lagergang  von  Diabas. 

Weiter  nach  Süden  im  Phyllitprofil  folgen  dann  nahe  überein- 
ander am  NW-Kamm  der  Thialspitze  zwei  Verrucanovorkommen,  deren 

'j  Siehe    den   geologi8chen    Alpenquerschnitt    (Jahrb.  d.  Geol.  R.-A.  1911). 


[49]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  253 

Gesteine  oben  beschrieben  wurden.  Während  die  anderen  alle  schmale 
konkordante  Lager  im  Phyllit  bilden,  läßt  die  Form  der  Umgrenzung 
durch  den  Phyllit  bei  dem  oberen  dieser  eine  etwas  breiter  mulden- 
artige Einlagerung  vermuten,  ohne  daß  aber  eine  Muldenumbiegung 
zu  sehen  wäre.  Beide  Gesteine  fallen  gleichmäßig  gegen  S  ein. 

Alle  diese  Verrucanovorkommen  kann  man  nach  dem  Vorbilde 
jener  bei  Puschlin  und  am  Rauchkopfkamm  als  Reste  von  Synklinen  im 
Phyllit  auffassen,  welche  durch  die  Versenkung  in  den  Phyllit  infolge 
von  Schuppuugsbewegungen  zusammengepreßt  und  von  der  Erosion 
zum  Teil  bewahrt  wurden. 

Einen  anderen  Charakter  besitzt  das  Auftauchen  gneisiger  Ge- 
steine bei  Steinhof— Blons  im  vorderen  Pitztal.  Es  wurde  bereits  oben 
näher  ausgeführt,  daß  es  sich  hier  um  ein  Auftauchen  tieferer  Ge- 
steine handelt,  welche  an  einer  Schubfläche  gegen  Norden  über  den 
Phyllit  aufgeschoben  wurden. 


Bf^ifiyopf 


Fig.  10. 

Buchstaben  -  Erklärung   gleich   wie    bei    Fig.  9. 
Kg  =  Knötchengneis.  —  0  =  Orthogneis. 

Auf  ähnliche  Weise  ist  vielleicht  auch  das  Auftreten  biotit- 
reicher  Glimmerschiefer  unter  der  Ganatschalm  bei  Flirsch  zu 
erklären,  die  übrigens  in  manchen  Stücken  den  Steinhofer  Gneisen 
recht  ähnlich  sehen.  Doch  ist  ihr  Feldspatgehalt  nach  den  vorhan- 
denen Schliffen  ein  geringer. 

Eine  sehr  langgestreckte  Quetschungs-  und  Bewegungsfläche 
verrät  sich  südlich  von  Wenns  in  dem  Zustand  des  Granitgneis- 
lagers, welches  dort  bei  St.  Margareten  beginnt.  Diese  Mylonitzone 
reicht  von  hier  bis  zu  dem  höchsten  Gipfelkamm  des  Vennetberges 
und  jenseits  auf  die  obersten  Hänge  ober  der  Goglesalm. 

Die  Schubfläche  von  Steinhof  durchschneidet,  wie  aus  dem 
Profil  von  Krabichl  hervorgeht,  den  Ueberschiebungsrand  der  Oetz- 
taler  Gneise,  sie  ist  jünger  als  die  Aufschiebung  der  letz- 
teren. Dagegen  ist  bei  der  Weunser  Schubfläche  ein  Uebergreifen 
über  den  Gneisrand  nicht  wahrzunehmen. 

Wenn  die  Oetztaler  Randdislokation  im  Pitztal  sich  ununter- 
brochen in  jene  am  Ostraud  der  Bündner  Schiefer  des  Prutzer 
Beckens  fortsetzt,  wie  es  oben  wahrscheinlich  gemacht  wurde,  so  ist 
*der  Vorschub  der  Oetztaler  jünger  als  die  Schubfläche,  welche  den 
Südrand  der  Silvretta  bildet,  da  letzterer  von  ihr  abgeschnitten  wird. 
Ebenso  sprechen  die  Ortsverhältnisse    dafür,    daß    er   jünger    ist  als 


251:  Wilhelm  Hammer.  [50] 

die  mit  der  Puschliner  Mulde  einsetzende  Schubfläche  zwischen  Sil- 
vrettagneis  und  der  Phyllitglimmerschieferzone. 

Schon  der  üebergang  der  Gneise  in  die  Phyllitgneise,  der  enge 
ursprüngliche  Zusammenhang  beider,  der  örtlich  durch  eine  eng- 
begrenzte Schubbewegung  zerrissen  ist,  laßt  es  unwahrscheinlich  er- 
scheinen, daß  diese  Dislokation  Puschliu — Thialspitz  die  Fortsetzung 
einer  so  tiefgehenden  großen  tektonischen  Linie,  wie  jene  des  Oetz- 
taler  Randes,  ist.  Sie  sind  auch  genetisch  verschieden  geartet. 

Für  ein  Einschneiden  des  Oetztaler  Randes  durch  die  Pusch- 
liner Zone  liegt  kein  deutliches  Anzeichen  vor.  Verrucano,  Trias  und 
Phyllit  setzen  sich  nicht  über  das  Dolomitvorkommen  nordöstlich 
Harben  hinaus  fort.  Die  Augengneise  am  Fuße  des  Kieleberges  sind 
an  ihrer  Basis,  der  Amphibolit  darüber  an  seinem  westlichsten  Ende 
niylonitisiert  und  könnte  dies  —  über  die  aufschlußlose  Sumpffläche 
hinweg  —  als  Fortsetzung  einer  Puschliner  Störung  gedeutet  werden. 
Doch  läßt  sich  dies  ebenso  als  randliche  Zertrümmerung  der  Oetz- 
taler Masse  deuten,  parallel  der  tieferen  Mylonitzone  am  eigentlichen 
R'and  und  bei  dem  Augengneis  entspricht  es  überdies  der  besonderen 
Neigung  der  Orthogneise  zur  Mylonitisierung  (siehe  Wennser  Granit- 
gueiszug). 

Es  ergeben  sich  auf  diesem  Wege  drei  Phasen  von  Schub- 
bewegungen: die  ältesten  unter  den  hier  zusammenstoßenden  wären 
jene  von  Puschlin,  Thial  etc.  mit  Ueberwältigung  der  Verrucano- 
Synklinen  und  Vorschiebung  der  Gneise  gegen  N  über  die  Glimmer- 
schiefer; dann  folgt  der  Vorschub  der  Oetztaler  über  die  Phyllite 
und  über  die  Silvrettagneise  und  zuletzt  das  Durchschneiden  des 
Oetztaler  Randes  durch  die  letzten  Schuppungsbewegungen  im  Phyllit. 
Die  Verrucanoschuppenbildung  bei  Plans  und  Tobadill  kann  als 
gleichzeitig  mit  jener  am  Thialspitz  betrachtet  werden. 


6.  Gesteinsdeformatioii. 

Der  Charakter  der  Phyllitzone  von  Landeck  als  ein  Bereich 
lebhafter  tektonischer  Bewegung  kommt  in  strukturellen  und  chemi- 
schen Veränderungen  der  Gesteine  zum  Ausdruck,  besonders  dort,  wo 
die  Bewegung  sich  in  bestimmten  schmalen  Zonen  gesammelt  hat. 

Die  Umwandlung  besteht  dort  einerseits  in  stofflich-mineralogi- 
schen Veränderungen  anderseits  in  der  Zerstörung  der  ehemaligen 
Struktur.  Meistens  gehen  beide  Umwandlungen  nebeneinander  vor 
sich,  doch  fehlen  auch  nicht  die  beiderseitigen  Endglieder  der 
Reihe. 

Der  Mineralumsatz  besteht  vor  allem  in  der  Serizitisierung  und 
Chloritisierung  des  Glimmers  und  in  der  Umwandlung  des  Feldspats  in 
Serizit,  Epidot,  Zoisit,  Kalzit.  Fast  immer  beobachtet  man  gleichzeitig 
im  Dünnschliff  kataklastische  Erscheinungen,  wobei  immer  der  Quarz 
zuerst  vor  den  anderen  Gemengteilen  dergestalt  reagiert.  Das  Pro- 
dukt dieser  Umwandlung  sind  mannigfache  diaphtoritische  Schiefer. 

Die  kataklastischen  Erscheinungen  mikroskopischen  Ausmaßes 
sind  der  Anfang  zu  der  Reihe  der  My loni tgestein  e. 


[51]  Die  Pliyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  255 

Als  Mylonite  wurden  hier  solche  Deformationsformen  bezeichnet, 
in  denen  die  m  e  c  h  a*n  i  s  c  h  e  Deformation  vorherrsclit  und  auch 
makroskopisch  die  Gesteinstracht  bestimmt.  Es  sind  darunter  sowohl 
richtungslose,  massige  Mylonite  als  auch  verschieferte :  Flasermylonite, 
Mylonitschiefer. 

Die  Beschränkung  der  Bezeichnung  Mylonit  nur  auf  gescliieferte 
Gesteine,  wie  es  Staub  i)  tut,  erscheint  mir  durchaus  unbegründet 
und  dem  ursprünglichen  Gebrauch  des  Wortes  widersprechend. 

Die  verschiedenen  Arten  und  Grade  der  Dislokationsmetamor- 
phose kommen  am  vollständigsten  an  den  Granitgneisen  zur  Aus- 
bildung. 

Der  schon  in  einer  früheren  tektonischen  Phase  erworbenen 
Paialleltextur  oder  Schieferigkeit  werden  bei  den  Schubbewegungen 
stärkere  Deformationen  aufgeprägt.  Zuuäclist  bilden  sich  daraus  stark 
flaserige  Gneise,  häufig  mit  Augenstruktur,  die  Schieferungs-(Flase- 
rungs-)flächen  mit  grünlichem  Serizit  überzogen.  In  diesem  Stadium 
befinden  sich  fast  alle  Orthogneise  der  Region.  Mikroskopisch  geht 
bei  stärker  ausgeprägten  Formen  dieser  Art  bereits  eine  Sonderung 
der  Gemengteile  in  kleinkörnige  Aggregate,  beziehungsweise  Serizit- 
flasern  vor  sich;  die  Quarzflasern  zeigen  in  manchen  Fällen  Gefüge- 
regelung nach  Sanders  Quarzgefügeregel.  Derartige  Gesteine  be- 
zeichnet P.  QuenseP)  in  seiner  Einteilung  der  Mylonite,  welche 
sich  sonst  sehr  gut  auf  die  Landecker  Gesteine  anwenden  läßt,  als 
Mylonitgneis,  doch  möchte  ich  für  solche  Gesteine  noch  nicht  die 
Benennung  Mylonit  verwenden,  da  hier  die  kristalloblastische  Um- 
wandlung stärker  hervortritt  als  die  rein  mechanische. 

Wie  bei  der  Beschreibung  der  Vintschgauer  Augengneise  (Jahrb. 
d.  Geol.  R.-A.  1909)  ausgeführt  wurde,  führt  die  Metamorphose  aus 
diesen  Gneisen  zu  einem  Quarzglimmerschiefer,  beziehungsweise  Seri- 
zitschiefer  als  Endprodukt. 

An  den  Schubflächen  der  Phyllitzone  und  am  Oetztaler  Rand 
drängen  sich  aber  mehr  die  klastischen  Umformungen  vor.  Wir  treffen 
am  Rand  der  Oetztaler  Masse  (Aifenspitz,  Leins)  Granitgneismylonite^ 
mit  richtungslos  grobbrecciöser  Struktur  oder  grobflaseriger,  makro- 
skopisch deutlich  klastischer  Struktur,  welche  den  Kakiriten  der 
schwedischen  Geologen  entsprechen.  Die  flaserigen  und  schieferigen 
Granitgneismylonite  sind  grünlichgraue  bis  schwärzliche,  feinkörnige 
bis  dichte  Flasergesteine ;  die  Schieferungsflächen  gleichzeitig  buck- 
lige glänzende  Rutschflächen,  gestriemt  oder  mit  glatten  Harnischen 
oder  auch  mit  Nestern  von  Glimmerschuppen.  Der  Gesteinscharakter 
ist  ein  stark  schwankender,  Flasern  und  größere  Partien  mit  noch 
besser  erhaltener  Gneisstruktur  wechseln  mit  solchen  mit  gänzlich 
zerstörter  Struktur.  Nur  diese  Relikte  des  Ausgangsgesteines  lassen 
in  den  ausgeprägten  Mylonitzonen  entscheiden,  ob  man  es  mit  einem 
schieferigen  Granitgneismylonit  oder  einem  solchen  nach  Schiefergneis 
oder  auch  Verrucano  zu  tun  hat,  denn  auch  letztere  gehen  bei    vor- 


')  Viertel  jähr  sehr,  d.  naturf.  Gesellsch.  in  Zürich,  60.  Bd.,  S.  71. 
*)  Zur  Kenntms  der  Mylonitbildunfj',  erläutert  an  Material  aus  dem  Kebne- 
kaisegebiet.  Bull,  of  the  geolog.  Inst,  of  Upsala,  15.  lid.,  S.  91  u.  ff. 


256  Wilhelm  Hammer.  [ö2} 

geschrittener  Mylonitisierung  in  einen  dunkelgrünen  oder  schwarzen, 
bröckligen,  von  Rutschflächen  dicht  durchzogenen  Schiefer  über.  In 
Vordergiggl  sind  sie  etwas  graphithaltig ;  nicht  selten  ist  Schwefel- 
kies eingesprengt. 

Den  Serizitschiefern,  als  hauptsächlich  durch  mineralische  ]\Ieta- 
morphose  entstandenem  Endglied,  stehen  auf  der  anderen  Seite  der 
Reihe  der  dynamometamorphen  Umwandlungen  jene  richtungslos 
struierten,  dichten  Mylonite  gegenüber,  welche  ich  im  Jahrb.  d.  Geol. 
R.-A.  1914,  S.  555  vom  Rand  des  Bündner  Schiefergebietes  als  Gang- 
mylonite  (pseudoeruptive  Mylonite)  beschrieben  habe.  Sie  durchsetzen 
dort  den  brecciös  zertrümmerten  Rand  der  aufgeschobenen  Silvretta- 
gueise  über  den  Bündner  Schiefern  mit  einem  Adernetz,  welches 
seinem  makroskopischen  Bilde  nach  an  Eruptivbreccien  erinnert. 
Sie  entsprechen  dem  was  Quensel  Ultramylonite  nennt:  rich- 
tungslose Kataklase  mit  vollständiger  Zerstörung  der  ursprünglichen 
Struktur,  ohne  erkennbare  Porphyroklasten,  und  was  in  Termiers 
Stufenleiter  der  Deformation  als  puree  parfaite  (sans  laminage)  be- 
zeichnet wird  ^).  Soweit  bei  dem  Zustand  dieser  Gesteine  überhaupt 
noch  die  mineralische  Zusammensetzung  erkannt  werden  kann,  sind 
sie  ein  Produkt  rein  mechanischer  Deformation,  ohne  oder  mit  nur 
geringer  Umkristallisation. 

Gleiche  Gangmylonite  triift  man  nun  auch  mehrfach  in  dem 
hier  behandelten  Gebiete.  Ich  beobachtete  solche  in  den  rand- 
licheu  Teilen  der  Oetztaler  Masse  in  den  Biotitgranitgneisen  gegen- 
über Blons  (aiich  jene  am  Walderbach-Biotitgranit  stehen  ihnen  nahe), 
ferner  in  den  Mylonitzonen  des  vorderen  Paznaun  auf  der  Giggler- 
alm,  am  Nordgrat  der  Giggierspitze,  in  der  Trisannaschlucht  und  im 
Malfontal.  Auch  hier  durchdringen  sie  das  Gestein  in  allen  Richtungen 
als  dichte,  muschelig  brechende  dunkle  Ader,  am  Nordgrat  der 
Giggierspitz  sind  sie  in  meterdicken  Bänken  in  die  Mylonitschiefer 
eingeschaltet.  Häufig  beobachtet  man  in  ihnen  Schwefelkies  einge- 
sprengt. Das  mikroskopische  Bild  entspricht  genau  jenen  im  Jahrb. 
1914  beschriebenen  und  abgebildeten. 

Der  Unterschied  dieser  Ultramylonite  gegenüber  den  anderen 
besteht  meines  Erachtens  aber  nicht  darin,  daß  sie  den  höchsten 
Grad  der  Mylonitisierung,  die  anderen  geringere  Grade  darstellen, 
sondern  in  der  Art  ihrer  Entstehung.  Bei  ihnen  ist  die  ganze  Zer- 
malmungskraft  mechanisch-rupturell  zur  Auswirkung  gekommen,  bei 
den  übrigen  hat  sich  diese  in  geringerem  oder  größerem  Maße  auch 
in  chemisch-mineralogische  Vorgänge  umgesetzt. 

Die  Gangmylonite  finden  sich  besonders  an  Stellen,  wo  Bewe- 
gungen größten  Ausmaßes  auf  den  engsten  Raum  konzen- 
triert waren;  die  Ueberschiebung  der  Silvrettagneise  über  die  Bündner 


^)  Sur  les  niylonites  de  la  region  de  .^avone.  Compt.  rendus  d.  seances  de 
l'Akad.  d.  sc.  Paris,  K.2.  lid.,  ö.  1550.—  J.  Lehmann  beschreibt  in  seinem 
Werke  über  die  „Entstehunor  der  kristallinen  fc5chief■ergesteine^  Bonn  1884, 
S.  191 — 198,  aus  dein  Gabbro  des  sächsischen  Granulitgebirgos  Mylonitadern,  die 
ganz  mit  jenen  des  Paznauner  Gneisrandes  übereinstimmen  (,.GabF)rofelsite''),  nur 
sind  die  ursprünglichen  Ijestandteile  noch  deutlicher  erkennbar.  Auch  die  Bilder 
(Taf.  XIX,  XX  und  XXIj  bestätigen  die  Aehnlichkeit. 


[53]  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  257 

Schiefer  ist  sicher  eine  der  größten  tektonischen  Diskordanzen  weit- 
heruni  dabei  sind  aber  an  der  Schubfläche  weder  die  Gneise  noch  die 
Bündner  Scliiefer  weiterhinein  in  ihrer  Masse  zerrüttet,  sondern  die 
Bewegung  ist  scharf  konzentriert  auf  eine  Schubfläche  und  eine 
schmale  Randzone  der  aufgeschobenen  Gneise  und  nur  diese  ist  von 
den  Gangmylomiten  durchdrungen  ^). 

Aehnlich  ist  das  Verhältnis  beim  Oetztaler  Gneisrand  im  vor- 
dersten Pitztal. 

Die  Vorkommen  in  den  Tobadiller  Bergen  liegen  allerdings  zu- 
sammen mit  Mylonitschiefern  aller  Abstufungen,  aber  auch  diese  Be- 
wegungszonen sind  doch  auch  auf  verhältnismäßig  engen  Raum  be- 
grenzt. Immerhin  sind  die  Gangmylonite  auch  hier  viel  seltener  in 
typischer  Ausbildung  anzutreffen  als  am  Bündner  Schieferrand. 

Sowohl  am  Südrand  der  Silvretta  als  am  Oetztaler  Gneisrand 
erfolgte  die  Schubbewegung  nicht  parallel  den  Schichtflächen  der 
Gneise,  sondern  schräg  oder  quer  zu  ihrem  Streichen. 

Die  Mylonitschiefer  und  alle  ihre  Uebergänge  bis  zu  den  Serizit- 
schiefern  (Phyllonite  Sanders)  verbreiten  sich  an  Bewegungszonen, 
welche  in  der  Schieferungsebene  erfolgten  und  sind  weit  weniger  auf 
einzelne  Flächen  beschränkt,  sondern  umfassen  breitere  Streifen 
der  Schichtfolge.  Ihr  Extrem  ist  eine  allgemeine  Phyllonitisierung 
ganzer  Schichtkomplexe. 

Auf  die  Entstehung  von  Myloniten  ist  nicht  nur  die  Mechanik  der 
Bewegung,  sondern  auch  die  Art  der  betroffenen  Gesteine 
von  Einfluß. 

Die  Beobachtungen  in  der  Phyllitzone  von  Landeck  ergaben, 
daß  der  Mylonitisierung  vor  allem  die  Granitgneise  unterliegen.  Es 
sind  wenige  größere  Granitgneismassen  in  diesem  Gebiete,  welche 
nicht  bis  zu  gewissem  Grade,  mehrere  in  sehr  hohem  mylonitisiert 
wären. 

Das  auffälligste  Beispiel  ist  der  große  Orthogneiszug  St.  Marga- 
reten (Wenns) — Vennetgipfel,  welcher  fast  gänzlich  in  Mylonitschiefer 
umgeformt  worden  ist,  während  die  begleitenden  Phyllite  zu  beiden 
Seiten  ihre  unveränderte  Struktur  bewahrt  haben.  Die  Mylonitbildung 
ist  hier  nicht  an  eine  Störungslinie,  sondern  an  das  Gestein  ge- 
bunden. 

Die  Orthogneise,  welche  zwischen  Tobadill  und  Hintergiggl  an- 
stehen, sind  gleichfalls  weit  stärker  mylonitisiert  als  ihre  Umgebung. 
Die  Mylonitzone,  welche  „Am  Mösl"  (Scheibenkopf)  zum  Nordgrat 
der  Mittagspitze  zieht,  ist  an  eine  Linse  von  Biotitgranit  gebunden 
und  geht  nicht  darüber  hinaus.  Ebenso  fällt  die  Mylonitzone  am  Groß- 
gfallkopf  mit  einer  Orthogneiseinschaltung  zusammen. 

Auch  im  Gneisgebirge  treffen  wir  noch  diese  Lokalisation  des 
Mylonitbildung,    zum  Beispiel    am  Augengneis    an    der  Nordseite  des 


^)  Auch  Cornelius  berichtet  im  , Führer  zu  geol.  Excursionen  in  Grau- 
bünden etc.",  1912,  daß  bei  der  üeberschiebung  des  Granits  von  Gravasalvas  auf 
die  Liasschiefer  am  Longhinpaß  ersterer  an  seiner  ünterfläche  stark  mylonitisiert 
wurde,  letztere  nicht.  Bei  der  üeberschiebung  des  Corvatschgranits  auf  die  Schiefer 
von  Val  Fex  herrscht  nach  Staub  (Vierteljahrschrift  der  Schweizer  naturf.  Ges. 
1915)  die  gleiche  Verteilung. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  ^.  Hft.  (W.  Hammer.)         gg 


258  Wilhelm  Hammer.  [541 

Kielebergs,    bei    der  Amphibolit-Biotitgranitmasse    am  Nordgrat    des 
Planskopf  (Urgtal). 

Diese  selektive  Druckmetamorphose,  welche  den 
Vennet- Wennser  Granitgneis  zu  Mylonit  verwandelt  hat,  ist  nicht  die 
Wirkung  einer  Bewegung  an  einer  dort  durchschneidenden  Schub- 
fläche, sondern  es  kommt  darin  die  Durchbewegung,  welche  die  ganze 
Phyllitregion  betroffen  hat,  zum  Ausdruck,  während  sie  im  Phyllit  in 
den  Gleitungen  an  der  feinen  Schieferung  sich  unauffällig  und  in 
weiterer  Verteilung  ausgleichen  konnte.  Die  Gneislinse  in  den  Phyl- 
liten  spielt  eine  ähnliche  Rolle  wie  Porphyroblasten  oder  große  Ein- 
sprengunge vom  Feldspat,  Quarz,  Hornblende  u.  a.  zwischen  dicken 
Glimmerflasern ;  auch  sie  erliegen  zuerst  der  Kataklase.  Die  myloni- 
tischeu  Granitgneise  sind  gewissermaßen  die  empfindlichen  Indika- 
toren, welche  die  Durchbewegung  der  ganzen  Region  verraten. 


Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Einleitang 205  [1] 

Beschreibung  der  Gesteiiisarteii  und  ihrer  Verbreitung    ....  208  [4] 

1.  Phyllite  und  Einlagerungen  in  denselben 208  [4] 

2.  Zone  der  Phyllitgneise  und  Grlimmerschiefer 213  [9] 

3.  Oetztaler-  und  Silvrettagneise 217  [14] 

4.  Gneiszone  von  Steinhof  im  Pitztal 220  [16] 

5.  Ganggesteine      225  [21j 

6.  Verrucano 230  [26] 

Tektouilc 235  [31] 

1.  Nordrand  der  Phyllitzone 235  [31] 

2.  Rand  der  Oetztalergneise 237  [33] 

3.  Der  Nordrand  der  Silvrettagneise 244  [40] 

4.  Schuppungsfliichen  innerhalb  des  Phyllitea 252  [48] 

5.  Gesteinsdeformation 254  [50] 


Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie, 
Geologie  und  Technik. 

Von  lüg.  und  Dr.  phil.  Josef  Stiny. 

Ueber  Zusammenhänge  zwischen  Kolloidchemie  und  Geo- 
logie liegen  bereits  zahlreiche  Veröffentlichungen  vor;  ich  erinnere 
nur  an  die  Arbeiten  von  Leitmeier ^),  Niklas^),  Ehrenberg 3) 
usw.  Pollacks*)  Studie  beleuchtet  unter  anderem  auch  den  Nutzen, 
den  die  Technik  aus  der  Klärung  mancher  Fragen  aus  den  Grenz- 
gebieten zwischen  Geologie  und  Kolloidchemie  ziehen  könnte. 

In  der  Tat  verdienten  die  Grenzgebiete  zwischen  Geologie 
und  Technik  eine  sorgfältigere  Pflege  von  selten  der  Geologen  als 
bisher.  Das  gleichgültige,  um  nicht  zu  sagen  ablehnende  Verhalten 
vieler  Ingenieure  gegenüber  der  Geologie  rührt  zum  Teil  auch  von 
dem  geringen  Interesse  her,  das  viele  Geologen  jenen  Fragen  ent- 
gegenbringen, welche  den  Techniker  fesseln ;  gilt  es  doch  in  Geologen- 
kreisen vielfach  als  weit  zeitgemäßer,  sich  mit  Tektonik  als  mit 
anderen  Fragen  der  sogenannten  allgemeinen  Geologie  zu  beschäf- 
tigen. Auf  dem  Gebiete  der  letzteren  ist  man  vielfach  über  die  Kennt- 
nisse noch  nicht  hinaus,  die  man  bereits  vor  50 — 60  Jahren  über 
gewisse  Naturerscheinungen  gewonnen  hatte ;  ich  denke  dabei  be- 
sonders an  die  Abschnitte  über  Erosion,  Bodenbewegungen  usw.,  deren 
Bearbeitung  in  den  geologischen  Lehrbüchern  der  letzten  Jahrzehnte 
fast  die  gleiche  geblieben  ist.  Zwar  haben  Forscher  wie  Bargmann, 
Blanckenhorn,  Frech,  Heim,  Koch,  Löwl,  Pollack,  Reyer, 
Singer,  Toula  usw.  so  manches  Bemerkenswerte  über  Murbrüche, 
Bergstürze,  Talbildung,  Rutschungen  und  verwandte  Erscheinungen  ver- 
öfifentlicht.  Die  Ergebnisse  ihrer  Beobachtungen  und  Untersuchungen 
waren  für  den  Fortschritt  der  geologischen  Wissenschaft  und  für  die 
Technik  gewiß  gleich  wertvoll  und  das  Unterbleiben  dieser  Veröffent- 
lichungen hätte  für  unsere  Erkenntnis  einen  Ausfall  bedeutet.  Es  fehlt 
aber  in  diesen  älteren  einschlägigen  Arbeiten  vielfach  noch  die  quanti- 
tative Wertung  der  Naturerscheinungen ;  die  geologische  Forschung 
pflegte  vornehmlich  die  spekulative  Richtung  und  erst  seit  Daubree, 


^)  Dölter,  Cornu  und  Leitmeier,  Die  Anwendung  der  Kolloidchemie 
auf  Mineralogie  u.  (Geologie    Zeitschrift  für  Chemie  u.  Industrie  der  Kolloide.  1909. 

*)  Niklas,  H.,  Die  Kolloidchemie  und  ihre  Bedeutung  für  die  Bodenkunde, 
Geologie  und  Mineralogie,   Interne  Mitteilungen  für  Bodenkunde.    1913    S.  383  ff". 

^)  Ehrenberg,  Die  Bodenkolloide.  Dresden  1915. 

*)  Pollack,  V..  Zur  Frage  der  Bodenbeweglichkeit  und  Druckfestigkeit 
der  „Tongesteine"    und   verwandter  Materialien.  Kolloidzeitschrift  1917,   S.  33  ff. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  ReichsanBt.alt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  Ilft.  (J.  Stiny.)  33* 


260  Josef  Stiny.  [2] 

P  au  Icke  u.  a.  zieht  man  auch  den  Versuch  und  die  Statistik  immer 
mehr  und  mehr  zur  Lösung  strittiger  Fragen  heran.  Versuch  und 
Messung,  abwägender  Vergleich  und  kritische  Zusammenstellung  (Sta- 
tistik) aber  bieten  erst  jene  festen  Grundlagen,  auf  welchen  der  Inge- 
nieur aufbauen  und  aus  welchen  er  nutzbringende  Schlüsse  für  seine 
Tätigkeit  ziehen  kann.  Daß  der  Beruf  des  Ingenieurs  ein  überaus 
hoher  und  wichtiger  ist,  weil  seine  Ausübung  unermeßliche  volkswirt- 
schaftliche Werte  schafft,  davon  überzeugen  sich  die  Völker  täglich 
immer  wieder  vom  neuen,  ja  man  könnte  die  Achtung,  der  sich  der 
Ingenieur  bei  einem  Volke  erfreut,  fast  als  Gradmesser  für  die  wirt- 
schaftliche Fortgeschrittenheit  des  betreffenden  Landes  betrachten. 
Der  Ingenieur  wird  seinen  Aufgaben  aber  oft  nur  dann  entsprechen 
können,  wenn  er  die  Naturerscheinungen  kennt,  die  sich  seinem  Unter- 
nehmen mehr  minder  hinderlich  entgegenstellen.  Hier  frommt  es  nicht, 
der  rohen  Naturgewalt  wiederum  wuchtige  Kraft  entgegenzusetzen ;  bei 
diesem  aus  wirtschaftlichen  Gründen  ungleichen  Kampfe  triumphiert 
zumeist  die  allmächtige  Mutter  Natur  und  der  Mensch  zieht  den  kür- 
zeren. Hier  setzt  die  Beratung  und  Ergänzung  der  Tätigkeit  des 
Ingenieurs  durch  den  Geologen  ein ;  dieser  lehrt  den  Techniker  die 
Erkenntnis  der  Naturerscheinungen  und  das  zweckmäßigste  Verhalten 
gegenüber  den  die  Erdrinde  formenden  Kräften.  Aus  der  Kenntnis 
des  Verlaufes,  der  Stärke,  der  Folgen  usw.  eines  geologischen  Vor- 
ganges schöpft  der  Ingenieur  die  Mittel,  die  Natur  zu  meistern  und 
zu  beherrschen ;  nur  derjenige  ist  Ingenieur  im  vollen,  hehren  Sinne 
des  Wortes,  der  es  versteht,  mit  den  gegebenen  Kräften  und  Stoffen 
hauszuhalten,  die  Naturgewalten  mit  den  geringstmöglichen  Mitteln  zu 
besiegen  und,  wo  wünschenswert,  sogar  die  Naturerscheinungen  selbst 
zur  Lösung  von  Aufgaben  heranzuziehen  und  seinen  Zwecken  dienst- 
bar zu  machen.  Der  Geologe  wird  aber  nur  dann  immer  mehr  ver- 
edelnd auf  die  Tätigkeit  des  Ingenieurs  einwirken  können,  wenn  er 
sich  in  entsprechendem  Maße  dem  Ausbaue  der  Lehren  der  allge- 
meinen Geologie  und  der  technischen  Auswertung  der  Gesteinskunde 
widmet.  Die  Gebiete  der  historischen  Geologie  und  der  Paläontologie 
fördern  die  Technik  unmittelbar  wenig  oder  gar  nicht,  so  sehr 
sie  auch  die  rein  geologische  Erkenntnis  bereichern  und  so  mittel- 
bar auch  dem  Ingenieur  zugute  kommen. 

Die  Wechselbeziehungen  zwischen  Gesteinskunde  und  T  e  c  h- 
nik  haben  nun  in  der  letzten  Zeit  durch  eine  Reihe  namhafter 
Forscher  sorgfältige  Pflege  und  wesentliche  Förderung  erfahren ;  es 
dürfte  genügen,  aus  der  Fülle  von  geehrten  Arbeitern  auf  Namen 
wie  Hanisch,  Herr  mann,  Hirschwald,  Kosiwal  u.  a,  hinzu- 
weisen. Immerhin  aber  bleibt  hier  noch  ein'  weites  Arbeitsfeld  für 
ergänzende  Forschungen  offen. 

Mehr  im  argen  liegen  die  Verhältnisse  auf  dem  Gebiete  der 
dynamischen  Geologie.  Zwar  fehlt  es  auch  hier  nicht  an  An- 
sätzen zu  einer  ziffermäßigen  Auswertung  der  Naturerscheinungen. 
Die   großartigste   Veröffentlichung   stellt,    von    Iloff^)    abgesehen,   in 

M  Hoff,  K.  E.  A.,  fieschicbte  der  durch  Ueberlieferung  nachgewiesenen 
natürlichen  Veränderungen  der  Erdoberfläche.  Gotha  18S4. 


[3]       Binige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,   Geologie  und  Technik.     261 

dieser  Hinsicht  Sappers i)  Arbeit  über  die  Vulkane  der  Erde  dar. 
Götzingers^)  schöne  Veröifentlichungen  bedeuten  einen  Gewinn 
für  unseren  zittermäßigen  Einblick  in  den  Verlauf  mancher  Natur- 
erscheinungen. Braun  S'^)  an  und  für  sich  gute  Anregungen  zu  einer 
Statistik  der  Bodenbewegungen  versprachen  reiche  Ausbeute  auch  für 
technische  Zwecke,  scheinen  aber  keinen  Widerhall,  beziehungsweise 
keine  Fortsetzung  gefunden  zu  haben.  Häberle*)  beschäftigte  sich 
mit  den  Fortschritten  der  Verwitterung,  Erosion  und  Denudation.  Auch 
der  Verfasser^)  wies  wiederholt  auf  die  Notwendigkeit  ziffermäßiger 
Feststellungen  und  von  Versuchen  bei  geologischen  Vorgängen  hin 
und  machte  gelegentlich  einige  diesbezügliche  Angaben.  Das  bisher 
von  den  Genannten  und  Anderen  Geleistete  ist  aber  bloß  ein  kleiner 
Anfang  dazu,  die  dynamische  Geologie  auf  jene  sichere,  konkretere 
Grundlage  zu  stellen,  welche  sie  erst  dem  Techniker  so  recht  wert- 
voll macht.  Eine  ungeheure  Arbeit  ist  noch  zu  bewältigen.  Ent- 
sprechend der  Tatsache,  daß  so  manche  noch  näher  zu  klärende 
Fragen  auf  dem  Grenzgebiet  zwischen  Technik  (Hydraulik  usw.)  und 
Geologie  liegen,  wird  die  Arbeit  von  Geologen  und  Ingenieuren  ge- 
meinsam geleistet  werden  müssen,  soll  für  die  ausübende  Tätigkeit 
Ersprießliches  erzielt  werden.  Zu  diesem  Behufe  wird  der  Geologe 
seine  Kenntnisse  nach  der  technischen,  der  Ingenieur  sein  Wissen 
nach  der  geologischen  Seite  hin  erweitern,  ergänzen  und  vertiefen 
müssen.  Die  junge  Wissenschaft  der  Kolloidchemie  wird  dabei  gar 
oft  zu  Rate  zu  ziehen  sein. 

Es  soll  im  Nachstehenden  versucht  werden,  einige  dieser  Wechsel- 
beziehungen zwischen  Geologie,  Technik  und  Kolloidchemie  heraus- 
zugreifen und  näher  zu  beleuchten.  Eine  erschöpfende  Darstellung 
wird  dabei  weder  erreicht  noch  angestrebt  werden.  Es  möge  daher  die 
vorliegende  Arbeit  nur  als  eine  bescheidene  Anregung  zur  weiteren 
Verfolgung  des  gesteckten  Zieles,  die  dynamische  Geologie  nach  der 
quantitativen  und  experimentellen  Seite  hin  auszubauen,  aufgefaßt 
werden.  Dabei  sollen  die  Ergebnisse  einiger  Versuche  mitgeteilt 
werden,  welche  vom  Verfasser  angestellt  wurden  ;  ihre  gelegentliche 
Fortsetzung  ist  geplant. 


^)  Sapper,  K.,  Beiträge  zur  Geographie  der  tätigen  Vulkane.  Zeitschrift 
für  Vulkanologie.   1917.  Band  III. 

^)  Götzinger,  G.,  Beiträge  zur  Entstehung  der  Bergrückenformen.  Pencks 
geographische  Abhandlung.  Band  IX.  Heft  1.  Leipzig  1907.  —  Götzinger,  G,, 
Häberles  Messungen  der  Fortschritte  der  Vewitterung,  Erosion  und  Denudation. 
Deutsche  Rundschau  für  Geographie.  XXXIV.  4.  Heft,  S.  176-178. 

')  Braun,  G.,  Ueber  Bodenbewegungen.  Greif swald  1908. 

*)  Häberle,  D..  Zur  Messung  der  Fortschritte  der  Erosion  und  Denu- 
dation. Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie,  (»eologie  und  Paläontologie.  Stuttgart 
1907.  Band  I.  S  7  ff.  —  Häberle,  D,  Ueber  die  Meßbarkeit  der  Fortschritte 
der  Verwitterung.  Jahresbericht  und  Mitteilungen  des  oberrhein.  geologischen 
Vereins  1911.  N.  F.  S.  52. 

^)  Stiny,  J,  Die  Ursachen  der  vorjährigen  Verraurungen  im  Zillertal.  Mit- 
teilungen der  Geologischen  Gesellschaft.  Wien  1909.  S.  213  ff.  —  Die  Muren. 
Innsbruck  1910.  —  Fortschritte  des  Tiefenschurfes  in  der  Gegenwart.  Geologische 
Rundschau.  III.  Band.  S.  166  ff.  -—  Versuche  über  Schwemmkegel bildung.  Geo- 
logische Rundschau  1917.  S.  189  ff. 


262  Josef  Stiny.  vn 

Die  Versuche  wurden  im  Laboratorium  der  Lehrkanzel  für 
forstliche  Standortslehre  an  der  k.  k.  Hochschule  für  Bodenkultur  in 
Wien  ausgeführt;  Herrn  Prof.  Dr.  W.  Grafen  zu  Leiningen  sei 
an  dieser  Stelle  für  die  gütige  Erlaubnis  zur  Benützung  der  Arbeits- 
räume der  geziemende  Dank  abgestattet.  Als  Versuchsstoffe  dienten 
sarmatische  Sande  von  der  Türkenschanze  und  sogenannte  „Tegel" 
aus  den  Ziegeleien  von  Hernais  (sarmatische  Stufe  des  Tertiärs). 
Der  verwendete  Tegel  enthielt,  wie  ermittelt  wurde,  5*ö6  v.  H. 
Kalziumkarbonat  beigemengt,  das  verschiedenen,  zerkleinerten  Resten 
von  Muscheln  und  Schnecken  entstammt.  Der  Sand  wurde  durch 
Sieben,  der  Tegel  durch  Schlemmen  mit  dem  Apparat  von  Appiani- 
Attenberg  in  Bestandteile  von  verschiedener  Korngröße  zerlegt, 
und  die  so  gewonnenen  Teile  bekannter  Größe  den  Versuchen 
zugrunde  gelegt.  Der  Tegel  erwies  sich  trotz  des  nicht  geringen 
Kalkgehaltes  als  hochgradig  bildsam  und  knetbar;  dieses  Verhalten 
dürfte  wohl  einerseits  darauf  zurückzuführen  sein,  daß  der  Kalk  im 
Tegel  wahrscheinlich  z.  T.  selbst  in  kolloidaler  Form  auftritt,  ander- 
seits aber  von  ihm  unter  den  gegebenen  Verhältnissen  nur  so  geringe 
Mengen  in  Lösung  gehen,  daß  der  Schwellenwert  für  die  Aufhebung 
der  Ausflockung  nicht  erreicht  wird. 


1.  Das  Raumgewicht  von  Aufschwemmungen  fester 
Teilchen  in  Wasser. 

Kaum  ein  Schriftsteller,  welcher  sich  mit  der  Sinkstoff-  und 
Geschiebeführung  von  Wässern  beschäftigt  hat,  versäumte  es,  auf 
die  Erhöhung  der  Dichte  hinzuweisen,  welche  das  Wasser  durch  die 
Beimengung  von  festen  Stoffen  erfährt.  Namentlich  Augenzeugen  von 
Murgängen  haben  oft  in  überzeugender  Weise  geschildert,  wie  selbst 
große  Felsblöcke  von  vielen  Tonnen  Gewicht  nicht  selten  im  Murbrei 
förmlich  schwimmen;  eine  solche  Erscheinung  setzt  aber  ein  außer- 
ordentlich hohes  Raumgewicht  der  Murmassen  voraus  i).  Wir  können 
diese  Erhöhung  der  Dichte  von  Wasser,  welches  mit  festen  Bestand- 
teilen beladen  ist,  am  besten  verstehen,  wenn  wir  von  dem  Raum- 
gewichte kolloidaler  Verteilungen  in  Wasser  ausgehen. 

Lange  schon,  ehe  Graham  das  Wort  „Kolloid"  geprägt  hatte, 
wußte  P.  S.  Girard^),  daß  die  Dichte  von  Seinewasser  in  geradem 
Verhältnisse  mit  der  Menge  von  zartem  Tonpulver  von  der  Dichte  -=-- 
2-47457  wachse,  die  man  ihm  beimischt.  Die  Ergebnisse  von  Girards 
Versuchen  sind,  umgerechnet,  folgende: 


>)  Vgl.  Stiny,  J.,  Die  Muren,  S.  37. 

*)  Girard,  P.  S.,  Ueber  die  Anziehung,  die  sich  in  merklichen  Abstünden 
zwischen  den  Oberflächen  starrer  Körper  äußert,  durch  eine  Flüssigkeit,  in 
welcher  sie  untergetaucht  sind.  Poggendorfs  Annalen  der  Physik  und  Chemie. 
Leipzig  1825.  S.  41  ff. 


[5]        Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,  Geologie  und  Technik.     263 

Tongehalt  Raumgewicht  Anmerkune 

vom  Hundert      der  Aufschwemmung  ° 

75  1-9742  berechnet 

70  1-9093 

60  1-7794 

50  1-6495 

40  1-5196 

30  1-3897 

20  1-2598 

10  11299 

9-9  1  1181  nach  Girard 

5  1-0649  berechnet 

4  10454  nach  Girard 

3-23  10335 

1  1-0113  berechnet 

Aus  Girards  Versuchen  geht  bereits  hervor,  daß  die  Zunahme 
der  Dichte  des  Wassers  mit  der  Beimischung  fester,  feinstverteilter 
Stoffe  infolge  von  Zusammenziehungserscheinungen  schwach  beschleu- 
nigt erfolgt.  Man  ersieht  außerdem  ohne  weiteres,  daß  schon  in  Wässern 
mit  etwa  50  v.  H.  Gewichtsteilen  Ton  Gesteinsblöcke  von  geringer 
Dichte  (Tuffe,  gewisse  Kalksteine  usw.)  leicht  schwimmen  können ; 
denn  ein  Geschiebe  von  1  m'^  Rauminhalt  und  etwa  der  Dichte  =  160 
verliert  im  Tonbrei  obiger  Zusammensetzung  rund  1"65  t  an  Gewicht, 
vermag  also  in  der  Masse  zu  schwimmen,  vorausgesetzt,  daß  die  auf 
Girards  Messungen  aufgebauten  Schwereberechnungen  mit  dem 
tatsächlichen  Verhalten  von  Tonbrei  stimmen,  was  nach  den  folgenden 
Ausführungen  zu  bezweifeln  ist. 

Schübler^)  mischte  weiße,  kölnische  Pfeifenerde  von  der 
Dichte  =  2*44  mit  verschiedenen  Mengen  Wassers  und  ermittelte 
das  Raumgewicht  der  Aufschwemmung  mittels  eines  genauen  Aräo- 
meters. Nachstehend  seien  die  von  ihm  ermittelten  Werte,  auf 
Hundertstel  umgerechnet,  wiedergegeben: 

Anmerkung' 
nach  Schub  1er 


Tongehalt  des  Breies 
in  Hundertsteln 

Dichte 
des  Breies 

2-44 

1-012 

3-23 

1-016 

3-84 

1020 

4-76 

1026 

6-25 

1-034 

9-091 

1-046 

10 

1-0502 

20 

1-1004 

errechnet 


*)  Schübler,  Grundsätze  der  Agrikulturchemie.  Leipzig  1838. 


264 


Josef  Stiny 

Tongehalt  des  Breies 
in  Hundertsteln 

Dichte 
des  Breies 

30 

11506 

40 

1-2008 

50 

1-2510 

60 

1-3012 

70 

1-3514 

80 

1-4016 

90 

1-4518 

Anmerkung 

errechnet 


[6J 


Schübler  erhielt  somit  weit  geringere  Werte  als  Girard; 
aus  seinen  Ergebnissen  können  aber  hinsichtlich  der  Dichtezunahme 
ganz  ähnliche  Gesetze  abgeleitet  werden. 

Die  Versuche,  welche  Linder  und  Picton^)  mit  kolloidem 
Arsentrisulfid  anstellten,  ergaben  gleichfalls,  daß  die  Dichtelinie 
nahezu  streng  eine  Gerade  ist.  Aus  ihren  Angaben  wurden  nach- 
stehende Werte  errechnet: 


lundertstel  As^  s^ 
in  der  Mischung 

Dichte 

10  V.  H. 

1-075915 

20      „ 

1-151830 

30      „ 

1-227745 

40      „ 

1-303660 

50      ,. 

1379575 

60      „ 

1-455490 

70      „ 

1-531405 

80      „ 

1-607320 

90      „ 

1-683235 

G.  Quincke^)  fand  die  Dichte  einer  kolloidalen  Kieselsäure- 
verteilung zu 

1*005  bei  Anwesenheit  von  1  v.  IL  Kieselsäure 

1*017  bei  Anwesenheit  von  3  v.  H.  Kieselsäure 

L029  bei  Anwesenheit  von  5  v.  H.  Kieselsäure 

1-059  bei  Anwesenheit  von  10  v.  IL  Kieselsäure 

Sieht  man  von  Girards  Angaben  ab,  welche  sich  wegen  der 
Unsicherheit  der  Umrechnungsziffer  für  das  von  ihm  verwendete  Aräo- 
meter nicht  gut  vergleichen  lassen,  so  gewinnt  man  aus  den  Ver- 
suchen von  Schübler,  Linder-Picton  und  Quincke  eine  eigen- 
artige  Beziehung.   Die   wahre  Dichte   eines   festen  Körpers  ist   stets 


')  Linder,  S.  E.  und  Picton,  H.,  in  „Journ  Cheni.  Soc.  1895"  wieder- 
gegeben nach  W.  Ostwald,  Grundriß  der  Kolloidchemie.  Leipzig  1899. 

2)  Quincke,  G.  in  D  rüdes  Annalen  der  Physik,  lü;'3,  S.  486,  509  und 
1907,  S.  800   (nach   W.  Ostwal  dj. 


[7]       Einige  l^eziehungen  zwischen  Kolloidchemie,   Geologie  und  Technik.     265 

etwas  kleiner  als  die  aus  der  Mischungsreihe  theoretisch  errechnete, 
welche  man  erhält,  wenn  man  das  Raumgewicht  eines  lOprozentigen 
Gemenges   mit   10  vervielfacht.   So   erhält   man  z.  B.  die  Dichte  von 

Kieselsäure  (wasserhaltig)  tatsächlich  zu 230 

rechnungsmäßig  zu 2-59 

Köln.  Pfeifenerde  tatsächlich  zu »  .2-44 

rechnungsmäßig  zu 2-502 

Arsentrisulfid  tatsächlich  zu 270 

rechnungsmäßig  zu 2-759 

Dies  entspricht  den  bekannten  Gesetzen,  daß  die  Dichtezunahme 
für  gleiche  Gehaltszunahmestufen  mit  wachsendem  Gehalte  an  festen 
Stoffen,  wenn  auch  langsam,  doch  recht  merklich  steigt  und  daß  das 
Raumgewicht  von  Aufschwemmungen  infolge  eintretender  Zusammen- 
ziehungen größer  ist,  als  das  aus  dem  arithmetischen  Mittel  von 
Flüssigkeit  und  festem  Körper  berechnete. 

Die  Versuche  mit  Arsentrisulfid  und  mit  Kieselsäure  beziehen 
sich  auf  streng  kolloide  Stoffe,  bzw.  Lösungen  (Gemische).  Schüblers 
Tonbrei  stellt  zwar  eine  Mischung  von  Wasser  mit  festen  Stoffen  dar, 
welche  nicht  zur  Gänze  kolloidaler  Natur  sind,  läßt  aber  über  die 
Korngröße  der  Nichtkolloide  im  Unklaren.  Es  wurden  daher  mit  den 
Ergebnissen  der  eigenen  Schlämmungen  Versuche  angestellt,  von  denen 
Klarheit  über  die  Frage  erhofft  werden  konnte,  wie  sich  die  einzelnen 
Korngrößen  in  Aufschwemmungen  hinsichtlich  ihres  Raumgewichtes 
verhalten. 

Es  darf  dabei  eine  Ungenauigkeit  nicht  verschwiegen  werden, 
welche  allen  ähnlichen  Versuchen  anhaftet.  Löffler^)  wies  bereits 
darauf  hin,  daß  infolge  des  Niedersinkens  der  festen  Stoffe  in  einer 
Aufschwemmung  das  Aräometer  etwas  zu  niedrige,  das  Pyknometer 
aber  etwas  zu  hohe  Werte  ergebe.  Da  ich  bei  meinen  Versuchen  ein 
Aräometer  verwendete,  so  sind  die  im  folgenden  angeführten  Be- 
obachtungswerte nur  innerhalb  obiger  Fehlengrenze  verläßlich.  Die 
Abweichung  vom  wahren  Dichtewerte  ist  bei  groben  Körnungen  so 
groß,  daß  die  erhaltenen  Ziffern  unbrauchbar  werden ;  der  Fall  der 
Körner  erfolgt  so  rasch  und  mit  solchem  Ungestüm,  daß  das  Aräo- 
meter rasch  emporschnellt,  um  bald  wiederum  allmählich  zu  sinken ; 
so  ergab  z.  B.  eine  Aufschwemmung  von  10  gr  groben  Sand  mit 
0-25  bis  1  mm  Durchmesser  in  90  gr  Wasser  das  Raumgewicht  von 
1-02,  einen  offenbar  zu  niedrigen,  unverwendbaren  Wert.  Bei  den  feinen 
Teilchen  bereitet  wiederum  ihr  Aneinanderkleben  Schwierigkeiten  und 
es  kostet  einige  Mühe,  möglichst  gleichteilige,  gleichmäßig  mit  festen 
Teilchen  durchsetzte  Aufschwemmungen  zu  erhalten. 

Das  Raumgewicht  des  Sandes  von  025  bis  1  mm  Korndurchmesser 
wurde  zu  2  66  bestimmt,  deckt  sich  also  fast  völlig  mit  dem  des 
reinen  Quarzes  (D.  =  2-65). 


*)  Löffler,  Wann  und  auf  welchem  Wege  beeinflussen  suspendierte 
Teilchen  Gewicht  und  Auftrieb  einer  Flüssigkeit?  Poggendorfg  Annalen  der 
Physik  1907,  S.  517—525. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  J.  Hft.  (J.  Stiny.)  34 


266 


Josef  Stiny. 


[8] 


Die  Ermittlung  des  Raumgewichtes  von  Aufschwemmungen  von 
Feinsand  ^)  (Korndurchmesser  02  bis  0  06  mm)  in  Wasser  führten 
zu  nachstehenden  Ergebnissen: 


Hundertstel  Feinsand 
im  Gesamtgemenge 

.  10 

11-11 

20 
30 
40 
50 
60 
70 
80 
90 
100 


60 


61 


62 


1-452 


1-513 


2-575 


Dichte 
der  Aufschwemmung 

1-053 
2 

1-055 
52  ) 

1-107 
55 

1-162 
56 

1-218 
57 

1-275 
58 

1-333 
59 


Unmittelbar 
beobachtet 


Aus 


1-392     \   Beobachtungen 
errechnet 


Die  erhobene  Dichte  des  Feinsandes  (D.  =  2-525)  nähert  sich 
jener  des  Kaolins  (D.  =  2-50),  beziehungsweise  des  Zersetzungstones, 
wie  er  aus  der  Verwitterung  der  Feldspate  hervorgeht.  Der  geringe 
Mehrbetrag  ist  auf  Beimengung  feiner  Quarzkörner  usw.  zurückzu- 
führen. 

Die  Abweichung  des  Beobachtungswertes  der  Zeile  1  vom  arith- 
metischen Mittel  beträgt  0-023. 

Die  Versuche  mit  Mehlsand  (0-02  bis  0-06  mm  Korndurchmesser) 
ergaben  die  auf  nachstehender  Tabelle  I  angeführten  Resultate. 

Die  Dichte  des  Mehlsandes  wurde  zu  2-463  ermittelt.  Die  Ab- 
weichung des  Beobachtungswertes  Zeile  1  vom  arithmetischen  Mittel 
des  Raumgewichtes  von  Mehlsand  und  Wasser  beträgt  0022. 

Die  entsprechenden  Werte  für  Aufschwemmungen  von  Schluff 
(002  bis  0006  Korndurchmesser)  ergaben  die  auf  Tabelle  II  ange- 
führten Resultate. 


')  Die  Bezeichnungen  „Feinsand",  „Mehlnand",  ^ychlutf",  „Mu"  usw.  werden 
im  Sinne  AttenbergH  gebraucht.  (Vgl.  Attenberg,  Die  mechaniache  Boden- 
analyse und  die  Klassifikation  der  Mineralböden  Schwedens.  Internationale  Mit- 
teilungen für  Bodenkunde,  Bd.  II,  Heft  4.) 


[9]       Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,   Geologie  und  Technik.     267 


T 

abe 

'He  I: 

lundertstel   Mehlsand 
im  Gesamtgemenge 

de 

Ran 
•  Au 

mgewicht 
["schwemm 

ung 

10 

53 

1051 

20 

54 

1-107 

beobachtet 

30 

55 

1-158 

40 

56 

1-213 

50 

57 

1-269 

60 

1-326 

58 

1-384 

Aus 

70 

>    Beobachtungen 

80 

59 
60 

1-443 

berechnet 

90 

61 

1-503 

100 

2-564 

T 

abe 

Ue  II: 

Hundertstel   Schluff 

Raumgewichl 

im  Gesamtgemenge 

de 

r  Au 

(schwemm 

ung 

10 

1-044 

29 

16-67 

x22 

1073 

unmittelbar 

20 

53 

1-095 

beobachtet 

30 

55 

1  148 

40 

57 

1-203 

50 

58 

1260 

60 

59 

1  318 

Aus 
•    Beobachtungen 
errechnet 

70 

1-377 

80 

00 

1-437 

Gl 

90 

62 

1-498 

100 

2-560 

34* 


268 


Josef  Stiny. 


[10] 


Das  Raumgewicht  des  Schluffes  beträgt  2-451,  die  Abweichung  des 
arithmetischen  Mittels  vom  Beobachtungswerte  der  ersten  Zeile  0-0288. 
Die  Dichte  des  Schluffes  deckt  sich  fast  völlig  mit  jener  der  kölnischen 
Pfeifenerde,  welche  Schübler  zu  seinen  Versuchen  verwendete-, 
demgemäß  stimmen  auch  die  erhaltenen  Ergebnisse  gar  nicht  schlecht 
überein. 

Für  feinen  Staub  (0-002  bis  0006  Korndurchmesser)  wurden 
nachstehende  Dichtezahlen  ermittelt: 


Hundertstel 
Feinstaub 

Raumgewicht 

im 
Gesamtgemenge 

HCL 

Aufschwemmung 

10 

54 

1-054 

20 

1-108 

46 

unmittelbar 

28-57 

10 

1154 

beobachtet 

30 

58 

1-164 

40 

59 

1-222 

50 

60 

1-281 

60 

1-341 

61 

Aus 

70 

1-402 
1-464 

>    Beobachtungen 

80 

62 

errechnet 

63 

90 

64 

1  527 

100 

2-691 

Die  Dichte  des  Feinstaubes  beläuft  sich,  wie  festgestellt  wurde, 
auf  2-439,  die  Abweichung  des  Wertes  der  ersten  Zeile  vom  arith- 
metischen Mittel  0-018.  Auch  hier  zeigen  sich  nahe  Beziehungen  zu 
den  Ergebnissen  des  Schübl  er'schen  Versuchs. 

Es  zeigt  sich  somit  die  Erscheinung,  daß  das  Raumgewicht 
der  Bestandteile  des  Tegels  mit  der  Korngröße  abnimmt.  Diese  Ver- 
ringerung der  Dichte  beruht  nicht  bloß  auf  der  Abnahme  der  Volumen- 
energie allein,  an  deren  Stelle  allmählich  die  Oberfiächenenergie  tritt, 
sondern  wohl  auch  auf  einem  Wechsel  der  mineralogischen  Zusammen- 
setzung. An  die  Stelle  des  Quarzes,  welcher  den  groben  Sand  fast 
allein  zusammensetzt,  treten  beim  Mu  (0-2—0-02  Korndurchmesser  = 
Feinsand  ■}-  Mehlsand)  immer  mehr  und  mehr  schüppchenartige  Teil- 
chen, wie  Glimmerblättchen,  Tonflinserchen  usw.  Inwieweit  infolge 
der  Oberflächenwirkung  der  feinen  Teilchen  Luftbläschen  an  ihnen 
haften  bleiben  und  die  Dichte  verringern,  läßt  sich  nicht  überblicken. 


[11]     Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,  Geologie  und  Technik.     269 

Die  Abweichung  der  errechneten  Dichte  einer  lOOprozentigen,  ge- 
dachten Aufschwemmung  von  der  tatsächlich  im  Versuchswege  er- 
mittelten nimmt  mit   abnehmender  Korngröße  zu;  sie  beträgt  bei: 

Grobsand -f-  0010 

Feinsand -j-  0-050 

Mehlsand -f-  Q-lOl 

Schluff -f  0-109 

Feinstaub +  0152 

Anders  ausgedrückt,  die  Zusammenziehung  (Verdichtung)  der 
Aufschwemmung  wächst  mit  zunehmender  Kleinheit  des  Korns. 

Auftrieb,  das  ist  Gewichtsverlust  der  festen  Stoffe  in  der  Flüssig- 
k-eit,  kann  tatsächlich  erst  dann  eintreten,  wenn  die  Masse  der  festen 
Teilchen  völlig  durchfeuchtet  ist.  Nach  den  Berechnungen  von  S  c  h  m  i  d  *) 
und  anderen  sind  zur  vollständigen  Durchtränkung  von  Schwimmsand 
mit  Wasser  bei  kugeliger  Gestalt  der  Sandkörnchen  und  dichter  Lage- 
rung 25-95  V.  H.  Raumteile  Wasser  nötig.  In  der  Gewichtseinheit 
nassen,  dichten  Schwimmsandes  sind  daher 

87-26  V.  H.  Gewichtsteile  Sand  enthalten,  wenn 

die  Dichte  des  Sandes  ....     2*4 

87-70  V.  H 2-5  und 

88-10  V.  H.  Gewichtsteile,  wenn  die  Dichte  des 

Sandes 2-6 

beträgt.  Man  kann  daher  von  Aufschwemmungen  mit  mehr  als  etwa 
90  Prozent  Gewichtsteilen  Sand  nur  gedachtermaßen  sprechen,  in  der 
Wirklichkeit  bestehen  sie  im  allgemeinen  nicht.  Nur  dann,  wenn  die 
Sandkörner  nicht  kugelähnlich,  sondern  annähernd  Würfel-  oder  viel- 
flächenähnlich  geformt  sind  und  mit  ihren  Flächen  aneinanderlägen, 
käme  eine  völlige  Durchnässung  früher  zustande  und  würde  die  obige 
Grenze  der  möglichen  Aufschwemmungen  über  90  v.  H.  Gewichtsteile 
Sandes  hinaufrücken.  Das  umgekehrte  gilt  für  Sandkörnchen  beliebiger 
Gestalt  von  lockerer  Lagerung,  Diese  erfordern  bei  kugelälmlicher 
Form  zur  völligen  Durchnässung  bis  zu  476  v.  H.  Raumteile  Wasser 2); 
bei  den  vielflächigen  glazialen  Sauden  Schwedens  schwankt  dieser  Be- 
trag nach  Atterberg^)  zwischen  36  und  41  v.  H. 

Die  angestellten  Versuchsreihen  würden  eine  bessere  Auswertung 
erfahren  können,  wenn  die  Dichte  der  festen  Bestandteile  aller  Korn- 
größen dieselbe  wäre  und  nicht,  wie  dies  tatsächlich  der  Fall  ist,  mit 
der  Korngröße  abnähme.    Dieser   Umstand,   wie   die    damit   zum  Teil 


^)  Schmid,  E.,  Uebei-  die  in  Schwimmsandlagern  mögliche  Waasermenge. 
Oesterr.  Zeitschiiit  für  Berg-  u.  Hüttenwesen.  Wien  1908.  S  581  ff.  —  Lueger,  0., 
Technisches  Lexikon. 

-)  Nach  Lang,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agriku^turphysik,  8. 
1895;  wiedergegeben  nach  Atterberg  (siehe  Fußnote  3). 

*)  Atterberg,  A.,  Die  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  Band  69, 
1908,  S.  93—143. 


270  Josef  Stiny.  [12] 

zusammenhängende  Abweichung  in  der  mineralogischen  Zusammen- 
setzung, trübt  etwas  den  üeberblick  über  die  Erscheinung.  Immerhin 
aber  läßt  sich  erkennen,  daß  bei  gleichbleibender  Dichte  der  auf- 
geschwemmten Teilchen  mit  abnehmender  Größe  derselben  das  Raum- 
gewicht der  Aufschwemmung  selbst  zunimmt.  Hochwässer  sind  daher 
unter  sonst  gleichen  Umständen  um  so  schwerer,  je  feiner  die  von 
ihnen  mitgeführten  Sinkstoffe  sind.  Zwar  dürfte  die  Gewichtserhöhung 
von  Hochwässern  der  Tieflandflüsse  entsprechend  ihrer  geringen 
Schlammführung  keine  allzu  bedeutende  sein  und  sich  nur  selten  über 
einige  Hundertstel  binausbewegen;  für  die  Mitführung  von  Treibholz, 
die  Verstärkung  der  Stoßkraft  usw.  ist  aber  selbst  eine  so  wenig  be- 
trächtliche Dichtevermehrung  immer  noch  von  Belang  und  man  wird 
Schub  1er  (a.  a.  0.)  beipflichten  müssen,  wenn  er  sagt,  daß  „schon 
mehr  weniger  durch  Ton  und  erdige  Teile  getrübtes  Flußwasser 
schwerer  belastete  Schiffe  zu  tragen  imstande  ist,  als  völlig  klares, 
reines  Wasser".  Auf  diese  Weise  würde  also  die  Erbauung  von  Tal- 
sperren in  Sammelgebieten  schiffbarer  Flüsse  durch  Zurückhaltung 
der  SiukstofFe  die  Tragfähigkeit  des  Wassers  herabmindern. 

Einschneidender  macht  sich  die  Raumgewichterhöhung  bei  Ge- 
birgsbächen  und  Flüssen  bemerkbar,  deren  größere  Geschwindigkeit 
eine  wesentlich  vermehrte  Sinkstofführung  gestattet,  am  meisten  aber 
bei  den  Muren,  welche  meines  Erachtens  im  Sinne  der  neueren  Kolloid- 
forschung nichts  anderes  darstellen,  als  Aufschwemmungen  großartigsten 
Maßstabes,  welche  von  weniger  stofifbeladenen  Wassermassen  immer 
wieder  vom  neuen  vorgestoßen  werden,  beziehungsweise  Bewegungs- 
impuls empfangen  ^).  Hier  muß  man  mit  außerordentlich  hohen  Dichten 
des  Murbreis  rechnen.  Bei  einem  Raumgewichte  von  etwa  1*50  — 
allerdings  wohl  ein  nicht  häufiger  oberer  Grenzfall  —  müßten  alle 
Gesteinstrümmer  von  einer  die  Korngröße  der  festen  Teile  der  Auf- 
schwemmung übersteigenden  Größe  auf  dem  Rücken  des  Murganges 
mehr  minder  schwimmen,  wenn  ihr  eigenes  Raumgewicht  unter  1"50 
liegt.  Ueber  den  Gehalt  der  Muren  an  festen  Massen  folgen  weiter 
unten  eigene  Untersuchungen.  Daß  aber  außerordentlich  dichte  Mur- 
breie wirklich  vorkommen,  das  lehrt  auch  die  Beobachtung,  daß  in 
manchen  Murgängen  gewaltige  Felsblöcke  förmlich  schwimmend  ab- 
getriftet werden  und  daß  die  Oberfläche  besonders  zähflüssiger,  wasser- 
armer Muren  oft  von  größeren  Geschieben  förmlich  eingehüllt  wird. 
Hierüber  tieferstehend  mehr. 

Jedenfalls  spielt  das  Raumgewicht  bei  der  Beurteilung  von  Mur- 
gängen, ihren  Wirkungen  usw.  eine  vom  Techniker  nicht  zu  unter- 
schätzende Rolle;  von  ihr  hängt  die  Beanspruchung  noch  nicht  völlig 
verlandeter  Talsperren,  von  Sohlen  gepflasterter  Gerinne  usw.  ab. 
Freilich  wird  es  schwer  sein,  den  Betrag  der  Dichte  schärfer  zu  er- 
fassen, weil  seine  Höhe  von  der  Zusammensetzung  der  Muren  aus 
festen  Bestandteilen  verschiedener  Korngröße  und  Dichte,  vom  Wasser- 
gehalt des  Murbreies,  vom  Gefälle  des  Gerinnes  und  anderen  Ein- 
flüssen  abhängt,   welche    eber/so  wie   die  vorgenannten  entweder  nur 


')  Eh  renhei-f,',  P.    (Die  Bodenkolloide.  Leipzig  19  5,  S.  83  —  85)  muß  als 
Vorläufer  dieser  Auö'assung  gelten. 


[131     Einige  Beziehungen  zwischen  Kolliodchemie,  Geologie  und  Technik.    271 

ganz  annähernd  im  voraus  geschätzt  oder  mit  Mittelwerten  in  Rech- 
nung gesetzt  werden  können.  Man  wird  sich  aber  für  technische  und 
geologische  Zwecke  mit  der  möglichen  geringeren  Genauigkeit  um 
so  eher  begnügen  können,  als  die  Berechnung  anderer,  den  Geologen 
und  Techniker  gleich  interessierender  Werte,  wie  der  Abflußmengen, 
der  Wassergeschwindigkeit  usw.  in  Wildbachgerinnen  ebenfalls  auf 
keiner  ganz  sicheren  Grundlage  ruht ;  man  wird  daher  den  hier  üb- 
lichen Sicherheitszuschlag  zu  den  errechneten  Werten  auch  bei  der 
Anschätzung  der  möglichen  Dichte  zu  erwartender  Murgänge  in  An- 
schlag bringen. 


2.   Der  Wassergehalt  von  Murgängen. 

In  meiner  kleinen  Schrift  über  die  Muren  habe  ich  die  Ab- 
trennung der  echten  Murgänge  von  den  geschiebereichen  Hochwässern 
in  der  Weise  vorgenommen,  daß  ich,  gestützt  auf  den  äußeren  Anblick, 
den  Murgänge  gewähren  und  Anhaltspunkte  im  Schrifttum  annahm, 
bei  den  Muren  überwiege  die  Masse  der  festen  Stoffe  gegenüber 
dem  Wasserinhalte,  während  bei  der  gewöhnlichen  Geschiebeförderung 
durch  Wasser  die  Masse  des  letzteren  überwiege.  Ich  habe  damals, 
als  ich  diese  Zeilen  niederschrieb,  lange  gezweifelt,  ob  es  nicht  beser 
sei,  an  Stelle  der  »Magse"  das  „Gewicht"  als  unterscheidendes 
Kennzeichen  einzusetzen.  Um  Klarheit  über  das  Verhältnis  zu  schaffen, 
in  welchem  sich  Wasser  und  Geschiebe  zum  Murbrei  vereinigen,  habe 
ich  nunmehr  eine  Reihe  von  Versuchen  angestellt. 

Die  Anordnung  der  Untersuchungen  war  folgende :  In  einem 
Gerinne  von  bekannter  Neigung  gegen  die  Wagerechte  wurde  ein 
Brei  aus  festen  Stoffen  bestimmter  Korngröße  aufgetragen  und  zumeist 
aus  ihm  eine  Art  stauender  Barre  geformt.  Hierauf  wurde  aus  einem 
Behälter  ein  dünnerer  oder  dickerer  Wasserfaden  zugeleitet.  Das 
Wasser  sammelte  sich  zuerst  hinter  dem  Hinderniswalle,  bis  es 
schließlich  die  Barre  durchbrach  und  als  geschiebereiches  Hochwasser 
zu  Tale  fuhr  oder  eine  kleine  Mure  in  Bewegung  setzte.  Bei  sehr 
steiler  Neigung  entstanden  Muren  auch  ohne  Aufstau  durch  Selbst- 
beladung des  Wassers  mit  Geschiebe.  Je  nach  Absicht  wurde  sodann 
ein  Teil  des  Hochwasserstromes  oder  ein  ganzer  „Murschub"  in  einer 
gewogenen  Porzellanschale  aufgefangen.  Die  gefüllte  Schale  wurde  so- 
fort wiedergewogen,  sodann  aufs  Wasserbad  gebracht  und  das  Gewicht 
der  Schale  mit  dem  wasserfreien  „Geschiebe"  bestimmt.  Auf  diese 
Weise  konnte  der  Wassergehalt  von  Murgängen  ziemlich  einwandfrei 
ermittelt  werden.  Die  Beurteilung  einer  Geschiebefracht  als  geröll- 
reiches Hochwasser  oder  als  echte  Mure  erfolgte  nach  den  in  der  Natur 
im  großen  gemachten  Beobachtungen  dieser  Erscheinungen  auf  Grund 
der  ä^ußeren  Bewegungsformen.  Als  Gerinne  diente  teils  eine  weite 
Glasröhre  von  kreisförmigem  Querschnitte,  teils  eine  trapezförmige 
Holzrinne  von  1  cm  Sohlenbreite  und  einfüßigen  Böschungen.  Da  die 
murenbildenden  Stoffe  gewöhnliche,  wenn  auch  feine  Flußgeschiebe 
waren,  gelten  die  erhaltenen  Versuchsergebnisse  auch  nur  für  Ge- 
schiebemuren, nicht  aber  für  Aschen-,  Moor-  oder  sonstige  Murformen. 


Gerinneneigung 

200  =,  36-4  V. 

H. 

mehr  hochwasserartig 

250  ^  40-6  V, 

H. 

mehr  hochwasserartig 

300  ^  57-7  V. 

H. 

mureiuihnlich      .     . 

350  ^  700  V. 

H. 

murenähnlich      .     . 

400  =  83-9  V. 

H. 

muren  ähnlich      .     . 

272  Josef  Stiny.  [14] 

a)  Ermittlung^eu  im  Glasgeriime. 

Die  ersten  Versuche,  welche  im  Glasgerinne  mit  Sand  von 
0'25 — 10  mm  Korngrößedurchmesser  bei  einer  Gerinnsohlenneigung 
von  14  Graden  angestellt  wurden,  ergaben  Uebergangsformen  zwischen 
geschiebereichen  Hochwässern  und  echten  Muren ;  der  Anteil  des 
Geschiebes  an  der  Gesamtmenge  von  Wasser  und  Fördergut  betrug 
nur  35*4 — 385  Gewichtshundertstel. 

Weitere  Hochwässer,  welche  reich  an  Geschieben  von  02  bis 
05  mm  Korndurchmesser  waren,  führten  im  Mittel  aus  mehreren 
Versuchen  bei  14o  Sohlenneigung  gar  nur  33'7  v.  H.  Sand  gegen 
66'3  Gewichtshundertstel  Wasser. 

Bei  Anwendung  von  Mehlsand  (0  02 — 0-06  mm  Korndurchmesser) 
wurden  in  überaus  geschiebereichen,  zu  echten  Muren  überleitenden 
Hochwässern  nachstehende  Werte  ermittelt: 

Wasser  Geschiebe 

in  Gewichtahundertstel 
der  Gesamtmenge 

49-88  50-12 

49-45  50-55 

48-19  51-81 

46-68  53-32 

45-27  54-73 

Es  zeigt  sich  somit  zwar  ein  Anwachsen  der  Geschiebemenge 
mit  zunehmender  Sohlenneigung,  die  Masse  des  Geschiebes  aber 
bleibt  selbst  bei  steilem  Neigungswinkel  beträchtlich  gegen  die 
Masse  des  Wassers  zurück. 

Echte  Murgänge,  welche  mit  Sand  von  0-5 — 0-2  mm  Korn- 
durchmesser erzeugt  wurden,  ergaben  wohl  einen  größeren  Auteil 
der  Geschiebe  an  der  Gesamtmasse;  es  wurden  gefunden  bei  einer 
Neigung  der  Gerinnsohle  von 

200  ....  6610  Gewichtshundertstel  Geschiebe 
300  .  ,  .  ,  67-06  Gewichtshundertstel  Geschiebe 
400  .     .  ,     69-31  Gewichtshundertstel  Geschiebe 

Nachdem  aber  erst  71-43  Gewichtshundertstel  50  Massenhundert- 
stel eines  Geschiebes  von  rund  2-5  Dichte  ergeben,  bleibt  auch  bei 
diesen  Versuchen,  welche  echte  Muren  erzielten,  die  Masse  des 
Geschiebes  hinter  jener  des  Wassers  immer  noch  zurück. 

Wenn  nun  auch  die  Neigung  der  Gerinnesohle,  Art,  Form  und 
Größe  des  Geschiebes  sowie  verschiedene  andere  Einflüsse  Abwei- 
chungen von  der  Regel  herbeizuführen  imstande  sind,  so  wird  man 
doch  im  großen  und  ganzen  die  Muren  als  Naturerscheinungen 
umschreiben  können,  bei  welchen  im  allgemeinen  das 
Gewicht  des  bewegten  Geschiebes  jenes  der  fördernden 
Wassermenge  völlig  oder  nahezu  übertrifft.  Dahin  wäre 
die  ältere  Anschauung,  daß  die  Masse  des  Geschiebes  vor  jener 
des  Wassers  vorwiegt,  richtigzustellen. 


[151     Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,  Geologie  und  Technik.     273 

b)  Ermittlungen  im  Holzgerinne. 

Die  ersten  im  Ilolzgerinne  angestellten  Versuche  galten  dem 
Vergleiche  mit  den  Ergebnissen  im  Glasgerinne.  Mit  Mehlsand  von 
0*02 — 0'06  mm  Korndiirchmesser  wurden  künstliche  Hochwässer, 
beziehungsweise  Murgänge  erzeugt;  sie  enthielten  bei  einer  Neigung 
des  Gerinnes  gegen  die  Wagerechte  von 

(iewichlshundcitstel 
Wasser        Geschiebe 

20"      ....     51-73  48-27  |   geschiebereiche, 

25°      .     . 

300 

350      .     . 
400      ,     . 


52-04  47-96  J  murähnliche 

55-12  44-88  )  Hochwässer 

43-64  56-36  1  ^^     ^, 

42-15  57-85  J  ^^^<^«  ^^»^^^^ 


Die  erzielten  Ergebnisse  Zeile  1 — 3  stimmen  mit  der  Erwartung 
vollkommen  iiberein,  daß  die  größere  Reibung  im  Holzgerinne  zur 
Geschiebefracht  auch  größere  Mengen  Wassers  nötig  machen  wird. 
Anderseits  zeigen  die  letzten  Zeilen  wiederum  die  Richtigkeit  des 
Satzes,  daß  in  echten  Muren  das  Geschiebe  nicht  der  Masse,  son- 
dern dem  Gewichte  nach  überwiegt. 

Letzteres  geht  auch  aus  den  nachstehenden  Versuchen  mit 
Schluff  (0-02  bis  0-006  mm  Korngröße)  hervor.  Die  erzeugten,  sehr 
geschiebebeladenen  Hochwässer  enthielten  bei  einer  Sohlenneigung  von 

Gewichtshundeitstel 

"Wasser  Geschiebe 

100 82-89  17-11 

150 78-11  21-89 

200 60-39  39-61 

300 57-16  42-84 

400 57-78  42-22 

Es  ist  nicht  leicht,  mit  so  kleinen  Tegelkörnchen  künstliche 
Muren  zu  erzeugen,  da  die  feinen  Teilchen  fest  aneinanderkleben 
und  sich  mit  Wasser  schwer  zu  einem  Brei  mischen.  Selbst  wenn 
man  außerhalb  de?  Gerinnes  einen  dicken  Brei  anrührt,  diesen  ins 
Gerinne  einträgt  und  dann  erst  die  Sohle  mit  Wasser  beschickt,  gelingt 
es  nur  ausnahmsweise,  Murbewegungen  nachzuahmen.  Man  fühlt  sich 
zu  dem  anfangs  widersinnig  erscheinenden  Ausspruche  veranlaßt,  daß 
bildsame  (knetbare),  fette,  feine  Steife  weniger  zur  Murenbildung 
neigen  als  nicht  formbare,  magere;  letztere  dagegen  wiederum  unter- 
liegen den  Rutschungen  und  ähnlichen  Bewegungen  weniger  leicht 
als  die  ersteren.  Es  wird  Aufgabe  weiterer  Versuche  sein,  hierüber 
völlige  Klarheit  zu  schaffen - 

Eine  schöne  Reihe  ergaben  Versuche  mit  Sand  von  0-2  bis  0  5  wm 
Korndurchmesser.  Sie  zeigten,  daß  bei  geringen  Bachbettneigungen 
(100  bis  150)  uQ(.j^  keine  echten  Muren  abgehen,  sondern  nur  geschiebe- 

.lahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  2.  ilft.  (J.  Stiny.)  35 


274  Josef  Stiny.  [16] 

Überladene,  murenähnliche  Hochwässer;  Murgänge  setzen  unter  den 
gegebenen  Verhältnissen  eine  Neigung  der  Gerinnesohle  von  im  all- 
gemeinen mehr  als  15^  gegen  die  wagrechte  Ebene  voraus.  In  steileren 
Gerinnen  lassen  sich  künstliche  Murgänge  auf  zweierlei  Art  hervor- 
rufen. Erstlich  durch  Aufstauung  einer  Wassermasse  hinter  einem 
Sandrücken.  An  den  Durchbruch  des  aufschwellenden  Riegels  kann 
sich  dann  der  Abgang  einer  Mure  anschließen ;  dieser  Fall  tritt  sowohl 
bei  stärkerer  als  auch  bei  schwächerer  (aber  lö''  übersteigender) 
Gerinneneigung  ein.  Weiters  aber  können  in  steilen  künstlichen  Bach- 
betten Muren  auch  dadurch  erzeugt  werden,  daß  verhältnismäßig 
große  Wassermassen  die  aus  lockerem  Sande  bestehende  Gerinnesohle 
bis  auf  den  festen  Untergrund  (die  Holzsohle)  aufreißen  und  mit  Ge- 
schiebe überladen  als  Mure  zu  Tale  stürzen.  Letzterer  Vorgang  der 
Murenbildung  kann  auch  in  der  Natur  oft  dort  beobachtet  werden, 
wo  bei  Eintritt  bestimmter  meteorologischer  Ereignisse  mehr  Wasser 
als  gewöhnlich  über  steile  Schutthalden  herabschießt  oder  in  einer 
Felsklamm,  die  in  Zeiten  vergleichsweiser  Ruhe  meterhoch  mit  Schutt 
aufgefüllt  wurde,  plötzlich  gewaltige  Wassermengen  abfließen.  Nach- 
stehend die  bei  den  Versuchen  erhaltenen  Zahlenwerte. 


Gewichtsiiundertstel 


eigung 

Wasser 

Geschiebe 

200 

6501 

34-99 

250 

40-28 

59-72 

300 

34-42 

65-58 

350 

32-40 

67-60 

400 

32-37 

67-63 

Anmerkung 

Murähnliches  Hochwasser 
'  echte  Murgänge 


Um  den  Einfluß  zu  untersuchen,  den  die  Zusammensetzung  des 
Murbreies  aus  Teilchen  verschiedener  Korngröße  auf  die  Muren- 
bildung ausübt,  wurden  Versuche  mit  Gemengen  von  Sand  und  Schlutf, 
beziehungsweise  feinen  Staub  angestellt,  deren  Ergebnisse  tiefer  folgen. 
a)  Versuche  mit  einer  Mischung  von  10  g  Feinstaub  (0002 
bis  0-006  mm  Korndurchmesser)  und  200  g  Sand  von  025 — 100  mm 
Korndurchmesser. 

Gewichtshundertstel 
Sohlenneigung  Wasser  Geschiebe 

200  44-84  55-16 

400  32-51  66-49 

ß)  Versuche  mit  einer  Mischung  von  10  g  Feinstaub  und  200  g 
Sand  von  0-2 — 0  5  mm  Korndurchmesser. 

200  48-73  51-27 

400  30-39  69-61 

Man  ersieht  aus  den  erhaltenen  Ergebnissen  ohne  weiteres,  daß 
die  Beimengung  einer  geringeren  Menge  kolloidaler  Teile  zu  einer 
weit  größeren  Sandniasse  auf  die  Murenbildung  keinen  merklichan 
EiiiMiiß  ausübt.     Der  Geschiebeinhalt  der  Murgänge  aus  solchen  Ge- 


[17]    Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,  Geologie  und  Technik.     27o 

mischen  ist  ungefähr  derselbe,  keineswegs  aber  wesentlich  höher  als 
jener  reinen  Sandes.  Es  geht  daraus  die  auch  aus  der  Beobachtung 
der  Verhältnisse  in  der  Natur  erschließbare  Tatsache  hervor,  daß 
bei  Vorhandensein  entsprechender  Wassermengen  und  Gefällsverhält- 
nisse das  grobe  Geschiebe  zur  Murenbildung  allein  genügt  und 
lehmig -toniger  Stoffe  als  Schmiermittel  nicht  unbedingt  bedarf. 
Weitere  Versuche  sind  beabsichtigt. 

Bei  stärkerer  Beimengung  von  Schluff  (=  Staub  mit  0 02— OO06 
Korndurchmesser)  macht  sich  das  Zusammenkleben  des  Schluffes  in 
ähnlicher  Weise  unangenehm  bemerkbar,  wie  es  schon  bei  der  An- 
wendung von  Grobstaub  allein  störend  fühlbar  wurde.  Die  nach- 
stehend mitgeteilten  Ergebnisse  erhärten  nur  bereits  weiter  oben 
Ausgeführtes. 

y)  Versuche  mit  10  g  Schluff  auf  30  g  Sand  von  0*25— 1  mm 
Korndurchmesser. 

Gewichtshundertstel 


Neigungswinkel  Wasser 

150  9106 

^^       ■  70-57 

300  32-98 

400  32-75 


Geschiebe  Anmerkung 

8-94     Hochwasser  mit  Geschiebe 

23-92  1  Hochwasser  mit  sehr  viel 

29-43  J  Geschiebe 

6'?"02  1      ,,     ,,      .. 
67-25  I  ^^'^^^  Murgange 


Keiner  der  erzeugten  Murgänge  enthält  der  Masse  nach  mehr 
Geschiebe  als  Wasser,  sondern  nur  dem  Gewichte  nach. 

Zu  ganz  ähnlichen  Ergebnissen  führten  auch  die  Versuche  mit 
gröberem  Sand  von  025  =  l'O  mm  Korngröße.  Der  Geschiebeinhalt 
der  Murgänge,  beziehungsweise  der  Hochwässer  weicht  nur  bei 
schwacher  Bettneigung  erheblich  von  jenen  unmittelbar  vorhergehenden 
Versuchsreihen  ab,  bei  steilem  Gefällswinkel  der  Sohle  stimmen 
die  Werte  beider  Versuchsreihen  gut  überein.  Trägt  man  die 
Werte  der  Bettneigung  als  Abszisse,  jene  des  Geschiebegehaltes  als 
Ordinaten  eines  rechtwinkeligen  Koordinatensystems  auf,  so  erhält 
man  aus  den  Ziffern  beider  Untersuchungsreihen  sanft  gekrümmte, 
gegen  die  Abszissenachse  schwach  ausgebauchte  Linien.  Tieferstehend 
die  bei  den  Versuchen  mit  Sanden  von  0-25— 10  mm  Durchmesser 
erhaltenen  Werte : 


Neigung 


Gewichtshund'  rtstel 


Grenzwerte 


Mittelwerte 


Massenhundertstel 


Grade     Hundertstel 


Wasser 


Geschiebe 


Wasser    Geschiebe   Wasser    Geschiebe 


10» 
150 
20» 
25» 
30« 

40» 


17-6 
26-8 
364 
466 
57-7 
700 
83  9 


40-43 -48-73 


32-18— 39-38 


29-95-35-20 


51-27-59-57 


60  62-67  82 
64  80  -  70  05 


53  46 
50-13 
4421 
45-42 
35-78 
32-03 
32-58 


46  54 

49  87 
5579 
54-58 
64-22 
67-97 
67-42 


74-17 
71-53 
66  45 
67-54 
58-21 
54  09 
54-71 


25  83 
28-47 
33  55 
32-46 
41-79 
45-91 
45-28 


85' 


276  Josef  Stiny.         '  [lg] 

Die  durch  die  bisherigen  Versuche  über  den  Wassergehalt  von 
Muren  erhaltenen  Ergebnisse  lassen  sich  in  folgenden  Sätzen  zu- 
sammenfassen : 

1.  In  Murgängen  übertrifft  das  Gewicht  der  in  ihnen  enthaltenen 
Geschiebemassen  in  der  Regel  jenes  des  die  Rolle  des  Förderraittels 
spielenden  Wassers.  Geschiebefrachten  mit  etwa  50  —  60  Gewichts- 
hundertsteln Wassermasse  vermitteln  im  großen  und  ganzen  zwischen 
den  geschiebereicheu  Hochwässern  und  den  echten  Muren. 

2.  In  schwach  geneigten  Bachbetten  können  echte  Muren  im 
allgemeinen  nicht  zustande  kommen,  sondern  nur  geschiebereiche  Hoch- 
wässer. Wo  Muren  in  Bachstrecken  mit  geringer  Sohlenneigung  (zum 
Beispiel  auf  Schwemmkegeln)  abgehen,  haben  sie  ihren  Bewegungs- 
impuls bereits  erhalten,  bevor  sie  die  Strecke  geringen  Gefälles  be- 
treten. Die  untere  Grenze  der  Sohlenneigung,  bei  welcher  die 
Bildung  von  Muren  noch  möglich  ist,  dürfte  in  der  Regel  bei  etwa 
15  Grad  liegen.  Dieser  Neigungswinkel  wird  wohl  nur  in  Ausnahms- 
fällen, die  ihren  Grund  in  Besonderheiten  der  Oertlichkeit,  des  Mate- 
riales  usw.  haben,  unterschritten. 

3.  Der  Wassergehalt  von  Murgängen  sinkt  im  allgemeinen  mit 
zunehmendem  Sohlengefälle  oder,  besser  ausgedrückt,  mit  wachsender 
Bettneigung  nimmt  auch  die  mittlere  Geschiebemenge  zu,  welche  Mur- 
gänge unter  sonst  gleichen  Umständen  zu  Tale  fördern  können. 

4.  Gegenüber  der  Neigung  der  Bachsohle  spielt  die  Größen- 
ordnung des  zu  bewegenden  Materials  für  die  Entstehung  von  Muren 
eine  minder  große  Rolle ;  insbesondere  ist  zur  Bildung  von  Murgängen 
das  Vorhandensein  feinen  Materials  keine  unumgängliche  Vorbedingung; 
Muren  können  sich  auch  bloß  aus  saudigen,  mit  Grobgeschieben  ver- 
mengten Stoffen  zusammensetzen,  ja  unter  Umständen  aus  Blöcken 
allein.  Wo  der  Murbrei  reichlich  tonige  Gemengteile  enthält,  ist  dafür 
die  Beschaffenheit  des  Materials  des  Einzugsgebietes  der  Mure  ver- 
antwortlich. 

5.  Allem  Anscheine  nach  sind  sehr  fette  Tone  und  Lehme  der 
unmittelbaren  Murenbildung  wegen  ihrer  nur  ganz  allmählich  erfol- 
genden, völligen  Durchweichung  weniger  günstig  als  Sande,  Schotter, 
Grobschutt  und  magere  Tongesteine ;  bei  der  Entstehung  von  Muren 
spielen  ja  seltener  langandauernde  Regengüsse  als  vielmehr  in  den 
meisten  Fällen  plötzlich  zustande  kommende  große  Wassermassen  eine 
bedeutsame  Rolle.  Bei  fetten  Tongesteinen  lösen  'sich  im  allgemeinen 
vor  p]intritt  von  Murgängen  Bodenbewegungeu  aus,  welche  freilich  bei 
P^intritt  von  Verklausungen  oder  sonstwie  erfolgender,  vollständiger 
Durchtränkung  mit  Wasser  ihrerseits  wiederum  oft  in  Murgänge  aus- 
klingen können;  sie  geben  also  häufiger  mittelbar  zur  Muren- 
bildung Veranlassung. 

6.  Der  Höchstgehalt  von  Muren  an  Geschiebe  dürfte  etwa  um 
70  Gewichtshundertstel  liegen,  der  Mindestgehalt  etwa  zwischen  45 
und  50,  seltener  zwischen  40  und  45  Gewichtshundertstel.  Unter  dieser 
Grenze  liegt  das  Gebiet  der  geschiebebeladenen  Hochwässer.  Die 
Abgrenzung  der  Muren   von    den  Schwimmsanden,   Fließlehmen   usw. 


[19]    Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,  Geologie  und  Technik.     277 

ergibt  sich  im  allgemeinen  auch  aus  den  Angaben  von  Schmid, 
Laug  und  Atterberg,  welche  im  vorhergehenden  Abschnitte  an- 
geführt wurden. 


3.  Die  Dichte  von  Hochwässern  und  Murgängen. 

Im  Anschlüsse  an  weiter  oben  Gesagtes  seien  über  die  Dichte 
von  Hochwässern  und  Murgängen  im  Nachstehenden  noch  einige  be- 
stimmte Fälle  besprochen. 

Während  des  Hochwassers  des  Raabflusses  am  12.  November 
1917  wurde  ein  SinkstofFgehalt  des  Wassers  von  0"086  Gewichts- 
hundertsteln festgestellt.  Nimmt  man  an,  die  Sinkstoife  entsprächen 
ihrer  Größenordnung  nach  ungefähr  Schluff,  so  erhielte  man  für  das 
in  Rede  stehende  Raabhochwasser  nach  den  weiter  vorn  angeführten 
Untersuchungen  etwa  eine  Dichte  von  1*0004. 

Für  die  Hochwässer  der  Rienz  vom  16. — 19.  September  1882 
ermittelte  Breitenlohner^)  in  Bruneck  einen  Gehalt  an  Schweb- 
stoffen von  1'917  V.  H. ;  dies  würde  unter  den  gleichen  Voraus- 
setzungen, welche  oben  gemacht  wurden,  einem  Raumgewichte  von 
etwa  1009  gleichkommen. 

E.  Markus 2)  gibt  für  den  Sinkstoffgehalt  der  Hochwässer  des 
Ombrone  (Toscana)  den  Mittelwert  von  8  v.  H.  an;  die  dazugehörige 
Dichte  kann  mit  etwa  104  angegeben  werden. 

Alle  diese  Werte  erscheinen  jedoch  klein  gegenüber  dem  Ge- 
schiebeinhalt der  Hochwässer  von  Gebirgsbächen.  Dieser  wurde  im 
Versuchswege  mit  bis  zu  40,  ja  45  v.  H.  bestimmt.  Entsprechend  dem 
hohen  Gehalte  solcher,  oft  zu  den  Murerscheinungen  hinüberleitender 
Hochwässer  an  festen  Stoffen  muß  auch  ihr  Raumgewicht  ein  sehr 
großes  sein  und  mag  je  nach  den  Umständen  Beträge  von  1*15  bis 
1'25  erreichen.  Freilich  entfernen  sich  solche  geschiebereiche  Hoch- 
wässer von  den  echten  Aufschwemmungen  um  so  mehr,  je  größeres  Ge- 
schiebe sie  enthalten;  demgemäß  wird  auch  ihre  Dichte  etwas  unter 
jener  eigentlicher  Aufschwemmungen  bleiben  und  sich  mehr  jener 
reinen  Wassers  nähern.  Dieser  Ausfall  wird  aber  bis  zu  einem  ge- 
wissen Grade  wieder  wettgemacht  durch  die  Vermehrung  des  Auf- 
triebes durch  Strömungen  in  lotrechter  Richtung,  welche  durch  Wirbel- 
bewegungen und  durch  das  Tiefersinken  vieler  fester  aufgewirbelter 
Teilchen  erzeugt  wird. 

Für  Murgänge  in  überaus  steilen  Gerinnen  und  mit  einer  Ge- 
schiebefracht von  rund  70  Gewichtshundertsteln  wäre  nach  den  weiter 
oben  angeführten  Versuchsergebnissen  die  Erreichung  eines  Raum- 
gewichtes von  etwa  1-4  ohne  weiteres  denkbar.  Ein  aus  Mehlsand  und 
Feinsand  mit  4P  Gewichtshundertstel  Wasser  angerührter  mittelsteifer 
Brei  ergab  bei  der  Messung  mit  dem  Aräometer  sogar  eine  Dichte 
von  1*425,  mithin  einen  Wert,  der  im  Vergleiche  zu  anderen  unter  1 


^)   Breitenlohner,   J,     Fortschritte   auf   dem    Gebiete    der   Agrikultur- 
Physik  1886.  ' 

^)  Markus,  Das  landwirtschaftliche  Meliorationswesen  Italiens.  Wien  1881. 


278  Josef  Stiny.  [20]" 

angestellten  Berechnungen  ziemlich  hoch  erscheinen  muß.  Ein  künstlich 
hergestellter  Brei  bleibt,  der  Ruhe  überlassen,  eben  nicht  lange  gleich- 
artig, sondern  entmischt  sich  bald,  indem  die  festen  Teilchen  allmäh- 
lich zu  Boden  sinken,  während  der  lockerer  gebundene  Teil  des  Wassers 
nach  aufwärts  strebt  und  dort  im  Laufe  der  Zeit  eine  kleine  Ansamm- 
lung von  fast  reiner  Flüssigkeit  verursacht;  die  in  dem  schweren 
Teile  des  der  Entmischung  entgegengehenden  Breis  hinabtauchende 
Kugel  des  Aräometers  erhält  dann  mehr  Auftrieb,  als  der  mittleren 
Dichte  des  ursprünglich  gut  gemischten  Breies  entspricht.  In  der 
Natur  verhindern  die  Strömungen  und  Wirbelbildungen  im  Murbrei 
meist  derartige  Saigerungen  der  Murmasse ;  anderseits  aber  erhöhen 
solche  Bewegungen  den  Auftrieb  des  Murbreis  und  damit  auch  seine 
scheinbare  Dichte,  so  daß  für  die  Tragkraft  von  Murmassen  tatsächlich 
ein  ähnliches  Ergebnis  zu  erwarten  steht,  wie  der  vorerwähnte  Ver- 
such geliefert  hat.  In  einem  Murbrei  mittleren  Raumgewichtes  werden 
also  leichtere  Gesteinsmassen,  wie  solche  von  lückigem  Kalkstein, 
Tuffen,  Durchbruchgesteinschlacken  1)  usw.  Auftrieb  erhalten  und  im 
vollsten  Sinne  des  Wortes  „schwimmen"  können.  Bei  Gesteinsarten  mit 
höherem  Raumgewicht  trifft  der  Ausdruck  „schwimmen"  wohl  nur 
bildlich  zu.  Riesige  Felsbrocken  treten  in  Murgängen  ebenso  an  die 
Oberfläche,  wie  dies  die  kleineren  in  einem  förmlichen  Rhythmus  tun ; 
die  Blöcke  bilden  dann  gleich  den  kleineren  Geschieben  und  deu 
Sandkörnern  gewissermaßen  gleichberechtigte  Teilnehmer  an  der  Auf- 
schwemmung und  nicht  Fremdlinge,  die  der  Auftrieb  der  Aufschwem- 
mung an  die  Oberfläche  drängt.  Diese  Auffassung  der  meisten  größeren 
Felstrümmer  im  Murbrei  als  Glieder  jener  bewegten  Aufschwemmung 
fester  Teile  in  Wasser,  die  man  Murgang  nennt,  dürfte  dem  häufig 
zu  beobachtenden  Auf-  und  Wiederuntertauchen  solche  großer  Blöcke 
wohl  am  ehesten  gerecht  werden.  Von  den  Aufschwemmungen,  wie 
man  sie  in  Arbeitsräumen  herstellt,  unterscheiden  sich  die  Muren- 
aufschwemmungen im  allgemeinen  nur  durch  die  Größe  ihrer  festen 
Anteile  und  die  fortgesetzte  Bewegung,  in  der  sich  die  ganze  Ver- 
teilung samt  dem  Verteilungsmittel  befindet. 

In  jenen  Fällen,  in  welchen  die  technische  Praxis  nach  der 
Dichte  von  Murmassen  fragt,  dürften,  bis  umfassendere  Versuche 
vorliegen,  annäherungsweise  Wei'te  leicht  aus  den  Versuchsergebnissen 
unter  1.  und  2.  zu  entnehmen  sein.  Es  ist  bloß  erforderlich,  eine 
bestimmte  Gerinneneigung  nach  den  besonderen  Verhältnissen  des 
betreffenden  Wildbaches  anzunehmen  und  sodann  an  der  Hand  der- 
selben aus  den  Tabellen  unter  2.  den  voraussichtlichen  Mindest- 
wassergehalt der  zu  erwartenden  Murgänge  anzuschätzen ;  zu  diesem 
Geschiebehöchstgehalte  können  dann  die  zugehörigen  Dichtewerte 
unter  1.  unschwer  aufgesucht  werden.  Eine  vorläufig  noch  nicht  aus- 
zumerzende Fehlerquelle  liegt  aber  u.  a.  auch  darin,  daß  bei  der 
Schwierigkeit,  die  IMchte  von  Aufschwemmungen  groben  Sandes  zu 
bestimmen,  Angaben   über   das    Raumgewicht    von  Aufschwemmungen 


')  Man  vergleiche  die  Beobachtung  E.  C.  J.  Mohrs,  daß  in  den  Aschen- 
muren der  Tropen  Blöcke  schwimmen.  Bull,  du  departm.  de  l'agriculture  des 
Indes  N^erlandaises.  1908. 


[21]    Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloid chemie,  Geologie  und  Technik.     279 

fester  Stoffe  mit  mehr  als  2*525  Raumgewicht  dermalen  fehlen.  Es  ist 
daher  ein  kleiner  Zuschlag  —  etwa  0-05 — O'IO  —  zu  den  aus  den 
Tabellen  entnommenen  Werten  unter  allen  Umständen  empfehlenswert. 
Ich  habe  versucht,  in  tieferstehender  Zahlentafel  vorige  Schwie- 
rigkeit dadurch  zu  umgehen,  daß  ich  für  die  Dichteangaben  jene 
Ziffernwerte  benützte,  welche  Linder  und  P^cton  (a.  a.  0.)  für 
Arsentrisulfid  (D.  =  21)  erhielten. 


Zahlentafel  für  die  mutmaßliche  Dichte  von  Murgängen. 

(Rohe  Mittelwerte.) 


Sohlengefälle 

des 
Wildbaches 


Gewichtshundertstel 
Geschiebe 


mindestens 


höchstens 


Raumgewicht  der  Mure 


mindestens  höchstens 


15" 
29^ 
25» 
30° 
35° 
40" 


45 
50 
55 
60 
65 
65 


50 
tiO 
65 
68 
70 
70 


1  34 
1-38 
1-42 
146 
1-49 
1-49 


•38 
•46 
■49 
•52 
•53 
•53 


Für  Hochwässer  dürfte  es  sich  bei  Gebirgsbächen  gleichfalls 
empfehlen,  die  Ergebnisse  der  Versuche  von  Linder  und  Picton 
zu  benützen,  wenn  es  sich  nicht  um  die  Ermittlung,  beziehungsweise 
Anschätzung  des  Raumgewichtes  sinkstoffbeladener  Wässer,  sondern 
um  die  Erhebung  der  Dichte  geschiebereicher,  d.  i.  mit  gröberen 
Gerollen  beladener  Wildfluten  handelt. 

Es  würde  sich  da  vielleicht  die  Benützung  nachstehender  ab- 
gerundeter Werte  empfehlen. 


Geschiebinhalt 

in 

Hundertstel 

der 
(d 

Raumgewicht 
Aufschwemmung 

es  Hochwassers) 

10 

1-08 

15 

1-11 

20 

1-15 

25 

119 

30 

1-23 

35 

1-27 

40 

1-30 

45 

1-34 

Eine  mißliche  Sache  ist  nur  die  Anschätzung  des  Geschiebe- 
reichtums von  Hochwässern  bestimmter  Bäche.  Da  Schöpfproben 
großen  Stiles  in  den  seltensten  Fällen  ausführbar  sein  dürften,  geben 
da  wohl  bloß  die  herbeigeführten  Verschotterungen  und  Versandungen 
einige   Anhaltspunkte.     Diese    sind   unter   sonst  gleichen   Umständen 


280  Josef  Stiny.  [22J 

um  so  flacher  und  —  quer  zum  Bachlaufe  gemessen  —  um  so  aus- 
gebreiteter, je  wasserreicher  die  Geschiebverfrachtungen  waren.  Mit 
der  Zunahme  der  Geschiebemenge  wächst  die  Wölbung  der  Geschiebe- 
ablagerung nach  außen  und  nimmt  ihre  Breite  im  Verhältnis  zur 
Dicke  der  aufgelandeten  Schicht  ab. 


4.  Die  „Zähigkeit"  von  Hochwässern  und  Murmassen, 

Viele  Forscher  haben  bereits  die  Zähigkeit  (innere  Reibung, 
Viskosität)  von  kolloidalen  Verteilungen  festgestellt.  Da  Hochwässer 
und  Murgänge  im  Lichte  der  neueren  Anschauungen  nichts  anderes 
sind  als  gröbere  Aufschwemmungen  fester  Stoffe  in  W^asser,  welche 
im  großen  und  ganzen  denselben  Gesetzen  folgen  wie  die  kolloidalen 
Verteilungen,  so  fesseln  die  von  den  Kolloidforschern  gewonnenen 
Ergebnisse  auch  den  Techniker. 

Nach  den  angestellten  Untersuchungen  nimmt  die  Zähigkeit  von 
Aufschwemmungen  viel  rascher  zu  als  die  Verteilungsdichte.  Dies 
beleuchten  besonders  schön  die  Versuche,  welche  F.  Bottazzi  und 
G.  d'Errico^)  mit  Glykogenhydrosol  angestellt  haben  und  welche 
im  Nachstehenden  —  entsprechend  ausgewertet  —  wiedergegeben 
sein  sollen. 

Innere  Reibung  von  Glykogenhydrosol. 


Verdichtung 

Innere  Reibung 

Zähigkeit  im  Vergleiche 

(Verteilungsgrad) 

(Durchlaufszeit) 

zu  reinem  Wasser 

0    V. 

H. 

124  Sekunden 

1 

1    V. 

H. 

129 

1-04 

5  V. 

H. 

157 

1-266 

10  V. 

H. 

208    -      „ 

1-667 

15  V. 

H. 

259 

2-089 

20  V. 

H. 

440         „ 

3-631 

25  V. 

H. 

564 

4-548 

30  V. 

H. 

914 

7-371 

35  V. 

H. 

1516         „ 

12-340 

40  V. 

H. 

3549 

28-62 

45  V. 

H. 

7688 

62-0 

Um  das  Verhalten  von  Aufschwemmungen  verschiedener  Sande 
und  von  Schluff  in  Wasser  hinsichtlich  ihrer  Zähigkeit  zu  prüfen 
und  mit  den  oben  in  Tafelform  wiedergegebenen  Ergebnissen  der 
Kolloidarbeiten  vergleichen  zu  können,  habe  ich  eine  Reihe  eigener 
Versuche  angestellt.  Um  Beobachtungsfehler  tunlichst  einzuschränken, 


')  Bottazzi,   1'.  und    Errico,  G.  d',    Pflügers    Archiv    für    Pliy-siologie 
iyu6,  S.  359. 


1^23]     Einige  Beziehungen  zwischen  Kolioidchemie,  Geologie  und  Technik.     281 

wurde  für  niedere  Verteilungsgrade  (stark  verdichtete  Aufschwemmungen) 
ein  Zähigkeitsmesser  mit  großer,  für  hohe  Verteilungsgrade  ein  Rei- 
bungsmesser mit  kleiner  Austtußölfnung  angewendet;  um  Einheitlich- 
keit zu  erzielen,  wurden  die  Werte  entsprechend  umgerechnet. 

a)  Innere  Eeibung  tou  Gemischen  von  Wasser  und  Feinsand 
(0»2  — 0'06  mm  Korndnrclimesser). 


Zähigkeits- 

Zähigkeit  im  Vergleich 

Verdichtungsgrad 

Mittelwerte 

mit  reinem  Wasser 

0     V.  H. 

10     Sekunden 

1-00 

30     V.  H. 

IOV2        . 

105 

33-3  V.  H. 

IOV4        . 

1-075 

40     V.  H. 

IIV2        « 

115 

50     V.  H. 

15 

150 

60     V.  H. 

30 

3 

70     V.  H. 

420 

42 

b)  ZJiliigkeit  von  Sand  mit  025 — l'OO  mm  Korndurcbmesser. 

0     V.  H.  12  Sekunden  1*00 

50     V.  H.  39  „  3-25 

c)  Zähigkeit  von  Sand  (0*2— 0*5  mm)  in  Wasser  vei-teilt. 

Zähigkeit  im  Vergleich  mit  Wasser 

Verdichtung 

0  V.  H. 
30  V.  H. 
40  V.  H. 
50  V.  H. 
60  V.  H. 
70  V.  H. 

Auch  aus  diesen  Versuchen  geht  die  hohe  innere  Reibung  von 
geschiebereichen  Hochwässern  und  von  Murschüben  hervor;  die  Zähig- 
keit scheint  aber  in  einem  hohen  Grade  von  der  Korngröße  der  ver- 
teilten Stoffe  und  der  Weite  der  Abflußöffnung  abzuhängen,-  so  daß 
es  weiterer  Versuche  bedarf,  um  die  Gesetzmäßigkeiten  klarer  über- 
schauen und  auf  die  Verhältnisse  in  der  Natur  Rückschlüsse  ziehen 
zu  können.  Im  großen  und  ganzen  erwecken  die  bisherigen  Ergebnisse 
den  Anschein,  daß  die  Zähigkeit  einer  Aufschwemmung  von  Sand  in 
"Wasser  mit  der  Korngröße  bis  zu  einer  gewissen  Höchstgrenze  wächst 
und  von  dieser  bei  weiterer  Vergröberung  des  Kornes  wiederum  abnimmt. 


weite 

enge 

A  b  f  1  u 

ß 

ö 

f  f 

nun 

1 

1-0 

2-6 

-T— 

4-0 



6- 

147 

12-— 

— 

30-— 

276 

Jahrbuch  d.  k.  k,  geol.  Reichsanitalt,  1918,  68.  Bd.,  1.  u.  t.  Hft.  (J.  Stiiiy.)  3$ 


282  Josef  Stiny.  [24] 


5.  Die  Standfestigkeit  von  Sanden  und  Tongesteinen. 

Um  die  Standfestigkeit  verschiedener  Tongesteine  und  Sande 
zu  erproben,  wurden  aus  Stoffen  bekannter  Körnung  in  gewöhnlichen 
Schmelztiegeln  von  17  cni^  Inhalt  Kuchen  gepreßt.  Die  Kuchen  wurden 
getrocknet  und  auf  sie  sodann  mittels  eines  Hebers  aus  einem  Meß- 
zylinder Wasser  geträufelt.  Der  längere  Schenkel  des  Winkelhebers 
war  mit  einem  Hahn  versehen,  welcher  eine  bequeme  Regelung  des 
Wasserauslaufes  gestattete.  Die  ausfließende  Wasserraenge  konnte 
durch  Ablesungen  an  der  Teilung  des  Meßglases  leicht  erhoben  werden. 

Die  ersten  Versuche  wurden  mit  Sand  von  0*25  —  1  mm  Korn- 
durchmesser angestellt.  Nach  Hinzufügung  von  ^^/^cm^  Wslssbt  waren 
die  Kuchen  stets  mit  Wasser  gesättigt;  dies  bestätigt  die  auf  Rech- 
nungen sich  gründenden  Behauptungen  Schmids  (a.  a.  0.)  und  Lu- 
egers  (a.  a.  0.),  daß  Schwimmsand  bei  einem  Wassergehalte  von 
2595  Raumhundertstel  vollkommen  durchfeuchtet  sei.  Läßt  man  aus 
dem  Meßglase  auf  die  mit  Wagser  getränkten  Kuchen  weitere  Wasser- 
mengen ganz  allmählich  und  tropfenweise  träufeln,  so  treten  so  lange 
keine  Rutschungen  ein,  als  die  Poren  des  Sandkuchens  imstande  sind, 
die  jeweils  zufließenden  Wassermengen  restlos  zu  verschlucken  und 
weiterzuleiten.  Uebersteigt  aber  der  Wasserzufluß  die  Wasserleitungs- 
fähigkeit der  Zwischenräume  zwischen  den  Sandkörnchen,  so  rutschen 
die  Kuchen  alsbald  in  sich  zusammen,  beziehungsweise  fließen  aus- 
einander. Schwimmsand  kann  also  nur  dort  zustande  kommen,  wo  der 
Wasserzutritt  den  Wasserabfluß  überwiegt;  insbesonders  wird  dies 
dort  der  Fall  sein,  wo  Sande  zwischen  undurchlässigen  Schichten  ein- 
gespannt sind ;  solange  die  zugeführte  Wassermenge  durch  die  Hohl- 
räume zwischen  den  Körnern  leicht  abfließen  kann,  erweisen  sich  somit 
grobkörnige  Sande  im  angefeuchteten  Zustand  unter  den  Versuchs- 
bedingungen als  nahezu  uneingeschränkt  standfest, 

Sande  von  0-2 — 0'5  mm  Korndurchmesser  erwiesen  sich  bereits 
insofern  etwas  weniger  standfest,  als  die  kleineren  Hohlräume 
zwischen  ihren  Körnern  weit  langsamer  seihen  als  jene  der  gröberen 
Sande.  Aber  auch  hier  trat  der  große  Unterschied  im  Verhalten  der 
Sande  auf  verschiedener  Unterlage  hervor;  auf  durchlässiger  Unter- 
lage traten  Rutschungen  erst  sehr  spät  und  bei  starkem  Wasserzu- 
tritte ein,  auf  undurchlässigem  Liegenden  (Glasplatte)  dagegen  viel 
früher  (im  Durchschnitt  nach  30  cm^  Wasserzutritt). 

Noch  langsamer  saugen  Kuchen  aus  Sand  von  0  2 — 0*06  mm 
Korndurchmesser  das  auf  sie  geträufelte  Wasser  auf.  Es  ist  daher 
nötig,  die  Wassertropfen  in  längeren  Zwischenräumen  in  ein  auf  der 
Oberseite  des  Kuchens  hergestelltes  napfförmiges  Grübchen  fallen 
zu  lassen,  von  dem  aus  das  Wasser  dann  nach  allen  Seiten  in  den 
Kuchen  eindringt.  Rutschungen  traten  nach  Zugabe  von  20— 21-5  cm^ 
Flüssigkeit  ein. 

In  Kuchen,  welche  aus  Mehlsand  (002— 006  cm  Korndurch- 
messer) geformt  waren,  traten  Abrutschungen  erst  nach  Zufuhr  von 
102- 120 cm^  Wassers  ein.  Die  Schnelligkeit  des  Wasserzuflusses  muß 
auf  etwa   5  Tropfen    in    der  Minute   herabgesetzt  werden ;   ein  Mehr 


[251    Einige  Beziehungen  zwischen  Kolloidchemie,   Geologie  und  Technik.     283 

an  Wasser  wird  nicht  mehr  restlos  aufgesogen,  sondern  rinnt  teilweise 
frei  über  die  Kuchenböschung  herab. 

Bei  Kuchen  aus  grobem  Staub  (Schluß)  muß  die  Geschwindigkeit 
noch  mehr,  etwa  auf  2  Tropfen  in  der  Minute  herabgesetzt  werden. 
Es  dauert  sehr  lange,  bis  der  Schluff  so  völlig  durchweicht  und  zu- 
sammenhanglos geworden  ist,  daß  Rutschungen  eintreten ;  so  groß  ist 
die  Klebrigkeit  des  Stoffes.  Die  Rutschgrenze  liegt  bei  250— 300 cw^ 
Wasser. 

Für  die  technische  Praxis  lassen  sich  aus  diesen  Versuchen  fol- 
gende Nutzanwendungen  ziehen.  Grobe  Sande  sind  ziemlich  standfest; 
die  Standfestigkeit  der  Sande  nimmt  mit  dem  Kleinerwerden  des 
Kornes  ab ;  von  einem  gewissen  Punkte  ab,  wo  die  Sande  anfangen 
bildsam  zu  werden  und  auch  andere  Eigenschaften  der  Tone  anzu- 
nehmen, in  die  sie  allmählich  übergehen,  nimmt  dann  die  Stand- 
festigkeit wieder  zu,  wenigstens  in  dem  Sinne,  daß  zum  Eintreten  von 
Rutschungen  längere  Zeit  und  stärkere  Durchfeuchtung  notwendig 
wird.  An  sich  freilich  und  mit  den  Grobsanden  verglichen,  sind  auch 
die  Tone  wenig  standfest;  für  den  Eintritt  von  Bewegungen  sind  aber 
nicht  so  sehr  größere  Wassermengen  erforderlich,  als  vielmehr  ein 
der  langsamen  Wasseraufnahme  durch  Ton  entsprechend  allmählich 
erfolgender,  aber  langandauernder  Wasserzudrang.  Die  oben  ange- 
deutete Grenze,  bei  welcher  die  Sande  wieder  standfester  werden,  liegt 
nach  vorstehenden*  Versuchen  bei  0  02 — OOQ  mm  Korndurchmesser. 
Sie  fällt  genau  mit  der  Feststellung  Atterbergs^)  zusammen,  daß 
die  Ausflockbarkeit  von  Sauden  bei  0-05 — 0*02  mm  Korndurchmesser 
beginnt. 

Die  weiteren  Versuche  bezogen  sich  auf  Gemenge  verschiedener 
Korngrößen.  Kuchen  aus  20/21  Sand  von  02 — 0-bmm  Korndurchmesser 
und  1/21  Feinstaub  (0-002  — 0-006  mm  Korndurchmesser)  rutschten 
nach  Zufuhr  von  20—24  cm^  Wasser,  also  etwas  rascher  als  Kuchen 
aus  Sand  allein;  hier  kommen  also  die  Bewegungen  fördernden 
Eigenschaften  der  Tone  —  wenn  auch  in  beschränktem  Umfange  — 
zur  Geltung. 

Dagegen  veränderte  die  Beimengung  von  1/21  Feinstaub  zu 
Sand  von  0-25—1-0  mm  Korndurchmesser  die  Standfestigkeit  der 
Kuchen  nicht  merklich;  bei  langsamer  Aufgabe  des  Wassers  blieb  die 
Kuchenform  selbst  nach  Zuflluß  von  über  100  cm^  Wasser  noch  er- 
halten. Bei  Beschleunigung  des  Wasserzutrittes  allerdings  kam  es  auch 
hier  zu  einer  baldigen  Zerstörung  des  Kuchens. 

Die  Zugabe  von  1/6  Feinstaub  zu  5/6  Mehlsand  (0-02 — 006  mm 
Korndurchmesser)  verminderte  anscheinend  die  Standfestigkeit  der 
Kuchen  in  geringem  Ausmaße;  es  treten  nach  Zufügung  von  100  bis 
150  cm^  Wasser  Rutschungen  ein. 

Es  muß  auffallen,  daß  der  nicht  unbeträchtliche  Gehalt  des  zu 
den  Versuchen  verwendeten  Tegels  an  Kalk  (5-56  v.  H.)  die  Knet- 
barkeit und  sonstigen  kolloiden  Eigenschaften  des  Stoffes  gar  nicht 
beeinflußt  hat.  Man  hat  sonst  meist  geglaubt,  daß  anwesender  kohlen- 


1)  Atterberg,  P.,    Studien   auf  dem   Gebiete  der  Bodenkunde.   Die   land- 
wirtschaftlichen Versuchsstationen.  1908,  S.  93—143. 

36* 


Franz  Angel:  Die  Quarzkeiatophyre  der  Blasseneckserie. 

Analysenergebnisse  und  deren  Auswertung  für  die  Projel<tion  nach  Becke. 

Nr.  1—11  sind  eigene  Analysen,  Nr.  I— VII  von  anderen  Autoren. 


^X 


ce  p 


iS„ 


Nummer 


Fe,0, 
FeO  . 
MgO 
CaO  . 
KaO  . 
Na^O 
B^O  . 

CO.,   . 


Summe 


SiO^  . 
TiO, 

'/.,  Fe,0, 
FeO  . 
MgO 
CaO 

'kK^O  . 

V,  N<i,0 

CO,   . 


Si  . 
AI  . 
Fe  . 
Mg 
Ca 
K  . 
Na 


Summe 


74-20 
025 

1260 
4-06 

0'62 
00) 
2  60 
3-85 
217 
008 


73  56 
035 

1360 
818 

0-51 
174 
2  04 
3-50 
1-50 
0-15 
025 


73  29 
040 

12-27 
5-73 

0-42 
1-31 
1-60 
1-45 
3  24 
0-10 
0-32 


67-70 
0-85 
14  92 

48(1 

063 
2-95 
2-40 
4  14 
1-62 
0-15 
0  31 


100-33  100  47 


6525 
0-75 

13-79 
8-21 

0-70 
2-69 

1  67 

2  76 
328 
0-23 
0-5G 


99-89 


64-59 
0-54 

14-60 
7-64 

1-10 
1-71 
2-40 
4-46 
2-46 
0  30 
0-34 


99-63 


64  40 
0-54 

1511 
610 

083 
1-99 
3  98 
3-60 
2-52 
015 
036 


64  20 
0  92 

14  78 
7-97 

1-02 
3  02 

2-78 
2-18 
2-03 
0-40 
0  70 


10  11 


63-63 
0-84 

15-40 
381 

0-73 
143 
361 
6-22 
3-23 
0-62 
0-44 


99-58  1100  00    99-76 


63-59 
060 
1444 
1304 

0  14 
0-16 
275 
1-90 
303 
0  20 


59-67 
0-80 
15-61 
10  70 


0-40 
350 
6-20 
2-40 
0-40 


15-17 
8  92 

0-37 
0-46 
3  85 
3-57 
200 


II    IIl    IV 


a-91  75-46 


15-32 
0  07 
189 
0-21 
0-59 
3-07 
395 
026 
047 


13-18 
0  91 

010 
0-95 
1-09 
6-88 
093 


64'88 

16-43 
3-69 
0  54 
0-19 
2-22 
657 
3  73 
1-17 

0-49 


67-04 
0  92 

16-00 
2-11 
1-55 

0  69 
1-00 
5-49 
462 

1  53 


VI    VII 


62-35 
1-18 

1324 
3-52 
633 
0-85 
334 
3-95 
2-79 
1-32 
0-57 


6804 

16-14 
4-32 
0-97 
102 
0  32 
0-58 
7-62 
127 


1228 

1218 

1214 

3 

4 

5 

246 

266 

240 

51 

40 

72 

15 

13 

10 

1 

31 

23 

55 

43 

34 

124 

113 
1 

1 

47 

• 

- 

1 

1121 

11 

292 

60 

16 

53 

50 

123 

1 

1 


270 
102 


1070 

7 

286 

96 

26 
31 
51 
143 
2 


1066 

7 

296 

76 

21 
36 
64 
116 


11 
290 
100 

25 
54 
59 
70 


1055 

10 

302 


18 

26 

74 

200 

3 

1 


283 
163 

3 
3 

58 

61 

1 


988   1103 

10  I  — 
306 
134 


0 

6 

74 

198 

2 


298 
112 


82 
115 


300 

1 

26 

5 

10 

64 

127 

3 


1249 

1074 

259 

332 

11 

46 

— 

1 

2 

5 

17 

40 

23 

139 

221 

120 

- 

1 

1110 

11 

314 
26 
21 
17 

18 
116 
149 


1032 
15 
260 
44 
88 
21 
61 
84 
90 
4 


316 

54 

13 

25 

6 

6 

245 


70-1 

69-5 

134 

14-4 

57 

4-5 

0-7 

0-6 

Ol 

2-5 

43 

33 

5-7 

5-2 

71-1 
13-3 
8-2 
0-6 
1-8 
27 
2  3 


100-0 


63-2 

622 

60-2 

60-6 

60-5 

60-6 

58-5 

53-2 

60-1 

68  2 

712 

61-8 

616 

578 

15-4 

14  7 

15'2 

153 

15  5 

162 

150 

14-8 

15-5 

16-4 

14  0 

15-5 

164 

13-8 

6-6 

11-5 

105 

8-4 

10  9 

53 

17-8 

14-4 

12-0 

3-4 

12 

5-1 

5-3 

14-3 

0-7 

08 

1-2 

10 

1-2 

0-9 

Ol 

_ 

04 

02 

0-2 

0-2 

04 

1-0 

42 

38 

2-4 

2-8 

43 

2-0 

0-3 

06 

06 

0-8 

1-4 

2-8 

0-7 

46 

39 

2-8 

4-0 

6-6 

4-4 

5-8 

57 

5-4 

6-2 

5-2 

18 

9-7 

90 

6-5 

6-0 

4-2 

6-5 

5-3 

3-2 

9-2 

2-8 

11-6 

52 

5-8 

10-2 

4-9 

6-6 

20 

100-0 

1000 

1000 

100  0 

100  0 

100-0 

1000 

100-0 

100-0 

100-0 

1000 

lOü-0 

lOO-O 

100  0 

62-5 
168 
73 
10 
04 
1-0 
110 


lOJ-0 


Si 

u 

L 
s 

a 

c 
/ 


70-1 
19-8 
10-1 


7-4 
0-0 
26 


69-5 
19-5 
11-0 


6-7 
1-0 
2-3 


711 

22-1 

68 


4-4 
1-0 
4-6 


63  2 
22-7 
14-1 


5-8 
1-6 
2-6 


62-2 
27-0 
10-8 


4-4 
15 
4-1 


60  2 
27  9 
12-9 


60 
07 
3-3 


60-6 
24-7 
14  7 


60 
1-2 
2-8 


615 
37-6 
11-9 


606 
22-4 
17-0 


58-3 

32-9 

8-8 


77 
0-5 
1-8 


42 
0-0 
5-8 


53  2 

60-1 

68-2 

29-2 

27-9 

20-0 

176 

12-0 

118 

71-2 
15-4 
134 


72-5 

768 

80-9 

6-7 

60 

8-5 

0-0 

03 

- 

3-3 

37 

1-5 

8-9 
0-5 
0-5 


61-8 
20-8 

17-4 


616 
221 
163 


7-6 
06 
1-9 


57-8 
291 
131 


62  5 
25-1 
12-4 


Tafel  II. 


Verzeichnis. 

1  Ti-effneialpe,  17,  178. 

2  Glaslbreniifr,  26,  281. 

3  Prübiclil  -  Polster,  28,  282. 

4  Große  Scliarte— Lins,  32,  283. 

5  Spielisogel,  1650.  56,  117. 

6  Habevltörl,  23,  87. 

7  Erzlager,  Eisenerz  A,  5tj,  158,  159,  57 

8  Spielkogel,  1754.  15,  102 

9  Stolzerhütte— Brünnalpe,  6,  496. 

10  Fljtzengraben,  12,  173. 

11  Eaiserau,  32,   97. 


[  Quarzporphyr,     Naifschlucht    bei 
Meran.  Rosenbusch,  Elemente, 
9.  Aufl.,  S.  256. 
II  Quarzkeratophyr     (Porphyroid), 
Lastau,  Sachsen,    Roseubusch, 
Elemente,  S.  291,  Nr.  2. 

III  Quarzkeratophyr,  Berkeley,  Kali- 
fornien. Rosen  busch,  Elemente, 
S.  271,  Nr.  1. 

IV  und  V.  JJetamorphe  Quarzpor- 
phyre, Windgälle,  Osann,  Che- 
mische Petrographie,  II.,  Nr.  1084 
und  1085. 

VI  Rhyolit.  Barmers  Elk,  N.  C, 
Osann,  Chemische  Petrographie, 
IT.,  Nr.  1140. 
VII  Albitporphyrit  (Quarzkeratophyr), 
Pozoritta,  liuko-nrina.  Osann,  Che- 
mische Petrographie  IL  Nr.  1177. 


Anmerkung. 

Von  den  beiden  Zahlen,  -welche 
von  1—11  neben  den  Fundorten  stehen, 
bezieht  sich  die  erste  auf  die  Nummer 
des  Handstückes,  die  z-weite  auf  die  des 
Schliffes.  (Originalnummern  Heritsch'.) 


Tafel  III  (I). 

Dr.  Josef  Woldfich: 
Silnr-Devongebiet  des  Prokopitals. 


Erkläran?  zn  Tafel  III  (I). 

Fig.  1.  Steinbruch  Muslovka,  in  welchem  die  unteren  kristallinen 
Kalke  der  Stufe  e,  gebrochen  werden.  Links  Felswand  mit  großen  Orthoceren 
(untere  Grenze  der  Stufe  Pj,  siehe  Seite  80);  im  Hangenden  kristalline  Kalke  (Mitte), 
darüber  dünnbankige  Kalke  mit  Schieferlagen  (rechts)    Vgl.  Seite  80 

Fig.  2.  Ostwand  der  St.  Prokop- Steinbrüche.  Die  massigen  Riff- 
kalke (Mitte  und  unten)  der  mittleren  Abteilung  der  Stufe  g^  werden  von  dünn- 
bankigen,  diskordant  gefalteten  Kalken  (unterer  Teil  der  oberen  Abteilung  dieser 
Stufe)  überlagert.  Im  Streichen  gehen  die  Riflfkalke  in  bankige  Kalke  über  (links 
oben).  Vgl.  Seite  73  und  85. 


J.  Wpldflch:  Sjlur-Pevongebiet  (Jgs  Prokopital», 


Taf.  III.  (i.^ 


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Lichtdruck  v.  Max  jaffc,  Wien. 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVill,  1918. 
Verlag  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 


Tafel  IV  (II). 

Dr.  Josef  Woldfich: 
Silur-Devongebiet  des  Prokopitals. 


Erklämiif  zu  Tafel  IV  (II). 

Fig.  1.  Steinbruch  östlich  von  Kote  280  am  linken  Ufer  des 
Prokopitales  (gegenüber  den  Steinbrüchen  Barta-Tichy).  Links  und  Mitte 
obere  kristalline  Kalke  der  Stufe  e^,  welche  allmählich  in  die  Plattenkalke  mit 
Schieferlagen  und  Hornsteinen  der  Stufe  /,   (rechts)  übergehen.  Vgl.  Seite  82. 

Fig.  2.  Linkes  Ufergehänge  des  Butowitzer  Baches.  Im  Hinter- 
grunde die  Kalke  der  e^-  bis  ^,- Stufe;  im  Vordergrunde  eflfusiver,  obersiluri- 
scher  Diabas.  Ueber  den  Abhang  verläuft  zwischen  den  Silur-Devonkalken  und 
dem  Dialiase  die  Klukowitzer  Verwerfung.  Vgl.  Seite  101. 


J.  Woldflch;  Silur-Devongebiet  des  Prokopitals. 


Taf.  IV.  (II.) 


Fig.  1. 


Fig.  2. 


Lichtdruek  v.  Max  Jaffe.  Wien 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Relchsanstalt  Bd.  LXVIII.  1918. 
Verlag  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 


t 


J.  WoldFich:  Silur-Devongebiet  des  Proicopitais. 


Taf.  V  (III). 


Läv^  1- 15.000. 


Pro/U  l  Hjliel-JäOO. 


Län^e  P 15000.  Profil  J. 


'J^'k         9, 


9^-         9j 


Höhe  1  ■■  7500. 


Lävgei  15000. 


9.      '■  9i-        %        h    f.  ■ 
Profil  J  Hölie  1:^500. 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVIII,  1918. 
Verlag  der  k.  k.  geologisciien  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 


Tafel  VI  (IV). 

Dr.  Josef  Woldfich: 
Silur-Devongebiet  des  Prokopitals» 


Berichtigaiigeu  zur  geologischen  Karte  Tafel  VI  (IV). 

1.  Die  Längsdislokation,  welche  von  Repora  gegen  NO  verläuft  (siehe  S  97) 
ist  nicht  eingezeichnet. 

2.  Der  graue  Streiten  bei  C.  334  ,Na  Pozävu"  sollte  blau  sein  (=  /j). 

3.  Südlich  der  Neuen  Mühle  (N.  M.)  am  rechten  Ufer  des  Prokopibaches 
ist  im  Hangenden  der  Stufe  ^^j  irrtümlich  ein  schmaler  roter  ."^treifen  verzeichnet; 
er  gehört  zur  Stufe  g^.  Nordöstlich  der  Neuen  Mühle  am  linken  Bachufer  sollte 
der  blaue,  gestrichelte  Streifen  im  Hangenden  der  Stufe  f^  grüngelb  als  g^  über- 
druckt sein. 

4.  Rechtes  Ufer  des  liutowitzer  Bachen.  Bei  dem  Worte  „Nova"  ist  die 
Fortsetzung  der  Stufe  e^  auszulassen,  da  dieselbe  diesseits  der  Klukowitzer  Ver- 
werfung nicht  anzutreiFen  ist.  Der  blaue  Streifen  daselbst  ist  Diabas  und  sollte 
demnach  grün  erscheinen. 

Linkes  Bachufer.  Südöstlich  von  Butowitz  gehört  die  keine  blaue  Partie 
zum  Diabas.  Jenseits  (östlich)  der  Klukowitzer  Verwerfung  sollte  der  grüne 
Streifen  im  Hangenden  von  e^  wiederum  blau  (=/i),  und  der  rote  Streifen  braun 
(=  /j)  gedruckt  sein.  Auch  sind  nahe  der  Mündung  des  Butowitzer  Baches  einige 
Partien  blau  verblieben  und  sollten  grüngelb  als  (7,  überdruckt  sein. 

5.  Nahe  der  Mündung  des  Prokopibaches  nördlich  und  südlich  vom  W.  H. 
ist  die  kleine,  rote  und  blaue  Partie  als  g^  aufzufassen. 

6.  Im  äußersten  SO  der  Karte  ist  im  Liegenden  von  g^  unterhalb  der 
C.  289  ein  schmaler  Streifen  der  Stufe /^  ausgelassen;  die  blau  gestrichelte  Partie 
im  Liegenden  der  Stufe  g^  sollte  daselbst  blau  (=  /j)  gedruckt  sein 

7.  Im  Westen  der  Karte  lies  „Ofech"  statt  „Orech",  im  nördlichen  mitt- 
leren Teile  der  Karte  „Mala"  statt  ^Mala",    im    Osten  „Zlichov"  statt  „Slichow^ 


J.  Woldrich:  Das  Prokopital  südlich  von  Prag. 


Tafel  Vi  (4). 


*1 

OrecJv—. 


Maßstab  1:25000. 

600m  1 


Zkm 


sg 


Tertiärer 
Schotter  u.  Sand 


Diluviale 
Terassen 


Dislokationen 


AuscefUhrt  im  A\ilitäri;eos!''aphisi;hen  Insrituie  in  Wien 


Jahrbuch  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVIII.  1918. 
Verlag  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt,.  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 


Tafel  VII. 

J.  V.  Zelizko: 
Eine  kleine  diluviale  Löwenart  von  Wolin. 


Erklärung  zu  Tafel  TU. 

Fig.  1.     Leo  nohilis  Gray.   Rechte  Hülfte  des  Oberkiefers. 
Fig.  2.     Leo  nobilis  Gray.  Linke  Hälfte  des  Oberkiefers. 


A 


J.  V.  2elizko:  Eine  kleine  diluviale  Löwenart.  1 


Taf.  Vil. 


I.KM.ii.MCk  V    Max  Jaffe,  Wien 


Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVIU,  1918. 

Verlag  der  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  111.,  Rasumofskygasse  23. 


Tafel  VIII. 


J.  V.  Zelizko: 


Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böhmischen 

Oberkreide. 


Erklärung  za  Tafel  Till. 

Fig.  J.     Gervillia  Fri6i  n.  sp. 
Fig.  2.     Gervillia  Jahni  n.  sp. 


J.  V    2eilzko.  Nachtrag  zur  Kenntnis  der  üervilHen. 

1 


Taf.  Vlll. 


Lichtdruck  v,  Max  Jaffe,  Wies. 

Jahrbuch  der  geologischen  Reichtanttalt,  Bd.  LXVIII.  1918. 

Verlag  der  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  HI.,  Rasumofskygasse  23. 


Tafel  IX. 

J.  V.  ^elizko: 

Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien  der  böhmischen 
Oberkreide. 


Erklärung  zu  Tafel  IX. 

Fig.  3.     GervüUa  Zahdlkai  n.  sp. 
Fig.  4.     Gervillia  ere  ta  n.  sp. 
Fig.  5.     Gervillia  minuta  n.  sp. 


Sämtliche  von  Morasic   stammende,   in   natürlicher   Größe   abgebildete   Oiiginale 
sind  aus  der  Sammlung  des  Herrn  Ferina 


J.  V.  2elizko.  Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gervillien. 

3 


Taf.  IX, 


Lichtdruck  v    Max  J;iffe,  Wien 

Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVIII.   1918. 
Verlag  der  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  11!.,  Rasumofskygasse  23. 


Taf.  X. 


Albrecht  Spitz 

verunglückt  am  4.  Sept.  19J8. 


Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt,  Bd.  LXVIII.  1918. 

Verlag  der  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  Hl.,  Rasumofskygasse  23. 


i 


A.  Spitz:  Das  Tarntaler  und  Tribulaun-Mesozoikum. 


Tabelle  der  stratigraphischen  Beziehungen  des  Brenner-Mesozoikums. 

Von  Bildungen,  welche  der  Brenner  Entwicklung  fehlen,  wurden  nur  jene  d  er  Engadiner  Dolomiten,   als  dem  mlchstverwandten  Gebiet  in  die  Tabelle 

aufgenommen. 
Von  der  Quarzit-Dolomit-Brekzie  wurde  abgesehen,  weil  ihre  Deutung  «u  unsicher  ist  und  sie  ohnedies  außer  dem  Tarntaler  Gebiet  keine  Analogien  hat. 

+  bedeutet  identisch  ausgebildet,  X  =  ähnlich  ausgebildet.  —  Gesperrt  sind  typische  Bündner  Elemente. 


bunte  Glimmerkatke, 
Tonschiefer,  Qunrzite? 


Tarntaiei-  Gebie 


Quarz-Sericit-Schiefer 


Canavese 
(Veltlin- 
Vidracco) 


(ii'aubündne 

Aufbruche 

zone' 


Radstädter  Tauem 


?  Schwarzeckbi-ekzie  ? 


Penseijoch 

Mauls 
Kalkstein 


Pyritschiefer  zum  Teil  ? 


roter  Ädneter  Kalk 


Uiinoidenkalk 


rötliche  Kalkschiefer 


rötliche  Kalkschiefer 


(Pyritschiefergruppe) 


X 

(„oberer  Dach- 
ätein- U.Platten- 
,  kalk")  gi'au 


brauner  Dolomit 


+    (Eieendolomit) 


gut  gebankter  Dolomit 


gut  gebankter  Dolo 


öchwarze  Tonschiefer 


Bchwarze  Tonschietier 


braune  Sandstein 


braune  Sandsteine 


Gips  und  Uaachwacke 


bunte  (rote) 
Ton-  u.  Kiesel- 
schiefer 


Tuffe?  (Sandeutal) 


weißer  massiger  Kalk 


ichwarze  Tonschiefer 


?  geschichteter 

grauei  Dolomit 

(Hippoldserie) 


grauer  Diploporendolorait 


X  grauer 
Diplo()oien 


•  Pyritschiefer  zum  Teil  ' 


schwarze  Mergelknlke 


rote  Bänderkalke 


-f  Mauls 

(?  Jurakalke  und  Pyrit- 

(schiefer  zum  Teil  ?) 


tiefbraune. 
Dolomit* 
Schieferli 


isteinkalk 
miirbe 


(oSii 


Rauchwacke,  Gips 


(Mylonit  zum  Teil  ?) 


feine   grüne   Quarzitc, 

Quarzitachiefer   und 

Konglomerate  ? 


bunte  Schiefer 


Tarntaler  Quarzit  ? 


Quarzkonglomerate 


weißer  Quarzit  ? 


Hammer:   Phyllitzone  von  Landeck. 


Tafel  XII. 


Triaskalk  und  -dolorait. 


Buntsandstein. 


Verrucano. 


Phyllit. 


Granatphyllit. 


nii  rp'tiTi'^f^'^i-) 


Quarzit. 


Albitchloritschiefer. 


IniinTiiiicaittio 


Biotitschiefergneis  und 

Quarzite  der  Zone  von 

Steinhof. 


Otztaler  Schiefergneise  und 
Quarzite. 


Amphibolit  und 
Homblendeschiefer. 


Augen-  und  Flasergneis. 


Muakowitgranitgneis. 


Biotitgranit. 


Mylonite. 


Moränen  und  Halden. 


Profile  durch  das  vordere  Pitztal. 

1 :  25.000. 


I    n    n    t   a    I 


bei  Hoheneck 


PItzenbach 


Burgstall 


Unter  Leins 


BionserbrOoke 


Pitztal 


^>K^ 


Imsterauerbach 


s 


Jahrbuch  der  Geologischen  Reichsanstalt,  LXVIII.  Band,  1918. 
Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 

^  Ausgeführt  im  Militärgeographischen  Institut. 


Hammer:   Phyllitzone  von  Landeck. 


Tafel  XIII. 


Kalke  und  kalkige  Schiefer 
der  unteren  Trias  (?). 


nzm 


Pbyllit. 


Granatphyllit. 


Zone  der  Phyllitgneise  und 
ülimmerschiefer. 


Feldapatknotengneise. 


Quarzitische  Schiefer  und 
Qnarzice. 


Granatglimmersrliiefer 
der  Rothbleiskopfgruppe. 


Biotitbchiefergneis. 


Kristalliner  Kalk  (im  Gneis). 


Amphibolit; 
Grün  schiefer  am  Flathbach. 


Biotitgranitgneis. 
Muskowitgranitgneis. 


Pegmati  tische 
Durchäderun?  im   Gneis. 


Vererzung. 

Mylonite. 

Bergstürze  und  Halden. 


Profile  durch  die  Berggruppe 

zwischen 

TJrgtal  und  Paznaim. 


Jahrbuch  der  Geologischen  Reichsanstalt,  LXVIII.  Band,  1918. 
Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofskygasse  23. 

Ausgeführt  im  MilitärgeoKraphischen  Institut. 


Hammer:   Phyllitzone  von  Landeck. 


Tafel  XIV. 


Profile 

über  die 

Rifflergruppe. 


Reohte  Talseite  bei  der 

Malfonalm 


Thaji 


^^^^^-^  M   a    I    f   0   n   t   a   I 


Perrncano  (Qaarzite  und 
Sericitschiefer), 


Phyllit. 


Granatphyllit. 


Jaarzite  uud  quarzitische 
■   Phyllite. 


Feldspatführende 
ranatglimmerschiefer  und 
Quarzite  von  Großgfall. 


Pliyllitgneise  und 
jlinimerschiefer  Quarzite: 
otitschiefer  von  Ganatsch 

and  Gampemua 


Feldspatknotengneise. 


Amphibolit 
(Hornblendeschiefer). 


aurolith  -Granatglimmer- 
schiefer des  Paznaun. 


Diaba 


Schiefergneise. 
Biotitgranit,  Angengneis. 
Muskowitgranitgneis. 


Mylonite. 


Moränen  und  Halden. 


Blankajoch 


Jahrbuch  der  Geologischen  Reichsanstalt,  LXVIII.  Band,  1918. 

Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  III.,  Rasumofsicygasse  23. 

Ausgeführt  im  J^ilitärgeographischen  Institut. 


Inhalt. 

1.  und  2.  Heft. 

Seite 

Dr.  W.  Petrascheck:  Geologische  Studien  am  Ostrande  des  polnischen 
und  des  Krakauer  b?teinkohlenreviei*es.  (Mitteilung  der  wissenschaft- 
lichen Studienkommission  beim  k.  u.  k.  Militär-General-Gouvernement 
für  das  öster.-uiag.  Okkupationsgebiet  in  Polen.  Mit  einer  Tafel  (Nr.  I) 
und  fünf  Textfiguren     .  ,.    .       . 1 

Franz  Ang^el :   Die  Quarzkeratophyre  der    Hlasaeneckserie.  (Obersteirische 

Grauwackenzone.)  Mit  einer  Tabelle  (^Tafel  Nr.  II)  und  22  Textfiguren  .    29 

Dr.  Josef  Woldflch :   Das  Prokopital   südlich   von  Prag.    Mit  vier  Tafeln 

(Nr.  III  II]— VI  [IV])   und  einer  Textabbildung  ....       63 

J.  T.  Zellzko :   Eine   kleine  Löwenart  aus   dem   südböhmischen  Diluvium 

von  Wolin.  Mit  einer  Tafel  (Nr.  VIF)  und  einer  Textabbildung    .    .    .113 

J.  V.  ieh'iko:  Nachtrag  zur  Kenntnis  der  Gcrvillien  der  böhmischen  Ober- 
kreide. Mit  zwei  Tafeln  (Nr.  VIII  und  IX)  ...    .        119 

Fritz  V.  Kerner:  Die  üeberschiebung  am  Blauer,  westlich  vom  mittleren 

öilltale.  Mit  sechs  Textfiguren 123 

Otto  Ampferer:  Zur  Erinnerung  an  Albrecht  Spitz.  Mit  einem  Bildnis 
(Tafel  Nr.  X) ■ I6l 

Albrecht  Spitz:  Studien  über  die  fazielle  und  tektonische  Stellung  des 
Tarntaler  und  Tribulaun- Mesozoikums.  Mit  einer  stratigraphischen 
Tabelle  (Tafel  Nr,  XI)  und  7  Zeichnungen 171 

Wilhelm  Hammer:  Die  Phyllitzone  von  Landeck  (Tirol).  Mit  10  Text- 
figuren und  drei  Profiltafeln   (Xr.  XII-XIV)  ....        205 

Josef  Stiny,   Ing.  und  Dr.  phil. :   Einige   Beziehungen   zwischen   Kolloid- 

cheüiie,  Geologie  und  Technik    . > 259 


* 


M5.  Die  Autoren    allein    sind  für    den  Inhalt   und  die  Forrü 
ihrer  Aufsätze  verantwortlich. 


Oesellschafts-Buchdruckerei  Brüder  Uollinek,  Wien  III.  Steinpas.se  25. 


Aus^g^eben  im  Oktober  1919. 


JAHRBUCH 


DER 


ßl 


JAHRGANG  1918.   LXVIII.  BAND. 


3.  und  4.  Heft. 


5^ 


Wien,  1919. 
Verlag  der  Geologischen  Reichsanstalt. 

In  Kommisaiou  bei  R.  Lechner  (Wilhelm  Müller),  Univeraitätsbuchhandlung 

I.  Graben  81. 


Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  Hallstätter 
Salzberges  im  Salzkammergut. 

Eine  geologische  Monographie  von  E.  Spengler. 

Mit  einer  geologischen  Karte  im  Maßstabe    1 :  25.000  (Tafel  Nr.  XIV  a  [I]),   einer 
Profiltafel  (Tafel  Nr.  XV  [II]),   einer  Lichtdrucktafel  (Tafel  Nr.  XVI  [III]),   einer 
Tafel  mit  zwei  morphologischen  Kärtchen  (Tafel  Nr.  XVII  [IV])  und  einer  paläon- 
tologischen Tafel  (Tafel  Nr.  XVIII  [V]). 


I.  Einleitung. 

Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  Hallstätter  Salzberges  oder 
der  Plassenstock,  wie  die  Gruppe  von  F.  Simony^)  genannt  wurde, 
bildet  eine  fast  allseits  durch  tief  einschneidende  Talfurchen  oro- 
graphisch  sehr  scharf  umgrenzte  Einheit.  Die  West-  und  Nordgrenze 
des  Gebietes  wird  durch  den  Lauf  des  Gosaubaches  vom  Gosauschmied 
bis  zur  Mündung  in  den  Hallstätter  See,  die  Osfgrenze  durch  das 
Ufer  des  Hallstätter  Sees  von  der  Mündung  des  Gosautales  bis  zu 
derjenigen  des  Echerntales,  die  Südostgrenze  durch  das  Echerntal 
selbst  gebildet.  Nur  an  der  Südwestseite  hängt  das  Gebiet  inniger 
mit  der  Dachsteingruppe  zusammen,  als  deren  nordwestlicher  Ausläufer 
es  auch  bezeichnet  werden  kann;  doch  läßt  sich  auch  hier  eine  fast 
überall  deutlich  ausgeprägte  Tiefenlinie  angeben,  welche  die  Plassen- 
gruppe  von  der  Dachsteingruppe  in  engerem  Sinne  scheidet.  Diese 
Linie  verläuft  von  dem  bekannten  Wasserfall  „Waldbachstrub"  im 
Echerntal  dem  Waldbach  entlang  bis  zur  Klausalpe,  folgt  hierauf  dem 
seicht  eingeschnittenen  Graben,  der  von  der  Klausalpe  über  die 
Blaikenalpe  emporzieht,  wird  dann  durch  das  Breiningtal  2)  gebildet, 
ein  geröllbedecktes  Trockentälcheu  an  der  Südseite  des  Planken- 
steinplate^us,  und  erreicht  endlich  bei  dem  „Am  Wurf"  genannten 
Sattel   mit  1560  m  Seehöhe   den  höchsten  Punkt   in  der  Umgrenzung 


^)  F.  Simony,  Das  Dachgeateingebiet.  Ein  geographisches  Charakterbild 
aus  den  österreichisclien  Nordalpen  (Wien  1895),  p.  25. 

^)  Vgl.  bei  dieser  und  den  folgenden,  weder  auf  der  Spezialkarte  1:75.C00 
noch  auf  der  dieser  Arbeit  beiliegenden  geologischen  Karte  verzeichneten  Orts- 
angaben die  der  Zeitschrift  des  Deutschen  und  Oesterr.  Alpenvereins,  Jahrgang 
1915,  beiliegende  von  L.  Aegerter  aufgenommene  Karte  der  Dachsteingruppe. 
Leider  umfaßt  diese  vorzügliche  Karte,  v?elche  ich  dank  des  liebenswürdigen  Ent- 
gegenkommens Herrn  Ing.  Aegerter s  bereits  vor  ihrer  Publikation  benützen 
konnte,  nicht  die  ganze  Plassengruiipe  und  konnte  daher  nicht  als  Unterlage  für 
meine  geologische  Karte  gewählt  werden. 

Jahrbuch  U.  «eol.  Keichaanstalt,  1918,  ü8.  Band,  3.  u.  4.  lieft.  (E.  Spengler.)         37 


286  E.  Spengler.  [2] 

der  Gebirgsgruppe.  Nur  von  hier  an  bis  zur  hinteren  Grabhütte  i) 
südlich  vom  Löckenmoosberg  ist  die  Südgrenze  der  Plassengruppe 
durch  keinen  Einschnitt  im  Gelände  bezeichnet;  man  kann  jedoch 
hier  eine  geologische  Grenze,  den  südlichen  Denudationsrand  der  auf 
den  Dachsteinkalken  liegenden  Gosauschichten,  der  auch  morphologisch 
gut  ausgeprägt  ist,  als  die  geographische  Südgrenze  der  Gruppe  an- 
nehmen. Von  der  hinteren  Grabhütte  endlich  verläuft  die  Grenze 
durch  das  Fliegental  und  den  Beereiblgraben  zum  Gosauschmied  ins 
Gosautal  hinab. 

Das  also  umgrenzte  Gebiet  erreicht  seine  größte  Erhebung  in 
dem  die  ganze  Gruppe  weit  überragenden,  aussichtsreichen  Felsgipfel 
des  Hochplassen^)  (1953 »n);  da  der  tiefste  Punkt  des  Gebietes, 
der  Spiegel  des  Hallstätter  Sees  nur  508  m  hoch  liegt,  ist  die  relative 
Höhe  der  Gebirgsgruppe  und  die  Steilheit  der  Gehänge  eine  nicht 
unbedeutende.  Eine  eingehendere  Darstellung  der  Urographie  der 
Plassengruppe  ist  in  F.  Simonys  „Dachsteingebiet"  (p.  25 — 34)  zu 
finden. 

Den  oben  angeführten  orographischen  Grenzen  der  Gruppe  ent- 
sprechen meist  keine  geologischen  Grenzen;  es  sind  fast  durchwegs 
Erosionstäler,  die  nur  im  Echerntale  durch  Verwerfungen  vorgezeichnet 
sind.  Die  Plassengruppe  ist  daher  wohl  eine  geographisch  gut  charak- 
terisierte Einheit,  besitzt  jedoch  geologisch  keine  Selbständigkeit;  sie 
ist  nichts  anderes  als  ein  durch  die  genannten  Erosionseinschnitte 
herausgeschnittenes  Stück  aus  der  gewaltigen  Triasplatte  der  Dach- 
steingruppe. 

Trotzdem  eignet  sich  die  Gruppe  auch  geologisch  zu  einer  mono- 
graphischen Darstellung,  da  sie  ein  Gebiet  umschließt,  welches  der 
übrigen  Dachsteingruppe  außerordentlich  fremd  gegenübersteht  —  die 
juvavische  Deckscholle  des  Hallstätter  Salzberges. 

Die  ganz  ungewöhnlichen  stratigraphischen  und  tektonischen 
Komplikationen^),  die  diese  Deckscholle  aufweist,  und  die  insbeson- 
dere durch  das  Auftreten  des  Salzstockes  von  Ilallstatt  außerordentlich 
gesteigert  werden,  sowie  die  mannigfaltigen  Transgressionen  jurassischer 
Gesteine  auf  dem  tirolischen  Dachsteinkalke  der  Basis  machen  das 
kleine  Gebiet  zu  einem  der  interessantesten  und  meistumstrittensten 
Punkte  des  Salzkammergutes.  Wenn  auch  der  Grundzug  der  Tektonik, 
das  Vorhandensein  der  juvavischen  Deckscholle,  bereits  von  J.  Nowak*) 


*)  „Hintere  Grubenalpe"  der  Alpenvereinskarte. 

^)  Die  von  Simony  gewählte  Schreibweise  , Blassen"  ist  zweifellos  sprach- 
lich richtiger,  da  der  Berg  nach  der  „blassen"  Farbe  des  Gesteins  benannt  ist. 
Doch  habe  ich  mich  hier  der  Schreibweise  „Plassen"  angeschlossen,  da  diese 
sonst  allgemein  üblich  ist. 

^)  Ich  erinnere  nur  an  den  bereits  mehrfach  zitierten  Ausspruch  M  oj  s  i- 
sovics':  „Hier  spottet  die  Natur  der  in  anderen  Gegenden  mit  Erfolg  ange- 
wendeten I3eobachtungsmethoden;  kombinative  und  deduktive  Schlüsse,  welche 
auf  wohlbeobachteten  Daten  beruhen,  sind  hier  ausgeschlossen,  denn  nichts  scheint 
Regel  zu  sein,  als  der  Wechsel  der  schneidendsten  Gegensätze."  (Das  Gebirge 
um  Hallstatt.    Abhandl.  der  geol.  R.-A.  VI/I.,  p.   III.) 

*)  J.  Nowak,  lieber  den  Bau  der  Kalkalpen  in  Salzburg  und  im  Salz- 
kamniergut.  Bulletin  de  racadrüiiio  de  scienceK  de  Cracovic.  1911,  p.  110. 


r3|  Die  Gebirgsgruppe  des  Plasseü  und  Hallstätter  Salzberges.  287 

und  F.  F.  Hahn^)  richtig  erkannt  wurde,  so  war  es  doch  noch  nötig, 
diese  Erkenntnis  durch  weitere  Beobachtungen  besser  zu  begründen, 
da  sie  bisher  noch  keine  allgemeine  Anerkennung  gefunden  hat. 
Anderseits  bot  die  Gruppe  noch  zahlreiche  geologische  Probleme; 
zu  deren  möglichst  restloser  Lösung  war  es  nicht  nur  nötig,  die  ganze 
—  wie  ein  Blick  auf  das  beigegebene  Literaturverzeichnis  lehrt,  äußerst 
umfangreiche  • —  Literatur  des  Gebietes  durchzuarbeiten,  sondern  es 
erwies  sich  auch  eine  vollständige,  möglichst  detaillierte  Neuaufnahme 
der  Gruppe  als  unumgänglich  notwendig,  da  sich  die  von  Mojsi- 
s  0  V  i  c  s  aufgenommene  geologische  Spezialkarte,  Blatt  Ischl  und  Hall- 
statt nur  in  der  nächsten  Umgebung  des  Hallstätter  Salzbergwerkes 
als  verläßlich  herausstellte. 

Man  wird  ferner  im  ganzen  Gebiet  der  Ostalpen  schwerlich  ein 
nur  4b-bkm'^  großes  Fleckchen  finden,  welches  so  mannigfaltige  Faunen 
geliefert  und  soviel  zur  Erkenntnis  der  alpinen  Stratigraphie  bei- 
getragen hat,  wie  die  Flassengruppe.  Das  geht  schon  daraus  hervor, 
daß  nicht  weniger  als  fünf  Schichtbezeichnungen,  welche  sich  in  der 
Folgezeit  allgemein  einbürgerten,  nämlich  die  Namen :  Schreyeralm- 
schichten,  Hallstätter  Kalk,  Klausschichten,  Plassenkalk  und  Gosau- 
schichten  nach  auf  unserer  Karte  liegenden  Lokalitäten  benannt  sind, 
und  drei  weitere  (Dachsteinkalk,  Hierlatzkalk  und  Zlambachschichten) 
aus  deren  unmittelbarer  Umgebung  stammen.  Es  hat  sich  daher  als 
eine  vom  Standpunkte  der  Geschichte  der  Alpengeologie  dankbare 
Aufgabe  erwiesen,  den  Auteil,  welchen  Beobachtungen  in  der  Flassen- 
gruppe zur  geologischen  Erforschung  der  Alpen  beigetragen  haben, 
übersichtlich  zusammenzustellen.  Auch  dürfte  es  nicht  ohne  Nutzen 
gewesen  sein,  die  in  den  verschiedensten  Publikationen  verstreuten 
Fossillisten  des  Gebietes  zu  sammeln,  diese  Listen  durch  die  zahl- 
reichen, hauptsächlich  in  den  Wiener  Sammlungen  liegenden,  bisher 
nicht  publizierten  Versteinerungen  zu  vervollständigen  und  die  Fund- 
orte der  für  die  Stratigraphie  so  außerordentlich  wichtig  gewordenen 
Faunen  kartographisch  zu  fixieren. 

Endlich  dürften  die  hier  vorliegenden  Untersuchungen  auch  für 
die  weitere  Fortführung  des  Hallstätter  Salzbergbaues  von  praktischer 
Bedeutung  sein. 

Die  Kartieruug  der  Plassengruppe  wurde  im  wesentlichen  im 
Sommer  1914  durchgeführt;  außerdem  konnte  ich  im  Sommer  1915, 
im  Herbst  1917  und  im  Sommer  1918  je  einige  Tage  der  Fertig- 
stellung der  Karte  widmen.  Die  Vollendung  der  Arbeit  wurde  dadurch 
verzögert,  daß  ich  vom  16.  August  1915  bis  Plnde  August  1917  in 
militärischer  Dienstleistung  stand. 

Ich  möchte  an  dieser  Stelle  dankend  erwähnen,  daß  mir  das 
k.  k.  Ministerium  für  Kultus  und  Unterricht  mit  ZI.  31248/14  vom 
24.  Juli  1914  eine  einmalige  Subvention  von  K  600* —  zur  Durch- 
führung meiner  Aufuahmsarbeiten  in  der  Plassengruppe  bewilligt  hat. 

Unter  den  Persönlichkeiten,  welchen  ich  für  das  Zustandekommen 
der  vorliegenden  Arbeit  zu  großem  Dank  verpflichtet  bin,  möchte  ich 


^)  F.  F.  Hahn,  Grundzüge   des  Baues  der  nördlichen  Kalkalpen  zwischen 
Inn  und  Eons.  Mitteil,  der  Geol.  Geaellschaft  in  Wien.  1913,  p.  434-437. 

37* 


288  K.  Spengler.  [4] 

an  erster  Stelle  Herrn  Chefgeologen  Regierungsrat  G.  Geyer  nennen, 
der  mir  nicht  nur  jederzeit  seine  reichen  Erfahrungen  auf  dem  Ge- 
biete alpiner  Geologie  in  liebenswürdigster  Weise  zur  Verfügung  stellte, 
sondern  auch  die  Fühlungnahme  mit  den  montanistischen  Kreisen  er- 
möglichte und  mir  bereitwilligst  gestattete,  nicht  publizierte,  in  seiner 
Verwahrung  befindliche  Manuskripte  zu  benutzen,  auf  welche  im  Text 
jedesmal  ausdrücklich  hingewiesen  werden  wird.  Nicht  geringeren 
Dank  schulde  ich  Herrn  Hofrat  K.  Schraml  in  Linz  und  der 
Salinenverwaltung  in  Hallstatt,  und  zwar  in  erster  Linie  den  Herren 
Oberbergrat  P.  Sorgo,  Bergrat  J.  Vogl  und  den  Herren  Oberberg- 
kommissären G.  Langer  und  0.  Schmidt,  die  mir  nicht  nur  ge- 
statteten, die  für  die  Tektonik  des  Gebietes  so  außerordentlich  wich- 
tigen Grubenaufschlüsse  im  Hallstätter  Salzberge  zu  besichtigen  und 
die  Grubenkarten  zu  benützen,  sondern  mir  auch  in  zuvorkommender 
Weise  die  Möglichkeit  boten,  auf  dem  Salzberge  zu  wohnen  und  durch 
die  Saline  Lebensmittel  zu  beziehen.  Denn  nur  dadurch  war  es  mir 
überhaupt  möglich,  bei  den  äußerst  schwierigen  Verpflegsverhältnissen 
im  Herbst  1917  und  der  noch  ungünstigeren  Lage  im  Frühsommer 
1918  die  Kartieruugsarbeiten  durchzuführen.  Endlich  möchte  ich  auch 
die  Gelegenheit  nicht  vorübergehen  lassen,  den  Forst-  und  Domänen- 
verwaltungeu  in  Gosau  und  Hallstatt  für  die  freundliche  Erlaubnis, 
aus  Jagdgründen  abgesperrte  Gebiete  betreten  zu  dürfen,  meinen 
verbindlichsten  Dank  auszusprechen.  Führer  bei  meinen  Grubenfahrten 
und  ein  durch  seine  vorzüglichen  Kenntnisse  der  Fossilfundorte  wert- 
voller Begleiter  und  lieber  Genosse  auf  einigen  meiner  Wanderungen 
war  mir  Herr  B.  F  aber,  Steiger  im  Hallstätter  Salzberge.  Auch  den 
Sammlern  Gapp  in  Gosau  und  Roth  in  Hallstatt  verdanke  ich  die 
Kenntnis  mehrerer  Fossilfundstätten. 

Herrn  Prof.  F.  X.  Schaffer  und  Herrn  Regierungsrat 
H.  Commenda  bin  ich  für  die  freundliche  Erlaubnis,  die  in  der 
Sammlung  des  naturhistorischen  Hofmuseums  in  Wien,  beziehungs- 
weise des  Museums  Francisco-Carolinum  in  Linz  liegenden  Fossil- 
schätze benützen  zu  dürfen,  außerordentlich  dankbar. 


II.  Literaturverzeiehnis. 

Geologie,  Mineralogie,  Paläontologie  ^),  Morphologie  und 
Lagerstättenkunde  der  Plassengruppe -). 

1802. 

L.  V.  Buch,    Geognostische   Beobachtungen   auf  Reisen   durch   Deutschland   und 
Italien,  p.  135 — 180  (Geognostische  Üebersicht   des   österr.  Salzkammerguts). 

1821. 

W.  ßuckland,   Ueber   die  Struktur   der  Alpen   und   des    angrenzenden  Landes. 
[Annais  of  philosophy  (London),  p.  450].  (strat.) 


')  mit  Ausschluß  der  paläontologischen  Gosauliteratur. 

^)  Erklärung  der  vorkommenden  Abkürzungen:  (strat.)  =  vorwiegend  strati- 
graphischen  Inhalts.  —  (tekt )  =  vorwiegend  tektonischen  Inhalts.  —  (petr.)  = 
vorwiegend   patrographischen    und   mineralogischen    Inhalts.    —    (pal.)  =    vorwie- 


[5]  Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  Hallstätter  Salzberges.  289 

1824. 

A.  Bou6,  Memoire  sur  les  terrains  secondaires  du  versant  Nord  des  Alpes.  [Annales 
des  mines  IX  (Paris),  p.  508.]  (strat.) 

1828. 

Ch.  Keferstein,  Beobachtungen  und  Ansichten  über  die  geognostischen  Ver- 
hältnisse der  nördlichen  Kalkalpenkette  in  Oesterreich  und  Bayern,  gesammelt 
auf  einer  Reise  im  Sommer  1827.  [Deutschland,  geognostisch-geologisch  dar- 
gestellt, 5.  Band,  p.  466—480.]  (strat,  tekt.) 

C.  Lill  V.  Lilienbach,  Allgemeine  Lagerungsbeziehungen  der  Steinsalz- Lager- 
stätten in  den  Alpen.  [Leonhards  Zeitschrift  für  Mineralogie,  p.  412]  (strat.) 

1829. 

A.  Sedgwick  und  R.  Murchison,  On  the  Tertiary  deposits  of  the  Vale  of 
Gosau  in  the  Salzburg  Alps.  [Proceedings  of  the  Geological  Society  of  London, 
Bd.  13  (1829),  p.  153-155.] 

1830. 

A.  Bou6,  De.sicription   du    Basin   de    Gosau.    [Bull.  Soc.    geol.   de  France,   Ser.  I, 

T.  I,  p.  130—135.]  (strat.) 
C.  Lill  V.  Lilienbach,  Ein  Durchschnitt  aus  den  Alpen  mit  Hindeutungen  auf 

die  Karpaten.  [Leonhards  und  Bronns  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Bd.  I,  p.  182.] 
(strat.) 

1831. 

A.  Sedgwick  und  R.  Murchison,  A  sketch  of  the  structure  of  the  Eastern 
Alps.  [Transaction  of  the  Geological  Society  of  London.  2.  Ser.  vol.  III,  p.  313  — 
316,  352-362,  Taf.  XXXVI,  Fig.  10.]  (strat.,  tekt.) 

1832. 

A.  Bou6,  Description  de  divers  gisements  interessants  des  fossiles  dans  les  Alpes 
autrichiennes.  Description  du  Basin  de  Gosau.  [M6m.  g6ol.  et  pal6ont.  Bd.  I, 
p.  196—205.]  (strat.) 

1843. 

A.  V.  Klip  st  ein,  Beiträge  zur  geol.  Kenntnis  der  östlichen  Alpen,   p.  20  u.  21. 

1845. 

A.  Quenstedt,  Brief  an  Professor  Bronn.  [Leonhards  und  Bronns  Jahrbuch  für 
Mineralogie,  p. 682— 684.]  (strat.) 

1846. 

P.  V.  Hauer,  Die  Cephalopoden  des  Salzkammergutes  aus  der  Sammlung  seiner 
Durchlaucht  des  Fürsten  von  Metternich.  Wien  1846,  44  S  ,  11  Taf.  (pal.) 

F.  Simony,  Tiefen-,  Durchschnitts-  und  Perspectivkarten  des  Hallstätter  Sees, 
[Haidingers  Berichte  über  die  Mitteilungen  von  Freunden  der  Naturwissen- 
schaften in  Wien.  Bd.  I,  p.  15—17.]  (morph.) 

F.  V.  Hauer,  Monotis  in  den  österreichischen  Alpen.  (Haidingers  Berichte  etc., 
Bd.  I,  p.  160  u.  161.]  (pal.) 


gend  paläontologischen  Inhalts.  —  (morph  )  =  vorwiegend  morphologischen  oder 
glazialgeologischen  Inhalts.  —  (mont.)  =  vorwiegend  montanistischen  Inhalts.  — 
Jb.  geol.  R. -A.  =  Jahrbuch  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt  in  Wien.  — 
V.  geol.  R.-A.  :=  Verhandlungen  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt  in  Wien. 
—  Abh.  geol.  R.-A.  =  Abhandlungen  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt  in 
Wien.  —  Denkschr.  Akad.  =  Denkschriften  der  kais.  Akademie  der  Wissen- 
schaften in  Wien  (math.-naturwissensch.  Klasse).  —  Sitzber.  Akad.  =  Sitzungs- 
berichte der  kais.  Akad.  der  Wissenschaften  in  Wien  (math. -naturwissenschaftliche 
Klasse). 


090  E.  Spenglei'.  [6] 

1846. 

A.  Emmrich,  Geologische  Notizen.  fA.  Schaiibach :  Die  Deutschen  Alpen,  111.  Bd., 
p.  334-336.]  (strat.) 

1847. 

F.  V.  Hauer,  Cephalopoden  vom  Roßfeld.  [Haidingers  Berichte  etc.,  Bd.  III,  p.  480.] 
(strat.) 

1849. 

F.  V.  Hauer,  lieber  neue  Cephalopoden  aus  den  Marmorschichten  von  Hallstatt 
und  Aussee.  fllaidingers  naturwissenschaftliche  Abhandlungen  III.  Bd.,  p.  1— 26, 
6  Taf.]  (pal.) 

A.  Quenstedt,  Die  Ammoniten  der  roten  Alpenkalke.  [Petrefaktenkunde,  Cepha- 
lopoden, p.  243-260.]  (pal) 

1850. 

F.  V.  Hauer,  üeber  die  geognostischen  Verhältnisse  des  Nordabhanges  der  nord- 
östlichen Alpen  zwischen  Wien  und  Salzburg»  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  I,  p  31— 4G] 
(strat.) 

F.  V.  Hauer,  üebei-  die  Gliederung  der  geschichteten  Gebirgsbildungen  in  den 
östlichen  Alpen  und  den  Karpathen.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  IV,  p.  284  —  290, 
301   u.  304]   t strat) 

F.  V.  Hauer,  Ueber  die  Gliederung  des  Alpenkalkes  in  den  Ostalpen.  [Neues 
Jahrb.  f   Mineralogie  etc.,  p.  584  —  591.]  (strat.) 

L.  Zeuschner,  Ueber  die  Verschiedenheit  der  Entstehung  der  Salzablagerungen 
in  den  Karpathen  und  in  den  Öalzburger  Alpen.  [Jb.  geol.  R  -A  ,  Bd.  I. 
p.  240  u.  241.]  (petv.) 

F.  Simony,  Bericht  über  die  Arbeit  der  Sektion  V.  [Jb.  geol.  R-A.,  Bd.  I, 
p.  653-656.]  (strat.) 

1851. 

A.  E.  Reuß,  Geologische  Untersuchungen  im  Gosautale  im  Sommer  1851.  [Jb.  geol. 
R.-A.,  Bd.  JI,  H.  4,  p.  .52—60.]  (strat.) 

1852. 

E.  Sueß,  Ueber  Terebratula  diphija.  [Sitzber.  Akad.  VIII,  p.  561]  (strat.) 

F.  V.  Hauer,    Vorlage   von   Fossilien   der   Dürren-   und   Klausalpe   bei  Hallstatt. 

[Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  III,  H.  1,  p.  184-186.]  (strat) 

E.  Sueß,  Ueber  die  Brachiopoden  der  Hierlatzschichten.  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  111, 

H.  2,  p.  171]  (strat.) 
M.   V.   Lipoid,    Ueber    die    geologische    Stellung    der    Alpenkalke,    welche    die 
Dachsteinbivalve  enthalten.  (Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  III,  H.  4,  p.  90-98, 1  Taf.]  (strat.) 

1853. 

M.  V.  Lipoid,  Geologische  Karte  des  Salzkammergutes.  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  IV, 

p.  481  u.  432.] 
M.  V.  Lipoid     Geologische  Profile   aus   dem  Salzkammergute.    [Jb.   geol.  R.A., 

Bd.  IV,  p.  433.]  (tekt.) 

F.  V.  Hauer,  Ueber  die  Gliederung  der  Trias-,  Lias-  und  Juragebilde  in  den  nord- 

östlichen Alpen.    [Jb.   geol.   R.-A.,   Bd.  IV,   p.  720-732  u.  764-771.]    (strat.) 

1854. 

E.  S  u  e  ß,  Profil  Hallstätter  Salzberg- Hochgolling.  [Jb  geol.  R.-A.,  Bd.  V,  p.  196-197.] 
(tekt.) 

A.  E.  Reuß,  Beiträge  zur  Charakteristik  der  Kreideschichten  in  den  Ostalpen, 
besonders  im  Gosautale  und  am  Wolfgangsee.  (Denkschr.  Akad  ,  VII.  Bd., 
p.  26—28.]  (strat.  u.  pal.) 

A.  Kenngott,   Miner.ilogische  Notizen.    [Sitzber.  Akad.  XI,  p.  383—386.]  (petr.) 


[7]  Die  Gebirgsgruppe  des  Phissen  und  dos  Hallstiltter  Salzbergcs.  291 

1855. 

F.  V.  Hauer,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Cephalopodenfauna  der  Hnllstättcr 
Schichten.  [Denkachr.  Akad.,  Bd.  9,  I.  Abt.,  p.  141—166,  5  Tat'.]  (pal.) 

A.  E.  Reuß,  Ueber  zwei  Polyparien  aus  den  Hallstätter  Schichten.  [Denkschr. 
Akad.,  Bd    9,  1.  Abt.,  p.  167-168,  1  Tat'.]  (pal.) 

M.  Hoernes,  Ueber  die  Gastropoden  und  Acephalen  der  Hallstätter  Schichten. 
[Denkschr.  Akad.,  Bd.  9,  IL  Abt,  p.  33—54,  2  Taf]  (pal.) 

E.  Sueß,   Die  Brachiopoden  der  Hallstätter  Schichten.    [Denkschr.  Akad.,  Bd.  9, 

II.  Abt.,  p.  23-32,  2  Tat".]  (pal.) 
K.  F.  Peters,    Die   Nerineen    des    oberen    Jura    in  Oesterreich.    [Sitzber.  Akad., 
Bd.  XVI,  p.  336-366,  4  Taf.]  (pal.  u.  strat.) 

1857. 

F.  V.  Hauer  und  E.  Sueß,  Ein  geologischer  Durchschnitt  der  Alpen  von  Passau 

bis  Duino.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  XXV,  p.  298-304.  Taf.  IIl  ]    (strat.    u.  tekt.) 
F.  V.  Hauer,  Paläontologische  Notizen.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  XXIV,  p.  159—161, 
2  Taf.]  (pal.) 

.    1860. 

F.  V.  Hauer,  Nachtrag  zur  Cephalopodenfauna  der  Hallstätter  Schichten.  [Sitzber. 
Akad.,  Bd    XLT,  p.  113-147,  5  Taf.]  (pal.) 

1862. 

C.  W.  G  um  bei.  Die  Da.chstemhivB.\ve  (Megalodon  triqueter)  und  ihre  alpinen 
Verwandten.    [Sitzber.  Akad.,    Bd.  XLV,   p.  325—377,  7  Taf.]   (pal.  u.  strat.) 

1863. 

K.  F.  Peters,  Ueber  Foraminiferen  im  Dachsteinkalk.  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  XIII, 

p.  293-298.]  (pal.) 
A.  Oppel,   Ueber   das  Vorkommen   von  jurassischen  Posidonomyen-Gesteinen  in 

den  Alpen.    |Zeitschr.   d    Deutsch,   geol    Gesellsch.,   Bd.  15,   p.  188—193  und 

201—217,  3  Taf.]  (strat.  u.  pal.) 

1865. 

A.  E.  Reuß,  Zwei  neue  Anthozoen  aus  den  Hallstätter  Schichten    [Sitzber.  Akad., 

Bd.  LI,  p.  381—394,  4  Taf.]  (pal.) 
A.  F.  V.  Schwaben  au.    Das  Vorkommen    einer   neuen  Art   fossiler  Korallen    in 

den  Hallstätter  Kalken.  [25.  Jahresbericht  des  Museums  Francisco-Carolinum 

in  Linz,  p.  89—92]  ipal  ) 

1866. 

K.  V.  Zittel,  Die  Bivalven  der  Gosaugebilde  in  den  nordöstlichen  Alpen.  [Denkschr. 
Akad.,  Bd.  XXV,  p.  172.]  (strat.) 

A.  v.  Dittmar,  Zur  Faunader  Hallstätter  Kalke.  [Beneckes  geognostisch-paläon- 
tologische  Beiträge,  I.  Bd.,  p.  321  —  348.]  (strat) 

E.  Sueß,  Ueber  den  Bau  der  Gebirge  zwischen  dem  Hallstätter-  und  Wolfgangsee. 
[Verh.  geol.  R.-A.,  p.  159  und  160]  (tekt.) 

E.  v.  Mojsisovics.  Ueber  die  Gliederung  der  Trias  zwischen  dem  Hallstätter- 
und Wolfgangsee.  [Verh.  geol.  R.-A.,  p.  164.]  (tekt.) 

E.  Sueß,  Gliederung  des  Gebirges  in  der  Gruppe  des  Osterhorns.  [V.  geol.  R.-A. 
p.  168.]  (strat.) 

1868. 

K.  V.  Zittel,  Paläontologische  Notizen  über  Lias-,  Jura-  und  Kreideschichten  in 
den  bayrischen  und  österreichischen  Alpen.  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd  XVIII, 
p.  601—608.]  (strat.  u.  pal.) 

E.  V.  Mojsisovics,  Versteinerungen  des  mittleren  Lias  vom  Hallstätter  Salz- 
berge. [V.  geol.  R.-A.,  p.  10—13.]  (strat.  u.  pal.) 


292  E.  Spengler.  [8] 

E.  V.  Moj  sisovics,  Petrefakten -Suiten  aus  den  Umgebungen  von  Hallstatt  und 

Aussee.  [V.  geol.  R.-A.,  p.  15.] 
E.  V.  Moj  sisovics,    Ueber    den   Malm    des   Salzkammergutes.    [V.    geol.    R.-A., 

p.  124—128.]  (strat.) 
E.  V.  M  0  j  s  i  s  0  V  i  c  9,  Umgebungen  von  Hallstatt.  [V.  geol.  R.-A.,  p   297—298  ]  (tekt.) 
E.  V.  Moj  sisovics,  Petrefaktensuiten  aus  dem  Salzkammergute.  [V.  geol.  R.-A., 

p.  405-406.] 

1869. 

E.  V.  Moj  sisovics,    Ueber   die   Gliederung   der   oberen  Triasbildungen   der  öst- 

lichen Alpen.     Jb.    geol.  R.-A.,   Bd.  XIX,   p.  91  —  100   und  122  —  130]    (strat.) 
A.  Hof  inek,  Petrefakte  aus  dem  Salzbergbau  von  Hallstatt.  [V.  geol.  R.-A.,  p   13.] 

(strat.) 
H.  Wies  er,    Analyse   des  Kieserites    vom  Hallstätter  Salzberge.    [V.  geol.  R.-A., 

p.  130  u.  131.]  (petr.) 

F.  V.  Vivenot,  Beiträge  zur  mineralogischen  Topographie  von  Oesterreich-Ungarn. 

fJb.  geol.  R.-A.,  p.  607.]  (petr.) 

F.  Simony,  Gletscherschlift'e  im  oberen  Trauntale.  [V.  geol.  R.  A.,  p.  297.]  (morph.) 

G.  Tschermak,  Ueber  den  Simonyit,  ein  neues  Salz  von  Hallstatt.  [Sitzber.  Akad., 

Bd.  LX,  p.  718-724.J  (petr.) 
E.  V.  Moj  sisovics,    Bericht   über   die    im  Sommer  1868   durch    die  IV.  Sektion 

der   k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt    ausgeführte  Untersuchung   der  alpinen 

Salzlagerstätten.  [Jb.  geol.  R.- A.,  Bd.  19,  p.  151  —  173.]  (petr.,  strat ,  tekt.  u.  mont.j 
E.  V.  Moj  sisovics,    Beiträge    zur  Kenntnis   der  Cephalopodenfauna  des  alpinen 

Muschelkalkes.  (Jb.  geol.  Reichsanstalt,  Bd.  XIX,  p.  567-  594,  Taf.  XV— XIX.] 

(pal.  u.  strat.) 
E.  V.  Moj  sisovics,    Notizen    über    den    Hallstätter    Salzberg.    [V.    geol.    R.-A., 

p.  298  u.  299.]  (strat.) 
E.  V.  Moj  sisovics,    Ueber   cephalopodenführenden   Muschelkalk,  im   Gosautale. 

[V.  geol.  R.-A.,  p.  374  u    375  ]  (strat.) 
E.  v.  Moj  sisovics,  Petrefaktensuiten  aus  dem  Salzkammergute.  [V.  geol.  R.-A., 

p.  375  u.  376]  (strat.) 
E.  V.  Moj  sisovics,  Anton  Hof  inek,  k.  k.  Oberbergschaffer,  Fossilien  der  Werfener 

Schichten.  [V.  geol    R.-A.,  p.  394.] 

1870. 
M.  Neumayr,    Ueber    einige    neue    oder    weniger    bekannte    Gephalopoden    der 

Macrocephalenschichten.  [Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  XX,  p.  147-156,  Taf.  VH-IX.] 

(pal.  u.  strat.) 
A.  Hof  inek,  Ueber  die   im  Kaiser-Franz  Joseph-Stollen   zu  Hallstatt   gemachten 

Gebirgsaufschlüsse.  [V.  geol.  R.-A.,  p.  76— 78.|  (strat.,  tekt.  u.  mont.) 

1871. 
E.  V.  Moj  sisovics,  Ueber  das   Belemnitidengeschlecht  Aulacoceras  F.  v.  Hauer. 

[Jb.  geol.  R.-A.,  Bd.  XXI,  p.  41-57,  Taf.  I-IV.]  (pal.) 
M.  Neumayr,  Jurastudien.  3.  Die  Phylloceraten  des  Dogger  und  Malm.  |Jb.  geol. 

R.-A.,  Bd.  XXI,  p.  297-354,  Taf.  XII-XVII.]  (pal.) 
A.  Simony,  Mineralvorkommnisse  des  Hallstätter  Salzberges.  [Tschermaks  minera- 
logische Mitteilungen,  H.  1,  p.  58  —  60.]  (petr.) 
A.  Hof  inek,  Ueber  den  gegenwärtigen  Stand  der  neuen  Aufschluß- Arbeiten  im 

Hallstätter  Salzberge.  [V.  geol.  R.-A,  p.  254-255]  (tekt.  u.  mont.) 
G.  Tschermak,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Salzlager.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  LXIII, 

p.  314-324.!  (petr.) 

1873. 
A.  R.  Schmidt,  Ueber  den  Aufschluß  des  Salzlagerw  zu  Hallstatt.  [Oesterr.  Zeitschr 

f.  Berg-  und  Hüttenwesen,  Bd.  21,  p.  81   u.  82,  1  Taf.]  (petr.,  tekt.  u.  mont. 
E.  V.  Mqj  sisovics.    Das    Gebirge   um    Hallstatt.  I.    [Abh.   geol.    R.-A.,    VI.  Bd., 

1.  H.,  )..  1-82,  Taf.  1—32.1  fpnl ) 


[91  Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  des  Hallstätter  Falzberges.         293 

1874. 

E.  V.  Mojsisovics,    Faunengebiete   und  Faziesgebilde   der  Triasperiode  in   den 

Ostalpen.  [Jb.  geol.  R -A.,  Bd.  XXIV,  p.  112  —  122.]  (strat) 
E  V.  Mojsisovics,    Ueber   die  triadischen  Pelecypodengattungen  Daonella   und 
Halobia.  [Abb.  geol.  R.-A.,  Vll.  Bd.,  II.  2,  p.  1— 88,  5  Taf.]  (pal.) 

1875. 

F.  V.  Hauer,    Die  Geologie   und   ihre  Anwendung   auf  die  Kenntnis  der  Boden- 

beschaft'enheit  der  österr.-ungar.  Monarchie.  Wien  1875,  p.  352,  Fig.  240. 

E.  V.  Mojsisovics,    Das   Gebirge   um   Hallstatt.  I.    [Abh.   geol.   R.-A.,   VI.   Bd., 

2.  H.,  p.  83-174,  Taf.  33-70.]  (pal.) 

1877. 
K.  V.  Zittel,  Bemerkung  über  den  Lias  von  Hallstatt.  |;V.  geol.  R.-A.,  p.  219.]  (pal.) 

1879. 

F.  V.  Hauer,  Melaphyr  vom  Hallstätter  Salzberg.  [V. geol.  R.-A.,  p.  252— 254.]  (petr.) 

F.  V.  Hochstetter,  Covellin  als  Ueberzugsp.seudomorphose  einer  am  Salzberge 
bei  Hallstatt  gefundenen  keltischen  Axt  aus  Bronze.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  LXXIX, 
p.  122-129,  2  Taf]  (petr.) 

1881. 

F.  Simony,  Das  Dachsteingebirge.  [Zeitschr.  des  Deutsch,  u.  österr.  Alpenvereins. 

p.  224—225.]  (morph.) 

1882. 

E.  V.  Mojsisovics,  Die  Cephalopoden  der  mediterranen  Trias.  [Abh.  geol.  R.-A., 
Bd.  X.]  (pal.) 

1883. 

E.  V.  Mojsisovics,  Ueber  die  geologischen  Detailaufnahmen  im  Salzkammergute. 
[V.  geol.  R.-A.,  p.  290-293.]  (strat.) 

1884. 

C.  V.  John,  Ueber  Melaphyr  von  Hallstatt  und  einige  Analysen  von  Mitterberger 
Schiefer.  [V.  geol.  R.-A.,  p.  76-77.]  (petr.) 

1886. 

G.  Geyer,  Ueber  die  Lagerungsverhältnisse  der  Hierlatzschichten  in  der  südlichen 

Zone   der  Nordalpen   vom   Faß   Pyhrn   bis   zum   Achensee.    [Jb.   geol.   R.-A., 
Bd.  XXXVI,  p.  267.]  (tekt.) 

1888. 

E.  Sueß,  Das  Antlitz  der  Erde,  II.  Bd.,  p.  332—339.  (strat.) 

A.  Aigner,  Analogien  der  alpinen  Salzlagerstätten.  [Oesterr.  Zeitschr.  für  Berg- 
und  Hüttenwesen,  Bd.  36,  p.  80—83  u.  97—101.]  (petr.  u.  mont.) 

F.  M.  R.   v.   Friese,    Schlagwetterexplosionen    im    Hallstätter    Salzbergbau    im 

Jahre  1664.  [Oesterr.  Zeitschr.  f.  Berg-  und  Hüttenwesen,  36.  Bd.,  p.  183—137.] 
(mont.) 

1890. 

F.  Frech,  Die  Korallenfauna  der  Trias  I.  Die  Korallen  der  juvavischen  Trias- 
provinz. [Paläontographica,  Bd.  37,  p.  1—116,  21  Taf.]  (pal.) 

A.  Bittner,  Die  Brachiopoden  der  alpinen  Trias.  [Abh.  geol.  R.-A.,  Bd.  XIV, 
p.  1—289,  41  Taf.]  (pal.) 

1892. 

A,  Aigner,  Der  Salzbergbau  in  den  österreichischen  Alpen.  [Berg-  und  Hütten- 
männisches Jahrbuch,  Bd.  40,  p.  203—380,  4  Taf.]  (petr.  u.  mont.) 

Jahrbuch  d.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  3.  u.  4.  Hft.  (E.  Spengler.)  38 


21)4  E.  Spengler.  [10] 

L.  V.  T  au  s  c  h,  üeber  die  Biyalvengattung  Conchodus  und  Conchodus  Schwarfcri  n.  f, 
aus  der  obersten  Trias  der  Nordalpen,  [Abh.  geol.  K.-A.,  Bd.  XVII,  8  Seiten- 
3  Taf.]  (pal.) 

E.  V.  Mojsisovics,  Die  Hallstätter  Entwicklung  der  Trias.  [Sitzber.  Akad., 
Bd.  CI,  p.  769-780.]  (strat.) 

1893. 

E.  V.  Mojsisovics,  Das  Gebirge  um  Hallstatt.  (Die  Cephalopoden  der  Hallstätter 
Kalke.)  iL  Teil.  Tracht/ostraca.  [Abh.  geol.  R.-A.,  VI.  Bd.,  2.  Abt.,  p.  1-835. 
130  Taf.]  (pal.) 

1894. 

G.  Geyer,  Eine  neue  Fundstelle  von  Hierlatzfossilien  auf  dem  Dachsteingebirge. 
[V.  geol.  R.-A.,  p.  156-162]  (strat.) 

E.  Koken,  Die  Gastropoden  der  Schiebten  mit  Arcestes  Studeri.  [Jb.  geol.  R.-A., 

Bd.  aLIV,  p.  441—458.]  (pal.) 
H.  Kynaston,  On  the  stratigraphical,   lithological  and  palaeontological  features 
of  the  Gosaubeds  of  the  Gosaudistrikt  in  the  Austrian  Salzkammergut.  [Quart. 
Journ.  Geolog.  Society,  Bd.  L,  p.  130.]  (strat.) 

1895. 

F.  Simony,    Das    Dachsteingebiet.   Ein    geographisches    Charakterbild    aus    den 

österreichischen  Nordalpen,    p.  25—34,   Taf.  I,   HI,  XIX,  XX,  XXII.  (morph.) 

1896. 

E.  V.  Mojsisovics,    Ueber    den   chronologischen   Umfang  des  Dachsteinkalkes, 

[Sitzber.  Akad.,  Bd.  CV,  p.  18—23.]  (strat.) 
E.  Koken,  Die  Gastropoden  der  Trias  um  Hallstatt,  [Jb.- geol.  R.-A.,  Bd.  XLVI, 

p,  37—126.]  (pal.) 

1897, 

E.  Koken,  Die  Gastropoden  der  Trias  um  Hallstatt,  [Abh.  geol,  R.-A.,  Bd.  XVII, 
4.  H.,  p.  1—112,  23  Taf]  (pal.) 

1898, 

R.  Lorenz  v.  Liburnau,  Der  Hallstätter  See,  Eine  limnologische  Studie,  [Mitt. 

der  k.  k,  geographischen  Gesellschaft,  Bd.  XLI,  p.  I — 218.]  (morph.) 
J.  Müllner,    Die    Seen    des    Salzkammergutes    und    die    österreichische    Traun. 

[Pencks  Geographische  Abhandlungen,  Bd.  VI,  p.  14—17.]  (morph.) 
E.  Böse,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  alpinen  Trias.  IL  Die  Faziesbezirke  der  Trias 

in  den,Nordalpen.  [Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.,  Bd.  L,  p.  703.]  (strat.) 
A.  Aigner,    Die  Salzberge   der  Alpen   am  Ende   des   neunzehnten  Jahrhunderts. 

[Oesterr.  Zeitschr.  f.  Berg-  und  Hüttenwesen,  Bd.  XLVI,  p.  69—73]  (tekt.  u.  mont.) 
J.  0.  Freih.  v,  Buschmann,  Das  8alz,  dessen  Produktion,  Vertrieb  und  Ver- 
»        Wendung    in    Oesterreich    mit    besonderer    Berücksichtigung    der    Zeit    von 

1848-1898.  (mont.) 

J899. 

C.  v,  John,  Ueber  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergute.  [Jb.  geol.  R.-A., 
Bd,  XLIX,  p.  247—258.]  (petr.) 

1900. 

C.  Diener,  Die  Cephalopodenfauna  der  Schiechlinghöhe  bei  Hallstatt.  [Beiträge 
zur  Paläontologie  Oesterreich-Ungarns  und  des  Orients,  XIII,  Bd.,  p.  3—42, 
3  Taf]  (pal.) 

TT.  Commenda,  Materialien  zur  Geognosie  Oberösterreichs,  [58.  Jahresbericht 
des   Museums   Francisco  C'arolLnura   in  Linz,   j).  4G-55   u.  127  —  128]   (strat.) 


[11]        Di<^  Gebirgagruppe  des  Plassen  und  des  Hallstätter  Salzberges.         295 

1901. 
A.  Penck  und  E.  Brückner,  Die  Alpen  im  Eiszeitalter.  I.  Bd.,  p.  312.  (morph.) 
A.  Aigner,  Die  Salzlagerstätten  der  Alpen.  fMitt.  des  naturw.  Ver.  f.  Steiermark, 
38.  Bd  ,  p    135—152]  (tekt.  u.  mont.) 

1902. 

E.  V.  Mo jsisovics,  Cephalopoden  der  Hallstätter  Kalke,  Supplement.  [Abb.  geol. 
R.-A.',  Bd.  VI,  p.  175-356,  23  Taf.]  (pal.) 

A.  Aigner,  Der  Hallstätter  See  und  die  Oedenseer  Torflager  in  ihrer  Beziehung 
zur  Eiszeit.  [Mitt.  des  naturw,  Ver.  für  Steiermark,  1902,  p.  403—411.]  (morph.) 

1903. 

E.  V.  Mojsisovics,  Uebersicht  der  geologischen  Verhältnisse  des  Salzkammer- 
gutes. [Bau  und  Bild  Oesterreich-Ungarns,  p.  383—391.]  (tekt.) 

E.  Kittl,  Exkursionsführer  des  IX.  Internationalen  Geologenkongi'csses  (Wien). 
IV.    Geologische  Exkursionen   im   Salzkammergut,   p.  59—84.   (strat  u.  tekt.) 

1904. 

E.  Hang  und  M.  Lugeon,  Sur  l'existence,  dans  le  Salzkammergut,  des  quatre 
nappes  de  charriage  superposees.  [Comptes  rendus  de  l'acadömie  des  sciences, 
Paris,  T.  CXXX,  p.  892-894.]  (tekt.) 

H.  C  0  m  m  e  n  d  a,  Uebersicht  der  Mineralien  Oberösterreichs.  2.  Aufl.  [XXXIII.  Jahres- 
bericht des  Vereines  für  Naturkunde  in  Oberösterreich.]  (petr.) 

1905. 

E.  V.  Mojsisovics,  Geologische  Spezialkarte  1:75.000.  Blatt  Ischl  und  Hallstatt 
samt  Erläuterungen,  (strat.  u.  tekt.) 

19C6 

G.  V.  Arthaber,  Die  alpine  Trias  des  Mediterrangebietes.  [Lethaea geognostica  II/l, 
p.  330  und  365—383.]  (strat.) 

1907. 

H.  Ger  hart,  Ueber  den  Melaphyr  von  Hallstatt.  [Tschermaks  mineralog.  und 
petrogr.  Mitteil.,  Bd.  XXVI,  p.  253-254.]  (petr.) 

1908. 

J.  Felix,   Studien   über  die  Schichten  der  oberen  Kreideformation  in  den  Alpen 

und  den  Mediterrangebieten.  IL  Teil.  Die  Kreideschichten  bei  Gosau.  [Palaeon- 

tographica,  Bd.  LIV,  p.  305-309  und  314-315.]  (strat.) 
E.  Hang,    Sur   les   nappes    de  charriage  des  Salzkammergut   (environs  d'Ischl  et 

d' Aussee).    [Comptes   rendus   de  l'acad^mie  des  sciences,   Paris,   Bd.  CXLVII, 

p.  1428-1430.]  (tekt) 

1909. 
E.  Sueß,  Antlitz  der  Erde.  II1/2,  p.  198  und  201—203.  (tekt.) 
J.  0.  Freiherr  v.  Buschmann,  Das  Salz,  dessen  Vorkommen  und  Verwertung 
in  sämtlichen  Staaten  der  Erde.  1.  Bd.,  p.  220  und  241—245.  (mont.) 

1910. 

C.  V.  John,  Analyse  eines  Simonyites  aus  dem  Salzbergwerk  in  Hallstatt.  (C.  v.  John 
und  C.  F.  Eichleiter,  Arbeiten  aus  dem  chemischen  Laboratorium  der 
k.   k.  Geologischen  Reichsanstalt.)    [Jb.   geol.   R.-A.,   Bd.  60,  p.  749.]    (petr.) 

38* 


296  E.  Spenglei'.  [12] 


1911. 

J.  Nowak,  Ueber  den  Bau  der  Kalkalpen  in  Salzburg  und  im  Salzkammergut. 
[Bull,  de  Tacademie  des  sciences  de  Cracovie,  p.  110.]  (tekt.) 

1912. 

E.  Haug,  Les  nappes  de  charriage  des  Alpes  calcaires  septentrionales.  S'i^epartie 

Le    iSalzkammergut.    [Bull     de    la    Soc.    göol.    de    France,    Ser.    IV,    T.  XIl 
p.  118-125.]  (tekt.) 

F.  Frech,  Neue  Zweischaler  und  Brachiopoden  aus  der  Bakonyer  Trias.  [Resultate 

der   wissenschaftlichen  Erforschung    des   Balatonsees.    1/1.    Anhang:   Paläon- 
tologie II,  p.  55-66.]  (pal.) 

E.  Kittl,   IMaterialien    zu    einer  Monographie    der  Halohiidae   und  Monotidae  der 

Trias.    [Resultate    der    wissenschaftlichen    Erforschung    des    ßalatonsees.    I/l, 
Anhang:  Paläontologie  11,  230  Seiten,  10  Taf.]  (pal.) 

F.  F.  Hahn,   Versuch  zu  einer  Gliederung  der  austroalpinen  Masse  westlich  der 

österreichischen  Traun.  [V.  geol.  R.-A.,  1912,  p.  337—344.]  (tekt.) 

1913. 

E.  Spengler,   Einige  Bemerkungen   zu  E.  Haug:   Les   nappes   de  charriage  deS 

Alpes  calcaires  septentrionales.   Smepartie.    Le  Salzkammergut.   [Centralblatt 
für  Mineralogie  etc.,  p.  277.]  (tekt.) 

F.  F.  Hahn,   Grundzüge   des  Baues  der  nördlichen  Kalkalpen  zwischen  Inn  und 

Enns.  [Mitteil,  der  Wiener  geol.  Gesellsch.,  VI.  Bd.,  p.  347—350  u.  434—437.] 
(tekt.) 
N.  Krebs,  Länderkunde  der  österreichischen  Alpen,  p.  443. 

1914. 

E,  Spengler,  Untersuchungen  über  die  tektonische  Stellung  der  Gosauschichten' 
II.  Teil.  Das  Becken  von  Gosau.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  CXXIII,  p.  278—^82 
und  305—328.]  (tekt.  u.  strat.) 

R.  V.  Görgey,  Ueber  die  alpinen  Salzgesteine.  [Sitzber.  Akad.,  Bd.  CXXIII, 
p.  931-941.]  (petr.) 

1915. 

P.  Heritsch,  Handbuch  der  regionalen  Geologie.  11,5.  Die  österreichischen  und 
deutschen  Alpen  bis  zur  alpino-dinarischen  Grenze   (Ostalpen),  p.  77.    (tekt.) 

G.  Geyer,  Bemerkung  über  das  Tertiär  bei  der  Roßalpe.  [V.  geol.  R.-A.,  p.  131.] 

(strat.) 
N.  Krebs,  Die  Dachsteingruppe.  (Zeitschrift  des  Deutsch,  und  österr.  Alpenvereins, 
Bd.  46,  p.  5-24.]  (morph.) 

1916. 

E.Spengler,  Die  Plassengruppe  im  Salzkammergut.  [V.  geol.  R.-A.,  p.  73—74.]  (tekt.) 

1918. 

E.  Spengler,  Zur  Talgeschichte  des  Traun-  und  Gosautals  im  Salzkammergut. 
[V.  geol.  R.-A.,  p.  130-140.]  (morph.) 

E,  Spengler,  Ein  geologischer  Querschnitt  durch  die  Kalkalpen  des  Salzkammer- 
gutes. [Mitteil,  der  Wiener  geologischen  Gesellschaft  1918.]  (tekt.) 


ri31        1*16  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  de«  Hallstätter  Salzberges.  297 

III.  Erforsehungsgeschiehte  der  Plassengruppe  von  den 
ältesten  Anfängen  bis  Hauer  (1846). 

Die  ältesten  Angaben  über  die  geologischen  Verhältnisse  der 
Plassengruppe  finden  wir  im  Jahre  1802  bei  Leopold  v.  Buchi). 
Der  scharfen  Beobachtungsgabe  des  berühmten  Forschers  ist  es  nicht 
entgangen,  daß  hier  der  Kalkstein  eine  größere  Rolle  spielt  als  in 
dem  außeralpinen  Flötzgebirge :  „Alle  in  weniger  gebirgigen  Gegenden 
so  ausgezeichnet  und  deutlich  aufeinanderfolgende  Schichten  scheinen 
hier  in  dieser  einzigen  vereinigt  zu  sein  und  wenngleich  von  anderen 
noch  immer  Spuren  vorkommen,  so  ist  es  diese  doch  allein,  die  den 
Charakter  einer  Gebirgsart  behauptet,  der  zu  groß  ist,  als  daß 
nicht  dagegen  alles  übrige  als  Lager  erscheinen  sollte,  welche  itir 
untergeordnet  sind  2)".  Auch  wird  bereits  ein  Versuch  gemacht,  diese 
Kalkmassen  zu  gliedern,  und  zwar  nach  der  Farbe ;  die  roten  Kalke 
seien  mehr  auf  die  Tiefe  der  Täler,  die  weißen  auf  die  höheren 
Teile  des  Gebirges  beschränkt  ^) ;  erklärt  wird  diese  Erscheinung  da- 
durch, daß  die  die  Färbung  hervorrufenden  nachträglich  infiltrierten 
Metallösungen  infolge  ihres  Gewichtes  nicht  bis  auf  die  höchsten 
Bergeshöhen  aufsteigen  konnten.  Daß  insbesonders  die  roten  Kalke, 
wenn  auch  selten,  Versteinerungen  führen,  wußte  Buch  gleichfalls; 
er  erwähnt  „ein  Lager  von  dicht  aufeinander  gedrängten  Pectiniden" 
am  Leopoldiberg  zu  Hallstatt  (zweifellos  eine  Bank  mit  Monotis  sali- 
naria).  „Orthoceratiten,  Strombiten,  Bucciniten,  Asterien"  in  der 
Sammlung  des  Herrn  Kontrolleur  G 1  u  c  k,  Ammoniten,  Nautiliden  und 
einige  andere  Versteinerungen  in  der  des  Unterbergmeisters  Franz 
Steinkogel  auf  dem  Hallstätter  Salzberg.  Die  Versteinerungen  des 
Sommerau-  und  Steinbergkogels  sind  eben  so  auffallend,  daß  sie  schon 
in  alter  Zeit  von  den  Bergleuten  gesammelt  wurden.  Den  vielfachen 
Wechsel  in  der  Fallrichtung  des  sehr  deutlich  gebankten  Dachstein- 
kalkes und  insbesonders  die  wundervollen  Faltungen  der  Echernwand 
erklärt  er  durch  rasche  und  unregelmäßige  Hebung  des  Gebirges.  Be- 
sonderes Interesse  widmet  Buch  natürlich  dem  Salzlager:  er  be- 
schreibt genau  das  Haselgebirge  und  seine  Mineraleinschlüsse;  die 
Erklärungen,  die  er  für  die  Entstehung  und  für  die  intensive  Faltung 
des  Salzlagers  und  dessen  eigentümliche  Lage  in  dem  beim  Rudolfs- 
turm steil  gegen  den  Hallstätter  See  abbrechenden  Hochtale  gibt, 
konnten  bei  dem  damaligen  Stande  der  Wissenschaft  nicht  vollkom- 
mener sein  und  sind  durchaus  frei  von  Phantastereien.  Ueber  das 
Alter  der  Salzlager  sagt  Buch  folgendes*):  „Bei  allen  ist  es  also 
sichtbar,  wie  sie  in  dieser  hier  alles  einschließenden  Gebirgsart  (näm- 
lich dem  Kalkstein)  liegen,  zu  einer  Formation  mit  ihr  gehören,  neuer 


*)  L.  V.  Buch,  Geognostische  Uebersicbt  des  österreichischen  Salzkammer- 
gutes. Geognostische  Beobachtungen  auf  Reisen  durch  Deutschland  und  Italien. 
Berlin  1802,  p.  135  —  180. 

*)  L.  V.  Buch,  1.  c,  p.  146. 

')  Dies  ist  eine  ganz  richtige  Beobachtung,  da  die  bunten  Hallstätter  Kalke 
vorzugsweise  in  geringerer  Tiefe  auftreten,  während  der  weißgraue  Dachsteinkalk 
die  höchsten  Spitzen  des  Dachsteingebirges  zusammensetzt. 

*)  L.  V.  Buch,  ].  c  ,  p.  153. 


298  ß.  Spengler.  [14] 

sind  als  die  großen,  weitverbreiteten  Steiukohlenmassen  der  flachen 
Länder,  und  älter,  als  der  mächtige  ältere  (soolführende)  Gips,  der 
zwischen  dem  Zechstein  und  dem  neueren  feinkörnigen  Sandstein 
liegt".  Wenn  letzteres  auch  nicht  ganz  richtig  ist,  so  hatte  er  doch 
bereits,  eine  annähernd  korrekte  Vorstellung  von  dem  stratigraphischen 
Alter  des  Haselgebirges.  Die  das  Salzlager  unter-,  beziehungsweise 
überlagernden  Kalkmassen  werden  infolgedessen  allerdings  der  Stein- 
kohlenformation, beziehungsweise  dem  „alten  Gyps",  also  nach  unserer 
heutigen  Ausdrucksweise  dem  Karbon  und  Perm  parallelisiert ;  wie 
man  sieht,  hat  Buch  nicht  einmal  noch  den  Versuch  unternommen, 
auf  Grund  der  Vergleichung  der  Versteinerungen  eine  Altersbestim- 
mung vorzunehmen. 

In  den  folgenden  18  Jahren  ist  keine  Arbeit  über  unsere  Gebirgs- 
gruppe  zu  verzeichnen,  erst  in  Bucklands  Uebersicht  über  die 
Struktur  der  Alpen  i)  (1821)  sind  wieder  einige  Bemerkungen  über 
die  Umgebung  von  Hallstatt  enthalten.  Er  sagt,  daß  der  Alpenkalk 
alle  Formationen  vom  Magnesian-limestone  (Zechstein)  bis  zum  Chalk 
(Oberkreide)  umfaßt.  Die  Ammoniten  von  Hallstatt  gehören  dem  Lias, 
Gips  und  Salz  dem  Zechstein,  der  rote  Mergelsandstein  von  Hallstatt 
(Werfener  Schiefer  im  heutigen  Sinne)  dem  neuen  roten  Sand- 
stein an. 

Auch  in  A.  Boues^)  Arbeit:  Memoire  sur  les  Terrains  secon- 
daires  du  versant  Nord  des  Alpes  (1824)"  finden  sich  nur  einige 
Andeutungen  über  den  Hallstätter  Salzberg.  Den  Alpenkalk  identifiziert 
Boue  im  allgemeinen  mit  dem  deutschen  Muschelkalk.  Allerdings 
hat  Boue  dieses  annähernd  richtige  Alter  der  Gesteine  damals  nur 
erraten,  da  das  fossile  Material  zu  einer  sicheren  Vergleichung  noch 
viel  zu  geringfügig  war;  die  Folge  davon  war,  daß  diese  Alters- 
bestimmung von  den  Forschern,  die  ihm  unmittelbar  folgten,  nicht 
anerkannt  wurde. 

Von  höchster  Wichtigkeit  für  die  geologische  Erforschung 
sowohl  der  Plassengruppe  als  der  Kalkalpen  überhaupt  sind  die  Jahre 
1827—1832. 

Die  nächste  ausführliche  geologische  Beschreibung  der  Plassen- 
gruppe liefert  Ch.  Ke  ferst  ein  3)  (1828).  Der  Verfasser  schildert 
eine  Wanderung  Hallstatt— Gangsteig-Salzberg— Dammhöhe-Planken- 
stein— Gosau.  Für  die  Bildung  des  Salzlagers  stellt  er  die  abenteuer- 
liche Hypothese  auf,  daß  das  Salz  und  der  Gips  keinen  Absatz  aus 
dem  Meerwasser  darstellt,  sondern  durch  eine  Art  Atmungsprozeß  im 
Ton  selbst  entstanden  ist.  Als  Beweis  dafür  führt  er  die  angebliche 
Beobachtung  an,   daß  sich   ausgelaugte  Haselgebirgspartien   mit   der 


*)  Buckland,  W.,  Uobcr  die  Struktur  der  Alpen  und  des  angrenzenden 
Landes.  Annais  of  philosuphy  1821,  p.  450. 

-')  Bou«'!,  A.,  Mi'jmoire  sur  les  terrains  secondaires  du  versant  Nord  des 
Alpes  (Annales  des  mines  IX.  1824,   p.  508). 

')  Keferstein,  Gh.,  Beobachtungen  und  Ansichten  über  die  geognostischen 
Verhältnisse  der  nördlichen  Kalkalpenkette  in  Oesterreich  und  Bayern,  gesam- 
melt auf  einer  Reise  im  Sommer  1827.  Teutschland,  geognostisch-geologisch  dar- 
gestellt, o.  Band,  p.  4()ti— 480 


[151         Die  Gebirgsgruppc  des  Plassen  und  des  Ilallstätter  Salzberges.  299 

Zeit  von  neuem  mit  Salz  füllen;  eine  Auflösung  durch  Wasser  und 
einen  Neuabsatz  glaubt  er  wegen  der  Wasserundurchlässigkeit  des 
Tones  nicht  annehmen  zu  dürfen. 

In  stratigraphischer  Hinsicht  unterscheidet  er  hier  ebenso  wie 
in  den  ganzen  nördlichen  Kalkalpen :  1.  die  Sandsteinformation  (sämt- 
liche alpine  Sandsteine  enthaltend,  also  Werfener  Schiefer  und  Gosau- 
schichten  in  unserem  Sinne),  die  er  dem  Wiener  Sandstein  und  dem 
Flysch  der  Schweizer  gleichstellt.  Der  oberen  Abteilung  der  Sandstein- 
formation gehört  auch  das  Salzlager  an.  2.  Der  Alpenkalk.  Da  die 
Sandsteinformation  in  der  Tiefe  des  Gosautales  und  anderer  Alpen- 
täler erscheint,  der  Alpenkalk  aber  die  Höhen  der  Berge  einnimmt, 
wird  eine  Ueberlagerung  i)  der  Sandsteinformation  durch  den  Alpen- 
kalk und  somit  ein  höheres  Alter  der  ersteren  angenommen.  Die  ver- 
meintliche Ueberlagerung  der  Sandstein-  durch  die  Kalksteinformation 
in  der  Plassengruppe  wird  auch  in  einem  sehr  primitiv  gezeichneten 
Profil  dargestellt 2).  Kefer stein  versucht  ferner s)  durch  genaue 
Vergleichung  der  Fossilien  eine  Parallelisierung  mit  der  bereits  sicher- 
gestellten Stratigraphie  anderer  Länder,  was  einen  bedeutenden  metho- 
dischen Fortschritt  gegenüber  Buch  und  Buckl and  bedeutet.  Daß 
er  bei  seiner  Hypothese  der  Ueberlagerung  der  Sandstein-  durch  die 
Kalksteinformation  zu  dem  eigentümlichen  Resultat  gelangt,  daß  die 
gesamten  Gesteine  der  nördlichen  Kalkzone  der  Kreideformation 
entsprechen,  zeugt  nur  für  den  guten  paläontologischen  Blick  Kef  er- 
st eins,  da  er  den  kretazischen  Charakter  der  Gosauversteinerungen 
bereits  ganz  richtig  erkannt  hat^),  während  ja  bekanntlich  die  Ver- 
steinerungen des  Alpenkalkes  viel  schwerer  mit  denen  außeralpiner 
Gebiete  zu  vergleichen  sind. 

Im  Jahre  1828  beschreibt  Li  11  v.  Liiienbach^)  ausführlich 
die  Salzlager  von  Dürrenberg  und  Aussee  und  fügt  nur  einige  Be- 
merkungen über  den  Hallstätter  Salzberg  an.  Er  erwähnt  die  Kalk- 
einschlüsse im  Haselgebirge  (p.  752),  nennt  einige  Versteinerungen 
des  Alpenkalkes  bei  Hallstatt  (p.  759):  „Pectinites  salinarius,  Ammo- 
niten,  Belemniten,  Milleporen  und  Alzyonien"  und  führt  eine  große 
Anzahl  von  Fossilien  aus  dem  Sandstein  und  Mergel  von  Gosau  an 
(p.  767).  Doch  in  stratigraphischen  Fragen  drückt  er  sich  äußerst 
vorsichtig  aus,  hält  zwar  (wenigstens  teilweise)  mit  Keferstein  an 
der  Ueberlagerung  der  Gosauer  Sandsteine  durch  dichte  Alpenkalke 
fest,  aber  deutet  doch  an,  daß  nach  seiner  Meinung  der  Lias^)  eine 
Hauptrolle  in  den  Gesteinen  der  Kalkzone  spielt. 


*)  Es  ist  dies  die  gleiche  flüchtige  Beobachtung,  die  76  Jahre  später  Haug 
und  Lugeon  zur  Hypothese  der  Gosaufenster  geführt  hat. 

■^)  Keferstein,  1.  c,  p.  478. 

3)  Keferstein,  1.  c,  p.  546—552. 

*)  Später  bezeichnet  er  die  gesamten  Gebilde  der  Kalk-  und  Flyschzone 
(im  heutigen  Sinne)  als  die  dem  außeralpinen  Kreidegebirge  gleichaltrige  Flysch- 
formation  (Leonhards  Jahrbuch  für  Mineralogie,  1831,  p.  412). 

^)  Li  11  V.  Lilienbach,  Allgemeine  Lagerungsbeziehungen  der  Steinsalz- 
lagerstätten in  den  Alpen.  Leonhards  Jahrbuch  f.  Mineralogie,  1828,  p.  747— 776. 

^)  Dazu  wird  er  vor  allem  durch  das  Vorkommen  einer  Gryphea  in  den 
Gosauschichten  verleitet,  die  er  für  Onjphen  arcuata  hält. 


300  E-  Spengler.  [16] 

Das  große  Verdienst  aber,  erkannt  zu  haben,  daß  die  von 
Keferstein  angenommene  Ueberlagerung  der  „Sandstein- 
formation" durch  die  ,,Kalksteinformation"  unrichtig  ist  und 
daß.  gleichzeitig  die  „Sandsteinformation"  zwei  sehr  stark  verschie- 
dene Gebilde,  den  Buntsandstein,  der  älter,  und  die  Go sau- 
schichten, die  jünger  als  der  Alpenkalk  sind,  enthält,  gebührt  Lill 
V.  Lilienbach,  A.  Boue  und  den  englischen  Forschern  Sedgwick 
und  MurchisOH  bei  ihren  unabhängig  voneinander  unternommenen 
Forschungen  in  den  Jahren  1829  und  l.SBO. 

Sedgwick  und  Murchison  gaben  in  ihrer  ersten  Mitteilung i) 
als  Ergebnis  der  Reise  von  1829  eine  Detailgliederung  der  Gosau- 
schichten,  die  —  von  einigen  kleinen  Irrtümern  abgesehen  —  heute 
noch  gilt.   Sie   stellen   aber   die   Schichten   von  Gosau  ins  Tertiär. 

In  ihrer  großen  Ostalpenarbeit  ^),  der  eine  zweite  Reise  ins 
Gosautal  im  Jahre  1830  vorangeht,  folgen  Sedgwick  und  Murchi- 
son, der  von  Lill  v.  Lilienbach  in  seinem  vorzüglichen  Kalk- 
alpenquerschnitt ^)  von  Werfen  nach  Teisendorf  aufgestellten  Gliede- 
rung des  Alpenkalkes  in  eine  1.  untere  Gruppe  des  Alpenkalkes, 
2.  schiefrig-sandsteinartige  Gruppe  des  Alpenkalkes,  3.  obere  Gruppe 
des  Alpenkalkes  *)  und  halten  auch  ebenso  wie  Lill  aus  petrogra- 
phischen  Gründen  ein  jurassisches  Alter  des  Alpenkalkes  für  wahr- 
scheinlich. Dem  Becken  von  Gosau  widmen  sie  eine  eingehende  Detail- 
beschreibung und  geben  ein  0-W-Profil  durch  die  Plassengruppe  ^). 
Aus  Profil  und  Beschreibung  geht  bereits  klar  hervor,  daß  die  Verfasser 
eine  d i s k o r d a n t e  Auflagerung  (p.  355)  der  Gosauschichten 
auf  den  Alpenkalk eu  annahmen  und  daß  ihnen  auch  schon  die 
geringe  Störung  der  Gosauschichten  im  Vergleich  mit  dem  Alpenkalk 
bekannt  war  (p.  354).  Betreffs  des  Alters  der  Gosauschichten  nehmen 
sie  nunmehr  an,  daß  diese  in  zwei  Abteilungen  zerfallen,  von  denen 
die  älteren,  die  Grünsande  ^)  an  der  Westseite  der  Plassengruppe  und 
dieHippuritenkalke  des  Baivenstein  (=  Gschröffpalven)  noch  mesozoisch 
sind,  während  die  übrigen  Gosauschichten  bereits  dem  ältesten  Tertiär 
angehören,  in  dem  sich  Hippuriten  auf  sekundärer  Lagerstätte  befinden. 


1)  Sedg  wi  ck,  A.  und  M  u  rcbi.son,  K  ,  Froceeil.  olthe  geolog.  Society  1829, 
p.  153-155. 

2)  Sedgwick,  A.  und  Murchison,  R.,  A  sketch  oi' Ihc  structure  of  the 
Eastern  Alps.  Transactions  of  the  (jeological  Society.  2  Ser.,  Vol.  111.  London  1831. 

'^)  Lill  V.  Lilienbach:  Ein  Durchschnitt  aus  den  Alpen  mit  Hindeutungen 
auf  die  Karpathen.  Leonhard  und  Broms  Jahrbuch  für  Mineralogie  1830,  p.  153. 

*)  Die  „untere  Gruppe  des  Alpenkalkes"  in  Lills  Profil  entspricht  im 
wesentlichen  der  Triasserie  der  tirolischen  Einheit  im  heutigen  Sinne,  die  mittlere 
Gruppe  dem  sandig-mergeligen  Neokom  des  Roßfeldes  und  dem  Haselgebirge  von 
Hallein,  die  „obere  Gruppe  des  Alpenkalko.s*  der  (wie  wir  heute  wissen,  tektonisch) 
darüber  liegenden  juvavischen  Triasserie  der  Roßfeld-Deckschollen  und  des  Unters- 
berges. Wie  die  modernsten  Untersuchungen  gezeigt  haben,  sind  in  dieser  Hinsicht 
die  Lagerungsverhiiltnisse  von  Lill  richtiger  erlaßt  worden  als  von  Bittner 
und  Fugger,  weil  ersterer  ganz  unbefangen  von  jeglicher  theoretischen  Vor- 
stellung an  die  Untersuchung  gegangen  ist.  Ueber  die  Plassengruppe  enthält 
Lills  Arbeit  nur  die  Bemerkung,  daß  das  Salzhiger  von  llallstatt  eine  in  die 
untere  Gruppe  des  Alj^enkalkes  eingeschaltete,  stockförmige  Masse  darstellt  (p.  182). 

•'')  Sedgwick  und  Murchison,  1.  c.  'J'af.  XXXVI,  Fig.  10. 

•")  Was  unter  dem  „Grünsand"  gemeint  ist,  ist  nicht  ganz  klar.  Vermutlich 
die  westfallenden  Gosauschichten  bei  der  Veitenhütte. 


I  171         Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  des  Hallstätter  Salzberges.         301 

Unabhängig  von  den  beiden  Engländern  hat  A.  B  o  u  e  ^)  im  Jahre 
1829  das  Gosautal  untersucht.  Auch  er  gibt  eine  genaue  Detailbe- 
schreibung ;  der  letzte  Zweifel  über  die  Auflagerung  der  Gosauschichten 
auf  dem  Alpeukalk  erscheint  behoben,  als  er  im  oberen  Brieltal  den 
Auflagerungskontakt  wunderbar  aufgeschlossen  findet,  den  er  auch  — 
allerdings  sehr  schematisch  —  abbildet  2). .  Im  Gegensatz  zu  Sedg- 
wich  und  Murchison  hält  er  die  Gosauschichten  für  älter  und 
parallelisiert  sie  mit  dem  Grünsand.  Hingegen  betrachtet  Klipstein 3) 
die  Gosauschichten  für  eine  Bildung,  die  der  Tertiärformation  ange- 
hört, aber  Kreideversteinerungen  auf  sekundärer  Lagerstätte  führt. 
Die  Plassengruppe  wird  in  seiner  Arbeit  nur  insofern  berührt,  als  er 
die  Lagerungsverhältnisse  am  Westufer  des  Hallstätter  Sees*) 
schildert. 

Wie  aus  den  letztbesprochenen  Arbeiten  hervorgeht,  war  man 
sich  im  4.  Jahrzehnt  des  19.  Jahrhunderts  bereits  soweit  über  das 
Alter  der  Gosauschichten  im  Klaren,  daß  man  nur  mehr  zwischen 
Oberkreide  und  Tertiär  schwankte;  das  Alter  des  „Alpenkalkes"  hin- 
gegen war  noch  gänzlich  unsicher  und  es  wurden  daher  darüber  noch 
sehr  weit  voneinander  abweichende  Meinungen  laut.  Wie  wir  gesehen 
haben  haben,  hält  Li  11  ein  jurassisches  Alter  für  am  wahrschein- 
lichsten; Bronn  ^)  kam  bei  der  Untersuchung  der  von  Li  11  gesam- 
melten Versteinerungen  zu  dem  Resultat,  daß  der  untere  Alpenkalk 
sowohl  Orthoceratiten  und  andere  Versteinerungen  des  „Uebergangs- 
kalkes"  (Paläozoikums)  als  solche  des  Lias  (Ammoniten)  enthalte, 
während  die  mittlere  schiefrig-sandige  Gruppe  (Roßfeldschichten  in 
unserem  Sinne)  dem  Lias  oder  Jura  entsprechen  soll.  Eine  ganz  merk- 
würdige Meinung  über  die  stratigraphische  Stellung  äußert  Q  u  e  n  s  t  e  d t 
1845  in  einem  Briefe  au  Bronn ^).  Er  hatte  bei  seiner  Reise  ins  Salz- 
kammergut die  Ammoniten  gesehen,  die  Bergmeister  Ramsauer  am 
Someraukogel  brechen  ließ  und  die  damals  schon  ebenso  wie  heute 
in  Bad  Ischl  in  poliertem  Zustande  als  Briefbeschwerer  verkauft 
wurden.  Er  glaubt  nun  in  diesen  Formen  Arten  des  französischen 
Neokoms  (!)  zu  erkennen  und  ist  daher  geneigt,  die  Kalke  für  Unter- 
kreide zu  halten,  in  der  paläozoische  Formentypen  (Orthoceren)  von 
neuem  erscheinen.  Doch  Bronn  macht  bereits  in  einigen  Fußnoten 
auf  die  Unwahrscheinlichkeit  der  Queustedt'schen  Ansicht  auf- 
merksam. 


')  A.  B  0  u  6,  Description  de  divers  gisements  interessants  des  fossiles  dans 
les  Alpes  autrichiennes.  Mem,  geol.  et  palf^ont.  I.  (1832),  p.  196—205. 

2)  A.  Boue,  1.  c,  Taf.  I,  Fig.  4  und  p.  203. 

^)  A.  V.  Klip  stein,  Beiträge  zur  geologischen  Kenntnis  der  östlichen 
Alpen,  p.  24. 

*)  A.  V.  Klip  stein,  1.  c,  p.  20,  21. 

^)  Bronn,  H.,  Die  Versteinerungen  des  Salzatales.  Leonhard  und  Bronn, 
Jahrbuch  lür  Mineralogie,  1832,  p.  150. 

'}  Leonhard  und  Bronn,   Jahrbuch  für  Mineralogie,   1845,  p.  681—684. 

Jahrbuch  d.  geol.  Reichsanstalt,  1918,  68.  Bd.,  3.  u.  4.  Hft.  (E.  Spengler.)  39 


302  E.  Spengler.  |  l!Sj 

IV.  Stratigraphiseher  Teil. 

A.  Erforscliungsgeschichte  der  Stratigraphie  der  Plassen- 
gruppe  von  Hauer  (1846)  bis  zur  Gegenwart. 

1.  Trias. 

Eine  richtige  Vorstellung  über  die  stratigraphische  Stellung  des 
Alpenkalkes  konnte  erst  gewonnen  werden,  als  man  die  Ammoniten- 
reste  der  Hallstätter  Kalke  systematisch  zu  untersuchen  begann.  Dieser 
Aufgabe  unterzog  sich  Franz  v.  Hau  er  in  mehreren  Arbeiten  ^)  (1846— 
1860),  nachdem  bereits  L.  v.  Buch  und  A.  Quenstedt  einzelnen 
Formen  Namen  gegeben,  sie  aber  weder  beschrieben,  noch  abgebildet 
hatten. 

Die  meisten  der  in  diesen  Arbeiten  beschriebenen  Ammoniten 
und  Nautiliden  stammen  vom  Somerau-  und  Steinbergkogel  in  der 
Plassengruppe.  In  der  ersten  Arbeit  (1846)  beschreibt  Hauer  bereits 
die  Unterlagerung  der  „Cephalopodenschichten"  (Hallstiitter  Kalke  des 
Someraukogels)  durch  den  „grauen  geschichteten  Kalkstein  mit  Iso- 
cardia"  (Dachsteinkalk  der  Echernwand),  vergleicht  das  Profil  bei 
Hallstatt  mit  dem  bei  Bleiberg,  gibt  aber  noch  keine  Parallelisierung . 
mit  außeralpinen  Bildungen.  So  ist  es  möglich,  daß  Hai  ding  er  auf 
seiner  geologischen  Uebersichtskarte  von  Oesterreich  (1 847)  nur  Alpen- 
kalk ausscheidet  und  Morlot  in  den  Erläuterungen  zur  „geologischen 
uebersichtskarte  der  nordöstlichen  Alpen"  (1848)  den  Alpenkalk  noch 
immer  als  Jurakalk  bezeichnet  und  nur  vermutungsweise  bemerkt 
(p.  126),  daß  auch  Trias  in  ihm  enthalten  sein  könnte. 

Den  nicht  nur  für  unsere  Gebirgsgruppe,  nicht  nur  für  das  ganze 
Salzkammergut  sondern  auch  für  die  gesamten  Kalkalpen  entschei- 
denden Schritt  hat  F.  v.  Hauer  1847  gewagt'^)  und  im  Jahre  1850 
in  der  ersten  Arbeit  3)  im  Jahrbuch  der  neugegründeten  Geologischen 
Reichsanstalt  in  Wien  näher  ausgeführt,  nämlich  die  Erkenntnis  aus- 
gesprochen, daß  der  Alpen  kalk  zum  größten  Teil  d  erTrias 
entspricht.  Es  ist  dies  ein  so  bedeutender  Fortschritt,  daß  er  mit 
Recht  als  einer  der  wichtigsten  Marksteine  in  der  Geschichte  der 
Alpengeologie  bezeichnet  werden  muß.  Die  Beobachtungen  in  der 
Plassengruppe  haben  sehr  viel  zu  dieser  Erkenntnis  beigetragen.  Die 
in  der  Arbeit  über  die  Cephalopoden  der  Metternich'schen  Sammlung 
aufgestellte  Gliederung  erfährt  jetzt  eine  Parallelisierung  mit  außer- 
alpinen Sedimenten: 


^)  F.  V.  Hauer,  Die  Cephalopoden  de.s  Salzkanimergutes  aus  der  Samm- 
lung seiner  Durchlaucht,  des  Für.sten  v.  Metternich.  Wien  1846.  —  F.  v.  Hauer, 
Neue  Cephalopoden  von  Hallstatt  und  Aussee.  Haidingers  paläontologische 
Abhandlungen.  III.  lid.  1849.  —  F.  v.  Hauer,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Cepha- 
lopodenfauna  der  Hallstätter  Schichten.  Denkschriften  der  Wiener  Akademie.  IX. 
Band  (1855),  p.  141.  —  F.  v.  Hauer,  Nachträge  zur  Cephalopodenfauna  der 
Hallstätter   Schichten.    Sitzungsber.    der  Wiener   Akademie.    XLl    (18()0),    p.    113. 

2)  F.  V.  Hauer,  Haidingers  Berichte.  III.  Bd.,  p.  480. 

^)  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  geognostischen  Vorhältnisse  des  Nordabhanges 
der  Alpen  zwischen  Wien  und  Salzburg.  Jahrb.  der  (ieol.  li.-A.  1850  (I),  ]>.  17-  CO. 
—  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  Gliederung  der  geschichteten  üebirgshiidungen  in 
den  östlichen  Alpen  und  in  den  Karpathen  (Sitzungsber.  der  Wiener  Akademie 
18.50,  p    274). 


[19]        Dip  Gebii-gsgruppe  des  Plassen  und  des  Hallstätter  Salzberges.         303 

Cephalopodenschichten  des  Sommeraukogels  =  oberer  Muschelkalk ; 
grauer,  geschichteter  Kalkstein  mit  Cardium  triquetrmn  ^)  =  unterer 
Muschelkalk, 

Doch  deutet  Hauer  auch  schon  die  Möglichkeit  an,  daß  in  den 
Cephalopodenschichten  auch  Keuper  enthalten  sein  kann  2):  „Uebrigens 
wäre  es  sehr  wohl  möglich,  daß  unsere  Schichten  eine  andere  Fazies 
des  Keupers  vorstellen,  und  daß  sie  gleichzeitig  mit  den  Schichten 
dieser  Formation,  die  durch  ihre  vielen  Pflanzen  auf  ein  nahes  Fest- 
land deutet,  aber  in  einem  offenen  Meere  abgesetzt  wurde." 

Im  Sommer  1852  wurde  unser  Gebiet  zum  erstenmale  von  der 
Geologischen  Reichsanstalt  kartiert,  und  zwar  wurde  M. 
V.  Lipoid  als  Leiter  der  IIL  Sektion  in  Gemeinschaft  mit  H.  Prin- 
zinger  mit  dieser  Aufgabe  betraut 3).  Lipoid  gelangte  bei  dieser 
Gelegenheit  im  Gegensatz  zu  Hauer  zu  der  bemerkenswerten  Ansicht, 
daß  die  ., Alpenkalke,  welche  die  Dachsteinbivalve  enthalten"  dem 
Lias  angehören  *),  da  nach  seiner  Ansicht  die  Hierlatzkalke  darunter 
einfallen.  Doch  versteht  Lipoid,  wie  sich  aus  dem  Profil  Dachstein — Lahn 
ergibt  °),  unter  den  Kalken  mit  der  Dachsteinbivalve  keineswegs  den  ganzen 
Dachsteinkalk  im  heutigen  Sinne,  sondern  nur  die  Megalodontenbänke,  von 
denen  er  zufällig  nur  diejenigen  kennen  lernte,  die  (orographisch)  höher 
liegen  als  die  Hierlatzschichten.  Seine  Ansicht  ist  also  von  der  44  Jahre 
später  durch  M  0  j  s  i  s  0  v  i  c  s  im  „  chronologischen  Umfang  des  Dachstein- 
kalkes" ausgesprochenen  Hypothese  nicht  wesentlich  verschieden. 

Als  Hauer  daher  im  Jahre  1853  abermals  ein  Bild  über  unsere 
Kenntnis  der  alpinen  Triasgebilde  gibt  ß),  hat  sich  das  Bild,  das  die 
Formation  bietet,  recht  beträchtlich  gegenüber  der  Darstellung  im 
Jahre  1850  geändert:   Hauer  gibt  jetzt  folgende  Schichtfolge: 

Dachsteiukalk  =  Unt.  Lias 
Hallstätter  Schichten  =  Ob.  Muschelkalk 
Guttensteiner  Schichten  =  Unt.  Muschelkalk 
Werfener  Schichten  =  Buntsandstein. 
Die  Zugehörigkeit    der  Salzlager  zu  den   Werfener    Schichten 
wird  jetzt  mit  Sicherheit  ausgesprochen ;   wieder  waren  es  vor  allem 
die  Untersuchungen  am  Hallstätter  Salzberg,   die  Hauer  und  Sueß 
im  Sommer  1853  zu  diesem  wichtigen  Ergebnis  führten.  Den  Dach- 
steinkalk  rechnet  Hauer  jetzt   ebenso   wie   Lipoid   zum   Lias; 
die   Beobachtung  von   E.  Sueß,   daß   am   Sommeraukogel   der  Hall- 
stätterkalk  zwischen  Dachsteinkalk  und  Haselgebirge  liegt '^),  ist  nach 


')  Die  Dachsteiubivalve  wird  1850  von  Hauer  nicht  mehr  als  Isocardia 
wie  im  Jahre  1846,  sondern  (Catullo  folgend)  als  Cardium  triquetrum  angeführt. 

2)  F.  V.  Hauer,  Jahrbuch  der  Geol,  R.-A.,  1850,  p.  38. 

3)  M.  V.  Lipoid,  Bericht  über  die  Arbeiten  der  Sektion  III.  Jahrbuch 
der  Geol,  K.-A.,  1852,  H.  4,  p    70. 

*)  M.  V.  Lipoid,  Geologische  Stellung  der  Alpenkalksteine,  welche  die 
Dachsteinbivalve  enthalten.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A..  1852,  H.  4.  p-.  90. 

5)  M.  V.  Lipoid,  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A..  1852,  Taf.  IL 

*)  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  Gliederung  der  Trias,  Lias  und  Juragebilde  in 
den  nordöstlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.,  1853,  p.  715. 

')  Dadurch  erscheint  das  im  Jahre  1846  durch  Hauer  festgestellte  Profil 
auf  den  Kopf  gestellt;  wir  wissen  heute,  daß  die  ursprüngliche  Vorstellung 
Hauers  über  die  Lagorungsvcrhältni.<;se  die  richtige  war. 

39* 


304  K.  Spengler.  [20 1 

Hauer  ein  Beweis  für  die  Ueberlagerung  des  Hallstätter  Kalkes  durch 
Dachsteinkalk. 

Während  bisher  nur  die  Cephalopodeu  der  Hallstätter  Kalke  von 
Hauer  bearbeitet  wurden,  fanden  nun  auch  die  Brachiopoden  durch 

E.  Sueß^),  die  Gastropoden  und  Acephalen  durch  M.  Hoernes^) 
die  Korallen  durch  A.  E.  Reuß^)  eine  erste  Bearbeitung.  , 

Im  folgenden  Dezennium  ruhte  die  Forschung  in  den  Trias- 
gesteinen der  Plassengruppe  fast  vollständig;  sie  war  daher  für  die 
in  diesen  Jahren  erzielten  Fortschritte  der  alpinen  Triasstratigraphie 
ohne  Bedeutung.  Sie  rückte  erst  dann  wieder  in  den  Mittelpunkt  des 
Interesses,  als  E.  v.  Mojsisovics  im  Sommer  1866,  anfangs  in 
Gemeinschaft  mit  E.  Sueß,  seine  bis  1902  dauernden  Studien  über 
die  Hallstätter  Kalke  begann. 

Mojsisovics  war  von  Anfang  an  bestrebt,  den  bisher  als 
„Hallstätter  Schichten"  zusammengefaßten  Komplex  in  Unterabtei- 
lungen und  Zonen  zu  gliedern.  Die  ersten  Ansätze  zu  solchen  Ver- 
suchen  finden   wir  bereits  bei   F.  v.  Hauer   und   A.  v.   Dittmar. 

F.  v.  Hauer  schreibt  schon  1847*):  „Auffallend  ist  es,  daß  .  .  .  eine 
weit  größere  Uebereinstimmung  herrscht  zwischen  Aussee  und  den 
genannten  Punkten  (nämlich  Bleiberg  und  St.  Cassian),  als  zwischen 
ihnen  und  Hallstatt,  ja  sogar  eine  größere  als  zwischen  den  so  nahe- 
gelegenen Orten  Aussee  und  Hallstatt.*'  A.  v.  D  i  ttm  ar  bemerkt  1866  s) : 
„  .  .  daß  wir  wenigstens  einem  Teil  der  Fauna  vom  Someraukogel  ein 
Niveau  vindizieren  können,  welches  höher  liegt  als  die  Gastropoden- 
schichten  vom  vorderen  Sandling, "  Beide  Forscher  haben  also 
bereits  die  Unterschiede  zwischen  k  a  r  n  i  s  c  h  e  r  und 
norischer  Stufe  (im  heutigen  Sinne)  geahnt. 

Mojsisovics  nun  gibt  die  erste  Triasgliederung  im  Jahre 
1869  6).  Dieser  Versuch  ist  zwar  als  vollständig  verunglückt  zu  be- 
zeichnen und  bedeutet,  wie  ZitteF)  richtig  bemerkt,  einen  Rück- 
schritt gegenüber  früheren  Arbeiten;  trotzdem  aber  ist  es  für  einen 
Kenner  des  Salzkammergutes  durchaus  verständlich,  daß  Mojsi- 
sovics zu  dieser  Gliederung  kommen  mußte.  Denn  da  damals  Ueber- 
schiebungen  noch  völlig  unbekannt  waren,  mußte  Mojsisovics  die 
zu  verschiedenen,  übereinandergeschobenen  Schichtpaketen  gehörigen 
Schichtglieder  als  einheitliche  Schichtfolge  aufeinander  aufbauen.  Das 
wichtigste,  bleibende  Resultat  dieser  Arbeit  ist  die  scharfe  Gliederung 


')  E.  Sucß,  Die  Brachiopoden  der  Hallstätter  Schichten.  Denkschriften 
der  Wiener  Akademie.  IX.  Bd.  (1855),  p.  27. 

*)  M.  Iloernes,  Die  Gastropodcn  und  Acephalen  der  Hallstätter  Schichten. 
Denkschriften  der  Wiener  Akademie.  l.X.  Bd.  (1855),  p.  33. 

^)  A.  E.  Reuß,  üeber  zwei  Polyparien  aus  den  Hallstätter  Schichten. 
Denkschr.  der  Wiener  Akademie.  IX.  Bd.  (1855),  p.  167.  —  A.  E.  Reuß:  Zwei 
neue  Anthozoen  aus  den  Hallstätter  Schichten.  Sitzungsl)er.  der  Wiener  Akademie. 
LI.  Bd.  (18(55),  p.  381. 

*)  F.  V.  Hauer,  Neue  Cephalopoden  aus  dem  roten  Marmor  von  Aussee. 
Haidingers  naturwissenschaftl.  Abhandl.  1.  (1847),  p.  276,  277. 

^)  A.  V.  Dittmar,  Zur  Fauna  der  Hallstätter  Kalke,  ßeneckes  geo- 
gnostisch-paläontologische  Beiträge.  I.  Bd.,  p.  339. 

')  E.  V.  Mojsisovics,  Ueber  die  Gliederung  der  oberen  Triasbildungen 
der  östlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  K-A.  XIX  (1809),  p    91. 

')  K.  V.  Zittel,  Geschichte  der  Geologie  und  Paliiontologie;  p    639. 


[21]       l^ie  Gebirgsgriippe  des  Phisson  und  des  HaÜstiitter  Salzbcrgea.  305 

der  Hallstätter  Kalke  in  die  karuische  und  uorische  Stufe,  wobei 
allerdings  die  Einschaltung  der  norischen  unter  die  karnische  Stufe 
einen  Rückschritt  gegenüber  Dittmar  bedeutet.  Der  Typus  der 
norischen  Hallstätter  Kalke  mit  Ammonites  Metternichi  ist  der  Kalk 
des  Someraukogels ;  die  Unterlagerung  desselben  durch  die  Zlam- 
bachschichten  wird  gleichfalls  hauptsächlich  auf  Grund  einer  Beo- 
bachtung im  Plassenstock  angenommen,  nämlich  deshalb,  weil  der 
Someraukogel  scheinbar  von  den  Zlambachmergeln  des  Lauterbaches 
unterlagert  wird  ^). 

Eine  Entdeckung,  die  für  die  Stratigraphie  der  alpinen  Trias 
von  hervorragendster  Bedeutung  war,  machte  Mojsisovics  im 
gleichen  Jahre  in  der  Plassengruppe.  Die  Aufsammlungen,  die  im 
Auftrage  von  Mojsisovics  der  Hallstätter  Sammler  Roth  im  Sommer 
1868  vorgenommen  hatte,  haben  ergeben,  daß  die  roten  Cephalopoden- 
kalke  bei  der  Schreyeralm  eine  typische  Muschelkalkfauna ^j  führen; 
als  „Schichten  vaM  Arcestes  Studeri'^y^  später  als  „Schreyeralmkalke" 
wurden  sie  zum  Typus  der  Cephalopodenfazies  des  alpinen  Muschel- 
kalkes. Außerdem  wurden  im  gleichen  Sommer  eine  neue  Fundstätte 
von  norischen  Hallstätter  Kalk  am  Taubenstein  und  von  Zlambach- 
schichten  zwischen  dem   Somerau-  und   Steinbergkogel  aufgefunden*). 

Wir  sehen  also,  daß  um  1870  bereits  fast  sämtliche 
Fossilfundpunkte  in  der  Trias  des  Plassenstockes  be- 
kannt waren,  die  man  heute  kennt.  Nur  die  Muschelkalkfundstätte 
der  Schiechlinghöhe  wurde  erst  1886^)  ausgebeutet;  da  sie  aber  strati- 
graphisch  vollständig  mit  der  Schreyeralpe  übereinstimmt,  hatte  dieser 
Fund  keine  Aenderung  der  Stratigraphie  zur  Folge. 

Nun  folgte  die  Zeit,  in  der  Mojsisovics  und  einige  andere 
Forscher  das  überaus  reiche,  an  diesen  verschiedenen  Fundstätten 
hauptsächlich  durch  eifrige  Sammlertätigkeit  erhaltene  Material  nach 
modernen  Gesichtspunkten  und  mit  möglichst  enger  Fassung  der 
Arten  zu  bearbeiten  und  in  umfangreichen  paläontologischen  Mono- 
graphien darzustellen  begannen,  eine  Arbeit,  die  sich  naturgemäß  auf 
einen  sehr  langen  Zeitraum  erstreckte.  Die  Cephalopoden  des  Somerau- 
und  Steinbergkogels  sowie  des  Taubensteins  beschrieb  Mojsisovics 


^)  Mojsisovics  schreibt  in  der  Notiz  „Umgebungen  von  Hallstatt".  Ver- 
handl.  der  Geol.  R.-A.,  1868,  p.  297:  „Die  am  Hallstätter  Salzberge  selbst  zutage 
anstehenden  Zlambachschichten  lassen  sich  von  dem  Somerau-  und  Himbeerkogel 
herum  bis  auf  die  Klausalm  verfolgen,  wo  dieselben  unter  Hallstätter-  und  Platten- 
kalken untertauchen."  Diese  ist  eine  der  Beobachtungen,  die  Haug  später  zu 
seiner  Gliederung  in  eine  „nappe  du  Sei"  und  eine  „nappe  du  Hallstatt "  geführt 
haben.  Siehe  p.  llfi. 

')  E.  V.  Mojsisovics,  Ueber  cephalopodenführende  Muschelkalke  im 
Gosautale.  Verhandl,  der  Geol.  R.-A.,  1869;  p.  374.  —  E.  v.  Mojsisovics,  Bei- 
träge zur  Kenntnis  der  Cephalopodenfauna  des  alpinen  Muschelkalkes  (Zone  des 
Arcestes  Studeri).  Jahrb.  der  Geol.  R.-A.,  1869,  p.  567. 

')  Der  „Arcestes  Studeri'^  der  Schreyeralm  wurde  1882  von  Mojsisovics 
in  die  3  Arten :  Ptychites  ftexuosus,  Ptychites  acutus  und  Ptychites  indistinctus  zerlegt. 

*)  E.  v.  Mojsisovics:  Petrefaktensuiten  aus  dem  Salzkammergut.  Ver- 
handl. der  Geol.  R.-A.,  1869,  p.  375. 

'■')  Verhandl.  der  Geol.  R.A.,  1887,  Jahresbericht  des  Direktors,  p  4. 


306  E-  Spengler.  [22] 

im  „Gebirge  um  Hallstatt  i)",  diejenigen  der  Schreyeralm  in  den 
„Cephalopoden  der  mediterranen  Trias"  -),  während  diejenigen  der 
Schiechlinghöhe  von  C.  Dien  er  ^j  bearbeitet  wurden.  Die  Gastro- 
poden sämtlicher  Fundorte  fanden  in  E.  Koken*),  die  Lamelli- 
branchiaten  (und  zwar  nur  die  Aviculiden!)  in  E.  v.  Moj  siso  vics  ^) 
und  neuerdings  in  E.  Kittl^),  die  Brachiopoden  in  A.  Bittner''), 
die  Anthozoen  endlich  in  F.  Frech  ^)  ihre  Bearbeiter. 

Es  kann  natürlich  hier  nicht  meine  Aufgabe  sein,  die  mannig- 
fachen, einander  vielfach  widersprechenden  Gliederungsversuche  der 
Hallstätter  Kalke  anzuführen,  die  Mojsisovics  als  Resultate  seiner 
Bearbeitung  der  Cephalopoden  veröffentlichte  und  die  schließlich  zu 
der  heftigen  Diskussion  mit  A.  Bittner  führten,  da  es  sich  hier 
nur  darum  handelt,  die  Bedeutung  des  Plassenstockes  für  die  Er- 
forschung der  alpinen  Trias  darzustellen. 

Mojsisovics  gebührt  ferner  das  Verdienst,  als  erster  darauf 
hingewiesen  zu  haben,  daß  Dachsteinkalk  und  Hallstätter 
Kalk  nicht  derselben  Sc  hiebt  folge  angehören,  sondern 
gleichaltrige,  heteropische  Fazies  der  oberen  Trias 
sind,  eine  Erkenntnis,  die  der  Ausgangspunkt  der  modernen  tek- 
tonischen  Auffassung  der  Plassengruppe  isf.  Während  Mojsisovics 
im  Jahre  1869  9)  noch  Hallstätter-  und  Dachsteinkalk  zu  einer  Schi'cht- 
folge  aufeinanderschichtet,  erscheinen  bereits  im  Jahre  1874  ^^)  der 
Dachstein  und  der  Hallstätter  Salzberg  in  zwei  getrennten,  gleich- 
altrigen, aber  faziell  verschiedenen  stratigraphischen  Säulen,  wenn  auch 
noch  nicht  mit  der  heute  gültigen  Schichtfolge.  Noch  schärfer  erscheinen 
die  beiden  Faziesgebiete  1883  in  dem  Bericht  „Ueber  die  geologischen 
Detailaufnahmen  im  Salzkammergute^^)"  getrennt,  wo  der  Dachstein  zu 
dem  3.,  der  Hallstätter  Salzberg  zu  dem  4.  heteropischen  Distrikte  ge- 
hören. Letzterer  wurde  1892  zum  erstenmal  von  M  o j  s  i  s  o  v  i  c  s  als  „Hall- 
stätter Entwicklung"*-)  bezeichnet,  ersterer  als  „Dachstein-Entwicklung". 


»)  Abhandl.  der  Gcül.  K  A.,  VI.  Bd.  (1873,  1875,  lb93,  19U2). 

-)  Abhandl.  der  Geol.  K.-A.,  X.  Bd.  (1882). 

^)  C.  Diener,  Die  Ccphalopodenfauna  der  Öchiechlinghöhe  bei  Hallstatt. 
Beiträge    zur    Paläontologie   Oesterreich-Ungarns    und   des    Orients.   XIII.    (1900). 

*)  E.  Koken,  Die  Gastropoden  der  Hallstätter  Kalke.  Abhandl.  der  Geol. 
R.-A.,  XVII.  Bd.  (1897). 

^)  E.  V.  Mojsisovics,  Ueber  die  triadischen  Pelecypodengattungen  Duo- 
nella  und  H.dobia.  Abhandl.  der  Geol.  II -A.,   VII.  Hd.  (1874). 

^)  E.  Kittl,  Materialien  zu  einer  Monographie  der  Hulobiidae  und  Mono- 
tidae  der  Trias.  Resultate  der  wissenschaftlichen  Erforschung  des  Balatonsees. 
Paläontologie  der  Umgebung  des  Balatonsees.  II.  Bd.  (1912). 

')  A.  Bittner,  Die  Brachiopoden  der  alpinen  Trias.  Abhandl.  der  Geol. 
R.-A.  XIV.  Bd.  (1890). 

'*)  F.  Frech,  Korallenfauna  der  Trias.  I.  Korallen  d.r  juvavischen  Trias- 
provinz. Päläontographica  XXXVII.  Bd.  (1890). 

^)  E.  V.  Mojsisovics,  Ueber  die  Gliederung  der  oberen  Triasbildungen 
der  östlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  K.-A.,  1869.  Tabelle  zw.  p.  128  und  129. 

^")  E.  V,  M  oj  sis  ovics,  Faunengebiete  und  Faziesgebilde  der  Triasperiode 
in  den  Ostalpen.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.,  1874,  p.  122. 

^')  E  V.  Mojsisovics,  Ueber  die  sreologischen  Detailaufnahmen  im  Salz- 
kammergut. Verhandl.  der  Geol.  K.-A  ,  1883,  p.  291,  '^92. 

'*)  E.  V.  Mojsisovics,  Die  Hallstätter  Entwicklung  der  Trias.  Sitzungsber. 
der  Wiener  Akadomie.   1802,  p    709 


r2o  I        I^'G  <>ebirgsgruppe  dos  Pliisscn  und  des  Ilallßtiltter  SalzbergJs.         307 

Unsere  heute  gültige  Anschauung  über  die  Gliederung  der  Hall- 
stätter  Entwicklung  ist  im  Exkursionsführer  von  E.  KittP)  und  in 
der  „Lethaea  geognostica"  von  G.  v.  Arthaber^)  niedergelegt. 
Es  ist  dies  die  zuerst  von  D.  Stur  18713)  teilweise  richtig  erkannte, 
von  Mojsisovics  1892'*)  aufgestellte  und  mit  der  Bittn  er  sehen 
Nomenklatur  ••)  versehene  Gliederung.  Die  in  den  letzten  Arbeiten 
vonMojsisovics  angenommenen  paläontologischen  Zonen  und  Unter- 
stufen werden  mit  Recht  aufgelassen,  da  sie  meist  nur  von  einer  oder 
einer  sehr  geringen  Anzahl  von  Lokalitäten  bekannt  sind.  NachKittl 
und  Arthaber  treten  (abgesehen  von  den  Schreyeralmkalken)  nur 
folgende  Stufen  fossilführend  in  der  Plassengruppe  auf: 
Obernorisch :  Steinbergkogel 

unternorisch :  beide  Fundstätten  des  Someraukogels. 
während  der  Taubenstein   fast  durchwegs   persistente  norische  Typen 
enthält. 

Nach  diesem  kurzen  Ueberblick  über  die  Erforschungsgeschichte 
der  Hallstätter  Entwicklung  erübrigt  nur  noch  einige  Worte  über  die 
stratigraphische  Erforschung  des  Dachsteinkalkes  und  des  Hasel- 
gebirges unseres  Gebietes  anzufügen. 

Die  richtige  stratigraphische  Stellung  des  Dachsteinkalkes  als 
Schichtglied  der  oberen  Trias  wurde  erst  1862  von  C.  W.  Gümbel^) 
durch  seine  Untersuchungen  der  „Dachsteinbivalve"  erkannt;  denn 
noch  1857  rechnen  Hauer  und  Sueß*^)  im  geologischen  Alpenquer- 
schnitt Passau — Duino  den  Dachsteinkalk  zum  Lias.  Da  das  Echern- 
tal  eines  der  wichtigsten  Fundorte  der  Dachsteinbivalve  ist,  haben 
auch  zu  dieser  Erkenntnis  die  Aufschlüsse  der  Plassengruppe  einen 
wesentlichen  Beitrag  geleistet. 

Es  würde  nicht  im  Plane  dieser  Arbeit  liegen,  die  in  der  Folge- 
zeit von  verschiedenen  Autoren  geäußerten  Ansichten  über  die  strati- 
graphische Stellung  des  Dachsteinkalkes  zusammenzustellen ;  doch  sei 
bemerkt,  daß  diejenigen  Fossilfunde,  welche  neben  dem  gelegentlichen 
Vorkommen  von  Cephalopoden  am  meisten  zur  genauen  stratigraphischen 
Fixierung  des  Dachsteinkalkes  beigetragen  haben,  wiederum  in  dem 
Gebiete  unserer  Karte  gelegen  sind :  Die  Halorellenfunde  ^)  der  Hier- 
latzwand,   welche   den   norischen,   die   Auffindung  von   Lijcochis  cor^) 


*)  E.  Kittl,  Führer  des  internationalen  Geologenkongre.sses  in  Wien,  1903 
(IV.  Salz  kammergut),  p.   16. 

')  Gr.  V.  Arthaber,   Lethaea  geognoiitica  II/l,  p.  365. 

2)  D.  Stur,  Geologie  von  Steiermark,  1871,  p.  192. 

*)  E.  V.  M  0  j  s  i  s  0  V  i  c  s,  Die  Hallstätter  Entwicklung  der  Trias.  Sitzungsber. 
der  Wiener  Akademie,  1892. 

5)  A.  Bittner,  Was  ist  norisch?  Jahrb.  der  üeol.  R.-A.,  1892. 

*)  C.  W.  G  ü  ra  b  e  1,  Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten. 
Sitzungsber.  der  Akademie  der  Wissensch.  XLV  (1862),  p.  325. 

')  F.  V.  Hauer,  Ein  geologischer  Durchschnitt  der  Alpen  von  Passau  bis 
Duino  (Sitzungsber.  der  Akademie  der  Wissensch.  XLI).  Tat.  III,  Farbenerklärung. 

**)  A.  Bittner,  Die  Brachiopoden  der  alpinen  Trias.  Abhandl.  der  Geol. 
R.-A  ,  XIV  (1890),  p.  277. 

**)  L.  V.  Tausch,  lieber  die  Bivalvengattung  C'onchodus  und  Conchodua 
Schwageri  7t.  f.  aus  der  obersten  Trias  der  Nordalpen.  Abh.  der  Geol.  R  -A.,  XVn(1892). 
—  F.  F  r  e  c  h,  Neue  Zweischaler  und  Brachiopoden  aus  der  Bakonyer  Trias  (Resultate 
der  wissenschaftlichen  Erforschung  des  Balatonsees.  Paläontologie.  II.  Bd ).  j).  G5. 


3ÜS  •  K.  Spengler.  |241 

im  Echei'utale,  welche  den  rhätischen  Anteil  des  Dachsteinkalkes  er- 
keuueu  ließen. 

Die  stratigraphische  Stellung  der  Steinsalzlager  als  Schichtglied  der 
Werfener  Schichten  hatten,  wie  bereits  oben  erwähnt  wurde,  S  tur  i)  und 
Hau  er  2)  im  Jahre  1853  vollständig  richtig  erkannt.  Bei  den  in  den 
60jahien  durchgeführten  Neuaufnahmen  im  Salzkammergut  tauchten  in- 
dessen neuerdings  Zweifel  über  die  stratigraphische  Stellung  der  Steinsalz- 
lager des  Salzkammergutes  auf,  welche  dahin  führten,  daß  die  richtige 
Stur-Hauersche  Auffassung  der  Salzlager  als  Einlagerung  in  den 
Werfener  Schiefern  verlassen  wurde,  indem  E.  S  u  e  ß  3)  die  Salzstöcke 
von  Ischl,  Aussee  und  Hallstatt  in  die  Anhydritgruppe  des  Muschel- 
kalkes, E.  v.  Mojsiso  vics  *)  dieselben  gar  in  die  obere  Trias  stellte. 
Letzterer  Auffassung  schlössen  sich  nunmehr  auch  S  t  u  r  0)  und  Hauer'') 
an.  Erst  später  hat  sich  Moj  sisovics  wieder  zu  der  alten  Hau  er- 
sehen Anschauung  bekehrt  und  C.  Diener"^)  spricht  1903  klar  aus, 
daß  sämtliche  nordalpinen  Salzlager,  also  auch  dasjenige  von  Hallstatt, 
in  das  Niveau  der  Werfener  Schiefer  gehören. 

Daß  sich  auch  in  unserem  Gebiete  trotz  der  gewaltigen  Störungen, 
die  das  Haselgebirge  betroffen  haben,  zwingende  Beweise  für  die 
Stellung  desselben  in  der  skythischen  Stufe  erbringen  lassen,  wird 
später  (p.  59)  gezeigt  werden. 

2.  Jura. 

Die  Hierlatzschichten  der  (allerdings  außerhalb  des  auf  der 
Karte  des  Plasseugruppe-Gebietes,  aber  in  dessen  unmittelbarer  Nähe 
liegenden)  Lokalität  Hierlatz  wurden  von  F.  Simony^)  im  Jahre 
1850  bei  seinen  Aufnahmen  für  die  Geologische  Reichsanstalt  entdeckt 
und  ausgebeutet;  die  Zugehörigkeit  dieser  Schichten  zur  Liasformation 
jedoch  wurde  erst  im  Jahre  1852  von  E.  Sueß^)  erkannt.  Sueß 
hielt  die  Hierlatzschichten  für  mittel-  und  oberliasisch,  erst  OppeP") 
gelang  in  den  Jahren  1861  und  1862  der  Nachweis,  daß  sie  der  Ober- 
region  des   unteren   Lias   entsprechen,    ein   Resultat,   das  durch   die 


')  D,  Stur,  Die  geologische  Beschaffenheit  des  Ennstales.  Jahrbuch  der 
Geol.  R.-A.  IV.  (1853),  p.  473. 

*)  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  Gliederung  der  Trias-,  Lias-  und  Juragebilde 
in  den  nordöstlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.  IV.  (1853,  p.  719,  720). 

')  E.  Sueß,  Gliederung  des  Gebirges  in  der  Gruppe  des  Osterhorns.  Vcr- 
handl.  der  Geol.  R -A.,  1866,  p.  168  (11). 

*)  E.  V.  Moj  sisovics,  Ueber  die  Gliederung  der  oberen  Triasbildungen 
der  östlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.   1869,  p.  128. 

*)  D.  Stur,  Geologie  der  Steiermark  (1871),  p.  263. 

«)  F.  V.  Hauer^  Geologie  (1875),  p.  350. 

')  C.  Diener,  Bau  und  Bild  Oesterreich-Ungarns,  p.  352. 

")  F.  Simony,  Bericht  über  die  Arbeit  der  V.  Sektion.  Jahrbuch  der  Geol. 
R.-A.  Bd.  J,  p.  ()54. 

*)  E.  Sueß,  Ueber  die  Brachiopoden  der  Hierlatzschichten.  Jahrbuch  der 
Geol.  R.A.  Bd.  III.,  p.  171. 

'")  A.  Ojipel,  Ueber  das  Alter  der  Hierlatzschichten.  Neues  Jahrbuch  für 
Mineralogie  etc.  1862,  p.  59.  —  A.  Oppel,  Die  Brachiopoden  des  unteren  Lias. 
Zeitschr    der  Deutschen  geol.  Gesellschaft.  Bd.  XIII  (1861),  p.  529. 


[251        Die  Gebirgsgruppe  des  Plassen  und  des  Hallstätter  Salzberges.  300 

paläontologischen  Untersuchungen  Geyers^)  im  Jahre  1886  nicht 
nur  vollkommen  bestätigt,  sondern  insofern  noch  schärfer  präzisiert 
wurde,  als  Geyer  die  Hierlatzschichten  mit  der  Zone  des  Oxi/noticeras 
oxi/nofuni  parallelisieren  konnte. 

Die  auf  der  Karte  der  Plassengruppe  zur  Darstellung  gebrachten 
Vorkommnisse  von  Hierlatzschichten  wurden,  soweit  sie  bereits  vor 
meinen  Aufnahmen  bekannt  waren,  erst  von  G.  Geyer  beschrieben, 
und  zwar  diejenigen  der  Umgebung  der  Landneralpe  im  Jahre  1886  2), 
diejenigen  der  Mitterwand  im  Jahre  1894  3).  Daß  letztere  bis  in  den 
Mittellias  reichen,  hat  F.  Wähn  er  ■^)  nachgewiesen. 

Die  ziegelroten  Liasmergel  am  Piassenf uße  und  „zwischen  den 
Kögeln"  wurden  bereits  im  Jahre  1865  durch  Oberbergschaffer  Anton 
H  0  f  i  n  e  k  entdeckt  *)  und  von  M  o  j  s  i  s  o  v  i  c  s  in  den  Jahren  1868  •'), 
beziehungsweise  1809  *^)  beschrieben  und  als  Vertreter  der  Margaritatus- 
zone  erkannt;  hingegen  werden  die  unterliasischen  Fleckenmergel 
nächst  der  Werkstatt  erst  im  Kittischen  Fxkursionsführer  (p.  72) 
und  in  den  Erläuterungen  zur  geologischen  Karte  Ischl  und  Hallstatt 
(p.  35)  erwähnt. 

Die  Klausschichten  wurden  bereits  im  Jahre  1850  durch 
F.  V.  Hauer'')  beschrieben.  Die  frühzeitige  Entdeckung  dieser 
Schichten  ist  sehr  bemerkenswert,  da  die  Fundorte  räumlich  sehr 
beschränkt  und  zum  Teil  sehr  schwer  auffindbar  sind,  und  nur  durch 
das  auffallende  Aussehen  der  Klauskalke  und  ihren  Fossilreichtum  zu 
erklären.  Hauer  parallelisierte  die  Klausschichten  im  Jahre  1850 
mit  dem  außeralpinen  Oxfordton;  im  Jahre  1852  beschrieb  Hauer^) 
die  Fauna  der  Klausschichten  und  erkannte  deren  Identität  mit  den 
von  Kudernatsch  beschriebenen  Jurakalken  von  Swinitza  im  Banat, 
im  gleichen  Jahre  konnte  E.  Sueß^)  zeigen,  daß  die  Klausschichten 
nicht  dem  Oxford,  sondern  dem  Dogger  entsprechen.  Eine  schärfere 
stratigraphische  Parallelisierung  der  Klausschichten  wurde  von  0  p  p  e  1 
(1863),  Zittel  (1868)  und  Neumayr  (1870)  versucht:  OppePo) 
stellt  die  Klausschichten  in  die  Zone  der  Parkinsonia  Parkinsoni,  also 


^)  G.  Geyer,  Ueber  die  liasischen  Ceph^lopodon  des  Hierlatz  bei  Hallstatt. 
Abhandl.  der  Geol.  R.-A.  XII. 

^)  G.  Geyer,  Ueber  die  Lagerungs Verhältnisse  der  Hierlatzschichten,  Jahr- 
buch der  Geol.  R.-A.  1886,  p    267. 

^)  G.  Geyer,  Eine  neue  Fundstätte  von  Hierlatzschichten  auf  dem  Dach- 
steingebirge. Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  1894,  p.  156. 

*)  E.  Kittl,  Exkursionsführer,  p.  75. 

')  E.V.  Mojsisovics.  Versteinerungen  des  mittleren  Lias  vom  Hallstätter 
Salzberge.  Verhandl.  der  Geol.  R.-A.  1868,  p.  10. 

")  E.  V.  Mojsisovics,  Petrefaktensuiten  aus  dem  Salzkammergut.  Ver- 
handl. der  Geol.  R.-A.  1869,  p.  375. 

';  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  geognostischen  Verhältnisse  des  Nordabhanges 
der  nordöstlichen  Alpen  zwischen  Wien  und  Salzburg.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A. 
1850,  p.  41. 

*)  F.  V.  Hauer,  Vorlage  von  Fossilien  von  der  Dürrn-  und  Klausalpe  bei 
Hallstatt.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.  1852,  p.  184. 

*)  E.  Sueß,  Ueber  Terebratula  diphya.  rfitzungsber.  der  Akademie.  Bd. 
Vm  (1852),  p.  561. 

^*')  A.  Oppel,  lieber  das  Vorkommen  von  jurassischen  Posidonomyen- 
gesteinei;!  in  den  Alpen.  Zeitschr.  der  Deutschen  Geol.  Gesellsch.  Bd.  15  (1863), 
p.  193. 

Jahrbuch  d.  geol.  Reichsaustalt,  191«.  68.  Bd.,  3.  u.  4.  Hft.  (E.  Spengler.j  40 


310  K.  Spengler.  [26 1 

in  das  oberste  Bajocien,  nach  Zitt  e  P)  reichen  diese  von  der  Parkinsoni- 
zone  bis  ins  Callovien,  Neumayr^)  endlich  betrachtet  die  Klaus- 
schichten als  Aequivalente  des  unteren  Bathonien.  Wie  später  gezeigt 
werden  wird  (p.  52),  vermute  ich,  daß  in  den  Klausschichten  zu- 
mindestens  der  Mitterwand  neben  der  Bathstufe  auch  höhere  Horizonte 
vertreten  sind. 

Die  Macrocephalusschichten  der  Lokalität  Brieltal  wurden  im 
Jahre  1867  entdeckt  3)  und  von  Zittel*)  (1868)  und  Neumayr^) 
(1870,  1871)  bearbeitet. 

Daß  im  Kalk  des  Blassen  häufig  Nerineen  vorkommen,  wußte 
bereits  A.  Em m rieh 6)  im  Jahre  1846;  daß  jedoch  der  Piassenkalk 
wahrscheinlich  dem  weißen  Jura  angehört,  hat  1 850  wiederum  Hauers'') 
Scharfsinn  zuerst  erkannt.  Peters^)  beschrieb  im  Jahre  1855  die 
Nerineenfauna  des  Piassenkalkes  und  erkannte  dessen  Identität  mit 
den  Oberjurakalken  von  Ernstbrunn,  Inwald  und  Stramberg,  wodurch 
das  tithonische  Alter  des  Plassenkalkes  sichergestellt  war. 

3.  Kreide. 

Auf  die  Erforschungsgeschichte  der  Gosauformation  kann  hier 
nicht  eingegangen  werden,  da  bei  dieser  die  Vorkommnisse  der  Plassen- 
gruppe  nur  eine  geringe  Rolle  spielen.  Es  möge  nur  auf  die  Arbeiten 
von  A.  E.  Reuß9)  (1854)  und  J.  Felix^o)  (1908)  verwiesen  werden, 
in  welchen  die  diesbezügliche  Literatur  genau  besprochen  wurde. 

B.  Stratigraphie  der  Tirolischen  Einheit. 

1.  Dachsteinkalk. 

Da  die  tieferen  Glieder  der  Dachsteinfazies  auf  der  Karte  der 
E*lassengruppe  nicht  auftreten,  beginnt  die  stratigraphische  Beschrei- 
bung mit  dem  weitaus  mächtigsten  Gliede  dieser  Entwicklung,  dem 
Dachsteinkalke.     Die  Iliffazies  (Hochgebirgsriffkalk)  fehlt  in  der 


*)  K.  V.  Zittel,  Paläontologische  Notizen  über  Lias-,  Jura-  und  Kreide- 
schichten in  den  baierischen  und  österreichischen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol. 
ß-A.  1868,  p.  607. 

^j  M.  Neumayr,  Ueber  einige  neue  oder  wenig  bekannte  Cephalopcdön 
der  Macrocephalenschichten.  Jahrbuch  der  Geol.  K.-A.  1870,  p.  153. 

^)  E.  V.  Mojsisovics,  Petrefaktensuiten  aus  dem  Salzkammergut.  Ver- 
handl.  der  Geol.  R.-A.  1868,  p.  406. 

*)  K.  V.  Zittel,  1.  c,  p.  602-608. 

^)  M.  Neumayr,!.  c  ,  p.  147  — 156.  —  M.  Ne  um  ayr,  Jurastudien.  Jahrbuch 
der  Geol.  K.-A.  1871,  p.  247-  354. 

"J  A.  E  mmrich  in  A.  Schaubach,  Die  Deutschen  Alpen.  III.  Teil,  p.  335s 

'')  F.  V.  Hauer,  Ueber  die  geognostischen  Verhältnisse  des  Nordabhange, 
der  nordöstlichen  Alpen.  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.  1850,  p.  45.  —  F.  v.  Hauer 
Ueber  die  Gliederung  der  Trias-,  Lias-  und  Jiiragebilde  in  den  nordöstlichen 
Alpen,  Jahrbuch  der  Geol.  R.-A.  1853,  p.  771. 

")  K.  Peters,  Die  Nerineen  des  oberen  Jura  in  Oesterreich.  Sitzungsber. 
der  Akad.  Bd.  XVI  (1855),   p.  3